Veranstaltungen
in Gießen anläßlich der Gaarabstimmung
Sonntag, 43. Januar:
Singen des Längerkrelfes in der Stadl znm Zeichen der Verbundenheil mit den Volksgenossen an der Saar.
Beginn: 17 Uhr am Selterstor, dann am Neuslädler Tor, Walltor, Stadttheater, Kreuzplah. Dort brennt die Grubenlampe, die die Saarsänger, die im vorigen Jahr beim Sängerkreis Gießen zn Gast waren, den Gießener Sängern überreicht hatten, während des ganzen Ab- flimmnngstages.
Montag, 14. Ionuar:
23.30 Uhr: Ankunft der Abstimmungsberechtigten des Kreises Gießen im Sonderzug.
Um 23 Uhr sind sämtliche Gliederungen am Bahnhofsplah angetreten. Die SS. Übernimmt den Ordnungsdienst. Zwei SA.-Stürme, die SA.-Kapelle, die Führer der Partei, die Vertreter der Behörden und der Stadt auf dem Bahnsteig 1.
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Die Deutsche Arbeitsfront.
IIS.-Gemeinfchastt .Kraft durch Freude-'.
Der darf mitfahren bei „Kraft durch Freudes- Fahrten?
Da noch immer Unklarheit darüber herrscht, wer an einer „KdF."-Fahrt teilnehmen darf, sehen wir uns veranlaßt, nachstehende Aufklärung zu geben.
Mit unseren Ferienzügen kann grundsätzlich nur derjenige fahren, der ohne unsere Hilfe eine solche Fahrt nicht mitmachen kann, der ohne unsere Hilfe überhaupt nicht dazu kommt, einmal im Jahre einen anderen deutschen Gau für acht Tage aufzusuchen.
Aus diesem Grunde ist eine Gehaltsgrenze gesetzt worden. Die Gehaltsgrenze ist RM. 250 für Ledige und Verheiratete ohne Kinder, für Verheiratete mit Kinder RM. 300. Die Entscheidung bat der Kreis- wart bzw. der von ihm beauftragte Referent.
Ueber die Gehaltsgren^e hinaus kann nur der mitfahren, der nachweist, daß er die Patenschaft für mindestens einen minderbemittelten Arbeitskameraden übernommen hat, d. h. also den Fahrpreis eines Kameraden übernimmt.
Rur Mitglieder (und direkte Angehörige von Mitgliedern) der Partei oder der Deutschen Arbeitsfront und der ihr korporativ angeschlossenen Verbünde können mitfahren, sofern die obigen Gehaltsgrenzen eingehalten sind. Mitfahren können also Mitglieder der Partei, DAF. (selbstverständlich auch der NS.- Haqo usw.), des Reichsbundes Deutscher Beamten, RSLB., Reichswehr, Studentenschaft, Arbeitsdienst, RS.-Frauenschaft, SA., SS. u. a. m.
Grundsätzlich ausgeschlossen sind nur diejenigen, die weder der Partei, noch der DAF. oder einem der ihnen angeschlossenen Verbände angehören.
Alle Anmeldungen erfolgen schriftlich oder mündlich bei der Geschäftsstelle der RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gießen, Schanzenstrahe 18,
Zimmer 10. Mit der Anmeldung muß zugleich das Fahrgeld bezahlt werden.
Fahrt nach Berlin vom 25. bis 29. Januar.
Während im Sommer vorwiegend Aufenthalte in den schönsten Gebieten Deutschlands vorgesehen sind, bietet die RS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" während der Wintermonate besondere Gelegenheiten zum Stadtbesuch. Die erste dieser Fahrten führt vom 25. bis 29. Januar nach Berlin. Die Teilnehmer werden in Einzelquartieren untergebracht. Die Verpflegung in Berlin beginnt am 25. Januar mit dem Abendbrot und schließt am 29. Januar früh mit dem Frühstück. Für die Heimfahrt wird den Urlaubern an Stelle des ausfallenden Mittagessens für die Bahnfahrt ein Reisefrühstück mitgegebcn.
Für Berlin sind vorgesehen und im Preis eingeschlossen: Eine Stadtrundfahrt mit Omnibussen. Führung und Museumsbesichtigung. Besuch des Berliner Zoo. Eine Fahrt nach Potsdam mit Besichtigung des Schlosses Sanssouci. An einem Abend nehmen außerdem sämtliche Fahrtteilnehmer am Besuch des Theaters des Volkes, der Bühne der RSG. „Krast durch Freude", teil. Die gesamten Kosten betragen 38 Mark.
Zur selben Zeit findet in Berlin die „Grüne Woche" statt, für Landwirte ist deshalb diese Fahrt die günstigste Gelegenheit, diese Schau zu besucb-n. Mitfahren kann jedes Mitglied der „Deutschen Arbeitsfront", das ein Einkommen bis 250 Mark monatlich hat.
Anmeldung bis Dienstag, 15. Januar, auf der Geschäftsstelle der RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Kreis Gießen, Schanzenstrahe 18, Zimmer 10.
breiten Topf gar gekocht. Wenn das Schweinefleisch gepökelt war, natürlich ohne Salz. Rohe Kartoffeln werden gerieben, ebenso eine dicke Zwiebel, dazu kommt Salz und etwas ausgelasienes Schmalz. Dieses wird gut durchaerührt, nachdem das Fleisch herausgenommen ist, löffelweise auf den Kohl gelegt und nun, wenn auf Gas gekocht wird, auf einer Asbestplatte gar gekocht oder in die Grude gesetzt und langsam gar gedünstet. Man muß vorsichtig kochen, daß es nicht anbrennt.
2. Eintopfgericht: Grüne und weihe Bohnen.
Bunter Speck oder durchwachsener Speck wird mit weißen, vorher eingeweichten Bohnen in nicht zu langer Brühe gekocht, dazu kommt eine Büchse Schnittbohnen und Kartoffclstückchen. Alles wird zusammen fertig gekocht. Es werden Würstchen dazu gegeben.
Oie Aufgabe der Zeitung.
Ein Wahnruf.
Die in Hannover erscheinende parteiamtliche „Niedersächsische Tageszeitung" wendet sich mit folgender eindringlichen Mahnung an alle, die es angeht:
„3n der letzten Zeit hat sich eine Unsitte besonders bemerkbar gemacht, der es gilt, zu Leibe zu gehen. Halbamtliche und private Stellen übersenden nämlich den Blättern Notizen mit dem Ersuchen um Aufnahme in den berichtenden (redaktionellen) Teil mit dem Vermerk, daß Kosten aus der Veröffentlichung nicht entstehen dürfen. Niemand denkt daran, daß die Tageszeitungen angesichts der wirtschaftlichen Notlage außerstande sind, etwas umsonst zu machen. Warum verlangt man diese Leistungen nur von der Tageszeitung? Kann ein anderer Gewerbetreibender etwas umsonst liefern?
Die Zeitungen sind bereit und beweisen dies täglich, Opfer zu bringen, aber alles hat feine Grenzen. Der Einwand von vielen Seiten, daß es bei den kostenlos zur Aufnahme empfohlenen Sachen sich um solche handelt, die die Allgemeinheit besonders berühren oder kulturelle und sonstige Belange fördern helfen, ist nicht stichhaltig, denn die Schriftsetzer und anderen Beschäftigten können auch nicht mit diesen Hinweisen abgefertigt bzw. ihr Arbeitslohn für derartige Sachen kann ihnen nicht vor enthalten werden. Zudem muß laut gesetzlichen Best mmungen der berichtende Teil frei bleiben von allem, was nur entfernt einer Reklame ähn- lichsieht.
Wie schwer Druckereien jetzt überhaupt zu kämpfen haben, beweist auch die Tatsache, daß man neuerdings dazu übergegangen ist, viele Schriftsätze, wie Einladungen, Programme usw. durch Vervielfältigungsapparate herzustellen, also gewissermaßen Schwarzarbeit zu betreiben. Den Zeitungen aber mutet man dann noch zu, über Deranstaltun- gen, bei denen derartige Programme usw. maßgebend waren, große Berichte aufzunehmen. In diesem Verfahren muß Wandel geschaffen werden; so wie bisher geht es auf keinen Fall weiter."
Oie Führung der Dozentenschaft an der Universität.
Don der Presiestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Professor Dr. Karl Hummel ist vom Hessischen Staatsminister zum Führer der Dozentenschaft an der Landesunivcrsität, Dr. Ottfried Timpe, Assistenzarzt an der Chirurgischen Klinik, zum Zweitführer ernannt worden.
G ockenaeläuie zur Saarabstimmung.
LPD. Der Landesbischof der evangelischen Lan- desk:<che Nassau-Hessen hat angeordnet, daß aus Anlaß der Saarabstimmung die Glocken überall am Samstag, 12. Januar, von 18 bis 19 Uhr geläutet werden.
Gedächtnisstunde für Ernst Monh Arndt in den hessischen Schulen.
LPD. Am 26. Dezember konnte Deutschland die I Wiederkehr des 175. Geburtstages von Ernsts Moritz Arndt begehen. Aus diesem Anlaß hat. der Leiter des hessischen Bildungswesens angeord-1
Nachts durch den Wald.
Von Lohan Luzian.
Es geht ein Mann nachts durch den Meld auf der Straße am Seeufer entlang, auf der sauberen, glattgeteerten Landstraße. Er hat ein gutes, ruhiges Gewissen, wie er so Heht unter den kahlen, wind- durchsausten Buchen, die sich mit den hohen Wipfeln und breiten Astarmen über ihn beugen, wie er an den schwarzen, stummen Fichten vorübermarschiert, die sich rechterhänd wie Mauern aufbauen und an dem Überrankten, krausen Buschwerk entlang, durch das zuweilen linkerhand der See schimmert, der eisengraue, winterkalte See, und seine Nagelstiesel- fdritte hallen sorglos in die sternlose Nacht, nnb fein Stock tickt wie ein unschuldiger Tropfenfall auf die Straße. Der Mann hat es auch warm, er steckt in richtiger Kleidung und er leidet keinen Hunger, er könnte also ganz sorgenlos hier marschieren die halbe Stunde durch den einsamen Wald, bis zum Wirtshaus, wo es schon freier wird über den Aeckern, und bis zum Dorf, das dann bald kommt.
Aber der Mann geht nicht allein durch diesen nächtigen Wald, er weih es, und deshalb ist er nun doch unruhig geworden, er weiß, es grht ein Mensch hinter ihm her, ein Mensch mit unheimlichem Ge- schlurf und Gescharr, das sich nicht ergründen läßt. Der Mann lacht zuerst über seine Unruhe, was soll ihm auch geschehen können? Aber dann geht er doch ein wenig schneller, um diesem rätselhaften störenden Geräusch davonzulaufen, und als er meint, weit genug zu sein, lauscht er zurück: da hört er das Geräusch ebenso hastig ihm nachlaufen. Dem Mann kriecht nun doch ein kaltes Gefühl über den Rücken, und trotz seiner warm'n Jacke und dem wollenen Tuch um den Hals erschauert er, bis er sich selber wieder zur Vernunft bringt, denn er glaubt ja nicht an Gespenster und ist doch auch stark und mit dem Stock sogar bewaffnet. Nun bleibt der Mann stehen und will es also mit dem schlurfenden, scharrenden, verdammten Geräusch in Gottes Namen aufnehmen. Aber als der Mann stehenbleibt, bleibt das Geräusch auch stehen, es kommt niemand und nichts näher heran, obgleich die Beiden im Walde gar nicht weit voneinander entfernt fein können. Sie stehen oa und belauschen einander.
Endlich schüttelt der Mann zornig den Kopf und brummt einen Fluch, eine kräftige Aufforderung, eine landläufige, das Herz erleichternde Aufforderung, in das Dunkel, und nimmt feinen Stock fester in die Hand und marschiert weiter durch den mauerschwarzen Wald, bis er endlich das Licht vom S^ewirtshaus sieht und dahinter schon die freieren Flächen der Dorfgemarkung. Und wie der Mann unter dem Licht an der Tür nun stehenbleibt, um
net, daß im Lause der ersten Woche nach Wiederbeginn des Unterrichts dieses Vorkämpfers deutscher Erneuerung, der in einer Zeit tiefster Erniedrigung und höchsten Aufbauwillens einer der größten Künder deutschen Wesens war, in einer letzten Schulstunde gedacht wird. Daneben haben die weltanschaulichen Unterrichtsfächer im Nahmen ihrer Arbeit sein Wollen und Tun der Jugend lebendig zu machen.
Deutsche Arbeitsfront.
Derufshauplgrnppen.
Als Vorläufer des Reichsberufswettkampfes wird in der Zeit vom 16. bis 23. Februar ein Schaufenster-Wettbewerb in Gießen durchgeführt Iwerden. Die Firmen werden gebeten, bis zum 15. Ja- | nuar zu melden: 1. wieviel Fenster sie zur 23er« । fügung stellen, 2. die Namen ihrer Jungangeftellten, Ibie diesen Wettbewerb durchführen.
endlich dem Schlurfen, dem Unheimlichen, dem Rätselhaften da hinter ihm auf die Spur zu kommen, ba taucht ein windschiefes Wesen aus dem Dunkel auf, ein dürres Etwas mit einem geknoteten Bündel über der Schulter und schlotternden Hosen an schlenkernden Beinen und mit schlechten Schuhen an den Füßen, mit sehr schlechten Schuhen, mit einer Art von Tennisschuhen, die lautlos gehen, wenn sich nicht gerade eine Sohle gelöst hat. Aber das hat sie bei diesem Burschen, der da heranmarschiert kommt, von einem Schuh hängt die Sohle wie ein großer Lappen herunter unb schnappt wie ein hungriges Maul bei jedem Tritt auf und zu und schlurft darum über den Boden mit dem erbarmungswürdigen, schnarrenden Laut. Das war es also!...
Jetzt muß der Mann natürlich lachen, wie er diese armselige Schuhsohle sieht, die ihn durch Den Wald zu jagen vermochte, und der Wanderbursch bleibt auch stehen unter dem Lichte und lacht, er verzieht sein knochiges Gesicht zu einem breiten Grinsen, und bann treten sie beibe ein in die warme Stube, in das Licht, in die kachelofene Behaglichkeit zu der hübschen Wirtin und bestellen sich Bier, denn der Weg hat Durst gemacht. Und als die Krüge vor ihnen stehen, da geschieht es ganz von selbst, daß sie sie heben und einander ein leises Prost! zutrinken, als kennten sie sich, der Mann und ber Wanderbursch.
Warum sind Sie eigentlich stehengeblieben. Sie! fragt der Mann nach einer Weile grübelnden Lächelns.
Ja mei, — i mußt net, wen i da vor mir haben kunnt...
Und warum sind Sie gelaufen, als ich lief?
Der Wanderbursch wischt sich verlegen das Kinn und schwenkt spielerisch den Krug, um das Bier noch einmal zum Schäumen zu bringen, er weiß nicht recht, wie er es sagen soll.
Es war halt... I hab mir denkt: lah'n dir net davonlaufen, fönst bist nacha ganz allein in dem vareckten Wald da. Ja ... Prost, Herr Nachbar!...
Prost!...
Ja, so ist das wohl, so muß das wohl fein, wenn zwei durch den dunklen Wald gehen, zwei, bie sich nicht kennen, die unter lauter schwarzen Bäumen gehen, durch die der Wind pfeift, durch die das Wasser gurgelt und rauscht: sie wollen einander gewiß nichts Böses tun, aber dennoch traut einer dem anderen nicht. Sie wissen aber auch, dort geht ein Mensch wie du, und es ist gut, daß dieser Mensch dort geht, aber sie halten dennoch Abstand voneinander, die beiden Wanderer im bergenden, oben Walde. Ja, so ist das, denn im Dunkel, im einsamen Dunkel wandern so viele Geheimnisse mit, unb überall geht das Böse neben dem Guten.
Starke Senkung der Marmeladenpreise
(Fwd.) Der Reichs- und preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft und der Neichs- finanzminister haben im Zusammenwirken mit dem Reichsnährstand Maßnahmen getroffen, die eine weitgehende Verbilligung der am meisten verwendeten Marmeladen — Vierfruchtmarmelade, gemischte Marmelade und Apselnachpreßgelee — bis in den Herbst dieses Jahres hinein ermöglichen. Der Reichsminister der Finanzen, sowie die rübenbauende Landwirtschaft haben hierzu erhebliche Beträge bereitgestellt, mit deren Hilfe es möglich wird, die genannten Marmeladen im Laden nicht, wie bisher, für 40 bis 50 Pf., sondern für 32 Pf. je Pfund abzugeben. Der Reichskommissar für Preisüberwachung ist gebeten worden, diesen Preis als Höchstpreis zu binden.
Eine Abgabe der verbilligten Marmeladen an
Lieber das südslawische DolksepoS.
Auf Einladung der Universität Gießen hielt der Prorektor der Deutschen Universität in Prag, Professor Dr. Gerhard G e s e m a n n, im Kunstwissenschaftlichen Hörsaal den zweiten der beiden angekündigten Gastoorträge über das Thema „W a s kann die europäische Epenforschung aus dem südslawischen Volksepos lernen?" —: einen temperamentvollen und überaus interessanten Vortrag, der, in seiner Themenstellung wesentlich begrenzter und spezieller als der erste, sich in erster Linie an einen philologisch und literarhistorisch interessierten und geschulten Hörerkreis wendete. Allerdings kann darüber im Rahmen eines Zeitungsreferates nur mit gewissen Einschränkungen und im Ueberblick berichtet werden, weil einige der wesentlichsten Grundprinzipien und Erscheinungsformen des südslawischen Volksepos an Hanb von graphischen Darstellungen und einer Schallplattenwiebergabe entwickelt und demgemäß nur im unmittelbar-persönlichen Eindruck ausgenommen und verarbeitet werben konnten. Professor G e f e m a n n ging von einigen elementaren Tatbeständen aus, wie z. B., daß man heute nur noch von zwei Völkern im europäischen Kulturkreis, den Russen und den Serbokroaten, lernen könne, wie ein Mensch ein episches Lied zum Vortrag bringt. Was ist eigentlich ein Epos? Ein Lied, von Helden für Helden über Helden gesungen, hohe Gemeinschaftskunst heroischer Schichten. Heroismus als soziale Lebensform ist Voraussetzung für das Volksepos; es ist die Selbstgestaltunq des heroischen Menschen, zugleich eine Chronik der heroischen Ereignisse und eine Art von Geschichtsphilosophie. Beispiele dafür findet man bei den Serben bis in die Zeit des Weltkrieges hinein. Das Epos ist (nach der bekannten Theorie von Hans Naumann in Bonn) ins Volk gesunkene Kunst, bleibt aber auch noch in dieser Sphäre durchaus aristokratisch in der Haltung. Besonders interessant schien uns ein kleiner Exkurs über das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Stilisierung, insbesondere über die in Frankreich herrschenden Auffassung dieses Verhältnisses. Allmählich erfolgt der Uebergang zum Professionalismus, zum Spielmann, wie man ihn aus dem Mittelalter kennt. Den heutigen Gebrauch findet man etwa noch in Montenegro und Bosnien. Die ideale Fiktion ber Einheit von Sängern und Helden bleibt möglichst gewahrt. Dabei ist ber Sänger stets Improvisator, während das Publikum die Rolle des Zensors spielt. An Hand einer Schallplattenwiedergabe ging der Vortragende dann auf die Einzelprobleme des südslawischen Epos ein, vor allem auf die elementare Frage, wie eigentlich ein langes und großes Heldenlied gefangen worden
industrielle Betriebe und Unternehmungen, wie z. B. an das Hotelgewerbe, Bäckereien usw., ist verboten. Die verbilligte Marmelade wird in besonders gekennzeichneten Großpackungen an den Handel geliefert und lose an den Verbraucher ausgewogen. Es ist basur Sorge getragen, daß in allen Teilen des Reiches vom 20. Januar ab verbilligte Marmelade in genügendem Ausmaß in allen Läden zum Verkauf steht. Besonderer Wert wird auf bie Qualität der Erzeugnisse gelegt. Es sind deshalb für die verbilligten Marmeladen über die bisherigen gesetzlichen Vorschriften hinaus verschärfte Herstellungs- bebingungen vorgeschrieben worden.
Mit ber Durchführung ber Maßnahme ist die Wirtschaftliche Vereinigung der deutschen Obst- und Gemüseverwertungsinbustrie unb oerroanbter Betriebe betraut worben. Sie wirb auch die Durchführung ber Anorbnung über die Qualitätsverbesserungen überwachen.
Mietausg'eichstelle Sieben.
Wie aus dem heutigen Anzeigenteil hervorgeht, haben die zuständigen Vereine — wie man uns schreibt — auch in Gießen nach langen Vorbereitungen eine Mietausgleichstelle errichtet. Ihr Zweck ist die Herbeiführung einer wahren Volksgemeinschaft, die ihren höchsten Ausdruck in ber Pflege einträchtiger Hausgemeinschaft finden soll. Zur Befriedung des Verhältnisses zwischen Vermieter unb Mieter sollen burch diese Ausgleichstelle alle Meinungsverschiedenheiten, Zwistigkeiten und Auseinandersetzungen, die durch das Mietverhältnis entstanden sind, auf gütlichem Wege geschlichtet werden. Die beiden Vereine haben ihre besten Sachkenner und erfahrensten Vertreter zu dieser sozialen Aufgabe zur Verfügung gestellt. Sie bieten damit allen Volksgenossen die beste Gewähr für bie Pflege einer tatsächlich praktischen sozialen Volksgemeinschaft. Man beachte bie heutige Anzeige.
Äon einem Auto angefahren und auf der Steile ge'ötet.
Gestern gegen 22 Uhr ereignete sich in ber oberen Frankfurter Straße ein schwerer Verkehrsunfall, dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Der 15 Jahre alte Gerhard Etzel aus Klein- Linden befand sich, fein Fahrrad an ber Hanb füh- renb, in Begleitung feiner Schwester auf bem Heimwege. Dabei würbe der junge Mann unversehens von einem hinter ihm herankommenden Personenauto angefahren und so schwer verletzt, daß er an einem schweren Schädelbruch auf der Stells t o t war. Der Kraftwagen wurde von Dr. Philipp Kraemer in Friedberg gesteuert. Die Leichs wurde nach dem Neuen Friedhof gebracht. Dis polizeiliche Untersuchung des tragischen Vorfalles ist zur Zeit noch im Gange.
Daten für Sonntag, 13. Januar.
1859: der Schriftsteller Karl Bleibtreu in Berlin geboren (gestorben 1928); — 1916: Cetinje, Hauptstadt von Montenegro, von österreichischen Truppen besetzt; — 1928: ber Theologe Friebrich Loofs in Halle a. b. S. gestorben (geboren 1858).
Gießener Wochenmarklpreije.
* Gießen, 12. Jan. Aus bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, bas Pfunb 1,50 bis 1,55 Mark, ßanbbutter 1,42 Mark, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (frische) 11 bis 13, (inländische Kühlhauseier) 10 bis 13, (ausländische) 10 bis 13, Wirsing, das Pfund 10, Weißkraut 8, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote" Rüben 8 bis 10. Spinat 15, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 10 bis 12, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerretttich 20 bis 40, Schwarzwurzeln 22 bis 25, Kartoffeln 4 Pf., ber Zentner 3,20 bis 3.40 Mark, Aepfel, das Pfunb 10 bis 15 Pf., Honig 50, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 75 bis 85 Pf., Gänse 80 bis 90, Enten 80 bis 90, Tauben, bas Stück 50 bis 60, Blumenkohl 20 bis 50, Salat 20, Enbioien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30 Pf.
Vornolizen.
— Tageskalenber für Samstag: NS.- Lehrerbunb, Kreis Gießen, 15 Uhr, in ber Goethe- schule ber Bezirks- unb Schulgruppenobleute. — ist. Es gibt zwar Aufzeichnungen unb Notenschriften, boch stößt eine Übertragung auf uns geläufige Verhältnisse auf erhebliche Schwierigkeiten; es gibt hier grundsätzliche Abweichungen von unserem Tonsystem, und es kommt nicht so sehr darauf an, was der Sänger singt, sondern darauf, was er meint. Sein Instrument ist die einsaitige Gusla. Wichtig ist die symbolische Bedeutung des Tonsystems, die an Hand eines Notenschemas sehr einleuchtend erläutert wurde. Der Vortragende kam ferner auf die rhythmisch-musikalischen und bie metrischen ©runbiagen zu sprechen unb gab mit ein paar ge« schickt improvisierten Andeutungen einen Begriff vom Wesen des südslawischen Volksepensängers; dies ist, wie man sich überzeugen konnte, keineswegs etwa eine primitive, sondern eine sehr komplizierte und von alter Tradition getragene Kunst. Zum Schluß wurden gewisse Parallelen und Berührungspunkte dieser Volksepik mit dem antiken, dem germanischen und romanischen Epos wenigstens an- gedeutet und Darauf hingewiesen, wie notwendig und ersprießlich gerade auf diesem Gebiete eine wechselseitige Erhellung der Wissenschaften sei.
Dom Raben.
Ganz unverdientermaßen ist der Rabe in den Rus gekommen, daß er seine Kinder schlecht behandle. In Wirklichkeit gehört er zu jenen Vögeln, die mit Einsetzung ihres eigenen Lebens ihre Jungen schützen und sich mit rührender Sorgfalt um sie bemühen. Selbst wenn einer von beiden Eltern vom Tod ereilt wird, bleibt der überlebende Vogel um bie Aufzucht seiner Brut bemüht. Nur bummen Vögeln tagt man es nach, baß sie für ihre Jungen wenig Liebe besitzen, unb ber Nabe ist ein sehr kluger Vogel. Er, der dem Götteroater Odin weise Sprüche ins Ohr flüstert, wird mit Recht in der germanischen Mythologie um seiner Klugheit willen geschätzt. Ein Beispiel für die überraschende Weisheit eines Rabenelternpaares sei hier mitgeteilt. Der Besitzer eines Gehöftes, Grisdale, beobachtete feit Jahren, daß Naben ihre Nester auf Zweigen eines Ulmenbaumes bauten, der auf feinem Grundstück stand. In einem Frühjahr nun zögerten die Raden, sich wieder auf dem Baume anzusiedeln; sie hielten eine aufgeregte Versammlung ab unb begannen bann systematisch, bie alten Nester herunterzureißen, um sich auf einem anberen Baume in ber Nähe neue Nester anzulegen. Einige Monate später stürzte ber Baum in sich zusammen. Die Raben hatten offensichtlich bie Schabhaftigkeit bes Baumes deutlich erkannt unb nicht nur selbst die Flucht ergriffen, sondern auch ihre Kameraden durch die Vernichtung der Nester von der Ungeeignetheit des Baumes als Siedlungsplatz benachrichtigt.


