Einzelbild herunterladen

IlrJ!) Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)

Somstag, 12. Januar 1955

Bahnbau Dreihausen-Mücke?

Die Gießener Ortsgruppe der Saardeukjchen im Bahnhof.

Aus der Provinzialhauptstadt

uns Ein- dem

Gaardeuische passieren Gießen

Ein prächtiges Erlebnis der deutschen Volksgemeinschaft.

Die Abreise der Gießener Abstimmungsberechtig­ten in das Saargebiet gestaltete sich zu einer großen Kundgebung, die alle, die dabei sein konnten, in freu­dige Erregung versetzte. Kurz nach 7 Uhr sammelte man sich auf dem Marktplatz. Die abstimmungs­berechtigten Saardeutschen waren pünktlich und reise­fertig zur Stelle, PO., SA., SS., Jungvolk, Hitler- Jugend und BDM. kamen in geschlossenen Forma­tionen an. Auch der Arbeitsdienst hatte eine Abtei­lung entsandt, um der herzlichen Verbundenheit mit den Saardeutschen Ausdruck zu verleihen.

Viele Volksgenossen, die sich auf dem Wege zu ihrer Arbeitsstelle befanden und sich früher als sonst auf den Weg gemacht hatten, um dem Abschied beiwohnen zu können, belebten den Marktvlatz. Kurz nach 7.30 Uhr machte man sich auf den Weg. Schneidige Musik des Spielmanns- und Musikzuges der.-Standarte klang auf und in gleichem Schritt und Tritt ging es zum Bahnhof. Auf den Straßen unserer Stadt herrschte reges Leben. Die Schuliugend war mit Begeisterung dabei und stand Svali-'r. Aus vielen Fenstern wurde den Saar- deutschen füY ihre Reise herzlicher Gruß zuteil. Auf dem Bahnhofsvorplatz und in der Bahnhofshalle herrscht" "m aroß°§ G^drärwe. Jedermann wollte dem Abschied der Saardeutschen beiwohnen. Wäh­rend die Musik immer w'eder ihre Weisen erklingen ließ, begaben sich die Abstimmungsberechtigten so­fort auf den Bahnsteig. Der Zug stand bereit Der

Eintopfgericht. l?on Amalie Siffmann/Reof.

Der Abschied

der Gießener Abstimmungsberechtigten

werden soll.

Hinsichtlich der Finanzierung der Bahnerweite- rung von Dreihausen bis Mücke hat im Januar 1927 die damalige Marburger Kreisverwaltung eine Mitteilung in der Presse veröffentlicht, in der es u. a. heißt:Zur Finanzierung einer Weiterführung der Kreisbahn bis Mücke müßten zunächst folgende Voraussetzungen gegeben sein: 1. daß überhaupt Mittel aus der produktiven Erwerbslosenfürsorqe bewilligt werden; 2. daß die sogenannte Grund­förderung aus der produktiven Erwerbslosen'ürsorge das ist der einfache Unterstützungssatz eines Er­werbslosen pro Tag vom einfachen auf das IV2- fache erhöht und auf Reichs- und Staatsmittel über­nommen wird; 3. daß als Darlehen aus der pro­duktiven Erwerbslosenfürsorge das 4'/rfache der Grundförderung bewilligt und der gewöhnliche Zins­satz von 5 auf 4 v. H. herabgesetzt, ferner die Til­gungsfrist von 10 auf 15 Jahre verlängert wird; 4. daß als Grundsörderungssatz für jedes Tagewerk 2,30 RM. bewilligt werden und 5. daß nur Er- werbslose beschäftigt werden (je mehr nichterwerds- lose Facharbeiter die aber gar nicht zu entbehren

zu begünstigen.

Dor 30 Jahren, als das Gaskochen noch neu war, kauften ober bauten sich die Hausfrauen selbst eine Kochkiste, um Gas zu sparen. Die Kochkisten sind leider wieder in Vergessenheit geraten, ober wer­ben als unmobern bezeichnet. Ja, sogar bas Turm- Pnrf)»n, b. h. einen Tovf über ben anbern, ober eine Schüssel mit Aufwaschwasser auf ben Kochtopf zu stellen, kann nicht oft genug empfohlen werben, ba viele Frauen unb Mäbchen biete Maßnahmen nicht kennen. Wenn bie stäbtischen Hausfrauen bie Gas- lehroorträge in ben Gaslehrküchen besuchen würben, bie schon in allen Mittelstänben eingerichtet finb, so würbe es ihnen gelinaen, burch Svarsamkeitsmaß- nahmen bie Kochgasrechnung alle Monate um einige Pfennige herunterzubrücken.

Diese kleinen Betrachtungen sollen bem Kapitel Eintopfgerichte" heute vorangestellt werden; benn mir wollen ja sparen: wir wollen bas Gute, bas die Großmütter uns überliefert haben, nicht achtlos übersehen,

1. Eintopfgericht: Sauerkraut mit Schweinefleisch und Kar­toffelklößen.

Frisches Schweinefleisch, Bauchsleisch, Kleinsleisch ober ein Eisbein wird mit Sauerkohl in einem

DA. In derguten, alten Zeit", als es wirtschaftlich sehr gut ging, wurden viel mehr topfgerichte gekocht, als heute. Die Jahre nach Kriege haben leider hierin ganz haltlose Verhältnisse gebracht. Wenn die Nachfrage nach den ausländi- sehen Früchten nicht gewesen wäre, so hätte bie große Einfuhr auslänbischer Waren in ber Sristem- zeit nicht in bem Maße entstehen können, wie es tatsächlich ber Fall war. Die Schuld liegt zu einem Teil bei ben Hausfrauen selbst. Leiber haben wir auch heute noch viele Hausfrauen, bie heiraten, ohne eine Haushaltslehre burchgemacht zu haben. Schnell wirb ein Pfannengericht zubereitet, wahllos wer­ben Sübfrüchte unb Salate aus aller Herren Län- ber bazu gewählt. Auch hierin bat uns bas Dritte Reich erfreulicherweise eine Wanblung gebracht, da es um bie gründliche Vorbereitung ber Frau für ihren Hausfrauenberuf ernstlich besorgt ist. Die Hausfrau wirb heute bazu erzogen, bei all ihren Einkäufen sich ihrer Verantwortung gegenüber ber beutschen Volkswirtschaft bewußt zu fein unb immer bann ben beutschen Erzeugnissen ben Vorzug zu geben, wenn biese noch irgenbroie zu haben finb.

Hülsenfrüchte, Graupen unb Grütze müssen am Abend vorher eingeweicht werben, bamit sie leicht bekömmlich unb wirklich nahrhaft sinb. Wer eine Grube hat, tut stets gut, Hülsenfrüchte schon abenbs seitlich in bie Grube zu setzen, um bas richtige Aufqoellen ber gebörrten ober getrockneten Früchte

Reihen ftanben auf dem Bahnsteig auf Tischen die Tassen bereit, im Handumdrehen waren jedesmal beim Einlaufen eines Zuges die großen Kaffee­kannen mit frischgefülltem Inhalt zur Stelle. Und dann hob ein eifriges Werk der dienenden Nächsten­liebe an. Während der Spielmannszug und der Musikzug der Standarte durch ihre schneidige Musik erfreuten, machten sich alle Männer der politischen Leitung, von der Spitze bis zum letzten, alle SA.- und SS.-Männer, von den Standartenführern bis zum jüngsten Kameraden, mit großem Eifer dar­an, in den Tassen den heißen Kaffe in die Züge zu reichen und die rasch geleerten Tassen immer noch einmal zu füllen, so daß jeder Kaffeewunsch befriedigt wurde. War ein Zug abgefahren, so wurde im Handumdrehen die Säuberung der Tassen vorgenommen, und alle Männer in der braunen Uniform stellten sich zum neuen Kaffeedienst für die durchreisenden Volksgenossen bereit, so daß bei ber Ankunft bes nächsten Zuges ungesäumt bie neue Versorgung beginnen konnte. Ueberall, wohin man sah, bemerkte man nur frohgestimmte Gesichter, hörte man herzliche Dankbarkeit ber Reisenben für ben überaus liebevollen Empfang unb bie aufmerk­same Bewirtung sich äußern, tinb bann gab es .immer wieder ein Abschiednehmen unter den Klän­gen des Saarliedes mit dem Deutschen Gruß, er­füllt von ber Gewißheit, baß mit biesen Zügen beutsche Kämpfer unb Kämpferinnen in bas Saar­gebiet fahren, um bort für ihr beutsches Daterlanb einzustehen, begleitet von bem zuversichtlichen Ver­trauen ber Gießener Volksgenossen, baß burch bie Stimmen dieser Männer unb Frauen ber gerechten deutschen Sache der verdiente Sieg errungen wird.

Im Laufe ber letzten Nacht tarnen weitere vier ' Sonderzüge mit saarabstimmungsberechtigten Män- ! nem und Frauen aus bem Reiche burch ben Gieße­ner Bahnhof. Gegen 0.30 Uhr traf ein Sonberzug aus Königsberg (Ostpreußen) ein, ber erst im Laufe des gestrigen Abenbs hierher gemelbet worben war. Die für bie Stunbe von 3 bis 4 Uhr heute angekün­digten brei weiteren Sonberzüge aus Berlin, Pom­mern unb Ostdeutschland kamen mit erheblicher Ver­spätung an Der für 3.04 Uhr angefünbigte Zug fuhr erst 20 Minuten vor 4 Uhr in bie Bahnhofshalle ein, bie nachfolgenden beiden Sonberzüge hatten gleichfalls erhebliche Verspätungen, so baß ber letzte Zug er ft gegen 4.30 Uhr heute früh bie Bahnhofs­halle verließ. Sämtliche Züge waren sehr stark be­setzt unb bestauben aus einer langen Reihe von v-Zugwagen.

Zur Begrüßung ber Volksgenossen und Volksge- nossinnen weilten die Mitglieber ber Kreisleitung mit Pg. Klo st ermann an ber Spitze, bie politischen Leiter ber Ortsgruppen Norb unb Ost mit ben Orts­gruppenleitern Thomas unb bem stellvertretenden Ortsgruppenleiter St r e u t e r an ber Spitze, von ber SA. Stanbartenkührer Lutter mit Angehöriaen feines Stabes, bem Spielmannszug unb bem Mu- stkzug ber Stanbarte unter Musikzuafübrer Herr­mann unb zw"i ßhrenftürmen mit Fabnen, von ber SS. di" Stanbartenführer I a k 0 b e r urtb Ruhl mit Stabsangebörigen auf bem Bahnsteig. skern<>r hatte sich roieberum, wie in ber vorhergehen­den Nacht, eine große Menschenmenge Hinzua-sillt, die allesamt ben burchreisenben Brübern unb Schwe­stern aus bem Reiche einen überaus herzlichen Enw- fanq bereiteten. Gewaltige D'aeisterunq erfüllte nach allem, was man bei bem Aufenthalt ber Rei­senben sehen unb hören konnte bie Männer unb Frauen, bie zum Kampf für das deutsche Vater­land mit dem Abstimmungszettel das deutsche Saar­gebiet aufsuchen, die herzlichste G^'nnun^und tiesite Verbundenheit im Geiste des Führers 21bolf Hit­ler wurde ihnen in roeitaebenbfter Weise non ben Gießener Volksgenossen offenbart. Es war erhebend und zugleich unvergeßlich, bie Geschehnisse dieser Stunden zu erleben. Die Eindrücke sind fo gewal­tig, daß man sie in Worten nicht zum Ausdruck brinaen kann. Man vermag nur das eine fettzu­stellen: hier schlugen die deutschen Herren 'n Liebe und Treue zum Führer des Deutschen Volkes Adolf Hitler und zum deutschen Vaterlande in völ­ligem Gleichklang stark zueinander hier wurden im schönsten Sinne des Wortes die deutsche Volks­gemeinschaft und die unlösliche Verbundenheit der deutschen Menschen aller Stämme und Schichten offenbar! Das war beiderseits, sowohl bei den durch­reisenden Volksgenossen, als auch bei ben Gießener Männern und Frauen, kein Strohfeuer aus der Freude der Stunde, sondern Ausdruck der starren Flamme heiliger Vaterlandsliebe, die b«e Herzen erwärmt unb b-m Willen stärkt, alle Kraft unb olles Streben stets unb überall einzusetzen für Das deutsche Vaterland.unb seinen Wieberaufbau!

Die Gießener Volksgenossen waren bei bem Auf­enthalt ber vier Sonberzüge in ber Lage, den Reisenben eine Erfrischung in Gestalt einer Tasse guten heißen Kaffees darzubieten. In langen

Musikzug, SA. und SS., hatten auf dem Bahn­steig Aufstellung genommen.

Der stellvertretende Kreisleiter Pg. Hopfen- m ü 11 e r hielt noch eine kurze Abschiedsansprache und wies auf bie hohe Bedeutung des morgigen Tages hin, der Schicksalstag für bas Saarlanb sei. Mit einem breifachenSieg-Heil" auf Führer unb Daterlanb beschloß er seine Ansprache. Gemeinsam unb begeistert würben bas Horst-Wessel-Lieb unb bas Deutschlanblieb gesungen. Unter ben Klängen bes Saarliebes, von allen mitgesungen, unter letztem herzlichen Winken aus bem Zuge unb zum Zuge, verließen bie in Gießen unb in Oberhessen ansässigen Saarbeutschen in ihrem Sonberzug ben Bahnhof.

Der Sonberzug, ber über Wetzlar, Limburg unb Nieber-Lahnstein in bas Saargebiet fährt, wirb von insgesamt etwa 980 Saar-Abstimmungsberechtigten besetzt sein, bie zum Teil auf ben einzelnen Sta­tionen zusteigen werben. Die Gießener Ortsgruppe bes Bunbes ber Saarvereine nimmt mit etwa 80 Personen an ber Fahrt teil, aus Oberhessen (Alsfesb, Lauterbach usw.) sowie auch von Marburg her be­stiegen in Gießen weitere 200 Abstimmungsberech­tigte ben Zug. Der Sonberzug wirb von zwei Aerz- ten unb fünf Helfern bzw. Helferinnen ber Sani­tätskolonne Gießen begleitet. Die Reichsbahn hat als .Transportleitung einige Herren beauftragt, bie ben Fahrtteilnehmern mit Rat unb Tat stets zur Seite 'stehen werben.

In einem Bericht aus Marburg hat berGießener Anzeiger" vorn 10. Januar 1935 über erneute Desire- 1 düngen zum Weiterbau der Marburger K r e i s d a h n v 0 n D r e i h a u s e n n a ch M ü ck e Mitteilung gemacht. In interessierten Marburger Kreisen ist nach jenem Bericht der Gedanke aufge­taucht, dieses Bahnprojekt, im Rahmen der Ar­beitsbeschaffungs-Maßnahmen der Reicksregierung zur Durchführung zu brin­gen. Ob bereits Schritte zur Verwirklichung des Planes in die Wege geleitet worden sind, ist bisher nicht bekannt geworden. Dennoch verdient der Ge­danke auch aus der jetzigen Lage heraus unter Dem Gesichtswinkel der Förderung berechtigter Interessen der Allgemeinheit betrachtet zu werden.

Dieses Bahnbauprojekt hat zuletzt Anfang 1927 die Öffentlichkeit lebhaft beschäftigt. Auch damals \ ging, wie schon in vorhergehenden Jahren, das Be- s streben dahin, die Marburger Kreisbahn von Drei-1 Hausen über Deckenbach, Rüddingshausen, Weiters- hain, Atzenhain und Merlau nach Mücke zu ver­längern und damit diese Orte, aber auch die be­nachbarten übrigen Ortschaften mit besseren Der- kehrsverhältnissen zu versehen. Vorn Standpunkt des öffentlichen Derkehrsinteresses aus war der Plan da­mals so begrüßenswert, wie er es auch heute noch ist. Wer die Verkehrsverhältnisse in jenem Winkel der Kreise Marburg, Gießen und Alsfeld kennt und sich dabei die wirtschaftlichen Möglichkeiten für die dortige Landwirtschaft, die Steinindustrie und die Bergbaubetriebe vor Augen hält, wird zugeben müssen, daß dieser Bahnbau alle Förderung ver­dient. Es würde sich dabei um eine weitreichende 1 Verkehrserschließung für ein Gebiet handeln, das i sich unter den bisherigen Verhältnissen nur schwer \ und in geringem Ausmaß entwickeln konnte, weil es in dem Bahndreieck MückeGießenMarburg ge­wissermaßen dentoten Punkt" darstellte, der auch durch die Marburger Kreisbahn bis Dmhaufen nicht beseitigt werden konnte. Natürlich müßte e i n Gesichtspunkt nach Maßgabe der heutigen Grund­sätze einer erneuten Prüfung unterzogen werden: die zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklungsmöglich­keiten der in jener Gegend in Betracht kommenden industriellen Betriebe aller Art, da mittlerweile Verschiebungen in den wirtschaftlichen Grundlagen eingetreten sein können, die für die Gestaltung eines gedeihlichen Bahnbetriebs nicht außer Acht gelassen werden dürfen, wenn das Unternehmen nicht auf unabsehbare Zeit zu einem Zuschußbetrieb und damit zu einer Last für die Anliegergemeinden

Ein Volk von Brüdern.

Von prarrer Gombel-Grafenbausen.

Dem morgigen Sonntag sehen mir alle mit fie­berhafter Spannung entgegen. Mit einer Span­nung, bie nichts mit oberflächlicher Neugierde zu tun hat, sondern die jeden deutsch Fühlenden zu­tiefst erfüllt und die Herzen ineinander schlagen läßt in der zuversichtlichen Gewißheit: Die Saar muß deutsch werden! Es geht nicht in erster Lime um materielle Vorteile, nicht darum, ob einige hundert Quadratkilometer wertvollen Bodens wie­der in unfern Besitz kommen; sondern es geht dar­um daß Menschen, die ihrer Vergangenheit, ihrem Denken und Fühlen, ihrer Bildung, ihrem ganzen Wesen nach zu uns gehören, wieder mit uns ver­einigt werden und als Brüder Hand in Hand mit uns die großen Aufgaben erfüllen, die Gott dem gegenwärtigen Geschlecht Vorbehalten hat, und die sie in der Verkettung mit Wesensfremden niemals lösen können. Es handelt sich darum, daß unsere Saarbrüder wieder des köstlichsten Besitzes froh werden, den wir auf Erden haben können: Men­schen, die zu uns gehören, deren Herzen im gleichen Rhythmus mit dem unfern schlagen und deren Ge­danken den unfrigen freundlich begegnen.

Wir wissen oft gar nicht, was Menschen uns sind und bedeuten. Wir nehmen sie als selbstver­ständlich hin, wie die Lust, die wir atmen. Gar häufig sind sie uns sogar lästig. Wir stoßen uns an ihnen und ersehnen die Einsamkeit:Daß ich trag Todeswunden, das ist der Menschen Tun; Natur lieh mich gesunden, sie lassen mich nicht ruhn". Aber solche Empfindungen sind Ausnahmen. Es wäre untragbar, auf menschliche Gemeinschaft verzichten zu müssen, auch wenn es nicht vollkom­mene Menschen sind, sondern fehlende, irrende^ ge° rabe wie wir selbst. Selbst wenn wir viel Muhe unb Not mit ihnen haben, so bleibt bie Gemein­schaft mit ihnen boch ein Segen. Das merken wir, wenn gemeinsame Aufgaben unsrer harren, wenn gemeinsames Glück uns beschieben ist unb gemein, fames Leib getragen werben muß. Drum sollten wir uns um nichts mehr mühen, nichts eifriger suchen, als Gemeinschaft mit Menschenseelen. In ihr ist Gott am spürbarsten unter uns, benn er tut sich uns am beutlichsten burch Menschen kunb, unb bas ist die Aufgabe unseres Lebens, ihn unseren Bru- bern zu zeigen, soweit er sich uns Eunbgetan hat. Das hohepriesterliche Gebet Jesu im 17. Kapitel bes Johannesevangeliums läßt uns einen tiefen fßlicf tun in biesen eigentlichen Sinn menschlichen Derbunbenseins. ....

Das ist auch ber religiöse Sinn ber toaarabftinv mung. Von uns bisher getrennte beutfdje Menschen zurückzuführen zu gemeinsamem Gotterleben mit den Brübern, zu benen sie nach Gottes Bestimmung * gehören.

Amtsgericht Gießen.

Wegen Verstoß gegen bie Reichsstraßenverkehrs- orbnung würbe ein Mann aus Beuern zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten ver­urteilt. Der Angeklagte, ber schon einschlägig vor­bestraft ist, würbe im Oktober vorigen Jahres mit­tels Strafbefehls wegen Fahrens ohne ben gesetz­liche Führerschein zu 2 Monaten Gefängnis ver­urteilt. Im Gnabenwege versuchte er ben Straf­erlaß herbeizuführen. Inzwischen fuhr ber Ange­klagte aber wieberholt ohne Führerschein Das Ge­richt erkannte auf bie obenerwähnte Gesamtstrafe. In ber Urteilsbegrünbung führte bas Gericht aus, daß es sich bei bem Angeklagten um einen Rechts­brecher schlimmster Sorte hanbele, ber sich ohne weiteres über jebe Anorbnung ber Verwaltungs- behörbe hinwegjetze.

Sobann befaßte sich bas Gericht mit einem Mann aus Gießen wegen Körperverletzung unb Beleibigung. Der Angeklagte wollte von ber sog. Pflichtarbeit befreit fein. Es würbe ihm leboch die Vorlegung eines ärztlichen Attestes zur Pfticht ge­macht. Im Laufe ber Auseinanberfetzung schlug ber Angeklagte bem Beamten ins Gesicht Beim V.r- lassen bes Büros erging er sich gegenüber bem Be­amten in schweren Beleibigungen. Das Gericht ver­urteilte ben Angeklagten zu 4 Monaten ©e-.| fängnis unb in die Kosten des Verfahrens.

Die Schwarz-Weiß-Linien zeigen die bestehenden Reichsbahnftrecken MückeGießen unb Gießen Marburg sowie bie Marburger Kreisbahn von Mar­burgDreihausen an. Die punktierte Linie stellt bie vorgeschlagene Verlängerung ber Marburger

Kreisbahn von Dreihausen nach Mücke bar.

fürsorge gebeckt wirb, bas finb 3 000 000 2 400 000 -- 600 000 RM., müßte auf bem freien Gelbmarkt beschafft werben.

Wir geben biese Berechnungsgrunblage vom Ja­nuar 1927 als einen Anhaltspunkt lebialich berichtenb mieber, ohne selbst sachlich bazu Stellung zu nehmen, benn mittlerweile hat sich ja erfreulicher- weise bie Einstellung ber für bie öffentlichen Inter- essen verantwortlichen Stellen grunblegenb geroan- bett, wobei man jetzt burdjaus zutreffenb Nicht ben toten Dingen ober bem reinen Kapitalstanbpunkt, fonbern vor allem bem schassenben Menschen ben Vorrang zuerkennt. Die angeführten Zahlen zeigen immerhin, baß man bie Weiterführung ber Kreis- bahn von Dreihausen bis nach Mücke nicht etwa als ein Kinberspiel betrachten barf, fonbern bas Projekt als eine fchwerwiegenbe finanzielle Ange­legenheit zu werten hat. Jeboch ist unter ben heu­tigen Verhältnissen bie Hoffnung nicht unberechtigt, baß bie allgemein-wirtschaftlichen unb ftaatspoh- tischen Gesichtspunkte für bie Verwirklichung bes Marburger Planes zu einem starten positiven Fak­tor werben könnten. Wenn baraus bie Verlänge­rung bes Schienenwegs von Dreihausen nach Mucke entstehen würbe, bann könnte bie Bevölkerung jener Orte unb mit ihr bie Gesamtwirtschaft ber Kreise Gießen, Alsfelb unb Marburg eine wertvolle unb weitreichenbe Förberung als neue Antriebswelle zu einer besseren Zeit verbuchen.

finb, befto weniger Mittel aus ber produktiven Erwerbslosenfürsorge). Die Finanzierung würde sich dann rote folgt stellen: Die Gesamtbaukosten für die Weiterführung der Bahn bis Mücke sind auf drei Millionen Mark geschätzt, die Zahl der Arbeiter- tageroerte auf 180 000 (600 Arbeiter X 300 Taae). Unter den obigen Voraussetzungen mürben aus ber probuftioen Erroerbslosenfürsorge bewilligt werben: geschenkweise 621 000, als Darlehen 1 179 000 RM., zusammen 2 400 000. Die Verzinsung bes Darlehens würbe bei 4 v. H. im ersten Jahre betragen 71160 RM., bie Tilgung 62/8 0. H. - 118 600 RM., zu- lammen 189 760 RM. Der Rest bes Baukapitals, ber nicht aus Mitteln ber vrobuktiven Erwerbslos n-

/tCapp^

\

yiiu&l»»gshAüsen; , -j

' "QC . - - , A

; z ' X ''' '