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(Stürmische Zustimmung.) Eine aus Männern be­stehende Bewegung aufzubauen, die trotzdem den einzig möglichen Weg ging, der beschritten werden konnte. Und dem verdanken wir unendlich viel. Denn wir leben nicht allein in der Welt. Um uns sind gewaltige Staaten, die jeder deutschen Er­hebung mißgünstig zusehen. Wir können nur vor ihnen bestehen, wenn wir nicht nur weltan­schaulich, sondern auch waffenmäßig stark sind. Und das war klar: Das war nicht zu machen dadurch, daß wir die bestehenden Waffen­institution zerstörten, sondern daß wir sie absolut in ihrer ganzen Geschlossenheit mit dem national­sozialistischen Gedanken und der Verwirklichung dieses Gedankens aussöhnten und so diesen neuen Bund begründeten, der heute Deutsch­land wieder so stark vor aller Welt in Erscheinung treten läßt. Ich habe das aesehen in dem Augen­blick fast, in dem die Schüsse hier verhallt waren. Wenn Sie meine Schlußrede im großen Prozeß nachlesen, werden Sie wohl sagen können: Ich habe prophetisch den einzig möglichen Entwick­lungsgang vorhergeahnt, ihn ausgespro­chen, und ich habe ihn neun Jahre lang be­harrlich verfolgt. Ich konnte ihn nur ver­folgen, weil vorher diese Aktion stattfand und weil Männer vorher für diesen Weg gestorben sind.

Wenn gestern im Deutschen Reich eine neue Reichskriegsflagge aufgezogen worden ist, dann ist dies ein gewaltiges Ereignis. Be­denken Sie: Seit rund 2000 Jahren können wir

das deutsche Volk in der Geschichte verfolgen, und noch niemals hat dieses Volk diese einheit­liche Gestaltung in Form innerer Auffassung und in der Tat gehabt wie heute. Zum ersten­mal, seit es Deutsche auf der Wett gibt, ist ein Reich bewohnt von einem Volk, beherrscht von einer Weltanschauung, beschirmt von einer Armee und alles das zusammen unter einer Fahne. (Lang­anhaltende begeisterte Jubelrufe.) Wahrhaftig, die Bahrtücher dieser sechzehn Gefallenen haben eine Wiederauferstehung gefeiert, die weltgeschichtlich einzigartig ist. Sie sind zu Freiheitsbannern ihres Volkes geworden. Und es ist das Wunderbare, daß aus diesem Opfer heraus diese große Einigkeit in Deutschland kam, dieser Sieg einer Bewegung, einer Idee und die Verpflich­tung des ganzen Volkes darauf. And alles das, wir verdanken es mit diesen ersten Män­nern. Denn wenn ich damals niemanden ge­funden hätte, für dieses Reich mit Leib und Leben einzutreten, dann wäre dies auch später unmöglich geworden. Alle folgenden Blutopfer waren inspiriert durch das Opfer dieser ersten Männer.

Die Bewegung erobert Volk und Staat.

Deshalb heben wir sie heraus aus dem Dunkel des Vergessens und stellen sie hinein in die große Aufmerksamkeit des deutschen Volkes für immer, Mit diesen 16 Toten glaubten die Gegner die na­tionalsozialistische Bewegung getötet zu haben. Und sie haben damit nur den Blutstrom erweckt, der seit­dem mehr und mehr zu fliehen begann. Heute, da umschlingt dieses Band, diese Binde von damals das ganze deutsche Volk und weit darüber hinaus. Denn wo heute Deutsche sind und das ist wieder das Wunderbare da sehen Sie kein anderes Verbindungszeichen als das, was Sie, meine Par­teigenossen und Volksgenossen, schon damals an Ihrem Arm getragen haben. Und es ist wirklich ein Wunder, diese Entwicklung unserer Bewe­gung zu verfolgen. Der Nachwelt wird es vor­kommen wie ein Märchen. Ein Volk zer­bricht, und dann erhebt sich ein kleines Häuflein unbekannter Menschen und beginnt nun einen Wanderzug, der fanatisch seinen Anfang nimmt und fanatisch weiterläuft. Wenig Jahre später schon, da sind aus diesen paar Menschen und unbekannten Namenlosen zahlreiche Bataillone ent­standen, und wieder Jahre später sind aus die­sen Bataillonen schon Regimenter und Divisionen geworden, aus Ortsgruppen wurden Kreise und Gaue. Und wieder wenig Jahre später, da schickt diese Bewegung zahlreiche Abgeordnete in die Vertretungskörper. Und sie kämpft unentwegt ihren Kampf auf der Straße.

Immer wieder fallen neue aus den Reihen, Tausende werden verlebt, aber der Strom wird dennoch größer und ringt fich durch zur Macht. Und dann seht er feine Standarte über einen ganzen Staat. Ein wun­dervoller Zug! (Große Begeisterung.) Die Ge­schichte wird ihn als eine der wunderbarsten und bemerkenswertesten Erscheinungen in der Wett verzeichnen. Sie wird nach Vergleichen suchen und nach Beispielen, aber sie wird kaum ein Beispiel finden, daß aus einer solchen Ge­burt heraus ein solches Volk und sein Staat in so wenig Jahren restlos erobert werden konnten. Dieses Wunder, das ist durch uns geschehen. Wir sind die Glücklichen, die es nicht aus Büchern lernen, sondern die vom Schicksal ausersehen sind, es zu erleben. Wir, meine Kampfgenossen, können stolz sein, daß uns die Geschichte zu einer solchen Mission berufen hat.

Ich habe vor vielen Jahren meinen Anhängern gesagt: Vielleicht fragt von euch der eine oder

andere:Was soll nun der Lohn sein?"Mein Parteigenosse! Einmal wird der Tag kommen; da wirst du auf diese Binde besonders stolz sein, da wirst du auf ihr das Jahr deiner Erleuchtung ein- schreiben und glücklich sein, sagen zu können: Ich bin seit damals dabeigewese n."

Das ist es, was uns alle so zusammenfügt und zusammenschweißt. Die Nachwelt wird es einmal lernen. Wir aber können sagen, wirsind dab ei- gewesen. Wir habendas gemacht! (Stür­mische Zurufe.) Andere Generationen, die lernen von Heldensagen, von Heldenzügen. Wir haben diese Sage gelebt und sind mit im Zug mar­schiert. Ob der Name des einzelnen von uns der Nachwelt erhalten bleibt, spielt keine Rolle. Wir alle sind zusammengebunden in einer einzigen gro­ßen Erscheinung. Sie wird bleiben. Sie wird nim­mermehr in Deutschland vergehen, und aus den Opfern der ersten Kämpfer heraus wird stets von neuem die Kraft zu Opfern kommen. Daher ist unsere Dankbarkeit den ersten Opfern gegenüber unvergänglich. Unvergänglich, weil die Bewegung unvergänglich ist und weil sie sich immer erinnern muh, wem siedas alles verdankt. Man soll nicht fragen:Wieviele sind gefallen oder verwundet worden?" sondern:Wieviele sind denn damals marschiert?" Dann erhält man erst die Größe dieses Beispiels. Man muß weiter fragen: Gegen wieviele sind sie marschiert?" Denn ist je in Deutschland ein solcher Kampf gegen eine solche Uebermacht ausgenommen worden? Es gehörte wahrlich Mut dazu. Weil sie aber damals diesen Mut bewiesen haben, werden wir sie nie vergessen.

So wie es bei mir feststand, daß, wenn mir das Schicksal einmal die Macht übergeben wird, ich diese Kameraden aus ihren Friedhöfen her­ausholen und sie ehren und der Ration zeigen werde, so wie mir dieser Entschluß immer vor dem Auge blieb, so habe ich ihn nun erfüllt. Sie gehen jetzt ein in die deutsche Unsterblichkeit. Damals, da konnten sie das heutige Reich noch nicht sehen, nur ahnen. Das Schicksal hat es ihnen verwehrt, dieses Reich zu erleben. Rach- dem aber sie dieses Reich nicht mehr erleben und nicht mehr sehen durften, werden wir dafür sorgen, daß dieses Reich sie sehen wird. (Be­geisterte Zustimmung.) Und deshalb habe ich sie . in keine Gruft gelegt und in kein Gewölbe verbannt. Rein, so wie sie damals mit offener Brust marschierten, so sollen sie jetzt in Wind und Wetter, bei Sturm und Schnee unter Gottes

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freiem Himmel liegen, immer als Mahnzeichen für die deutsche Ration. Und für uns find sie nicht tot Diese Tempel sind keine Grüfte, sondern eine ewige Wache, hier stehen sie für Deutsch­land und wachen für unser Volk, hier liegen sie als treue Zeugen unserer Bewegung. Damit haben wir und hat unsere Generation diesen toten Kameraden gegenüber die uns obliegende pflicht erüllt. Wir haben sie nicht vergessen, son­dern im treuen Herzen getragen und, sobald wir konnten, dafür gesorgt, daß ihr Opfer dem gan­zen Volk wieder zum Bewußtsein kommt, daß die deutsche Ration dieses Opfer niemals vergißt.

Sie selber, meine allen Mitkämpfer, möchte ich jetzt begrüßen. Vor zwölf Jahren, da waren wir in diesem Saale und nun wieder. Deutschland aber hat sich verwandelt. Was ich im Verfolg der da­maligen Erhebung vor zwölf Jahren voraussagen konnte, ist eingetroffen. Geeint steht heute das deutsche Volk in politischer Führung und in der Ge­staltung seines inneren Lebens sowie in der Füh­rung seines Schwertes. Ein starkerStaat sind wir wieder geworden, ein kraftvolles Volk,

nicht mehr ohnmächtig anderen ausgeliefert. Die Fahne ist heute fest eingerammt und ist Wimpel und Standarte für die deutsche Wiederauferstehung, für das neue Reich.

Und Ihnen möchte ich wieder wie so oft dan­ken, daß Sie sich damals zu mir gefunden haben, daß Sie sich dem unbekannten Manne anschlossen, in seine Reihen eingetreten sind und mit ihm zu marschieren begannen, daß Sie meine Versamm­lungen beschickten und so der geistigen Waffe die Gasse gebrochen haben. So bitte ich Sie, daß Sie immer und immer wieder sich dieser Zeit zu- rückerinnern. Denn es ist etwas Wunderbares, solche Erinnerungen in sich tragen zu dürfen. In Tausenden von Jahren ist dies stets nur wenigen Generationen beschieden. Sie sind vom Glück aus­gesucht worden. Sie sind zur richtigen Fahne gestoßen. Sie sollen auch bei dieser Fahne bleiben als die Alte Garde der national­sozialistischen Revolution.

Es lebe unser nationalsozialistisches Deutschland! Es lebe unser Volk! Und es sollen leben heute die Toten unserer Bewegung, Deutschland und seine Männer, lebend und tot. Sieg-Heil! Sieg-Heil! Sieg-Heil!"

Alle deutsche Familiennamen erzählen Geschichte.

Name ist Schall und Rauch" heißt es imFaust". Das ist ein rechtes Wort gegenüber aller lieber« betonung von Äußerlichkeiten, vor allem gegen­über der anmaßenden Haltung jener Menschen, die glauben, wirkliche Verdienste und persönliche Tüch­tigkeit durch einen klangvollen Namen ersetzen zu können. Aber wir wissen auch, daß Namen keine Zufallsschöpfungen sind, daß in ihnen ein Ver­mächtnis der Ahnen überliefert wird und daß viele von ihnen eine große Geschichte erzählen könnten. Beispielsweise ist der Kundige im Stande, von unseren Familiennamen reizvolle Einzecheiten aus der Vergangenheit des deutschen Volkes abzu­lesen, aus dem Leben der alten Germanen, aus dem klösterlichen Dasein der mittelalterlichen Geist­lichkeit, vom Treiben kühner Raubritter undfrom­mer" Landsknechte und vom Wirken ehrsamer Bür­ger in Rat und Zunft.

Besonders groß ist die Fülle bürgerlicher Namen, die sehr häufig vom Stand und Gewerbe abgeleitet sind. Walter der Müller und Hermann der Krämer wurden im Laufe der Entwicklung Walter Müller und Hermann Krämer, und dieser Namen blieb auch dann in der Familie haften, wenn spätere Geschlechter längst das angestammte Gewerbe aufgegeben hatten. So gibt es Namen, die an das alte Kriegswesen vor der Erfindung des Schießpulvers erinnern, wie etwa Harnisch- macher oder P f e i l st i ck e r (Verfertiger der Stecken für die Pfeile), Plattner (Hersteller der Platten für die Panzer), Schwertfeger (der die Schwerter fegt, d. h. blank macht) und noch viele andere. Aus der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks stammen die Namen wie Bucher (der Buchabschreiber), Buchfeller (der die Felle zum Einbinden bereitet) und Rothmaler (der die bunten Anfangsbuchstaben malte).

Zu diesen aus den Gewerben abgeleiteten Namen gehören auch diefünf Großmächte" in der Namenwelt, nämlich die Müller, Schulze, Meier, Schmidt und Schneider, denen man noch die Leh­mann (aus Lehensmann), Bauer, Becker, Richter und Weber hinzurechnen könnte. Nicht selten spielen auch gutmütiger Spott in diese Namensgruppe hinein, so vielleicht schon bei den Namen Kaiser, König, Graf und Pap st. Die Vorfahren dieser Namensträger waren natürlich nicht Inhaber dieser Würden, sondern die Bezeichnung rührt manchmal von den Häuserbezeichnungen her, die mannigfaltig in den Familiennamen fortleben; es mag auch vor­gekommen sein, daß ein Schützenkönig, Maigraf ober sonst der Würdenträger eines mittelalterlichen Spieles und Umzugs diese kurzlebige Würde im Namen behielt. Häufig aber wird man die also Ausgezeichneten auch damit haben verspotten wol­len, wie z. V. die Familie in FreytagsAhnen", ein Bauernaeschlecht, das so stolz war, daß man sie höhnischKönig" nannte.

Für die Unterscheidung sehr häufig auftretender Namen bediente man sich wohl

auch der Spitznamen. So erhielt ein Theologe in Halle, der eine Schrift über die Sünde geschrieben hatte, den NamenSündenmüller. Andere Spott­namen dieser Art, die zu Familiennamen wurden, sind etwa Bratengeiger, Pinkepank ober Rußwurm für einen Schmied. Scherzhaft wur­den auch zunächst allerlei Werkzeuge und Kleidungs­stücke z ur Namenstaufe verwendet., Einen Koch nannte man Schaumlöffel, einen Krieger Degenkalb, den Schuhmacher K n i e r i e m und Leimpsann. Dann aber blieben diese Namen ohne jeden komischen Beigeschmack haften.

Auch finden wir denn alte Hausgeräte verewigt, wie z. B. dieFetthacke", ein Hauptgerät der Küche im 15. Jahrhundert, Eisenhut und Kemp- eisen (den Kolben bei den Gottesgerichtkämpfen). Ein Reitersmann heißt K l i n g f p o r , ein Schütze Armborst oder Pfeil. Von der Kleidung sind Namen abgeleitet wie W i 11 k u g e l (die weiße Kapuze am Mantel des Mittelalters), B l a u r o cf, Rotärmel, Lederhose, woraus Lerse wurde, wie ein Jugendfreund Goethes und der getreue Knecht in feinemGötz" heißt, während der Ver­fertiger dieser Hofe in dem Namen Lersner weiter­lebt.

Der Name Bundschuh stammt von dem Schnürschuh der Bauern, der eine sprichwörtliche Bezeichnung der Bauern wurde und als Wahr­zeichen im Bauernkrieg eine geschichtliche Rolle gespielt hat. Auch die Speisen haben vielfach an der Namengebung Anteil, wie Familien zeigen, die Kalbfleisch und Rindfleisch, Bratfisch und Pfannkuch, Blutwurst und Kraut- w u r st heißen. Von Getränken erzählen die Namen Dünnbier und Sauerwein, Süßmilch und S a u e r m o st.

Daß eine große Anzahl von Namen von Eigen­schaften hergenommen wurde, ist verständlich. Die Bezeichnung: der Kurze, der Lange, der Schwarze, der Krause bleiben an der gan­zen Familie hasten. Besonders interessant sind aber die Namen, die aus kurzen Sätzen gebildet routben. Aus der Zeit der Raubritter stammen die Worte wie Schindengast (Schind' den Gast), L e er­be u t e l (Leer' den Beutel), Bauernfeinb, Schlaginhaufen (Schlag in den Haufen) usw.

Von altdeutscher Tapferkeit künden Namen wie Hauenschild, Klubeschedel (klöbe d. i. spalte Schädel), Schüttesper oder Zucks- eisen (zücke das Eisen), während von der alten Rauf- und Trunksucht Namen erzählen wie Habe­recht, Suchenwirt oder Findekeller. Solche Namen können mit Genehmigung der Obrig­keit abgelegt werden. Dies taten z. B. ein Oberst Friedrichs des Großen, der Schöps hieß, ein Be­amter in Kassel mit dem Namen Schuft ober Leute, die mit dem Namen wie Ungeraten, K a m e h l oder Puckelwartz verständlicherweise nicht zufrieden waren. B.

Die größere Heimat.

Von Bruno Brehm

Im Spätherbst stand ich im Parke von Weimar auf dem Brücklein über die Ilm und sah den gel­ben Blättern nach, die auf dem schwarzen Wasser trieben. In des dunklen Spiegels Tiefe tauchten die Zweige der entlaubten Bäume, in deren Aeste- gitter sich der frühe Abendstern verfangen hatte. Lieber diese rätselhafte Welt des Scheines zu mei­nen Füßen nun segelten die bunten Blätter, Boten einer ermattenden Wirklichkeit, Briefe des sich nei­genden Jahres, über den Spiegel hin von Baum zu Baum geschickt. Drunten, aus dem Wasser grüßte mich, hin und wieder von Blättern, die kamen und gingen, verdeckt, mein eigenes Bild und es blickte so kühl und so ferne, als wäre ich selbst nicht mehr unter den lebenden Menschen.

Hob ich aber verwirrt von diesem ständigen Strö­men, vom Wandern der Blätter und vom Spiegel­bild der Bäume, den bangen Blick, bann schaute ich jenseits der Wiesenfläche, gelehnt an den dunkel- bewaldeten Hang, das Gartenhaus Goethes.

Nicht so hatte ich es mir gedacht, das so oft in Bildern geschaute! Nicht so ernst, nicht so streng, nicht so einsam. Nicht mehr drang, wie zu der Großen Zeiten, aus der nahen, verborgenen Stadt das Hörnerblasen des Militärs, das Schlagen der Turmuhr und aus dem Parke das Geschrei der Pfauen herüber. Es war so still im abendlichen Parke, daß ich das Hämmern meines Herzens hörte. Da schnürte es mir die Kehle zusammen und ich entsann mich des jungen Dichters, der aus Wien nach Weimar gekommen war, um den alten Herrn in (einem Hause auf dem Frauenplan zu schauen. Wie die Tränen über Grillparzers Gesicht geströmt waren, wie er nicht Rede und Antwort stehen konnte, und wie er wieder fassungslos die Treppe hinabgeeilt war! Also treten die verlorenen Söhne vor des Vaters Angesicht, solche Demut beugt sie nieder, solch unerklärliches Weh überfällt sie.

Aber ein Trostreiches erhob sich in mir und stellte die Frage: wo hast du dies alles schon einmal ge­sehen und erschauernd empfunden? Wo war ich abends an schwarzem Wasser gestanden, der ich nun aus dem Lande der grünen, schneewasserführenden, schäumenden Flüsse hierhergekommen war? War es die Jlz, die ich vom Oberhaus in Pasiau schwarz zur Donau strömen gesehen, während von Mittag her der grüne Inn herantobt? Weiter zurück, tiefer in die Jahre der Kindheit mußte ich schauen, um wieder solch ein schwarzes Wasser zu stnden. Da­mals hatte ich mich aus dem Fenster der verfalle­

nen alten Kaiserpfalz zu Eger gebeugt und auf bas sanfte Tal mit dem bunklen Wasser hinabgeblickt. Damals war ich als Kind durch einen Zauberwald dicht an der böhmischen Grenze geschritten, vorbei an bemoosten Findlingssteinen, es war eine Zau­bergegend gewesen, denn dort, in diesem Winkel, in Wunsiedel, nicht weit von Waldsassen, war Jean Paul geboren worden. In der Klosterkirche von Waldsassen aber ist ein unhöflicher Schimmel auf- gemalt, b»r dem Beschauer immer wieder, wohin dieser auch treten mag, fein Hinterteil zukehrt.

Eger, Wunsiedel, Waldsassen! Tage der Jugend sah ich hier im schwarzen Zauberspiegel der Ilm wieder und mir war es, als stünde ich über einer geheimen Ader, die quer durch die Länder geht, keine Grenzen kennt und das verbindet, was sich in solchen geheimnisvollen Stunden tief verbunden fühlt. Schiller mag einmal auf solch eine Ader ge­treten sein, als er Wallenstein schaute, der nun auch, mit den Herbstblättern unter mir im Gewässer vor­beizog.

Der Hrabschin von Prag stieg auf vor mir, der Palast des Friedländers, die ganze verwunschene Stadt, in der die Häuser und Kirchen deutsch und die Menschen tschechisch sprechen. Weiter nach dem Süden war ich dann als Kind gezogen, nach Mähren, in ein anderes Gebiet Der deutschen Sprache, da schon die bayrische Mundart begann, die ich nun auch erlernen mußte, wollte ich nicht in her Schule das Gespött der Freunde sein. Fremd war mir dort alles gewesen, dieses Einströmen des Ostens auf die vom Süden geformten Plätze, aber man sprach dort deutsch und das Land wurde mir Heimat.

Im Westchor des Naumburger Münsters war ich gestern vor dem großen Drama in Stein gestanden, unter den schweigenden, gewappneten Landgrafen und den hohen Frauen. Nach den Unheilstagen von Versailles hatte man diese schönsten Bildwerke als Wiedergutmachung für die vom Kriege verwüsteten Kathedralen Nordfrankreichs gefordert. Aber wie man auch an diesen Bildwerken rüttelte und zerrte, sie wichen nicht, sie wollten nicht nach Frankreich gehen, sie waren mit dem Gewände und den Säulen des Münsters verwachsen, waren Stein von jenem Stein, aus dem der ganze Chor gefügt ist. Wie? Diese Starren und Leblosen kann man nicht bewegen, uns aber, die Lebendigen, die mit allen Abern der größeren Heimat, dem einzigen Vaterlande, verbunden sind, wo immer wir woh­nen mögen, uns sollte man von dieser Brust reißen können, deren Herzschlag wir fühlen wie das Kind das Herzpochen der Mutter? Welch eine Faust sollte bas wohl vollbringen?

Die Kreidefelsen von Rügen stiegen vor mir auf, die ich bei meiner Heimkehr aus der russischen Gefangenschaft gesehen hatte, die Grenzsteine des größeren Vaterlandes, das damals, in den Tagen her Not, da wir alle in dieser einen großen Festung lagen und Ausfall um Ausfall machten, auch unser Vaterland war, wenn uns auch noch die alten Grenzen trennten.

Mein Haupt sank auf das Geländer der kleinen Brücke nieder: der Stephansdom in Wien, das große Zeughaus in Graz, der Pöstlingsberg von Linz, von dem Stifter aus nach den verblauenden Hügeln und Bergen des böhmisch-bayerischen Wal­des geblickt, die südlichen Straßen von Klagensurt, das Glockenspiel von Salzburg, die Grabmäler zu Innsbruck, die kaiserliche Pfalz von Eger und all die weiten Plätze der deutschen Städte in Böhmen und Mahren, überragt vom Veitsdom zu Prag, die spitzen Kirchentürme der Deutschen an der Wolga, die Burgen Siebenbürgens und die Siedlungen der Schwaben im Banat, sie, die ich alle gesehen, in denen ich überall den gleichen Herzschlag empfun­den hatte, unter denen allen die gleiche geheime Aber verläuft, die ganze größere Heimat war mir nahe und das Wasser der Ilm brachte die Bilder und führte sie wieder mit sich fort in den frühen Abend des Herbstes.

Zum Guten gewendet!

Die Bahn bimmelt durch die märkischen Felder, vier werktätige Volksgenossen sitzen in einem Abteil. Sie redeten vom Kartensvielen, zwei können Skat, der dritte Mann fehlt, ich setze mich zu ihnen, wir nehmen die Karten. Ein Viertel-Pfennig-Skat wird gedroschen, schlecht und recht. Mit Schieberramsch und verlorenem Kontra.

Gerade als wir beim Auszahlen sind, steht der Schaffner daneben:Sie wissen, Geldspiele sind nicht erlaubt, das kostet drei Mark Strafe für Jeden, ich muß Sie zur Anzeige bringen." Betretenes Schwei­gen. Ich versuche zu vermitteln. Nichts hilft. Der Beamte handelt nach Vorschrift. Er notiert schon da fällt ihm etwas ein:Wissen Sie was, die Kasse geben Sie für das Winterhilfswerk." Im ersten Augenblick verblüfft, atmen wir auf. Und aus lauter Freude gibt jeder noch einen Groschen extra.

(Aus der Broschüre ,Meine Begebenhei­ten einer großen Sache" von Dr. Karl Scharping,Der Märkische Adler", Verlags­gesellschaft m. b. H., Berlin W 57.)

Liebe zu schönem Papier.

Laßt mich wissen, was Papier Ihr meint, das ich kaufen soll, denn ich weiß kein subtileres, als wir daheim gekauft haben." So schreibt Dürer hn Jahre 1506 aus Venedig an seinen Freund Willibald Pirkheimer nach Nürnberg, und in diesen Wor­ten kommt seine Wertschätzung für das Erzeugnis seiner Heimatstadt zum Ausdruck. Rembrandt sammelte China- und Japanpapiere, um seinen Ra­dierungen die Grau und Schwarztöne verleihen zu können, die er sich wünschte. Diese beiden Tatsachen beweisen uns deutlich, welch ein Unterschied zwischen Papier und Papier besteht, auch wenn wir gewohnt sind, weniger darauf zu achten. Bücherliebhaber, Freunde alter Urkunden, Graphiksammler und Gra­phiker selber haben dieverschwiegene Schönheit" dieses Werkstoffes immer zu schätzen gewußt, wie F. I u n g h a n s in der ZeitschriftDie K u n ft» kammer" ausführt, und sie haben den Reiz der Färbung, die Variation der Stärke und die Sttuktur der Rippung, die mannigfaltige Oberfläche und nicht zuletzt denKlang" des Papiers jeweils aufs stärkste empfunden. So sollte sich auch der Laie mit der Geschichte des Papiers und seiner Herstellung ver­traut machen und sich nicht damit begnügen, zu wissen, daß die Chinesen die Erfinder des Papiers sind, daß die Erfindung im 7. Jahrhundert nach Japan kam und im 8. nach Samarkand, um durcy die Araber schließlich im 14. Jahrhundert nach Europa gebracht zu werden. Es gilt, die genaueren Merk­zeichen jedes Papiers, feine Herkunft und feine Her­stellung zu kennen, um die Freude dieser Papierlieb­haber mit zu empfinden.Heute, wo die Sehkraft unseres Auges durch Ueberproduktion auf allen Ge­bieten langsam zerstört wird, ist es doppelt not­wendig, sein Interesse den Stoffen zuzuwenden, die für eine gewisse Dauer Zeugnis unserer Arbeit ab­legen sollen. Macht sich doch die Mühe dieser Auf­merksamkeit reichlich belohnt schon als Erziehung zur intensiven Beobachtung und dem damit verbun­denen Reiz des Findens und Neuschaftens."

Hochschulnachnchten.

Professor Dr. Franz Zinkernagel, Ordina­rius für deutsche Literaturgeschichte an der Univer­sität Basel, ist im Alter von 57 Jahren g e ft o r e den. Neben einer vierbändigen Hebbel-Ausgabs und einer Untersuchung über die Grundlagen der Hebbelschen Tragödie galt Zinkernagels wissenschaft­liche Arbeit vor allem dem Werke Hölderlins; davon zeugt die schöne fünfbändige Ausgabe des Insel- Verlages, die von 1921 bis 1926 erschien»