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Aus aller Welt

mit das

10 000-2Nark-Preis

für einen Flug mit eigener Muskelkraft.

Geschichte einer deutschen Stadt Eine Buchbesprechung.

freudig begrüßt, daß man dem Piloten seitens der Polytechnischen Gesellschaft eine Ermunte­rungsprämie von 3000 Mark zuerkannte, was bestimmt dazu beitragen wird, den jungen Flieger und die beiden Ingenieure zu weiterer intensiver Arbeit anzuregen. Wenn nun die Polytechnische Gesellschaft das Ausschreiben um ein weiteres Jahr verlängerte und den Preis auf 10 000 Mark er­höhte, so ersieht man hieraus, welche Bedeutung und welche Zuversicht sie der Lösung dieses Pro­blems entgegenbringt.

Grohfeuer im Greifswalder Hafen.

In einer der letzten Nächte geriet aus noch nicht bekannter Ursache der fünfstöckige, etwa 60 Meter lange und 25 Meter hohe, bis obenan mit Getreide gefüllte Speicher des Landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsvereins Greifswald in Brand. Der Brand bereitete sich mit derartiger Geschwindigkeit aus, daß die Feuerwehr .sich darauf beschränken mußte, die angrenzenden stark gefährdeten Wohn­häuser und die Geschäftsräume des Einkaufsvereins zu schützen. Es gelang, das besonders bedrohte, unmittelbar neben dem brennenden Speicher lie­gende Sägewerk zu retten und ein Weitergreifen des Riesenbrandes zu verhindern. Der mächtige

Georg Bessell: Bremen, die Ge­schichte einer deutschen Stad t. Im Insel- Verlag zu Leipzig. - (131) - Das Buch unttr- nimmt den interessanten Versuch, das deutsche G samtschicksal im Ablauf zweier Jahrtausende gleich sam wie durch eine Linse dem Brennpunkt der Geschichte eines einzelnen Gememwesens emzu fangen. Daß dies gerade Bremen lst, hat dem Ver- afser die Aufgabe sehr erleichtert. Denn Bremen, dem in der Geschichte unseres Volkes wett aus- schließlicher als anderen Küstenstadten wie Hamburg, Lübeck oder Danzia die besondere Rolle zugefallen ist, Deutschlands Ausfalltor zur Welt zu fem, lag einerseits abseits aenua von den zentralen Reichs- aewalten und von den Jnteressenkampfen der großen Lerritorialmächte, um tatsächlich schon frühzeitig em gesondertes Dasein führen zu können, andererseits hat der große Blutstrom deutscher Geschichte auch das Leben dieser Stadt so ausschließlich genährt, daß jeder Herzschlag des gemeinsamen deutschen Schicksals auch am Puls der Geschichte Bremens deutlich spürbar wird. Bremen tritt in die Ge­schichte ein als Ausgangspunkt für die Christianisie­rung des Nordens. Der größte Bremer Erzbischof Adalbert, der Vertraute der sächsischen Kaiser, konnte zwar den Anspruch auf Erhebung Bremens zum Patriarchat des Nordens nicht durchsetzen, aber seine Regierung bedeutet den ersten Höhepunkt in der wechselvollen Geschichte Bremens. Canossa bedeutet auch für ihn den Sturz aus stolzer Höhe, und nach seinem Tode zog Heinrich der Löwe auch Bremen in seine Machtsphäre. Bremens Bürgern, schon da­mals führend im Handel nach dem Norden und Osten, haben die Sicherheit eines starken Armes wohl zu schätzen gewußt und die Kraft gefunden für die folgenden schweren Kämpfe mit den eigenen Erzbischöfen. Erst aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammt die faktische Erhebung Bremens zur Freien Reichsstadt, aber schon zwei Jahrhunderte vorher hatte sich Bremens Bürgerschaft von den landesherrlichen Fesseln so weit gelöst, daß Bremen als eines der führenden Mitglieder der Hansa in Zeiten gänzlicher Ohnmacht des Reichs Deutschlands außenpolitische Geltung gegenüber England und Holland, den skandinavischen und osteuropäischen Mächten auf eigene Faust vertreten konnte. Die furchtbaren Rückschläge, die die Religionskriege poli­tisch und wirtschaftlich für Deutschland im Gefolge hatten, ließen auch Bremen nicht unberührt. Ja, es konnte nicht verhindern, daß sich die Schweden an der Wesermündung einnisteten. Erst mehr als ein Jahrhundert später gab die Unabhängigkeitserklä­rung der Vereinigten Staaten auch dem bremischen

Oer Tag des deutschen Volkstums.

Wie in früheren Jahren wird auch heuer der Dolksbund für das Deutschtum im Ausland den Tag des deutschen Volks­tums am 22. September in jeder Stadt, in jedem Dorf, wo Deutsche leben, durchführen. Das Fest bringt nach außen die unveräußerliche Gemein- schaft mit den Deutschen jenseits der Grenzen zum Ausdruck, nach innen aber die all­gemeine Opferpflicht und den Glauben an die junge Generation, die von ihrem Idealismus getragen unter die Pflicht Volksdeut­scher Bewährung gestellt wird, lieber Sinn und Bedeutung des Tages ist viel gesprochen und ge­schrieben worden. Vertreter der Regierung, der Parteien und führende Männer der Dolkstums- arbeit haben immer wieder auf die Notwendigkeit eines Festtages hingewiesen, der in der Pflege deut­schen Volkstums und deutschen Volksgutes alle Volksgenossen im Reich und jenseits seiner Grenzen vereint in dem Gedanken an die große Gemein­schaft des deutschen Hundert-Millionen-Volkes. Dor allem soll das Fest das gesamtdeutsche Bewußtsein stärken und im Zeichen des volksgebundenen neuen Reiches die Deutschen drinnen und draußen in ihrer Schicksalseinheit zeigen. Kundgebungen und Ver­anstaltungen, Aufführungen, Chöre und Tanze wer­den an allen Orten dem Tag des deutschen Volks­tums dienen unter dem Gedanken, den Reichsrnmi- ster Dr. F r i ck 1933 in folgende Worte faßte:Kein Vorhaben erscheint mir geeigneter, alle Schulen und somit auch gerade die Volksschulen in den Stenf! Des Auslanddeutschtums zu stellen, als dasFest der deutschen Schule.

Ein Konflikt in Gr echenland vermieden.

Korrdhlis verzichtet auf seinen Rücktritt.

A t h e n, 10. Sept. (DNB.) Die Agence d'Athö- nes teilt mit: Infolge gewisser Umtriebe hat der Kommandant des 1. Armeekorps Maßnahmen er- griffen, die den Rücktritt des Kriegs Mi­nisters zur Folge hatten. Der Ministerrat ist daraufhin zur Prüfung der Lage zusammenberufen worden mit dem Ergebnis, daß der Vizepräsident des Ministerrats und Kriegsminister Kondylis sein Rücktrittsgesuch zurückgezogen hat. Er hatte sich davon überzeugt, daß er einem M i ß v er­st ä n d n i s zum Opfer gefallen war. Wahrend der Ministerrat in einem Saal der Abgeordneten­kammer tagte, kam es in den Wandelgängen zu einem Zwischenfall. Personen, die sich dort befanden, gerieten tätlich aneinander. Dabei wurde der Kommandant des 1. Armeekorps Gene­ral Panayotakos, der die Streitenden aus­einanderzubringen versuchte, leicht verletzt. Infolge der Verwundung des Generals mußte das Korps- kommando in die Hände des Generals P a p a g o s gelegt werden. General Panayotakos konnte nach Anlegung eines Notoerbandes in feine Privatwoh­nung zurückkehren.

Ministerpräsident T f a l d a r i s richtete eine Botschaft an das griechische Volk, in der er zur Frage der Regierungform verkündete:Ich selbst bin davon überzeugt, daß ein demokra­tisches Königreich die naturgegebene Regie­rungsform für unser Land ist."

Oer deutsch-schweizerische Reiseverkehr.

Berlin, 10. Sept. (DNB.) Zwischen der deut­schen Regierung und dem schweizerischen Bundesrat ist in der Frage des Reiseverkehrs eine Verein­barung dahingehend getroffen worden, daß für den Aufenthalt in schweizerischen Er- ziehungsinstituten sowie für den Aufent­halt in Sanatorien auf Grund amtsärzt- lichen Zeugnisses und für Studienzwecke Zahlungsmittel im bisherigen Rahmen über Reiseverkehrskonto wieder zur Verfügung be­stellt werden. Ihre Auszahlung erfolgt jedoch ledig­lich über die schweizerische Verrechnungsstelle. Reisezahlungsmittel (Reiseschecks, Kredit­briefe usw.) für die genannten Zwecke werden in Zukunft nicht mehr ausgestellt.

Handel einen neuen Impuls. Der deutsche Kauf­mann und Reeder, bislang ohne eigene Kolonien vom Weltmarkt ausgeschlossen, gewann nun endlich den Anschluß an den transozeanischen Handelsver­kehr. Bremen erkannte als erste Stadt die unge­heuren Chancen dieses Wandels und blieb auch für die kommenden Jahrhunderte im Handel mit Nord­amerika namentlich in Tabak und Baumwolle un­bestritten in der Vorhand. Sein großer Bürger­meister Smidt (1773 bis 1857) schuf durch den Bau von Bremerhaven kühn vorausschauend die erste Voraussetzung für Bremens Ausstieg zum Welthafen, und als Ende des vergangenen Jahr­hunderts die Gefahr drohte, daß die Stadt nicht Schritt hielt mit der rastlos vorwärts stürmenden Zeit, daß ihre Verbindung mit ihrer Lebenswelt, dem Meer,versandete" im buchstäblichen Sinne des Wortes, da hatte Bremen wiederum das Glück, in dem Oberbaudirektor Ludwig F r a n z i u s den Mann zu haben, der durch die große Unterweser­korrektion die Stadt wieder im Seeverkehr voll- wettbewersfähig machte und das in einer Zeit, da durch die Erwerbung der ersten eigenen deutschen Kolonien und die Aufnahme von Reichspostdampfer­linien nach Ostasien dem deutschen Ueberseehandel neue Bahnen gewiesen wurden. Dazwischen liegen Jahre fruchtloser innerer Kämpfe und bitterer Ent­täuschungen, aber auch Jahre ernsten Strebens und großer Erfolge. Bremen hat seinen reichen Anteil an dem Ringen um eine deutsche Einheit. Unver­gessen bleiben die Namen von Arnold D u ck w i tz , dem ersten Reichshandelsministers im Reichsministe­rium des Erzherzogs Johann 1848, dessen Umsicht und Tatkraft die erste Eisenbahn, den ersten Tele­graphen und den Anschluß an die nationale Wirt­schaft zu verdanken hat, und H. H. M e i e r, dem Gründer des Norddeutschen Lloyd und Förderer der Transozeandampfschiffahrt. So hat Bremen seine Aufgabe als wahrer deutscher Seegeltung auch in Jahrhunderten politischer Ohnmacht erfüllt und im geeinten Reich die Stellung gefunden, die ihm dank seiner Lage zum Weltmeer und dank seiner lieber» lieferung zukommt. Es ist ein schönes Zeugnis dieser Verbundenheit, daß es nicht ein bremisches Kind ist, dem wir diese Geschickte der alten stolzen Reichs­stadt verdanken. Aber spürbare Liebe zur bremischen Wahlheimat, innige Vertrautheit mit den Quellen bremischer Stadt- und Wirtschaftsgeschichte, besonders aber ein untrüglicher historischer Sinn, der die Ge­schichte Bremens mit den großen Linien deutscher Gesamtgeschichte eng verwoben hat, macht Georg Ressells Buch auch für den Nichtbremer zu einer fesselnden Lektüre.e.

Getreidespeicher, der zu den baulichen Schenswür- digkeiten des alten Greifswald gehörte, ist völlig vernichtet. 50000 Zentner Getreide sind ver­brannt.

Schneefall im Riefengebirge.

In der Nacht zum Dienstag sank das Thermo­meter auf der Schneekoppe bis auf 2 G r ad Kalte In den letzten Tagen gingen auf dem Hochgebirge mehrfach Schneefälle nieder Der Koppenkege trägt bereits eine dünne Schneedecke, die jedoch nicht lange von Bestand fein dürfte. Dienstag früh war im Gebirge Rauhreifbildung.

Schiffszusammenfloh an der portugiesischen Küste.

Der 16 500 Tonnen große Veranugungsdampfer Doric", der der Cunard White Star Line gehört und mit 736 Fahrgästen an Bord von einer 14- tügigen Mittelmeerreise zurückkehrte, ist auf der Hohe der portugiesischen Küste mit dem französischen DampferFormigny" (2166 Tonnen) z u s a m- menge st oßen. Auf die SOS-Rufe derSorte hin eilten der 24 000 Tonnen große Orientdampfer Orion" und der 19 600 Tonnen große Asiendampfer Vicekönig von Indien" zur Hilfeleistung herbei. Die beiden Schiffe übernahmen die Fahrgaste der Doric"; indessen verblieben der Kapitän und die 500 Mann Besatzung an Bord des Schiffes, das verhältnismäßig schwer beschädigt zu sein scheint. Zur Zeit des Zusammenstoßes herrschte Nebel. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Es ist eine merkwürdige Verkettung der Umstände, daß sich an Bord derDoric" eine Reihe von Fahr­gästen befand, die am 16. August auf dem in der irischen See mit einem englischen Frachtdampfer zusammengestoßenen DergnügungsdampferLau- rentic" waren. DieDoric" ist 1923 vom Stapel gelaufen.

Zwei Tote bei einem Verkehrsunglück.

Bei Aschaffenburg, in der Nähe des Schönbusch' parkes, ereignete sich ein schweres Verkehrs» Unglück, das zwei Tote forderte. Der Baumei­ster Nikolaus Hock aus Haibach wollte mit feinem Motorrad aus einer Seitenstraße auf die Darm­städter Landstraße einbiegen, als gerade ein aus Richtung Aschaffenburg kommender Lieferwagen vorbeifuhr. Beide Fahrzeuge stießen mit großer Wucht gegeneinander. Der auf dem Sozius des Mo­torrades fitzende Steinbruchbesitzer Anton Blank aus Gailbach erlitt einen schweren Schädelbruch und war auf der Stelle tot. Hock trug bei dem Sturz mehrere Arm- und Beinbrüche davon und mußte sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Hier er­lag er bald feinen schweren Verletzungen.

Drei Todesopfer eines Flugzeugzufammenstoßes in England.

lieber Blackpool in der Grafschaft Lancaster stieß ein Sportflugzeug mit einer Maschine, die mit vier weiteren zu einem Geschwaderflug in der Luft kreuzten, zusammen. Während das gerammte Flug­zeug trotz der Beschädigung glücklich landen konnte, ft ü r 3 t e die Sportmaschine in Flammen mit­ten über der Stadt ab. Aus dem brennenden Flug­zeug siel eine Frau heraus, die tot in den Aeften eines Baumes hängen blieb. Das Flugzeug schlug zuerst auf dem Dach einer Kirche auf und rutschte dann auf das Dach eines Hauses, das in 23 r a n b geriet. Schließlich fiel es auf die Straße. Die Feuer­wehr konnte den Flugzeugführer unter den Trüm­mern nur noch als Leiche bergen. Obwohl viele Fußgänger das Unglück beobachteten, wurde nur eine Frau durch herabstürzende Ziegel so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb. Die Bewohner des Hauses, das in Brand geraten war, kamen mit dem Schrecken davon.

Den Schwiegersohn im Streit erstochen.

Die schlesische Stadt Bolkenhain ist durch eine schwere Bluttat in große Aufregung versetzt worden. Ein gewisser Konrad G o h l, ein älterer Mann, der im Laufe des Tages mehrfach Streit mit feiner Frau hatte, kam abends nach Hause und fing im Hausflur wieder zu toben an. Sein im gleichen Haufe wohnender Schwiegersohn Ernst Menzel wollte den Wütenden beruhigen. Gohl griff darauf plötzlich zu einem Messer und versetzte seinem Schwiegersohn einen tiefen Stich in die , Brust. Menzel, der erst vor wenigen Wochen die Tochter des Gohl geheiratet hatte, ft a r b auf dem Transport in das Krankenhaus. Gohl wurde ver­haftet.

Mit Zustimmung des Luftsportführers und Genehmigung der Lustsportkommission ist Preisausschreiben der Polytechnischen Ge­sellschaft in Frankfurt a. M. um ein Jahr ver­längert worden und zwar bis 1. September 1936. Die Polytechnische Gesellschaft hat beschlossen, den Preis von 5000 auf 10000 Mark z u er­höhen. Wie erinnerlich, war die Ausschreibung in Höhe von 5000 Mark, nachdem sie bereits 1934 um ein Jahr verlängert worden war, am 2. Sep­tember 1935 abgelaufen. Wenn es dem jungen Piloten D Ü n n e b e i l mit dem von den Inge­nieuren Haeßler und Dillinger konstruierten Muskelkraftflugzeug" Ende August auch gelang, erste kleinere Flüge durch Menschenkraft auszu­führen, so konnte ihm der ausgesetzte Preis doch nicht zugesprochen werden. In den Bestimmungen heißt es nämlich, daß der Preis nur an denjenigen gezahlt wird, der als erster in geschlossener Bahn, ohne zwischen Start und Landung den Boden zu berühren, einen Flug mit eigener Muskelkraft um zwei Wendemarken aus führt, die 500 Meter von einander entfernt find. Daher wurde es allgemein

die

Goldgräber von heute.

Von Dr. Helmuih Thomasius.

fachster Weife zerstreut find, müssen hervorgeholt werden. Diesem Zweck waren die technischen Ver­fahren anzupasfen.

Daß man die Goldreste noch am leichtesten da finden würde, wo früher goldhaltiges Gestein ver­arbeitet wurde, lag auf der Hand. Deshalb hat man sich in den Untergrund der verlassenen Gold- gräberftäbte hineingewühlt, hat ihre Ruinen durch­stöbert und nach benutzten Geräten und Einrich­tungen gesucht. Die Asche alter Goldschmelzen wird durchgearbeitet, die letzten der in ihr befindlichen Spuren von Gold werden durch chemische Verfah­ren herausgezogen. Als besonders wertvoll haben sich die achtlos beiseite geworfenen Schmelz- Hegel erwiesen. Sie bestehen aus porösen Stof­fen. Geringe Mengen geschmolzenen Goldes sind durch die Poren ins Innere der Tiegelwandungen eingedrungen und haben diese teilweise durchsetzt. Auch hier hoffte man zunächst durch unmittelbare Verwendung chemischer Verfahren die letzten Gold­reste ausziehen zu können. Das erwies sich aber nicht als möglich, da die angewendeten Flüssig­keiten in der Tiefe der keramischen Massen nicht hinreichend wirksam wurden. Deshalb ging man

anders vor. Mit Hilfe besonderer Einrichtungen werden die ganzen Tiegelwände in ein feines Pul­ver verwandelt. Das erfolgt durch schnell sich drehende Schmirgelscheiben, die die Masse abschlei­fen. Es entsteht ein Schleifpulver, das dann in ähnlicher Weise behandelt wird wie goldhaltiger Sand. Außer diesem auf künstliche Weise hergestell­ten goldhaltigen Sand spielt bei der Aufarbei­tung der Reste auch der natürliche eine erheb­liche Rolle. Man sagt sich mit Recht, daß er da­mals wohl nicht so genau ausgewaschen wurde und daß also hier gleichfalls noch etwas zu finden fein müsse. Vielleicht wurden inzwischen zu aus wahr­scheinlich noch vorhandenen Rückständen weitere Goldkörnchen angeschwemmt. Die Bemühungen haben sich deshalb mit Vorliebe auch dem Goldsand zugewendet.

Wollte man bei seiner jetzigen Verarbeitung ge­nau so vorgehen, wie in den im vollsten Sinne des Wortesgoldenen Tagen" des Goldfiebers es würde bei vielen Mühen wenig herauskommen. Deshalb müssen auch hier die Verfahren ent­sprechend abgeändert werden. Noch immer steht die Schüssel in Betrieb, die mit dem Sand gefüllt und unter fließendem Wasser rasch gedreht wird. Das Wasser und die Fliehkraft wirbeln den leichteren Sand auf. Er wird in die Höhe und gegen den Rand der Schüssel geführt, über den er mit dem Wasser abfließt. Das schwerere Gold bleibt unten auf dem Boden der Schüssel liegen. Auch die sogenannteW i e g e" wird benutzt, ein länglicher

Auf den ersten Blick mag es scheinen, als ob Gewinnung des Goldes von den technischen

Seiten her die Goldsucher und Goldwäscher zusam­men. Es galt, in kürzester Zeit möglichst viel von dem kostbaren Schatz zu heben. Rasch wurde drauf­los gearbeitet. Ob dabei auch die letzte Spur, ob auch das letzte Körnchen Gold gewonnen wurde, darauf kam es nicht fo sehr an. Das Fieber ist abgeklungen. Die alten Goldfelder und Goldminen sind teilweise schon seit Jahrzehnten, vielfach seit mehr als einem halben Jahrhundert verlassen. Nie­mand hat sich in der Zwischenzeit um sie geküm­mert. Jetzt hat man sich ihrer wieder erinnert. Daß man dort nicht auf große Goldlager stoßen, und daß man nicht mehr den einstigen Reichtum an­treffen wird, weiß man. Ebenso ist man sich aber auch bewußt, daß stüher nicht sehr genau gearbei­tet, daß nicht der allerletzte Rest vom Gold her­ausgeholt wurde. Das hätte sich damals nicht ge­lohnt, hätte zu viel Mühe und Arbeit gemacht, zu viel Zeit gekostet. Der technische Grundsatz, daß ein als gut bezeichnendes Verfahren alles und jedes erfassen und keine unverwerteten Rückstände hinter­lassen dürfe, kam in den Zeiten des Goldfiebers nicht zur Geltung. Das, was damals übrig blieb, gilt es jetzt zu heben. Es liegt nicht mehr wie einst in verhältnismäßig großen Mengen und leicht greifbar vor. Geringe Spuren, die sich gewißer- Maßen in feiner Verteilung finden, die in mannig-

Fortschritten unserer Zeit ziemlich unberührt geblie­ben sei. Man hört kaum etwas von neuen Ver­fahren, die auf diesem Gebiet ausgearbeitet ober von Erfindungen, die auf ihm gemacht wurden. Das mag vielleicht feinen Grund darin haben, daß die hier in Betracht kommenden Arbeiten nicht in den großen Industriestädten vor sich gehen, sondern daß der Ort, wo sie ausgeführt werden, meist in sehr entlegenen Gegenden liegt, wohin außer den dort Beschäftigten nur selten jemand kommt. Es ist eine Tätigkeit, die sich in der Verborgenheit ab­spielt, die wenig Fühlung mit dem übrigen tech­nischen Geschehen aufweist. Trotzdem sind auch hier mancherlei neue Arten des Vorgehens entstanden. Sie sind zum erheblichen Teil dadurch bedingt, daß man jetzt nicht mehr derart aus dem Dollen wirtschaften kann, wie in den Tagen, die mit Recht als die desG o l d f i e b e r s" bezeich­net wurden. Dieses Fieber flackerte immer auf, wenn irgendwo reiche Dorkommniffe des Edel­metalls entdeckt wurden. Dann strömten von allen

Kasten, der auf zwei darunter stehenden Rundhöl­zern hin- und hergeschüttelt wird. Hier schwemmt gleichfalls durchlaufendes Wasser den Sand weg. Die feinen Goldkörnchen bleiben an einem groben Tuch hängen, das den Boden bedeckt. Diese Geräte sind nunmehr den neuen Verhältnissen angepaßt worden. Wo in der gleichen Menge Sand ganz be­trächtlich weniger Gold, wo nur noch eine geringe Spur vorhanden ist, da muß dieser Mangel durch eine kräftigere Art der Bearbeitung ausgeglichen werden. Aus der Wiege ist eine durch einen Ben­zinmotor angetriebene Maschine geworden, bei der an die Stelle der beiden Rundhölzer zwei Scheiben­kurbeln getreten sind, die den Kasten in eine sehr schnelle rüttelnde Bewegung versetzen. Der Sand wjrd in einen Trichter eingeschaufelt, aus dem er ununterbrochen in den Kasten herabfällt, wo er der Einwirkung eines kräftigen Wasserstrahls unter­liegt. Durch eine gleichfalls motorisch angetriebene Kreiselpumpe wird dieser auf ihn geschleudert. Durch diese und eine Reihe weiterer Abänderungen an dem alten, so außerordentlich einfachen Gerät, ge­lingt es, große Mengen von Sand in kurzer Zeit wegzuarbeiten und vor allem gute Ausbeuten zu erzielen.

Bei der mit der Hand in kreisförmige Bewegung gesetzten Schüsiel spielt die Fliehkraft eine wichtige Rolle. Es lag deshalb nahe, an Stelle dieser mehr als einfachen und wahrscheinlich schon uralten Vor­richtung eine dem besonderen Zweck angepaßte leistungsfähige Schleuder zu setzen, um so mehr, als bei der Schüssel doch stets verhältnis­mäßig viel Gold verlorenging, das in Form feiner Flitterchen mit über den Rand des Gefäßes hin­ausgeführt wurde. Aus der Schüssel ist also eine wiederum motorisch angetriebene Schleuder gewor­den, die die Form eines langen Zylinders hat und durch die eine sehr gute Trennung von Gold und Sand herbeige'führt wird.

Sogar auf alte Goldminen greift man zu­rück, die bereits zu Zeiten der Inkas in Betrieb standen, lange, ehe Europäer in diese Gegenden kamen.' Eine dieser Minen liegt in einer Höhe von 5300 Meter an einer ganz entlegenen Stelle der Anden Drei bis sechs Wochen brauchen je nach der Größe der Last Maultiere, um von der nächsten Stadt aus dorthin zu gelangen. Um die Arbeiten überhaupt aufnehmen zu können, hat man zunächst eine drahtlose Verbindung hergestellt. Außerdem wurde eine Wetterwarte errichtet, die Wetter­berichte aus der Höhe gibt, wo oft fürchterliche Stürme wüteten. Bei guten Wetter fliegen am nächstgelegenen Hafen Flugzeuge auf, die die nö­tigen Gerätschaften und Maschinen nach oben brachten. Alles in allem waren 459 Ausstiege nötig,

bis alles oben war. Ein erheblicher Aufwand neue­ster Technik wurde also hier in den Dienst gestellt, alles in der Hoffnung, in unwirklichen Höhen Gold zu gewinnen ...

Oie Zeremonie dergroßen Geschenke-.

Bei primitiven Völkerschaften, aber auch bei eini­gen alten Kulturvölkern, begegnen wir der An­schauung, daß der Mann bei der Eheschließung den Eltern seiner Frau eine entsprechende Entschädi­gung in Form eines Kaufpreises oder eines Ge­schenkes entrichtet. So wurden die Frauen der nord- amerikanischen Indianer gewöhnlich mit Pferden bezahlt. Bei den afrikanischen Stämmen hat man dem Vater den Preis für seine Tochter in Rind­vieh, Leopardenfellen, in Rum oder Tabak zu er­legen. Bei den Zigeunern schwanken die Preise für Frauen wie die Aktien auf der Börse, und auf dem Heiratsmarkt der Zulus ist es nicht anders. Hier richtet sich der Preis nach dem der Kühe, und das eine Mal können drei Kühe schon viel fein, während man einige Jahre später für acht Kühe kaum eine Frau bekommt. Wenn z. B. eine Seuche unter dem Rindvieh wütet, dann werden nicht nur die Kühe selten, sondern auch die Heiraten und Geburten, denn nur wenige vermögen bann den Preis für eine Frau crufzuoringen. In China wird vielfach mit Nahrungsmitteln bezahlt, und die Ge­schenke, die man an die Familie der Braut abzu­liefern hat, spielen dort eine große Rolle. In chine­sischen Romanen wird ein sehr verwickeltes System dieser Spenden beschrieben, wenn der große Augen­blick gekommen ist, in dem der Held der Geschichte die lang umworbene Schöne für sich gewinnt. In der Provinz Kanton war früher der erste Schritt, den der Bewerber machen mußte, daß er zunächst dem Vater des Mädchens eine bestimmte Summe als Geschenk übersandte, die zwischen zehn und vierzig Mark schwankte. Erst dann wurden die lang­wierigen Verhandlungen ausgenommen, und wenn sie zu einem gewissen Abschluß gediehen waren, erfolgte die llebergabe derkleineren Geschenke", die meist aus zwei Hähnen, zwei Krügen mit Wein, Zwanzig bis Dreißig Pfund Schweinefleisch, etwa einem Dutzend Salzsischen, einer Anzahl von Betel­nüssen und einer Summe von sechzig Mark bestand. Wenn dann der junge Mann bereits als Schwieger­sohn in die Familie ausgenommen war, dann er­folgte die Zeremonie dergroßen Geschenke", durch die er erst eigentlich in den Besitz seiner Braut ge­langte. Der Vater von einer größeren Anzahl hüb­scher Töchter konnte also mit einem stattlichen Ein­kommen rechnen.