Einzelbild herunterladen

Kr. 212 Erster Blatt

185. Jahrgang

Mittwoch, N. September 1955

Erschemr täglich, auher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gieyener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-vezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. * -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Fernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Gießen

Postscheckkonto:

Frantturt am Main 11686

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druift und Verlag: vrühl'sche Unlverfitäts-Vuch- und Steindruckerei R.Lange in Giehen. Schristleitung und SeschSstsftelle: Schulftrahe 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text» anzeigen von 70mm Breite 60Rps.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf.,Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Der Reichsparteitag hat begonnen.

Festlicher Empfang des Führers im Nürnberger Nathans.

Das alte Neichsfchwert, das Symbol erneuter deutscher Neichskrast, als Geschenk Nürnbergs in die Hand des Führers gelegt.

. w-

J

It

MD dB

CT A

5 .

& h

WO»

"5 w t X

MW IA <T.

*

Das Erlebnis der Zreiheit!

Die Glocken von Sankt Sebaldus, von Sankt Lorenz, von der Frauenkirche und all das reiche Geläut der alten freien Reichsstadt Nürnberg ha­ben geklungen, um demParteitag der Freiheit" seine Weihe zu geben. Die Fan­faren haben den Führer innerhalb der Mauern begrüßt, in denen in dieser Woche die Blutfahne vom 9. November und 121 Feldzeichen der alten Armee vereint eingeschlossen sind. Die es in Nürn­berg sehen und hören, die es in den Berichten und den Bildern der Zeitungen erleben und die mit dem großen Ereignis sich durch die Aetherwellen verbinden lassen sie alle werden sich jetzt, nachdem dieser Parteitag eingeläutet ist, mit einem Male erst ganz bewußt, daß in Nürnberg die Nation tief Atem holt zu einem überwältigenden Jubelschrei: Herr, wir sind frei!

DerSieg des Glaubens" war der gan­zen Nation schon ins Bewußtsein gedrungen, als das politische und marschierende Deutschland vor zwei Jahren zum ersten Mal nach Nürnberg ging. Die Menschen in Deutschland, die politisch und ge­schichtlich zu denken vermögen, haben zwar im April 1933 den Atem gehalten, als der Führer im Reichsstatthalter-Gesetz sozusagen mit einem Feder­strich eine staatsrechtliche Einheit des Reiches schuf, die über ein Jahrtausend lang der unerfüllbar er­scheinende Traum der Deutschen war. Aber bis zum ersten nationalen Thing in Nürnberg war das Be­wußtsein der neuen äußeren und inneren Einheit bereits Gemeingut aller Volksgenossen geworden. Bis zum zweiten Parteitag waren Leistungen des inneren Aufbaus von einem Ausmaß verwirklicht, daß kein Mensch mHr diesemTriumph des Willens" seine Anerkennung versagen konnte. Das ganze Erlebnis der wiedergewonnenen Frei­heit bringt erst dieser Parteitag selbst.

In den großen Zügen des Marschierens und des Singens und des männlich - kraftvollen politischen Soldatentums, in den erhaben-feierlichen Wirkun­gen der großen Massenaufzüge kann sich dieser Par­teitag nicht wesentlich von seinen Vorgängern unter­scheiden. Aber wir wissen eines: innerhalb der Mauern befinden sich 121 Fahnen ruhmrei­cher Regimenter des alten Heeres, und draußen vor den Mauern ist das Lager der Wehrmacht in Gebersdorf. Die Regimenter, die dort liegen, kommen von den ersten großen Herbst­übungen eines wiedererstandenen Volksheeres. Wäh­rend dieser Manöver, während welcher wir die Bil­der von motorisierten schweren Geschützen und von wirklichen Tanks, nicht nur von Attrappen, mit freudigem Stolz in den Zeitungen betrachten konn­ten, ist es uns erst ganz bewußt geworden, daß die Gleichberechtigung und die Freiheit der Nation eine Tatsache geworden ist.

Als am 16. März der Führer dieses deutscheEs werde" sprach, da war er und da waren seine be­rufenen Berater sich der Verantwortung dieses Schrittes wohl bewußt. Es durfte inzwischen ruhig ausgesprochen werden, daß mit anderen und ge­fährlicheren Gegenwirkungen gerechnet wurde, als wir sie tatsächlich erlebt haben. Das Ausland sieht daraus, daß wir uns auch in unserer inneren Ge­schlossenheit für Schlimmeres gewappnet fühlten. Aber jetzt erst, nachdem wir die Regimenter des neuen Volksheeres nach ihren ersten Jahresübungen in voller Freiheit im Lager draußen bei Gebers­dorf vereint wissen, beginnt das tiefe Aufatmen der ganzen Nation. Jetzt, nachdem die Glocken von Sankt Sebaldus dieses dritte nationale Thing des neuen Deutschland eingeläutet haben, schwingt in den Hunderttausenden in Nürnberg und kbt in den Herzen des ganzen Volkes ein Gefühl höchster Erwartung auf den letzten Tag, der diesem Partei­tag äußerlich das eigentliche Gepräge geben soll, auf den Tag, an dem das weite Feld geräumt wird, damit das wiedererstandene Volks­heer vor den Führer und vor die Hunderttausende seiner politischen Soldaten treten kann, um die stärkste und tiefste Einheit von Volk und Wehr, von Einheit und Freiheit vor dem Führer, vor seinen politischen Soldaten, vor der Nation und vor der Welt in einer machtvollen Kundgebung zu zeigen. In diesen Tagen ist alles ein sicher erwartungs­frohes Sehnen nach diesen Tag, nach das im höch­sten und letzten zusammengedrängte Erlebnis der Freiheit.

Die Ankunft des Führers.

Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) Der Führer traf mit seinem Stab gegen 16.30 Uhr auf dem Nürnberger Flughafen ein, roo ihn eine vieltausendköpfige Menschenmenge erwartete. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, der ebenso wie die meisten Reichsleiter, Gauleiter und höheren Führer der SA., SS., des NSKK. und der übrigen Gliederungen schon am Vormittag in Nürnberg eingetroffen war, begrüßte den Führer. Ferner hatten sich zum Empfang des Führers Gauleiter Streicher (Nürnberg) und Gauleiter Wagner (München) eingefunden. Der Führer begab sich bann im Wagen durch ein dich­tes Spalier von Menschen zumDeutschen H o f". Auf dem ganzen Wege standen die Men- ichcn zwanzig- und dreißigfach gestaffelt und brach­

ten dem Führer einen triumphalen Empfang. Seit dem frühen Morgen war die ganze Gegend um denDeutschen Hof" herum trotz vielfacher Absper­rungen von Menschen dicht umlagert, die immer wieder nach dem Führer verlangten und in ihrer Begeisterung von den Absperrungen kaum im Zaun gehalten werden konnten, als anläßlich des Vor­beimarsches verschiedener Marschformationen der politischen Leiter der Führer einen Augenblick am Fenster sichtbar wurde.

Der Empfang im Rathaus.

Um V26 Uhr schwingt der tiefe Baß der großen Sebaldusglocke Über die Zinnen und Dächer, mit melodischem Geläut fallen St. Lorenz und die Frauenkirche ein. Bald klingt es von allen Türmen der Stadt. Um 6 Uhr verkünden es dröh­nend die Böller: Der Parteitag der Frei­heit hat begonnen.

Der Renaissancebau des Rathauses trägt in langen Bahnen zu beiden Seiten des Hauptportals die Fahnen der Bewegung und in den Fenstern goldenen Lorbeer, der sich prachtvoll von dem grauen Sandstein abhebt. Der gegenüberliegende Sebalduschor ist schmucklos geblieben, er wirkt allein durch seine edlen Linien. Wenige Minuten vor 6 Uhr brausen Heilrufe auf, pflanzen sich fort durch die Straßen, die der Wagen des Führers in ganz langsamer Fahrt nimmt, wecken ein tau­sendfältiges Echo an den Häuserwänden.

Dor dem Rathaus Empfang des Führers durch die Ehrenkompanien der Wehrmacht und der Leib- ftandarte Adolf Hitler. Dann betritt der Führer, begleitet von Gauleiter Streicher und von Ober­bürgermeister Liebel, has Rathaus. Fanfarenge­schmetter kündete im Rathaussaal sein Kommen. Der Führer nahm gemeinsam mit dem Stellver­treters des Führers, Rudolf Heß, Gauleiter Streicher und Oberbürgermeister Liebel auf den hohen Ratsstühlen Platz. Dann erklang die Ouvertüre zuJulius Cäsar" von Händel und an­schließend brauste der ChorWacht auf" aus den Meistersingern von Nürnberg" durch den Saal.

Oberbürgermeister Liebel

hält bann seine Begrüßungsansprache: Mein Füh­rer! Wiederum darf Ihnen Ihre treue deutsche Stadt Nürnberg am Beginn eines neuen Reichs­parteitages in diesem weihevollen und denkwürdi­gen Rathaussaal aus dank- und freudeerfülltem

Herzen ehrerbietige Willkommensgrüße entbieten! Die einstige deutsche Reichsstadt, die Sie, mein Führer, zur Stadt der Reichsparteitage erfjoWn haben, hat sich abermals zu Ihrem und Ihrer Getreuen Empfang feierlich geschmückt.

Mit den sonstigen äußeren Zeichen der Größe, Pracht und Herrlichkeit eines versunkenen Reiches, den N el ch s k l e i n 0 d i e n , die Jahrhunderte lang in Nürnberg aufbewahrt wurden, hatten wir im vergangenen Jahre zum Reichsparteitag hier im großen historischen Rathaussaal der Stadt Nürnberg auch das über tausend Jahre alte deutsche Reichs­schwert zur Schau gestellt, daß dereinst Symbol der deutschen Einheit, Macht und Stärke des ersten Deutschen Reiches war.

Das erste Deutsche Reich verfiel. Des Zweiten Reiches Trümmer sanken in Schmach und Schande. Sie aber, mein Führer, haben ein Drittes Deutsches Reich geschaffen und es in Einheit, Kraft und Stärke nach innen und außen machtvoll und in wahrer Größe neu erstehen lassen. Im Frühling dieses Jahres gaben Sie dem deutschen Volke durch die Wiedereinführung der mit ungeheurer Begeisterung begrüßten allgemeinenWehrpflicht schließ­lich auch die Freiheit.

Mit der von Ihnen geschaffenen nationalsozialisti­schen Bewegung und damit dem ganzen deutschen Volke dankt Ihnen dies am Beginn des Parteitages der Freiheit auch die deutsche sie aller deutschen Städte: Nürnberg, die Stadt der Reichsparteitage. Unserem heißen Dank wollen wir in dieser Feierstunde sichtbaren Ausdruck ver­leihen.

Ich bitte Sie, mein Führer, von der Sfabt Nürnberg allem deutschen Brauch gemäß ein Zeichen ihrer Dankbarkeit, Treue und Ergebenheit entgegennehmen zu wollen. Das Kleinod, das die alte Reichsstadt Nürnberg dereinst Jahrhunderte hindurch als ein Symbol der Einheit, Gröhe, Macht und Stärke der deutschen Nation in ihren Mauern hüten und bewahren durfte, würdig nachge­bildet aus edelstem Material, lege ich in Nürn­bergs Namen als ein Geschenk der Stadt in Ihre Hände: Das deutsche Reichsschwert dem Führer aller Deutschen, der Deutschland wieder einig, stark und frei gemacht!

Die Traditionsfahnen der alten Armee hielten ihren Einzug in Nürnberg

Die feierliche Ueberführung der ruhmreichen Fahnen und Feldzeichen der alten Armee in das Lager der Wehrmacht in Gebersdorf. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der Dank des Führers.

Sichtlich bewegt nimmt der Führer die Nach­bildung des alten deutschen Reichsschwertes aus den Händen des Oberbürgermeisters entgegen. Er reicht es seinem Stellvertreter, schreitet die Stufen hinauf und eröffnet den Reichsparteitag mit folgenden Worten:

Herr Oberbürgermeister! Ich danke Ihnen und der Stadt Nürnberg für den so herzlichen Empfang am heutigen Tage. Zum fünften Male feiern wir hier das größte Fest unserer Bewegung. Wieder sind unzählige Menschen aus allen deutschen Gauen, erfüllt von der Kraft der nationalsozialistischen Idee, in diese uns allen so liebe und teure Stadt gekom­men. Stärker noch als in den vergangenen Jahren wird sich die Eigenart Nürnbergs den Parteige­nossen einprägen. Die Stadt der herrlichen deutschen alten Kultur erweitert sich zusehends zur Stadt der neuen deutschen Erhebung. Gewaltig sind die Bauwerke und Anlagen, die der Abhaltung dieser Feste dienen sollen. Mit dem heuer im we­sentlichen vollzogenen Ausbau des Luitpold- Hains ist der erste dieser einzigartigen Schauplätze des nationalsozialistischen Reichsparteitages voll­endet. Er ist uns allen besonders an das Herz ge­wachsen, weil sich auf ihm noch während der Kampfzeit eine der ersten Standarten- weihen zu Nürnberg vollzogen hat. Der vorläu­fige Abschluß des Umbaues der Zeppelin­wiese gibt bis zur Erstellung des neuen großen Märzfeldes der politischen Organisation der Be­wegung und insbesondere der Wehrmacht die Mög­lichkeit' des neuen Auftretens. Es ist für uns alle eine große Freude, daß wir diese Neuanlage in so erhebender Weise einweihen rönnen durch die Volksarmee derdeutsch en Nation. Nun, nach der Wiedererstehung der Kraft und der Stärke des Reiches sind wir aber auch besonders glücklich, gerade in dieser nicht nur schönen, sondern einst auch so stark bewehrten Stadt den Reichs­parteitag feiern zu können. Das symbolische Zeichen deutscher Re ich straft, das Sie mir hier als Geschenk übergeben, soll mich selbst immer aufs neue erinnern an diesen denkwürdigen Parteitag des dritten Jahres der nationalsozialistischen Revo­lution und des ersten Jahres der neuen deutschen Freiheit. Ich danke Ihnen, Herr Oberbürgermeister, noch einmal für diesen Empfang und das wunderschöne Geschenk und bitte Sie alle, der alten Stadt der Reichsparteitage unseren beut» schen Gruß zuzurufen: Nürnberg Heil!

Gewaltig klingt dann das Heil auf die Stadt Nürnberg auf, das der Führer ausbrachte. Deutsch­landlied und Horst-Wessel-Lied schließen die Feier­stunde.

Was sind die Reichskleinodien?

Wenn die Stadt der Reichsparteitage, die alte Reichsstadt Nürnberg, in diesem Jahr der Wieder­gewinnung der deutschen Wehrhaftigkeit dem Füh- rer und Reichskanzler als Ehrengabe eine getreue Nachbildung des alten deutschen Kaiser-Zeremonial» Schwertes überreicht, so knüpft sie damit sinnbild­lich an die große Ueberüeferung jener Zeit an, da sie Hüterin und Wahrerin der Heiligtümer des Deutschen Reiches war.

Die berühmten Reichsinsignien, die Ausdruck der Würde und Macht des Kaisers waren, bestehen neben dem Krönungsornat aus der goldenen Kaiserkrone, dem Reichsapfel, dem Schwert des Hl. Mauritius" und dem eigentlichen Zeremonialschwert der Kaiser­krönung, bekannt alsSchwert Karls des Große n". Sarazenische Künstler aus Sizilien haben dieses Schwert im 12. Jahrhundert ange­fertigt. Die von dem Aachener Domgoldschmied Witte geschaffene Nachschöpfung des Kaiser­schwertes ist so getteu dem Original nachgebildet, daß sie auch alle Patinierungen und Beschädigun­gen aufweist. Sie ist ein Meisterwerk deutscher Goldschmiedearbeit. Bis zum Jahre 1424 wurden die Reichskleinodien von den deutschen Kaisern in verschiedenen Burgen verwahrt. Kaiser Sigis­mund betraute die Freie Reichsstadt Nürnberg für ewige Zeiten mit der ehrenvollen Aufgabe, die Insignien zu hüten. Sie blieben in Nürnberg b i s zum Jahre 1 7 9 6. Um sie vor dem Zugriff Napoleons in Sicherheit zu bringen, wurden sie aus der Stadt gebracht und gelangten auf Um­wegen nach Wien, wo sie sich noch heute befinden.

Die Wachtruppe Berlin stellt die Ehrenwachen in Nürnberg. Die Wachtruppe Berlin marschierte Dienstag vor­mittag vom Lager des Reichsheeres in Gebersdorf durch die Straßen Nürnbergs zum Bahnhofsplatz, wo im Grand-Hotel, dem Sitz der höchsten Führer des Reichsheeres, während des Parteitages die Wachtposten aufziehen. Nach einem Standkonzert ging der Marsch der Truppe durch die Innenstadt über den Adolf-Hitler-Platz zur Alten Schau vordem Rathaus, wo nach alter Tradition eine zweite Ehrenwache Posten bezog. Die Wachtruppe wurde auf ihrem Wege durch die Stadt überall von der Bevölkerung und den zahl­reichen Parteitagsteilnehmern begeistert begrüßt.