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Der Mug, ein Symbol der VDA.-Arbeii.

Nicht schöner und eindrucksvoller konnte das Be­kenntnis aller deutschen Stämme und Gruppen der 26 Landesverbände des DDA. jum aemein- samen Aoltstum, zur Einheit oon Blut, Art und Muttersprache zum Ausdruck kommen als durch den dreistündigen riesigen F e st z u g, den der DDA. am Pfingstmontag veranstaltete. Ein blauer Himmel wölbte sich über der. Stadt. Alle Straßen, durch die sich der Festzug bewegte, waren schon lange vor dem Anmarsch oon Menschenmassen dicht besetzt, die mit freudiger Erwartung dem Nahen des Festzuges entgrgensahen. Als der Zug dann endlich kam, wurde er. wo er vorbeizog, mit stür­mischen Heilk-Rufen und Tücherschwenken begrüßt. Im Mittelpunkt der Stadt, auf dem Münzplatz, stand die Ehrentribüne, von der aus Reichsminister Rust und der Bundesleiter Dr. Steinacher mit den Ehrengästen den Fest- zug begrüßten. Es ist fast unmöglich, die Einzel­heiten di^es Festzuges zu schildern. Vielfältig wie die Stämme des deutsche Volkes waren die einzel­nen Trachtengruppen, die Darstellung ein- n wie der volksdeutsche Gedanke des VDA., ille, ein Volk darzustellen in der Bunt- Helt seiner Verzweigung, aber doch in der Einheit seiner Art. An der Spitze Des Zu­ges ritten neun VDA.-Herolde. Fahnenschwinger gingen den einzelnen Landesverbänden voran, zahlreiche Musikkapellen spielten auf. Deutsche Volkstrachten, deutsche Leistungen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet, Statistiken des Volks­tums in sinnfälliger Verkörperung, Verbände aller Art zeigten, was der Bruder für den Bruder leistet, was in der Einheit das Werk aller wird. Stadt­wappen, besondere Wahrzeichen, hervorragende Er­rungenschaften, historische Ereignisse aus der Der- gangenheit und der Gegenwart hatten greifbare bildliche Gestalt in den Gruppen des Zuges. Ein Modell der Münchener Feldherrnhalle zeigte die Hauptstadt Bayerns als Geburtsort der deutschen Erneuerunqsbewegung, sauerländische Bauern schritten hinter den elf Schillschen Offizieren, und Krefelder Seide folgte dem Bielefelder Leinen. Wie Stamm zu Stamm steht, das zu zeigen war wieder einmal Aufgabe der Ostlandtagung des DDA., und so stand am Ende dieser Tagung mit dem schönsten Ausklang zugleich auch das stärkste

Bild, das leuchtend in die Zukunft weist.

In der Städtischen Oper gelangte am Abend Die Schlacht von Rudnau", eine Szenenfolge von Agnes Miegel, ßur Aufführung. In 22 Sä­len feierten die verschiedenen Landesverbände ihren Abschied von Königsberg.

Erziehung zum Volksgenoffen.

Eine Entschließung der Lehrertagung des BDA.

Auf der Lehrertagung des VDA. wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Die in Königsberg Pfingsten 1935 zur VDA.- Tagung versammelten Deutschen Erzieher Des In- und Auslandes bekennen sich zum deut­schen Volkstumsgedanken als zur Grund­lage allen deutschen Lebens. Aus der besonderen Lage unseres Volkes, von dessen Gesamtheit nur Zwei Drittel im Deutschen Reich zusammengefaßt sind, ergibt sich, daß die Erziehung zum Volksgenossen sich nicht überall mit der Er- ziehung zum Staatsbürger deckt. Mil- Honen deutscher Volksgenossen sind Staatsbürger fremder Staaten. Für ihre Kinder ist daher Die Erziehung zum Staatsbürger und zum Volksge­nossen zweierlei. Als loyale Bürger ihres Staates sollen sie zur Achtung des fremden Volkstums und zur Beachtung der Ge­setze erzogen werden; als Angehörige Des Deut­schen Volkes aber im Sinne Der Blut- unD Artgemetnschaft müssen ihnen Mutter­sprache unb volksDeutsche Geschichte wie alle Güter Deutschen Volkstums vertraut wer- Den. Wir foDern daher, daß in allen Staaten die Möglichkeit geschaffen wird, neben die Erzie­hung zum Staatsbürger die Bildung des Volksgenossen zu setzen. Das kann nur in der Muttersprache und nur durch An­gehörige des gleichen Volkstums erfol­gen. Wir fordern, daß alle Beschränkungen und Hemmungen, die diesem Ziel in manchen Staaten entgegenstehen, beseitigt werden. Wir fordern von der deutschen Erziehungswissenschaft, daß die For­meln Volksdeutscher Erziehung auch für solche Volksgruppen entwickelt werden, die keine Mög­lichkeit zu eigenen Schulen haben.

Gegen die Vernichtung deutschen Volkstums in der Sowjetunion.

Eine Kundgebung des Verbandes der Rußlanddeutschen in Königsberg.

Anläßlich Der Ostlandtagung Des VDA. In Kö­nigsberg fand eine außerorDentlich eindrucksvolle Kundgebung Des Verbandes Der Deut­schen aus RußlanD statt. Die ganz unter Dem Eindruck Der nieDerfchmetternDen Nachrichten von Den neuerlich an RußlanDDeutfchen vollstreckten loDesurteilen stanD. VerbanDsleiter ADolf F r a ch gedachte Der neuen Deutschen Blutopfer Des Bolschewismus unD verwies mit RachDruck auf Die Tatsache, Daß sich Der Vernlchtungskampf gegen Die nationalen Volksgruppen in Der Sowjetunion neuerlich außerorDentlich verschärft habe, namentlich gegen Die Deutsche Volks­gruppe. Die Bluturteite entspringen Der weltan­

schaulichen Einstellung Des Bolschewismus Dem Volkstum gegenüber, seinem Vernichtungs­willen und entbehren jeglicher RechtsgrunDlage. Die KunDgebung für Die jüngsten Märtyrer Der RußlanDDeutfchen schloß mit einem einDringlichen Appell an Das Deutsche Volk, Die RußlanDDeutfchen in Der Mett unD Darüber hinaus an alle Kuttur- nationen.

3n Der sich anschliehenDen Arbeitstagung konnten wertvolle Berichte über Die geleistete Arbeit unD Das allgemein vorhandene Interesse für Das Deutschtum in Der Sowjetunion von Den entfanDten Vertretern entgegengenommen werden.

Veralungsjiellen für Erb- und Raffenpflege.

Erbbiologische Bestandsaufnahme des deutschen Volkes.

Vertretern der Presse wurde am Donnerstag Kenntnis gegeben von einer neuen Verordnung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern, die für die bevölkerungspolitische Entwicklung von grundsätzlicher Bedeutung ist. Diese Verordnung sieht Die Einrichtung von Beratungsstellen für Erb- und Rassenpflege bei sämt­lichen Gesundheitsämtern des Reiches vor. Diese Beratungsstellen haben in erster Linie die Aufgaben, neben dem augenblicklichen Gesund­heitszustand der zu Beratenden, auch seine E r b - beschaffenheit zu beurteilen. Zu diesem Zweck werden über die in der Sippe etwa vorhandenen Erbkrankheiten einerseits und das Auftreten besonders wertvoller Eigenschaften an­dererseits genaueste Nachforschungen ange­stellt und dann auf besonderen Sippentafeln und in Karteien festgelegt. Die Inanspruchnahme der Beratungsstellen wird zunächst nur f ü r alle Ehestandsdarlehenserwerber Zwang sein, im übrigen aber auf Freiwilligkeit beruhen. Erst einer späteren Zeit wird es vorbehalten bleiben, diese freiwillige Inanspruchnahme, die für jeden Volksgenossen eine Ehrenpflicht sein sollte, gegebenenfalls zu einer gesetzlich veranker- t e n selbstverständlichen Notwendigkeit werden zu lassen.

Die Beratungsstellen für Erb- und Rassenpflege werden ein- bis zweimal wöchentlich Sprechstunden abhalten, in denen die erbbio­logischen und sonstigen medizinischen Angaben sowie die Personalangaben des zu Beratenden in einer Sippentafel zusammengestellt werden. In dieser sind die vier Großeltern und ihre sämt­lichen Nachfahren aufzuführen, soweit sie biszu einemAchtelmit den Ratsuchen­den blutsverwandt sind. Man wird sich aber dabei nicht allein auf diese Angaben verlassen, son­dern versuchen, sie durch objektive Unterlagen und sonstige Ermittlungen mit Unterstützung von Be­hörden, Familienforschern usw. zu untermauern. Die durch diese Untersuchungen bekanntgewordenen Tat­sachen werden in einer erbbiologischen Kartei gesammelt, die dann allmählich da­durch ergänzt wird, daß nach Möglichkeit für jede Person, über die auch im Gesundheitsamt hinsicht­lich der Erbgesundheit etwas bekannt geworden ist, eine Karte ausgestellt und der Kartei einverleibt werden soll. ____

Wenn so im Laufe der Arbeit Rückfragen bei Jugendämtern, Gerichten und Wohlfahrtsämtern nach asozialen, kriminellen und wegen Erbkrank­heiten der Fürsorge zur Last fallende Personen ge­halten werden, muß es auf diese Weise gelingen, die Kartei nach und nach zu einem lückenlosen Nachschlagewerk über die im Bereich Des Gesundheitsamtes wohnenden erb kranken Sip­pen auszugestalten. Aufgabe der folgenden Zeit wird es dann sein, diese Kartei auch besonders auf die wertvollen Sippen und die gesunden E r b l i n i e n zu vervollständigen.

Eine weitere Aufgabe der Beratungsstellen ist es, solchen Eltern, die nicht krank sind, denen aber ein schwer erbkrankes Kind bereits geboren ist, von der Erzeugung weiterer Kinder aozuraten. Es wird stets vornehmste Pflicht des beratenden Arztes fein, sich zum Beschützer der erbgefunben Familie zu machen. Er wird oon einer Ehe­schließung immer dann abzuraten haben, wenn einer Der Ehebewerber nichtarischer Abstarn- m u n g ist oder vererbliche Leiden oder Gebrechen, Die seine Verheiratung als nicht im Interesse Der Volksgemeinschaft liegend erscheinen lassen oder Infektionskrankheiten oder sonstige Das Leben bedrohende Krankheiten hat.

EinbolschewistischerGroßwürdenträger nach Ostsibirien verbannt.

Moskau, 8.. Juni. (DNB.) Das Bundeskom­missariat des Innern (OGPU.) hat den ehemaligen Vorsitzenden des Vollzugsausschusses der Kaukasi­schen Republiken und früheren Generalsekretär des Präsidiums Des Vollzugsausschusses Der Sowjet- Union, Ienukidse, zur Verbannung nach Der ost sibirischen Stadt Boidibo ohnd Angabe des Zeitraumes verurteilt. Nach der Bun­desverfassung Der Sowjetunion kann die OGPU. Verbannung von fünf bis zehn Jahren verhängen. Das' Privatarchiv Jenukidses und bei ihm Borge- funbene Parteidokumente wurden b e - schlagnahmt. Außerdem hat die Parteileitung angeordnet, daß sämtliche Bilder von Jenu- tidse binnen 24 Stunden entfernt wer- d e n. Der Hauptausschuß der Kommunistischen Par- tei hat beschlossen, Ienukidse wegen politischer Zersetzung aus der Partei auszustoßen.

Ueberbies würben Maßnahmen der Kontrollorgane zur Säuberung des gesamten dienst­lichen Apparates des Sekretariats des Hauptvollzugsausschusses der Sowjetunion getroffen. Entspannung in Nordchma?

Japanische Kriegsschiffe in chinesischen Häfen.

Tokio, 11. Juni. (DNB.) Auf Veranlassung des japanischen Marineministeriums sind zwei Minenboote aus Dairen nach Tientsin ausgelaufen. Außerdem werden weitere ja­panische Kriegsschiffe nach Tschifu und nach anderen chinesischen Häfen entsandt, um dort den Schutz der japanischen Interessen zu verstärken. Die japanischen Forderungen zur Rege- hing der Lage in Nordchina beziehen sich auf folgende Punkte:

1. Unterdrückung der an ti japanischen Be­wegung in ganz China, besonders der korea­nischen Gruppen und Auflösung der sog. Blau­hemden;

2. Einrichtung eines Funk- und Flugver­kehrs;

3. Aufhebung der zehnprozentigen Z o l l - erhöhung auf japanische Einfuhrwaren. Nach

den aus Peiping vorliegenden Nachrichten ist eine wesentliche Entspannung der Lage in Nord­china eingetreten. Man glaubt, daß sowohl Nan­king als auch Peiping d i e japanischen For­derungen anerkennen und durchfüh­ren werden. Die Nanking-Regierung soll bereits Die Entfernung aller Kuomintang-Parteiorganisa­tionen angeordnet und den der Zentralregierung direkt unterstehenden Truppenteilen den Befehl zum Rückzug aus dem umstrittenen Gebiet er­teilt haben. Auch in Peiping wird bestätigt, daß eine japanisch-chinesische Einigung durchaus möglich erfcheint. Krieasminister Hoyinacin erklärte dem Vertreter desOsaka Mainichi", daß alle japa­nischen Forderungen von einem aufrichtigen Geiste der Verständigung erfüllt seien. Allem An­schein nach hat man mit viel weitergehen­den Forderungen gerechnet. Einige Be­unruhigung scheint die Nachricht ausgelöst zu haben, daß das japanische Militär nunmehr auch die Absetzung bestimmter Beamter der Schantung-Provinz verlangt. Ueberraschun- gen können sich auch aus der Haltung des Gouver­neurs von Tschachar ergeben, der anscheinend nicht gewillt ist, die Politik des Friedens um jeden Preis mitzumachen.

Kampf um die Gtaaisform in Griechenland.

Athen im Wahlkampf.

Von unserem ständigen ($.. JR -Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Athen, 3. Juni 1935.

Herrliches Wetter! Blauer Sommerhimmel. Son­nenschein und Lachen! In den Fluten des saroni- schen Meerbusens suchen die Athener Erfrischung. Oder sie lassen sich, am Strande liegend, von der Sonne bräunen. Fernab ziehen die Dampfer an der schönen Insel Agina vorüoer, und in der Nähe durchfurchen lautlos weiße Segler die schäumenden Wogen. Und während sozusagen der scheidende Frühling seine zartesten Saiten zu einer erhebenden Abschiedssymphonie spannt, kocht und quirrtt es im Innern des Griechen ...

Am 9. Juni Wahlen! Wahlkampf, ein po­litisches und zugleich ein häßliches Wort. Sonst wa­ren es die beiden großen Lager, die sich feit mehr als zwanzig Jahren in ununterbrochener Fehde haßerfüllt gegenüberlagen. Heute aber ist es sozu­sagen die eigene, die Dolkspartei, die sich gespalten hat und deren zwei Gruppen sich be. feinden. Die Liberalen, ober besser gesagt Die Veniselisten üben Wahlenthaltung. Sie wuß­ten, was ihnen nach bem verunglückten Putsch vom 1. März devorstanb: eine gänzliche, durchschlagende Wahlnieberlage. Unb mit ben Veniselisten bleiben alle ihnen verbünbeten kleineren Parteien fern, bie Kaphanbaristen, Pangalisten usw.

Diesmal stehen sich nur zwei Hauptgruppen gegenüber: bie Tsaldaristen unb bie Anhänger Des Generals Metaxas. Beibe Parteiführer saßen noch in ben stürmischen ersten Märztagen gemein- s a m am Ministertische, um ben Aufstand mit ver­einten Kräften niederzuzwingen. Heute aber spricht Metaxas oon Tsalbaris als bemverhängnisvollen, unfähigen" Minifterpräfibenten, wobei noch zu be­benden ist, baß General Metaxas jetzt für sofor­tige Einsetzung ber Monarchie kämpft, währenb gerabe er es war, ber vor Jahren als er­ster ber royalistischen Parteiführer bie Republik anerkannte unb bamit ber royalistischen Sache einen schweren Schlag versetzte ...

Trotzdem ist ber Kampf heftig. Er entwickelt sick zwar nicht, wie es vor bem Kriege in Griechenland üblich war, auf den Straßen, speziell auf dem Omoniaplatze" in Athen, sondern ist vom Bürger­steig ins Theater verlegt worden. Tsai- daris sprach im TheaterKentrikon", Metaxas im TheaterKotopuli". Um so mehr aber wütet bie schriftliche Wahlpropaganda. Wie bie vollgeklebten Seiten eines großen Briefmarken­albums schauen bie Straßen Athens an. Man sucht jedoch vergeblich nach Wahlprogrammen ber Parteien. Die gibt es nicht und hat es auch früher nicht gegeben, obgleich die Parteien sich stolzliberale ,freisinnige",Volks"-,Arbeiter"- oberfortschrittliche" usw. Partei nennen. Statt Wahlprogrammen sieht man Photogra­phien, Silber ber Parteichefs unb ber Abgeord­neten, von ben Mauern ber Häuser unb ben Stra­ßenecken prangen. Der Parteiname ist nur ein Aushängeschild; ben meisten Wählern ist nicht ein­mal ber Sinn unb Zweck ber Partei bekannt. Für ihn gilt nur bie Person, die sie führt. Daher Tsaldaristen",Veniselisten",Kaphandaristen", Metaxisten" . . . Und da jeder Kandidat einen möglichst gutenpropagandistischen" Eindruck machen will, hat er sich recht vorteilhaft photoara- phieren unb biese Bilder zu Tausenden an den Häu­sern befestigen lassen. Geht man in diesen Tagen durch die Straßen Athens, so könnte man meinen, daß sich die griechischen Wähler ihre Abgeordneten nach deren Schönheit aussuchen sollen. Man sieht fast nur energische Gestalten, aus deren Augen Napoleonblicke blitzten. Die nächste grie­chische Kammer muß ein Sammelort männlicher Schönheit werden!

Auch Wahlversammlungen unterscheiden sich von denen im übrigenEuropa", in England, Frankreich usw. In Griechenland gibt es keine Diskussionen über bas Wahlprogramm, bie Par­teiführer unb ihre Abgeordneten halten Monologe. Sie sprechen ohne jebe Wiberrebe zu bem Publi­kum unb entwickeln ihre rednerischen Künste, je schöner unb überzeugenber ber Kandidat svricht, um so sicherer ist er ber Begeisterung und der Zustimmung der Menge.

Aber Metaxas ist klug; er tritt in einem für den monarchischen Gedanken psychologisch recht gün­stigen Moment in den Kampf für bie Wieber­einsetzung bes Königtums in Griechenlanb: ber Putsch vom 1. März hat nämlich ber republikani­schen Staatsformibee großen Abbruch getan. Auch Ministerpräsibent Tsalbaris, ber für sich unb

seine Partei bie Republik anerkannt hatte, mußte zum minbeften eine Volksabstimmung über bje (Staatsformfrage in Aussicht stellen. Sowohl Tsalbaris, wie seine Minister unb feine Parteiangehörigen mit Ausnahme bes Kriegsministers Ko ndylis, finb selbst R o y a 1 i st e n". Beibe, Tsalbaris unb Metaxas, kämpfen also eigentlid) für biefelbe Sache, unb ber einzige unterschieb ist nur bie Behanblung ber Frage einer Rückkehr bes früheren griechischen Königs. Metaxas will biese s o - fort unb ohne vieles Feberlesen erzwingen. Tsalbaris aber schlägt eine Volksabstimmung vor, um baburch bie zukünftige Staatsform nicht als eine Partei-, fonbern als eine Volksan. gelegenheit erscheinen zu lassen, unb um ber zukünftigen Monarchie einen festen Untergrunb zu schaffen.

Die Zeitungen, mit Ausnahme ber ruhigen unb seriösen Blätter, überbieten sich an gegenseitigen Beschimpfungen. General Konbylis hat wohl schon vier Klagen wegen Beleibigungen eingereicht. Zwar hat bie Regierung Tsalbaris einen Riegel vor­geschoben, inoem sie jeben Angriff auf bie zur Zeit bestehende Staatsform, also bie Republik, verbot. Auch ist ben Zeitungen untersagt, bie unglückliche Vergangenheit aufzuwühlen; sie bürfen keine Königs- bilder, aber auch keine Bilder von Veniselos und den von den Kriegsgerichten verurteilten Personen veröffentlichen. Dafür aber ist die Kritik am Regierung s w e r k freigegeben. Und das wird weidlich ausgenutzt! Was Ministerpräsident Tsai- daris und feine Mitarbeiter alles zu hören bekom­men, läßt sich gar nicht wiedergeben.

Der Wahltag selbst wird in Griechenland wie man hoffen Darf in Ruhe vorübergehen. Unter bem blauen Himmel unb ber schon recht heißen Sonne werben sich bie Wähler wohl still unb ohne Lärmen in ihre Wahllokale begeben. Unb wenn in ber Presse oon fommenbenAbrechnungen" bie Rebe ist, bann stehen biese Drohungen wohl nur auf bem Papier. Das griechische Volk ist burchaus nicht blutbürftig, es ist eher üoer alle Maßen gut­mütig unb läßt sich sogar oft noch gefallen, was selbst bie weniger heißblütigen Völker bes Norbens sich recht energisch verbitten würben.

Gefährlicher nach ber praktischen Erfahrung der letzten Jahre wenigstens ist berTag nach ben Wahlen, wenn bas Ergebnis bes Wahl­kampfes bekannt wirb. Der Wahltag bes 5. März 1933 verlief burchaus ruhig, ber folgenbe Montag aber brachte ben Putschversuch bes Gene­rals P l a st i r a s. Doch ben umsichtigen Maß­nahmen ber Regierung Tsalbaris bürste es bies- mal wohl gelingen, berartige unerfreuliche lieber- raschungen von Griechenlanb fernzuhalten. Wer wirb siegen? Wahrscheinlich Tsalbaris, vorausgesetzt, baß er nicht von bem stürmischen unb tollkühnen General Metaxas überrannt wirb. Beibe Haupt- gegner finb zuversichtlich. Wir unparteiischen Zu­schauer biefes inneren griechischen Kampfes können nur hoffen und wünschen, daß zum Besten des schönen Landes der innere Friede auf lange Dauer einziehen möchte, daß die Zeit der Putsche, Militär- revolten und der Willkür mit dem kommenden Wahltag begraben werde, um so den Weg für den weiteren Aufstieg Griechenlands zu ebnen.

Die Wahlen in Griechenland.

70 v. H. der Stimmen für die Regierung.

Athen, 10. Juni (DNB.) Arn Sonntag fanden in Griechenland die Wahlen zur National­versammlung statt, an denen sich eine Million Wähler beteiligten. Allein auf die Regierung entfielen 70 v. H. aller abgegebenen Stimmen. Die monarchistische Gruppe erhielt 100 000 Stimmen, die Kommuni st en 60 000 Stimmen. Die Nationalversammlung ist zum 1. Juli einberufen worden. Die Volksabstimmung über bie Frage ber künftigen ©taatsform wird voraussichtlich im September stattfinden. Don 300 Sitzen entfallen 287 auf die Regierungspartei. Die Liste des Generals Metaxas konnte nur sieben Mandate erlangen; außerdem wurden sechs unabhängige Kandidaten gewählt.

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