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Ur. 109 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, tt. M1935

MiMOMiM....

Vornan von Charlotte prenzel.

Urheberrechtsfchutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 19. Fortsetzung Nachdruck verboten!

Lianes ganzes Inneres war in Aufruhr. Bor wenigen Minuten noch hatte sich ihr Glaube an den Geliebten wie eine leuchtende, uferlose Brücke über alle Zweifel und Sorgen gespannt, nun war ihr, als ob diese versank. Sie konnte immer nur denken: Es gibt etwas in seinem Leben, das er verheimlichen will oder muß. Es gibt Dinge, an die er nicht denken, nicht erinnert sein will...

Indessen forschte Irene interessiert:

Sie kennen sich?"

Natürlich! Herr Morland hat in dem Geschäft meines Mannes gelernt. Oh, ich erinnere mich noch sehr gut. Mein Mann hat immer noch von Ihnen gesprochen, bis er vor Jahresfrist plötzlich starb." '

Ich habe von seinem Tode gelesen." Seitdem gefällt es mir nicht mehr in Berlin. Ich reise, ziehe umher. Nun hat mich Irene über­redet, hierher zu kommen. Bielleicht, daß ich Frankfurt wirklich als ständigen Wohnsitz wähle."

Andere Gäste drängten hinzu. Man wollte die Be- kanntschaft mit der jungen Witwe befestigen. Viele von den Anwesenden hatten den Kommerzienrat persönlich gekannt, die meisten in geschäftlicher Ver­bindung mit ihm gestanden.

Liane ließ ihren Mann und die Fremde nicht aus den Augen, aber sie konnte nichts weiter be­obachten, als daß Freds Antlitz undurchdringlich blieb, daß er als einziger der Fremden auswlch, während sie immer wieder das Wort an ihn richtete.

*

Fred nahm den Weg, den er fast regelmäßig jede Woche seit langer Zeit zurücklegte. Er kannte nun schon jedes Haus, fast jeden Baum auf dem Wege. Den Blick starr geradeaus gerichtet, jeder Zug seines Gesichtes beherrscht, unbewegt lenkte er den Wagen.

Grau in grau lagen die Felder, die Ortschaften. Der trübe Morgen gewährte kaum Aussicht auf vierzig Meter Entfernung. Keine Menschenseele begegnete ihm. Auch die Straßen Darmstadts lagen wie ausgestorben da. Fred hatte die Stadt bald hinter sich. Die sonst so liebliche Bergstraße bot einen trüben, trostlosen Anblick. Don den Bergen war nichts zu sehen.

In einem dieser Gebirgsstädtchen vor einer Ga­rage machte Fred halt, drückte auf die Hupe und wartete, bis ein Mann erschien. Sie grüßten sich wie alte Bekannte.

Ein Hundewetter?" gähnte der Mann.Das neue Fahr fängt gut an!"

Fred nickte nur flüchtig. Er fuhr den Wagen in die Garage und ging durch die schmutzigen, en­gen Straßen des Städtchens.

Außerhalb der Stadt lag das kleine Landhaus, dem sein Besuch galt. Er trat durch die Garten­pforte, durchschritt den Vorgarten, schloß die Haus­tür auf.

Eine einfache Diele nahm ihn auf. Ganz aus­gestorben schien das Haus zu liegen. Aber während er den triefenden, mit Pelz gefütterten Lederman­tel ablegte, kamen schnelle, leichte Schritte die Treppe herab, eine jugendliche Gestalt flog auf ihn zu, umfing ihn mit beiden Armen, und eine helle, jubelnde Stimme klang auf:

Papa, Papa! Du bist es? Schon so früh?"

Er preßte das Mädchen an sich, küßte seine Stirn, seinen Mund, seine Augen.

Sie wehrte ihm lachend.

Papa, du drückst mich ja tot!"

Er ließ sie los, hielt ihre Hand fest und zog ihren Arm durch den seinen.Jst's nun recht?" fragte er weich, und seine Augen sahen strahlend in das erhitzte Mädchengesicht.

Sie lehnte den Kopf an seinen Arm, ihre frohen Kinderaugen sahen zu ihm empor.

Sehr recht, Papa! Heimlich habe ich auf dich geroarto-i Du mußtest mir doch ein frohes neues Jahr wünschen."

Ich wünsche dir doch immer alles Gute, Gerdchen."

Sie schlang nach einmal die Arme um seinen Hals, stellte sich auf die Zehenspitzen und küßte ihn auf den Mund. So groß war sie nun schon, daß es ihr gar keine Schwierigkeiten machte, seinen Mund zu erreichen.

Die Aehnlichkeit mit dem Vater war unverkenn­bar. Sie hatte sein tiefschwarzes Haar, seine gro­ßen, dunklen Augen geerbt. Das Antlitz versprach immer ähnlicher dem Vater zu werden. Seine markanten Gesichtszüge prägten sich auch in ihrem Gesicht aus, nur war alles weich, anmutig, lieb- sich, was bei ihm schroff und hart. Groß und schlank emporgewachsen, hatte sie die Kinderschuhe schon abgestreift, war ein allerliebster frischer, fröh­licher Backfisch.

Er nahm ihr Gesicht zwischen beide Hände, sah ihr tief in die Augen. Es waren seine Augen, die ihm entgegensahen, die ganz ausgefüllt waren von ihrer kindlichen Liebe', ihrem großen, unbegrenz­ten Vertrauen zu ihm. Mit einem kleinen Seufzer der Erleichterung gab er sie frei.

Puh, was machst du für ernste Augen?!" lachte sie wieder.Ist das Glückwünschen eine so ernste Angelegenheit?"

Sie zog ihn mit in das Wohnzimmer. Der Raum war mit einfachen, alten Möbeln eingerich­tet. Ein breites Sofa lud zum Niederlassen ein.

Gerda drückte den Vater darauf nieder, blieb vor ihm liehen, betrachtete ihn vom Kopf bis zu den Füßen und schlug lachend die Hände zusammen.

Hast du saubere Schuhe an! Wenn Groß­mutter den Schmutz sieht, den du da in ihr Zim­mer gebracht hast!" sagte sie komisch entsetzt. Komm, ich hole dir schnell die Hausschuhe!"

Ist Großmutter noch nicht auf?"

Nein, sie schläft noch. Sie hat wieder so arg über Gicht geklagt. Ein Glück, daß sie noch nicht da ist! Wir würden beide einen gehörigen Rüffel bekommen. Weißt du nicht, daß die Schuhe drau­ßen ausgezogen werden?"

Er stimmte in ihr schelmisches Lachen ein, drohte ihr mit dem Finger. Da lief sie eilends davon und brachte Hausschuhe und Putzlumpen.

So, nun wären die Spuren verwischt! Gleich bin ich wieder da!"

Gerdchen! Hast du nichts zu essen für mich?!" rief er ihr nach.

Ach je! Bin ich eine schlechte Tochter,.lasse den armen Papa hungern!"

Sie war schon aus dem Zimmer

Fred lehnte sich zurück. Ihm war warm ums Herz geworden. Alle Sorgen waren vergessen, alle Kümmernisse weit von ihm abgerückt. Er war bei seinem Kinde.

Papa, mach doch mal auf", tönte ihre Stimme von draußen.

Er beeilte sich, die Tür zu öffnen. Sie stand mit vollen Händen vor ihm; in der einen Hand hielt sie Teller und Tasse der Kuchenteller schwankte in einer gefahrvollen Lage, in der anderen trug sie Kaffeekanne und Milchgießer, unter den Arm hatte sie die Zuckerdose geklemmt.

Hoffentlich habe ich alles. Mehr konnte ich wirklich nicht tragen."

Haft du denn kein Tablett?"

Daran hab ich wahrhaftig nicht gedacht!" ge­stand sie betroffen, stellte alles auf den Tisch, rückte es ihm zurecht und fragte kleinlaut, als Fred schon am Tisch saß:Eine Decke hätte ich wohl auch auflegen sollen?"

Mache dir nur nicht so viel Umstände, Gerd­chen."

Aber Großmutter würde schimpfen Ein Glück, daß sie noch schläft."

Wenn ich dich aber verrate?"

Das machst du nicht, sonst verrate ich die schmutzigen Schuhe."

Du hast mich ins Zimkner gezogen."

Du bist mir, ohne dich zu wehren, gefolgt."

Unband!" lachte er, fuhr ihr in die kurzen schwarzen Haare.

Au! Au!" quietschte sie auf.

Einen Kuß und du bist frei!"

Sie gab nach, küßte ihn, während ihre Hände nach seinen Haaren griffen und sie ganz und gar durcheinander brachten.

Unband?" sagte er nochmals, aber fein Lachen hatte einen glücklichen Klang.

Während er, stand ihr roter Mund nicht I einen Augenblick still. Alles mußte der Vaier

Aus der Provinzialhauptstadt.

Ach, wie schön der Monat Mai...

Schrecke keiner zurück! Hier will nicht ein senti­mentaler Dichtersmann den Mai mit seinem Blühen und Duften besingen und bereimen! Schon des­wegen nicht, weil ja der Mai viel, viel poetischer und träumerischer und verheißungsvoller ist, als alle Maigedichte und Blütenverse zusammenge­nommen!

Hier will nur einer zur rechten Zeit leise und warnend seine Stimme erheben und seine Mit­menschen darauf aufmerksam machen, daß auch der Monat Mai nur 31 Tage hat, und daß es ge­schehen kann, daß diese Tage vorüber sind, ehe wir's uns versehen.

Vieles, sehr vieles kann man verschieben! Man kann einen Museumsbesuch verschieben, denn ein Museum ist das geduldigste, was es gibt! Man kann die Antwort auf einen Brief verschieden, ob­wohl Onkel und Tanten, Vettern und Kusinen nicht so geduldig sind wie Museumsbauten. Man kann sogar die Arbeit verschieben! Alles das läßt sich irgendwie wieder einholen, oder nachholen, ober wieder einrenken. Was sich aber nicht verschieben läßt, das ist der Manat Mai! Weder die Blüten des Kirschbaumes, nach die des Apfelbaums, weder die Narzissen, noch die Fliederbüsche warten auf uns, oder machen im Blühen solange eine Pause, bis wir Menschen endlich einmal Zeit haben, uns das Wunder ihres Blühens anzusehen. Blüten im Mai sind auch keine Ausstellungen, die verlängert wer­den können.

Aber, wenn die Pflicht ruft?? O, du armer Mensch mit deinen vielen Pflichten! Kannst du denn deine Pflichten nicht so einteilen, daß dir doch ein ganz klein wenig Zeit für den Mai übrig bleibt? Du bist doch sonst so stolz darauf, rationell arbeiten zu können! Geht das denn nicht auch einmal im Mai? Geht's wirklich nicht? Du hast deine vorge- schriebene Bürozeit? Deine Dienststunden? Du be­sitzest einen Betrieb, einen Laden? Du kannst am ganzen Tag, selbst am Sonntag, keine Zeit finden, in den Mai zu pilgern? Und sei's für ein halbes Stündchen? Ich mache dir einen Vorschlag: Steh früh morgens eine Stunde früher auf! Es ist jetzt im Mai schon früh morgens fo hell, und so wun­dervoll still, daß es eine Lust ist, zwischen dem Aufblühen des Maisonnentages und dem Singen und Gezwitscher der Vögel aufatmend spazieren zu gehen!

Es geht wirklich nicht? Du willst mal sehen, ob es später vielleicht geht? Später, wenn du mit deiner Arbeit fertig bist? Später, wenn du genug Geld hast? Später, wenn die Kinder groß sind? Später, später, wenn ...

Ist das nicht alles eine große Täuschung? Wann hört unsere Arbeit auf? Wann haben wir genug Geld? Wann sind unsere Kinder groß? Auf das letzte zur Antwort: dann, wenn wir alt und müde geworden sind! Und warum wurden wir alt und müde? Weil wir nie Zeit gehabt haben, zwischen die Arbeit den Mai einzuschalten! Später bann, wenn es zu spät ist, ja dann sehen wir das alles ein! Dann merken wir, um was uns unser später, später" betrogen hat! Denn:

Ach, wie schön der Monat Mai, Merkt man erst, wenn er vorbell D.

Der Wochenendler marschiert.

Don Montag bis Freitag kann es regnen, aber am Samstag muß prima Frühlingswetter einsetzen, das bis Sonntagabend zu dauern hat. So will es der Wochenendler, der jetzt wieder das große Wort führt. Samstagmittag packt er feinen Rucksack und haut ab. Schon sind die Seen und Flußläufe wieder belebt, die Boote haben einen neuen Farbstrich oder eine neue Bespannung bekommen und schaukeln jetzt

Aus zum Sommerlager!

Dorn Bund deutscher Mädel, Untergau 118, Gie­ßen, wird uns geschrieben:

Strahlender blauer Himmel! Lachender Sonnen­schein! Wir wollen die schönen Maientage nutzen zu froher Fahrt ins Land! Durch manch reizendes Dörflern, durch kühle Wälder führt uns der Weg. Da plötzlich, von einer kleinen Anhöhe aus, liegt vor uns eingebettet in ein blühendes Tal ein ent­zückendes, altes oberhessisches Städtchen.

Wer kennt es nicht, das alte Laubach am Rand des Vogelsberges mit seinen Fachwerk­häusern, seinen schmalen, winkeligen Gäßchen und dem Märchenschloß iv dem friedlichen park? Mancher möchte wohl gerne seine Ferien hier verbringen. Und grabe dieses Städtchen wurde dazu ausersehen, Erholungsort für viele überarbeitete BdM. - Mädels zu werden, denn hier wird in diesem Sommer ein Ferienlager aufgezogen. Die neu her- gerichtete Jugendherberge, mitten in dem park gelegen, soll euch Mädels zu einer lieben Erinnerung werden, denn dort sollt ihr wohnen. Immer 40 Mädels werden hier zu­sammenkommen, um eine frisch-fröhliche Ferien­zeit zu erleben, damit sie nachher um so besser den Anforderungen gewachsen sind, die Schule, Familie und VdM. stellen. Das Lager dauert den ganzen Sommer über, so daß nach und nach alle Mädels einmal drankommen.

Paßt auf, Mädels! Nur in wenigen Worten will ich euch schildern, was ihr da alles tun werdet, wie frisch und froh ihr die Zeit verbringt. Wvhlgemerkt, es ist ein Ferienlager, in dem ihr von Schu­lung und langen Dvrträgen ziemlich frei sein wer­det. Dafür soll euer Körper geschult werden. Früh­morgens findet ihr euch zu einem kurzen Morgen­lauf zusammen. Die Losung heißt: Früh ins Bett und früh aus den Federn? Ihr wer­det dann viel frischer sein, als wenn ihr bis zum Mittagessen in den Betten liegt. Eine herrliche Ab­wechselung bietet das nur wenige Minuten entfernte Schwimmbad, das erst vor wenigen Jahren

vergnügt in den Wellen ober ziehen stolz unb flott ihre gerabe Bahn. Am Ufer wimmelt es bereits von ausgezogenen Leuten, bie minbestens ein Sonnen- bab nehmen wollen unb versuchen, ob ihre ©lieber nicht zu sehr über ben Winter eingerostet [mb. Einige Mutige stürzen sich auch schon in bie kühle Flut unb geben groß an.

Der Frühling ist aber auch eine Zeit für bie Wan- bervögel, biä über Berg unb Tal marschieren unb sich bes Lenzes freuen. Abenbs wirb auch schon ge­zeltet, bann ist man morgens gleich braufeen in ber lieben Natur. Wer ein Wochenenbhäuschen besitzt, bleibt natürlich auch zum Sonntag braufeen, bann ist ber Samstagabenb viel länger unb kann aus­giebiger genossen werben. Wer schon an Samstag roieber in bie Stabt heim muß. sieht nicht bie Sterne ziehen unb ben Monb seine Bahn laufen, ber hört nicht, baß auch bie Frühlingsnacht schon Stimmen hat für aufmerksame Ohren, unb ber weiß nicht, baß bie Dögel jetzt schon morgens in ber vierten Stunbe zu fingen anfangen.

Wvchenenbe ein großartiger Gebanke, ein Ge­schenk für jebermann, ein Faktor, ber für bie Er­höhung ber Dolksgesunbheit nicht zu gering an­geschlagen werben barf.

Daten für den 12 Mar.

1670: geb. ber Kurfürst August ber Starke von Sachsen, König von Polen, in Dresben (geft. 1733);

eingeweiht würbe. Hier könnt ihr eure Schwimm­kunst vervollstänbigen, eure Kräfte messen, vielleicht auch unter entsprechenber Leitung gewisser Fähigkei­ten im Rettungsschwimmen erwerben. Hin unb roieber gibt es auch kleine Arbeiten, bie aber Freube machen, geben Tag triffts eine anbere. Da heißt es Settenbauen, in ber Küche helfen, Zimmer kehren, einkaufen. Unb alle biefe kleinen Pflichten finb leicht zu tragen, benn es finb immer mehrere gleichzeitig beschäftigt unb Gesang unb frohes Schwatzen lassen bie Zeit schnell bahinfliegen. Am Nachmittag lockt bie schöne Umgebung zu einem Spaziergang ein. Da ist vor allen Dingen ber ben Laubachern heilige Berg, ber Rarnsberg, von bem aus ihr einen wunberschönen Blick auf Laubach habt. Be- fonbers jetzt im Frühjahr ist er sehr reizvoll mit seinen vielen blühenben Bäumen. Noch manch' anberen schonen Gang könnt ihr tun, boch führt es zu weit, alle schönen Spaziergänge aufzuzählen. Ihr werbet es ja selbst sehen. Die Adenbe vereinigen euch in bem gemütlichen Aufenthaltsraum ber Ju- genbherberge zu frohem Gesang. Alte längstbekannte Lieber werben mit Begeisterung roieber und wieder gesungen, viele neue dazugelernt. Und am nächsten Tag auf der Fahrt erfreut ihr das Herz der Lauba- cher mit immer neuen Liedern. Das ist in großen Zügen eure Tagesbeschäftigung.

Der wahre Gewinn des Lagers soll sein, daß ihr ausruhl und froh wieder zu euren Ellern zurückkomml. Ihr sollt lernen, natürlich und freundschaftlich miteinander umzugehen, auch mal Rücksicht auf andere zu nehmen und ohne maulen eurer Führerin zu gehorchen. Diese Kameradschaft muß euch so in Fleisch und Blut übergehen, daß ihr auch sonst im Leben treue Kameraden werdet. Rehmt das mit aus dem

Lager, und dessen Zweck ist restlos erfüllt.

Drum Mädels, meldet euch alle unb kommt nach Laubach! Eure Eltern werben euch gerne ziehen lassen. Die begeisterten Schilbe­rungen ber Zurückgekehrten werben ihnen ein Be­weis bafür sein, baß sie recht gehanbelt haben, wenn sie ben Möbels ben Aufenthalt, ber noch bazu so meng Gelb kostet, möglich gemacht haben. R. H.

1803: geb. ber Chemiker Justus Frhr. v. Liebig in Darmstabt (geft. 1873); 1845: geft. ber Dichter August Wilhelm von Schlegel in Bonn (geb. 1767),

Daten für den 13. Mai.

1717: geb. bie Kaiserin Maria Theresia von Oesterreich in Wien (geft. 1780); 1930: geft. ber Polarforscher unb Politiker Fridtjof Nansen in Lysaker bei Oslo (geb. 1861); 1833: geb. ber Dich­ter unb Philosoph Paul Ernst in St. Georgen bei Wilbau in Steiermark (geft. 1866).

Anordnung des Landesjägermeisters für Hessen.

LPD. Der Lanbesjägermeifter für bas Lanb Hessen, Reichsstatthalter Sprenger, bestimmte mit Ermächtigung bes Reichsjägermeisters für bas Lanb Hessen folgenbes:

1. Die Minbestgröße bestehenber Eigenjagbdezirke beträgt 75 Hektar.

2. Neuzubilbenbe Eigenjagbbezirke müssen einen lanb-, forst- unb fifchereiwirtfchaftlichen Raum von minbestens 125 Hektar umfassen.

3. Die Minbestgröße gemeinschaftlicher Jagbbezirke wirb auf 250 Hektar festgesetzt

Amtswatter-Appett der DA!?.

Am Samstag, 11. 2Hai, abends 8 Uhr, findet im Eafe Leib ein Amtswalter-Appell statt, zu welchem alle Block- und Zellenwalter sämtlicher Gießener Ortsgruppen zu erscheinen haben.

Die OGW. geben Stärke-Weldung ab. Kreiswallung der DAF.

Deutsche ^rfro^dfrDiit.

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude". Kölnfahrt am 12. Mai.

Wir fahren für ben Sonberzug nach Köln folgenben Anschlußzug: Ab Grünberg 5.37 Uhr, Beltershain 5.41, Lumda 5.46, Geilshausen 5.52, Odenhausen 5.55, Kesselbach 5.58, Londorf 6.03, Allendors 6.09, Treis 6.14, Mainzlar 6.21, Daudringen 6.24, Lollar 6.32, Gießen 6.40 Uhr. Gießen ab 22.50 Uhr.

Der Zug nach Köln geht in Gießen um 6.45 Uhr ab und kommt in Gießen um 22.14 Uhr an.

Ami für Vottswohlsahrt, Ortsgruppe Gießen-Güd.

Lebensmittelopferring.

Die nächste Lebensmittelsammlung wird am Montag, 13. Dienstag, 14. und Mittwoch, 15. Mai, durchge'führt. Wir bitten die Hausfrauen, bie Pa­kete bereitzuhalten und die Mitgliedskarte der Sammlerin zum Quittieren vorzulegen.

Dre Erteilung

des Mädchenturnun ernch's.

Der Reichsftattholter in Hessen Abteilung II hat an die Kreis- und Stadtschulämter die nach­stehende Verfügung über die Erteilung des Mäd­chenturnunterrichts erlassen:

Es bedarf heute keiner eingehenden Darlegung mehr, daß der körperlichen Ertüchtigung des weib­lichen Geschlechts zum mindesten die gleiche Pflege zuteil werden muß, wie dies bereits bei den Jungen ber Fall ist.

Dieser Zustanb wirb um so eher möglich sein, je mehr überall fachlich geprüfte unb befonbers ge­schulte Kräfte zur Erteilung bes Unterrichts in ben Leibesübungen zum Einsatz kommen.

Es ist baher überall zu prüfen, ob vorhanbene Fachkräfte nicht wesentlich frischer vermengt robben können, als bies bislang geschehen ist. Auf bem Lanbe unb in ber Stabt wirb ber Einsatz ber tech­nischen Lehrkräfte mit Turnlehrbe- sähigung bie Verhältnisse erheblich zu verbes­sern vermögen. Dabei bin ich ber Ansicht, bafe es voll zu verantworten ist, wenn wissenschaftliche Leh­rerinnen im gegebenen Fall ben Handarbeitsunter­richt auf ber Unterstufe übertragen erhalten, um ba- mit eine «technische Lehrkraft mit Turnlehrbefähi­gung für bie Leibesübungen freizumacben.

Ich erwarte, bafe eine entsprechende Regelung in Ihrem Bereich baldmöglichst getroffen wird."

Ein Brie? aus -'nem HI -Zeltlager.

Liebe Mutter?

Ich bin jetzt schon einige Tage hier im Zeltlager und ich mufe Dir offen sagen, daß es mir sehr gut gefällt. Vor allen Dingen ist das Essen gut unb reichlich unb ber Dienst so, bafe ihn jeber Junge vertragen kann. Nachts schlafe ich tief, ruhig unb fest im weichen Stroh. Wenn aber bieweißen Mäuse" kommen, ist es unruhig unb beim Nacht­alarm roirbs lebhaft. Eine ganz schöne Abwechslung, bie nicht täglich vorkommt. Ich habe in ber guten Luft schöne roten Backen bekommen unb fühle mich viel wohler als zu Hause. Unb erst unsere Pfunds- kamerabschaft, bie Volksgemeinschaft im kleinen, wo ein jeber für ben anberen einfteht unb jeber für ben Führer lebt, bie macht uns bestimmt keiner nach.

wissen: baß sie zwei Tage lang gerobelt, baß ihre Freunbin verreist, daß das Dienstmädchen Schnupfen hatte, daß die Großmutter wieder an Gicht gelitten, daß ihr das Kleid, daß ihr der Vater zu Weihnachten geschenkt, vorzüglich stehe.

Fritz sagt, ich sehe wie eine Dame darin aus!" schloß sie ihren Bericht.

Wer ist denn Fritz, der Kenner?" fragte Fred belustigt.

Nun, der Fritz von nebenan, mit bem ich mich sonst immer streite. Denke bir nur, er hat gesagt, so gut hätte mir noch kein Kleib geftanben."

Soso?! Hörst bu es nochmals, bann glaubst du es."

Ach", schmollte sie,für bich bin ich immer noch ein kleines Kinb, wo bie meisten Menschen schon Sie zu mir sagen."

Erstaunlich!"

Gar nicht erstaunlich!" trumvste sie auf. Plötz­lich ging ein Gebanke burch ihren Kopf, ihre Augen leuchteten auf.

Du, Papa!"

Was benn, Gerdchen?"

Sie setzte sich auf fein Knie.

Papa! Heute könnten wir ausgehen'"

Ausgehen?" fragte er verwundertWohin denn bei dem Wetter?"

Bei schönem Wetter kann jeder ausgehen, Papa! Bei schlechtem nur wir zwei Du hast mir schon lange versprochen, mich mal mit nach Frank­furt zu nehmen."

Ich bin froh, daß ich im Trockenen bin, unb bu willst mich roieber hinausjagen?"

Wir können noch eine Stunbe warten. Abenbs fahre ich mit ber Bahn zurück.

Er trat an bas Fenster, überzeugte sich, baß der Himmel sich etwas erhellt hatte, unb sagte bann: Dann lauf mal zur Großmutter unb frage, roie es geht, unb ob sie uns fort läßt "

Gerba flog jubelnb um seinen Hals.

Ich Habs ja gewußt! Du bist boch ber Beste aller Väter!"

Kurze Zeit banach saßen sie in bem Zug nach Heidelberg. Gerba mit frohen Augen, er sie lächelnb betrachten!). Sie sah reizend aus in bem pelzbesetzten Mantel, bem kleinen, sehr kleibsamen Hute. Sie war wirklich eine angehenbe junge Dame

Das Wetter blieb trübe, boch es hatte zu regnen aufgehört. Selig hängte sich Gerba in bes Vaters Arm, als sie ben Heibelberger Bahnhof hinter sich hatten.

Wo führst bu mich benn nun hin, kleine Toch­ter?" fragte Freb.

Gerba wußte ganz genau, wo sie hin wollte. Fritz hatte ihr ein Restaurant genannt, wo es alles gab", was bas Herz begehrte. Freb verschwieg ihr, baß es burchaus nicht bas feinste war, unb folgte ihr lächelnd.

(Fortsetzung lolflt 1)