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worden. Durch diese Vorsichtsmaßnahme wird eine wesentliche Beruhigung innerhalb der Bevöl­kerung erzielt werden, da damit die von allen Sei­ten gewünschte Grenzsicherung ermöglicht wird.

Achtung! Saarabstimmun ysberechtigte!

Zwölf Gebote für die Taarabstimmung.

1. Jede politische Meinungsäußerung im Wahllokal führt unnachsichtlich zum S t i m m v e r l u st.

2. Auch der Deutsche G r u ß, ja sogar das Erheben des rechten Armes, gilt als verbotene politische Meinungs- äuherung. Trage auch keinerlei Ab­zeichen oder Pl« ketten im Abstim- mungslokal.

3. Sprich am besten kein Wort im Wahllokal.

4. Beantworte nur d i e Fragen der Mit­glieder des Wahlbüros. Vermeide auch hierbei jede politische Aeußerung.

5. halte dich, bis du zum Wählen drankommft, nur in dem Teil des Abstimmungslokales auf, der ausdrücklich als Warteraum gekenn­zeichnet ist.

6. F ü ge dich widerspruchslos allen An­ordnungen des Vorsitzenden des Wahl- büros, auch wenn du sie nicht begreifst. Beginne keine Polemik.

7. Fülle deinen Stimmzettel nur in der 3 so - l i e r z e l l e aus.

8. Zeichne dein Kreuz in den entsprechenden Kreis des Stimmzettels nur mit einem schwarz­schreibenden Blei st ist ein, da jedes andere Schreibzeug, auch Tinte, Buntstift oder Kopierstift, deine Stimme ungültig macht.

9. Verlasse die Isolierzelle nicht eher, bis du den Stimmzettel ungefaltet in den Um­schlag ge st eckt und diesen verschlossen hast.

10. Sprich mit niemandem mehr im Wahllokal, wenn du deinen Stimmzettel erhalten hast; sprich auch mit niemandem, bevor du nicht das Wahllokal verladen hast.

11. Enthalte dich auch nach Abgabe deines Stimmzettels jeder politischen Meinungs­äußerung durch Wort oder Gruß, bevor du nicht das Wahllokal verlassen hast.

12. Präge dir diese Vorschriften gründlich ein, be­folge sie auf das Genaueste, sorge dafür, daß deine Stimme nicht ungültig wird.

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Amtlich wird ferner mitgeteilt: Der Abstimmungs­berechtigte hat auf dem amtlichen Wahlzektel e i n fi r e u 5 " in die weihe Kreisfläche des seiner Wahl entsprechenden Feldes mit schwar­zem B l e i st i f t zu machen. Die ursprüngliche Bestimmung der Wahlordnung, daß die Zahl1 an dieser Stelle einzusehen ist, ist durch die Ab- stimmungskommifsion aufgehoben.

Für außerhalb des Saargebietes wohnhafte abstimmungsberechtigte Personen ist die Pflicht, sich innerhalb 24 Stunden polizeilich z u melden, für die Tage vom 12., 13. und 14. Januar 1935 auf­gehoben. Diese Meldepflicht besteht aber für von außerhalb des Saargebiets kommende Ab­stimmungsberechtigte, wenn sie vor dem 12. 3 a- nuat 1935 in das Saargebiet einreifen oder über den 14. Januar 1935 dort ver­bleiben.

Treu zum Führer.

Der NLDM. (Stahlhelm) an den Führer.

Berlin, 10. Jan. (Fkp.) Im Anschluß an einen Führerappell des NS. Deutschen Frontkämp­fer-Bundes (Stahlhelm) richtete der Bundesführer, Reichsarbeitsminister Franz S e l d t e, folgende Adresse an den Führer und Reichs­kanzler:

Hochzuverehrender Herr Reichskanzler?

Mein Führer!

Die zur Saarkundgebung in Berlin versammelten Frontkameraden aus dem Saargebiet und die Landesführer des NS. Deutschen Frontkämpfer-Bundes (Stahlhelm) bringen erneut dem Führer und Deutschen Reichskanzler zum Aus­druck, daß die im NS. Deutschen Frontkämpfer- Bund (Stahlhelm) vereinigten alten deutschen Front­soldaten in Treue und soldatischer Ge­folgschaft hinter dem Führer des Rei­ches stehen. So wie die alten Frontsoldaten sol­datisches Denken, soldatische Frontkameradschaft und die Tradition des Fronterlebens in ihren Reihen pflegen, so wollen sie diese Tugenden des deutschen Frontsoldaten auch den kommenden Ge­nerationen als unvergängliches Erb­gut übermitteln. Und vor allem wollen sie an dem großen Werke des Führers und seinen hohen Zielen getreu und kameradschaftlich in Ge­meinschaft mit allen Teilen der Bewegung Mit­arbeiten. Gleiches Denken und gleiche soldatische Treue hat es vermocht, daß auch die deutschen Frontsoldaten des Saargebietes die schweren Jahre der Abtrennung überdauert haben Der Tag der Saarabstimmung am 13. Januar wird der treuen Arbeit und dem zähen Durchhalten, das mustergültig und beispielgebend für alle Deutschen an der Saar war, dadurch seinen großen Lohn bringen, daß das ganze Saarland mit seinen alten Frontsoldaten und sei­ner deutschen Bevölkerung in das deut­sche Mutterland und Reich z u r ü ck k e h r e n wird, das durch den Führer Adolf Hitler seine große Wiedergeburt, Neugestaltung und seine hohen deut­schen -Ziele wiedergewonn-'n hat. Mit dem heißen Wunsche, daß das Jahr 1935 Ihrem Werke vollen Erfolg bringen möge, rufen Ihnen die alten Front­soldaten zu: Front-Heil Hitler!

gez. Franz Seldte, Bundesführer."

Das Schreiben wurde ferner von dem Führer desBundes der Frontsoldaten Saar" und sämt­lichen Landesführern des NS. Deutschen Front­kämpfer-Bundes (Stahlhelm) unterzeichnet.

Kardinal Faulhaber zur Saarabftimmung.

München, 10. Jan. (DNB.) Aehnlich wie in den übrigen Bistümern hat auch der Erzbischof von München, Kardinal Dr. Faulha­

ber, ein Hirtenwort zur Saarabstimmung ver­öffentlicht, das sich inhaltlich deckt mit der Kund­gebung der Bischöfe der Niederrheinischen Kirchen­provinz. In der Kundgebung wird verordnet, daß am Abstimmungssonntag, den 13. Ja­nuar, in allen Kirchen der Erzdiözese nach dem allgemeinen Gebiet drei Vaterunser mit Ave Maria gebetet werden,um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen"

Gesandter von Papen zur Abstimmung ins Saargebiet gereist

Wien, 10. Jan. (DNB.) Der deutsche Gesandte v o n P a p e n ist mit seiner Familie zur Teilnahme an der Abstimmung ins Saargebiet abgereift.

Stra ver.avren gegen oen Prinzen" Hubertus von Löwenstein.

Saarbrücken, 10. Jan. (DNB.) Unter den Emigranten, die im Saargebiet in unverschämtester Weise gegen Deutschland hetzten, befindet sich seit Monaten auch der sogenannte PrinzHubertus von Löwen st ein, der seinerzeit eine Größe des Reichsbanners war. Gegen diesen hat jetzt der Ober­staatsanwalt beim Landgericht Saarbrücken ein Verfahren wegen Vergehens gegen §17 5 des Strafgesetzbuches eingeleitet, ebenso gegen einen gewissen von Alvensleben, der mit Löwenstein in Saarbrücken eng zusammen­gearbeitet hat. Die Anzeige stützte sich insbesondere auch auf Zeugenaussagen des Hotelpersonals, das

von dem Treiben des Prinzen Löwenstein ange­widert war. DerPrinz" Löwenstein, in Wirklich­keit ein Graf von Löwenstein-Scharfeneck, ist vor einiger Zeit seiner deutschen St a a t s a n = gehörigkeit für verlustig erklärt wor­den. Er hat darauf jetzt die tschechoslowa­kische Staatsangehörigkeit erworben.

Die ausländischen Vorsitzenden der Abstimmungsbüros eingetroffen.

Saarbrücken, 10. Jan. (DNB.) Am Donners­tagabend trafen kurz nacheinander die Sonderzüge mit etwa 250 holländischen und etwa 300 schweizerischen Staatsangehörigen m Saarbrücken ein, die bei der Saar-Abstimmung a l s Vorsitzende der Abstimmungsbüros tätig sind. Die Abstimmungskommission hatte sich zum Empfang eingefunden, ebenso ein großer Teil des Offizierkorps der holländischen Ab­stimmungstruppen. Die Bürovorsitzenden, fast durch­weg ältere Herren, fuhren sogleich weiter in die Kreise und Orte, wo sich ihre Büros befinden.

Glockengeläuleder evangesischenKirchen am Samstag.

Der R e i ch s b i s ch o f hat in einem Erlaß an die obersten deutschen evangelischen Landeskirchen an- ' geordnet, daß aus Anlaß der Saarabstim- mung die Glocken sämtlicher evangelischen Kirchen in ganz Deutschland am Samstag, 12. Januar 1935, in der Zeit von 18 bis 19 Uhr geläutet werden.

Seibflfthlltz ge«eo separatiMe Provokateure.

Saarbrücken, 10. Jan. (DNB.) Nachdem cs der Status-quo=5ront mißglückt ist, durch Provo­kationen Zusammenstöße mit den Mitgliedern der Deutschen Front herbeizuführen und so eine Lage zu schaffen, die die Abstimmung vielleicht unmöglich machen könnte, plant sie, auf ein bestimmtes Stich­wort hin am Sonntagmittag ihre Beisitzer aus den einzelnen Abstimmungslokalen zurückzuziehen. Da dann die Wahlvorstände den Bestimmungen nicht mehr entsprechen und zum Torso würden, wäre damit die Fortführung der Abstimmung unmöglich gemacht. Die Status-quo=5ront will durch Provokateure in den Farben Deutschlands flaggen lassen und dann diese Uebertretung des Flag- genverbotes als Uebertretung der Abstimmungsbestimmungen aufziehen. Damit soll dann die Sicherheit der Abstimmung in Frage gestellt sein.

Demgegenüber hat die Landesleitung der Deutschen Front einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt:

Für jedes Mitglied der Deutschen Front war und ist es eine Selbstverständlichkeit, daß in der frag­lichen Zeit weder geflaggt noch sonst na­tionale Symbole gezeigt werden. Wenn trotzdem am 13. Januar Flaggen gezeigt werden, so sind die zuständigen Stellen schon jetzt davon un­terrichtet, daß es sich dabei um ein zu durchsichtigen Zwecken systematisch organisiertes Manöver un­serer Gegner handelt. Die Mitglieder der Deut­schen Front sind angesichts solcher Machenschaften der Gegner nun erst recht im Gewissen verpflichtet, das Flaggenverbot strengstens einzuhalten. Es ist von uns weiter festgestellt worden, daß die von der Abstimmungskommission für Plakate frei- gegebenen Tafeln von Angehörigen der gegne- rischm Gruppen zerstört ober beschädigt worden sind, um auch diese Freveltaten der Deut­schen Front zur Last zu legen. Ich erkläre, daß es sich bei diesen Vorgängen um eine hefte Ute A r- b e i t der Gegner bandelt, zumal festgestellt werden konnte, daß Plakattafeln zerstört wurden, während kommunistische Schutzposten ihre eige­nen Tafeln bewachten. Die Zerstörung oder Beschädigung von Plakaten gilt als Sabotage unseres felsenfesten Willens, Ruhe und Ordnung im Saargebi"t aufrechtzuerhalten.

Volksgenossen! Bleibt in den nächsten Tagen, ins­besondere aber in den nächsten Nächten, vor der Abstimmung den Straßen fern. Ich ersuche alle Mitglieder der Deutschen Front, die ä u ß e r ft e

Disziplin zu wahren, da der Gegner versucht, Demonstrationen zu inszenieren und dadurch Zu­sammenstöße heraufzubeschwören.

Ein weiterer Aufruf hat folgenden Wortlaut: Volksgenossen! In erhebender Weise habt ihr aus eigenem Antrieb eure Brüder und Schwe - ft e r n aus dem Auslande empfangen. Ihr habt damit spontan eurer blutmäßigen Ver­bundenheit mit dem gesamtdeutschen Volkstum Aus­druck gegeben. Elemente, die die Durchführung der Abstimmung zu gefährden, wenn nicht ganz zu ver­hindern bestrebt find, wollten euch zu Disziplin­losigkeiten reizen und versuchen, mit üblen Provokationen nachträglich den Empfängen ein be­sonderes Gesicht aufzuprägen. Durch diese Machen­schaften sind wir gezwungen, ohne deshalb weniger für die aus dem Auslande heimkehrenden Brüder und Schwestern zu empfinden, aufjeden feier­lichen Empfang zu verzichten. Aus der Verantwortung heraus, die wir alle miteinander im Hinblick auf die entscheidende Stunde am 13. Ja­nuar zu tragen haben, verbiete ich deshalb mit sofortiger Wirkung jeden feierlichen oder spontanenEmpfang der von auswärts eintreffenden Abstimmungsberechtig­ten. Ich bin davon überzeugt und weiß, daß ihr sowohl wie unsere deutschen Brüder und Schwestern vom Ausland und vom Reich diese harte uns auf­gezwungene Maßnahme versteht, würdigt und diszipliniert beobachtet.

Die Ausschmückung

der Saarabstimmungszüge.

Berlin, 10. Jan. (DNB.) Die Abstirnrnungs- züge dürfen bei Eintritt in das Saargebiet nicht mit Wimpeln, Grünschmuck, Plakaten oder Anschriften (auch im Wageninne­ren) versehen sein. Die Aufenthalte der Züge auf den Grenzstationen sind sehr kurz bemessen. Eine Ausschmückung der Wagen kann daher höch­stens im geringen Umfange und nur so zugelassen werden, daß die Ausschückung beim Uebergang der Wagen in das Saargebiet leicht und rasch wieder entfernt werden kann. Namentlich muß es vermieden werden, daß etwa Plakate fest angeklebt werden und daß Grünschmuck so feftgebunben wirb, daß er nicht ohne weiteres abzunehmen ist. Angesichts der Bedeutung der Saarabstimmung darf erwartet werden, daß die Reisenden der Abstimmungszüge für die hier nötige Zurückhaltung Verständnis haben.

WirischafispoMsche Umschau.

Anhastend gute Beschäftigung der deutschen Industrien.Die Lage des Bau­marktes. - Gebesserte Nerchsbahnfinanzen. - Italienische Wirtschastsdepression.

Nach den Berichten der deutschen Industrie- und Handelskammern haben sich Arbeit und Einkom­men der breiten Massen in den letzten Monaten ständig gebessert. In der E i s e n i n ö u ft r i e glaubt man sogar schon die ersten Anzeichen einer kommenden Frühjahrsbelebuug beobachtet zu haben. Auch die Aussichten des Auslandgeschäfts werden durchaus günstig beurteilt. Auf vielen Ge­bieten ist eine Zunahme des Auftragseingangs aus dem Auslande feftzustellen. In der Textilindu­strie kann die in manchen Händler- und Ver­braucherkreisen zeitweise beobachtete Angstpsychose als überwunden angesehen werden. Trotzdem ar­beitet namentlich die B.a u m w o l l i n d u st r i e noch immer mit Hochdruck und kann die eingehen­den Aufträge vielfach nicht fristgemäß ausführen. Manche Geschäftszweige, die bisher unter der zu milden Witterung gelitten haben, werden nach dem Eintritt scharfen Frostes ebenfalls befriedigenden Absah haben. Es ist freilich selbstverständlich, daß die Steigerung der Umsätze nicht unbeschränkt wei­tergehen kann, daß vielmehr eine Stabilisierung auf dem erreichten höheren Niveau eintreten wird und auch muß.

Wie stark die Leistungsfähigkeit mancher Zweige der inländischen Rohstofferzeugung durch den Neuen Plan" angeregt worden ist, zeigt u. a. die Entwicklung der Erzlieferungen der Ilse­de r Hütte. Aus Grund des mit den rheinisch- westfälischen Werken abgeschlossenen Erzlieferungs­abkommens hat die Jlseder Hütte ihre Erzgewin­nung im vierten Quartal 1934 auf mehr als 3 5 9 0 0 0 Tonnen fteigern können, während sie im dritten Vierteljahr 263 000, im vierten Vier­teljahr 1933 nur knapp 190000 Tonnen betragen hatte. Die Erzgewinnung hat sich also im Laufe eines Jahres ungefähr verdoppelt. Bei den Vereinigten Stahlwerken ist im vierten Quartal 1934 gegenüber dem vorangegan- genen die Roheisenerzeugung weiter von 1,09 auf 1,15, die Rohstahlerzeugung von 1,16 auf 1,24 Mil­lionen Tonnen gestiegen. Die Steinkohlen- sörderung dieses Großkonzerns erhöhte sich gleichzeitig von 4,54 auf 4,86, die Kokserzeugung von 1,36 auf 1,45 Millionen Tonnen. Auf der gan­zen Linie ist also wiederum eine Steigerung der Produktion feftzustellen. Besondere Beachtung

verdient die Zunahme des Absatzes der Dünge- mittelinbuftrien. Der Stickstoffverbrauch ber Lanbwirtschaft war in ben ersten sechs Monaten bes laufenbcn Düngejahres beträchtlich größer als in bem entsprechenden Zeitabschnitt bes Vorjahres. Der Verkauf ber neuen hier vor kurzem aus­führlich besprochenen 4,5prozentigen P f a n b - briefe ber Hamburger Hypotheken­bank wirb erfolgreich durchgesührt. Teilweise mußten bie Zuteilungen infolge ber regen Nach­frage repartiert werben. Der Verkaufskurs würbe auf 94'Vi Prozent heraufgefetzt. Eine große Anzahl von Hypothekenbanken hat gleichfalls Anträge auf Ausgabe 4,5prozentiger Pfanbbriefe gestellt.

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Der deutsche Saumarft stand im verflossenen Jahr im Zeichen eines hohen Beschäftigungsgrades. Im Tiefbau hielt die Beschäftigung unvermin­dert an, was hauptsächlich auf den Ausbau der Reichsautvbahnen zurückzuführen ist. Bis zum 1. Juli vorigen Jahres waren 1600 Kilometer zum Bau freigegeben und für 2500 Kilometer liegen weitere Vorentwürfe vor. Hinzu kommt der groß­zügige Ausbau der Binnenschiffahrts- straßen, und somit wird der Tiefbau auch in den nächsten Jahren reich beschäftigt fein. Nicht so günstig ist bie Lage im Hochbau, nachdem die mit öffentlichen Zuschüssen geförderten Umbau- und Jnstandsetzungsarbeiten ziemlich beendet sind. Einige Großstädte fördern auch weiter An- und Ausbauten durch Gewährung von Zuschüssen. Das Problem der zweitstelligen Hypotheken harrt noch der Lösung. In Wohnungsneubauten sieht die Lage günstig für den Hochbau aus. Eine neue Aktion für Siedlungs­und Kleinwohnungsbau ist angekündigt, um den großen Mangel an Kleinwohnungen zu mildern. Es fehlen immer noch etwa 900 000 Kleinwohnun­gen. Die Sparkassen haben die Beleihungstätigkeit für den Wohnungsbau wieder ausgenommen. Wie weit die Hypothekenbanken und andere Bodenkredit- inftitute für neue Hypothekenkredite in Frage- kom­men, läßt sich noch nicht übersehen.

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Die Reichsbahn, der größte wirtschaftliche Betrieb des Reiches, kann auf das vergangene Jahr mit Befriedigung zurückblicken. Die Äufwärts- beroegung zeigt sich am augenfälligsten in ber

Steigerung der Gesamteinnahmen um 15 o. H. im Vergleich zum Vorjahr, sie zeigt sich ferner in den großen Bestellungen, die an die Industrie vergeben worden sind. Ein un­trügliches wirtschastliches Symptom ist das A n - wachsen des Güterverkehrs um 19 o. H. An der Entwicklung der Reichsbahn hat ein Mann führenden Anteil gehabt, der über zehn Jahre an ber Spitze bes Verwaltungsrats ber Deutschen Reichsbahngesellschaft gestanden hat und jetzt auf eigenen Wunsch aus diesem oerantwortungsreichen Amt ausgeschieben ist, Karl Friedrich von Sie­mens. Was er besonders in der Zeit, als die Reichsbahn einem ausländischen Kommissar unter­stand und in den Jahren der Scheinkonjunktur für sie geleistet hat, ist in dem Schreiben des Führers an ihn und auf der Abschiedsfeier von dem Reichs- verkehrsminister Freiherrn von Eltz-Rübenach und Generaldirektor Dr. Dorpmüller zum Ausdruck ge­bracht worden.

Für einige Streifen Sand und den noch einzu- lösenden Wechsel auf Abessinien hat Italien auf seine Bewegungsfreiheit auf dem Balkan verzichtet, und dieses magere Ergebnis wird nur erklärlich durch die notwendige Stützungsaktion fi­nanzieller Art, die Italien allein von Frank­reich erwarten kann. Die offiziellen Ableugnungen ändern nichts an ber Tatsache, baß feit Ende No­vember italienische Vertreter mit ben französischen Großbanken verhandeln. Die Lira ist nämlich stützungsbebürftig unb bie Gesamtlage Ita­liens ist in wirtschaftlicher Beziehung berart, baß bie im römischen Dreierpakt zugesagten Unter­stützungen Ungarns unb Oesterreichs gar nicht durch- führbar sind. Unb wenn auch barüber Enbe Januar sich bie Wirtschaftsexperten ber brei Nationen tref­fen, so steht boch schon jetzt fest, bah ber italienische Mund mehr versprach, als ber Magen vertrug, als feine Volkswirtschaft aufnehmen kann. Man sieht bas liebel barin, baß die Trockenlegung der Sümpfe, der Bau großer Elektrizitätswerke, der Umbau ganzer Großstadtviertel in Italien zwar die Pro­duktionsziffer in bie Höhe trieb, aber bie Finan­zierung aller biefer Arbeiten erfolgte im Gegen­satz zu Deutschland lediglich aus dem Staats­säckel unb jetzt ist bie Staatsüberschuldung, ebenso wie bie Schuldenlast der Gemeinden, so drückend geworden, daß schon im letzten Jahr Italien zu Be­schneidungen der Löhne und Gehälter griff und nicht verhindern konnte, daß die Arbeitslosenziffer über eine Million hinausging. Der Index der gewerb­lichen Produktion war 1928 = 100, er sank 1932 auf 62,7, 1933 stieg er auf 79, im Vorjahre auf 85,7. Dem steht aber gegenüber das Nachlassen der E x p o r t i n d u st r i e n. Der Einfuhrüber­schuß erreichte in den ersten 11 Monaten des Jah­res 1934, für die jetzt bie Zahlen veröffentlicht wur­den, 2187 Millionen Lire gegen 1244 Millionen im gesamten Jahr 1933. Die Goldreserven der Banca d'Jtalia verringerten sich infolgedessen von 7397 Millionen Lire auf rund 5000 Millionen Lire.

Dabei war der Kurs der Lira auf den Aus­landmärkten sehr schwankend und Italien hat als einziges europäisches Land im Vorjahre eine Erhöhung der Diskontrate vornehmen müssen, ein Warnungssignal, das aber zu spät kam. Gleich­zeitig sind die Lohne unb Gehälter b e - schnitten worben. Diese Deflationsmaßnahmen mürben ergänzt durch den im April erfolgenden Abbau der Miete n um 12 bis 15 v. H. Aber das Preisniveau ist durch alle diese Maßnahmen nur unwesentlich beeinflußt worden. Nach Bachi betrug ber Jnbex ber Großhanbelspreise 1913: 100: Er ging um etwa 2 v. H. auf 270 zurück. Die Lebenshaltungskosten sanken von 424 auf 416, wo­bei man immer bedenken muß, daß für die Groß­handelspreise wie für die Lebenshaltungskosten bie Ziffer bei Kriegsausbruch 100 betrug. Abgesehen von ber Spanne zwischen Großhanbelskosten und Lebensmittelkosten, die ganz außerordentlich hoch ist und keinerlei europäische Parallele hat, lebt ber Italiener jetzt bei verringertem Einkommen u m das Drei- bis Vierfache teurer als in Friebenszeit. Währenb Deutschland) gerabe auf bie Entwicklung der Privatinitiative Wert legt, hat sich Italien ganz auf ben Staat verlassen unb bie Folgen finb bemgemäß bei Nachlassen ber Kräfte des Staates traurige. Zubern ist selbst burch die deflationistischen Maßnahmen die Ausfuhr weiter rückgängig und der Weizenzuschußbedarf ist infolge der schlechten Ernte groß und erfordert neue Be­reitstellung von Devisen. Daher klopfen die Italiener an die Türen der französischen Großbanken, unb weil biefe Banken ihr Geschäft stets mit Politik vermischen, ist Italien nach ber Wirtschaftsbepression in eine politische geraten. Frankreich hat bie Lage ausgenutzt unb ben kühnen italienischen Verspre­chungen unb Erwartungen steht nur bas afrikanische Geschäft gegenüber, bas vorläufig wenigstens nichts als neue Unkosten verursachen wirb.

Castelneau fordert die zwei­jährige Dienstzeit.

Paris, 11.Jan. (DNB. Funkspruch.) Die Er- forberniffe ber ßanbesoerteibigung machen nach Ansicht bes Generals be Castelneau bie Einfüh­rung ber zweijährigen Dienstzeit unerläßlich. ImEcho be Paris" entwickelt be Castelneau die bekannten Gedankengänge der militaristischen Kreise Frankreichs. Er geht selbst­verständlich von derfieberhaften Aufrü - ft u n g Deutschlands" unb ben angeblichen Mängeln ber jetzigen Heeresorgani- fation Frankreichs aus unb kommt zu fol- genbem Schluß: Das französische Heer muß heute ftänbig über Einheiten verfügen, bie auf Grund lhrer Ausbildung und ihres taktischen Wertes fcfjnell mobil gemacht, in die Kampf­zone befördert und eingesetzt werden können. Die einjährige Dienstzeit macht die Erfül­lung dieser Bedingungen unmöglich. Gewiß besteht die Stärke des Heeres in den Reserven, aber nur unter der Bedingung, daß die Reservisten vorher hinreichend ausgebildet worden sind. Bei der ein­jährigen Dienstzeit aber kann man keine aus- gebildeten Reserven schaffen. Man muß also auf die Grundgedanken, die für das jetzige Militärregime maßgebend waren, verzichten. Sie sind bei der gegenwärtigen Lage Europas unver­einbar mit der Verteidigungspolitik Frankreichs. Somit kommen wir vor allem am Vorabend der reörutenarmen Jahre zur Ver­längerung der aktiven Dien st zeit. Na­türlich muß sie den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Nation angepaßt fein. Die zweijährige Di"nst- zeit entspricht einerseits den unumgänglichen Not­wendigkeiten und andererseits wird "sie ben elemen­taren Einheiten (Kompanie, Schwabron, Batterie usw.) bie für ihren Bestand, ihre Ausbildung, ihren taktischen Wert und ihre schnelle Mobilisierung not­wendigen Effektivbestände geben. General be Castelneau jorbert bie Regierung zur Stellung­nahme auf.