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Nr. 9 Erstes Blatt

Zreltag, ll.Zamiar 1935

185. Zahrgang

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Nix wie hemm.

55000 Abstimmungsberechtigte aus dem Reich, aus Europa und Uebersee.

Von unserem in das Saargebiet entsandten W.v.L.-Sonderberichterstatter.

Saarbrücken, 9. Jan.

In Abständen von fünfzehn Minuten werden in den beiden Tagen vor der Abstimmung mehr als hundertzwanzig Sonderzüge auf dem Hauptbahnhof Saarbrücken eintreffen. Am Freitag kommen die Abstimmungsberechtigten aus dem Reichs die am weitesten entfernt wohnen, darunter die Saarländer aus Leipzig, Halle, Magdeburg, Breslau und Hamburg. Wenn am 13. Januar die Bevölkerung des Saargebiets an die Wahlurne tritt, werden 48 000 Saarländer, die jetzt ihren Wohnsitz im Reich haben, 2000 Abstimmungsberechtigte aus Europa und Uebersee sowie 5000 Abstimmungs­berechtigte aus Frankreich sich darunter befinden. Der Aufbruch des Saarvolkes, die Mobilmachung für den Tag, dessen geschichtliche Bedutung in die Jahrhunderte reicht, wird vollkommen sein.

Das Ereignis dieses Tages warf feine Schatten über die ganze Erde. Wo immer Saarländer wohnten, warteten sie mit Spannung auf den Tag, da der Zeitpunkt der Abstimmung bekannt­gegeben wurde, und es hat nicht erst der Anregung durch die deutschen diplomatischen Vertretungen be­durft, um sie h e i m z u r u f e n , damit sie am 13. Januar über das Schicksal ihrer Heimat mit ent­scheiden helfen. Es kam der Pfarrer aus Norddakota (USA.), der, Bruder von elf Ge­schwistern, nach vielen Jahren in die Heimat zurück­kehrte, um für deren Deutschtum zu zeugen, und er predigte im kleinen Kirchlein zu Holz in warm­herzigen Worten von der mystischen Kraft des Blu­tes, die ihn über den Ozean in das kleine Dorf rief, wo er feine harte Jugend verbrachte. Es kamen der Schlaffer und der Elektriker aus Montevideo, die vor zehn Jahren, voll Abenteurerdrang, hinauswanderten in die Welt und in Uruguay hängen blieben, obwohl sie eigentlich nach Chile wollten. Aber dort wurden sie nicht an Land gelassen, weil gerade eine Revolution ausge­brochen war. Es kamen aus Peking und Tientsin junge Burschen, die vor Jahren m i t einer Wandervogelgruppe, spielend und arbeitend, durch die Welt gezogen waren und nun im Fernen Osten Arbeit und Brot gefunden haben. Aus Barcelona kam die junge, nicht eben be­güterte Kontoristin, die auf Biegen und Brechen zur Abstimmung daheim sein wollte, deren Geld in Kehl ausgegangen war, und die ohne langes Be­sinnen einfach ihren Koffer versetzte, um weiterfah­ren zu können. Am Fuße des Kilimandscharo hat sich ein Farmer aufgemacht, der schon während des Hererokrieges in der Schutztruppe diente, nach dem Kriege ins Reich zurückkam, hier jedoch keine bleibende Stätte fand und abermals nach Ostafrika ging. Während er gerade ein Beefsteak eines selbst- geschoffenen Büffels briet, traf, so schreibt er, der Luftpostbrief ein, der ihn in d i e Heimat rief. Da hat er nicht lange gezögert, er hat sich auf die Bahn gefetzt, ist nach Daressalam gefahren, und nun ist er bereits mit derUsaramo" auf dem Wege nach Deutschland. Aus Dran kamen zwei Frauen, deren Männer bei den Schwarzen wegen ihrer hervorragenden technischen Kenntnisse in hohem Ansehen stehen.

Am Heiligen Abend des Jahres 1934 standen auf dem Bahnsteig in Saarbrücken ein Mann aus Chikago, einer aus Neuyork, einer aus Verona, einer aus Clugny, zwei aus Buenos Aires. Sie wurden gefragt, wieso sie alle, wieso gerade der Mann aus dem kleinen Ort im mittleren Frank­reich so freudig gekommen sei, für die Rückgliede­rung zu stimmen. Da antwortete der Mann aus Clugny für sie alle: Aus dem deutschen Rund­funk haben wir immer hören können, was heute in Wahrheit in Deutschland geschieht, und was wir hörten, wurde uns durch die Bilder der Ton­film-Wochenschauen bestätigt. Ich habe die Aufnahmen vom Parteitag in Nürnberg gesehen und danach nur noch den einen Gedanken gehabt: in Reih und Glied m i t z u m a r s ch i e r e n wie die Kameraden vor Adolf Hitler. Darum bin ich ge­kommen, meine Stimme abzugeben. Die Greuel- märchen haben sie alle nicht ernst genommen. Sie fragen auch bei ihren Verwandten und Bekannten nicht viel danach. Das kann in Deutschland fo nidit fein, haben sie kurz und bündig erklärt, als sie die Schauermeldungen lasen, und nun feben sie, daß die Stimme ihres Blutes auch dieses Mal nicht getrogen hat. Ja, der P a t e r a u s N agayo in Japan aus dem Missionshaus in St. Wendel berichtet mit seiner ruhigen, klaren Stimme, daß sie seit längerem dort auf ihren Deutschen Abenden die sie jeden Monat einmal veranstalten, von Adolf Hitler und vom Nationalsozialismus sprechen.

Da ist bann die Frau in Schangha i, gegen deren Abstlmmungsberechtigung Einspruch erhoben worden war. Tag um Tag telegraphierte fte, ob der Einspruch zurückgewiesen sei, sie werde sonst das Schiff nicht mehr erreichen. Das Schiff fuhr ab, der Einspruch war noch nicht erledigt. Endlich konnte ihr gemeldet werden, daß sie kommen könne. Nun ist sie mit der Bahn über die Sowjetunion unterwegs. Sie wird pünktlich eintreffen. Aus Dem Reich kamen fünf Frauen, ihre Kinder unter dem Herzen. Sie kamen frühzeitig, um die Strapaz n der langen Reife gut zu überstehen. Nun stnd zwei von ihnen schon glückliche Mütter geworden ... Saarländische Kaufleute aus Uebersee, die im letz­ten Sommer sich in Deutschland aufhielten, blieben kurz entschlossen die vielen Monate bis zur Ab-

Das AbstMmungsergeßWs wird zuerst durch Rundfunk Hannnt gemacht.

Der Präsident der Abstimmungskommission spricht am Montag abend über alle Sender der Welt.

Saarbrücken, 10. Jan. (DNB.) Die Ab- stirnmungskommlssion hat beschlossen, das Ergebnis der Volksabstimmung am Montagabend durch den Mund ihres Präsidenten Rohde über alle Sender d e r Welt ver­künden zu lassen. Als amtliche Ergebnisse der 83 Abstimungsbezirke werden nacheinander die Einzelergebnisse mit ihren Stimmen für Deutschland, Frankreich und den Status quo, sowie die ungültigen Stimmen in deutscher und französischer Sprache bekanntgegeben. Ab­schließend verkündet Rohde das Gesamter­gebnis der Volksabstimmung, das, um Genf nicht vorzugreifen, als nichtamtlich erklärt wird. Voraussichtlich werden während der etwa 40 Minu­ten dauernden Verkündung der Wahlergebnisse sämtliche Telephonoerbindungen zwi­schen dem Saargebiet und der Außenwelt unter­brochen werden, so daß zur größten Bestürzung der internationalen Weltpresse das Ergebnis durch Rundfunk und nicht durch ihre Tele­phone oder Kabel bekannt wird. Während der Zählung in derWartburg" sollen auf Drän­gen der Presse 28 Telephonkabinen einge­richtet werden, um die Durchgabe vonStim- mungsberichten zu sichern. Dafür wird jedoch das Weltereignis selbst nicht durch die Presse, son­dern allein durch den Rundfunk der Welt verkündet werden und voraussichtlich erst mit einstündiger oder noch längerer Verspätung in die Weltpresse , kommen.

Wie die Abstimmungskommission mitteilt, hat sie die Aufmerksamkeit des Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers und die des französischen Ministe­riums des Aeußeren auf das Verbot von Ver­sammlungen ab 10. Januar bis zur Bekannt­machung des Ergebnisses der Abstimmung gelenkt. Die Kommission hat erklärt, daß diese Maßnahme eine sehr wünschenswerte Entspannung mit­führen würde und die Hoffnung ausgesprochen, daß zum selben Zweck keine Propaganda über hie deutschen bzw. französischen Rund­funksender stattfinden möge. Die franzö­sische Regierung hat diesen Vorschlag an­genommen, unter der Bedingung, daß er auch von der deutschen Regierung angenommen werden würde. Der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers teilte mit, daß er mit größter Genugtuung den Vorschlag zur Kenntnis ge­nommen habe, er habe seinerseits die Entspan­nung angestrebt und seine Rede deshalb auf den 9. Januar vorverlegt. Unter Hinweis auf den Inhalt der Reden der Herren Pfordt und Braun, die am 6. Januar über den Straß­burger Sender verbreitet wurden, erklärte Herr Bürckel weiter, daß er leider auf keine Vereinbarung eingehen könne, die zum gegenwärtigen Zeitpunkte die deutschen Sen­der gleichsam zu Vertragspartnern des Straßburger Senders machten.

Militärpatrouillen statt Landjäger an der saarländisch-lothringischen Grenze.

DNB. Saarbrücken, 10. Jan. Wie man heute überall an der saarländisch - lothringischen Grenze beobachten konnte, sind die zur großen Beunruhi­gung der Bevölkerung plötzlich von Landjägern ent­blößten Grenzgebiete nunmehr von st ä n - öigen Militärpatrouillen der verschiede­nen im Saargebiet stationierten internatio­nalen Truppenkontingente besetzt

Deutschland nimmt nicht an der Genfer Ratstagung teil. Reichsaußenminister von Neurath fordert sofortige Entscheidung des Völkerbundes über das Schicksal des Saargebiets.

Sine englische Anregung.

Berlin, 10. Jan. (DNB.) Der englische Bof- chafler Sir Eric Phipps Hal heule den Reichsminister des Auswärtigen, Freiherrn von Neurath, aufgesucht und angeregt, daß Deutschland als Ratsmitglied an der bevorstehenden außerordentlichen Ratstagung des Völkerbundes teilnehme, auf der die Entschließungen über das Saar­gebiet auf Grund der Ergebnisse der Abstim­mung gefaßt werden sollen.

Der Reichsminister hat den Botschafter wissen lassen, daß die Reichsregierung, nachdem sie ihren Austritt aus dem Völkerbund erklärt habe, sich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht in der Lage sehe, dieser Anregung Folge zu geben. Gleichzeitig wurde der englische Botschafter darauf hiugewiesen, daß Nachrichten hier vorliegen, wo­nach die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Saargebietes erst in einer päteren Ratstagung erfolgen sollte, daß aber nach Auffassung der Reichsregierung e r n st e Bedenken dagegen bestünden, die Entschei­dung über das Schicksal des Saargebieles hin­auszuzögern, da es insbesondere für die saarländische Wirtschaft schwerwie­gende Schädigungen mit sich brächte, wenn der ungesunde Zwischenzustand mit all seinen Unsicherheilsfaktoren über das Maß des dringend Notwendigen hinaus verlängert würde.

Das Echo in London.

Times meint,

die Ablehnung war unvermeidlich.

London, 11. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Die Blätter bringen die deutsche Mitteilung über den Besuch des britischen Botschafters beim Neichs- außennunister. Es wird hervorgehoben, daß Frei­herr von Neurarh nachdrücklich auf die Gefah­ren einer Verzögerung der Entscheidung des Völkerbundsrates über das Schicksal des Saar­landes hingewiesen habe. WährendDaily Telegraph" in einem Leitaufsatz das deutsche Ver­halten ^bedauert, bezeichnet der Berliner Vertreter derTimes" die Antwort als unvermeidlich. Er gibt zu, daß eine so völlige Umkehr der deutschen Politik, wie sie in einer Entsendung eines Vertreters nach Genf zum Ausdruck kommen würde, gegenwärtig nicht in Betracht komme. Deutschland habe immer wieder erklärt, daß es eine Rückkehr nach Genf nicht erwägen werde, solange fein Recht auf praktische N ü - stungsgleichheit nicht anerkannt sei. Uebrigens sei der Weggang von Genf nicht nur mit der Rüstungsfrage, sondern auch mit dem jetzi­gen V o l k e r b u n d s s y st e m begründet worden.

Solange das Saargebiet von Deutschland abge­trennt ist", schreibtDaily Mai l",besteht un­vermeidlicherweise eine Gefahr für den Frieden. Die Kriegswolke, die über Europa hängt, wird sich am Sonntag heben, wenn eine

überwältigende Mehrheit von Saarländern f ü r b i e Rückkehr ihres Gebietes zu Deutsch­land stimmt. Dies wird die Frage ein für alle­mal entscheiden. Alle Großmächte einschließ­lich Großbritanniens, Frankreichs und Italiens wünschen es, und es wird dem Stammesverhältnis und der geschichtlichen Entwicklung entsprechen. Die

Saarländer sind Deutsche und sprechen deutsch. Sie könnten auf die Dauer von Deutsch­land nur durch Zwang ferngehalten werden. Zwang aber wird zu einer Unmöglichkeit. Europa hofft, daß die Frage am Sonntag end­gültig zugunsten Deutschlands ent­schieden wird."

Das Programm der Ratstagung.

Genf, 10. Jan. (DNB.) Die Sa ar-Ab st im­mun g steht so im Mittelpunkt der dem Völker­bundsrat bei seiner bevorstehenden Tagung zu- fallenden Aufgaben, daß das sonstige Programm nur wenig Interesse erregt. Es kommt hinzu, daß auch das Ergebnis von Rom mit den außerordentlich weittragenden Folgen, die es auch für Genf haben kann, die Gemüter noch immer bewegt und sie von der Tagesordnung des Völker- bundsrates ablenkt. Dabei ist diese Tagung selbst, abgesehen von der Saarfrage, nicht ohne Bedeutung. Wenn man sich daran erinnert, welche internationale Erregung und Spannung b i e ungarisch-süd­slawische Streitfrage noch vor wenigen Wochen hervorgerufen hat, so wird man auch dem in Genf zu erwartenden abschließenden Akt eine gewisse Bedeutung zumessen müssen.

Die ungarische Regierung, wieder vertreten durch Tibor von Eckhardt, wird dem Völkerbundsrat ein Dokument übergeben, in dem sie über die von ihr ergriffenen Maßnahmen und über den Aus­fall der von ihr veranstalteten Untersuchung Bericht erstattet. Ungarn gibt zu, daß ungarische Beamte, darunter auch zwei Polizeibeamte, sich Nachlässigkeiten zuschulden kommen ließen. Man erwartet, daß dieser erst so bedrohlich ausfehende Zwischenfall damit feine Erledigung findet, daß der

Völkerbundsrat die Erklärungen Ungarns zur Kennt­nis nimmt.

Don erheblichem Interesse könnte an und für sich auch die Behandlung der Klage Abessiniens gegen d i e italienische Regierung auf Grund des Artikels 11 der Völkerbundssatzung fein. Auf Grund der inzwischen erfolgten weitgehenden Einigung zwischen Frankreich und Italien wird man allerdings erwarten können, daß sehr starke Kräfte in Genf dahinwirken werden, diese Frage in den Hintergrund zu drängen.

Die anderen Punkte der Tagesordnung bieten nicht das gleiche internationale Interesse. Der Grenz st reit zwischen Persien und dem Irak berührt die meisten Großmächte weniger direkt als die abessinische Frage. Schließlich wird die Schweiz ihren Anspruch auf (Brftattung gewisser Kriegsschäden von neuem vor­bringen. Für Deutschland haben noch einige andere Punkte der Tagesordnung Bedeutung. So werden die Frage' der Zwangsversteigerung der Pleßschen Güter in Oberschlesien und die Frage der Alkoholkonzessionen in den früher deutschen, jetzt polnischen Gebieten von neuem auftauchen, wobei die Haltung des polnischen Ver­treters vielleicht einen Aufschluß über Polens grund­sätzliche Haltung zur Minderheitenfrage geben wird.

Nalidin will die Wähnmgsfrage anschueiden.

Frankreich wünscht Englands Rückkehr zum Goldstandard.

London, 11. Jan. (DNB. Funkspruch.) Meh­rere Blätter sprechen von der Möglichkeit, daß Ministerpräsident F l a n b i n bei feinem Londoner Besuch auch die Frage der Stabilisierung der Währungen und der Rückkehr Eng­lands zum Goldstandard aufrollen werde. Morning Post" schreibt, die französische Regierung glaube, daß b i e Währungsschwankungen das größte Hindernis für die Wiederbe­lebung des internationalen Handels bildeten. Sie werde vielleicht die Stabilisierung zu einer von den Bedingungen machen, die Frankreich für die A n - nähme des Rüstungsplanes stellen werde, den die britische Regierung wieder aufzunehmen wünsche. Die beiden Fragen Rüstungen und Wäh­rungsstabilisierung würden gleichzeitig mit­einander erörtert werden.

News Chronicle" bemerkt, es lägen Anzeichen vor, daß die amerikanische Regierung zur Stabilisierung noch nicht bereit sei. Eng­land könne nur dann zum Goldstand zurückkehren,

wenn es die sehr bestimmte Zusicherung erhalte, daß der Goldstand künftig mit mehr Klug­heit und erheblich größerer Rücksicht auf die international en Belange ge­handhabt würde als in der Vergangenheit.

Daily Herald" schreibt, Frankreich glaube, bas britische Kabinett werde der Stabilisierung günstiger gesinnt sein, da es befürchte, die Wiederbelebung des Innenhandels habe ihren Höhepunkt über­schritten. Zur weiteren Verminderung der Arbeits­losen werde deshalb eine Wiederbelebung des Außenhandels für wesentlich gehalten. Die Vereinigten Staaten seien der Ansicht, der riesige Anleihebedarf der Regierung werde leichter gedeckt werden können, wenn die Anleihezeichner die Sicherheit hätten, nicht neue Verluste durch eine Wertminderung des Dollars zu erleiden. Aus allen diesen Gründen gelte der Augenblick für eine Wie­dereröffnung der Verhandlungen für günstig, die auf der Weltwirtschaftskonferenz so verhängnisvoll unterbrochen worden feien.

ftimmung hier, um ja nicht den 13. Januar zu ver­säumen.

Schiffer gingen mit ihren Kähnen in diesen letz­ten Wochen auf Fahrt. Aber fte rechneten vorher aus, wann und wo sie zu erreichen wären, damit die Abstimmungsweise rechtzeitig in ihre Hände kämen. Als eine Familie durch Hochwasser in Bel­gien festgehalten, ihren Reiseplan plötzlich ändern mußte, telegraphierte sie kurzerhand nach dem nun nächst erreichbaren Sonderzug. Ein Ingenieur wurde in den letzten Tagen überraschend zu einer Arbeit nach Irland geschickt. Aber bevor er sie übernahm, bedang er sich aus, daß er zur A b - ftimmung in die Heimat fahren dürfe. Und der junge Saarländer, der daheim jahrelang ohne Arbeit gewesen war und endlich als Schiffs­junge bei einem Hamburger Frachtdampfer an­kommen konnte, machte zur Bedingung, daß er, wenn das Schiff einen Hafen in Norwegen an­laufe, Urlaub nehmen könne, um am 13.Ja­nuar im Saargebiet zu fein. Er wird dann im nächsten Hafen fein Schiff wieder besteigen.

Als das Vaterlands als die Heimat rief, kamen f i e alle. Keiner von denen, die in der Fremde wohnen, ist ausgeblichen. Sie wissen am haften, was die Heimat ist. Wäre es nach ihren Schwe­stern und Brüdern im Saargebiet gegangen, ihr Empfang wäre genau fo jubelnd und begeistert gewesen, wie er denen zuteil wurde, die über Deutschland kamen. Aber die Regierungskommission hat alle Empfänge verboten, und die Presse der Status-quo=Ier hat dieser Verfügung mit hämischer Befriedigung zugestimmt. Die Freude des Wieder­sehens hat das jedoch nicht trüben können, es hat den trotzigen Widerstand nur noch verstärkt. Zu Neujahr verkauften sie im Saargebiet eine Karte. Darauf stand zu lesen:Profit Neujahr und nix wie hemm!" So denkt und fühlt das deut­sche Volk an der Saar, im Reich, in der alten und in der neuen Welt. Der 13. Januar wird es zeigen.