Ausgabe 
10.10.1935
 
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185. Jahrgang

Eichener Anzeiger

Nr. 257 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 10. Oktober 1935

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Oer Führer eröffnet das Winterhilfswerk.

Das deutsche Volk wird erneut zur Bekundung echter Volksgemeinschast aufgerufen.

Berlin, 9. Okt. (DNB.) Der Gemeinschaftssinn des Nationalsozialismus ist wohl in keiner anderen Einrichtung besser und überzeugender zum Ausdruck gekommen als in der Schaffung des großen Winter­hilfswerks des deutschen Volkes. Zwei Zahlen zeu­gen von dem Sozialismus der Tat: Das deutsche Volk hat -in den vergangenen beiden Wintern durch freiwillige Spenden die genwaltige Summe von % Milliarden Mark aufgebracht, damit keine Volksgenossen zu hungern und zu frieren brauchen, und über 1,3 Millionen Partei- und Volksgenossen haben sich freudig ehren­amtlich in den Dienst dieses Werkes der wahren Nächstenliebe gestellt. Besucher aus aller Welt haben immer wieder diesem in der Welt einzig dastehen­den Werke höchste Anerkennung gezollt. Die Bedeu­tung des Winterhilfswerkes, die das ganze Volk er­faßt, rechtfertigt den feierlichen Rahmen, in dem sich die Eröffnung vollzieht.

Die ganze Reichshauptstadt nahm Anteil an die­sem Tage, und darüber hinaus hörte das gesamte deutsche Volk am Lautsprecher die Reden des Füh­rers und des Reichspropagandaministers. Don der Wilhelmstraße, dem Hause-des Führer, bis zur Krolloper, den gesamten Weg entlang, den der Führer nahm, stand ein ununterbrochenes Spalier von SS-Männern; hinter ihm drängten sich in dichten Massen die Volksgenossen, die dem Führer auf seiner Fahrt zujubelten. Wieder brachte die Be­völkerung dem geliebten Führer ihre Freude und ihren Dank für seine segensreiche Arbeit durch an­dauernde Heilrufe zum Ausdruck. Der Königsplatz war von Menschen überfüllt. Die meisten Reichs­minister, Reichsleiter, Staatssekretäre und die füh­renden Männer der Bewegung und des öffentlichen Lebens waren schon lange vor Eröffnung der Kund­gebung erschienen. Der nur mit schlichtem Tannen- grün und Fahnentuch ausgeschmückte Sitzungssaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den Teil­nehmern befanden sich sowohl Helfer als auch Betreute des WHW. Der Führer wurde, als er um 12 Uhr den Saal betrat, von den Anwesenden stehend mit dem deutschen Gruß empfangen.

Staatssekretär Funk

eröffnete die Kundgebung für das deutsche Winter­hilfswerk 1935/36 mit folgender Ansprache: Zum dritten Male beginnt heute die nationalsozialistische Arbeit zur Bekämpfung der Winternöte und des freudlosen Daseins unserer Volksgenossen mit einer bis ins Letzte durchorganisierten Sammlungs­und Hilfsaktion allergrößten Umfan­ges. Die Armee der namenlosen freiwilligen Helfer steht zum Einsatz bereis und wartet auf die Parole zum Beginn des Kampfes gegen die Not des Winters. Wieder wird von die­ser Stelle aus der Appell an das soziale Gewissen der Nation ergehen, und alle, die diesen Ruf ver­nehmen, solche, die Spenden geben, und die, die Spenden empfangen, werden begreifen, wie dieses Opfer im Geiste unserer neuen natio­nalsozialistischen Volksgemeinschaft verstanden, wie es in solchem Geiste darge­bracht und auch empfangen werden muß. Nur weil dieses WHW. auf dem Boden der neuer­wachten Volksverbundenheit gewachsen ist, erklären sich seine gigantischen, alle ähnlichen Vorhaben weit in den Schatten stellenden Ergebnisse. Wir aber, die wir von Ihnen, mein Führer, mit der Durchfüh­rung dieser hohen Aufgabe betraut worden sind, werden alle unsere Kräfte freudig da­für einsetzen, daß der Erfolg des diesjährigen WHW. den imposanten Leistungen der Vorjahre in keiner Weise nachsteht.

Reichsmmisier Dr. Goebbels

führte darauf u. a. aus:

Dr. Goebbels erinnerte einleitend daran, daß bei der Machtübernahme am 30. Januar 1933 die Hälfte des deutschen Volkes gegen den Führer und den Nationalsozialismus gestanden habe. Wenn heute das ganze deutsche Volk hinter dem Führer stehe und seine Sache Mit der tiefsten Leidenschaft seines Herzens zur feinen mache, so nicht etwa deshalb, weil er es durch Versprechungen geworben hätte, sondern weil er es durch Lei­stungen überzeugte. Der Gegensatz zwischen dem, was man von der Bewegung vorausgesagt, und dem, was sie praktisch getan habe, sei so schreiend und in die Augen springend gewesen, daß er das Volk in seinem tiefsten Gerechtigkeitsgefühl erfaßt und in den Bannkreis der Bewegung gezogen habe. k ,

Hur Ihre nächsten Mitarbeiter", fo wandte sich Dr. Goebbels an den Führer,haben einen Begriff davon, wie groß die Sorgen ge­wesen sind, die Sie, mein Führer, um Deutschlands Zukunft getragen haben und wohl bis zürn letzten Atemzuge werden tragen müssen. Mr aber wissen auch, wie sich bei Ihnen in ollen schwierigen und entscheidenden Situationen Sorge um die Nation immer mit Für­sorge für das Volk verstand. Sie haben die großen Probleme, die Deutschland in seiner jetzigen historischen Entwicklung aufgegeben sind, unablässig in einer einzigen ge­nialen Gefamtfchau gesehen. Für Sie

waren Wirtschafts-, Sozial-, Innen- und Außen­politik keine von einander getrennten, in sich bestehende Arbeitsgebiete, mit denen man sich je nach Laune oder Zwang beliebig beschäftigen kann: für Sie war das alles immer z u f a m - mengef aßt zu einem Gleichklang der Arbeit für ein Volk und der Führung einer Ration, die aus tiefster Demütigung zu einer neuen Größe emporzuheben, ihre geschichtliche Bestimmung ist."

Der Minister gab dann eine Reihe von Daten über die beiden vergangenen Aktionen, indem er ausführte:In der Zahl der vom Winterhilfswerk Betreuten drückt sich die Erholung des deut­schen Produktionslebens deutlich aus. Während in dem Winterhilfswerk 1933/34 noch 16 600 000 Menschen versorgt werden mußten, sank diese Zahl im Winter 1934/35 auf 13 800 000. Hier­bei ist zu berücksichtigen, daß das Winterhilfswerk zusätzlich Unterstützungen gewährt, daß also außer 1300000Arbeitslosen und ca. 600000 Wohlfahrtsunter­stützungsempfängern auch 871 000 Rentenempfänger, 70 000 Kurzarbeiter sowie etwa 1 400 000 sonstige Betreute, darunter eine erhebliche Zahl erst kurze Zeit in Arbeit stehender Volksgenossen unterstützt werden. Dazu kommen die etwa 9 500 000 Familien­angehörigen. Das Winterhilfswerk 1933/34 erstreckte sich über sechs Monate und erbrachte 358 Millionen Reichsmark: im Jahre 1934/35 waren es nur fünf Monate, und trotzdem stieg dc^s Gesamt­aufkommen auf 367 Millionen Reichsmark. Die Verwaltungskosten wurden weiter gesenkt. Für Löhne, Gehälter, Bürounkosten, Porto, Telephon, Druckkosten, Miete, Licht, Reini­gung, Reparaturen, Material, Sammelbüchsen und sonstige Unkosten wurden insgesamt nur 3 407 000 Reichsmark gegen 3 414 000 Reichsmark im Vorjahr aufgewendet.

Früher rechnete man in der Wohlfahrtspflege allgemein 8 bis 10 v. h. Verwaltungsunkosien. Das Winkerhilfswerk wurde mit 0,93 v. h. Verwaltungsunkosten durchgeführt. 1338 335 Helfer standen dem Winkerhilfswerk zur Verfügung, davon 308 262, die sich ständig ehrenamtlich zur Mitarbeit bereilhielten. Aber nur 5189 arbeiteten gegen Gehalt oder Ent­schädigung.

Daß der Gedanke Volksverbundenheit im Winter-

Aus dieser Grundlage heraus habe der Führer im Sommer des ersten Jahres der nationalsoziali­stischen Revolution den Auftrag gegeben, das Winterhilfswerk 1933/34 vorzubereiten, obwohl damals die schwersten Sorgen Bewegung und Staat belasteten und auch aus den vorange- gangenen Jahren kein auch nur annähernd ver­gleichbarer Vorgang vorhanden war, der zu diesem sozialen Hilfswerk hätte verpflichten müssen.

Hilfswerk Widerklang fand, beweist der überraschende Erfolg desTages der nationalen Soli­darität", an dem über vier Millionen Reichs­mark Spenden einkamen, also das dreifache der üblichen Straßensammlungen mit Abzeichen­oerkauf, die durchschnittlich 1,3 Millionen Mark brachten.

Ein neuer Gedanke wurde in den Mosaik- Erinnerungstafeln verwirklicht, die als bleibende Zeugnisse des Opferwillens in mehr als 200 Gemeinden Aufstellung fanden und dabei noch einen Ueberschuß von fast 400 000 Mark abwarfen. Diese Mosaiktafeln werden auch im kommenden Winterhilfswerk weitere Verbreitung in ganz Deutschland finden.

Die wirtschaftliche Bedeutung des winterhitfs- werks darf nicht unterschätzt werden. Für ins- gesamt 246 622 485 Reichsmark wurden waren einqekauft, und an Menschen verteilt, die aus eigenem Einkommen diese Summen nicht in den Umlauf des Wirtschaftslebens hätten fließen lassen können. Diese Verlagerung der Konsum­kraft auf weitere Volkskreise ergibt eine gesün­dere Absahregelung und dient damit der Ar­beitsbeschaffung. Durch Ankauf von Nahrungs­mitteln im Werte von 70,8 Millionen Reichs­mark wurde der Landwirtschaft Absatz gesichert, über 76,4 Millionen Reichsmark für Brenn­materialien flössen den Gruben zu, 46,7 Millio­nen Reichsmark für Bekleidung ergaben Auf­träge an die Textil- und Schuhindustrie. Auch der handel durch den für 45,2 Millionen Reichsmark Gutscheine und für 16,8 Millionen Reichsmark sonstige Waren geleistet wurden, hatten Anteil am Winterhilfswerk.

Gleichzeitig ergab sich die Möglichkeit, einigen

Notstandsgebieten lohnende Aufträge zu verschaffen. Indem Bernstein, Spitzen, künstliche Blumen, Gold, Porzellan, Galalit und sonstige Ma­teralien, deren Bearbeitung Handarbeit voraussetzt, als Winterhilfswerk-Abzeichen für die Samm­lungen verarbeitet wurden, konnte Zehntausenden von Arbeitern und insbesondere Heimarbei­tern Lohn und Brot vermittelt werden. 74 Millio­nen Abzeichen wurden verteilt, 3,7 Millionen Reichs­mark stoffen als Löhne in diese Industrien.

Im Gegensatz zum Wohltätigkeitswesen des ver­flossenen Systems erkenne das nationalsozialistische Winterhilfswerk sehr wohl die Gefahr, daß die Volksgesamtheit durch übersteigerte Forderung aso­zialer Elemente geschädigt werde. Unter diesem Gesichtspunkt werde hier eine Auslese getroffen werden. Unterstützungen seien nicht dazu da, den nationalsozialistischen Grundsatz möglicher Selbst­hilfe zu schwächen. Wer trotz gebotener Gelegenheit zur Selbstversorgung oder auch zu kleiner Hilfe­leistung beim Winterhilfswerk versage, wer seine Spende verschachere und in Alkohol oder andere Genußmittel umsetze, werde rücksichtslos vom Winterhilfswerk ausgeschlossen. Diese Tatsache verpflichte alle Spender des Winterhilfs- werks zu höchstem Einsatz. Denn die aus ihrer Opferwilligkeit aufgebrachten Mittel kämen im Winterhilfswerk des deutschen Volkes nur Wür­digen zugute.

Stärker noch als im Vorjahr müsse derPaten - schaftsgedanke des Winterhilfswerkes im Volke durchdringen. In der Nachbarschafts­hilfe von Haus zu Haus, von Tür zu Tür könne das mustergültige Organisationswerk eine Ergän­zung, Beseelung und Vergeistigung im Sinne tiefster Volksverbundenheit erfahren. Das dritte Winterhilfs­werk des deutschen Volkes im Jahre 1935/36 solle damit wiederum und in erhöhtem Maße einAus » druck jener nationalen Solidarität sein, deren Begriff der Führer bei der Eröffnung des ersten Winterhilfswerkes prägte, deren Inhalt durch die Leistungen feines großen Aufbauprogramms feine Bestätigung finde. Nirgendwo habe die De­mokratie eine lebendigere und innigere Be­ziehung eines Volkes zu seiner Regierung geschaffen, als der Nationalsozialismus in Deutsch­land.

Rufen Sie nun, mein Führer, die Ration auf, fo schloß Dr. Goebbels.Die Ration wird Ihrem Appell ihr herz öffnen. Es geht darum, eine wahre und wirkliche Volksgemein­schaft zu fassen, die mehr ist als Wort und Phrase, die lebendig wirkt in der Hilfe, die deut­sche Menschen deutschen Menschen mit offener Hand anbieten. Denn Bürger dieses neuenReichessein, bedeutet nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht. Unser

Eindrucksvolle Zahlen erläutern die wirtschaft­

liche Vedeutnng des WinterhilsswerkS.

iw Rührer bei seiner großen Rede in der Krolloper. Links die Reichsminister Dr. Goebbels, Göring, von Blomberg und Frick; in der o 9 zweiten Reihe Darr6, Rust, Frank, Seldte und Gurtner, -- (SHerl-KildexdieystM.)

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