Wieseck statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Schreinermeister Seibert, eröffnete die Generalversammlung und gedachte dabei der im Laufe des Jahres verstorbenen Mitglieder, zu deren Ehren sich die Anwesenden von den Plätzen erhoben. Hierauf erstattete Geschäftsführer Werner den Geschäftsberichte. Er führte u. a. aus: Im Jahre 1935 hat sich unsere Kasse, dank der Maßnahmen unserer Regierung, durch die eine weitere Gesundung unserer Wirtschaft hervorgerufen wurde, weiter recht günstig entwickelt. Es geht immer aufwärts. Im verflossenen Jahre hat sie, wie früher, dem Grundsatz gedient, ihren Mitgliedern und Sparern in jeder Hinsicht zu helfen und die anvertrauten Gelder auf das beste zu verwalten, getreu dem genossenschaftlichen Grundsatz: Einer für alle und alle für einen. An Hand von Zahlen wies er dann nach, daß der Umsatz auch in diesem Jahr wieder erhöht wurde, und bereits 1 620 000 RM. erreicht hat. Der Kassenumsatz hat bis jetzt 518 000 RM. erreicht. Wie auf diesem Gebiet, so ist auch eine sehr günstige Entwicklung der Spareinlagen festzustellen. Besonders sind es die kleinen Sparer, die ihr Geld wieder zur Kasse bringen. Auch die vor zwei Jahren gegründete Schulsparkasse weist sehr gute Erfolge auf, und es wird hoffentlich nicht mehr» lange dauern, bis alle Schulkinder sparen. Der Geschäftsverkehr der heimischen Geschäftsleute mit der Kasse hat sich weiter gut entwickelt. Die vor einigen Tagen stattgefundene Revision führte zu keinen Beanstandungen. Die Ersatzwahl für Vorstand und Aufsichtsrat ergab die Wiederwahl von Adolf Weller in den Vorstand und Gustav Seibert und Wilhelm H o f in den Aufsichtsrat. Dem Ausschluß von vier Mitgliedern stimmte die Generalversammlung zu. Nachdem noch einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt waren, schloß der Vorsitzende des Aufsichtsrates die Generalversammlung mit einem Sieg-Heil auf den Führer.
* Wieseck, 8. Dez. Am gestrigen Samstag wurde hier aus dem Anwesen eines hiesigen Gastwirts ein Fahrrad gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Gendarmerie Gießen.
— Steinbach, 9. Dez. Am Samstag verunglückte Landwirt Balthasar Münch. Der nahezu 68jährige, noch sehr rüstige Mann besorgte die letzte Zeit die Landwirtschaft seines Schwiegersohnes Ludwig Haas VI., der vor einigen Wochen das Bein gebrochen hatte, als er sein durchgehendes Pferd aufhalten wollte. Am Samstag stürzte der alte Mann vom Gerüst auf die Scheuertenne. Da anscheinend innere Verletzungen vorlagen, ließ der Hausarzt den Verunglückten mittels Sanitätsautos nach Gießen in die Klinik verbringen. Dort wurde eine Verletzung der Wirbelsäule festgestellt.
ch Obbornhofen, 8. Dez. Die hiesige Post- stelle wird nun schon seit über 50 Jahren von der Familie Koch verwaltet. Im Jahre 1883 wurde hier die erste Posthilfsstelle errichtet und dem Johann Georg Koch übertragen, während vorher
nur eine Briefmarkenverkaufsstelle bei Daniel Ruppel bestand. Mit Pferdefuhrwerk wurden die Postsachen von Friedberg durch die Wetterau gefahren, bis mit der Errichtung der Strecke Hungen —Friedberg die Bahnpost geschaffen wurde. Nach fast 20jähriger Amtstätigkeit des ersten Hilfsstelleninhabers Joh. Gg. Koch wurde dessen Sohn Karl Koch von der Oberpostdirektion Darmstadt zum Nachfolger bestimmt. Kurz vor Kriegsausbruch wurde die Hilfsstelle zu einer Postagentur erhoben, der die Orte Bellersheim und Wohnbach zugeteilt wurden. Im Zuge der Verkraftung der Landpostzustellungen wurde im Vorjahre auch hier eine Poststelle geschaffen. Aus Altersrücksichten nahm Poft- agcnt K. Koch seinen Abschied, und die Reichspostdirektion Frankfurt a. M. ernannte nun dessen Sohn Wilhelm Koch zum Verwalter der Poststelle. Allzeit freundlich, gefällig und hilfsbereit, erfreuten und erfreuen sich die Glieder der Familie Koch hier großer Beliebtheit. Da das Schneiderhandwerk schon seit vier Generationen im Hause hauptberuflich betrieben wird, kehrt jedermann gerne beim „Schneider Koch" ein. — Die Holzhauerarbeiten im hiesigen Gemeindewald schreiten rüstig vorwärts. Unter Leitung der Rottenführer Wilhelm Koch und Wilh. Bommersheim werden 800 Festmeter Holz geschlagen, wovon rund 125 Festmeter Nutzholz, zumeist Fichten, zum Verkauf gelangen. An die Ortsbürger gelangen gegen Erstattung des Hauerlohns 130 Lose zur Abgabe. Da die Arbeitslosigkeit hier so gut wie beseitigt ist, wurden auch kleinere Landwirte und gering beschäftigte Handwerker zu den Holzhauerarbeiten herangezogen. Nach Beendigung des Holzmachens im Gemeindewald werden die beiden Rotten im Mark- und Gemeindewald der benachbarten Gemeinde Bellersheim weiterbeschäftigt werden, wo ein großer Holzeinschlag stattfindet.
Bad-Nauheim
erhält ein neues Stadthaus.
LPD. Bad-Nauheim, 7. Dez. Die räumlichen Verhältnisse der Stadtverwaltung Bad-Nauheim genügten den Ansprüchen schon seit langer Zeit nicht mehr. Verschiedene Verwaltungsabteilungen, so die Stadtkasse und das Hochbauamt, mußten in anderen, mit dem Stadthaus nicht zusammenhängenden Gebäuden untergebracht werden. Nach langen Verhandlungen konnte nun das in der Adolf-Hitler- Straße gelegene Hotel „Bellevu e", das insgesamt 48 Räume umfaßt, von der Stadtverwaltung käuflich erworben werden. Das Gebäude wird zum Stadthaus umgebaut.
Robert Schneider-Darmstadt 60 Jahre alt.
LPD. Darmstadt, 7. Dez. Am Nikolaustage konnte Robert Schneider, der bekannteste lebende Darmstädter Mundartdichter, seinen 60. Geburts
tag begehen. Robert Schneider ist als Verfasser von heiteren und ernsten Gedichten in Darmstädter Mundart im ganzen Reich und bei den Ausländsdeutschen bekannt, seine „Wochenplaudereien" bezeugen immer wieder, daß er trotz schwerer Schicksalsschläge in den letzten Jahren seinen echten und gemütvollen Humor, seine freundschaftlichen „Rippenstöße" gegen geschwollene Zeitgenossen oder andere mehr oder weniger beliebte Zeiterscheinungen nicht verloren oder verlernt hat, daß ihm das große Ganze mehr gilt als kleinliche Eigensüchte- leien. Zahlreiche Glückwünsche gingen ihm aus dem In- und Auslande zu.
Aus aller Welt.
Furchtbares Lawinenunalück in Aordruß'and.
88 Tote, 44 Verletzte.
Die auf der Kola-Halbinsel gelegene Stadl Kirowsk (früher Murmansk) ist von einem furchtbaren Unglück heimgesucht worden. Rach einer Meldung der Tah wurden dort zwei zweistöckige Häuser durch S ch n e e l a w i n e n, die von dem unmittelbar bei der Stadt gelegenen Berge Jukspor herabstürzten, vollkommen weggefegl. Lin drittes haus wurde erheblich beschädigt. Obwohl sofort 2000 Arbeiter zur Rettung der verschütteten Bewohner der Häuser eingesetzt wurden, sind 8 5 Personen in den Schneemassen ums Leben gekommen. Drei weitere erlagen nach der Bergung ihren schweren Verletzungen. Außerdem werden 4 4 Verlehle gemeldet. Die Regierung hat einen Ausschuß zur Untersuchung der Ursachen des Unglücks eingesetzt und 300 000 Rubel zur Unterstützung der Familien der Opfer bewilligt.
Ueberschwemmung in Montenegro.
In Montenegro sind plötzlich infolge von anhaltenden Regengüssen in den Tälern und Schneefällen in den Bergen große Ueberschwemmungen eingetrekkn. Zehn Dörfer stehen unter Wasser. Die Zahl der überschwemmten Häuser beträgt 400. Das Hochwasser hat in den meisten Dörfern die Lebensmittel- und Futtervorräte vernichtet, so daß die überschwemmten Gemeinden vom Hunger bedroht sind und gezwungen waren, dringend Hilfe anzufordern. Die größte Gefahr droht dem Lande von einem Ueberfließen des Skutari-Sees, das man in Kürze befürchtet. Die Verbindung zwischen Sku- tari und der albanischen Hauptstadt Tirana ist bereits unterbrochen.
Fünf Tole bei einem Autounglück in Holland.
Fünf Tote und vier Schwerverletzte forderte ein Kraftwagenunglück, das sich auf der Reichsstraße in der Nähe von Dieringen (Hol
land) ereignete. In voller Fahrt stießen zwei Kraftwagen zusammen. Der eine Wagen wurde in einen Wassergraben geschleudert, wo er sich überschlug. Von den sieben Insassen waren fünf sofort tot, die beiden anderen wurden schwer verletzt. Von den Insassen des zweiten Wagens, der gleichfalls völlig zertrümmert wurde, ringen zwei mit dem Tode.
Vier Tote bei einem Betriebsunfall.
In der Zellulosefabrik Häcklingen in Hemer bet Iserlohn ereignete sich ein schwerer Fabrik- Unfall. Ein mit Dampf geheizter Zellulosekocher, in dem Holz zur Zellulosebereitung gekocht wurde, platzte aus unbekannter Ursache plötzlich auseinander. Die Dächer dieses Teiles der Fabrik wurden vollständig niedergerissen und die Werkseinrichtung
Wenn bei der kommenden Ziehung der Arbeitsbeschaffungslotterie jedes Gewinnlos einzeln gezogen und aufgerufen würde, müßte ein Mann bei 8-stündiger Arbeitszeit 2 Monate lang die Gewinne ausrufen. Er würde also erst Ende Februar den letzten Gewinn bekanntgeben können.
wurde zerstört. Das Hauptgebäude des Werkes wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Vier Arbeiter wurden unter dem zusammenstürzenden Gemäuer begraben. Von ihnen sind drei als Leichen geborgen worden; ein viertes Todesopfer liegt noch unter den Trümmern. Ein Arbeiter, der schwere Brandwunden und Kopfverletzungen erlitt, wurde ins Krankenhaus gebracht; man hofft, fein Leben retten zu können.
Eisenbahnunglück bei Reapel. — Vier Tole, fünfzig Verletzte.
Auf dem Bahnhof Frattamaggiore, 50 Kilometer von Neapel entfernt, stieß ein aus Neapel einfahrender Personenzug auf einen dort haltenden Personenzug, der längere Zeit Verspätung gehabt hatte. Durch den heftigen Anprall wurden mehrere Wagen zertrümmert. Bis jetzt wurden vier Tote und 50 Verwundete geborgen.
Eine Rabenmutter.
Wegen böswilliger Vernachlässigung ihrer Fürsorgepflicht stand die 28 Jahre alte Ehefrau Hedwig Hilkert aus Ludwigshafen vor dem dortigen Schöffengericht. Die Angeklagte, Mutter von vier Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren, ließ die Kinder völlig verwahrlosen. Die unglücklichen Geschöpfe mußten sich aus Mülleimern (!) Nahrung zusammensuchen. Kein Wunder, daß sie zu schwächlich wurden, um noch schreien zu können. Die fürsorgerischen Erhebungen ergaben, daß sämtliche Kinder hochgradig unterernährt waren. Durch das städtische Jugendheim erfolgte die Unterbringung in einem Kinderheim. Das Urteil des Gerichts gegen die verkommene „Mutter" lautete auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis. Zehn Wochen Untersuchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet. — Die Angeklagte nahm das Urteil sofort an.
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