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Nr. 287 Erstes Blatt
Montag, 9. Dezember 1935
185. Jahrgang
Siegener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Erscheint täglich, anher ÄÄH Ä ä Annahme von Anzeigen
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poftfchecttonto: behördliche Anzeigen 6Npf.
Zrantfutt am Main 11686 Druck und Verlag: Vrühl'sche UniverfitätsVuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: §chulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel b
gewaltige
Gemeinschaftsleistung zu erzielen, ohne
unerhörte Belohnungen durch Gewinne einzelner
Menschen.
.Das, was wir auf der einen Seite in
der
Des Führers Dank an die Reichsbahn
Der Führer und Reichskanzler
umriß dann in einer oft von stürmischem Beifall unterbrochenen Ansprache die politisch einigende Bedeutung der Reichsbahn. Anknüpfend an die Darlegungen der Vorredner führte er aus, daß — ganz gleich, was auch die modernen Erfindungen an neuen Verkehrsmöglichkeiten geschaffen haben — die Bedeutung der Reichsbahn als Träger des Massentransportes sich erhalten werde. „Der Kraftwagen ist ein individuelles Transportmittel. Das Flugzeug ist das schnellere Transportmittel. Das unbedingt sichere Massentransportmittel ist und bleibt für absehbare Zeit nach wie vor die Eisenbahn. Wir können uns sehr wohl das heutige Leben vorstellen ohne Flugzeug und auch ohne Kraftwagen. Wir können uns das heutige Leben nicht vorstellen ohne Eisenbahn! Ausgehend von dem Gesichtspunkte des Nutzens für die Gesamtheit wird es unsere Aufgabe sein, den Verkehrsmitteln im einzelnen die ihnen zukommende Betätigung zu sichern."
Darüber hinaus müsse man in der Eisenbahn, so wie sie sich in Deutschland entwickelt habe, das erste ganz große sozialistische Unternehmen sehen gegenüber den Gesichtspunkten der Vertretung rein kapitalistischer Einzelinteressen. Es sei das Eigenartige dieses Unternehmens, daß an der Spitze nicht die Frage des Gewinns, sondern die B e - friedigung des Verkehrsbedürfnisses stehe. Es habe stets das Prinzip verfochten, nicht Linien zu bauen dort, wo die Rentabilität absolut sichergestellt ist, sondern überall dort, wo das Bedürfnis nach einer Verbindung besteht, und den Ausgleich zu suchen zwischen den-
die Entwicklung des Eisenbahnwesens einschalten.
Erst der Weltkrieg zwang zu einer einheitlichen Führung des Betriebes aller deutschen Eisenbahnen unter militärischer Leitung. Nach Beendigung des Krieges fühlte das Volk instinktiv, daß die deutschen Eisenbahnen nicht wieder in eine Anzahl selbständige Ländereisenbahnen auseinanderfallen durften. Es ist ein lichter Punkt in der Verfassung von Weimar, daß sie, diesem Volksempfinden folgend, die Schaffung einer großen deutschen Reichsbahn vorsah. Schweren Prüfungen war die Deutsche Reichsbahn unterworfen, als die Reparationen auch sie in ihren Dienst zwangen. Unerhört waren -die Tribute, die sie aus der schwer ringenden deutschen Volkswirtschaft unter dem Drück ausländischer Verwaltungsbeteiligung und Kontrolle herauswirtschaften mußte. Auch diese Fesseln sind abgestreift. Ungehindert kann nun die Reichsbahn ausschließlich dem deutschen, dem Staats-, dem Reichsgedanken dienen, wie er einheitlich verkörpert ist im nationalsozialistischen Dritten Reich. Ein so stark und dicht besiedeltes Land wie Deutschland mit einer Wirtschaft und Kultur von solcher Mannigfaltigkeit braucht eine Vielheit voneinander ergänzenden Verkehrsmitteln und kann auf hochentwickelte Eisenbahnen nicht verzichten Was zu ihrer Vervollkommnung geschieht, ist nicht krampfhaftes Bemühen, beginnenden unabwendbaren Niedergang saufzuhalten, sondern Vorsorge für eine bessere Zu-- > kunit.
dende Kraft auch im politischen Bereich. Es liegt in der Natur der Eisenbahnen, daß sie nicht nur Unternehmen des Transportgewsrbes sind, sondern auch Träger lebenswichtiger Interessen der Nation. Diesen Interessen das kapitalistische Gewinnstreben unterzuordnen, war die Aufgabe des Staates. Er mußte sich deshalb von Anfang an in
jenigen, die an sich rentabel sind und denen, die nicht rentabel sein können.
Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß nicht etwa die Reichsbahn ein Opfer anderer Verkehrseinrichtungen wird, die sich noch nicht diesen größeren Grundsatz einer sozialistischen Leistung für die Gesamtheit zu eigen gemacht haben und nicht zu eigen machen können, sondern es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß in der Zukunft zwischen diesem sozialistischen Unternehmen und dem vorwärtsstürmen- den Reuen unserer individuellen Verkehrsbefriedigung eine Synthese gefunden wird. Unter keinen Umständen darf jedoch der Träger unseres gewaltigen Gesamtverkehrs irgendwie zu Schaden kommen.
Die Reichsbahn sei aber auch der lebendige Beweis, daß Man sehr wohl ein Gemeinschaftsunternehmen führen könne ohne privatkapitali- stische Tendenz und ohne privatkapl- t a l i st i s ch e F ü h r u n g. Die Deutsche Reichsbahn sei das größte Wirtschaftsunternehmen, der größte Auftraggeber, den es überhaupt auf der Welt gibt. Die Deutsche Reichsbahn könne jeden Vergleich aushalten mit den rein privatkapitalistisch aufgezogenen Eisenbahnunternehmungen. „Wer im Frieden z. B. Gelegenheit hatte, die preußische Staatsbahn zu vergleichen mit den privaten Bahnunternehmungen anderer Länder, der muffte feststellen, daß dieser — im höchsten Sinne des Wortes sozialistische Gemeinschaftsbetrieb — der bestgeleitete, der bestorganisierte und auch kaufmännisch trotzdem rentabelste Betrieb gewesen ist. Dieser Betrieb hat dabei die größte Gemeinschaftsleistung erreicht, d. h. die Ren
tabilität entstand nicht durch eine rücksichtslose Ausnutzung des Materials, durch die schlechte Art des Unterbaues, durch eine betriebsunsichere Führung, durch eine außerordentliche Gefährdung der Reisenden, im Gegenteil, auf allen diesen Gebieten stand dieses Unternehmen weit an der Spitze alter ähnlichen Unternehmungen".
Es sei sehr wichtig, sich dies in einer Zeit vor Augen zu halten, die nur zu leicht sich dem Extrem zuneige und auf der einen Seite meine, es bestehe überhaupt nur eine sozialistische Gemeinschaftswirtschaft, oder umgekehrt, es könne überhaupt nur eine kapitalistischen Einzelinteressen dienende Wirtschaft geben.
Wir sehen die unendlichen Erfolge der kapitalistischen Wirlschaflsenlwicklung des vergangenen Jahrhunderts, aber wir haben in der Reichsbahn zugleich einen schlagenden Beweis, daß es genau fo gut möglich ist, ein Unternehmen auf einer anderen Basis mustergültig und beispielgebend aufzubauen. Und darin liegt ein unendlich großer Wert, wir können daraus lernen und für die Zukunft daraus aus dem einen oder anderen Gebiet auch Folgerungen ziehen, nicht einer Doktrin wegen, sondern einer nüchternen Erkenntnis entsprechend.
Und drittens, diese Bahn sei ein unendlich sozialistisches Unternehmen in der ganzen Art ihrer Organisation. Sie sei der schlagende Beweis dafür, daß es möglich ist, eine
unserer Armee sehen, das sehen wir hier auf wirtschaftlichem Gebiet; ein gigantisches Unternehmen, das sich wesentlich aufbaut auf Pflichtbewußtsein und Dienstfreudig- feit. Das werden Sie mir wohl alle zugeben, daß — ganz gleich, welchen Platz der einzelne in der Deutschen Reichsbahn einnimmt — im wesentlichen wirklich keine privatkapitalistische Entlohnung für die gegebene Leistung erfolgt, sondern daß dieses ganze Riesenunternehmen sich auch als Wirtschaftsunternehmen aufbaut auf Gedanken und Grundsätzen, die wir in unserer Verwaltung, in unserem Beamtenkörper und in der Armee kennen. Es ist eine Organisation unerhörtester Pflichterfüllung, angefangen vom Streckenarbeiter oder Weichensteller bis hinauf zur höchst beamteten Führung dieses Unternehmens." Das sei wichtig au wissen in einer Zeit, in der nur zu leicht unter den Einwirkungen der sonstigen Wirtschaftsentwicklung die Meinung vertreten werden könne, die Führung eines großen Wirtfchaftsunternehmens sei ohne privatkapitalistische Tendenzen überhaupt nicht denkbar. Dabei sei dieses nach ethisch und moralisch hochstehenden Gedanken geleitete und organisierte Unternehmen zugleich das f o r t s ch r i t t l i ch st e Verkehrsunternehmen, das es überhaupt gibt. (Stürmischer Beifall.)
„Daß wir Ralionalfozialisten gerade diese Seite besonders begrüßen, ist selbstverständlich. Wir kämpfen für einen Staat, der aufgebaut fein soll auf dem Gedanken, daß Gemeinnutz vor Eigennutz stehen soll. Uns bewegt dabei ein ungeheures Maß von Idealismus. Manche sagen sogar, von einer nicht berechtigten Phantasie, einer Ideologie. Aber wir haben gewaltige Beispiele und begründete Unterlagen dafür in der Geschichte — dem Staat an sich, der Staatsverwaltung, dem Beamtenkörper. der Armee und hier in einem Wirtschaftsunternehmen „Deutsche Reichsbahn" — daß so eine Auffassung sicher realisierbar erscheint. Ich weih, daß nichts auf der Welt mit einem Schlage geht, daß alles feine Entwicklungszeit benötigt Aber ich bin der Ueberzeugung, daß eine solche Entwicklung denkbar und es unsere Aufgabe ist, einer solchen Entwicklung überall nachzustreben. Richt, um einer Doktrin zu dienen, wir wissen ganz genau, daß wir an keiner Stelle die Initiative der Persönlichkeil
Kameradschastsabend der deutschen Eisenbahner.
Nürnberg, 8. Dez. (NDB.) Als erste große Veranstaltung der Jahrhundertfeier der deutschen Eisenbahnen hielt die Reichsbahndirektion Nürnberg zu Ehren der Gäste aus dem Reich und aus dem Ausland am Samstagabend in vier großen Sälen einen Kameradschaftsabend ab, an dem neben den Nürnberger Eisenbahnern Abordnungen des Eisenbahnpersonals und der E i s e n b a h n v e t e r a n e n aus sämtlichen Reichsbahndirektionen in einer Gesamtstärke von über 1500 Mann teilnahmen. Im Herkules-Saalbau wandte sich der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr. D o r p m ü l l e r , in einer Ansprache an alle Eisenbahner Deutschlands. — Im Namen der in der Reichsverkehrsgruppe Schienenbahnen zusammengeschlossenen deutschen Privatbahnen und Kleinbahnen und ihrer Gefolgschaften übermittelte Direktor N i t s ch m a n n von der Lübeck-Büchener Eisenbahn herzliche Glückwünsche an die Deutsche Reichsbahn. Der letzte Kommandierende der Feldeisenbahnendes Weltkrieges, Oberst a. D. Meixner, gab in feiner Glückwunschansprache einen Ueberblick über die Entwicklung der Feldeisenbahn-Formationen.
Ehrung her Gefallenen.
Die Jahrhundertfeier wurde am Sonntagvormittag durch eine Gedenk st unde für alle im Weltkriege gefallenen Eisenbahner am Ehrenmal im Verkehrsmuseum eingeleitet. Zu dieser Gedenkfeier hatten sich alle Abordnungen der ausländischen Eisenbahnverwaltungen sowie die Mitglieder des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn und Vertreter des Reichsverkehrsministeriums sowie die leitenden Beamten der Deutschen Reichsbahndirektionen eingefunden. Der Generaldirektor Dr. Dorpmüller hielt eine Ansprache, in der er u. a. erklärte, 25 573 Eisenbahner, das ist die Todesernte des großen Weltkrieges aus unseren Reihen. Not und Tod kennen keine Landesgrenzen. Der Schmerz der Mütter und der Frauen in den Ländern, die an unserer Seite oder gegen uns kämpften, sind nicht minder tief als in unserer Heimat. Darum wollen wir ihre Toten in unsere Ehrung mit einschließen. Dieser Kranz gilt allen im Kriege gefallenen toten Eisenbahnern. Das Andenken aller sei uns heilig. Bei diesen Worten legte Dr. Dorpmüller einen Lorbeerkranz nieder. Für die ausländischen Abordnungen legte der Verwaltungspräsident der London Midland and Scottish Rail- way, Sir Josiah Stomp, einen Lorbeerkranz nieder. Das Lied vom guten Kameraden klang durch die Halle, die Fahnen senkten sich zum Gruß und die Versammlung gedachte der gefallenen Eisenbahner der Welt.
Ein historischer Zug.
HundertZahre deutsche Eisenbahn.
Oie Hundertjahrfeier der Reichsbahn in Nürnberg in Anwesenheit des Führers und vieler ausländischer Gäste.
Bei schönem, wenn auch kaltem Wetter ging dann der Umzug der Eisenbahner aus allen Gauen des Reiches vor sich. Bei dem Vorbeimarsch erregte die an der Spitze befindliche Gruppe i n d e n hi st arischen Uniformen großes Interesse. Dieser Gruppe reihten sich die Eisenbahner in ben Amtstrachten der ehemaligen Eisenbahner der Länder an. Den Eisenbahnern der deutschen Privatbahnen folgten unter Vorantragung eines großen Reichsadlers die Vertretungen aller Direktionsbezirke der Deutschen Reichsbahn. Inmitten dieser Abteilungen marschierten auch die Gruppen mit den Betriebsfahnen der Fachschaften aller Reichsbahndirektionen und mit den schwarzen Fahnen der Bahnschutzabteilungen vorbei. Mehrere in den Zug eingegliederte Eisenbahner-Musikkapellen spielten fröhliche Marschweisen. Der Umzug hat anschaulich den Nürnbergern die Entwicklung vor Augen geführt, die im Laufe eines Jahrhunderts das deutsche Eisenbahnwesen genommen hat.
Der Festakt.
Im festlich geschmückten großen Saal des Industrie- und Kulturvereins hatten sich alle Ehrengäste und Abordnungen zum Festakt eingefunden, der durch die Anwesenheit des Führers und vieler Mitglieder der Reichsregierung ausgezeichnet wurde. Ganz Europa und eine große Anzahl überseeischer Länder hatten Abordnungen entsandt. Stehend empfing die Festversammlung den Führer und Reichskanzler. Das Städtische Orchester Nürnbergs eröffnete die Feierstunde mit dem Huldigungsmarsch von Richard Wagner. Nach kurzen Begrüßungsworten des Gauleiters Streicher führte
Generaldirektor Dr. Dorpmüller
u. a. folgendes aus: Unsere deutschen Züge durchlaufen täglich eine Entfernung, die zweieinhalbmal so groß ist, wie der Abstand von der Erde bis zum Mond Dahinter steht ein Heer von 630 000 Menschen mit schaffenden Händen und denkenden Hirnen. Die Dampflokomotive, mit der wir in diesem Jahre unsere Versuchsfahrten machten, und die bis zu 197,5 Kilometer erreichte, fuhr diese Geschwindigkeit nicht für sich allein. Sie schleppte an ihrem Zughaken einen Wagenzug von 250
... hierauf das Wort nahm, hob insbesondere die Verdienste der Deutschen Reichsbahn um die politische Einheit des Reiches hervor. Durch die Eisenbahnen hat der nationale Gedanke in Deutschland eine mächtige Förderung erfahren. Ihr Eintritt in die deutsche Geschichte fällt in eine Zeit größter Zerrissenheit. Deutschland bestand aus 36 souveränen Einzelstaaten; eine zentrale Reichsgewalt fehlte. Die Eisenbahnen aber erweckten einen gewaltigen, über alle inneren Grenzen hinweg- gchenden Verkehr und dieser neue, das ganze Deutschland durchströmende Verkehr hatte verbin-1 kunft.
Tonnen Gewicht. Wer also glaubt, die Zeit der Dampflokomotive sei vorüber, der zeige uns ein Verkehrsmittel, das diese Geschwindigkeiten fährt und diese Lasten dazu schleppt, ein Verkehrsmittel, das seine Bahn sich selber baut und Renten abwirft. Denn mit der steigenden Geschwindigkeit ist auch die Rentabilität der Eisenbahn gewachsen. Die Ersparnisse, die durch die Beschleunigung allein schon in den Jahren von 1929 bis 1935 erzielt worden sind, belaufen sich auf jährlich 25 Millionen. Unser Oberbau und unsere Brücken sind imstande, die höchsten Geschwindigkeiten zu tragen. Für die Hauptstrecken sind die Signalanlagen hierfür schon ausgebildet. Wir gehen wohlausgerüstet in das zweite Jahrhundert der Dampflokomotive hinein. So wollen wir eine große Arbeitsstätte bleiben für Hunderttausende unserer Volksgenossen. Wir wollen unsere Volkswirtschaft mit Milliardenaufträgen befruchten. Dem Volk aber wollen wir billige Frachten für seine lebenswichtigen Güter erhalten. Das fei das Gelöbnis an unserem heutigen Ehrentag.
Reichsverkehrsminister Freiherr v. Elh-Rübenacb,
bie lOOiährine überwältigende Entwicklung klar vor Augen führte, (afj.man der schwersten und schnellsten Einheit-. Bei der Parade der Eisenbahn, die Sie 1llvl°yr g° Nachbildung des „Adler", der ersten Lokomotive, die aus deutschem Boden verkehrte (rechts). — Schnellzuglokomotwen (links) und eine wayryensgeireu (Scherl-Bilderdienst-M.)


