die Menschheit zu einem Kulturfortschritt zu führen vermocht, von dem wir Menschen der Gegenwart doch erst die Anfänge erleben. Als Deutsche aber dürfen wir stolz darauf sein, daß der Glaube und die Tatkraft des Führers auf diesem Weg in seinem Werk ungebrochen fortleben.
Wir dürfen aus der Rückschau auf die Anfänge des Zeppelinverkehrs aber auch eine Lehre zi-hen. Wo wir auf einen, den braven Durchschnitt verblüffenden Glauben an das Neue und Ungewohnte
In Valparaiso wurde das „Deutsche Haus" feierlich eingeweiht. Wir veröffentlichen aus dem vom Verband Deutscher Vereine im Ausland herausgegebenen, in der Verlagsanstalt Otto Stollberg, Berlin, soeben erschienenen Buche „Wir Deutsche in der Welt" mit Erlaubnis des Verlages folgenden Beitrag über das Deutschtum in Chile.
Deutscher Tag in Valparaiso! Immer mehr Menschen strömen herein zur Feier, mühsam komme ich durch. Aber wie? Bin ich in Deutschland? Der Eingang ist flankiert von zwei Reihen blonder Jungen, in weißen Hemden, kurzer Hose, eine schwarze Rune am Arm. Andere flitzen hin und her, führen jeden an seinen Platz. Und nachher bei der Feier, der Sprechchor, der Singchor der Deutschen Schule, Mädels und Jungens in der gleichen Tracht, hell und freundlich klingen ihre Stimmen, wenn sie das Bekenntnis zu Deutschland singen. Und ebenso begeistert stimmen sie ein in die Rufe, die am Ende das Theater durchtönen: „Viva Alemania — viva Chile!"
Ich fragte meine Nachbarn, die mir sagten, es sei eine Gruppe vom „Deutschen Juqend- b u n d". Ich horchte auf, einmal als alter Wandervogel, dann als Schicksalsgenosse des neuen Deutschland und verfolgte die verheißungsvolle Spur.
Nach ein paar Tagen führte mich mein Weg nach der Stadt Concepcion — auf dem Caracolberg hinter der Stadt steht ein großer Bismarckturm und sieht hinüber nach der Bucht von Coronel, wo Graf S p e e die Engländer schlug. Hier traf ich in der Deutschen Schule den jungen Schöpfer dieses Zukunftswerkes, einen Reichsdeutschen. Er schilderte mir die dramatische Entwicklung, wie das deutsche Gefühl im deutschen Blute erwachte, erst unbewußt und zögernd, dann unter seinem Antrieb stärker und bewußter, kämpfend mit Hemmungen, bis dann der befreiende Durchbruch ins Wander- vogelleben und das völkische Bewußtsein stürmisch vollzogen wurde. Erst war es eine Schülergruppe. Dann machten sie sich selbständig und erkannten ihre Besonderheit zunächst in der deutschen Sprache. Sie waren doch keine Chilenen, sie hatten eine Sprache für sich, etwas Besonderes mußte mit ihnen los sein!
Es kamen Wanderfahrten — und siehe da, das deutsche Blut regte sich, die Natur wuchs ihnen ans Herz. Daraus folgte der neue Stil, die passende „Kluft", wie man beim Wandervogel sagt, und es kam die innere Wandlung, die sie nun erst aus dem Lateinamerikanertum und auch aus der älteren Generation entschieden heraushob: aus eleganten jungen Herren wurden die „deutschen Naturburschen" mit schlichtem Gemüt. Sie fühlten neue Verpflichtungen gegen sich und ihre Art, und stärkere,
tiefere Bindungen zum deutschen Wesen erwuchsen ihnen als ihren Vätern. Aber es war noch nichts Gesichertes, wie mir der bescheidene Anreger dieser gewaltigen Sache berichtete, es fehlte noch die Bestätigung, daß es auch in diesem Boden eine lebendige Pflanze war. Da erschien ein junger Mensch aus Valdivia, der Deutschland nie gesehen hatte, Deutschchilene mit Leidenschaft — und riß mit Leidenschaft die verwandte Jugend durch dasselbe Bekenntnis hin. Einer der ihren.
Die Gruppen trafen sich an einem See, erlebten ihr gemeinschaftliches Ideal, traten mutig vor die Oeffentlichkeit, rissen dadurch die Zögernden mit — uno fanden 1933 den endgültigen völkischen. Zusammenhang durch die ungeheure Welle der Hitler- bewegung.
Ein paar Tage darauf, an einer kleinen Bahnstation im Süden, sah ich sie. Um zu ermessen, welch unerhört fremdes Element damit im Lande auftritt, muß man das fassungslose Staunen der Chilenen — ich meine der Chilenen von Rasse — miterlebt haben beim Anblick dieser Schar von unbekümmerten Jungen und Mädchen in zünftiger Tracht, mit offenem Hals und freien Knien, mit schweren Schuhen, aber frohen Augen, wie sie aus dem Wagen kletterten, sich um ihren Wimpel sammelten und erst einmal ein munteres Lied schmetterten, ehe sie zur Sonntagsfahrt dem Vulkan entgegenzogen.
Es war der staunenden Hörerschaft — dieser Mischung aus Romanen und Indianern — aber auch nichts, schlechterdings gar nichts an dem Phänomen verständlich und faßbar, am Ende lächelten sie höflich und stellten wieder einmal die Unbegreiflichkeit des „Alemanes" mit leisem Achselzucken fest. Dabei muß bemerkt werden, daß der größere Teil dieser Jungen immerhin auch Chilenen waren im staatsbürgerlichen Sinn und mit aller Entschiedenheit das auch jederzeit zu bleiben gedachten, denn Deutschland ist ihr Ursprung, aber Chile ist ihr Land.
Als ich dann in der schönen, durch deutsche Arbeit hochgekommenen Stadt Valdivia dem jungen chiledeutschen Führer gegenüber saß, wurde ich von Staunen gepackt und begriff, warum die Jungen und Mädel ihren ,.Addo" vergötterten. Dieses Temperament war nicht mehr südlich — das südliche Temperament ist übrigens eine Fabel von seltener Unrichtigkeit, doch das gehört nicht hierher — das war schon wieder deutsch. Er konnte überhaupt nicht stillsitzen, wenn er auf seine Sache kam, und er kam sofort darauf.
„Don Santiago bis Puerto Montt ist die beste Jugend schon bei unseren Fahnen — bald werden sie alle dabei fein", meinte er mit überzeugender Sicherheit. „Wir sind besondere Leute, wir Deut
Hinter flatternden Wimpeln in Chile
Von Berndt Dietrich.
stoßen, da empfiehlt es sich, mit den Worten „verrückt" und „Unsinn" vorsichtig zu sein. Und eine weitere Lehre heißt: Leute, die aur Technik kein Verhältnis haben, passen heute nicht mehr an Stellen, die für die Staatsführung mitverantwortlich sind. Sie mögen sonst geistig so hoch stehen, wie sie wollen — mit ihrer rein „musischen" Bildung können sie der Stellung schwerlich gerecht werden, die die Großmacht Technik im Leben von heute nun einmal einnimmt.
Entdeckungen aus der Goethe-Welt dte schönsten Perlen vor uns ausbreitete. Dieser letzte Band zeigt jo recht, was wir verlieren sollen. Der Herausgeber selbst schreibt über den vielseitig interessierten Schriftsteller Dittmar, den ersten „Wetterpropheten", der als solchen auch in Beziehungen zu Goethe trat und über eine Unterredung mit ihm in Weimar 1786 sehr amüsant berichtet hat. Ihm verdanken wir auch eine Aeußerung Goethes über Laoater, den Züricher Phyfiognomen, der grabe kurz vor- her auf der Durchreise Goethe besucht hatte — em letztes Zusammensein der Jugendfreunde, deren Entfremdung nun eine dauernde werden sollte. Zwei andere Beiträge über die Weimarer Fürstengruft und den Plan eines Grabmals für Schiller und Goethe ergänzen sich. Für Goethes künstlerische Arbeit an der Weimarer Bühne bemerkenswert sind neue Urkunden aus den Weimarer Theater- akten, in der Hauptsache Notizen Goethes über Droben, bei denen er selber die Regie gehabt hat. Dem letzten Porträtisten des Dichters, Heinrich Matthaey, widmet Fritz Löffler eine biographische Studie. Aus dem Leipziger Bekanntenkreis des Studenten Goethe wird uns Christian Wilhelm Steinauer vorgestellt. Für Goethe als Politiker bezeichnend ist ein Beitrag über feine Beziehungen zu dem oranischen Minister Hans von Gagern, der in der Zeit der Koalitionskriege und dann wieder mehr als zwanzig Jahre später in Goethes Gesichtskreis trat. Ein Porträt aus dem Kreise des Weimarer Hofes zeichnet Werner Deetjen mit dem Freiherrn von Seckendorfs. Am Schluß des Bandes stehen Anton Kippenbergs Worte, die er zur (Eröffnung einer Berliner Ausstellung „Goethe und seine Welt" 1932 gesprochen hat.
— Kurt Bührens: D i e flämische Bern e g u ng . Europäisches Problem oder innerbelgische Frage? Volk und Reich Verlag, Berlin W 9, ßeinenbanb 4,50 Mark. —(413) — Der Verfasser gibt eine Gesamtschau ber flämischen Bewegung, bie frei ist von aller Illusion unb von ben tatsächlichen, Belgien beherrschenben Kräften unb nicht von Wunschbildern ausgeht. Die Entwicklung Belgiens läßt sich nur von innen heraus betrachten. Inhaltlich geht bie Darstellung von ber Mentalität ber Flamen unb Wallonen aus unb roenbet sich bann ber flämischen Frage unb ihren Ursprüngen im engeren Sinne zu Da sich biese Frage in ihren einzelnen Bestanbteilen jeboch nicht gänzlich für sich behanbeln läßt, folgt zwangsläufig eine Umschreibung ber belgischen Kräfte in ihrer Gesamtheit. In einem eigenen Abschnitt: Die Wirtschaftskraft ber flämischen Provinzen wirb erschöpfenb bie tiefgreifend Strukturverlagerung Belgiens behan- bett, bie von ber Wallonei nach Flanbern weist. Der lebte Abschnitt bient ber Behanblung außenpolitischer Vorgänge unb ber besonberen kulturellen Stellung bes heutigen Flamentums. Zahlreiche Karten und graphische Darstellungen zu geschichtlichen, wirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Vorgängen bereichern das Buch.
— Jngeborg Maria Sick: Zwei Königskinder. Ein fremder Vogel II. Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. Seinen 5,60 Mark. — (365) — Jngeborg Maria Sick, die uns letztes Jahr in dem Buch „Ein fremder Vogel" so reizvoll über ihre Kindheit berichtet hat, erzählt nun in einem in sich abgeschlossenen Bande die Geschichte ihrer großen Liebe. Die Melodie des alten Liedes von den durch das „viel zu tiefe" Wasser getrennten Königskindern fchwebt über dem Buche unb wirb der Verfasserin gewiß manche neuen Freunde gewinnen.
schen tn Chile hier — aber Deutsche sind wir auf alle Fälle. Unb seit unsere Jungen zu Wandervögeln geworden sind, ist das erst richtig offenbar geworden. Es war wie ein Wunder. — Wissen Sie, daß fünfzig von uns am Jahresende nach Deutschland kommen werden, als Gäste der Hitlerjugend? Schon jetzt ist der große Streit und die Qual, wen wir aussuchen sollen. Er strahlte.
Später kam ich durch ein paar deutsche Bauerndörfer, ganz im Süden, am Clanquihuesee. Der Regen fiel in Strömen, aber schon von weitem verkündeten Plakate, daß der Jugendbund kommen würde, um Lieder zu fingen, feine Stücke zu spielen und so auch in den Herzen und Köpfen dieser hartgesotteten Seebauern Begeisterung und jugendlichen Schwung zu wecken. Die Dorfjugend lauschte wie einer Offenbarung, was es für sie ja auch war, und den Alten sah man an, wie sich längst Vergangenes in ihnen rührte und längst vergessene Gefühle der Volksverbundenheit aufgeschüttelt wurden bei den alten, lieben Volksliedern und den zündenden Worten des begeisterten Führers.
Die ganze Hoffnung der Zukunft liegt in diesen jugendlichen Eiferern für das deutsche Volkstum — im „Deutschen Jugendbund Chiles".
Büchertisch.
— Dr. Gerh. Venzmer: Kampf den Bazillen. Gegen Bakterien, Seuchen und ansteckende Krankheiten. Verlag Knorr 6- Hirth, München. Geb. 2,90 Mark, Seinen 3,90 Mark. — (423) — Die Grundbegriffe ber Erbgesundheitspflege unb Rassenhygiene sind heute Gemeingut jebes deutschen Polksgenossen. Nicht aber im gleichen Maße volkstümlich geworben ist bis heute der Kampf gegen bie übertragbaren Krankheiten, ber anbere Eckpfeiler bes großangelegten Werks unserer Dolksgesunb- heitspflege. Hier eine Sücke auszufüllen, fetzt sich bas neue Buch Gerharb Venzmers zur Aufgabe. Es klärt uns auf über bie unheilvolle Bebeutung ber Ansteckungskrankheiten unb über ben ungeheuren Schaben, ben sie an Blut unb Gut ber Volksge- sunbheit unb bem Volksvermögen zufügen! Wie sehr bie Menschheit sich seit bem Aufschwung ber Wissenschaften gegen diese Schäden gewehrt hat, und in welch hervorragender Weise gerade auch deutscher Forschergeist erfolgreich an diesem Abwehr- kämpf beteiligt ist, weiß Venzmer fesselnd zu erzählen. Aber das Buch enthält auch 'ahlreiche, auf den neuesten Ergebnissen der Fo yung fußende Hinweise für Erkennung, Bekämi ung und Verhütung der übertragbaren Krankheiten.
— Jahrbuch ber Sammlung Kippen- b e r g. 10 Banb 1935. Mit acht Tafeln im Insel- Verlag zu Seipzig. — (245) — Der Herausgeber der für den Goethefreund geradezu unschätzbaren Buchreihe Anton Kippenberg erklärt in einem Vorwort zu diesem 10. Bande, daß es vorerst der letzte sein solle, da andere Aufgaben, so besonders der Nachtragsband zum Katalog feiner Sammlung, seine Zeit beanspruchen. Aber Kippenberg muß auch von dem sinkenden Anteil sprechen, den das Jahrbuch wie ähnliche Veröffentlichungen und Bestrebungen erfahren mußte, er glaubt eine Zeit der „Goethe-Ferne" feststellen zu müssen, ist aber zuversichtlich genug, davon überzeugt zu sein, daß die Nation sich wieder ihres größten Dichters erinnern werde, der auch der deutschesten einer war. Uns indessen bleibt nur übrig, Abschied zu nehmen von einem guten Freund, ber Jahr für Jahr mit „anmutiger Gelehrsamkeit" aus ber einzigartigen, schier unerschöpflichen Sammlung neuer
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wurde in der ordnungsmäßig einberufenen außerordentlichen General-Versammlung am 22. August 1935 satzungsgemäß aufg elöst. Zu Liguidatoren wurden bestellt:
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2. Karl Waag, Gießen, Seltersweg 60 Irgendwelche Ansprüche an vorgenannten Verein sind bis spätestens 20. November 1935 bei den vorgenannten Liguidatoren geltend zu machen.
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