aas Mitteln der Partei alljährlich ein Betrag von einer halben Million Reichsmark für Ehrenunterstühungen zur Verfügung gestellt.
2. Die Verteilung dieses Betrages erfolgt je nach Schwere der Körperbeschädigung sowie nach Lage
der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Antragsteller.
3. Die Ausführungsbestimmungen erläßt der Reichsschahmeister der NSDAP.
München, 9. November 1935.
(gez.) Adolf Hitler."
Gauleiter Wagner vor der presse.
Oer Verlauf der Feier des heutigen Tages.
Gewaltige Baupläne.
München, 8. Nov. In dem Saal des Künstlerhauses fand am Freitagnachmittag ein Presseempfang statt, bei dem Reichspressechef Dr. Dietrich die in- und ausländische Presse herzlich begrüßte. Auch Gauleiter des Traditionsgaues München-Oberbayern, Staatsminister Adolf Wagner, hieß die Presse herzlich willkommen. München bedeute für das neue Deutschland mehr als irgendeine andere Stadt des Reiches, weil die Mauern dieser Stadt die Heimat unseres Führers geworden sind, weil ausgehend aus dieser Stadt die nationalsozialistische Bewegung erstand und weil Deutschlands Wiedergeburt hier ihre Wiege fand. So ist es begreiflich, daß der Führer hier begann, die n a t i o - nalsozialistische Kultur und Baukunst besonders zu pflegen. Was hier in den letzten zweieinhalb Jahren entstand, ist echter und wahrer Ausdruck nationalsozialistischen Kunst- und Kulturwillens. Das, was jetzt seiner Vollendung entgegengeht, ist aber nur ein Anfang dessen, was geplant ist. Ein Verwaltungsbau soll noch entstehen, dessen Ausmaße so groß sind, wie der jetzt der Vollendung entgegengehende Führerbau einschließlich des V e r w a l t u n g s b a u e s
Eine mächtige Halle wird erstehen, die ein Fassungsvermögen von 60 000 Menschen haben wird. München wird als eine der nächsten Bauten ein Museum bekommen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat — ein Museum für Zeitgeschichte, in dem alles zusammengetragen wird, was irgendwie mit der Entstehung der nationalsozialistischen Weltanschauung und mit der deutschen Wiedergeburt zusammen- hänat. Schließlich wird München als Hauptstadt der deutschen Kunst eine neue Oper bekommen, die noch in diesem Herbst begonnen.wird und die die größte Oper der Welt, ja auch die schönste Oper des Erdballes sein soll. So glaube ich, daß das Gesicht dieser Stadt vielleicht schon nach einem Jahrzehnt so ausgeprägt nationalsozialistisch sein wird, wie kaum das Antlitz einer anderen Stadt sein kann.
Opsergang und Siegeszug.
Morgen wird der Führer mit seinen Getreuen vom historischen Bürgerbräukeller zur Feld- herrnhalle ziehen durch die Straßen des
9. November 19 23. Und auf diesem Zuge werden alle die Kameraden dabei sein, die im Reich für die nationalsozialistische Bewegung gefallen sind. Alle diese Kameraden werden ihre Ehrung finden durch die Pylonen, die ihren Namen tragen, und jedesmal, wenn der Führer an der Spitze des Zuges an einem der Pylone vorbeigehen wird, wird der Name eines der Toten erklingen. Die Klänge des Horst-Wessel-Liedes werden den Zug begleiten, denn mit dem Horst-Wessel-Lied auf den Lippen sind die meisten unserer Kameraden gefallen. Dieser Opfergang wird an der Feldherrnhalle sein Ende finden.
Don der Feldherrnhalle ab soll das Deutschlandlied erklingen als Sinnbild dafür, daß die Toten für Deutschland und seine Wiederauferstehung gefallen sind, und unter den Klängen des Deutschlandliedes wird der Zug der Toten nach dem K ö n i g s p l a tz vor sich gehen. Das Spalier werden die gesamten Hoheitsträger der Partei uni) die sämtlichen Dienstgrade der SA., der SS., des NSKK. und unserer Jugendorganisationen bilden. Und durch unsere Fahnen werden unter den Klängen des Deutschlandliedes unsere Toten dorthin gebracht werden, wo ihre letzte Ruhestätte für die kommenden Jahrhunderte sein wird.
Ewige Wache.
Wir haben bewußt diesem Teil der Feier e i n triumphales Gepräge gegeben. Es liegt dem Soldaten nicht, daß bei seinem Tode getrauert werde. Der sterbende Soldat will keine Trauer bei seinem Ende. Die klingende Musik des Marsches ist die schönste Musik an seinem Grabe. Das Blut dieser Gefallenen wird wachen über die Reinheit und Sauberkeit der nationalsozialistischen Weltanschauung und über die Größe des deutschen Vaterlandes. Aus diesem Grunde werden die Ehrentempel für diese Männer den Namen „Ewige Wache" tragen, und unsere Toten werden beigesetzt, unter den Klängen der „Vergatterung", des Trommelwirbels, der geschlagen wird, wenn die Wache aufzieht und für den Wachdienst verpflichtet wird. Der Sprecher der Partei wird die Wache aufrufen, und die gesamte angetretene SA., die gesamte HI., ganz München und mit ihm ganz Deutschland werden rufen: Hier!
Einigung in der Evangelischen Kirche von Nassau-Hessen.
Darmstadt, 8. Koo. (LPD.) Die Hessische Landesregierung — Pressestelle — teilt mit:
Nach zweimaligen Besuch des Herrn Reichs- minisiers für kirchliche Angelegenheiten, kerrl, in Darmstadt und nach langwierigen Besprechungen ist es endlich gelungen, aus den einst widerstrebenden Parteien einen gemeinsamen Landeskirchenrat, bestehend aus folgenden Personen, zu bilden:
1. Landesbischof Dr. Lic. Dietrich;
2. Präsident der Landeskirchenkanzlei Kipper (Darmstadt);
3. Oberkirchenrat a. D. Müller (Darmstadt);
4. Oberkirchenrat Pfarrer Zentgraf (Bingenheim, Wetterau);
5. Dekan Schäfer (Michelstadt LO.);
6. Pfarrer von Betnus (Wiesbaden);
7. Fritz Freiherr von Krane (Wiesbaden);
8. Rechtsanwalt Dr. Bußmann (Frankfurt am Main);
9. Pfarrer Lenz (Münzenberg in Oberheffen).
Die Bevölkerung unseres Gaues wird diese Tatsache mit wirklicher Freude begrüßen, war doch der andauernde Streit für jeden, der es ehrlich meinte mit Deutschland und seiner evangelischen Kirche, unerträglich geworden, ganz davon abgesehen, daß er mit Recht von der Mehrzahl der Volksgenossen als unwürdig empfunden wurde.
Wir wollen dem Herrn Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten herzlich dafür danken, daß es ihm mit Hilfe des Reichskirchenausfchuffes gelang, einen Weg zu finden, den alle begehen können. Gerne anerkennen wir das Sichbefcheiden der einzelnen kirchlichen Strömungen und ihr Rnterordnen unter die Notwendigkeiten der Allgemeinheit wie auch so manches der Sache wegen persönlich gebrachte Opfer. Das nunmehr in Darmstadt endlich Erreichte beweist uns, daß dort, wo deutsche Männer zusammenkommen, auch eine gemeinsame Marschrichtung gefunden werden kann, wenn es alle ehrlich meinen.
Persönliche Ansichten dürfen ruhig und immer vorhanden sein, denn wie öde wäre für uns alle eine Uniformität des Geistes. Niemals aber darf die Verschiedenartigkeit der Meinungen über ein Problem zur Gefahr für das öffentliche Leben, für die Einigkeit unseres Volkes und damit für den Bestand unseres Vaterlandes werden.
So ist die endliche Einigung der Evangelischen Kirche in Nassau-Hessen für uns eine Verheißung. Wir wollen gerne Vergangenes vergessen, dürfen jedoch bei dieser Gelegenheit auch nachdrücklichst betonen, daß eine Wiederholung der jetzt Überwundenen Zustände für den nationalsozialistischen Staat vollkommen undiskutabel wäre.
Kunst und Wissenschaft.
Frau Elisabeth Förster-Nietzsche -fr.
Die Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, Frau Elisabeth F ö r st e r - N i e tz s ch e, ist am Freitag gegen 19 Uhr in Weimar g e st o r b e n. Sie war die Hüterin des Nietzsche-Archivs in Weimar.
Elisabeth Förster-Nietzsche wurde am 10. Juli 1846 in Röcken bei Lützen geboren. Schon als Kind hing sie mit Liebe an ihrem Bruder Friedrich, dem späteren großen Philosophen. Zeit ihres Lebens zeichnete sie ein unverrückbar fester Glaube an ihren Bruder und an dessen Berufung aus. Die Erhaltung seines philosophischen Werkes ist fast ausschließlich ihr Verdienst.
Als sie im Jahre 1885, 39jährig, den Forschungsreisenden Bernhard F ö r st e r geheiratet hatte, dauerte es nicht lange, daß sie an der Seite ihres Mannes nun auch die Gefahren, die dessen Beruf mit sich brachte, teilte. Sie ging mit ihm nach Paraguay. Dort gründeten beide die deutsche Kolonie Nueoa Germania. Nach dem Tode ihres Mannes, der 1889 starb, kehrte sie 1893 nach Deutschland zurück, wo sie zunächst in Naumburg lebte, mit ihrem geliebten Bruder Friedrich zusammen. Ihr ganzes Leben stand nunmehr im Dien st e ihres Bruders und seines Werkes. 1896 siedelte sie mit dem bereits Schwerkranken nach Weimar über. Am 25. August 1900 starb hier, von ihr gepflegt und behütet, der Bruder.
Den Schmerz über den Verlust des Bruders überwand sie, indem sie sich von jetzt ab fast ausschließlich dem von ihr bereits im Jahre 1897 mit
Unterstützung treuer Freunde gegründeten Nietzsche-Archiv widmete und die Verehrung, die sie nun dem Lebenden nicht mehr schenken konnte, durch ihre Schrifte.l über Nietzsche, durch die Herausgabe des Briefwechsels ihres Bruders und anderer Werke dem Toten zollte. 1921 verlieh ihr die Universität Jena den Titel eines Ehrendoktors der Philosophie.
Arbeitsring für hessische Heimatforschung.
Wie im vorigen Winter, so veranstaltet auch diesmal der „Arbeitsring für hessische Heimatforschung an d e r Philippsuniver- s i t ä t" in Marburg eine öffentliche Vortragsreihe im großen Hörsaal des Landgrafenhauses. Es sind folgende Vorträge festgelegt: 14. Nov.: Prof. Claussen: „Salzpflanzen in Hessen", 21. Nov.: Prof. Oelkers: „Dauer- Waldwirtschaft", 28. Nov.: Zeichenlehrer Lotze: „Jagd und Jagdtiere in Hessen", 12. Dezbr.: Dr. Düring: „Das hessische Dorf- und Stadtbild", 16.Jan.: Prof. Wehrle: „Von der Wirtschaft in Kurhessen", 23. Jan.: Regierungsrat F a b r i c i u s : „Flureinteilung und Verkoppelung", 6. Febr.: Prof. Martin: „Das hessische Bauernbaus", 13. Febr.: Dr. Kippenberger: „Das hessische Kunsthandwerk und seine landschaftlichen Voraussetzungen".
Ein Preisausschreiben für Landjugend.
Die Reichsschrifttumsstelle beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Hauptblatt des Reichsnährstandes, die „Nationalsozialistische Landpost", einen Wettbewerb für d i e deutsche
männliche und weibliche Landjugend. In diesem Preisausschreiben wird die Landjugend aufgefordert, kurze fesselnde Schilderungen aus dem eigenen Erleben niederzuschreiben und an die Reichsschrifttumsstelle, Berlin W 8, Mohrenstraße 65, bis zum 31. Dezember 1935 einzusenden. Angefordert werden: 1. die Schilderung eines eigenen Erlebnisses aus dem Kampf der Bewegung; 2. die Schilderung eines eigenen Erlebnisses aus der Notzeit des Bauern der Nachkriegsjahre bis zur Machtergreifung; 3. die Schilderung eines eigenen Erlebnisses aus der Zeit nach dem 30. Januar 1933, und zwar aus dem Alltagsleben, aus der Feierabend- und Festgestaltung sowie bei den Leibesübungen auf dem Lande. — Nähere Auskünfte erhalten die Teilnehmer bei der Reichsschrifttumsstelle. Für die Sieger sind wertvolle Preise von insgesamt 1000 Mark ausgesetzt.
Chargieren unerwünscht. — Ein Erlaß des Reichserziehungsministers
Berlin, 9. Nov. (DNB. Funkspr.) Reichserziehungsminister Rust hat in einem Erlaß folgendes bestimmt:
Im Zeitpunkt der Ueberführung großer studentischer Verbände in die Reihen der Bewegung sowie der Auflösung zahlreicher Korporationen muß das Chargieren der noch bestehenden Korporationen bei feierlichen Anlässen als unerwünscht bezeichnet werden. Die Studenten nehmen künftig in der Uniform der Bewegung oder ihrer NS. - G l i e d e r u n- g e n an den akademischen Feiern teil, soweit sie diesen Organisationen angehören.
Marxistische Geheimorganisationen in Wien aufgedeckt.
Wien, 9. Nov. (DNB.) Wie aus verläßlicher Quelle verlautet, ist es am Freitag der Wiener Polizei gelungen, eine große marxistische Geheimorganisation unter den Ange st eilten der städtischen Straßenbahnen und Elektrizitätswerke aufzudecken. Die Aufdeckung gelang dadurch, daß der Polizei zufällig eine geheime Mitgliedsliste in die Hände fiel. Es sollen an 10 0 0 Fe st nahmen erfolgt fein. Bei zahlreichen Verhafteten wurde als Erkennungszeichen ein Eingroschenstück, in das die Mitgliedsnummer eingeritzt war, aufgefunden.
Kleine politische Nachrichten
Die deutsche Gesandtschaft in Brüssel ist beauftragt worden, aus Anlaß des Lütticher Aus- bürgerungs Urteils vom 24. Oktober bei der belgischen Regierung V o r st e l l u n g e n zu erheben.
Das Präsidium des Memelländischen Landtages wurde Freitag vormittag vom Gouverneur Kurkauskas empfangen.
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Der Verbandsführer des Landesmannschaftlichen Senioren-Conoents (LSC.), Dr. K r u f ch e (Breslau), hat diesen Verband a u s g e l ö st.
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Der Präsident der unabhängigen Karelischen Sowjetrepublik Guelling ist seines Amtes enthoben worden. Guelling hatte diese Stellung seit Gründung der Karelischen Sowjetrepublik im Jahre 1923 bekleidet.
Aus aller Wett.
Oer Mordprozeß Alberding.
Im Mordprozeß Alberding vernahm das Rudolstädter Schwurgericht am zweiten Verhandlungstage die ersten Zeugen. Durch die Aussagen des Weimarer -Kriminalrates, der die Ermittlungen in der Mordsache leitete, kamen noch einmal die bei der Auffindung der Leiche gemachten Feststellungen zur Sprache. Der medizinische Sachverständige Professor Giese, Jena, äußerte sich eingehend über die Leichenuntersuchung. Bei dem Toten habe es sich um einen 21- bis 22jährigen Menschen gehandelt, während Alberding 43 Jahre alt ist. Aus der Tatsache der Gesichtszertrümmerung und der abgehackten Füße der Leiche sei auf Grund Der kriminalistischen Erfahrung zu folgern, daß der Tote keine Aehnlichkeit mit Alberding aufwies. Dann wurde die Frau des Angeklagten vernommen. Sie kann sich auf vieles angeblich nicht mehr besinnen, und erst auf Vorhalten des Vorsitzenden gibt sie dieses und jenes zu. Bezeichnend für die Moral des Angeklagten ist die Antwort, welche die Frau auf die Frage, wovon sie eigentlich gelebt habe, gab. Frau Alberding erklärte, sie habe eine reichliche Unterstützung vom Wohlfahrtsamt erhalten, aber auch von ihrem Geliebten, einem jetzt in Marburg lebenden Arzt, habe sie Geld bekommen. Als ihr Mann hinter das Verhältnis gekommen sei, habe er dem Arzt mit einer Klage gedroht, davon aber Abstand genommen, als ihm von dem Mann 3000 Mark gegeben wurden.
Die Vernehmung der Zeugen wird am Samstag fortaesetzt.
Der Kampf um die Schach-Weltmeisterschaft.
Im Kamps zwischen A l j e ch i n und E u w e um die Weltmeisterschaft im Schach wurde die am Vortage abgebrochene Partie fortgesetzt. Sie schwebte im Stadium eines Endspiels, in dem Al- jechin zwar einen Bauern mehr hotte, der Gewinn aber noch zweifelhaft war. Durch vortreffliche Behandlung des Endspiels gelang es Aljechin, feinen materiellen Vorteil siegreich zur Geltung zu bringen. Nach 65 Zügen mußte Euwe die Partie a u f- geben. Der Stand des Wettkampfes ist: Aljechin 6, Euwe 5, Remis 5. Die nächste Partie wird in Eindhoven ausgetragen.
Der Vorstand der Würzburger Mehgergenoffenfchaft in Schutzhaft.
LPD. Würzburg, 8. Nov. Die Gaube- triebsgemeinfchaft Handwerk teilt mit: „Der Vorstand der Metzgergenossenschaft und der ehemalige Stadtrat der BVP., Trost, hatte widerrechtlicherweise große Mengen Fleisch und Fett für sich zurückgehalten und sein Amt bei der Zuteilung der einzelnen Fleischrationen an die Metzgermeister weitgehend mißbraucht. Bei einer plötzlichen Kontrolle durch die Politische Polizei wurde diese Tatsache festgestellt und Trost hierauf in Schutz- Haft genommen."
EmAamewurdezumHegn'ff
Äon Dr. Paul Harms.
Unter den Nachrichten, die das Wunder des Rundfunks täglich mehrmals in jedes Haus trägt, kehren regelmäßig auch die wieder, die uns den jeweiligen Standort des „Graf Zeppelin" melden. Dieses Luftschiff ist für den Mann im Haus» rock, der den Nachrichten lauscht, „der Zeppelin", ober noch kürzer „der Zepp". Ein Name ist hier zum Begriff geworden, und zwar zum Begriff eines friedlichen Kulturträgers, der entfernte Völker untereinander näherbringt, als irgend ein anderes Verkehrsmittel von heute es könnte. In weniger Tagen als es vordem Wochen dauerte, trägt der Zeppelin während der günstigen Jahreszeit Menschen und Güter, Sachgüter und Geistesgüter, von Kontinent zu Kontinent, von Europa nach Südamerika und umgekehrt. Er überwindet Zeit und Raum in einem Maße, das vor einem Menschenalter noch unvorstellbar war, zugunsten des Verkehrs zwischen Kulturvölkern. Und ehe das Jahr zu Ende geht, wird auch ein „großer Bruder" so weit sein, daß er sich ebenfalls auf den Dienst im friedlichen Völker- verkehr vorbereiten kann.
Für uns Menschen von heute, denen das alles schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ist es lehrreich, gelegentlich einen Rückblick in jene Kampfzeit zu tun, in der der Name, der uns bereits zum Begriff geworden ist, noch der umstrittensten einer war. Unter den Aussätzen, die aus dem Nachlaß des Für st en Philipp Eulenburg jüngst veröffentlicht worden sind, befindet sich auch einer aus dem Dezember 1890, der eine Begegnung mit dem Grasen Zeppelin schildert. Er war Eulenburgs Nachbar bei einer Hasenjagd und erschreckte bei dieser Gelegenheit den sensitiven Diplomaten „durch die genaue Schilderung eines lenkbaren Luftschiffes, das er erfunden haben wollte". Die Art, wie Zeppelin dabei „mit seiner geladenen Doppelflinte allerhand Linien und Richtungen zeigte, die sich auf das Luftschiff bezogen", erinnerte Eulenburg an den Besuch eines--Irrenhauses.
Der Anstaltsarzt hatte ihm dort zwei Verrückte gezeigt, die eifrig an einem Luftschiff bauten und dazu bemerkt, gerade dieser Wahnsinn komme oft vor.
Einige Jahre später ist in Rominten beim Kaiser wieder die Rede auf den Grafen Zeppelin aekommen. Der Kaiser — so berichtet Eulenburg — yabe erklärt: „Ja, Zeppelin, das ist eine üble Sache. Immer wieder hat er einen Beitrag vom Kriegsministerium beantragt und erhalten. Das hat nun ein Ende. Die Versuche des Kriegsministeriums sind viel aussichtsvoller. Zeppelin ist ja halb verrückt mit seinem Projekt! Er tut mir leid — aber immer wieder für eine, durch das Kriegsministerium als völlig aussichtslos erklärte Sache Geld zu zahlen, ist Unsinn!" Fürst Philipp Eulenburg war, wie immer man ihn sonst auch beurteilen mag, ohne Zweifel ein geistig hochstehender Mann. Dazu vorurteilsfrei in einem Maße, wie es gerade in seinen Kreisen nicht alltäglich war. Nur: die Technik, die erste Großmacht der Zeit, war ihm zeitlebens ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. „Mir fehlt der Sinn für Mechanik", bekannte er von sich selbst, und fügte hinzu, er habe schon als Knabe „gegen jedwede Maschine mit Oelgestank eine tiefinnerliche Abneigung" empfunden. Der Graf Zeppelin aber sah in Eulenburg offenbar nur den Freund des Kaisers, den zu gewinnen für sein Lebenswerk von wesentlicher Bedeutung werden konnte. Was er nicht wissen konnte, war, daß dieser Mann, wie übrigens viele seiner Zeitgenossen mit gleichem Bildungsgang, gerade für das, worauf es ankam, minderbegabt war. Und wie das oft fo geht: wer etwas, wofür ein anderer begeistert ist, nicht versteht, hält leicht den anderen für dumm.
Der Kaiser hatte seinem Freunde Eulenburg den offenen Sinn für technische Fragen voraus. Bei ihm kamen die Hemmungen anderswo her. Ein einfacher Privatmann wollte eine Sache besser verstehen als das Kriegsministerium? Dessen Versuche waren doch „viel aussichtsvoller"! Da war auch der Kaiser mit den Worten „verrückt" und „Unsinn" schnell bei der Hand. Und den Großen und Größten dieser Erde stand allein und unverstanden der Mann mit feinem fanatischen Glauben gegenüber, mit einem Glauben, der Berge versetzen kann. Ein Glück für das deutsche Volk, daß dieser Mann so „verrückt" war, möglich machen zu wollen, was alle Maßgeblichen für unmöglich erklärt hatten. Denn als dem Manne nun, im Sommer 1908, der Nachweis gelungen war, daß fein Luftschiff zwölfstündige Fahrten zu machen und auch auf festem Boden zu landen imstande sei, und als das Luftschiff, das diesen Beweis erbracht hatte, durch die Mißgunst der Umstände in Brand geriet, da flammte im deutschen Volk blitzartig die Erkenntnis auf: hier war doch eine T a t geschehen! Eine unanfechtbare, beweiskräftige Tat — in einer Zeit der hochtönenden Worte, denen sonst keine Taten zu folgen pflegten! Und nun raffte sich das parteizerrissene deutsche Volk, das so schwer zu einheitlichem Handeln zu bringen war, selbst zu einer Tat auf: es legte dem Grafen Zeppelin 6 Millionen Mark als das Ergebnis freier Sammlung auf den Tisch, damit er sein Werk vollende.
Hier ist der Punkt, von dem aus der Name Zeppelin dem deutschen Volke zum Begriff werden sollte. Zum Begriff eines Verkehrsfortschritts, wie ihn kein anderes Land der Welt bisher erreicht hat. Bis es dahin kam, bedurfte es freilich noch einer langen Entwicklung. Hatten wir anfangs den Luftschiffbau fast nur unter dem Gesichtspunkt gesehen, der Heeresleitung ein neues und wirksames Kriegswerkzeug zu verschaffen, so nötigte uns das Versailler Diktat, das Luftschiff ganz und gar nur als Verkehrsmittel zu werten. Und diese Nötigung hat sich als — ungewollt — segensreich erwiesen. Die Länder, für die das Luftschiff in letzter Linie nur wert hatte, sofern es sich für kriegerische Zwecke ausnutzen ließe, haben damit wenig Glück gehabt. Der deutsche Zeppelin dagegen, der nur friedlichen Verkehrszwecken zu dienen hatte, hat eine Leistungsfähigkeit bewiesen, die kaum noch übertroffen werden kann. Seit Jahren macht er seine Fahrten zwischen Friedrichshafen und Südamerika mit einer Regelmäßigkeit, die nichts zu wünschen übrig läßt. Vorher hat er den Erdball umkreist. Und so nebenbei hat er eine Fahrt in die Arktis unternommen. Wenn er sich später der Erforschung noch unbekannter Gebiete im Innern des südamerikanischen Festlandes widmen soll, so wird er auch das leisten.
Er war eben eine echte Führernatur, der Graf Zeppelin, er hatte den Glauben und er hatte die Tatkraft, die sich nicht entmutigen läßt, vielmehr gerade aus Mißerfolgen den Ansporn zu immer neuen Anstrengungen holt. Dadurch hat er
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