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Einzahlungen für -as Winter­hilfswerk 1935/36

sind auf bas Konto 2938 bei der Deutschen Dank und Viskonto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, oder auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. 2U. 16114 zu tätigen.

Kreisamlsleltung Gießen der JISD.

findet am kommenden Samstag, 12. Oktober, pünkt­lich ab 16 Uhr auf dem Unioersitätssportplatz statt. Teilnahmeberechtigt sind nur die Inhaber der KdF.- Jahressportkarte. Leistungsbuch mit eingeklebtem Lichtbild ist mitzubringen. Das Schwimmen für das Reichssportabzeichen wird am kommenden Diens­tag, 15. Oktober, pünktlich um 21 Uhr im Volksbad abgenommen.

Leibesübung ist Dolkssache!

(Sin Jahr verheiratet.

Die junge Frau klagt:

Er hat keinen Sinn mehr für Rosenduft, für Tanz und Theater, für Mond und Wald. Besuch der Mutter heißtdicke Luft";

Küsse am Morgen lassen ihn kalt.

Er hat für alles, was Liebe betrifft, nur einen äußerst begrenzten Sinn. Dauerwellen und Lippenstift nimmt er als lästige Ausgaben hin.

Ein kleines Muttermal am Hals, das oft er geküßt, das ihn entzückt, beguckt er kritisch. Gegebenenfalls wird es auch taktvoll überblickt.

Rur eine Sorge ist's, die er kennt, daß feine Frau, wenn er Mittags kommt, pünktlich mit reichlichem Essen rennt, das seinem schwachen Magen frommt.

Und daß, wenn er einen Kater hat, sie ihm einen kühlenden Umschlag macht, und sie nicht fragt, wer in der Stadt noch zu so später Stunde wacht!

Und daß sie pünktlich den Wecker stellt, und früh ihn aus den Federn treibt... Man fragt sich oft, wo in der Welt die strafende Hand des Schicksals bleibt!

Puck.

Reit- und Fahrturnier in Gießen.

Am kommenden Samstag und Sonntag findet in Gießen auf dem Turnierplatz an der Rodheimer Straße das vom Derkehrsverein Gießen, der Reiter­standarte 147 Gießen und dem SA.-Reitersturm 6/147 veranstaltete Reit- und Fahrturnier statt. Auch die Wehrmacht der Garnison Gießen wird sich an diesem sportlichen Ereignis aktiv beteiligen. In un­serem heutigen Anzeigenteil wird die Bevölkerung von Stadt und Land eingeladen. Näheres in der Anzeige.

*

**' Von der Landesuniversität. Der technische Assistent an der Chirurgischen Klinik der Landesuniversität, Peter Schmidt, wird mit Ab­lauf des 30. November 1935 unter Anerkennung seiner dem Reiche geleisteten treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. Der Dozent Dr. Walther Bolz in Berlin ist beauftragt worden, in der Ve> terinär-Medizinischen Fakultät der Universität Gie­ßen im Wintersemester 1935/36 die Vertretung der durch das Ausscheiden des Professors Pfeiffer freigewordenen Professur für Veterinär-Chirurgie und -Augenheilkunde wahrzunehmen.

** Personalien vom Hauptzollamt Gießen. Mit Wirkung vom 1. November 1935 treten der Vorsteher des Hauptzollamtes Gießen, Oberzollrat Horn, und die Zollsekretäre Kopp und Haberkorn in den Ruhestand. DieFach- schäft Reichszolloerwaltung im RDB., Kreis Gießen"

I veranstaltet zu Ehren ihrer aus dem Dienst scheiden­den Amtskameraden am kommenden Samstagnach­mittag eine Abschiedsfeier, zu der Landesfinanz­amtsdirektor Mohr vom Landesfinanzamt Darm­stadt fein Erscheinen zugesagt hat, an der fick ferner sämtliche Zollbeamten der Provinz Oberyessen be­teiligen werden.

** Eine Siebenundachtzigjährige. Am morgigen Donnerstag, 10. Oktober, kann Frau Katharina Hahn Wwe., Schiffenberaer Weg 39, in körperlicher und geistiger Frische ihren 87. Ge­burtstag begehen. Die hochbetagte Frau hat zwölf gesunden Kindern das Leben geschenkt. Sehr gut erinnert sie sich noch der Kriegsjahre von 1866 und 1870/71, wie auch des Weltkrieges. An der national- sozialistischen Bewegung des Dritten Reiches nimmt sie regen Anteil.

** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird Die südwestliche Fahr­bahnhälfte der Licher Straße von der Neuen KaserneAm Kugelberg" bis zur Grenze der Heil» und Pflegeanstalt vom 9. Oktober ab auf die Dauer von 14 Tagen für den gesamten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.

** Der Oberhessische Kun st verein in Gießen beginnt, wie uns vom Vorstand mitgeteilt wird, das Ausstellungshalbjahr 1935/36 mit einer Gesamtschau von Werken friesischer Künstler der Gegenwart. Mit dieser Ausstellung wird der Versuch gemacht, auch einmal die Künstler anderer Land­schaften geschlossen zu zeigen.

** Flaschenpfand beim M i l ch k a u f. Die Milchoerteilungs- und Verrechnungsstelle Gie­ßen macht in einer Anzeige in unserem heutigen Blatte darauf aufmerksam, daß nach einer Anord­nung des Milchversorgungsverbandes Rhein - Main sämtliche Milchoerteiler verpflichtet sind, von ihrer Kundschaft ein Flaschenpfand in Höhe von 20 Pf. je Flasche zu erheben. Die Abgabe von Milch in Flaschen ohne Flaschenpfand ist nicht statthaft. Näheres ist aus der Anzeige ersichtlich!

** Ankauf von volljährigen Pfer­den für den Truppendienst. Wie aus einer Bekanntmachung der Landesregierung Abtei­lung le hervorgeht, finden Märkte zum Ankauf von volljährigen Pferden für den Truppendienst im Herbst 1935 statt. Am 24. Oktober wird in un­serer engeren Heimat ein solcher Markt in Stau­fenberg (Südausgang des Ortes, Straße nach Daubringen), um 11 Uhr abgehalten, ein weiterer Markt folgt am 25. Oktober, 9 Uhr, in Alsfeld auf dem Lindenmarkt.

** Eine seltene Trachtenschau bot der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund) seinen Mitgliedern imPfälzer Hof", zu der Gäste aus Westpreußen und dem Riesengebirge erschienen waren. Der hier schon bekannte Lichtbildner Hans- Ulrich S i e g e r t aus Hirschberg, der in den näch­sten Tagen hier einen Lichtbildervortrag über den tausendjährigen Kamps des Schlesiers um fein Volkstum halten wird, war mit Riesengebirglern in Tracht erschienen. Die schwarze, kleidsame Tracht des Mannes und die bunte Frauenkleidung fanden große Bewunderung. Die Frauen zeigten die schö­nen schlesischen Trachtenhauben und die handgefer­tigten Stickereien, die in Hirschberg zu Hause sind. Herr S i e g e r t gab dazu die Erläuterungen. Be­kanntlich wird die allgemeine deutsche Trachtenschau 1936 in Hirschberg im Riesengebirge stattfinden. Der Abend war ausgefüllt mit schlesischen Dialektvorträ­gen, die reichen Beifall fanden.

** Kleiderdieb st ah l. Am gestrigen Dienstag früh gegen 3.30 Uhr wurde von bis jetzt noch un­bekannten Tätern ein Erkerschaufenster des Konfek­tionsgeschäftes des Schneidermeisters Schneider, Neustadt, mit einem großen Stein eingeschlagen. Es wurde aus der Schaufensterauslage ein grau-grüner, großkarierter Winterulster, ein schwarz gestreifter und ein grau gestreifter Anzug gestohlen. Da der In­haber des Geschäftes durch das Geräusch geweckt wurde und sofort nach dem Tatort eilte, mußte der oder die Täter beschleunigt die Flucht ergreifen, wo­bei eine der gestohlenen HosenIn Löbers Hof" verloren ging und dort aufgefunden wurde. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

Sine Mraenseier der HI in der Oberrealschule.

Am aeftrigen Dienstag fand in der Ober- realschule zu Gießen eine Morgen­feier der H I. im Rahmen der Werbeaktion statt, lieber den Verlauf der Feier geht uns fol­gender Bericht zu:

Die Morgenfeier am Dienstag stand im Zeichen der Werbung unserer Staatsjugend. Nach dem Hitlergruh leitete der Direktor der Anstalt,

Oberstudiendirektor Leonhardt

die Feier mit einer kurzen Ansprache ein. Er wies darauf hin, daß es für die Schule selbstverständliche Pflicht ist, die Staatsjugend in ihren Bestrebungen zum Wohl von Volk und Vaterland zu unterstützen. Die Werbung der HI. habe mehrfachen Sinn. Wenn sie nur dem Zweck dienen soll, die Außen­stehenden in die Staatsjugend als ehrliche und selbstlose Kämpfer hineinzuführen, dann sei eine Werbung an der Oberrealschule überflüssig, da über 96 Hundertstel der Schülerinnen und Schüler bereits durch die HI. er- f a ßt seien. Die Werbung habe zum anderen den Zweck, diejenigen, die bereits das braune Ehren­kleid tragen dürfen, zu mahnen an ihre Pflichten und Aufgaben, die der Führer jedem Träger des Braunhemdes als unabweisliches Gebot gestellt habe. Niemand verschanze sich dahinter, er könne das eine nur tun, wenn er das andere lasse. Wer so denke, ziehe besser das Braunhemd aus, da er in dem Augenblick bei der einen Aufgabe versagen werde, in dem diese schwer und lästig werde. Zum Dritten seien die alten Kämpfer zur regsten Mit­

arbeit verpflichtet. Sie müssen nicht bas kleine Wort alt" in den Vordergrund schieben und tatenlos die Hände in den Schoß legen, sondern als Kämpfer sich der Aufgabe bewußt bleiben, die sie dermaleinst übernommen haben.

Zum Zeichen, daß die Schule die Ziele der Staatsjugend würdigt und dauernd im Auge be­hält, wurde die Fahne der HI. gehißt, die in Zu­kunft neben der Reichsflagge am Schul» geoäube wehen soll.

Der Iunggenosse P e u s ch (11II) trug einen Vor­spruch vor, dem sich das LiedSiehst du im Osten das Morgenrot" anschloß. Ein Sprechchor bot die Lesung: Unser Glaube.

Oer Iugendführer und Iugendwalter Fritz

(O I) betonte in feiner Ansprache nochmals den Zweck der Werbung durch die HI. Die Staatsjugend wolle die Fernstehenden in ihre Reihen eingliedern und jedem zum letzten Mal Gelegenheit geben, mit sich ins Gericht zu gehen und seinen Anschluß an die deutsche Staatsjugend zu finden. Zum anderen will die HI. während der zwei Wochen ihre Reihen fester schließen, um allen Gefahren und Nöten ge­rüstet und daher , beruhigt entgegensehen zu können. Seine Rede schloß mit einem Sieg-Heil auf den Führer.

Die Feier klang mit dem Lied der HI.Vor­wärts, vorwärts" aus.

HI. marschiert weiter!

Die Propagandawelle braust über das Land, packt an, rüttelt auf und reißt mit, was jung und begei­sterungsfähig ist. Sie reinigt die Atmosphäre von Flaumachern, Quertreibern und Dunkelmännern, überzeugt die Aufrechten und Schaffenden, wie die Hitlerjugend wirklich ist, was sie will und was sie t u t. Ihre Haltung, ihr Wollen, ihre Arbeit wird offen dargelegt. Sie braucht keine Mauern, hin­ter denen sie irgendwemGefälliges" treibt, noch hat sie es nötig, sich in geheimenExerzitien" zu ergehen.

Sie marschiert und arbeitet

Seit denFanalen der Jugend", die eine Aktion unerhörten Ausmaßes schlagartig eröffneten, heißt es für den letzten Pimpf nur noch Dienst. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo Fanfarenrufe, Trgmmeldröhnen, Marschtritte erschallen und frisch- frohe Lieder zu hören sind. Lastwagenzüge rollen durch das Land und verkünden den Rus:Hin­ein in die HI!" Radfahrkolonnen durcheilen die Straßen, über denen Transparente die Lauen aufrütteln. Wie aus dem Boden gestampft stehen plötzlich Segelflugzeug - Werkstätten, Bastelecken, übende Motorscharen, werbende Spielmanns- und Musikzüge da und bieten den staunenden Volks­genossen eine einzigartige Schau der Arbeit und des Könnens. Oeffentliche Lichtbildabende, Feierstunden und überfüllte Kundgebungen zeigen allen

des Führers Jugend bei ihrer ernsten THifarbeif am Werke deutscher Kultur.

Jeder Tag bringt etwas Neues und jeder Tag über­bietet noch die Leistungen des vorhergegangenen. Auch der heutige Tag wird wieder Die HI. an der Front sehen. Neben Platzkonzerten in Frank­furt a. M., Wetzlar, Weilburg, Hanau, Gelnhausen usw., neben öffentlichen Heim- und Singabenden im Bereich der Banne 115 (Darmstadt), 118 (Worms), 166 (Bad Homburg v. d. H.), 249 (Odenwald), 288 (Eltville), neben Turn- und Sportabenden, Kund­gebungen im Bereich der Banne 87 (Westerwald), 116 (Gießen), 303 (Dill-Eder) ist vor allem zu nennen:

Oie große Iunqarbeiterkundgebung in Frankfurt,

wo der Leiter des Sozialen Amtes der Reichs­jugendführung, Obergebietsführer Axmann, im

Hippodrom zur Iungarbeiterschaft über die Ziele Der HI. und ihren Einsatz für Die schasfenDe Deutsche Jugend sprechen wirD. Gebietsführer Potthoff und Der Gauwalter Der DAF. Pg. Becker werDen ebenfalls Das Wort ergreifen.

Eine Großkundgebung in der Gießener Volkshalle.

wo Gruppenführer Prinz August Wilhelm unD Gebietsjungvolkfuhrer Wagner als Redner Aur JugenD unD Den Deutschen Volksgenossen Die Aufgaben Der HI. unD ihre Arbeit klarstellen.

Pimpfe auf Fahrt.

heißt ein ElternabenD, den Wiesbadener Jungvolk- jungen im Rahmen einer Großkundgebung veran­stalten und wo sie von ihrer schönen Fahrt in Den NorDen Deutschlands, an die Küste Der Nord- und Ostsee, in Lichtbild und Wort erzählen.

Der Donnerstag steht im Zeichen der

Detriebsappelle.

Im Werk Der Maschinenfabrik MAN. in Mainz» Gustavsburg wird Gebietsführer Potthoff um 7 Uhr, in Den Opelwerken zu Rüsselsheim um 16 Uhr Appelle Der Iungarbeiterschast Durchführen unD auch Den letzten noch nicht erfaßten Jungen Der geschlossenen Einheit Der HI. zuführen. Be­triebsappelle, Die von Feierstunden Der HI. um­rahmt sinD, finden ebenfalls statt in Wetzlar und anderen Orten.Des Bannes 88 sowie in Hanau unD Offenbach.

Man sicht, Die HI. kennt keine Rast unD scheut keine Arbeit, wenn es gilt,

die Einheit der deutschen Jugend

nicht nur zu propagieren, sondern trotz aller Hin­dernisse allein durch ihre Arbeit und ihren Einsatz herbeizuführen.

7 Gchwertworte des Iungvolkjungen.

Sie sind in einer Einheit entstanden, und ihren Trägern wurden sie Bekenntnis. Die Jungen lebten in ihnen und wurden darum stark. Jetzt gehen Die Schwertworte Durch Das ganze Reich. In allen Heimen stehen sie, in Ost unD West, in SüD und

Bergwände.

Von Anton Schnack.

Die Watzmann-Ostwand.

Kalkgraue, zerrissene Wand: viele Stunden wirst du meine Gefahr sein! Meine Hand wir sich in Deine Felsrisse klammern, mein Fuß wirD mühsam unD tastend einen Spalt oDer einen vorspringenden Stein suchen unD mein Ohr wirD unmittelbar an Deine himmelstürmende Mauer gepreßt sein.

Höre ich Dein gewaltiges Herz? Höre ich Den Atemzug Des in Dir schlafenden grausamen Ur- zeitenkönigs Watzmann? Ich höre nichts als mein eigenes Herz. Auf fein eigenes Herz muß man sich verlassen, wenn man Dich bezwingen will. Eintau- sendachthunDert aufgetürmte Steinmeter, glatt, ge- sährlich, DrvhenD, steigen vor meinem Blick unD meiner Eroberungslust empor. Oh DemütigmachenDe Steinnacktheit, SteinwilDheit, Steinunzugänglichkeit! Auf Deinem Gipfelgesims scheint unmittelbar Das Dach Des Himmels zu ruhen.

In welcher Stunde wirst du mich fällen? In der ersten schon, wo ich noch voll Erregung und Un­ruhe bin? In der zweiten, wo ich ganz aus Wille, Kraft und Anspannung bestehe? In der dritten, wo kopfgroße Steine mit heulendem Schwung über mir, neben mir und unter mir roegfliegen und in Den arauDämmemDen AbgrunD hinabpoltern, aus dem Das Auge Des Dunkelgrünen Königssees blitzt. Die WanD hat nach mir gezielt, wie sie schon nach vielen gezielt, manchen gefällt, hinabgestoßen und zerschmettert hat. Fünf StunDen werDe ich an ihren Steinrippen hängen, vielleicht werbe ich müDe unD ich muß sechs ober sieben klettern, bis ich die aufge­sprungene Handfläche in den Gipfelrand legen kann. Vielleicht läßt sie mich überhaupt nicht mehr los? Wer weiß es: viel Blut hat sie schon getrunken und in ihre Steinritzen eingesaugt, Blut, das kühn, männlich und tapfer war. Der wilde König im Berg liebt das Blut, immer war er durstig danach, im­mer hat er zerschmettert, zerrissen, zerfetzt, heute genau so wie in längst vergangenen Urzeitentagen.

Mit Haß, Abscheu, Zorn im Herzen habe ich ihre heimtückische Randkluft überquert, die einen der ersten Besteiger der großen Wand zerschmettert hat: Christian S ch ö l l h o r n. Die Ersten haben immer die größte Gefahr zu bestehen. Wo sein Tod und seine Vernichtung waren, ist unser herrliches (Er­lebnis. Darum weitersteigen, aufwärts, empor, furchtlos, vorwärts!

Südwand der Marmolata.

Stehe ich vor dem durchfurchten kaminzerklüfte- ten Wandgesicht, gedenke ich der verwegenen Beatrice Tomasson. Bewunderungswürdig ihr Mut und »hr Stahlwille, mit denen sie in diese furchtbare

Wand einstieg, die in sechshundertvierzig Metern wie ein Brett aus der Erde wächst und für jeden Schritt und Handgriff den Tod, den Absturz, die Zerschmetterung bereithält. Ich gedenke auch der Führer Z a g o n a l und B e t e g a l, die mit der Frau in die Unzulänglichkeit Der Kamine, Pfei­ler, Terrassen, Ueberhänge, Schluchten, Rinnen, Rampen und Schuttbänder hineinstiegen.

Ich gedenke auch der Bergsteiger Fritz Käst und Walter Stößer, die die Wand auf der noch schwierigeren, nackteren und ganz grausamen Süd- westkante bezwangen. Eine Kante, die das Blut aus den Gefäßen jagt und das Herz zum Stocken bringt. Es scheint unmöglich, in diese Höllenab­stürze einzusteigen und womöglich noch eine Nacht Darin zu verbringen. Schwierigkeiten ohne Ende, Schluchten, Pfeiler, brüchige Steilwände, Kanzeln, sperrende Blöcke, Kamine über Kamine, mürbe Eis­rinnen, aus denen es klirrt und sintert, trügerische Schuttbänder, aus denen es ununterbrochen rieselt. Sie ist das Schwerste. Und doch hat sie mensch­licher Mut, menschliche Todesverachtung, großartiges Selbstvertrauen und nichterlahmender Wille be­dungen. In die Verlorenheit, in das Nichts der Luft geht der Aufstieg. Wer an der Kante hing, hing allein. Allein in der erbarmungslosen Fremd­heit und Feindlichkeit der Bergwand. Allein im streichenden Windzug, der eisig nach den Muskeln greift. Allein über dem lauernden Abgrund, den ein bleiernes Schweigen ausfüllt und dessen finstere Ruhe nicht einmal das niederrinnende Eiswasser und der dumpfe Steinschlag stören können.

Die Schleierkante an der Ci ma della Madonna.

Ich werde ihren abweisenden, kühlen Stolz, ihre Ueberirdischkeit nie vergessen. Wenn ich sie erobern wollte, ich könnte es nicht. Andere konnten es: als erste Gunter Langes und Erwin M e r l e t.

Der ganze Berg besteht aus Drei Stücken, von Denen Das eine klein unD abgestumpft ist, Die an­deren streben empor wie gotische Türme. Zusammen Das BilD einer Steinfestung, Die mit unzugänglicher ablehnenDer Brust Himmel unD ErDe trennt.

Im Valle della Vecchia weht ein kühler Wind, Der in Abständen nach oben streicht und Die Nebel­bänke auflöst. Aus der Hauptschlucht über Dem Kar rauscht Gepolter: wieDer rollt ein Stück aus Dem Fleisch Des Berges zu Den HunDerttausenDen von Steintrümmern, Die seit unzählbaren Jahren WinD, Wasser unD Eis aus ihm herausgerisien haben.

Ich ahne es: wer Den kühnen Turm Der Schleier­kante begeht, geht zur Hälfte in Der Luft. Das Lach der Tiefe gähnt mit entsetzlicher Anziehungskraft herauf, Der Fels ist alles, was man hat. Aber Der Fels ist trügerisch, gemein, unberechenbar, unD wer ihn übermunben hat, hat etwas Großartiges getan, was wir alle wollem er hat Den Tod besiegt.

D i e Untersberg-Südwand.

Ich liebe sie mehr als alle anderen: wuchtiger, schwieriger, großartiger, eisiger, abweisenDer, stolzer und prächtiger sind Die WänDe Der Cima della Madonna, Die Stufen Der Drei Zinnen, Die über» irDisch funkelnDe Spitze Des Matterhorns, Die breit- gebaute NorDwanD des kleinen Lafatscher, bie kalte Brüstung ber nörblichen Sonnenspitze, bie unheim­lich abgebrochene Westwanb des Totenkirchels und vieler noch.

Die Untersberg-Südwand ist kein Absturz von be­sonderer Größe und Mächtigkeit; aber bie Volks­sage hat ben ganzen llntersberg unb seine Wanb verzaubert und geheimnisvoll gemacht: hinter ihr schläft der Kaiser Karl der Große. Und in welcher Pracht und Herrlichkeit thront er, schon ein Jahr­tausend schlafend: marmorene Wände fassen den hochgewölbten Thronsaal ein, wo der ins Gotthafte wachsens Kaiser des Mittelalters sitzt, eine Edel- steinkrone auf dem erhabenen Haupt und das gol­dene Reichszepter in den Händen. Um ihn, verstreut in den riesigen und weiten Räumen des Berg- inneren, liegt ein ganzes Heer, Fürst neben Fürst, Mann neben Mann, alle schlafend, aber alle in Waffen unb Rüstung unb ben Augenblick ermar- tenb, wo Karl ber Große ihnen bas Zeichen zum Aufbruch gibt. Dann öffnen sich bie gewaltigen Steintore bes Berges unb das ganze Heer strömt hinaus, um auf Dem benachbarten WalserfelDe Die blutigste unb größte Schlacht ber Weltgeschichte zu schlagen. Nach gewonnenem Siege reitet ber sagen­hafte Kaiser, bie vom Blute bampfenbe Siegesfahne in ber Hand unb auf einem breibeinigen Schimmel sitzend, in eine unbekannte Ferne, um nie mehr zu­rückzukehren; benn Deutschlanb wirb von nun an in großer Pracht, Herrlichkeit unb Bestänbigkeit bastehen.

Ich sah ben sommerlichen Dollmonb auf ber Wanb liegen, metallen brannte ihre Brust. Ich lag über ihr, Den Kopf nach unten gebeugt unb fühlte bie Unheimlichkeit ihres inneren Lebens. Tönten nicht Fanfaren unb Trommelschläge in ihr? Hörte ich nicht Waffenklirren? Stieg nicht leises Stimmen­gemurmel an mein Ohr? Donnerte unb krachte es nicht in ihren Gewölben? Der Bergwinb sauste hohl in ber Tiefe, schlief ein unb kam nach einer Weile wieder. Die Nachtluft war warm, ber Föhn wühlte in ihr unb wechselte ihre Farben. Die Berg­welt ringsum hatte ein gläsernes Aussehen ange- 3°.9en: schön war sie, unirbisch, ungreifbar, merk- roürbig, Landschaft eines Traumes. Die Wanb stürzte in bie Dunkelheit hinunter, bie bie Endlosig- feit zu sein schien. Ieben Augenblick konnte sie sich öffnen unb eine Flut golbenen Lichtes ausspeien, worin bas Schwert Des Kaisers blitzte unb funkelte.

Zeitschriften.

Die Oktoberfolge von Westermanns Monatsheften gibt eine Würbigung bes Malers Georg Ehmig. Dr. Hermann Ullmann be> hanbelt in einem BeitragAußenbeutfchtum unb deutsches Schicksal", eine Frage, bie sich Wester­manns Monatshefte schon lange zu einer wichtigen Aufgabe haben werben lassen. Es sei hingewiesen auf DenDeutschen Uebersee-Preis" für eine im Druck noch.nicht veröffentlichte Niederschrift, die als Roman, Erzählung oder Tatsachenbericht ein heut­iges Schicksal, Erlebnis oder Lebensbild in Uebersee schildert. Volkstumsfragen werden weiterhin behan­delt in Beiträgen wie:Volksart im Spiegel der Sprache",Kinder denken und dichten" undDer Arbeitsdienst singt". Ein lustig bebilderter Aufsatz zum 125jähriaen Jubiläum der Oktoberwiese in München plaudert launig von dieserMordsgaudi". Eine andre Plauderei über Die WunderinselBali" öffnet Den Vorhang, vor Dem Die Sehnsucht lauert nach fernen Zonen. Michael PrawDin erzählt fef- selnD von Dem Europa überrennenDen Mongolen­sturm unter Tschingis-Chan. Der ehemalige faifer- lich-russische Handelsattache in Kopenhagen, Alex- anber von Andreevsky, förbert in seinen Erinne­rungen bisher unbekannte Tatsachen als Dokumente aus ben diplomatischen Geheimakten bes Welt­krieges zutage. Naturwissenschaftlich eingestellte Leser werben mit Genuß von Dr. Loeser erfahren Warum Vogel unb Fische wanbern".

DieBerlinerMonatshefte", Zeitschrift zur Vorgeschichte und Geschichte bes Weltkrieges herausgegeben von Dr. h. c. 2I(freb von Wegerer (Quaderverlag, Berlin W 15) bringen in ihrem Ok­toberheft einen Aufsatz von Carl MühlmannDer Eintritt Bulgariens in ben Weltkrieg Herbst 1915" Das Auf und Ab der militärischen Ereignisse wäh- renb bes ersten Kriegsjahres spiegelte sich im Wech­sel Der bulgarischen Neigung für die Mittelmächte ober Entente, bis schließlich Bulgarien den Anschluß an Deutschland und dessen Bundesgenossen vollzog. Der englische Historiker Sir Raymond Beazley und der Historiker unserer Gießener Universität Prof. Gustos R o l o f f befassen sich mit dem ungemein

unö schwierigen Kapitel der deutsch-eng­lischen Beziehungen vor Dem Kriege. Eine befonbers wichtige Veröffentlichung bildet die Wiedergabe von Dokumenten aus Den neuesten Bänden der russischen Aktenpublikation. Sie zeigen, daß Die Drei Groß- wächte Rußland, England und Frankreich sich be­reits im Herbst 1914 für einen Diktatfrieden aus» sprachen, der die völlig Zertrümmerung der militä­rischen und wirtschaftlichen Macht Deutschlands zum Ziele hatte. Eine ganz andere Aufnahme sanden dagegen Friedensbestrebungen auf deutscher Seite, wie aus der Behandlung des FrieDensvermittlungs- Vorschlages des Königs von Dänemark hervorgehk