Welche Gühnemaßnahmen wird der Völkerbund heute gegen Italien beschließen?
Frankreich bremst.
Paris, 9. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Aufmerksamkeit der Pariser Presse gilt der Frage der Sühnemaßnahmen. Es zeigen sich bereits die beiden Richtungen, die sich in dieser Frage herausbilden. Frankreich will die Sühnemaßnahmen begrenzen und ihre Höchstgrenze i n Staffelungen erreichen. England hingegen wünscht unbegrenzte Maßnahmen wirtschaftlicher und finanzieller Art und zwar in voller Schärfe vom ersten Tage an. Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache, daß mehrere Nachbarn Italiens als Lieferanten bei Sühnemaßnahmen große Verluste erleiden würden, die man entweder ausgleichsn muß oder aber vermeiden kann, indem man die Freiheit der einzelnen Staate n in der Anwendung von Sühnemaßnahmen beachtet. Einig scheint man sich bisher schon darüber zu sein, sofort eine Kreditsperre gegen Italien wirksam werden zu lassen, die mit einem Verbot der Lieferung von Waffen, Kriegsmaterial und Kriegsroh st offen verbunoen werden soll. Gleichzeitig dürfte-das in England und Frankreich bestehende Waffen- a u s f u h r v e r b o t nach Abessinien aufgehoben werden. Die britische Abordnung und der Völkerbundspräsident Benesch hätten den Wunsch, so berichtet das „Oeuvre", zu einer „friedlichen Blockade" gegen Italien zu schreiten, wenn der Zweck der wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen nicht innerhalb von sechs Wochen erreicht sei. Die Engländer seien der Auffassung, daß allerdings schon bte wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen genügen würden, da von allen europäischen Staaten die Wirtschaft Italiens am leichte st en zu zerstören sei. Im übrigen mache sich in den Kreisen der englischen Abordnung ein starker Friedenswille bemerkbar.
„Petit Parisien" meint, Laval werde sich streng im Rahmen wirtschaftlicher und finanzieller Maßnahmen halten. Eine Begrenzung dieser Maßnahme sei ihm schon durch die Vermittlerrolle auferlegt, die er übernehmen wolle, sobald Verhandlungsmöglichkeiten auftauchten. Laval wolle dem Völkerbund und Frankreich zugleich treu bleiben Das Blatt glaubt, daß trotz des ungünstigen Eindrucks, den der Ratsbeschluß in Rom gemacht habe, Italien sich nicht aus Genf zurückziehen werde.
„Figaro" vertritt mit Zähigkeit den Standpunkt, daß es Lavcrls Aufgabe in Genf sei, zu vermitteln. Vielleicht sei es doch möglich, Italien die ge- [erbeten Zugeständnisse zu machen. Laval arbeite Ebenfalls mit seiner ganzen Kraft unb Geschicklichkeit an ber Vorbereitung von Verhandlungen, wenn deren Stunde vielleicht auch noch nicht gekommen.
„Paris S o i r" stellt fest, daß der Völkerbund zum ersten Male die Finger in das Räderwerk der finanziellen und wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen stecke. Man verstehe deshalb, daß er ein gewis- s e s Unbehagen verspüre, ehe er sich auf unbekanntem Gebiet vorwage. Es gebe zahlreiche Länder, die schon jetztvon Wirtschaftskrisen betroffen und deshalb gar nicht die Forderungen des Paktes mit den Notwendigkeiten ihrer Handelsbilanz in Einklang bringen möchten. Das bedeute für die Durchführung der wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen Schwierigkeiten. Man wolle jedoch nicht sagen, daß die vom Völkerbund zu ergreifenden Maßnahmen vor vornherein zum Mißerfolg verurteilt seien, denn daran glaube nicht einmal Italien.
England um die Einheitlichkeit der Aktion besorgt.
L o n-b o n, 9. Okt. (DNB. Funkspr.). Wie „Daily Telegraph" aus Genf meldet, hat Laval bei einer direkten Fühlungnahme mit Rom sich überzeugen müssen,daß Mussolini nicht geneigt ist, seinen Feldzug auf den Anfangserfolgen beruhe« zu lassen. Englische Anfragen in Rom hätten denselben Eindruck hervorgerufen. Bis gestern habe man in London noch geglaubt, daß Mussolini jetzt seine Friedensoedinaun- g e n zu Papier bringen werde. Dies habe sich also nicht b e st ä t i g t. Die britische Regierung habe in Paris klar dargelegt, wie ernst sie die Lage beurteile. All das habe anscheinend die französische Regierung überzeugt, daß ein Vorgehen des Völkerbundes notwendig sei, um Italien zu bremsen. Zunächst werde man sich über die Stellungnahme ber bem Völkerbunb nicht anaehörenben Staaten burch Anfrage bei Den Regierungen Klarheit zu schaffen suchen. Man glaube, baß bie Vereinigten Staaten vielleicht einer praktischen Unterstützung ber Sühnemaßnahmen zustimmen würden. Man sei über die Stellungnahme verschiedener Länder beunruhigt. Insbesondere werde bie Erklärung des polnischen Außenministers Beck mit großer Spannung erwartet, ebenso sei man sich noch über die Stellungnahme Oesterreichs, Ungarns und besonders der Schweiz im Unklaren.
Die englische Hochkirche zum Abessinienkonstikt.
London, 9. Okt. (DNB.) Die Stellungnahme der englischen Kirchen zum italienisch-abessinischen Konflikt wurde auf dem Kirchenkongreß in Bournemouth eingehend besprochen. Der Erzbischof von Canterbury, Dr. Lang, erklärte, er sei entrüstet darüber, baß eine europäische Großmacht ihre feierlichen Verpflichtungen unter bem Völkerbunbs- und Kelloggpakt mit zynischer Verachtung behandele. Wenn jemals ein nicht herausgeforderter Angriff stattgefunden habe, so sei es das Vorgehen Italiens m Abessinien. Manche Kreise seien der Ansicht, daß man unter feinen Umständen zur Anwendung von Gewalt gegen den Angreiferstaat schreiten dürfe. Er teile diese Ansicht nicht. Im Notfall müsse selb st die Anwendung von G e w a l t m a ß n a h m e n gegen Italien gebilligt werden. „Die Sicherstellung des Friedens innerhalb des Staates und zwischen den Staaten kann nur durch die Verteidigung und Behauptung ber Gerechtigkeit und bes Rechtszu- ftandes erzielt werben. Dies kann unter Umftänben sowohl im nationalen wie im internationalen Leben die Anwendung von Gewalt mit sich bringen.
Das fei jedoch kein endgültiges Heilmittel. Dem
italienischen Bedürfnis nach Ausdehnung unb nach einem besseren Zugang zu b e n Rohstoffgebieten müsse volles Gewicht gegeben werben. Die Zeit sei jetzt gekommen, eine internationale Konferenz einzuberufen, um unparteiisch unb großmütig eine g e ■ rechtere Verteilung Der wirtschaftlichen Quellen in ben unentwickelten Erbteilen zu erwägen. Der Erzbischof verkünbete, baß er zusammen mit anderen Organisationen einen Aufruf zur Unter st ützung des Roten Kreuzwerkes in Abessinien erlassen werde.
Der Bischof von Chichester, Dr. Bell, lobte die feste Haltung des Völkerbundsrats, erklärte jedoch, daß bie meisten Schwierigkeiten ber letzten Jahre auf bie Ungerechtigkeit ber Friedensverträge sowie auf die Nichterfüllung der Völkerbundsverpflichtungen in der Frage der Abrüstung und der Revision der Verträge zurückzuführen seien.
Eine kritische Stimme
London, 9. Okt. (DNB. Funkspruch). Der ultra- konservative englische Abgeordnete und frühere Erste Lord der Admiralität A m e r y sprach sich entschieden gegen eine Anwendung von Sühnemaßnahmen aus. Die abessinische Angelegenheit sei eine „lokale Tragödie", die nicht in einen Weltkrieg verwandelt werden dürfte. Das englische Volk würde ohne Zögern zu einem
Krieg bereit fein, wenn seine Freiheit ober die Exi- stenz bes britischen Reiches bebroht wären. Es wolle aber seine Söhne nicht für bie Theorie eines allgemeinen Friedens sterben lassen, der nur auf bie Gefahr eines Weltkrieges hin burchaejetzt werben könnte. Ein vollstänbiger Wirtschaftsboykott Italiens könne nicht wirksam sein, solange sich bie Vereinigten Staaten, Deutschlanb unb Japan nicht bar- an beteiligten. Das einzige Ergebnis wirtschaftlicher Sühnematznahmen würbe ber Austritt Italiens aus bem Völkerbunb [ein.
Im Gegensatz zu Amery erklärte ber ihm politisch nahestehenbe Winston Churchill, baß bie große Masse ber öffentlichen Meinung Englanbs bie Politik ber Regierung im italienisch-abessinischen Streit unterstütze.
Derhastunaen auf Malta
London, 9. Okt. (DNB.-Funkspruch.) In Malta sind am Dienstag drei italienische unb ein britischer Staatsangehör ia er wegen angeblicher Spionage von Den britischen Behörben verhaftet roorben. Die Polizei veranstaltete Haussuchungen in ben Büros mehrerer Schiffahrtsgesellschaften, bie in geschäftlicher Verbinbung mit italienischen Linien stanben. Ein führender maltesischer Schiffahrts-Agent, der zu einem Verhör auf die Polizeidirektion gebracht worden war, regte sich so sehr auf, daß er vom Schlag getroffen wurde, und starb.
Der italienische Gesandte ans Addis Abeba ansgewiesen.
Fremdenflucht aus der abessinischen Hauptstadt aus Furcht vor Fliegerangriffen.
Genf, 8. Okt. (DNB.) Der abessinische Vertreter hat dem Generalsekretär des Völkerbundes in einer Note mitgeteilt, daß die abessinische Regierung sich veranlaßt sehe, den italienischen Gesandten in Addis Abeba unb bas gesamte Personal ber Gesanbtschaft zum Verlassen bes abessinischen Gebietes aufzuforbern. Abessinien habe trotz bes Ausbruches der Feindseligkeiten zunächst dem italienischen Gesandten ein weiteres Verbleiben in Addis Abeba gestatten wollen. Der Gesandte habe aber die ihm gewährte Gastfreundschaft dazu mißbraucht, um einen Sender in Betrieb zu halten und der abessinischen Regierung innere Schwierigkeiten zu verursachen. Die italienische Gesandtschaft in Addis Abeba sei ein S p i o n a g e z e n - t r u m unb ein Herb von Intrigen unb Komplotten gegen bie öffentliche Drbnung in Abessinien geworden. Die Note versichert, daß die abessinische Regierung alle Maßnahmen zur höflichen Behandlung unb zum Schutze ber italienischen Beamten bei ber Ausreise aus bem abessinischen Gebiet treffen werbe.
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Der italienische Konsul in Gonbar (Nord- Abessinien) ist mit seinem Stabe in Gallabat a n ber Sudangrenze eingetroffen. Er war von einer 45 Mann starken abessinischen Wache begleitet. Sobald die Straßen befahrbar sind, wird sich ber Konsul im Kraftwagen nach Asmara in Eritrea
begeben. 130 italienische Untertanen haben am Dienstag bie Stabt Direbaua verlassen. Aus ber abessinischen Hauptstadt sinb 110 Europäer, unter ihnen viele Armenier, aber auch deutsche F a - milien, mit dem Frühzug nach Dschibuti a b g e r e i ft. Am Mittwoch werden weiter zahlreiche Ausländer Abessinien verlassen. In Addis Abeba haben keinerlei fremdenfeindliche Kundgebungen ftattgefunben. Die mit dem besonderen Schutz der in der abessinischen Hauptstadt lebenden Fremden betraute Polizeitruppe hat bisher auch nicht den geringsten Anlaß zum Einschreiten gehabt. Die Disziplin ber Bevölkerung von Abbis Abeba ist auffallenb gut. Selbst Italiener, bie allerdings nur in Begleitung eines Doppelpostens die Stadt besuchen dürfen, werden von der Bevölkerung überhaupt nicht beachtet. Trotz dieser vollkommenen Sicherheit, in ber sich die Ausländer hinsichtlich der Gefahr frenv benfeindlicher Ausschreitungen befinden, ist z. T. eine überstürzte Abreise von Fremben aus Abbis Abeba zu beobachten, bo man in ausländischen Kreisen mit italienischen Luftangrif - f e n auf bie Landeshauptstadt unb unter Umständen auch mit ber Zerstörung ber Eisenbahn Dschibuti — A bdis Abeba, der einzigen bequemen Verbinbung mit ber Außenwelt, rechnet unb ber Gefahr bes Abgeschnittenwerbens burch rechtzeitige Flucht entgehen will.
Die AeulralM der Vereinigten Staaten.
Es gibt Leute, bie dennoch aus der Geschichte etwas lernen. Präsident Roosevelt hat erklärt, daß bie amerikanischen Bürger roeber Abessi - niennoch Italien Waffenliefern bürfen unb ebenso ist es verboten, ben beiden Mächten Teile von Waffen oder Kriegsmaschinen auszuhändigen. Damit find die USA. neutral und den Kriegsgewinnlern ist wenigstens das Waffengeschäft verboten worden. Allerdings erstreckt sich dieses Verbot nicht auf Rohstoffe. Nordamerika könnte erhebliche Mengen Eisen und Kupfer, vor allem nach Italien liefern, wenn Italien sie bezahlen könnte. Aber die Verhandlungen in den Vereinigten Staaten über Kredite für die Rohstoffkäufe sind zum Leidwesen der Italiener gescheitert, und alle Versuche, auf privatem Wege eine Anleihe zu erhalten, sind vergeblich gewesen, da Italien seine alten Kriegsschulden noch nicht bezahlte unb ein Gesetz biefen Schuldnern Kredite sperrt.
Der Kampf um diese Politik der Vereinigten Staaten ist seit dem Kriege nicht eingeschlummert. Im Kriege selbst hat gerade Amerika der Entente Riesenmengen von Waffen geliefert; es hat dabei Unsummen verdient, aber schließlich mußte es, aus ber Gefahr heraus, baß bie Entente unterliegen unb bamit bie Summen fchulbig bleiben würbe, gegen bie Mittelmächte in den Kampf eingreifen. Aus Dollarrücksichten haben bie USA. ben Sieg ber Mittelmächte verhindert, darüber können alle Proklamationen der einzelnen Grupven nicht hinwegtäuschen. Wenn z. B. noch im Mai amerikanische Heimkrieger auf ber Iuristentagung mit Pathos oerf.ünbeten, Amerika sei 1917 s'-big- lich für bie Demokratie unb Freiheit in ben Krieg gezogen, unb ber frühere Außenminister Stimson behauptete. Amerika habe bie inbivibuelle Freiheit gegen ben germanischen Terror oerteibigt, bann weih man, was bavon zu halten ist. Am 6.'September 1915 veröffentlichten ber amerikanische Staatssekretär Lansing unb ber damalige Schatzsekretär Mc. A d o o einen Briefwechsel, in dem betont wurde, es sei notwendig, den Kriegführenden, b. h. ben Ententemächten große Kredite zu bewilligen, um bie Weiterführung ber Kriegsexporte an bie Alliierten zu gewährleisten, benn sonst werbe, wie es in ben Briefwechsel wörtlich heißt, „eine höchst kritische Lage entstehen burch inbustrielle Depression, Arbeitslosigkeit unb brachliegenbes Kapital unb alles, was bamit zusammenhängt."
Die riesigen amerikanischen Kriegsgewinne sinb Amerika nicht gut bekommen. Man braucht nur einige Daten zu verzeichnen. Der unter bem Namen Bethlehem Steel bekannte Rüstungskonzern erzielte bis zum Kriegsjahre 1914 einen Jahresgewinn von 6 Millionen Dollar, in ben folgenden Jahren, vier Kriegsjahren, aber von 50 Millionen Dollar! Der Umsatz der United Staates C o m p a n y belief sich bis 1914 auf 105 Millionen Dollar. Er stieg in den Kriegsjahren auf 250 Millionen Dollar jährlich und die Gewinne waren dementsprechend. Die CentralLeatherCom»
p a n y arbeitete bis 1914 mit dem bescheidenen Gewinn von 1 Million Dollar, aber bie gleiche Gesellschaft wies allein für 1916 einen Nutzen von nicht weniger als 15,5 Millionen Dollar auf. Und daß bie Fleischer, Baumwollprobuzenten, Farmer ben Krieg gründlich ausnutzten unb dementsprechenb ganz Amerika in ein Lanb ber Kriegsgewinnler verwanbelt würbe, ist bekannt.
Auf die Dauer hat aber dieser Reichtum den Vereinigten Staaten keinen Segen gebracht. Die Kredite hat die Entente nicht zurückgezahlt, die Länder Europas, die sonst vor allem die Agrarprodukte Amerikas abnahmen, haben sich unter dem Zwange der Not auf die Steigerung der Erträge aus dem eigenen Boden geworfen. Und während Europa sich langsam wieder hocharbeitet, ist gerade in den Vereinigten Staaten als Folge des Zusammenbruchs der Weltwirtschaft und nachdem Der erste Rohstoffhunger der europäischen Länder gestillt worden war, eine Krise ausgebrochen, gegen die alle Mittel nichts halfen. Diese Erfahrungen aus dem Weltkriege haben zu dem jetzigen Verbot der amerikanischen Waffenausfuhr geführt. Es sind weniger ideelle Gründe, obgleich gerade die Amerikaner diese in den Vordergrund schieben, als sehr reale Ueberlegungen; denn der Krieg ist auf die Dauer kein gutes, sondern ein schlechtes Geschäft, das wenigstens haben die Amerikaner aus der Geschichte des Weltkrieges und der nachfolgenden Jahre gelernt.
Für und wider dieAussuhrsperre.
Keine Warenkredite für Italien.
Washington, 9. Okt. (DNB.) In Washington wurde am Dienstag bekanntgegeben, daß die Ein-und Ausfuhr bank sich gegen bie Gewährung von Kreb11en für Warenverkäufe an Italien entschieben habe. Dieser Entschluß sei bereits im August gefaßt worben, also zu einer Zeit, als Italien erst seinen Einmarsch in Abessinien vorbereitet habe. Damals hätten mehrere Gesuche um Finanzierung von Baumwollverkäufen und auch anderer Erzeugnisse an Italien Vorgelegen. Von der Bankleitung wurde betont, daß die Bank dieselbe Stellungnahme gegenüber Abessinien einnehmen würde, falls etwa von diesem Lande Gesuche um Finanzierung von Warenverkäufen gestellt werden sollten.
Der Zweckverband zur Entwicklung des Hafens von Neuyork (Conference for deve- lopment of the port of New York) hat an Präsident Roosevelt ein Telegramm gerichtet, in dem gegen bie Ausfuhrsperre mit bem Bemerken, baß bieses Embargo einen unbesonnenen schweren Schlag für ben HanbelNeuyorks bebeute, scharf protestiert wirb. Dieser Protest würbe von mehreren Senatoren mit einem Lob ber Neutralitätspolitik Roosevelts beantwortet. Mit bem Hinweis, baß ber Frieden billig erkauft fei, selbst wenn ein Verlust von
50 Millionen Dollar im Exporthandel mit Italien eintreten sollte, wird gefordert, daß die neuen Gesetze streng st ens burchgeführt werben müßten. Das Volk erinnere sich noch an das Motto ber ersten Kriegsjahre von ber Freiheit der Meere, das den Vereinigten Staaten schließlich den Krieg gebracht habe. Präsident Roosevelt habe den Mut, mit veralteten Ideen zu brechen. Die Hafenbehörden von Neuyork schätzen den jährlichen Handelsumsatz mit Italien auf über 100 Millionen Dollar.
Roosevelt fordert Achtung vor amerikanischem Eigentum.
Warnung vor Bombenabwürfen auf armrrtanischeGebäude inAddisAbeba.
Washington, 8.Okt. (DNB.) Staatssekretär Hüll teilte mit, daß er bereits am 5. Oktober i n Rom Schritte unternommen habe, um Bombenabwürfe a u f bie amerikanische Gesanbtschaft unb amerika- nische Häuser in Abbis Abeba zu Der- hinbern. Das Gesanbtschaftsbach sowie bie Dächer der bärtigen Krankenhäuser, Schulen unb anberef
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Die Oberleitung ber abessinischen Truppen in ber Provinz Dessie hat ber Kaiser von Abessinien dem Kronprinzen Asfou übertragen. Unser Bild zeigt den Kronprinzen mit seinem jüngeren Bruder, dem Herzog von Harrar. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
amerikanischen Gebäude seien mit dem Sternenbanner bedeckt oder mit den Farben der amerikanischen Nationalflagge angemalt worden. Der amerikanische Botschafter in Rom habe ber italienischen Regierung bies mitgeteilt, sowie unter Überreichung eines Stabtplanes von Abbis Abeba nachdrücklich gefordert, daß bie Kommanbeure an ber Front hiervon oerftänbigt würben. Die amerikanische Regierung erwarte, baß man amerikanisches Eigentum respektiere; sie glaube, baß banach beim italienischen Front- fommanbo fein Zweifel Darüber bestehen könne, welche Plätze unter keinen Umständen angegriffen werben bürfen.
Keine wesentlichen Veränderungen aus dem Kriegsschauplatz
A b b i s 21 b e b a , 8. Okt. (DNB.) Nach abeffini- schen Melbungen haben sich befehlsgemäß bie abessinischen Truppen sowohl auf ber Norb- als auch auf der ©übfront vom Feinbe gelöst. Im Norben schreitet bie Vorwärtsbewegung italienischer Truppen westlich bes Takase-Flusses fort. In ber Provinz Tigre würbe 21 f fum von b en Italienern genommen. Die langsam auf Tekelearnirnanot vorgehenben Italiener stehen drei Kilometer südlich von Abi- ar a t. Im Gebiet des M u s s a Ali sind keine Truppenbewegungen festzustellen.
An ber Somalisront rücken die italienischen Truppen in zwei Richtungen vor. Ausgehend von ihrer Basis in Dolo bewegen sie sich gegen ben Canale-Doria-Fluß. Die zweite Vormarsch, linie geht von Gorahai-Walwal in ber Richtung auf Sassabaneh. In biefem Abschnitt würbe Ado von italienischen Streitkräften am Montag besetzt. An ber ©übfront herrscht hauptsächlich Flie- gertätigfeit.
Abessinische Melbungen von ber Norbfront besagen, baß Massenüberläufe eingeborener Eritrea-Truppen nach Abessinien begonnen haben. Im Gebiet von Makale gingen 50 Eritrea-Askaris unter Führung ihres Vorgesetzten zu ben Abessiniern über unb brachten Kanonen unb Maschinengewehre mit. Ein ähnlicher Uebertritt erfolgte bei Agarne, wo 200 eingeborene italienische Soldaten mit Maschinengewehren übertraten. Von zuständiger Seite wird mitgeteUt, daß die belgische Regierung den hier weilenden belgischen Ausbildungsofsizieren die Erlaubnis erteilt hat, in Abessinien zu bleiben. Die Offiziere werden die Ausbildung ber abessinischen Polizei übernehmen.
Der italienische Heeresbericht.
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Rom, 8. Okt. (DNB.) lieber den Fortgang der italienischen Operationen in Abessinien besagt der am Dienstagmittag ausgegebene amtliche Heeresbericht u. a.: „Im Verlauf des 7. Oktobers haben bie Truppen die jenseits von Adua besetzten Stellungen aus gebaut unb bie Verbindungslinien unb ben Zubringerbienst organisiert. Zahlreiche Pionierab- i teilungen unb eine große Anzahl Arbeiter haben die rück w ä rfigen Verbindungen derart in- i standgesetzt, daß die Kraftwagenkolonnen bereits regelmäßig bis an die Front herankommen können. ; Sin Gegenangriff auf Om-Ager wurde von den aus den Grenzgebieten von Tessenei stammenden Askaris zurückgefchlag e'n."
Französische Truppen zum Schuh der Eisenbahn.
Paris, 9. Okt. (DNB. Funkspruch). In Djibuti ist eine französische Truppenabteilung von 43 Offizieren unb 1000 Mann eingetroffen. Weiter ist eine Abteilung von 200 französischen Kolanialsalbate» mit Maschinengewehren in Direbaua eingetroffen, um nötigenfalls ben Schutz ber Angestell» ten ber französischen Eisenbahnlinie zu übernehmen.


