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Nr. 2,0 Drittes Blatt

Eichener Anzeiger (Generai-Anzelger rur Gveryeüen»

Montag, <). September 1955

Aegimentsseier des ehem Res.-Zni -Regis. 224

Zum zweiten Male feit dem Weltkriege fanden sich die Ängehörigen des früheren Reserve-J n- fanterie-Regiments 224 am Samstag und Sonntag zu einer Wiederfehensfeier in Gießen zusammen. Am Samstagnachmittag trafen aus allen Gauen des Reiches bereits etwa 600 Kameraden ein, deren Zahl sich am Sonntag noch wesentlich vermehrte.

Der Vegrüßungsabend am Samstag,

der im Schützenhaus abgehalten werden sollte, mußte, da sich diese Räume für die vielen Besucher als viel zu klein erwiesen, in den Saal des Cafe Leib verlegt werden, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Die gegenseitigen Begrüßungen der alten Kameraden, die sich teilweise seit dem Kriege nicht mehr gesehen hatten, war außerordentlich herzlich und zeugte von echter Kameradschaft.

Rach einigen flotten Märschen, zunächst im Schützenhaus, dann im Cafe Leib, sowie dem Ein­zug der Fahne, begrüßte Kamerad Hofmann (Offenbach a. M.) die zahlreich erschienenen Kame­raden, insbesondere den Oberführer beim Obersten Stab der SA., Kamerad Schütze, München, Ma­rinepfarrer Haupt (Kiel), ehemaliger Dwisions- pfarrer der 48 RD., sowie die Vertreter des hie­sigen Soldatenbundes, der 222er, der 118er und des Bundes der 88er Herborn. Hierauf sprach

EA.-Oberführer Kam. Schütze, München,

Er sagte u. a.: Jeder ehemalige 224er habe es als Pflicht, aber auch als Freude empfunden, an dieser zweiten Wiedersehensfeier teilzunehmen. Bei dem ersten Treffen sei die Begeisterung nicht so groß gewesen, weil damals die Zeiten sehr trüb ge­wesen seien. Der Redner gedachte dann der Ge­fallenen des Weltkrieges (die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden) und betonte, daß echte Kameradschaft ewig wach bleibe. Es sei Pflicht jedes einzelnen Kameraden, den Mitmenschen echte Kameradschaft vorzuleben. Der Frontsoldat erin­nere sich in besonderem Maße all der Erlebnisse, die Begeisterung in seinem Herzen entflammt hät­

ten. Man solle nur das Gute und Schöne aus all diesem Erleben im Gedächtnis behalten. Daß wir heute mit Zuversicht in die Zukunft schauen könn­ten, verdankten wir unserem Führer. Der Frontsoldat müsse das Letzte hergeben für Führer, Volk und Vaterland.

Der hierauf von Kamerad Gg. Schubert, Frankfurt a. M., zu Gehör gebrachte, selbst ver­faßte Vorspruch:Ein Sturmwind brauste über unter Vaterland" verfehlte seine Wirkung nicht. Rach einem weiteren Musikvortrag hielt

Marinepfarrer Haupt, Kiel,

der vor einigen Jahren in Gießen für den Evan­gelischen Bund wirkte, die Hauptrede. Er führte u. a. folgendes aus: Wer fern von seiner Hei­mat sei, den treibe schließlich doch die Heimatsehn­sucht nach Hause. Hier angekommen, merke man, daß vieles fremd geworden sei. Man habe das Gefühl des Fremdgewordenseins, des Verlassen­seins. Und doch sei die Heimat noch da. Das Le­ben sei sehr wechselvoll, das hätten auch die alten Soldaten erleben müssen, die sehr wechselvolle Bil­der im Weltkrieg und auch in der Nachkriegszeit gesehen hätten. Der Redner sprach dann von der Zusammenstellung der 224er, von den furchtbaren Kämpfen und Verlusten des Regiments in Frank­reich, besonders aber in Rußland. Er erzählte von dem Erleben da draußen, von den ernsten und von den frohen Stunden. Er kam dann auf die Nach­kriegszeit zu sprechen, erwähnte die Besetzung des Rheins und die langen Jahre der Schmach, m denen der Ruf ertönte:Deutschland wach auf". Dann sei ein Wunder geschehen. Der Ewige habe uns den Mann gegeben, der uns wieder auf die Beine geholfen habe. Die Welt wechsele, die Men­schenseele nicht. Das zeige sich auch bei dem dies­jährigen Kameradschaftstreffen. Die alte Kame­radschaft bleibe, der alte Kamerad von 224 lebe. Was die Kameraden im Weltkrieg erlebt hätten, müsse bei ihnen lebendig bleiben.

Der Führer sei im Weltkrieg geboren, der unbekannte Soldat.

Deutschland müsse leben, denn der Führer sei Deutschland.

Das begeistert aufgenommene Sieg-Heil des Red-

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Gefallenen-Ehrung am 116er-Denkmal.

Der Vorbeimarsch. (Aufnahmen |2]: Photo-Pfaff, Gießen.)

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ners galt dem Führer. Es folgten das Horst- Weffel-Lied und das Deutschlandlied.

Ö?r wettere Verlauf des Abends.

Anschließend übermittelte Kamerad Schlier­bach, Jena, von der dortigen Ortsgruppe die Grüße und Glückwünsche zur Wiedersehensfeier und überreichte eine Fahnenschleife. Kamerad Schir­mer, Erfurt, berichtete über die Gründung der 1. Vereinigung der 224er in Erfurt, sowie über das dort errichtete Ehrenmal ehemaliger 224er. Er be­dauerte, daß in Hessen, wo der Haupttrupp der 224er liege, so spät eine Organisation habe durch­geführt werden können, brachte aber seine Freude über den jetzigen günstigen Ausbau der Vereinigung in Hessen zum Ausdruck.

Der Vertreter der Vereinigung ehemaliger 222er, Kamerad Wagner, übermittelte deren Grüße und Glückwünsche und überreichte ein Bild aus Deutsch­lands größter ZeitHindenburg und Hitler"

Kamerad Dr. Krüger dankte für die Ehrungen und betonte, Frontkameradschaft, Frontgeist und Frontgesinnung dürften niemals untergehen.

Hierauf fand ein interessanter Lichtbildervortrag von Kamerad Hch. Götte, Frankfurt a. M., ehern. MGO. beim Stabe, statt. Die Bilder, die das Front­erlebnis, sowie Land und Leute in bester Weise veranschaulichten, riefen bei den alten Frontsoldaten manche schmerzliche, aber auch manche schöne Er­innerung wach.

Im Laufe des Abends sprach noch Kamerad Müller, als Vertreter des Gießener Soldaten­bundes. Er lobte die treue Kameradschaft der hie­sigen 224er innerhalb des Soldatenbundes und be­tonte, daß der Geist der 224er vorbildlich fei.

Die Gefallenen-Ehrung am Sonntag

Am Sontagvormittag traten die ehemaligen 224er bataillonsweise auf Oswaldsgarten an und mar­schierten dann mit Musik durch den Horst-Wessel- Wall, Hindenburgwall, Hitlerwall. Senckenberg­straße nach dem Landgraf-Philipp-Patz, wo am Ge- sallenen-Denkmal der 116er eine Ehrung der toten Kamerad en stattfand Die Feier wurde eingeleitet mit dem ChoralEin feste Burg ist unser Gott". Hierauf hielt Kamerad Pfarrer Trapp, Gießen (ehemals 3.Z224), die Gedächtnisrede. Er

führte u. a. folgendes aus: Die Vormittagsstunde gelte einer ernsten Gedenkfeier, sie gelte den für das Vaterland Gefallenen. Die Wiedersehensfeier der Kameraden von 224 gebe Gelegenheit, sich wie­der zu finden; sie fänden ein Stück Heimat, das alle umschließe. Die ganze Zeit des Weltkrieges werde heute wieder lebendig, aber auch die schwere Zeit nach dem Kriege. Bei der ersten Wiedersehens­feier seien die Verhältnisse sehr trübe gewesen. Da­mals habe das Bestreben bestanden, aus der Schmach herauszukommen. In hieser Feierstunde müsse vor allem des Mannes gedacht werden, der uns aus Schmach und Not wieder herausgehoben habe. Man dürfe aber auch die Kraft des Glaubens nicht vergessen, die uns im Weltkrieg geschenkt worden sei. Der Kampf gehe nicht um irdische, son­dern um große, heilige Güter. Gott habe uns im Weltkrieg die Kraft gegeben. Der Redner gedachte dann der Gefallenen des Weltkrieges, sowie des verstorbenen Generalfeldmarschalls von Hinden­burg, der durch seinen Glauben eine Welt über­wunden habe. Er betonte dann die Verbundenheit mit den toten Kameraden. Sie seien gestorben, da­mit Deutschland leben könne.

Die Musik spielte das Lied vom guten Kamera­den Anschließend legte Kamerad Pauli (Stein­bach i.T.) namens der ehemaligen 224er einen Kranz am Denkmal nieder. Er gedachte dabei der ge­fallenen Kameraden und der Opfer der national­sozialistischen Bewegung, die ihr Leben hingegeben haben für ein geeintes Deutschland. Namens der SA.-Standarte 224 und der SA.-Reserve 224 legte Obersturmbannführer M ü n k e r, Adjutant der SA.-Standarte 116, Gießen, ebenfalls einen Kranz nieder. Mit dem ChoralIch bete an die Macht der Liebe" schloß die erhebende Feier.

Der AuEang.

Die Teilnehmer marschierten bann zum Oswalds­garten, wo ein Vorbeimarsch der alten Front­soldaten stattfand.

Am Nachmittag trafen sich die Festteilnehmer im Saale des Cafe Leib zu einem kameradschaftlichen Beisammensein. Neben musikalischen.Darbietungen, gemeinsamen Liedern und Vorträgen eines 'Ge­sangquartetts, erfreuten Kl. Wenner und Kl. Sommerlad durch Tänze und Dialektvorträge. Abends fand noch ein Familienabend in gleichem Saale statt.

Oer große Kardinal.

Zu Richelieus 350 Geburtstage.

Von Dr. Karl Heidemann.

Große Staatsmänner sind in unserem engen europäischen Raum immer auch Schicksalsträger des ganzen Erdteils gewesen. Dreihundertfünfzig Jahre sind am 9. September vergangen, seit jener Mann geboren wurde, der für Frankreich, fast mehr noch für das Deutsche Reich zum Schicksal wurde. Sein Schatten lag auf uns, bis Bismarck das für Deutschland außenpolitisch tat, was der große Kar­dinal für Frankreich vollbracht hatte. So stark war seine geistige Bedeutung für Frankreich, daß seine Innen- und Außenpolitik, ihrem Wesen nach noch jetzt von den besten Köpfen Frankreichs getreulich als Erbe verwaltet wird, wenn sich auch die Kraft­linien verlagert haben.

Richelieu stammte aus einem nicht sehr rei­chen Adelsgeschlecht, dessen Besitzungen in Poitou lagen. Durch Familienverbindungen stand die Fa­milie aber dem Thron sehr nahe, und sie hatte außerdem das nicht sehr reiche Bistum von Lucon als Familienlehen. Ein brennender Ehrgeiz lag in dieser Familie, und ihr größter Sproß, der stüh zum geistlichen Stande eben als Verwalter des Bis­tums Lucon bestimmt wurde, sollte diesen Ehr­geiz in fruchtbarer aber auch schmerzlicher Weise erfüllt sehen. Ein Staatsmann, mit der reichsten Begabung zum Politiker, ausgerüstet mit dem sublimsten Rüstzeug der Diplomatie jener Tage, be­sessen von seiner Aufgabe, aber immer hart am Rande des Abgrundes, des tiefften Sturzes, unter einem unbedeutenden König, mit einem schwächlichen Körper, der oft von Fieberanfällen heimgesucht wurde, doch ein Kriegsmann und Kämpfer das war der Kardinal von Richelieu. Zur Zeit seines Wirkens, als Deutschland sich an der Wunde des dreißigjährigen Krieges verblutete, war er der Her­auf bringe r einer neuen Zeit, der Zerstörer der mit­telalterlichen Formen und Schöpfer des Absolutis­mus. Ludwig XIV. steht auf feinen Schultern, die Zeit des Sonnenkönigs in ihrer geistigen Blüte und Ausbildung des typisch französischen Geistes hat in ihm den Vorläufer und zugleich genialsten Ver­treter.

Richelieus Jugendzeit steht noch unter dem Glanz jenes freien, großen, heiteren Königs, Heinrichs IV., in dem sich das ritterliche Frankreich noch einmal verkörperte. Mit dem Tode Heinrichs durch Mör­derhand brach die Entwicklung ab, stürzte Frank­reich wieder in die Wirren des Bürgerkrieges, den es im 16. Jahrhundert bis zur Neige ausgefoftet hatte. Die Gattin Heinrichs IV., Maria von Medici, die so stolz war auf ihr habsburgisches Blut, steuerte wieder in spanisch-habsburgisches Fahr­

wasser. Hoffnungslos lag das geschwächte Frank­reich zwischen diesen Gewalten. Die. Hugenotten bil­deten einen Staat im Staate, hatten die festesten Plätze inne, die Großen fronbierten gegen die Krone, der Staatsschatz wurde vergeudet. Der Thronerbe, Ludwig XIII., war ein Kind und in seinen Anlagen seinem großen Vater so unähnlich.

Auf nicht immer geradem Wege stieg der junge Bischof von Lucon von Stufe zu Stufe hoher, wurde durch die Mediceerin emporgehoben, ging in die Verbannung und verzehrte sich im Warten, bis seine Stunde kam. Als er aber dann unter dem jungen König das Staatsruder in die Hand nahm, faßte er zugleich zwei Probleme an, die jedes für sich fast übermenschlicher Klugheit und höchster Schicksalsbegünstigung zu ihrer Lösung bedurften. Er brach die Hugenottenfeste La Rochelle am Atlan­tischen Ozean im Kriege gegen den inneren Feind und England zugleich und griff gleich darauf das habsburgische Weltreich in Italien, an dem Punkte, wo Oesterreich und Spanien zusammenwirkten, an. Er beseitigte die Glaubensspaltung um der politi­schen Einheit willen und gab dem Könige alle Macht, führte die katholische Gegenreformation durch und stützte zu gleicher Zeit die protestanti­schen Gegenspieler der Habsburger in Deutschland und den Niederlanden. König Gustav Adolf von Schweden, Bernhard von Weimar, der Dränier waren seine Verbündeten, und ihre Glaubensge­nossen ließ er in Frankreich hinrichten.

Doch hatte er das Gefühl des großen Staats­mannes für die Grenze, bis zu der man den Bogen spannen durfte, und die Maßlosigkeit, an der Lud­wig XIV., Napoleon, Clemenceau scheitern sollte, widersprach seinem innersten Wesen. Darum wurde sein Wirken so verhängnisvoll für Deutschland. Richelieu zerstörte von Grund auf die Ansätze für ein straffes Staatswesen, die noch in Deutsch­land vorhanden waren, indem er zugleich Frank­reich jenen ungeheuren Vorsprung verschaffte, den wir erst 1871 einholen konnten. Richelieu zielte nach dem Rhein und auf Straßburg. Richelieu nahm wieder machtvoll die alte Ueberlieferung Frankreichs vonCharlemagne", dem französisch verfälschten Karl dem Großen auf. In seiner gro» ßen Denkschrift aus dem Jahre 1629 an Lud­wig XIII. erhebt er den französischen Königzum mächtigsten Monarchen und angesehensten Fürsten der Welt" oder in einer Denkschrift aus dem Jahre 1632 zumOberhaupt aller katholischen Fürsten der Christenheit und dadurch zum mächtig­sten Herrscher der Welt". Aber der König solle sanft" undverdeckt" verfahren. In diesem Punkte war Ludwigs XIV. Politik falsch und verhängnis­voll für Richelieus Ziele.

Es war eine neue Zeit, die der Kardinal für Frankreich und Europa heraufführte. In Frankreich wurden die mittelalterlichen Formen gewaltsam terftört und das Königtum zu jener Institution er­

hoben, die bis in die letzte Bauernhütte unum­schränkt wirkte. Zugleich wurde aber damals schon der Keim zur französischen Revolution gelegt, die der Übersteigerung der Königsgewalt notwendig folgen mußte. In Europa wurde die spanisch-öster­reichische Vorherrschaft endgültig gebrochen und Frankreich an die erste Stelle im Rat der Völker gebracht.

Niemand besaß so jenen Spürsinn für kom­mende Dinge wie der Kardinal, der in den leisesten Erschütterungen mit seherischem Blick die großen Ereignisse vorausahnte. Nietnand hat so das Hand­werk der Diplomatie mit Meisterschaft beherrscht. Niemand ging so zwischen dem Henkerbeil und königlicher Gunst wie Richelieu. Er mußte Blut­urteile herbeiführen, er riß den König von seiner Mutter und schickte die Mediceerin, die ihm zur Macht verhalfen hatte, in die Verbannung, als sie Frankreichs Wohlfahrt im Wege stand. Er war hart und ohne Rücksicht, ohne Dankbarkeit und Milde, aber er konnte sein Werk vollenden. Er selbst be­stimmte noch feinen Nachfolger Mazarin, als er 1642, verhältnismäßig jung, nach elf Jahren unbe» schwerten Wirkens sich zum Sterben hinlegte. Aber die kurze Spanne hatte ihm genügt, Frankreich bis dicht vor das Ziel der höchsten Wünsche zu führen.

Große Männer sind stets der höchste Ausdruck eines Volkes, das sie zur Zeit seiner Reise hervor­bringt und durch sie in der Welt wirkt. Richelieu war der größte Staatsmann Frankreichs, und sein Erbe ist jetzt noch nicht erschöpft.

Holz im Kraftwagen.

Von Dr. Liener, Berlin.

Unterstützt durch bedeutsame Maßnahmen der Reichsregierung wie Steuererleichterungen, Verbes­serung des Straßennetzes und Schaffung der Reichsautobahnen find Erzeugung und Ab­satz von Kraftwagen in den letzten zwei Jahren sprunghaft gestiegen. Die Neuzukassungen haben sich gegenüber 1932 mehr als verdrei­facht. 1932 wurden an Personenkraftwagen, Last­kraftwagen und Kraftomnibussen 48 148, 1934 dagegen 154 520 neu zugelassen. Die Zahlen haben sich im laufenden Jahre weiter beträchtlich erhöht.

Mit dieser zunehmenden Motorisierung Deutsch­lands gewinnt die Frage der T r e i b st o f f ver­so r g u n g immer größere Bedeutung. Bisher muß­ten wir zwei Drittel unseres Verbrauchs an flüs­sigen Treibstoffen aus dem Ausland beziehen. Im Jahre 1934 wurden für die Einfuhr an Benzin und Benzol 73 bis 78 Millionen Reichsmark aus- gegeben, wovon 63 Millionen Reichsmark allein auf Benzin entfallen. Um uns nun unabhängig vom Auslande zu machen, gibt es zwei Wege: einmal durch Herstellung und Gewinnung der aus dem

Ausland bezogenen Treibstoffe im Jnlande. Das würde z. B. Ausbau der eigenen Erdölindustrie, Förderung der Herstellung von künstlichem Benzin bedeuten, wie es in allerneuester Zeit durch Sen­kung der Mineralölsteuer von 3,80 RM. auf 1 RM. je Doppelzentner geschehen ist. Daß auf diesen Gebieten schon Fortschritte erzielt worden sind, geht aus der Gegenüberstellung des Verbrauchs an leichten Treibstoffen in den Jahren 1933 und 1934 hervor, wonach die verbrauchte Gesamtmenge 1934 um 15 v. H. größer mar als 1933, der Ver­brauch an inländischen Erzeugnissen aber um 25 d. H. gestiegen ist. Eine weitere Möglichkeit der Ver­sorgung mit Treibstoff liegt in der Verwen­dung von nichtflüssigen Treib st offen, für die eine ausreichende einheimische Rohstoffgrund­lage vorhanden ist. Die wichtigsten dieser Treib­stoffe sind: Holz, Gas, Elektrizität und Wasserdampf.

Der Rohstoff für die Wagen mit Holzgas- a n t r i e b besteht aus Abfallholz jeder Art, am besten find jedoch Harthölzer, wie Buchenholz, ge­eignet. Das Holz wird im Wagen selbst in einem eigens dafür hergestellten Generator verarbeitet. Seine weiteren Vorzüge bestehen in der leichten Vergasbarkeit, da es wenig Asche und keinen Schwefel enthält, vor allem aber in der Billig­keit. Einem Verbrauch von 2 bis 2,5 Kilogramm Holz entspricht der Verbrauch von einem Liter Ben­zin, wobei dem Holzpreis von 5 Pf. ein Bsnzin- prei? von 35 Pf. gegenübersteht. Die U m b au- ko st e n für Lastwagen, für die Holzgasantrieb in erster Linie in Frage kommt, betragen bei einer Motorenstärke von mehr als 5 PS etwa 1400 bis 1600 RM. je nach der Größe des Generators, für schwächere Motoren stellt sich der Preis auf unge­fähr 600 bis 800 RM. Die Holzmenge, die im Ge­nerator mitgeführt werden kann, reicht für eine Wegstrecke von etwa 150 Kilometer. Zur Zeit laufen in Deutschland bereits etwa 1300 Wagen mit Holz­gasantrieb.

Der Verwendung von Holz als Antriebsmittel wird durch staatliche Maßnahmen wesentlicher An­reiz gegeben. In Preußen können Privatpersonen und gemeindliche Stellen auf Antrag wesentliche finanzielle Beihilfen für Neuanschaffung von Wagen mit Holzgasantrieb bekommen; auch für den Umbau alter Fahrzeuge, die bisher mit flüssigem Treibstoff gespeist wurden, können Zu­schüsse gewährt werden. Weiterhin wird die Errich­tung von Holzgastank st eilen gefordert. Un­ternehmer, die solche Tankstellen errichten wollen, erhalten von der Forstverwaltung größere 5) oh« menaen zum halben Marktpreis zugewiesen. Die Tankstelleninhaber müssen sich demgegenüber Der* pflichten, eine Mindestmenge generatorgerechtes luft­trockenes Holz vorrätig zu halten, das zu dem Preis von zur Zeit 3 Pf. je Kilo abzugeben ist. Die gün­stigen volkswirtschaftlichen Auswirkungen dieser Maßnahmen liegen auf der Hand