Nr.M Dritter Blatt
5reitag, 9. August 1955
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Um dem Uebelsland der mangelhaften
Unter-
Aus der Provinzialhauptstadt
unter der Erde.
N Die öeutfthe flrbeitofront n.9.=6emcinfchafl .Kraft öurdi freute"
all diesen Aufgaben sei Geld, Geld und nochmals Geld erforderlich. Er bezifferte die erforderliche
Summe auf 70 000 bis 80 000 Mark.
Um die Finanzfrage einer weiteren Klärung zuzuführen, find im Zusammenhang mit dem erwähnten Artikel Derns die Mitglieder des VHC. aufgefordert worden, auf einer Zeichnungskarte dem Ge
samtvorstand mitzuteilen, in welcher Höhe sie zur Finanzierung des Projektes beizutragen gedenken.
Mit diesem Fragenkomplex beschäftigte sich eine Sitzung des erweiterten Vorstandes des VHC., die am gestrigen Donnerstag im Klubhaus auf dem Hoherodskopf unter Leitung des Führers des Gesamtvereins, Dr. Bruchhäuser- Ulrichstein, stattfand und zu der auch die Gauobmänner, sowie die Vertreter von Zweigvereinen er-
Kein Platz dürfte für ein Sommerfest, ein Fest der Volksgemeinschaft, geeigneter sein. Die NS. - Ge» meinschaft „Kraft durch Freude" berichtet, daß sie im Vorjahre mit 600 bis 700 Besuchern gerechnet hatte — über 2500 Personen waren damals in Kloster Arnsburg. Es ist das Schöne, daß in Arnsburg Gebäude und Hof groß angelegt sind. Trotz der starken Besucherzahl konnte man im Vorjahre nicht von einer Ueberfüllung reden.
Einen besonderen Anziehungspunkt wird in diesem Jahre das vom Gießener Stadttheater aufgeführte Lustspiel „Waldfrieden" von Ludwig Thoma jein. An der großen, grünen Wand im inneren Hof ist eine kleine Freilichtbühne aufgeschlagen. Dort wird eines der fröhlichsten Bauernspiele von Ludwig Thoma alle Zuschauer entzücken. Die gesamte Standartenkapelle unter Leitung von Pg. Her-
Der Zug fährt in Gießen ab 22.55 Uhr.
Die Rückfahrt erfolgt am 21. August abends vyn Hamburg um 19.53 Uhr; so daß die Teilnehmer am 22. August um 5.48 Uhr wieder in Gießen ein-
Urlaubszug Tlorbfee (Norwegen) vom 14. bis 22. August.
Die Fahrkarten zu dieser Fahrt können in den
Labyrinthe, und der Tag kann nicht lang genug sein, um alles das zu erleben und zu genießen, was da plötzlich aus dem Erdenschoß ans Licht drängt.
Wunder des Erdenschoßes! Ja, das ist wohl der richtige Ausdruck für das, was sich den Kindern darbietet, und was sie immer wieder hinzieht zu den Sandbergen und Erdhöhlen, obgleich die Mutter oft recht böse mit einem „Junge, wie siehst du wieder aus!" dazwischenfährt.
Sollen wir die Kinder wirklich schelten, wenn sie im Glück dieses aufgelockerten, aufgewühlten Straßenzustandes übermütig werden? Wenn sie nach Herzenslust auf den Sandbergen ihr kindliches Spiel treiben? Ist es wirklich nur kindliches Spiel, das sich uns darbietet? Ist es nur die Abwechselung, nur die Unordnung, nur das Anderssein, das die Kinder lockt? Liegt nicht vielleicht m diesem kindlichen Spiet" ein ganz tiefer Sinn?
Wir in den Städten müssen einmal darüber nach-
Oie aufgerissene Straße.
In unserer Straße wird „gebuddelt". Wir Erwachsenen ziehen mißmutig die Stirn kraus, denn nichts ist unangenehmer für uns „Große", als wenn sich ein Dutzend kräftiger Arbeitsmänner daran machen, das Straßenpflaster oder das Pflaster des Bürgersteigs in Besitz zu nehmen, und nun alles „in Ordnung" zu bringen, was vor kurzem noch so glatt und eben und sauber und bequem dalag. Es entstehen tiefe Gräben, die mit schwankenden Brettern überdeckt werden. Man muß an den Häusern entlang schleichen, sich gegenseitig mühsam ausbiegen; man gelangt nicht ohne Turnerei zum gewohnten Briefkasten; Erdhaufen und Sandhügel erheben sich dort, wo man auf die Straßenbahn warten muß; lange Reihen von Tonröhren versperren den Weg zum Einholen und Einkäufen; kurzum: es ist ein Kreuz, wenn das Graben und Schaufeln tage- oder gar wochenlang kein Ende nehmen will, und besonders bei Regenwetter, die „Ijalbe Straße" an den Stiefeln und Schuhen klebt.
Wie anders aber die Kinder! Gibt es für die
Inge Birkmann.
Die sentimentale nnd jugendliche Heldin des Stadttheaters.
Ais Ergebnis der Beratungen kam man ZU dem Entschluß, die hausbau-Frage mit aller Tatkraft weiter zu verfolgen, da man der lleberzeugung ist, mit der Verwirklichung dieses Gedankens dem Verkehr im Vogelsberg und zugleich der heimischen Wirtschaft förderlich zu sein.
In Kürze wird, wahrscheinlich in Gießen, eine neue Sitzung des erweiterten Vorstandes stattfinden, in der man endgültige Entschlüsse zu fassen beabsichtigt und in der auch der Zeitpunkt einer außerordentlichen Hauptversammlung des Gesamtvereins festgelegt werden soll. Diese außerordentliche Hauptversammlung wird wahrscheinlich im Spätherbst in Gießen abgehalten werden.
Ein neuer$üf)rer durch denVogelsberg.
denken. Wir müssen einmal mit Kinderaugen durch die Straßen unserer Städte gehen. Wir müssen einmal gesehen haben, daß es für die Kinder schon eine Seligkeit bedeutet, wenn auf dem Bürgersteig nur ein schmaler, kaum ein Meter breiter Streifen des Steinpflasters aufgerissen wird, um eneuert zu werden. Denn wenn wir genauer Hinsehen, wenn wir unsere Blicke die Straße hinauf- und hinab
schweifen lassen, dann sehen wir nämlich plötzlich, wie alles, was wir sehen und mit unseren Füßen betreten, nur Stein, Stein, Stein ist! Die Erde, den Boden, wie ihn uns die Natur schenkte, sehen wir gar nicht mehr! Nur dort, wo der schmale Streisen aufgerissen ist, nur dort quillt urplötzlich die Erde hervor!
Bisher ist es dieses Hervorquellen der Erde, das die Kinder suchen, dieses Urelement Erde, nach dem sie sich zurücksehnen, und das ihnen bis dahin verwehrt wurde, weil wir nun einmal in der Stadt gepflasterter Straßen und gepflasterter Wege bedürfen. v .
Lassen wir drum geduldig die Kinder diese Erde suchen, dieses Paradies, aus dem wir Städter bereits vertrieben wurden... F. B
Das Klubhaus des DHL. auf dem Hoherodskopf
Um die Finanzierung eines Erweiterung«!- oder eines Neubaues. Ein neuer Führer durch den Vogelsberg.
bringungsmöglichkeit der Besucher des hohe- rodskopfes gründlich abzuhelfen und dabei auch den nach dem Autoftrahenbau im Oberwald mit Recht zu erwartenden stärkeren Verkehr mit steigendem Besuch des hoherodskopfes Rechnung zu tragen, soll nach der Ansicht des Gesamtvorstandes des VHE. das Klubhaus in umfassender Weise erweitert und neugestaltet werden, ohne daß man aber etwa einen nicht in die Landschaft passenden Prachtbau errichten wollte.
Auf der Hauptversammlung in Lich wurde von einem zeitgemäßen Anbau an das Klubhaus gesprochen, durch den Raum für 30 Betten für Pensionäre und länger Aufenthaltnehmende, ferner für 30 Betten für Skisportler geschaffen werden sollte. Weiter wurde erwähnt, daß man an einen' vom Hause abliegenden Autoparkplatz gedacht habe, durch den insbesondere die großen Autobusse von dem Hause ferngehalten werden würden. Als Bausumme — ohne die Inneneinrichtung — wurde in Lich ein Betrag von 40 000 Mark genannt.
Mittlerweile ist in der Monatsschrift des VHC. „Der Vogelsberg", Nr. 8 vom August 1935, ein längerer Aufsatz von Ludwig Dem (Offenbach) als „ein offenes Wort an alle wahren VHCer" veröffentlicht worden, in dem die Klubhaus- Frage eingehend erörtert wird. Ludwig Dem bemerkt in diesem Aufsatz u. a., bei der Neugestaltung solle die freie Halde auf dem Hoherodskopf unverändert bleiben, auch eine Erweiterung des Jägerheimes oder ein Bebauen des eingezäunten umgebenden Platzes unter keinen Umständen in Frage kommen. Ebensowenig sei nach dem Urteil von Kennern an einen Ausbau des alten Klubhauses zu denken, da das Haus nicht unterkellert ist und die Balken im Untergeschoß durchweg nicht mehr einwandfrei seien. Auch der Plan einer Verbindung des neuen und des alten Klubhauses zu einem Ganzen oder der Anbau einer Glasterrasse entlang der Westwand des Altgebäudes werde hinfällig.
Der» spricht bann von einem Neubau unb betont, baß bie Sachverstänbigen zu einem Neubau raten: „so auch Architekt 3 ü n g ft aus Frankfurt a. 2H., bet im Auftrag bes Reichs- verbanbes Deutscher Jugendherbergen bas Vater- Venber-Heim auf ber herchenhainer höhe umgebaut hatte unb in solchen Bauten langjährige Erfahrungen besitzt." Weiterhin wirb von Lubwig Bern betont, wenn griinbliche Arbeit geleistet werben solle, bann müsse auch bie Wasserversorgung neu geregelt werben, unb zu
Einer der wichtigsten Beratungsgegenstände auf der diesjährigen 54. Hauptversammlung des Vogelsberger Höhen-Clubs am 16. Juni in Lich war die Frage eines Um- und Erweiterungsbaues des Klubhauses auf dem Hoherodskopf im Zusammenhang mit dem Autostraßenbau der Provinz Oberhessen durch den Oberwald. Die räumliche Unzulänglichkeit des jetzigen Klubhauses wird — mit Recht — schon seit langer Zeit von den VHCern und den übrigen Besuchern des Hoherodskopfes, besonders auch von Freunden des Wintersportes, außerordentlich unangenehm empfunden. Unter diesem Zustand leidet nicht nur der jeweilige Besucher, sondern nicht minder auch — und das ist noch viel wichtiger — das Interesse weiter Bevölkerungskreise am Besuch unseres Vogelsberges überhaupt und damit natürlich das Wirtschaftsleben im Kreise Schotten, der ohnehin als Notstandskreis bekannt ist, darüber hinaus aber auch das Wirtschaftsinteresse der gesamten Provinz Oberhessen.
treffen.
Sonntag, den 25. August: Sonberzug nach Heidelberg.
Fahrpreis einschließlich Mittagessen 5 RM. Vetriebswanberwarte!
Am Sonntag, den 11. August, findet in Kloster Arnsburg ein großes Sommerfest statt. Wanderungen an diesem Tage sind nach Kloster Arnsburg zu verlegen und so einzurichten, daß die Gruppen in den frühen Nachmittagsstunden eintreffen.
Das Sommerfest
ber NS. - Gemeinschaft „Kraft burch Freude" in Kloster Arnsbprg.
Man kann sich kaum ein schöneres Fleckchen Erde in ganz Oberhessen denken, als Kloster Arnsburg.
Stadtkinder etwas Schöneres und Herrlicheres, als wenn in der Straße alles drunter und drüber geht? Wenn das langweilige Einerlei endlich einmal abgelöst wird von wilder Romantik? Da geht es sofort auf die Sandhaufen, aus denen trutzige Burgen entstehen. Da gibt es Entdeckungsfahrten unter der Erde. Da gibt es Katakomben und Höhlen unter den Brettern, mit denen die Gräben zugedeckt sind, eben jene fchumnkende Bretter, die Dimststündm" °ü'f dHür°,"Schanzenftrahe 18II, UNS Erwachsenen so viel Kummer bereiten! Da o abaeholt werden.
werden aus Steinen und Röhren geheimnisvolle 3 » fahrt in Gieken ab 22.55 Uhr.
„Ich bin in Bremen am 24. August 1915 geboren. Zu Hause war eigentlich keine rechte Gelegenheit, Gedanken ans Theater aufkommen zu lassen, und als ich mit sechs Jahren gern tanzen lernen wollte, wurde mir sehr vernünftig und ernsthaft ausem- andergesetzt, daß so etwas unpassend sei. Aber dann kam ich 1922 in die Schule und als ich ein paarmal mit „Theater gespielt" hatte, wollte ich unde- dingt Schauspielerin werden. In dem „Krippenspiel", das in unserer Schule zur traditionellen Ausführung wurde, bin ich gewissermaßen alt Qeroor- den. Zuerst habe ick als kleinster Engel die Aus- führung verdorben, dann als jüngster Hirt mit anderen um ein Lagerfeuer gelegen und als Abschluß habe ich den Joseph gespielt und den Steckkontakt in der Strohhütte ein- und ausschalten müssen. Aber all das mit viel Ernsthaftigkeit! Es war denn auch nicht mehr so sehr schwer, die Erlaubnis zu bekommen aus der Unterprima abzugehen, das war im Januar 1933. Ich durfte dramatischen und sprachtechnischen Unterricht nehmen und sogar tm Schauspielhaus in Bremen kleine Rollen spielen. Im Juni 1935 habe ich in Berlin meine Prüfung gemacht. Dann ist es eigentlich schnell gegangen. Auf die Arbeit im Gießener Stadttheater freue ich mich unendlich und bin sehr froh, daß mir eine so große und schöne Aufgabe anvertraut wird!"
Don den weiteren Beratungen des erweiterten Vorstandes ist der Beschluß hervorzuheben, einen neuen, kleinen und handlichen Führer durch .den Vogelsberg mit entsprechendem Karten- schienen waren. Um die Hausbau-Frage entspann 's material herauszuaeben. Der Gesamtoorstanb ist sich eine sehr gründliche Aussprache, in der das Für Herausgeber, die Bearbeitung wird durch oen und Wider nach allen Seiten hin gründlich erörtert Presseausschuß erfolgen. Für ben neuen Führer wurde. list eine Auflage von 3000 Stuck vorgesehen.
in
von
Siebenhundert Lahre Limburger Dom.
Don Ernst von Niebelschüh
Herzensgeschichte. Niemand hat ihrer besonders acht. Eine Geschichte, wie so viele, viele ziemlich gleichgültig ist sie der übrigen Welt. Nur den zwei Menschen, die sie angeht, ist sie alles, alles.
Die arme, kleine Geschichte! Längst im Zeitenstaub ist sie verweht. Regimneter sind über sie hm° wegmarschiert. Kanonen haben sie niedergebrüllt. Sie konnte nicht mehr zum Wort kommen. Wie ein Märchenanfang steht sie jetzt da, mit einer ganz einzigen Zeile: Es war einmal ...
Und niemand kann dies Märchen jetzt zu Ende dichten. Niemand. Nur die Locke weiß es. Und die schläft und schweigt. Die kleine, aurikelbraune Locke der alten Truhe.
Am 11. August wird der Kardinal-Erzbischof Köln die Weihe des wiederyergestellten Domes zu Limburg a. d. Lahn vornehmen, genau siebenhundert Jahre nach dem einzigen uns überlieferten Datum der Baugeschichte, der Altarweihe von 1235, bie aber nicht bie Vollenbung bes vermutlich kaum vor ber Jahrhunbertmitte fertiggestellten Bauwerks bezeichnet. Auch über ben Beginn ber Arbeiten — es hanbelt sich um einen frühgotischen Neubau — finb wir nicht unterrichtet; stilistisch gesehen spricht alles für bie erste Hälfte bes 13. Jahrhunderts, also bie große Zeit, in ber allerorten m Deutschland ber Bauehrgeiz ber Kirchenfursten unb Domkapitel seinen Höhepunkt erreichte.
Dank einer unvergleichlich schönen Lage, mit feiner fiebentürmigen rauhen Bruchstemmasse auf steilem Felsen hoch über ber Lahn thronenb, gehört ber Limburger Dom zu ben bekanntesten, dem Deutschen am meisten ans Herz gewachsenen Bau- jeuaen unserer Vergangenheit; eine Rundfrage mürbe ihm wahrscheinlich bie meisten Stimmen erbringen. .Kunstgeschichtlich ist er ein (Blieb jener weitverbreiteten rheinischen Farnllie von Dom- unb Stiftskirchen, bie nicht mehr romanisch unb noch nicht gotisch finb. S,e sollten jedoch mcht im bem irreführenden Namen „Uebergangsstü belegt werden, wenn man unter „Uebergang" etwas versteht bas seine Erfüllung noch nicht gefunden hat
In Limburg dagegen karm man -m Suchen und Tasten höchstens im Einzelnen beobachten, in ben Bogensormen etwa mit ihrem häufigen Wechsel
Gertraude mag das wohl geheißenhaben. Kaum g,"ocke" eİwe S',’ die durch ? n Kindermärchen schaukelt. Jetzt ist der Nom- zerrissen. Eine tückische Kugel ist durch die rechte Kchen,"wo^nmn^die^sihön"n. schwarzen Jäger meu^st
ber Wachau. Wer kann es heute
nD?J°habe die Truhe umunbumgetramt; sie gab ni2z heraus. Nur ein Stuck von einer Feld. S »och einen zerschlissenen Reiterhandschuh und chn kleines, scharfes ^Sporenrad. Das war dann
Um sie her liegt ein Geheimnis. K-M-s ^s die Gedwiken in Düsternis taucht, Ke - 5161^65, o Bitternis in bie Seele krallt.
ne5, das sch (neuejrnnig- Wie ein dünnes Rosen- Jmmerhin em GeyeimM bie ßode herum.
Oie Locke.
Don Karl Burkert (GDS).
In einer ganz zerwurmten Altvätertruhe, zwischen verschimmelten Büchern unb verblaßten Schriften zwischen einer hornenen Schnupftabakdose unb einem Trommelstock fanb ich etwas Goldenes, Schimmerndes: eine aurikelbraune Locke. Mit einem roten Seidenfaden war sie gebunden. In einen Brief war sie hineingefaltet, in einen Bnef, schon arg Zermürbt vom vielen Herumtragen in einem Waffenrock.
Und der Brief ging so: ..
„Herzliebster Friedrich! Heute Morgen hab ich mir diese Locke abgeschnitten. In wenigen Augenblicken reifet sie zu Dir. Drüben der Postwagen ist schon vor. Die Pferde stehen fertigj im Geschirr, Eilen muß ich schrecklich eilen. Und hatte Dir noch io Dieles m q n sagen. Unb doch erst gestern mein
jy-6 ”S SäJ“- fM“9Dn5BatoLUb!V?CbmJ«nV“ü6C6l SatXb!
Am 4. Erntemonb 1813. @ertrau
von rund und spitz — das Ganze aber ist ein unüberhörbares Bekenntnis zu einer deutschen Sondergotik, wenn man bas Wort „Gotik" hier überhaupt gebrauchen will. Gerabe bas Kennzeichnende ber französisch-gotischen Kathebrale, bas Aufspalten ber tragenben Wanb burch Glas- fenfter in Verbindung mit einem Strebegerüst, gerabe bies fehlt. Was bem Limburger Dom ben Charakter gibt, ist umgekehrt bie gewaltige Mauer- tärte, bie zur Gliederung in bie Masse hinein auf- orbert, als Masse selbst jeboch erhalten bleibt.
Man versuche einen Augenblick, sich ben Limburger Dom in Frankreich, inmitten ber gleichzeitigen Kathebralen von Chartres, Amiens unb Reims vorzuellen — es ist unmöglich. Alles ist anbers, unb worin bas „Anbere" besteht, lehrt wohl am besten ein Vergleich mit ber Kathedrale von Laon, bie bem Limburger Meister zweifellos als Dorbilb gebient hat. Die Gruppierung ber sieben Türme unb ber innere Aufbau in vier Geschossen, bas ist Laon sehr nahe verwanbt. Allein während bie französische Kathebrale ein gestreckter Langbau ist, brängt sich in Limburg alles eng nach ber Mitte zusammen, so baß fast ber Einbruck eines Zentralbaues entsteht. Gerabe in ber Uebernahme gewisser Einzelheiten zeigt ber deutsche Meister seine volle Freiheit unb Selbstän- bigfeit.
Die Wieberstellung, gemeinsam von ber staatlichen Denkmalpflege unb bem Domkapitel durchgeführt, hat sich barauf beschränkt, bas farbige Raumbilb bes 13. Jahrhunberts von jüngeren Entstellungen zu befreien, b. h. moberne Farbschichten zu beseitigen, unter denen die alte Polichromie der Strukturglieder und Wandflächen gut erhalten verborgen lag. Neue mittelalterliche Fresken sind dabei nicht zutage gekommen, aber bie vorhanbenen üben erst jetzt bie beabsichtigte Wirkung aus, zumal ihnen bie Aufhellung bes bisher sehr bunklen Inneren burch neue, meist farblose Fenster sehr zustatten kommt. Von stärkster, magischer Anziehungskraft finb bie sieben neuen, ganz auf ein leuchtendes Blau abgeftimmten Figurenfenster in ben drei Rängen bes Chors, entworfen von bem Kölner Glasmaler Scheuer, ausgeführt von ben Werkstätten ber Firma Schächter in Köln. Zufammen- faffenb ist zu sagen: bie Erneuerung bes Limburger Domes — sie ist in ber Hauptsache ein Werk bes Bonner Architekten Weyres — charakterisiert sich als eine Wiebergutmachung ber Schöben, bie dem Bauwerk burch bie wenig rücksichtsvolle letzte „Wieberherstellung" ber Jahre 1870/71 zugefugt worben sind.
Zeitschriften.
— Im August-Heft der „K u n ft f a m m c r", ber Zeitschrift ber Reichskammer ber bilbenben Künste (Propylaen-Verlag Berlin W 35), schreibt Wil Kelter über bie Frage „Sinb Kunstausstellungen überrounben?" Freb A. Anaermayer erzählt eine Geschichte um ben jungen Leibi, ein großer Bilderartrkel schilbert bie Erzgieherei. Ferner berichtet bas Heft von Büchern, Bibliotheken unb der Papierherstellung, zeigt interessante Beispiele mo. berner Gebrauchsgraphik unb erläutert bie Zubereitung verschiedener „Malgründe". Dazu enthält bas Heft etwa 45 schöne Silber.
Wie es kommt, baß bie weiten Gebiete bäuerlicher Besiedelung im Norben so viel weniger kulturelle Höchstleistungen heroorgebracht haben als in Süd- beutschlanb, zeigt ein Aufsatz „Bauer unb Städter im Spiegel einer biologischen Kulturgeschichte" im Augustheft „Volk unb Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW., Preis 70 Pf ). — Die Frage „Was versteht man unter Keimbahn?" beantwortet L. A. Schlösser an Hanb mehrerer Ab- bilbungen unb schafft bamit Klarheit über einen wesentlichen (Brunbbegriff ber Vererbungsforschung, ber bisher oft zu Mißverständnissen Anlaß gab. — Sehr lesenswert finb auch wieber bie kleineren Beiträge bieses Heftes „Das Schicksal von Hilfsschülern", „Japans Bevölkerungsentwicklung" „Rassenfeind, liche Auswirkung bes § 1594 bes deutschen BGB. gegen bas eigene Volk", sowie bie vielseitigen Mitteilungen „Aus Rassenhygiene unb Bevölkerungs- Politik." Das ganze Heft ist eine Funbgrube wertvollen Wissens auf bem Gebiete ber Rassenkunde unb Bevölkerungpolitik. Auch bie Bilberbeigaben oerbienen hervorgehoben zu werben.
Das Augusthest ber Zeitschrift „Deutschland Erneuerung (Verlag J.F.Lehmann,München,Preis vierteljährlich 4 Mark) beginnt mit einem Aufsatz .Deutsch-englische Flottenbesprechungen". lieber „Die Arbeit ber Strafsenate am Reichsgericht" schreibt Reichsgerichtsrat Niethammer Betrachtun. gen, bie gerabe im Hinblick auf bie bevorstehende Reform des Strafrechts wichtig sind, lieber die „Agrarpolitik und ihre zwischenvölkischen Aufgaben" schreibt ber Hauptabteilungsleiter im Stabsamt bes Reichsbauernführers P. Beer. Ebenfalls mit wirtschaftlichen Fragen beschäftigt sich Joachim Nehring in seinem Aufsatz: „Die wirtschaftspolitischen Be- Ziehungen zwischen Danzig unb Polen". „Die Politik Heinrich bes Löwen" schildert Hans Philipp.


