Einzelbild herunterladen

Nr. 184 Zweites Matt Giehener Anzeiger (General-Anzelger für Gverhetzen)Zreitag, 9. August (935

Italiens Kolonie im Mittelmeer.

Von unserem WEB

Berichterstatter

liche Führer, die diesem italienischen Plan ihre Hand liehen, bekamen die Abneigung der Jnsel- griechen zu spüren, woraus schließlich offener Auf­ruhr gegen die italienischen Herren entstand. Der Vorgang erinnert stark an den Aufruhr im be­nachbarten englischen Cypern. Er mußte den Italienern sehr zu denken geben und sie griffen mit unerbittlicher Strenge zu.

Andererseits ist der Gebrauch der griechischen Sprache völlig ungehindert, das Regierungsblatt in Rhodos erscheint in italienischer und griechischer Sprache, und die Jnselstädte Seros, Calymnos, Coos haben sich in Sitten, Art und Bauweise völlig den griechischen Schlag bewahrt. Eine Ausnahme bildet Rhodos, der Sitz der Dodekanes-Regie­rung. Hier sind in schönster Harmonie mit dem

ehrwürdigen Mauerwerk der Kreuzritterbauten Neubauten erstanden, die eine wohlgelungene Mi­schung von Venedig, Byzanz und Orient darstellen. Auf demForo Jtalico" reihen sich Bankgebäude, Markthallen, Justizpalast, ein Klub, der Palast des Gouverneurs in abwechslungsreicher baulicher Folge aneinander, gutgeführte Gaststätten dienen einem zunehmenden Fremdenverkehr, im Getriebe der Menge herrschen die Uniformen der Land-, Marine- und Lufttruppen vor. An der Mauer des alten Mandraki-Hafens, wo einst der sagenhafte Koloß von Rhodos seine Beine spreizte, weht die italie­nische Trikolore. Bei Sonnenuntergang wird sie mit großer Feierlichkeit eingeholt, ein Kanonenschuß be­fiehlt Derkehrsstille die Flagge des Eroberers verlangt den schuldigen Tribut.

Als Beduine in das Königreich Saba.

Hans Helfritz kehrt von der dritten Südarabien xpedit!on zurück.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rhodos, Ende Juli 1935.

Im Tripoliskrieg besetzen italienische Truppen eine Reihe türkischer Inseln im Aegäischen Meer, ohne wesentlichen Widerstand zu finden. Seither bildet diese Inselgruppe, die man nach ihren zwölf größten Inseln denDodekanes, die 3mölf- mfeln, nennt, einen der neuralgischen Punkte Süd­osteuropas und Kleinasiens. Italien hatte sich im Frieden von Ouchy 1912 verpflichten müssen, diese Inseln der Türkei zurückzugeben, hielt aber diese Zusage nicht, denn der bald darauf folgende Balkankrieg verwehrte es der Türkei, sich anders als mit wirkungslosen diplomatischen Pro­testen für das Schicksal der Inselgruppe einzusetzen. Als Italien in den Weltkrieg eintrat, lieh es sich im Pakt von London 1915 von den übrigen Feind- l inbmäd)ten fein Befitzrecht auf diese Unfein garantieren, nebst eines Einfluß- Gebietes in Südanatollen für den als sicher angenommenen Fall einer Aufteilung der Türkei. Die italienische Besatzung verblieb auf ben Inseln.

Als nach dem Weltkriege der griechische Feldzug in Kleinasien begann und die Siegermächte barangingeh, sich Stücke aus bem niebergetämpften osmanischen Reich herauszuschnei­den, traf Italien mit Griechenland» ein Sonber- abkommen, verzichtete auf bie Dodekanes­inseln, die im Diktat von Sövres inzwischen tatsäch­lich Italien ausgeliefert worden waren, und unter­stützte so das griechische Vorgehen gegen Smyrna und marschierte seinerseits auch gegen das klein- asiatische Festland in der Zone von Adalia zu. So­bald es sich aber zeigte, baß bie nationale Bewe­gung ber Türkei unter Kemal Atatürks Führung die Oberhanb gewann unb sich bis katastrophale Nieberlage der Griechen abzuzeichnen begann, schwenkten die Italiener um, kündigten das Dodekanes-Abkommen mit Griechenland und för­derten, unter Verzicht auf ihre Einflußzone in Adalia, ben türkischen Freiheitskampf. Mit bem Er­folg, baß sie schließlich burch ben Friedens- Vertrag von Lausanne bie Inselgruppe des Dodekanes endgültig bekamen. Italien hatte somit einen theoretischen Anspruch auf eine Einflußzone, die gegen die erstarkende Türkei doch nicht zu halten gewesen wäre, gegen einen realen Landgewinn eingetauscht, der seither zu einer macht- politischen und militärischen Schlüssel st ellung erster Ordnung ausgebaut wurde unb im Mittel­meer in einer Reihe mit Gibraltar, Malta, Cypern unb Suez genannt mürben muß!

In rastloser Tätigtest unb unter Aufwendung beträchtlicher Mittel hat bas faschistische Italien diese Inseln kolonisiert. Da die Inseln für Italien als Rohftossqebiet nur von geringer Bedeutung und auch nicht für die Ausnahme italienischer Menschen­ausfuhr geeignet sind, so sind bie Grünbe für ben auf bem Dodekanes betriebenen Aufwand wohl ausschließlich auf militärischem Ge­biet zu suchen. Nur bie Insel Rhodos nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als sie mit viel Liebe und Geschick zu einem Mittelpunkt des Fremdenverkehrs ausgestaltet wird. Die gut erhaltenen Baulichkeiten, Paläste und Befestigungen aus der Kreuzritterzeit werden gleich einem histo­rischen Naturschutzpark gepflegt; daneben fügt sich ein neuer Stadtteil mit allen den Einrichtungen an, bie ein neuzeitlicher Badeplatz hat, ber dabei übri­gens den Vorzua der Billiakeit aufweisen muß. Das kann aber natürlich nicht ber Hauptzweck bes Besitzes sein. Die eigentliche Bestimmung bes Dode­kanes tritt auf der Insel Seros zutage, die für ben Auslänber verbotenes Gebiet ist. Hier hat sich Italien einen von der Natur begün- ftigten Sammelplatz für eine qr ohe Luftflotte geschaffen. In einer von hohen Fel-

en eingesäumten ruhigen Bucht, deren enge Ern­ährt durch Sperrnetze gegen feindliche U-Boote und »urch Batterien gegen Ueberfälle von der See und aus ber Luft gesichert ist, liegen mächtige, tief in ben gewachsenen Fels reichende Flugzeugschuppen am Stranb, erheben sich bie Kuppen großer in ben Fels versenkter Brennstofftanks.

Die Türkei hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß ihr diese enge Nachbarschaft mit Italien un­bequem ist. Seitdem Mussolini seine viel beachtete asiatisch-afrikanische Expansionsrede hielt, hat sich in der Türkei die Ueberzeugung gefestigt, daß der italienische Dodekanes eines Tages das Sprung­brett Italiens zu einem Dorgegen gegen das s üb a n a t o l i s ch e F e st l a n b abgeben werde. Die meisten ber Inseln sink» ber anatolischen Küste auf 20 bis 40 Kilometer Entfernung vor­gelagert. Don Leros aus beträgt die Luftlinie nach ber türkischen Hauptstadt Ankara 700 Kilometer, zu ben Dardanellen gar nur 300, die Kriegs- Häfen ber Türkei, Jsmit unb Smyrna, die wirt­schaftlichen und verkehrstechnischen Knotenpunkte Eski SchehU, Afyon Karahistar, Konya, Kaisseri sind für italienische Bombenflugzeuge durchweg in zwei- bis dreistündigem Anflug zu erreichen! Wenn sich die türkische Regierung unlängst in einem Auf­ruf an die Nation gewandt hat, Mittel für den Ankauf von 500 Flugzeugen durch Volksopfer und Sammlungen zusammenzubringen, so geschah das wohl nicht zuletzt im Hinblick auf diese allzunahe italienische Nachbarschaft. Und es waren nicht nur wirtschaftliche Erwägungen, die bie Türkei veran­laßthaben, das Eisenbahnnetz um Smyrna in Staatsbetrieb zu übernehmen unb gründlich zu überholen, und von Aiyon eine Bahn nach Adalia ans Meer zu bauen! Weil aber die Verkehrswege der Türkei noch wenig ausgedehnt sind, die militä­rischen unb wirtschaftlichen Kraftquellen des men­schenarmen Landes sich in wenigen Städten zu- jammenhallen, dies alles im Wirkungsbe­reich italienischer Flugzeuge liegt, so beschafft sich bie Türkei im Eiltempo eine eigene Suftjlotte. Sie verstärkt auch bie Zahl ihrer U-Boote unb hofft so in ber Lage zu sein, sowohl ber luftartilleristischen Vorbereitung wie auch der marinetechnischen Durchführung eines möglichen italienischen Handstreiches begegnen zu können.

Im übrigen sollte der italienische Dodekanes nicht nur vom türkischen Standpunkt aus gewürdigt wer­den. Gerade jetzt fällt dem italienischen Luftflotten­stützpunkt im östlichen Mittelmeer und dem damit verbundenen Flottenstützpunkt die Rolle einer Etappensicherung auf dem Wege nach Ostafrika zu! Nur 400 Kilometer südlich von Rhodos ziehen die italienischen Transportdampfer ihren Weg zum Kanal von Suez, nach Alexandrien sind es 600 Kilometer, nach dem englischen Stütz­punkt Cypern 500 Kilometer. Alle diese Punkte liegen ebenfalls im Wirkungsbereich ber italieni­schen Wasserflugzeuge, bie im Dodekanes ihr wohl eingerichtetes Nest haben. Dieser Umstand verschafft Italien bei seinem ostafrikamschen Unternehmen einen beruhigenden Sicherheitsfaktor, der die dafür aüfgeroenbeten diplomatischen Mühen und geld­lichen Opfer aufwiegt.

. Daß dieser halbeuropäische Kolonialbesitz Italiens nicht sorgenfrei ist, beweisen die griechischen Aufstände, die letzthin in Calymnos mit schar­fem Zugriff unterdrückt werden muhten. Wiewohl die Zwölfinseln seit Jahrhunderten in türkischer Hand waren, sind sie vorwiegend von Griechen bewohnt, die den geistigen Zusammenhang mit bem griechischen Mutterland vermöge des einigem den orthodoxen Glaubens innig wahren. Da im Orient gern mit Religion Politik gemacht wird, haben bie Italiener versucht, die Inselgriechen von der Athener Mutterkirche abzuspalten. Einige geist-

Aus den Spuren verschollener Reiche.

Im Jahre 1932 tauchte in der internationalen Forscherwelt ein neuer Name auf: ein sehr junger, sehr schlanker und blonder Mann, ein Pommer aus Greifswald, der damals von seiner ersten Expedition nach Hadramaut im südlichen Arabien zurückgekehrt: mit einer Menge wertvoller Kulturfunde und ge­schichtlicher Dokumente, die von den Kennern Ara­biens mit Begeisterung ausgenommen und viel be­sprochen wurden. Dazu kam, daß dieser junge For- jcher Hans Helfritz, der mit einem Schlage durch (eine erste Entdeckungsreise bekannt geworden war, die erfolgreiche Expedition mit recht kärglichen und einfachen Mitteln durchgeführt hatte: er verdankte das glänzende Ergebnis in erster Linie seiner zähen Arbeit und seiner unerschöpflichen Willenskraft.

Hans Helfritz war nicht der Mann, der sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht hätte. Er plante sofort eine neue Expedition, die ihn noch tiefer in das unentdeckte Südarabien hineinführen sollte, dorthin, wo sich heute die Reste der uralten unb sagenhaften Minäer- unb Sabäerreiche befinden. Der deutsche Forscher wollte diesen verschollenen Kulturen nach­spüren und in jene geheimnisvollen Bezirke Süd­arabiens eindringen, die den Weißen seit vielen Jahrhunderten verschlossen waren. Ein gewaltiger Plan, vor dem sich die größten Hindernisse auf- türmten, Hindernisse, die nur dazu geeignet waren, den Unternehmungsgeist des jungen Forschers noch stärker anzuspornen. Er hatte bie Absicht, weiter vor­zubringen, als es jemals einem Europäer gelungen war: in ben inneren Jemen, das ehemalige Königreich Saba. Dieses Land mit seiner verscholle­nen und geheimnisvollen Kultur lockte den blonden Pommern mit magischer Kraft. Er versuchte zunächst, nachdem er die zweite Expedition ausgerüstet hatte, mit dem König van Jemen in Verbindung zu treten, um von ihm die Erlaubnis zu seiner abenteuerlichen Entdeckungsfahrt zu erlangen. Aber seine Bemühun­gen waren vergeblich. Der König war nicht gewillt, die ungeschriebenen Gesetze der uralten Tradition zu durchbrechen. Diese Tradition aber erlaubte es kei­nem Europäer, den Boden des inneren Jemen zu betreten.

Als Beduine versieM...

Hans Helfritz war trotz des königlichen Verbotes fester denn je entschlossen, das ersehnte Ziel zu er­reichen. Er kam auf den fantastischen und origi­nellen Gedanken, sich als Beduine zu verkleiden unb machte den Versuch, auf einem großen Umweg Harib zu erreichen, bie Grenzstabt am hinteren Jemen, die noch kein Weißer vor ihm betreten hatte. Der Versuch gelang. Aber es war ein Weg ber härtesten Entbehrungen unb Strapazen.

Helfritz mußte sich entschließen, vom Innern Ara­

biens aus nach Jemen vorzudringen. Der Weg führte ihn zuerst nach M a k a 11 a , von wo er n a ch Terim und Schibam im Wadi Hadramaut oorbrang, um von dort aus westwärts vorzustoßen.

Die Freunde, die Helfritz während seiner ersten Expedition im Hadramaut gewonnen hatte, rieten dem jungen Forscher von seinem waghalsigen Vor­haben ab. Man warnte und bestürmte ihn, seinen aussichtslos jcheinenden Plan aufzugeben, indem man ihm die großen Gefahren und die Ungewiß­heit seines Schicksals ausmalte. Aber Helfritz hielt allen Ueberrebungstünften staub und klammerte sich zäher denn je an jein fantastisches Vorhaben. Schließlich mußten die Freunde nachgeben. Sie unterstützten den deutschen Forscher, so gut sie konn­ten, man rüstete eine Karawane aus unb ber Marsch in bas Unbekannte nahm seinen An­fang. Es war ein granbioser Ritt durch die Wüste, der in seiner monotonen Endlosigkeit an die Ritte eines Sven Hedin erinnert. Hier bewies Helfritz seine außerordentliche Widerstandskraft. Nichts ver­mochte seinen triumphalen Vormarsch nach Jemen, in das Land der verschollenen Kulturen, aufzuhal­ten. Als Beduine verkleidet, erduldete er, ohne sich gegen sein Schicksal aufzulehnen, die fürchterlichsten Strapazen, Kilometer um Kilometer legte die kleine Karawane auf ihrem Weg durch die Wüste unter unsäglichen Mühen zurück, bis endlich, nach zwei qualvollen Wochen, wie eine Erlösung die Mauern und Türme von Harib auftauchten: bas König­reich Jemen war endlich erreicht!

Drei Wochen gefangen!

Aber die Freude sollte nicht lange dauern. Der junge Forscher, der trotz des ausdrücklichen Ver­botes gewagt hatte, .sich gegen den Willen des Königs aufzulehnen, wurde entdeckt und drei Wochen gefangen gehalten. Diese Gefangenschaft hätte unter normalen Umständen sein Ende be­deutet, den tragischen Untergang eines kühnen unb fantastischen Unternehmens. Aber der Glücksstern, der Helfritz bis Harib begleitet hatte, blieb ihm auch fernerhin treu. Er wartete drei Wochen auf feine Befreiung, auf eine Nachricht vom König, bis endlich die Botschaft eintraf: er wurde aus seiner Haft entlassen, aber das Schicksal ber Expedition schien besiegest zu sein. Helfritz wurde unter militärischer Bedeckung nach S a - naa gebracht. Obwohl ihn dort ein ungewisses Los erwartete, freute sich der junge Forscher dennoch über diesen Beschluß, denn ber Weg nach Sanaa führte durch das Innere von Jemen.

Dieser Weg durch dos ehemalige Königreich Saba wqr ja die Erfüllung seiner Wünsche und Träume. Auf dem unbekannten Hochland von Jemen nahm die Kleinfilm-Kamera des jungen Gelehrten alles aufs Korn, was ihr in den Weg kam. Dazu leistete ihm der Phonograph vorzügliche Dienste. Mit feiner Hilfe gelang es Helfritz, die eigenartigen Gesänge und Kameltrei-

nicht

Das

Jn goldenen Ketten.

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Er ahnte nicht, baß sein Geaner, durch zuneh- menbe Kränklichkeit an die nahe Auflösung ge­mahnt, 3U d-rselben Zeit auf ^'nselb"n E'nfall ae- rfet und sich einen ansehnlichen Sandsteinblock kaufte, um ihn ebenfalls in eine Bildnisbüste ver­wandeln und später als trotziges Gedenkzeichen auf feinem Grabe aufpflanzen zu lassen. Auch -dieser Auftrag wurde von dem damit betrauten Bild­hauer zur Zufriedenheit aller Beteiligten ausge­führt, und auch dieser alte Kämpfer hatte, wenige Tage nach dem ersten, eine friedliche und befriedi­gende Todesstunde. Also daß der steingewordene Erste, aus noch kaum verwelkten Kränzen feierlich aufragend, den ersehnten Ausblick auf die Stadt plötzlich durch den steingewordenen Zweiten itnaus- weichlich wersperrt fand. So müssen sich nun, die im Leben ihren Anblick grimmig haßten, im Tode auf unabsehbare Zeit hinaus gerade ins Gesicht sehen Und sich wohl daran gewöhnen, da der tra­gischen Ironie dieses vom Schicksal erdachten Stein- .metzscherzes durch bie letztwilligen Verfügungen ber Betreffenben Dauerwirkung gesichert ift.

Freilich muß der Erzähler bie Frage, wie sich bie verklärten Geister ber Herren mit biefer nach irdi- scheu Begriffen peinlichen Sachlage abgefunben haben, in Ermangelung zuverlässiger Nachrichten unbeantwortet lassen.

Nun fügte es sich, daß bei bem einen ber Her­ren ein seit langem an ihm zehrendes Selben plötz­lich zum offenen Ausbruch kam und er, ber m einem Kurorte Heilung gesucht hatte, den letzten feiner Erdentage in errechenbare Nahe geruckt say. Da kam ihm, als er das Ergebnis aller Lebens­berechnungen, der abgeschlossenen und der noch nicht beglichenen, bedachte, der Einfall, durch einen Bild- bauer feine Büste in Sandstein anfertigen und sie später, nach Ueberführung feiner ^rgangl'chest Reste in die Heimat, auf fernem Grabe ausstellen zu lassen. So gedachte er dann als stolzes Wayr- zeichen vor der gewonnenen Einfahrt in fernen festen Hafen zu stehen und über das ©rab femes -reinbes allezeit unüberwunden fein Antlitz oer Stadt ^zuzuk/hren, die ihm vieles unb Schätzbare^ oerbantte0 Die Büste würbe fertig; er starb be friedigt, und alles geschah nach fernem Willen.

Gute Feindschaft.

Eine Anekdote von Karl LerbS

Zwei ruhige, angesehen unb wichtige Bürger eines Oberweserstäbtchens, Angehörige der ersten Gesellschaftskreise, wurden gegen Ende des ver- floffenen Jahrhunderts aus inniaen Freunden zu erbitterten Feinden. Diese Feindschaft erwuchs aus einem Familienzwist, der durch eme ernste Mei­nungsverschiedenheit zwischen einem Teckelhunde einerseits und einer Angorakatze andererseits tn ibealer Konkurrenz mit ungenügenber Tatbe- ftanbsaufflärung über bas Einwerfen einer Fen- sterscheibe verursacht würbe. Die Feinbschast ent­wickelte sich, ba bie Herren unmittelbare Hausnach- barn waren, zu einer ständig genährten Flamme und brachte es, angesichts der bedeutsamen gesell- fchaftlichen Stellung beider Parteien zu bedrohlichen öffentlichen Auswirkungen in Parlament und Pres e; ja, es war sogar einer gerichtlichen Aus­einandersetzung infolge kränkender Gebärden, bie vor dankbaren Zuschauern auf offener Straße ver­übt waren, nicht auszuweichen. Mit zunehmendem Alter zogen sich die Herren zwar vom offentWn Kampfplatz zurück, doch schwärte ihr Haß nun da es ihm fast ganz an Gelegenheit zum lyfreienben Ausbruch fehlte, nur um so giftiger in den Her- zen unb vergällte ihnen bie geruhsame Altersmuße. Ja, man berichtet von beiben eine Ziemlich gleich' lauknbe Aeußerung, wonach sie es tief Gebauerten, baß sie sogar auf bem Fnebhose noch infolge der Lage ihrer Erbbegräbnisse Nachbarn würden sem müssen, da sie nicht einmal nach Beendigung ihres irdischen Wallens irgendwelche Berührungspunkte wünschten und dringend hofften, daß em posthumes Wiedersehen sich auf gute Art und ohne Welterun- gen würde vermeiden lassen.

___ift ein sehr irreführender Titel, denn der Mammon, die Gier nach einem sorglosen Leben in Reichtum unb Glanz binden die schöne Sekre- tärin des Mr. Field an ihren Ches, sondern die grenzenlose Hochachtung vor der noblen Persönlich­keit des Reeders und das Wissen um die Opfer, die er seiner Liebe zu ihr gebracht hat. Mr. Field kann nicht los von feiner Frau, die ihn nicht freigibt unb ihm bamit bie Möglichkeit nimmt, Diane, feine Sekretärin, zu heiraten. Nur bas gibt Diane ben Mut, einem argentinischen Farmer, den sie auf einer Fahrt von Neuyork nach Buenos Aires kennen und in bem ungebundenen Leben auf feinem Rancho lieben gelernt hat, der in Jugend und Temperament bester zu ihr paßt, als ber viel ältere unb ernste Mr Field, bie Ehe zu versprechen. Nach ihrer Rück­kehr will sie mit einem offenen Bekenntnis bie Ver­strickung lösen, in bie sie geraten ist. Aber inzwischen bat bie durch ben Verzicht auf bie Kinber erkaufte Scheibung von seiner Frau Mr. Fielb ben Weg zur Heirat mit Diane freigemacht. Daß er alles opferte, um sie zu besitzen, schließt ihr den Mund. Sie heiratet Mr. Field, aber in allem Glanz ihrer ! gesellschaftlichen Stellung kann sie ihre Siebe nicht

vergessen, und als Bradley, der Farmer, nach Jahren in Neuyork ihren Weg kreuzt, erzwingt sie eine Aussprache, um ihn zu bitten, sie zu vergessen. Bradley weiß nun, daß sie ihn noch immer liebt, und er ist entschlossen, sie von ihrem Manne zu fordern. Aber als er die beiden in ihrem Heim aufsucht und sieht, was sie ihrem Manne bedeutet, bringt er nicht über die Sippen zu sagen, weshalb er gekommen ist. Mr. Field indessen ahnt, was zwi­schen seiner Frau und dem Besucher steht. Er gibt Diane frei, dankbar für das kurze Glück, das sie ihm schenkte und Überzeugt, daß er nicht mehr ver­langen darf, wenn das Lebensglück zweier junger Menschen auf dem Spiele steht, die füreinander ge­schaffen sind. Dies happy end kommt etwas über­raschend und gewaltsam. Die Liebesgeschichte, die viel zarter ist, als der kvlpvrtagehaste Titel ahnen läßt, ist hineingestellt in den Rahmen eines über­aus üppigen Gejellschaftslebens auf einem ameri­kanischen Luxusdampfer, im Getriebe der Weltstädte Neuyork und Buenos Aires und als wirkungsvoller Gegensatz auf einem argentinischen Rancho voller Sonne, Frohsinn und Uebermut. Mit viel Anmut, Grazie und Innigkeit, spielt Joan Crawford die schöne Diane, ein charmanter Liebhaber, männ­lich und selbstbewußt ist Clark Gable. Die schwie­rige Rolle des Mr. Field hat man Otto Krüger anvertraut, der mit sehr viel Delikatesse seine Auf­gabe löst. Im Beiprogramm sieht man einen sehr interessanten Film von der deutschen Uhren- inbuftrie und lernt in Glashütte bei der Herstellung einer Taschenuhr ein Wunderwerk der Präzision kennen.e

peierl, derWindmacher".

In diesen Sommertagen spähen wir häufiger nach dem Himmel als sonst. Wird die Sonne das Feld behaupten oder bringt der Westwind, der über die Fluren streicht, Regen ins Land? Der Himmel hat es nicht leicht, es allen recht zu machen. Jener wünscht einen kräftigen Wind für die Segelfahrt, dieser möchte sich in der Windstille von der Sonne bräunen lassen. Der Sommergast will heitere Tage und der Bauer braucht ein wenig mildtätigen Re­gen. Ja, wenn es Regenzauberer und Windmacher gäbe, dann könnte man vielleicht an diesem oder jenem Ort ein wenig Herrgott spielen und eben das Wetter herbeirufen, das gerade erbeten wird. So seltsam es klingen mag: Es hat einmal einen kleinen Jungen gegeben, der sich so alsWetterzauberer" betätigte, und deshalb ben Spitznamen einesWind- machers" von seinen Kameraden erhielt. Unb er ist uns allen wohlbekannt: ber Peter! von der Krieg- lach-Alp. Der Dolksschriftsteller Peter Roseg­ge r hat selbst einmal erzählt, wie er sich alsWind­

macher" betätigte unb habet viel Aufsehen erregte. Man muß es mit seinen eigenen Worten hören, um eine rechte Freude daran zu haben.

Ich konnte Wind machen, wirklichen Winb, wie er über die Berge hinstrich und über ben Bäumen rauschte", berichtete er.Eines Sommertags war ich mit mehreren Nachbarshirten auf ber Hochmatte, wo wir unsere Rinder weideten. Es schien die warme Sonne, so daß wir unsere Joppen weg­warfen, unb plötzlich war es wieder so kühl, daß wir alle in die Joppen hineinschlüpften. Der Wind ging zeitweilig.Buben!" rief ich vorwitzig aus,ich kann Wind machen!"Geh, plausch nit."Auf Spaß und Ernst, ich kann Wind machen. Soll ich? Schaut's einmal!" Ich hob den befeuchteten Finger hoch:Kein Lüfte! jetzt. Wetten wir, in einer Mi­nute geht ber Wind!"Laß bich nit auslachen!" Ich riß meine buntgestreifte Zipfelmütze vom Kopfe, hielt sie wie einen Sack an den Mund, unb mit bem Auge in ben Himmel auslugenb, wo just ein Wolkenballen sich ber Sonne nahte, rief ich in die Mütze:Wind, Wind, komm geschwind! Lapi- papitschapilorum!" Dreimal sagte ich es und schleu. berte bann bie Mütze in die Luft. Da verdunkelte sich bie Welt, unb es strich ein kühler Winb. Dor Staunen sperrten sie die Mäuler auf, unb der Ein­fältigste von ihnen wollte vor mir niederknien. Als ber kalte Strich vorüber war unb die warme Sonne schien wie früher, begehrten sie, daß ich den Zauber noch einmal tue. Sie wollten mir wahrscheinlich drauf kommen, wie es gemacht wird. Ich blickte demütig gen Himmel, wo in der Sonnenähe keine Wolke war.Jetzt nicht, Buben, ihr kunntet euch verkälten." Aber sie drängten so lange, bis wieder ein Wolkenfetzen der Sonne zustrich.Na, meinet­halben, wenn ihr schon durchaus wollt!" Unb in bie Zipeflmütze hinein:Wind, Winb, komm geschwind! Lapipapitschapilorum!" Die Mütze in bie Lust ge­worfen. Husch, rauschte es roieber im Ahornbaum, es ging ber Winb. Balb wußte es ganz Alpel: der Kluppenegger-Peterl kann Wind machen. Die Ehre dauerte bis zum nächsten Sturm, ber bem Riegel­berger einen schönen Lärchenbaum entwurzelte. Der Geschädigte kam in Begleitung besFürstenstanbes" in unser Haus, fragte nach bem Peterl, unb hinter dem Rücken hielt er ungebrannte Asche! Ich beeilte mich vor ihm, meinem Vater unb dem Ge- meindevorstand meine ganze meteorologische Wissen- schäft preiszugeben.Wenn eine Wolke vor die Sonne geht, so streicht allemal ein kühler Wind ... ich kann nir dafür!"So hast du uns gfoppt!" schrie der Riegelberger.Wird schier nit anderschter sein", entschied der Vorstand, wer sich nit einmal so viel auskennt bei Sonn' und Gewölk und Wind, zu dem sagt man halt nachher: Lapipapi-tschapi- lorum!"