Ausgabe 
9.8.1935
 
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Ur. 184 Erstes Blatt

Zreltag.y. August 1935

185. Zahrgaug

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Erscheint täglich, außer Ä ä Annahme von Anzeigen

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Erstes Vildtelegramm von den Unruhen in Brest

Paris, 9. Aug. (1.30 Uhr). (DRV.) Die Un­ruhen in Toulon haben Donnerstag abend einen sehr ernsten Charakter angenommen. Nach Ein­bruch der Dunkelheit ist es zu heftigen Z u - sammen st ätzen zwischen Ausrührern und Polizei gekommen. Um Mitternacht zählte man nach einer amtlichen Mitteilung bereits zwei lote unter den Ausrührern, einen schwerverletzten Polizeibeamten un- über 50 Verletzte, darunter 20 Ordnungsbeamte. Privatmeldungen, die zur Stunde nicht nachgeprüft werden können, sprechen gar von fünf Toten und über 1OO Verletzten. Von den Unruhen ist vor allem die untere Stadt betroffen. Gegen 21 Uhr, als Polizeikräfte Ansammlungen zerstreuen sollten und einige Revol­verschüsse in die Cuff abgaben, prasselte aus den Fenstern der umliegenden Häuser ein Hagel von Wurfgeschossen aller Art auf die Beamten herab. Gleichzeitig wurden auf den Straften die Cadenscheiben eingeschla­gen, Kolonialwarenläden geplündert, die Deckel der Kanalisationsschächte herausgerissen und gegen die Polizeipferde geschleudert. Kurz nach Mitternacht forderte der Präfekt ein Bataillon Infanterie an, da die berittene Mobilgarde in den engen Straften der Unterstadt gegen die Auf­rührer nichts ausrichten konnte. Die Scheinwerfer der Kriegsschiffe leuchten ständig die Dächer der Häuser im Aufruhrbezirk ab. Die Aufrührer ver­suchten den Bahnhof zu stürmen, wurden aber von der Mobilgarde zurückgeschlagen.

gehoben hat. Mit der gleichen Begründung hat die polnische Regierung ihre Zoll­verordnung vom 18. Juli 19 3 5 aus- gehoben.

In einem ebenfalls von beiden Parteien unter­zeichneten Zusatzprotokoll wird ferner fol­gendes bestimmt:

Der Senat der Freien Stadt Danzig und die polnische Regierung werden in Verhand­lungen treten zwecks Abschluft einer Ver­einbarung, welche die Auswirkungen der Danziger G u l d e n b e w i r t s ch a f l u n g auf den polnischen T r a n s i t h a n d e l und - verkehr durch das Gebiet der Freien Stadt Danzig und den freien Wirt­schaftsverkehr zwischen Polen und Danzig beseitigen soll. Der Senat der Freien Stadt Danzig wird für eine vorübergehende Zeit die Guldenbewirtschaftung noch aufrechterhalten. Während dieser Zeit wird Polen keinen neuen Antrag auf ausschlieftliche oder bevorzugte Verwendung des Zloty in der Hafen- oder Eisenbahnverwaltung stellen, jedoch wird im Interesse der polnischen Wirt- schaff die Erhebung der Zollabgaben in Danzig während dieser Zelt in Zloty erfolgen. Rach diesem Zeitpunkt treten die Bestimmungen des Artikels 205, Absatz 2, des Warschauer Abkommens wieder in Kraft." Außerdem sind in den Besprechungen von beiden Parteien mündliche Erklärungen abgegeben

Nächtliche Giraßenkämpfe in Toulon.

Im Gcheinwerferlicht der Kriegsschiffe werden Genegalschützen zur Unterdrückung

D a n z i g, 8. Ang. (DRV.) Am Donnerstag nach­mittag ist zwischen der Danziger und polnischen Re­gierung ein Abkommen paraphiert wor­den. Danach macht die polnische Regierung die Zollverordnung vom 17. Juli rückgän­gig. Danzig hebt seinerseits die als Folge der volnischen Verordnung getroffene Maßnahme der Zollfreien Einfuhr bestimmter Waren auf. Die Abmachungen sind in den späten Abendstunden im Danziger Senatsgebäude von Senatspratzdent Greifer und Senatsrat Böttcher einerseits und von Minister Roman und Minister p a p e e an- derer^its unterzeichnet worden. Die Abwä­gungen werden in weiteren Einzelverhandlungen ihre Ergänzung finden müssen.

Zn einem Zwischen beiden Parteien vereinbarten Kommunique wird dazu folgendes mitgetellt: ^Beseelt von dem Wunsche, alle Schw.-nqke.ten d,° n* in ter letzten Zeit im Danzig-polnischen Der- bältnis e aeb n hatten, aus dem Wege zur raumen x nollkommener Einigkeit, die m den letzten fahren des Zusammenarbeitens bewahrte Lime zwei fuhren ^'u ^spräche weiterhin einzu- b VnhPn fich die bevollmächtigten Vertreter ^nruias ^unb Polens zusammengefunden, um den B te^Ä fchwiengkeiten zu unter- suS- und eme ^osung ^ £ünn roeiter aU8.

f^b k^r Danziger Senat indem

& unb P°'^°°Uig R« trägt seine ^7uhV°inig-"W°«ng°..ung°'n°ui.

Unser Bildtelegramm zeigt einen kleinen Ausschnitt aus den Straßenkämpfen im französischen Kriegshafen Brest. (Scherl-M.)

BerständigungzwischenDanzigundpolen

Aufhebung der beiderseitigen Kampfmaßnahmen./Ergänzende Verhandlungen.

traler Ausschuß soll die Beschäftigung aus­ländischer Arbeiter und Handwerker be­grenzen.

Eine andere Notverordnung bezweckt den Schutz der Sparer vor zweifelhaften Unternehmungen. Die Maßnahmen zur Preissenkung betreffen hauptsächlich den F l e i s ch m a r k t. Die Präfek­ten werden ermächtigt, Kleinhandelshöchst- preise für Fleisch festzusetzen.

Die Gewinne solcher Firmen, die für die öffentliche Verwaltung arbeiten, werden mit einer vorübergehenden Sonder steuer be­legt. Eine weitere Verordnung sieht vor, daß die lOprozentige Kürzungder staatlichen Bezüge in gewissen Fällen gemildert werden kann, so z. B. für über 65 Jahre alte Rentner mit weniger als 10.000 Franken Einkommen. Ferner wird die Regierung Ende des Monats eine beson­dere Verwaltungsorganisation ausarbeiten, um mißbräuchliche oder unmäßige Aus­gaben zu unterdrücken.

Amerikadampfer

an der Ausreise verhindert.

P a r i s , 9. Aug. (DRB. Funkspruch.) Der Per­sonendampferC h a m p l a i n", der mit 24stün- diger Verspätung in der Nacht zum Freitag von Le Havre nach Amerika hätte abfahren sollen, hat wegen der Fortsetzung des Streiks der Besatzung seine Ausreise nicht antreten können.

worden. Von Danziger Seite wurde erklärt: Sollten sich im Zusammenhang mit den.Verhand­lungen über die Auswirkungen der Danziger Gul- denoewirtschaftung auf den polnischen Transithandel und -verkehr durch das Gebiet der Freien Stadt Danzig und den freien Wirtschaftsverkehr zwischen Danzig und Polen Besprechungen zwischen den Leitern beider Notenbankinstitute als notwendig erweisen, so werden diese Besprechungen ausge­nommen." Von polnischer Seite wurde er­klärt:Im Namen der polnischen Regierung be­stätige ich im Hinblick auf die heutigen Abmachun- gen, daßdasHafenabkommen vom 5. August 1933 und vom 18. September 1933 die rechtliche und tatsächliche Grundlage für die Ab- Wicklung des Danziger Hafenverkehrs weiter bildet.

Aussprache

zwischen Veck und Greiser.

D a n z i g, 8. August (DRB.) Die Pressestelle des Danziger Senats teilt mit:Anläßlich eines Be- suches, der dem Hafen von Gdingen abgestattet wurde, traf der Präsident des Senats, Greiser, mit dem polnischen Außenminister Beck kurz vor dessen Abreise nach Helsingfors in Gdingen zusammen und hatte Gelegenheit zu einer längeren Rücksprache. Dabei wurden zwischen beiden Herren die interessierenden Fragen erörtert und in der Linie der bisherigen guten persönlichen und staatlichen Beziehungen völlige Uebereinstimmung erzielt."

Kein Deutschunterricht im norwegischen Rundfunk.

Oslo, 8. Aug. (DNB.) Die Sendeleitung des norwegischen Reichsrundfunks hat beschlossen, aus der Reihe der über den Rundfunk er­teilten Sprachunterrichts st unden die deutsche Sprache zu verbannen und nur

. noch die französische und die englische Sprache bei­zubehalten. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß angeblich der Rundfunk mit Sprachunterrichts- 'tunten übersättigt sei und man daher eine der Fremdsprachen vom Rundfunkprogramm absetzen müsse. *

Bei der Einstellung gewisser norwegischer Kreise gegenüber dem Deutschland Adolf Hitlers bedeutet dieser Beschluß für die mit den Verhältnissen in Norwegen Vertrauten keine Ueberraschuna. Er liegt auf der Linie der Beschlüsse der roten Gemeinden Oslo und Bergen, die es seinerzeit ablehnten, der Nordischen Gesellschaft für das Nordische Musikfest in Lübeck norwegische Fahnen zur Verfügung zu tellen. Es ist daher nur natürlich, wenn m Ver- olg dieser Geisteshaltung gegen das neue Deutsch­land bei der Erwägung, welche von den drei Fremdsprachen vom Rundfunkprogramm zu streichen war, die Wahl auf die deutsche Sprache fallen mußte.

Unglaubliche Behandlung eines reichsdeutfchen Schwerkriegs­beschädigten in der Tschechoslowakei.

der Unruhen eingesetzt.

Kundgeber, die sich zur Wehr setzten, zu umzingeln. Bei den heftigen Zusammenstößen ist ein Demon­strant schwer verletzt worden. In der Stadt ielbst soll Ruhe herrschen.

Das Aotverordnungsreginie.

Paris, 9. Aug. (DNB. Funkspruch.) 83 soeben neuerlassene Notverordnungen, von denen zunächst 41 veröffentlicht werden, bilden die Ergänzung der Verordnung vom 17. Juli Durch die damalige Ver­ordnungsserie hat die französische Regierung das Gleichgewicht des Haushalts wiederherzu­stellen versucht und die Währung vor weiteren Angriffen geschützt. Die neue Serie der Notverord­nungen ist dazu bestimmt, eine B e r u h i g u n g des Wirtschaftslebens zu bringen und die Lebenshaltungskosten zu senken. Auf diese Weise soll ein Ausgleich für die von der Be­völkerung verlangten Opfer und Lasten hergestellt werden.

Die Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft richten sich zunächst gegen d i e Arbeits­losigkeit. So wird z. B. die Inangriffnahme weiterer öffentlicher Arbeiten in ganz Frankreich vorgesehen, besonders Straßenbauten, Beseitigung gefährlicher Kreuzungen von Straßen mit Eisenbahnkörpern und Arbeiten zur Verhinde­rung von Flußüberschwemmungen. Für diese Maß­nahmen stellen die Verordnungen zunächst eine Milliarde Franken zur Verfügung. Ein zen°

Bayreuth, 8. Aug. (DNB.) DieBaye­rische Ostmark" berichtet folgendes unerhörte Vorkommnis: Der in Fürth i. W. lebende Schwer- kriegsbeschädigte Josef Lack erb auer begab sich am 16. Juni nach dem nahegelegenen Ort Vollmau jenseits der Grenze zur Kirchweih. Beim Nachhausegehen verabschiedete er sich mit dem Deut- schen GrußHeilHitler!". Von der Frau eines tschechischen Zollbeamten herbeigerufen verfolgte ihn eine Eskorte von vier tschechischen Zollbeamten, die ihn nach Kubitzen brachten. Nach seiner Vernehmung wurde er g e f e s s e l t und in das Bezirksgericht nach Taus gebracht. Nach einem Tag Gefängnis konnte Lackerbauer feine Ver- nehmung nur dadurch erwirken, daß er d i e Alarmglocke zog. Nach elf Tagen Einzel- haft wurde Lackerbauer unter dem Vorwand, tsche­choslowakische Staatsbürgerprovoziert" zu haben, nach Pilsen abgeschoben und dort zu eine m Monat Kerker und Landesverweisung verurteilt. Nach siebenwöchiger Kerkerhaft konnte Lackerbauer in schwerkrankem Z u - stände wieder nach Deutschland zurück­kehren. Geradezu unglaublich war die Behandlung, die dem Deutschen zuteil wurde. Bei der Verneh­mung wurde er von einem tschechischen Offizier in der gemeinsten Weise beschimpft.

Oesterreichische Nationalsozialisten beqnadiai".

Wien, 8. Aug. (DNB.) Der Bund es Prä­sident hat vier zum Tode verurteilte österreichische Nationalsozialisten 3 u l an g e r e n Kerker strafenbegnadigt . Die vier waren wegen Vergehens g e g e n D a s Spreng st offgesetz angeklagt. Das Schwur­gericht verurteilte seinerzeit einen von ihnen zum Tode und sprach die drei anderen aus Mangel an Beweisen frei. Der Verurteilte reichte die Nich­tigkeitsbeschwerde em. Der Oberste Ge- richtshos verwarf diese Nichtigkeitsbeschwerde, hob aber gleichzeitig von sich aus die drei Freispruche auf und verurteilte d i e drei Freige - s p r o d) e n e n ebenfalls z u m Tode. Nun­mehr hat der Bundespräsident die Todesstrafen t n schwere Kerker ft rasen umgewandelt, und zwar erhielt der eine 15, die übrigen drei \t 10 Jahre Kerker.

Ein bekannter Wiener Sportler, der Weitspringer Alfred Bauer, wurde wegen Betätigung für Die aufgelöste Nationalsozialistische Partei verhaftet.

Die Unruhen werden von der amtlichen französi­schen Rachrichtenagentur selbst alstatsächliche Meuterei" bezeichnet. Der S t e l l v e r t r e - le r des Bürgermeisters von Toulon ist in ! Dause der Unruhen angegriffen und niederge- ; (d) la gen worden; sein Zustand ist besorgniserre- I gend. Spät abends versuchten die Meuterer, das Gaswerk zu stürmen; sie wurden von Sene­gal-Schützen zurückgeschlagen. Die Po­lizei mußte immer und immer wieder gegen die Meuterer vorgehen, die zum Teil von den Fen- siern mit Gewehren auf die Beamten herabschossen. Schlieftich wurden Senegal- Schützen eingesetzt, denen es gelang, gegen 2 Uhr morgens die Straften zu säubern. Die Meuterer ver­teidigten sich mit grofter Zähigkeit und er richte­ten Barrikaden, in deren Schutz die Caben zahlreicher Straften geplündert wurden. Sämtliche Straßenlaternen im Unruhegebiet wurden zerstört, so daß die Kriegsmarine Scheinwerfer zur Verfügung stellen mußte, in deren Lichtkegel die Säuberungsaktion durchgeführt wurde. Etwa 50 Meuterer wurden festgenommen, unter ihnen em Italiener und mehrere nordafrikanifche Arbeiter.

Die französischeVolksfront" bewundert die Aufruhrer.

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sämtlicher ^Linksgruppen von ^"Kommunisten brs NH» R°d»°l!°zi°l.stenEsaßt^.^°

werde war schon bei ihrer 6ntfW vorauf sehen. Das ist auch prompt emge reten Am Don

°orProvokation-n", weil man nur bannt .dem Faschismus in die Hande fpiete . Se: chuh fordert zur Disziplin aus und v r anrt von neuem die Entwaffnung u nb 21 u f I o f u ng der.Kamvfbünde. Wie man steht, vouzieyr pcy find.

Kommunisten Unruhen auch in Algier.

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Angreifer nicht einer verletzt wmde Acht Kommunkstef konntkn festgenommen werden.

Auch in Brest erneut Tumulte.

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