Freiheit für die Einzelperson sowohl, als auch für unsere vielen Rassen erhalten.
Die zahllosen und unsichtbaren Bande des Gefühls und der Ueberlieferung, die uns vereinigen, sind fein gesponnen, aber viele Fasern machen ein starkes Band, um uns in Zeiten des Unglücks zu verbinden.
Es ist mein Gebet und mein fester Glaube, daß dieses geistige Band sich auch als das Band des Friedens erweisen möge."
Die Ergebenhettsadreffe des Parlaments.
London, 8. Mai (DRB.) Beide Häuser des englischen Parlaments nahmen am Mittwoch einstimmig die Ergebenheits- a d r e f s e an, die sie am Donnerstagvormittag in der Westminster-Hall dem König anläßlich seines 25jährigen Regierungsjubiläums überreichen werden. In einer langen Rede bezeichnete Ministerpräsident Macdonald den König als einen sehr menschlichen Souverän, der von den Herzen seines Volkes Besitz ergriffen habe. Macdonald sagte unter dem Beifall des Hauses: „In der Welt um uns haben wir Kronen wanken und stürzen sehen, wir haben Volksfreiheit und repräsentative Einrichtungen zerbrechen sehen. Uns aber ist es gelungen, ohne Zersetzung fortzuschreiten und ohne Revolution unsere Jugend zu erneuern." Lauten Beifall riefen auch die Worte Macdonalds hervor, daß
die englische Krone ein Band der dauernden Einigkeit zwischen England und den englischen
Dominien
sei. Auch der arbeiterparteiliche Oppositionsführer Lansbury schloß sich der Ergebenheitsadresse an und erklärte unter Beifall: „Die englische Verfassung funktioniert, und die Volksmassen gewinnen mehr und mehr die Anerkennung des Rechtes, sich an der Zukunft dieses Landes zu beteiligen." Lansbury sagte, daß er auch keine klassenkämpferischen Gründe gegen den König anführen könne; denn die Königsfamilie habe durch ihr Verhalten zur Beseitigung der Klassenunterschiede beigetragen. Auch der liberale Führer, Sir Herbert Samuel, und der „Vater des Unterhauses", Lloyd George, begleiteten die Adresse mit herzlichen Glückwünschen für das Königspaar.
„Ist es zuviel, zu hoffen..."
L o n d o n, 9. Mai. (DRB.-Funkspruch.) In einem Leitartikel gibt die „Time s" ihre Genugtuung über die Anteilnahme Ausdruck, die auch im Ausland an dem Regierungsjubiläums König Georgs genommen worden ist. Das Blatt verweist auf die Glückwunschtelegramme der Staatsoberhäupter und fährt dann fort: Der Reichskanzler, an den der König gestern eine huldvolle Antwort sandte, hat König Georg gebeten, seine Glückwünsche entgegenzunehmen und hat gesagt, daß das deutsche Volk mit warmer Anteilnahme alle Bemühungen seiner Majestät und der britischen Regierung für die Festigung des Friedens beobachte. Ist es zuviel, zu hoffen, fragt die „Times", daß die von allen Ländern der Welt so aufrichtig gezeigte Anteilnahme an dem Wohlergehen des britischen Herrscherhauses als ein neues Band dienen könne, das alle zivilisierten Staaten verknüpfe?
Die englischen Lufirüfinngen.
London, 9. Mai. (DRB. Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, die Frage des Luftpaktes fei während der letzten zwei Monate ständig von der britischen, französischen und italienischen Regierung erwogen worden. Der ursprüngliche Vorschlag, ob der Pakt einen Plan zur Begrenzung der Luftrüstungen einschließen solle, habe im Hinblick auf Deutschlands „hohen Rüstungsstand" (!) eine Veränderung erfahren. Die britische, französische und italienische Regierung wurden jetzt zu entscheiden haben, ob es zweckmäßig sein werde, das „Luftlocarno" von den übrigen Sicherheitsvorschlägen der Londoner Erklärung abzulösen. Sie müßten ferner erwägen, inwieweit über eine „Höchstgrenze" der Luftstreitkräfte verhandelt werden könne.
Es verlaute, daß nach britischer Ansicht die Stärke der Luftstreitkräfte erster Linie minde- । stens 1600 Maschinen — die Stärke der französischen Luftstreikmacht — betragen müsse. Inzwischen werde bekannt, daß mit der schnel
len Vergrößerung der britischen Luftstreitmacht gute Fortschritte gemacht würden. Das Ziel werde fein, die höchststärke binnen zwei Jahren zu erreichen. Es werde nicht für notwendig gehalten, sich wegen irgend einem Flugzeugtyp an den ausländischen Markt zu wenden. Ein großer Teil der neuen Flugzeuge werde aus schnellen Bombenmaschinen von großer Reichweite bestehen, also einer Klasse, in der gegenwärtig eine ernste Unterlegenheit vorhanden fei.
Besondere Machtbefugnisse würden auch nachgesucht werden, um das Luftfahrtministerium zum schnellen Ankauf von Gelände für Flugplätze zu ermächtigen. Wahrscheinlich werde ein besonderer Aufruf an hie Öffentlichkeit erfolgen, in dem gebeten wird, diese wichtige' Aufgabe zu erleichtern. Ebenso werde ein allgemeiner Aufruf für die schnelle Rekrutierung geeigneter Mannschaften erlassen werden.
England und die Dominien.
Außenpolitische Anfragen im Unterhaus.
London, 8. Mai. (DRB.) Angesichts der verschiedenen und z. T. widersprechenden Mutmaßungen über den Verlauf der z. Z. in London stattfindenden außenpolitischen Besprechungen zwischen dem englischen Kabinett und den Ministerpräsidenten der Dominien sah sich Macdonald veranlaßt, am Mittwochnachmittag im Unterhaus eine Erklärung abzugeben.
Der Ministerpräsident wies auf die in einigen Morgenzeitungen veröffentlichten Berichte hin, wonach man vereinbart habe, daß die englische Regierung in Zukunft schnelle außenpolitische Entscheidungen treffen könne, ohne vorher mit den Dominien Rücksprache zu nehmen. Es fei äußerst bedauerlich, daß in einer für das Vertrauen und die Verständigung im englischen Weltreich so wichtigen Frage derartige völlig unbegründete und schädliche Behauptungen aufgestellt würden. Es fei gänzlich unwahr, daß eine Aenderung der gegenwärtigen Verantwortlichkeit und außenpolitischen Verpflichtungen der Dominien erörtert oder erwogen worden fei. Dieser Gegenstand sei überhaupt in keiner der Sitzungen erwähnt worden.
Die englische Regierung Halle energisch an den auf den verschiedenen Weltreichskonferenzen niedergelegten Grundsätzen für das System der Konsultation über Vertragsverhandlungen und ! die Führung außenpolitischer Angelegenheiten im allgemeinen fest. Diese Grundsätze, die in einem Bericht der Weltreichskonferenz von 1930 nledergelegt worden sind, seien durchaus anerkannt und ihre Anwendung sei unbestritten. (Beifall.) Cs sei — besonders für die öffentliche Meinung in den Dominien — von allergrößter Bedeutung, daß über das gegenwärtige System keine falsche Ausfassung vorherrsche.
Die fraglichen Klauseln lauten wie folgt? „Jede in Verhandlungen stehende Regierung S. M. soll die anderen Regierungen S. M., falls diese interessiert sind, unterrichten und ihnen Gelegenheit zur Mitteilung ihrer Ansichten geben, wenn sie glauben, daß ihre Interessen berührt werden können. Jede Regierung S. M. sollte nach Erhalt solcher Informationen irgendwelche Ansichten mit angemessener Schnelligkeit äußern. Keine der Regierungen kann irgendwelche Schritte tun, die die anderen Regierungen S. M. in irgendwelche aktive Verpflichtungen ohne deren endgültige Zustimmung verwickeln könnten.
Im Unterhaus wurden am Mittwoch auch mehrere außenpolitische Fragen zur Sprache gebracht.
Außenminister Sir John Simon erwiderte auf eine Anfrage über den Stand der Luft- Paktverhandlungen: „Die Angelegenheit wird keineswegs vernachlässigt. Ich möchte jedoch zur Zeit keine weitere Erklärung darüber abgeben."
Der Abgeordnete Sir Williams Davidson bat den Ersten Lord der Admiralität um eine Versicherung, daß die gegenwärtige Flotten st ärke Englands „angesichts der kürzlichen Ereignisse in „Deutschland" nicht weiter gemäß dem Vertrag von London verringert werde. Sir Byres Monsell erwiderte, die öffentliche Erörterung dieser Frage sei unerwünscht, aber er habe sich seit langem ausführlich mit ihr beschäftigt. Als der Abgeordnete die weitere Versicherung wünschte, daß einige der zur
Verschrottung bestimmten Kriegsschiffe als Begleitschiffe für Lebensmitteltransporte in Kriegszeiten behalten würden, erhielt er keine Antwort.
Im weiteren Verlauf der Fragezeit teilt Sir John Simon mit, daß die polnische Minderheitenfrage während des Besuches von Großsiegelbewahrer Eden in Warschau nicht erörtert worden sei. Sir John Simon sagte ferner, er glaube, daß der italienisch-abessinische Konflikt in diesem Monat vor den Völkerbund kommen werde. Eine andere Anfrage über die politische Lage in Tanger beantwortete Sir John Simon dahin, daß die englische Regierung mit dem gegenwärtigen Zustand in Tanger unzufrieden sei, daher würden z. Zt. Schritte unternommen, um an die anderen Unterzeichnerstaaten der Konvention von 1923 über die Organisation des Tangerstatuts heranzutreten.
Eden wieder genesen.
London, 8. Mai. (DRB.) Lordsiegelbewahrer Eden ist von seiner Krankheit, die er sich bei feiner Rundreise durch Europa zugezogen hatte, nunmehr völlig genesen. Er wird am Montag seine Tätigkeit im Foreign Office wieder aufnehmen.
Das Echo in derenglischen Provinz
London, 8. Mai. (DRV.) Die gestrige außenpolitische Aussprache im Oberhaus wird von der enalischen Provinzpresse sehr unterschiedlich beurteilt.
„Liverpool Daily Post" begrüßt den Tenor der Aussprache und erklärt, man könne Deutschland nur in den Völkerbund zurückbringen, wenn d i e Versailler Mächte Deutschland als gleichberechtigt behandeln und die Militärklauseln des Versailler Vertrags beseitigen. Ferner müßten der Völkerbund und seine Satzungen den neuen Bedingungen angepaßt werden, die durch Deutschlands Wiederau f st i e g zu einer erstklassigen Macht, mit deren Bestrebungen Europa zu rechnen hat, geschaffen worden sind.
„Birmingham Post" schreibt, die Oberhausdebatte sei schädlich und sogar gefährlich gewesen, weil sie in Deutschland einen vollkommen falschen Eindruck über die öfentliche Meinung Englands erwecken konnte.
DersranzösischeLuffsahttminister in Rom.
Paris, 8. Mai. (DRB.) Luftfahrtminister General D e n a i n startet, von zwei Flugzeugen begleitet, Donnerstagfrüh zum Flug nach Rom. Er wird von Sachverständigen für Militär- und Handelsluftfahrtfragen begleitet. D 6 n a i n will in Rom eine Reihe wirtschaftlicher, militärischer und technischer Fragen mit den maßgebenden italienischen Stellen besprechen. So soll, nachdem bereits Vorarbeiten geleistet sind, die Grundlage für eine enge Zusammenarbeit Frankreichs und Italiens auf dem Gebiet der H a n d e l s l u f t f a h r t geschaffen werden, insbesondere für die Strecke Paris—Rom und für den Südamerikadienst. Auch die Frage der Heber« Biegung d e r verbotenen Zonen soll behandelt werden. Mit den militärischen Sachverständigen Italiens will General D 6 n a i n das in Strefa in Aussicht genommene französisch- italienische Luf tab kommen auf eine solide Grundlage stellen.
Der Pariser Berichterstatter der „News Chro-
niete" meldet, ein hoher Beamter des Luftfahrtministeriums habe ihm erklärt, der Besuch des französischen Luftfahrtministers General Den ain in Rom bedeute nur, daß er dort über einen M i - litärluftpakt rein defensiver 21 rt mit Italien verhandeln werde. Großbritannien werde auf dem Laufenden gehalten werden. Die Franzosen hoffen, daß dieser Pakt zu einem ro e i ■ terreichenden Abkommen führen werde, an dem sich Großbritannien und auch Belgien und Deutschland beteiligen könnten.
Diplomatische Besprechungen bei Laval.
Paris, 8. Mai. (DRB.) Außenminister Laval hatte am Vorabend seiner Warschauer und Moskauer Reise eine ganze Reihe wichtiger diplomatischer Besprechungen. Er empfing zunächst
den italienischen Botschafter (n Parts, der ihn wahrscheinlich über den Ausgang der Konferenz in Venedig unterrichtete. Anschließend hatte er eine Unterredung mit dem polnischen Botschafter C h l a p o w s k i über feinen Warschauer Besuch und schließlich mit den Gesandten Griechenlands und Südslawiens. Laval empfing außerdem den Apostolischen Nuntius.
Japans Kampf
gegen die Geheimverbände.
Tokio, 8. Mai. (DNB.) Die Aktion gegen die politischen Geheimverbände nimmt immer größeren Umfang an. Bisher sind bereits 2500 Verhaftungen erfolgt. Unter den Festgenommenen befindet sich auch der Besitzer des Sensationsblattes „Teito Nitschi-Nitschi", dem Erpressung und Gewatttätigkeit vorgeworfen wird.
Schlechter Anfang zwischen Paris und Moskau.
Oie „kalte Schulten" für die Sowjets.
Paris, 8. Mai. (DNB.) Nachdem sich fast sämtliche französischen Informationsblätter mit den Zei- tungen solidarisch erklärt haben, denen die sowjetrussische Botschaft in Paris die Einreisegenehmigung für ihre Berichterstatter anläßlich der Moskauer Reise Lavals verweigert hatten, teilt der „Temps" jetzt mit, daß der Zwischenfall geregelt sei. Die Sowjetbotschaft in Paris habe bekanntgegeben, daß das Visum für die Einreise nach Sowjetruhland keinem französischen Z e i t u n g s d e r t r e t e r verweigert rorrbe.
„M a t i n" lehnt diese nachträgliche Bereitschaft für sich, wie folgt, a b : Wir haben eine zu hohe Meinung von der journalistischen Aufgabe der Presse, um dieser oder jener Entscheidung einer Regierung zu antworten, die auf die Verräter von Brest-Litowsk folgte und die in der ganzen Welt die Revolution anzuzet- t e l n sucht. Der „M a t i n" wird den französischen Außenminister nicht nach Moskau begleiten. Sein Vertreter wird an der sowjetrussischen Grenze umkehren.
„Journal" kündigt dieselbe Haltung an und schreibt: Wir sind gestern unterrichtet worden, daß die Sowjetbotschaft bereit ist, dem Sonderberichterstatter das Einreise-Visum nach Sowjetrußland zu bewilligen. Die Mitteilung enthielt keinerlei Andeutung und keinen Ausdruck des Bedauerns über das Vorkommnis. Sie ist uns gleichgültig. Wir lehnen das amt
liche Visum ab. „Journal" und seine Mitarbeiter sind gewöhnt, durch den H a u p t e i n • gang in ein Land einzutreten, nicht durch eine mit unbilliger Miene leise geöffnete Hintertür. Der Sonderberichterstatter des Journal" wird daher Laval nur bis Warschau begleiten.
„Petit P a r i f i e n" macht auf die Berichtigung des Irrtums „einer wahrscheinlich untergeordneten russischen Stelle" aufmerksam und erklärt, der Vorfall gebe den Regierungen, die die französische Presse nicht mit der ihr schuldigen Achtung behandeln wollen, eine Lehre. Eine An» gaoe darüber, ob das Blatt einen Berichterstatter nach Moskau entsendet oder nicht, findet sich in der Donnerstagausgabe des „Petit Parisiei/ nicht.
„F i g a r o" begrüßt den Erfolg des Protestes der französischen Presse, deren einheitliche Haltung die Sowjetregierung veranlaßt habe, ihren Irrtum anzuerkennen. Die Sowjets hätten begriffen, daß die Reise Lavals ohne die Begleitung französischer Journalisten viel von ihrem Interesse verlieren würde.
potemkin nach Moskau abgereisi.
Moskau, 8. Mai. (DNB.) Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch des französischen Außenministers Laval in Moskau ist, wie die Amtliche Sowjetrussische Telegraphenagentur meldet, der Sowjetbotschafter Potemkin am Mittwoch aus Paris nach Moskau abgereift, um an den Empfangsvorbereitungen teilzunehmen.
Schuschniggs Begegnung mit Mussolini.
„Hindernisse zwischen Venedig und Rom." — Das Verhältnis zwischen Rom und Belgrad.
Der in der Schwebe gebliebene südslawische Prozeß
gegen werde
Ungarn wegen Verletzung der Verträge formell zurückgezogen werden.
Bedingungen Ungarns.
Budapest, 8. Mai (DNB.) lieber die Ergebnisse der Vorbesprechungen von Venedig liegen noch immer keine amtlichen Mitteilungen vor. Man betont lediglich, daß die Verhandlungen auf diplomatischem Wege fortgesetzt würden. Im allgemeinen besteht der Eindruck, daß die ungarische Regierung sich zur Teilnahme an der Donaukonferenz nur unter beftimmten Bedingungen bereit erklärt habe, zu denen im wesentlichen die Betonung der friedlichen Revision nach Artikel 19 des Völkerbundspaktes, keine Schwächung des allgemeinen Minderheitenschutzes durch den Abschluß eines Nichtein- mischungspaktes und keinerlei gegen Deutschland oder Polen gerichtete internationale Vereinbarungen gehören sollen. In der Frage der militärischen Gleichberechtigung Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens konnten, wie jetzt verlautet, die bisherigen großen Schwierigkeiten nicht überwunden werden. Die allgemeine italienische Zusicherung auf eine zahlenmäßige Erhöhung des ungarischen Rüsttmgstandes soll von ungarischer Seite als ungenügend abgelehnt und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht gefordert worden sein. Die Schwierigkeiten in dieser Frage werden in hiesigen unterrichteten Kreisen nicht auf die Haltung der österreichischen Regierung zurückgeführt, die in der Frage der allgemeinen Wehrpflicht bisher keinen endgültigen, feftumriffenen Standpunkt eingenommen hat.
Das Ergebnis von Kowno.
Kowno, 9. Mai. (DNB.) Die Konferenz der drei baltischen Außenmini st er, die am Montag begann, wurde am Mittwoch gegen 14 Uhr beendet. Der litauische Außenminister L o z o r a i t i s, der lettische Dizeauhenminister M u n t e r s und der estnische Außenminister S e l j a m a a empfingen am Mittwochabend die Presse, um sie von dem Ergebnis der Konferenz in Kenntnis zu fetzen. Sie gaben ihrer Befriedigung darüber Ausdruck, daß die Konferenz, die völlig im G e i st e des Friedens verlaufen fei, den baltischen Verband in der Zusammenarbeit bei aktuellen außenpolitischen Fragen einen Schritt weiter gebracht habe.
Ueber den Abschluß der Konferenz bringt die Litauische Telegraphen-Agentur einen längeren amtlichen Schlußbericht. Danach ist es auf der Konferenz auch nicht zum Abschluß nur eines einzigen Abkommens gekommen. Es wird lediglich feftgefteüt, daß die Bemühungen zur Sicherung des Friedens in Osteuropa, die anfänglich ihren Ausdruck in dem
Wien, 8. Mai. (DNB.) Wie die „Politische Korrespondenz" mitteilt, wird Bundeskanzler Dr. Schuschnigg einen kurzen Erholungsurlaub antreten. Er wird während des Urlaubs voraussichtlich auch dem Konzert der Wiener Philharmoniker, das bekanntlich im Rahmen der Musikwoche in Florenz ftattfinben wird, beiwohnen. Nach den bisher getroffenen Dispositionen wird der Bundeskanzler bei feiner Anwesenheit in Italien auch Gelegenheit haben, mit Mussolini zusammenzutreffen. Der Bundeskanzler wird Mitte der nächsten Woche wieder in Wien eintreffen.
Die beabsichtigte Reise des Bundeskanzlers nach Italien hat hier einigermaßen Aufsehen hervorge- rufen, will man doch daraus den Schluß ziehen, daß die Vorkonferenz in Venedig bedeutende Schwierigkeiten für die bevorstehende Konferenz in Rom zutage treten ließ, zu Deren Beseitigung nunmehr sogar eine Aussprache Zwischen dem österreichischen und dem italienischen Regierungschef notwendig wurde. Während im großen und ganzen die Wiener Presse bis jetzt den Eindruck zu erwecken versuchte, als ob in Venedig alles glatt gegangen wäre, unterstreicht das christlichsoziale „Neuigkeitsweltblatt" in seinem heutigen „Hindernisse zwischen Venedig und R o m" überschriebenen Leitartikel die hauptsächlich zwischen der Kleinen Entente und Ungarn aufgetauchten Streitpunkte.
Englische Kommentare.
London, 9. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der „Time s" - Berichterstatter in Rom drückt Die Vermutung aus, daß auf der bevorstehenden Zusammenkunft zwischen Bundeskanzler Schuschnigg und Mussolini besonders die Frage einer österreichischen Wiederaufrüstung und der Zukunftder Habsburger erörtert »erben solle. Alles beute barauf hin, daß Italien sehr darauf bedacht sei, die römische' Konferenz soweit wie möglich im voraus vorzubreiten, damit die Ab- Ordnungen der neun teilnehmenden Staaten ihre Arbeit in wenigen Tagen leisten könnten.
Sehr bebeuffam sei die an den südslawischen Ministerpräsidenten und Außenminister 3ef- tltsch ergangene Einladung, am 18. Mai aus dem Wege nach Genf in Venedig mit Unterskaatssekretär S u v i ch zusammenzutref- fen. Soweit bekannt, sei dies die erste der Einladungen an Außenminister der kleinen Entente, mit denen gerechnet wurde. Daß sie dem südslawischen Minister galt, sei ein eindrucksvoller Hinweis auf die Besserung der Beziehungen, die allmählich zwischen Rom und
Belgrad eingetreten sei.
Gedanken des Ostvaktes gefunden hätten, fortge- fetzt werden würden und daß die Anstrengungen der Mächte bisher insofern Ergebnisse gezeitigt hätten, daß die Mächte ihre Zustimmung zu dem Gedanken eines kollektiven und regionalen Sicherheitssystems gegeben hätten. Die drei Staaten seien bereit, ihre aktive und ehrliche Mitarbeit jeder Aktion zu leihen, die die Verstärkung derartiger Sicherheitsgarantien inOsteuropa zum Ziele habe. Die drei Außenminister würden die Methoden ihrer Zusammenarbeit im Gei st e des Völkerbunbspaktes prüfen und vertiefen. Sie feien entschlossen, sich gegenseitig nach den Bestimmungen des Ärttkels 1 des baltischen Annäherungsabkommens vom 18. August 1934 politische und diplomatische t^Hilse $1 leisten.
Der Berichterstatter der „M o r n i n g P o st" in inom sagt, einige Leute glaubten, der österreichische Bundeskanzler komme nach Florenz, weil er mit bem österreichischen Anteil an ben wirtschaft- lidjen Vorteilen, bie Italien auf ber Konferenz in Denebig Oesterreich und Ungarn versprochen habe, unzufrieden sei. Andere Leute glaubten, daß das österreichische Kabinett dringend wünsche, die Frage einer Wiederherstellung der Habsburger aus allen internationalen (Erörterungen auszuschließen. Andere Gerüchte besagten, der unerwartete Besuch sei auf geheime Nachrichten über einen geplanten Staatsstreich in Oesterreich zurückzuführen.
JBas die italienisch-südslawischen Beziehungen betreffe, so werde allgemein ein großer Fortschritt erwartet. Es werde angenommen, daß bei dem Besuch von I e f l l t s ch ein Weg gefunden werden könne, um alle Mißverständnisse zwischen den beiden Laudern zu beseitigen.


