Geschichten aus aller Welt
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LPD. Frankfurt a. M., 8. März. Die Leitung der Großen Deutschen Luftschutz- ausstellung hatte zu einem Selbstschutz- nachmittag eingeladen, bei dem Oberleutnant a. D. Lenz den Beweis erbrachte, daß die Ausstellung nicht nur dazu dient, dem deutschen Volke die Gefahr zu zeigen, in der sich ein Land befindet, das von hochgerüsteten Nachbarstaaten umgeben ist, sondern daß der Wert dieser Ausstellung darin liegt, daß sie den Se lbst schütz zu zeigen und zu lehren als ihre vornehmste Aufgabe betrachtet. Und diese Beweisführung ist gelungen. Der Leiter der Ausstellung wies in seinem Dortrag zunächst auf die Bedeutung des Luftschutzes hin, der sich allein schon durch die Tatsache bestätigt, daß sich führende Männer des Nationalsozialismus werbend für die Ideen des Reichsluftschutzbundes einsetzen.
Wenn hierdurch die Bedeutung des Luftschutzes genügend gekennzeichnet ist, so ergibt sich hieraus
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Der Hai, der nicht sterben wollte.
(th) Kapstadt.
Als Tim Guldenbuik mit seinen Negern in der Hout-Bucht bei Kapstadt seine Netze hereinholen wollte, ruckte es darin so erheblich, daß die Neger ausreißen wollten. Die Seeschlange persönlich? Em Wal etwa gar? Man hievte das Netz ganz vorsichtig. Ein Hai war's! Aber was für ein Hai! Unter Brüdern seine 8,20 Meter lang und 5 Tonnen schwer.
Das war ein Fang. Aber man hatte ihn noch gar nicht. Das Tageslicht, dem man den Hai entgegenbrachte, fachte seine Lebensgeister an. Er begann zu toben und zu tanzen. Er wickelte sich in das Netz. Er rollte sich und drehte einen Salto. Dann hüpfte er 1,50 Meter hoch aus dem Wasser, so daß alle Schifflein ringsumher in Gefahr gerieten.
Man holte die Gewehre. Nur gute Schüsse. Schüsse, die sonst tödlich sind: 5 Schüsse, — der Riese tobte weiter. 10 Schüsse — kaum ein Ermatten zu verspüren. 12 Schüsse — er wurde ein wenig matter. Mit dem 13. Schuß brachte man ihm das Ende. Man hatte sich volle drei Stunden mit ihm herumgeschlagen. .
Aber dafür war es auch der größte Hai, den man seit langem aus dem Meere zog.
Ein Elefant verliebt sich in einen Polizisten.
(ut) London.
Ein Elefantenabenteuer im friedlichsten England, fernab von strahlender Sonne und dichtem Dschungel. Der Elefant gehörte zu einem Wanderzirkus, dessen Ställe aber offenbar nicht massiv genug gebaut waren, um den Dickhäuter dauernd zu beherbergen. Jedenfalls brach er eines Mittags aus und marschierte neugierig, alles genau betrachtend, durch die Straßen der Stadt Leyton. Zwar holte er sich in einem Gemüseladen ein paar Rübchen aus einem Korb und zwölf Apfelsinen aus einer Kiste, doch sonst war er ein sehr anständiger Zirkuselefant.
Plötzlich hatte er den Verkehrspolizisten von Leyton gesehen, dem die Aufgabe oblag, auf der Hauptstraße für guten Durchgangsverkehr zu sorgen. Der Elefant stand ganz still und schaute ihm aus der Ferne zu. Dann kam er langsam auf den immer noch seine Pflicht brav erfüllenden Beamten zu. Der zuckte mit keiner Wimper, obwohl ihm ein wenig unheimlich wurde. Doch der Elefant tastete ihn ganz zart mit seinem Rüsiel ab, faßte ihm auch wohl mit dem Rüssel um den Hals und machte ihm „schöne Augen".
die weitere Notwendigkeit, zu beweisen, daß Luftschutz auch Sinn und Zweck hat.
Denn wir aus dem TRunb des Redners hören, daß 1914 von den im Westen Deutschlands abgeworfenen 33 Bomben 52 Zivilisten gelötet wurden, so errechnet sich aus der Zahl der Verluste an Menschenleben die Verhältnisziffer 160. Wenn sich aber 1918 aus der Zahl von 8000 abgeworfenen Bomben nur noch die Verhältnisziffer 15 errechnet, fo ist mit der Gegenüberstellung 160 zu 15 die Wirksamkeit des Luftschutzes bewiesen,
auch für die heutigen Verhältnisse, wenn wir den verstärkten Kampfmitteln den verstärkten Keller, sprich Schutzraum, gegenüberstellen. Und wenn wir weiter aus dem vorbildlichen Kartenmaterial ersehen, daß Frankfurt in der Kriegszeit mit 102 Bomben eingedeckt wurde und die Stadt Karlsruhe
Dem Elefantenwärter, der lärmend seinem entsprungenen Riesen nachgelaufen war, blieben Mund und Nase offen, als er das sah, denn der Elefant war — einfach in den Beamten verliebt und „kares- sierte" mit ihm so, wie es bei einer ersten Ele- fanten-Liebeserklärung üblich ist. Man konnte ihn nur mit Mühe von der „neuen Liebschaft" trennen, und immer wieder wandte sich der Elefant noch einmal um, um nach dem Verkehrspolizisten von Leyton zu schauen. Wer möchte bestreiten, daß es auch in England Dschungelabenteuer gibt ...?
Die Maschinenstürmerinnen.
(z) Marseille.
Im Marseiller Gerichtsgebäude ging es kürzlich äußerst lebhaft zu. Nicht weniger als 54 „Bräute" ergossen die Schale ihres Zornes über einen Heiratsschwindler, der ihnen unter den schönsten Versprechungen ihre letzten Ersparnisse und noch manches andere abgelistet hatte. Was aber den größten Zorn dieser enttäuschten Heiratslustigen hervorrief und was sie dem Betrüger auf keinen Fall verzeihen wollten, war die Tatsache, daß er — als moderner Mann — die modernsten Hilfsmittel zu seinem „Betrieb" gebraucht und seine Liebesbriefe auf einer elektrischen Maschine vervielfältigt hatte!
Obwohl der Mann zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, stürzten sich die enttäuschten Bräute auf die als „belastendes Moment" bereitgestellte Maschine und ruhten nicht eher, als bis jie in winziae Stückchen zertrümmert vor dem Justizpalaste lag...
Stachliges Abenteuer.
Dr. R. D. R o m.
lieber die Autostraße bei Asti in Norditalien bummelte ein Igel. Zweifellos gehörte er nicht auf diesen gefahrvollen Weg, so wie das berühmte Morgensternsche Huhn nicht in die Bahnhofshalle gehörte, aber er war anscheinend ein recht leichtsinniger Igel, der seelenruhig auf die andere Chausseeseite zu marschierte, obwohl jeden Augenblick ein Ungeheuer heranbrausen und ihm den Garaus machen konnte. Ehe der Stachlige den sicheren Graben erreicht hatte, brach das Schicksal über ihn herein. Der Igel hatte keine Zeit mehr zu quietschen, da war er schon von einem Wagenrad plattgedrückt.
Aber auch dem Auto bekam dieser Zusammenstoß nicht gut. Ein Stachel des Igels durchbohrte den Reifen, der Wagen kam ins Schleudern und landete im Sttaßengraben. Zwei von den Jnsasien kamen mit dem Schreck davon, während der dritte schwer verletzt wurde.
gekommen war.
Warum hatte denn aber der Zug mitten auf der Strecke so plötzlich angehalten? Voller Neugierde kletterten die Fahrgäste aus den Abteilen und liefen nach vorne. Vor der Lokomotive spielte sich eine herzzerreißende Szene ab. Auf den Schienen lag ein zerlumpter, ausgehungerter Zigeuner mit fünf nackten Kindern und jammerte ... Er sich überfahren lassen wollen, schluchzte er, er keinen Ausweg aus seiner Not mehr ge=
Ziegelsteinbetriebes, z. B. der hochwertigen Fassadensteine, Fußboden- und Wandplatten, säurebeständige Steine, Chamottesteine usw. wird der Rohstoff Ton in feinerer Mahlung und Zusammensetzung hergerichtet, nachdem er verschiedene Zwischenstationen passiert hat und dann durch die Zie- gelpresie gegangen ist. Der Trocknungs- und Brennprozeß spielt sich in der gleichen Weise ab wie beim Klinkerstein, nur ist die Zeit der Trockendauer je nach dem Erfordernis des jeweiligen Stemfabn- kates verschieden. .
Einen weiteren Spezialbetrieb stellt Die Herstellung der Glasursteine dar, bei der ein großer Teil reiner Handarbeit zu leisten ist, sowohl bei der Formung der Steine, als auch beim Aufbringen der Glasur. Das Brennen der Glasursteine wickelt sich technisch in ähnlicher Art wie beim Klinkerstein ab, es erfolgt aber in einem besonderen Glasurofen, der auf diesen Spezialzweck eingerichtet ist. Reiche Be» rufserfahrung und große Handfertigkeit der Ar- beiter in diesem Spezialzweig spielen dabei eine bedeutsame Rolle.
Auf den Lagerplätzen der Gailschen Tonwerke sieht der Besucher am Schlüsse seiner mehrstündigen Wanderung durch den interessanten Betrieb eine überaus große Reichhaltigkeit der Fertigfabrikate, die Zeugnis ablegt für die Vielseitigkeit der Anforderungen, denen die moderne Ziegelsteinindustrie in der gesamten Bauwirtschaft gerecht werden muß.
Man überfährt nicht ungestraft einen Igel.
Hier läßt sich eine andere „stachlige" Geschichte anschließen, die sich in Arizona zutrug und em bißchen harmloser auslief. . , .
Heber der Hochfläche von Arizona geriet em Flugzeug in Brand. Dem Piloten blieb nichts anderes übrig, als sein Heil in der Flucht zu suchen. Er sprang mit seinem Fallschirm ab, und alles wäre glatt gegangen, wenn er nur richtig auf der Erde gelandet wäre. So setzte er sich aber daneben, nämlich auf einen Riesenkaktus.
Ein Kaktus ist noch niemals ein sanftes Ruhekissen gewesen. Diese schmerzliche Erfahrung machte auch der unglückliche Fallschirmspringer. Entsetzt hopste er wieder in die Höhe, und wirklich tat ihm der Schirm noch den Gefallen, ihn von dem stachligen Sitz herunterzuholen und ihn em Endchen weiter zu tragen, wo sich der Pilot seine Kehrseite rieb und darauf wartete, daß man ihn auffande. Er fühlte sich nicht zum Fakir geboren, nut einem Nagelbrett bzw. einem Stachelsitzkissen wollte er nichts zu tun haben. Nie wieder auf einem Kaktus landen — das hat er sich oorgenornrnen, als er einige Tage lang im Krankenhaus auf dem Bauch
mußt hätte. Seine Frau sei ihm vor kurzem gestorben, und nun könne er seine Kinder nicht mehr satt machen, von irgendeiner anständigen Bekleidung ganz zu schweigen.
Die Fahrgäste schwiegen ergriffen. Dann zog einer seine Geldbörse. Fast alle fühlten sich von die- fern Jammer ans Herz gepackt und spendeten reichlich. Es kam eine ganze Menge Geld zusammen. Der Zigeuner wußte sich vor Freude und Dankbarkeit nicht zu lassen, ließ das Geld in seinen Lumpen verschwinden, packte seine nackten Gören zusammen und zog unter vielen Bücklingen ab. —
Als sich dieser Fall auf den rumänischen Eisenbahnstrecken zum drittenmal wiederholt hatte, griff die Polizei ein. Sie konnte aber nur die fünf immer noch unbekleideten Zigeunerkinder fassen. Ihr pfiffiger Papa hatte das Weite gesucht und war über die Grenze nach Ungarn gegangen, wo es ebenfalls Eisenbahnstrecken gibt ...
Das Gramen.
Da. Praa.
In der Psychiatrischen Klinik tritt ein KcrnNdat an den Prüfungstisch, verbeugt sich vor dem Examinator und dem neben ihm sitzenden Dekan der Medizinischen Fakultät, der erst kurze Zeit in Prag tätig und dem Kandidaten deshalb noch nicht bekannt ist. Noch ist'der Kranke, an dem der Prüfling feine Kunst beweisen soll, nicht in den Saal gebracht worden, da wird der Examinator ans Telephon gerufen und bittet den jungen Kandidaten, doch schon immer mit der Untersuchung des „Falles zu beginnen.
Der angehende Doktor betrachtet sich mit unverhohlener Aufregung den vor ihm sitzenden Dekan und geht gleich medias in res. „Können Sie mir sagen, was wir heute für einen Tag haben?" Jetzt ist die Reihe, ängstlich zu werden, an dem Dekan. Aber er begreift und beschließt bei sich, ein Scherz- chen zu riskieren. „Mittwoch", sagt er, obwohl heute Samstag ist. Der Kandidat hat einen Bleistift herausgezogen und notiert.
„Wieviel ist 17 mal 23?" lautet die nächste Frage. Wie aus der Pistole geschossen, antwortet der Dekan: „798". Der Kandidat findet, daß dies heftig vorbei- geschossen,ist und macht Notizen.
Auf die Fragen nach der Geschichte der Tschechoslowakei, nach geographischen Begriffen, ja, nach den alltäglichsten und gewöhnlichsten Dingen bekommt er ebenfalls recht verwirrte Antworten. Nur ab und zu tut ihm der „Kranke" den Gefallen, „lichte Momente" zu haben. Aber daß er der Dekan X. sein will, hält der junge Mediziner denn doch für Anzeichen von Größenwahn und schließt in diesem Sinne sein ; Protokoll ab.
Sein Gesicht muß unbeschreiblich gewesen fein, als er dem zurückkehrenden Examinator siegesbewußt • das Ergebnis seiner Untersuchung bekanntgibt, und ■ der Professor einen unerwarteten Lachanfall be» , kommt, der sichtlich ansteckend auf den „Kranken" - wirkt.
oder durch die Neueinsehung von getrocknetem Steinmaterial für den nächsten Brand hergerichtet werden. Wenn der Steininhalt einer Kammer fertig gebrannt ist, muß der von außen her vermauerte Zugang zur Kammer aufgebrochen werden, um m die Kammer hineingelangen und ausraumen zu können. Sobald eine geräumte Kammer wieder mit neuem getrocknetem Steinmaterial zum Brennen beschickt worden ist, wird der Zugang erneut fest vermauert, damit die Flamme in vollem Ausmaße zur Wirksamkeit gelangt. Der ganze Arbeitsvorgang — vom Zeitpunkt des Einsetzens der getrockneten Steine in die Kammer über die mehrtägige Brenndauer hinweg bis zu dem Zeitpunkt des Ausräumens der Kammer — erstreckt sich auf eine Zeitdauer von rund 14 Tagen.
Nach befcj Brennen werden die nunmehr fertig» gestellten Steine auf den Wagen der Förderbahn hinausgefahren auf einen der großen Lagerplätze vor dem Betriebsgebäude, von wo aus sie entweder mit der bis unmittelbar in die Fabrik hineingeführten Reichsbahn, oder mit Lastautos, oder mit Pferdefuhrwerken zu den Baustellen abtransportiert werden, auf denen sie ihre letzte Verwendung beim Bauwerk finden.
In ähnlicher Weife vollzieht sich der Arbeitsgang bei der Fabrikation der Deckenhohlsteine (Hourdis), Dränröhren, Dachfalzziegel und bergt Bei den verschiedenartigen Spezialfabrikaten dieses
Oer Lustschuh als Selbstschutz.
Ein aufschlußreicher Nachmittag in der Lustschutzausstellung in Frankfurt.
lag.
Das Vermögen im Kochtopf.
(d) Neapel.
Einem Barbier in Neapel erschien eines Nachts im Traum seine Großmutter und gab ihm den guten Rat, die Nummern 10, 22 und 74 im Lotto zu spielen. Am Morgen bevor er zur Arbeit ging, händigte der Barbier seiner Frau 5 Lire aus mit dem Auftrag, sie auf die geträumten Nummern zu setzen. Die Frau aber war nicht abergläubisch und kaufte für das Geld einen neuen Kochtopf. Nun wollte es aber das Verhängnis, daß die Nummern der Großmutter tatsächlich gezogen wurden. Als der Barbier erfuhr, daß der Einkauf des neuen Kochtopfs ihn um ein Vermögen gebracht hatte, zerschmiß er nicht nur diesen — sondern aller Hausrat, der nicht niet- und nagelfest war, wurde ein Opfer seiner berechtigten Wut.
Verkehrsstörung.
R. D. 93 u f a r e ft.
Als der Zug beinahe die ungarisch-rumänische Grenze erreicht hatte, gab es einen Ruck, die Fahrgäste purzelten durcheinander, und es erhob sich ein großes Geschrei. Die Bestürzung legte sich aber bald, als bekannt wurde, daß niemand zu Schaden
Geschichten von Segelschiffen.
Don Heinrich Hauser.
Kompaß und Krinoline.
Der Kapitän eines Ostindienfahrers schreibt 1856: „Auf der letzten Reise fand ich eines Tages bei der Sonnenbeobachtung mein Schiff gut dreißig Meilen von feinem Kurs. Mein ernsthafter Tadel den Wachoffizieren und Steurern fruchtete nichts: am nächsten Tag fand ich die gleiche Erscheinung und den Irrtum noch gesteigert. Augenscheinlich lag der Fehler am Kompaß, obwohl Sternbeobachtungen ergaben, daß er mindestens nachts korrekt zeigte.
Tief beunruhigt, schwer besorgt und außerdem übermüdet von der schlaflosen Nacht, betrat ich nach dem Frühstück das Deck. Da sah ich in der Nähe des Kompasses eine Dame sitzen, die dort, wie schon die letzten Tage, zu nähen pflegte. Vorsichtig näherte ich mich in dem Verdacht, es läge vielleicht die Schere am Kompaß und bewirke eine Ablenkung. Das war indessen die weite Krinoline der schönen Dame, und obwohl von außen nichts zu sehen war, lag der Fall nun klar!
Allen Mut zusammennehmend, rief ich mit so wenig Tadel in der Stimme wie möglich: „Madame, Sie haben durch lokale Anziehung mein Schiff um vierzig Meilen von seinem Kurs gebracht."
So war es denn auch wirklich, denn in der Krinoline waren Stahlbänder, eiserne Reifen und sogar Spiralfedern eingenäht, deren Nähe den Kompaß naturgemäß beeinflußt hatte."
Bringt Besatzung — lebend ober tot!
In den norbamerikanischen Häfen pflegte gemeinhin ein großer Teil der Mannschaft europäischer Schiffe auszureißen. (Das ist übrigens bis zu unseren Tagen so geblieben). Die Schiffe gerieten dadurch in große Leutenot, und die „Heuerbase", die Stellenvermittler der Seeleute, bekamen 35 Dollar für jeden Mann, den sie stellen konnten. Um nun überhaupt Leute an Bord zu schaffen, wurden sie vorher an Land sinnlos betrunken gemacht und wie Warenballen an Bord des Schiffes gebracht, das dann schnell in See ging, damit die Kerle nicht wieder ausreißen konnten.
Der Kapitän des britischen Schiffes „St. John" schreibt 1848 hierüber: „Gleich nach dem Auslaufen berichtete mir mein Steuermann, daß die Heuerbose von New Orleans zwei Tote als Mitglieder der Besatzung an Bord gebracht hätten. Bei der Untersuchung der Leichen in ihren Kojen sand ich sie so steif und starr, daß sie unmöglich erst an Bord gestorben fein konnten. Dergleichen soll sich schon wiederholt ereignet haben."
Von Hortbrot, Schildkröten und Sonntagspudding.
Ueber Solzfleisch, Hartbrot und die dazugchöri- gen Würmer hot wohl jeder in Seeromanen Ausführliches gelesen. Skorbut galt als die unvermeidliche Krankheit tanger Segeffchiffreisen in einer Zeit, die nichts von Vitaminen wußte-, oft genug wurden große Tele der Besatzung von ihm hin- gerafft. Seit Jahrhunderten konnte man ober schon Zitronensaft als Vorbeugungsmittel: in dringenden Fällen wurde, wenn irgend möglich, Land an» gelaufen. Fand mon dort keine frffchen Früchte oder Gemüse, so grub man die Potienten bis zu den Schultern in die Erde ein, das soll auch geholfen haben, wenn man den Berichten glauben darf. Als idealer Frischproviant galten Schildkröten, die sich jahrelang im Laderaum lebend halten ließen.
Ein alter Kapitän schreibt 1880: „Das Ding, dos der Koch am Sonntag als Pudding auf den Tisch brachte, hat wahrscheinlich mehr dazu beigetragen, alle Seeleute mit vierzig Jahren umzubringen, als irgendeine andere Drangsal".
Im übrigen gibt es Hartbrot auch heute noch an Bord der größten und luxuriösesten Ozeandampfer: im Notproviont der Rettungsboote.
An die Pferde.
Geschrieben für ein Hferdebuch.
Don Kar! Benno von Mechow.
Wendet euch nicht ab, wir wollen euch grüßen!
Wir möchten neben euch treten, den Arm über euern Hals legen und an eurer Seite bleiben. Wir finden, daß wir glücklich sind, wenn wir so stehen. Was kann uns Besseres geschehen? Wir sind eure Kameraden.
Was bleibt uns Menschen, wollen wir, blind und taub wie wir sind, aus der Zeit hinaus in das große Leben schauen? Ein Kindergesicht, stumm zu uns aufblickend, das Gesicht eines Menschenkindes, ja — und dann eure Augen, ihr Pferde! Was haben mir sonst?
Wendet euch nicht ab, wir sind nicht voller Dunkel und Stolz. Wir haben nicht im Sinn, die Brille vor die Nase zu rücken, den spitzen Stift aus der Tasche zu holen und unserer eigenen Herrlichkeit zu schmeicheln, indem wir über euch schreiben: ein Erwachsener neigt sich zu einem Kinde und ist doch s o groß? Nein, das ist nicht unser Wille.
Kehrt uns also nicht eure Kruppe entgegen, laßt bas ärgerliche Spiel mit den Ohren, tut nicht, als wolltet ihr uns beißen!
Laßt das, tomnrmt näher, kommt heran! Neigt die Köpfe zu uns nieder, leiht uns eure Ohren her, erlaubt, daß wir euch die Schabrine auf die Stirne ziehen und glätten, daß unsere Hand euer trockenes
Gesicht hinabglettet und auf den Nüstern ruht, daß sie um eure sammetweiche Schnauze spielt und ein klein wenig zärtlich tut. Ihr seid dann leicht heiter bewegt, ihr werft eure Oberlippe über den Vorderzähnen hoch, und es ist, als ob ihr lacht. So haben wir oft miteinander gespielt, Erholung und Spiel von gleich zu gleich. Wir haben mit euch Pferden gelebt, haben euch geritten und gefahren — gut, mittelmäßig und schlecht — und haben euch immer geliebt. Nun wollen wir euch grüßen, euch danken, euch ehren ...
Sofern der Mensch ein Tier ehren kann. Ihr schaut uns an, was ist das mit euren Augen, was ist euer für uns fo stummes Leben? Wie lebt dies große, wunderbare Leben in euch?
Wir wissen, daß wir nichts wissen. Oft aber scheint es uns, daß ihr mehr seid als wir. Was vermögen wir zu eurer Ehre? Ihr schaut wieder so verächtlich, ihr schüttelt die Ohren, und nun wollt ihr auch noch gähnen! Ihr traut uns nicht recht, ihr wißt von einer Mode unter den Menschen, die Mode heißt: das Tier. Der Mensch entdeckte das Tier, photographierte es tausendmal und stellte es hinein zum anderen Getändel seiner überlauten Muße. Stolz spricht er: „Tiere sehen mich an!"
Nichts davon, wir sind uns nicht wichtig, wir sind eure Kameraden. Wir wünschen, euch zu ehren, indem wir von eurem tausendfältigen Leben erzählen, ein Gleichnis zu gewinnen. Da sollt ihr aufstehen und sprechen aus euch selbst, ein jedes in seiner eigenen Sprache. Denn Feins von euch Pferden gleicht in Wesen und Schicksal dem anderen. Mit der Type umgreift man euch nimmer und nie, ihr seid nicht eine Summe von Motoren!
Ja, euer Schicksal, wie sieht es doch aus? — Wir Menschen tragen das unsere durch das Leben, aus der Geburt in den Tod. Wir tragen, so groß wir auch tun. Was wir tragen, es hat uns keine körperliche Gestalt. — Ihr aber, wer lastet auf eurem Rücken, wer regiert vom Bock aus mittels Zügeln euren Hals? Wer steht zugreifend bei eurer Geburt, wer setzt den Tod oft mitten hinein in eure Tage? Euer Schicksal, sieht es nicht aus wie ein Mensch!
Wir sind euch verpflichtet, wir wissen es.
Aus den großen Städten seid ihr verschwunden. Die Straßen der Welt, unzählbare Jahre von euch beschritten, wurden mit einem Panzer verhärtet. So raubte man euren empfindlichen Hufen den federnden Boden und die Fühlung mit der lebendigen Erde. Ihr brauchtete sie, im Schritt und im Galopp.
Nun muß man auf einsame Aecker flüchten, euch wiederzufinden. Es gibt Menschen, die von euch nur die Formel kennen, mit der sie die Kraft ihrer Vehikel messen, — die nichts wissen vom guten, tauberen Geruch eures schweißigen Halses, von
eurer empfindsamen, heißen Lebendigkeit. Es gibt Leute, die sagen, ihr stürbet aus.
Wir glauben das nicht. Wir glauben, daß ihr alt werdet, so alt wie die Welt, daß ihr alle Maschinen überlebt. In euch lebt das ewige Leben dieser Erde. Wir nahmen, wir nehmen unseren Anteil daran:
Wir kennen ein Wort, ein Kommando, einen zündenden Aufruf. Wenn wir ihn hörten, fuhr der Blitz in unsere Glieder und wir fanden uns auf unserem Wellentanz von Abenteuer zu Abenteuer am Eingang frisch aufbrennenden Geschehens. Wir enden mit diesem Wort unseren Gruß, es lautet wie unser Anfang, es lautet: An die Pferde!
3eiffd>riften.
— „Das Innere R e i ch". Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul A l v e r d e s und Karl Benno von Mechow. Preis 1,80 Mark, vierteljährlich 4,80 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München. — Das Märzheft beginnt der bekannte Musikhistoriker H. I. Moser mit einem lebendigen Aufsatz über Georg Friedrich Händel, den er in feiner Eigen- bebeutung neben Bach sehr schön charakterisiert. Manche treffenbe Bemerkung über Händels und Bachs Kunst findet sich dann in den klugen Gedanken E. von Cranach-Sicharts „über wechselseitige Beziehungen der Künste". Neben Gedichten von Fr. L. Barthel, Georg Britting, Fritz Diettrich, Günter Eich und Wladimir von Hartlieb steht eine eigenartige Erzählung von Jochen Klepper: „Das Ende". Einen Schmuck des Heftes bedeuten die Wiedergaben der klaren Bilder Werner Peiners, über dessen Schaffen E. A. Dreyer einleuchtend berichtet. Einen wertvollen Beitrag bedeuten Karl Heidkamps Ausführungen über das Hobeitszeichen Friedrich Wilhelms I. Als dichterisches Werk hohen Ranges weiß Ernst Wiechert Wolfgang Seidels Novellen „Abend und Morgen" bekannt zu machen.
— Aus Anlaß des 250. Geburtstages von Johann Sebastian Bach hat die Leipziger „I11 u st r i r t e Zeitung" eine große Bach-Sondernummer herausgegeben. Arthur Brausewetter würdigt in eisern Einführungsaufsatz das Genie Bachs, K. A. Findeisen schreibt in seinem Auffatz „I. S. Bachs Erdenwallen" den Lebensgang. Dr. Karl Geiringer berichtet über die Familie Bach und bietet in feinen Ausführungen einen wertvollen Beitrag zur Familiengeschichte und zur Frage der Begabungsvererbung. Professor I. Müller-Blattau weist in dem Aufsatz „Bach und die Musik seiner Zeit" gewissermaßen das musikalische Milieu Bachs auf, und Ipo- masfantor Professor Straube gibt eine ausführliche Hebersicht über die „Geschichte der Bach-Bewegung . Daneben verdienen die Illustrationen der Nummer besondere Erwähnung: fünfzig, zum Teil wenig bekannte Bilder ergänzen den Text aufs glücklichste. —


