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seres Volkes klar erkannt: es galt in einem gesun­den Geschmack die Voraussetzung für ein wirkliches Kunsterleben zu schaffen. Hier beginnt die erziehe­rische Aufgabe der Kunstkritik. Gewiß die beste völkische Kunsterziehung vermittelt das Kunstwerk selber, sei es, daß es dem Volksgenossen in der Symbolik des alltäglichen oder geschichtlichen Ge­schehens die Kräfte unserer Weltanschauung auf­deckt, oder sei es, daß es die Seele des ausnehmen­den Menschen über den Alltag hinaus hebt und sie zur inneren Beschwingtheit und zur Freude führt in jedem Fall aber interessiert, da man dumpf ahnt oder auch bewußt weiß, daß der Künstler als ein Bruder im Volk steht und Freud und Leid mit ihm teilt. Die Kunstkritik von heute will nichts mit einer abstrakten Aesthetik und einer intellektualistisch- theoretischenVolksbildung" zu tun haben, sondern will eine allgemein verständliche, einfache und lebendige Einführung in das Kunstwerk geben. Wenn möglich, läßt sie den Schöpfer selbst über sein Werk und dessen Entstehung sprechen oder stellt Werke, die denselben Stoff behandeln, die aber von Künstlern verschiedener Völker oder Stämme geschaffen wurden, einander gegenüber und läßt so die blutsmäßige und volkliche Bedingtheit des künst­lerischen Gestaltens klar erkennen. Sie lehrt das Volk den Künstler als seinen geistigen Führer anzu­erkennen, der nicht nur für eine bevorzugte Kaste die Erscheinungen der Welt vergeistigt und das Ge­schaute in künstlerische Form bannt, sondern der als ein vom Schicksal Auserwählter in der Volks­gemeinschaft vom Leben und Schicksal der Seele seines Volkes kündet.

Oer vollkommene Polizeihund.

Die Londoner Kriminalpolizei benutzt seit Jah­ren für ihre vielfältigen Aufgaben Polizeihunde, ist aber mit ihnen noch nicht restlos zufrieden, wes­halb sie bei den englischen Hundezüchtern angeregt hat, denvollkommenen Polizeihund" zu züchten. Man soll sich angeblich auch schon darüber klar sein, durch Kreuzung welcher Rassen der ideale Polizeihund entstehen soll. Von ihm wird eine hohe Intelligenz, Geschwindigkeit und sehr stark ent­wickelter Geruchs- und Spürsinn verlangt; natür­lich muß er auch mutig sein. Der englische Kricgs- minister, der sich für die Züchtung der neuen Rasse sehr interessiert, da auch die englische Armee Hunde dieser Art sehr gut verwenden kann, hat einen Preis für die besten Exemplare der neuen Rasse gestiftet. Die Notwendigkeit, eine neue Rasse mit den angegebenen Eigenschaften erst zu züchten, will uns nicht recht einleuchten, besitzen wir doch z. B. in dem deutschen Schäferhund eint Rasse, die sich sowohl bei unserer Polizei, als auch in unserem Heer ausgezeichnet bewährt hat und als Polizeihund auch im Ausland sehr geschätzt ist.

Schnee liegt, melden sich hier in dem größten Wein­baugebiet Deutschlands bereits die ersten Boten des Frühlings. Besonders die Vorderpfalz hat ein ge­radezu tropisches Klima, und so kommt es auch, daß hier alljährlich Mandeln und Feigen unter der warmen Sonne zur Reife kommen. Edles Obst aller Art wird in großen Mengen geerntet. Die Ba­der und Heilstätten der Vorderpfalz sind wegen ihrer klimatischen Vorzüge so beliebt und wirkungs­kräftig. Die Pfalz hat das größte zusammenhän­gende Waldgebiet Bayerns. In dieses Gebiet führt die Fahrt nach dem bekannten Städtchen Neu­stadt a. d. Haardt und Hambach. Neustadt an der Haardt ist der Mittelpunkt des pfälzischen Weinhandels. Weinlandschaft und Waldgebiet ver­einigen sich hier zu einem harmonischen Bild. Schöne alte' Fachwerkbauten und die gotische Stiftskirche zeugen von der Tradition dieser Stadt. Die Pfalz ist das größte Burgenland Deutschlands, und zahl­reiche alte Burgruinen künden von längst vergange­ner Zeit und von einer hochstehenden Kultur. Ein Tag des Aufenthalts in der Pfalz wird zum Be­such und zur Besichtigung der alten Dom- und Kaiserstadt Speyer benutzt. Speyer ist die älteste Siedlung am Oberrhein, und sein Kaiserdom ist der älteste romanische Kirchenbau Deutschlands. Noch viel zu unbekannt ist dieses Land, und es ist eine dankbare Aufgabe, dieses Gebiet für den Urlaubs­verkehr zu erschließen.

Urlaubszug ins Allgäu vom 30. März bis 7. April. Fahrtkosten 33,50 MarV. Schlußtermin für die Anmeldung 15. März. Während in anderen deutschen Gebieten der Früh­ling schon seinen Einzug hält, ist im Allgäu noch immer Gelegenheit zum Wintersport gegeben. Wie­der ist Pfronten das Ziel der Fahrt. Schon die Anfahrt wird hier für jeden Teilnehmer ein Erleb­nis bedeuten. Durch den Schwarzwald geht es nach Friedrichshafen, wo die Zeppelinwerft be­sichtigt wird, dann am Bodensee entlang nach der schönen Inselstadt Lindau im Bodensee. Erst nach diesen beiden Zwischenstationen wird die Fahrt in das eigentliche Urlaubsgebiet, das Allgäu, ange­treten. Ausflüge an den Felshängen des Alpen­landes werden' am Tage die Urlauber beschäftigen, soweit sie nicht durch Wintersport ihre Erholung suchen. Heimatabende werden' Bevölkerung und Ur­lauber zusammenführen. Während die Hinfahrt durch den Schwarzwald erfolgt, wird die Rückfahrt über UlmStuttgartHeidelberg führen.

NSBDT. (früher KOAI).

Der für Montag, 11. März, vorgesehene Vor­trag im Cafö Ebel muß infolge verschiedener Er­krankungen a u s f a l l e n.

Zu dem am heutigen Samstag, 9. März, abends 8)4 Uhr, im Ortsgruppenheim der DAF., Gießen, Lonystraße 18, stattfindenden Vortrag von Herrn Regierungs-Oberbaurat Cellarius sind die Mit­glieder des NSBDT. herzlichst eingeladen. Das Thema lautet:Das Straßennetz der Provinz Ober­hessen" undDie neuzeitlichen Bauweisen". Insbe­sondere wird über die Bitumen-Teerdecke gesprochen.

Arbeiisvergebunaen

Das Tiefbauamt der Provinzialdirektion Ober­hessen schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Ausführung der Arbeiten, sowie die Lieferung der Baustoffe für die Verbreiterung der Usabrücke bei Friedberg und die damit im Zusammenhang stehende Kurvenverbreiterung im Zuge der Reichs­straße FrankfurtGießenKassel zum öffentlichen Wettbewerb aus.

Das Städtische Hoch- und Siefbauamt kündigt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte die Vergebung der Arbeiten für 40 000 cbm Erd­bewegung bei dem Ausbau der Schlageter-Straße an.

Interessierte Firmen seien auf die beiden be­grüßenswerten Arbeitsbeschaffungen besonders hin­gewiesen.

Sonntagsrückfahrkarten zur Bauernkundgebung in Friedberg.

Von allen Stationen der Strecken GießenGeln­hausen, GießenMücke und LollarGrünberg wer­

den für die am morgigen Sonntag in Friedberg stattfindende Bauernkundgebung Sonntagsrückfahr­karten nach Friedberg ausgegeben. Die Karten haben vom heutigen Samstag 12 Uhr bis zum Montag um 12 Uhr Gültigkeit.

Oie Auswanderer von Steinbach.

In dem ArtikelDie Auswanderer von Stein­bach" in Nr. 55 des Gieß. Anz. wünscht der Ein­sender eine Aufklärung über eine lateinische Rand­note bei einem Taufeintrag.

Livonia ist die neulat. Bezeichnung für Livland. Walk (Walka) ist eine Stadt an der Grenze zwi­schen dem heutigen Lettland und Estland. Also lautet die Randbemerkung in deutscher Uebersetzung: Er lebt in einer Gemeinde Livlands namens Walch (Walk!)". Dr.St.

Gießener Vochenmarktpreife.

* G i e ß e n, 9. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9 bis 10, Wirsing, das Pfund 20 bis 22, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Unter­kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 70 bis 90, Zwiebeln 10 bis 15, Meer­rettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kar­toffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 75 bis 90 Pf., Enten 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 60 bis 70 Pf., Blumenkohl 30 bis 60, Salat 18 bis 20, Endivien 15, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40 Pf.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag. Deut­sche Arbeitsfront, Berufsgruppenamt, Berufsgruppe der Techniker: 20.15 Uhr im Ortsgruppenheim, Lonystraße 18, Zusammenkunft, Vortrag von Re- gierungs - Oberbaurat Cellarius über:Das Straßennetz der Provinz Oberhessen und die neu­zeitlichen Bauweisen". 20 Uhr in der Volkshalle: Groß-Konzert zugunsten des WHW. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Ferien vom Ich". Astoria- Lichtspiele, Seltersweg:Das Privatleben des Don Juan". Frödel-Seminar: von 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr Ausstellung von Schülerinnen-Ar- deiten. Evangelische Stadtmission, Löderstraße 14: 20 Uhr, christlicher Volksabend.

Tageskalender für Sonntag. Stadt­theater, 19 bis 21,30 Uhr:Frischer Wind aus Kanada". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Fe­rien vom Ich". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: Das Privatleben des Don Juan". Gießener Konzertverein: 20 Uhr, in der Universitäts-Aula, 4. Solistenkonzert. Künstler-Konzert auf der Bergschenke von 15.30 Uhr an. Reichsfachgruppe Imker e. V., Ortsfachgruppe Gießen: 14 Uhr, Ver­sammlung bei Hopfeld. VHC.: Wanderung. Reichstreubund: 20.15 Uhr, im Aquarium Kame­radschaftsabend. Eisenbahnfahrbeamten - Verein Gießen: 15 Uhr, Generalversammlung in der Stadt Wetzlar. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: von 11 bis 13 Uhr, 3. Jahresaus­stellung. Fröbel-Seminar: von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr Ausstellung von Schülerinnen- Arbeiten.

Stadttheater Gießen. Sonntag, den 10. März, außer Abonnement, von 19 bis 21.30 Uhr, eine heitere Begebenheit in vier Tagen:Frischer Wind aus Kanada" von Hans Müller-Nürnberg; Spielleitung der Intendant, musikalische Lei­tung Albert Krämer. Dienstag, 12. März, Erstaufführung der OperSalambo" von Lukas Böttcher, nach Flauberts gleichnamigem Roman von Aline Sanden. Spielleitung Paul W r e d e , am Dirigentenpult der Komponist Lukas Bött­cher. Spieldauer von 20 bis 23 Uhr. Mitt­woch, 13. März, von 19.30 bis 22.30 Uhr, Wieder­holungSalambo". Donnerstag, 14. März, ge­schlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne,Salambo"; Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr. Freitag, 15. März, von 20 bis 23 Uhr,Salambo". Samstag, 16. März, ge­

schlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne,Salambo".

Vom Konzertverein wird uns geschrie­ben: Das letzte Soliftenkonzert des diesjährigen Konzertwinters bringt am kommenden Sonntag einen Kammermusikabend des Huber-Quartetts aus München unter Mitwirkung von Professor Johan­nes Hobohm aus Würzburg. Wundervollste Quartettkultur rühmen Pressekritiken diesem Künst­ler-Ensemble nach Das Programm enthalt das Streichquartett op. 59, 1 von Beethoven und das Klavierquintett von Brahms. Herr Hobo hm, der durch seine Wiedergabe des Beethovenschen ss8-Dur- Konzertes vor wenigen Jahren noch in bester Erin­nerung ist, wird die Bach-Variationen von Reger zu Gehör bringen. Eine Bach-Händel-Feier fin­det am 28. März im Rahmen eines Chorkonzertes in der Stadtkirche statt.

*

** Vermögens st euerverwaltung beim Finanzamt Gießen. Das Finanzamt Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß mit Wir­kung vom 1. April 1935 die Verwaltung der Erb­schaftssteuer für die Bezirke sämtlicher Finanzämter Oberhessens dem Finanzamt Gießen übertragen worden ist. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht.

** Das Museum im Alten und im Neuen Schloß ist am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.

** Brennholzversteigerungen der Stadt Gießen finden am Montag, am Mitt­woch und am Freitag der nächsten Woche statt. Auf die heutige Bekanntmachung sei besonders aufmerk­sam gemacht.

Amtsgericht Gießen.

Ein Gastwirt aus Gießen wurde zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt, da er, ohne die Schank­konzession zu besitzen, Getränke ausgab.

Sodann hatte sich das Gericht mit dem Isaak Walldorf von hier zu befassen. Der Angeklagte wurde am 10. Oktober vorigen Jahres im Anschluß an eine Schlägerei in einer Gastwirtschaft in der Rodheimer Straße festgenommen und zwecks Ver­nehmung in das Polizeirevier Liebigstraße gebracht. Dort verweigerte er zunächst die Aussage, schützte einen epileptischen Anfall vor und wälzte sich im Zimmer herum. Bei dieser Gelegenheit trat der Angeklagte ein Bein eines im Amtszimmer stehen­den Gasherdes ab, beleidigte den diensttuenden Beamten und schlug auf ihn ein. Wegen Wider­stands und Beleidigung erkannte das Gericht gegen den Angeklagten auf 3 Monate Gefängnis.

Zwei Anwohner der Kläranlage wurden wegen Entwendung von Feldfrüchten zu einer Geldstrafe von 1 Mark und 20 Pf. Schadenersatzes verurteilt.

Die Veranlagungs-Richtlinien zur Einkommensteuer 1934.

Die allgemeine Frist zur Abgabe der Einkommen­steuererklärung ist bis zum 15. März 1935 ver­längert worden. Hierdurch ist den Steuerpflichtigen noch die Möglichkeit gegeben, die am 28. Februar 1935 erschienenen Veranlagungsrichtlinien bei ihren Erklärungen zu berücksichtigen. Die im Buchhandel erhältlichen Veranlagungsrichtlinien für 1934 sind umfangreicher, als die Veranlagungsrichtlinien für 1933. Dies ist, wie in dem Mmisterialerlaß ausge­führt wird, darauf zurückzuführen, daß die Veran­lagung für 1934 erstmalig nach dem neuen Ein­kommensteuerrecht durchzuführen ist und daß diese Richtlinien zum Teil Erläuterungen sind, die auch für alle künftigen Veranlagungen maßgebend sein werden.

Nachstehend geben wir unseren Lesern aus den Richtlinien einige Punkte bekannt, die Ergänzungen zu unseren bereits über die Einkommensteuer ge­brachten Artikeln darstellen:

Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Für nichtbuchführende Gewerbetreibende werden Durchschnittssätze nach § 29 Einkommensteuergesetz für 1934 noch nicht aufgestellt. Als Hilfsmittel zur Er­mittlung der Einkünfte sind für 1934 Richtsätze, wie dies bereits bei früheren Veranlagungen geschehen ist, zu verwenden. Die Vergünstigungen, die sich in­folge Steuerfreiheit für Ersatzbeschaf­fungen, durch Arbeitsspende und durch Aufwendungen für Zwecke des zivilen Luft­schutzes und des zivilen Sanitätsdien­stes ergeben, werden bei der Aufstellung der Richt­sätze nicht berücksichtigt. Diese Vergünstigungen sind nach Lage des einzelnen Falles bei der Veran­lagung zu gewähren, soweit der Steuerpflichtige die steuerbegünstigten Aufwendungen im einzelnen nachweist. Die Aufwendungen sind dann in voller Höhe von dem auf Grund der Richtsätze ermittelten Gewinn abzuziehen.

Buchführungspflichtige Kaufleute (d. h. Steuer­pflichtige, die verpflichtet sind, Bücher nach den Vor­schriften des Handelsgesetzbuches zu führen) unter­liegen bei der Ermittlung des Gewinns besonderen Vorschriften. Bei ihnen bildet die Handels­bilanz die Grundlage für die Gewinnermittlung. Dabei sind die Vorschriften des Einkommensteuer­gesetzes 1934 hinsichtlich der Gewinnermittlung und Bewertung zu befolgen.

Die buchführungspflichtigen Kaufleute sind an ihre Bilanz, sobald sie diese beim Finanzamt eingereicht haben, grundsätzlich gebunden. Unter Bilanz im Sinne dieser Vorschrift ist nicht j e d e den Vorschrif­ten des Handelsgesetzbuches entsprechende Bilanz zu verstehen, sondern diejenige, die als Ergebnis der Buchführung für das abgelaufene Wirt­schaftsjahr aufgestellt wird.

Gewerbetreibende, die Bücher nach den Vorschrif­ten des Handelsgesetzbuches führen, ohne dazu verpflichtet zu sein, stehen nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes 1934 den buchführungs­pflichtigen Kaufleuten an sich nicht gleich. Nach der Ersten Durchführungsbestimmung gilt die Vor­schrift über erhöhte Absetzungen bei kurzlebigen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens jedoch iuch für diese Gewerbetreibenden. Verhältnismäßig zahl­reich sind die Fälle, in denen Kraftwagen, die zum Betriebsvermögen (Anlagevermögen) gehören, teils zu betrieblichen, teils zu außerbetrieblichen Zwecken verwendet wer­den. Die Ausgaben für Unterhalt, Fahrkosten u. dgl. werden dann als B e t r i e b s a u s g a b e n nur in der Höhe anerkannt, in der sie tatsächlich durch den Betrieb veranlaßt worden sind. Soweit sie über diesen Rahmen hinausgehen, kommen sie als Prioatentnahmen in Betracht. Für die Be­wertungsfreiheit ist die Tatsache, daß der Kraft­wagen auch zu außerbetrieblichen Zwecken verwen­det wird, ohne Belang. Die Aufwendungen für die Anschaffung eines Kraftwagens können demnach im Jahre der Anschaffung auch dann bereits voll abgesetzt werden, wenn der Wagen teilweise zu außerbetrieblichen Zwecken (zu Privatzwecken) verwendet wird. Voraussetzung für die Inanspruch­nahme der Bewertungsfreiheit ist lediglich, daß der Wagen zum Betriebsvermögen des Steuer­pflichtigen gehört, also aus Betriebsmitteln angeschafft worden ist, dem vorgeschriebenen Son­derkonto belastet ist und überwiegend Zwecken des Betriebs dient. Zur Förderung des Ar­beitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung find im Jahre 1934 vielfach rückständige Steuer­beträge erlassen worden, für die in der Bilanz des Steuerpflichtigen ein Passivposten gebildet war (Umsatz-, Gewerbe- und Grundsteuer usw.). Durch derartige Steuererlasse frei werdende Beträge sind in der Regel nicht als steuerfreie Sanierungs-

Frühlingsfahrt über den Bosporus.

Von Friedrich Schnack.

Ich lasse mich von einem Kaiktschi, einem türki­schen Bootsmann, über den Bosporus hinüber zum kleinasiatischen Ufer rudern. Es ist ein strahlender Morgen. Braun und grün ist die europäische Erde, braun und grün das kleinasiatische Land. Zwischen den beiden Weltschwellen leuchtet die blaue fried­liche Wasserstraße, die die Kontinente trennt. Seit unausdenkbaren Zeiten zogen die Kiele der Fischer und Segler auf ihr. Urabenteuer rauschten über ihr seliges, azurenes Meeresgeleucht. Fabeln und Sa­gen zogen in geheimnisvoller Vergangenheit mit goldenen Fahrzeugen auf ihrer Strömung dahin.

Alle Bergnester, Meerzwingburgen, verwittern an den Steinhängen. Ein Turmkoloß reckt sich öd über Zypressenspitzen ins Blaue.

Unten am Wasser liegt Bebek, ein träumender Uferort, und die Gärten der Höhe überfluten ihn mit Grün, mit Laubgewölk, Blüten und Düften. Eine feftliche Verschollenheit verzaubert die Mauern und Häuschen. Dazwischen sprießt der dünne weiße Steinturm einer ländlichen Moschee.

In der Anlegebucht klatschen die Wellen. Flüssi­ger Aetherglanz umströmt den Kiel, Perlmutter­schein zittert. Grüne Steine flammen von unten. Das Wasser kristallen.

Der Bootsmann rudert gemächlich. Er hat Zeit. Ich auch. Auch das Wasser hat Zeit, und Zeit haben die Zypressen, die dunkel und ernst in dem paradiesischen Blau lodern. Sie bewachen und be­hüten die Toten eines kleinen türkischen Bergfried- Hofs. Die weißen Grabsteine, schlanke, nach unten zugespitzte Stelen neigen sich gedankenschwer und melancholisch über die gras- und dornenbewachse­nen Gräber. Das Alter hat sie gebeugt und kreuz und quer durcheinander fallen lassen.

Die Verstorbenen scheinen sorglose Geister zu fein, um die sich niemand kümmert. Der Lorbeer durch­wuchert ihr Reich, und Olivenzweige glitzern über ihren Steinen. Sie haben den schönsten Friedhof, den man sich denken kann. Sie liegen in einem Märchengarten, und das blaue Meerfeuer schim- mert zu ihnen hinauf. Die Flut raunt vorüberrin­nende Weltgeschichten in ihre Geisterohren. Vielleicht sitzen ihre luftgleichen Schattengestalten wie große Vögel im Geäst der Judasbäume, deren violette Blütenglut schon versprüht ist, und sie schauen selig­trunkenen Blicks über die wandernden Wasser, den Seglern nach, die hinab- und hinaufziehen zu den südlichen und östlichen Meeren.

Der Hauch des Wassers ist gemischt aus Algen- geruch, Salzgeschmack und Fischfäulnis. Die Flut funkelt und sprudelt von Geleucht, Blitzen und Ge-

sprüh. Der hesperische Schein des Frühlings ver­klärt die strenge und zugleich milde Landschaft.

Schlösser am Ufer, Dörfer, Häuser, Moscheen und Gärten. Das Geschwader der Segler stürmt vor­über. Ein langsamer Dreimaster, alle Leinwand aun­getan und sanft gewölbt, zieht wie ein stolzer Meeresherr inmitten der Wasserstraße. Ein Schiff aus alter Zeit, abenteuerlich und wunderbar. Als wäre die Riesenstadt Konstantinopel weit dort un­ten hinter den Krümmungen und Höhungen, noch das alte Byzanz, das goldgetürmte...

Die Möwen werfen sich mit girrendem Lust­schreien in den Wind. Unter ihrem Vogelbogen steuert unser Boot. Es ist eine heitere und traum­hafte Ruderfahrt. Wie schön ist der Frühling, die Glückszeit der Landschaft. An den Hängen lodern die Gärten von Blüten. Jetzt ist es am süßesten hier: in wenigen Wochen wälzt sich bereits die asiatische Hitze herüber. Die weißen Dillen verstecken sich in sanften Frühlingsbuchten. Die Bäume, riesige Platanen, Kirschlorbeer, Zypressen und Magnolien, spiegeln ihr Laubwerk im Ufergewässer.

Silbern triefen die Ruder. Die Strömung be­drängt das Boot. Der braune Bootsmann muß kräftig ausholen. Die Riemen knarren. Kühles, sei­denes Fließen und Wallen. Die Fische huschen, grüne Blitze. Zahllose kleine Quallen befinden sich auf der Reise. Mit wallenden Schirmchen wandern sie mit der Strömung, die den Weg aus dem Schwarzen Meer, den kyanischen Gewässern, hin­unter ins heitere Marmarameer und südlicher, ins Mittelmeer nimmt.

Immer wandern die Quallen auf der alten Welt­straße, und die Wellen und Stürme spielen mit ihnen und dem weißen Gischt. Kleine Boote kreu­zen unseren Kurs Die einen haben schöne Frauen an Bord, die sich vom Wind die Wangen liebkosen lassen. Und wieder andere kommen mit einer siiber- blitzenden Last von Fischen gefahren. Ein anderes treibt mit einem Berg leuchtender Blumen vorüber. Die Wolke der Düfte schweift hinter ihm her.

Die Welle eilt. Darüber streichen in langen, blitz­schnellen Zügen die braungefieberten Seeschwalben, die ruhelos die Wasserstraße befliegen. Der Volks­mund nennt sieDragomanseelen". Nach der Sage sollen die Seelen der toten Fremdenführer (Draqo- manen) in die Leiber der Seeschwalben fahren, die zu ewiger Wellenwanderung verdammt find. Die Fremdenführer haben zeitlebens zuviel geschwin­delt und zu hohe Gebühren verlangt...

Ich blicke lang den windgeschwinden schmalen Scharen nach, die ohne Rast zwischen der schwar­zen Salzflut und den blauen Wogen des Südens hin und her reifen...

Da stößt aber das Boot schon an asiatisches Ufer, und mein Fährmann reißt mich mit dem Ruf: Taman, Effendi! Fertig, Herr!" aus der Meer­

träumerei. Die Fahrt ist zu Ende. Ich zahle und springe an Land.

Ein kleines braunes Türkendorf liegt in der Sonne. Die Straßen sind leer, und die Fenster der hölzernen Häuschen find vergittert. Geheimnisvolles Schweigen umfängt mich. Mit hallenden Schritten schlendre ich über das holprige Pflaster. Maulbeer­bäume grünen. Der Wind weht. Er kommt von den Bergen Kleinasiens...

Aufgaben der Kunstkritik.

Von Or. Hans Lorenz, Heuchelheim.

Gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Nöte und Sorgen ist es wichtig, allen Menschen klarzumachen, daß eine Nation auch noch höhere Aufgaben besitzt, als im gegenseitigen wirtschaftlichen Egoismus auf­zugehen." Dieses Wort Adolf Hitlers weist auf die hohe Mission hin, die auch dem Kunstkritiker mit dem Kulturprogramm unserer Regierung ge­geben ist. Der Kunstkritiker ist neben dem Künst­ler selbst ein Hauptträger völkischer Kunst­erziehung und feine Kritik mehr als je aufbauende Erziehungsarbeit. Wozu denn Kunsterziehung? wird mancher fragen. Kunsterziehung heißt eine planmäßige, auf bestimmten Erfahrungsgrundsätzen aufgebaute Erziehung zu der Fähigkeit, künstlerische Eindrücke richtig aufzunehmen. Wozu ein unnötiger, ja oft sogar störender Eingriff in das Kunsterlebnis des aufnehmenden Menschen, das im bejien Sinne ein gänzlich unbefangenes und naives ist? Es geht uns aber nicht um die Frage, ob bewußtes ober un­bewußtes Kunsterleben, sondern um das Verhältnis von Kunst und Volk.

Wie war es denn nach in der jüngsten Vergan­genheit? Fast ausnahmslos war das künstlerische Schaffen des alle überpersönlichen Bindungen verneinenden Künstlers in feiner Wirkung ein rein exklusives. Fremd stand das Volk diesen Kunst­gebilden gegenüber, die, oft nur für eine kleine Menge von Gebildeten und Aestheten geschaffen, auch nur von dieser verstanden wurde. Das Volk, hungrig nach einem über den Alltag hinausführen- ben Erleben, unterlag dem Kitsch und dem Ungeist, die sich schnell an die Führung gebracht hatten, das Gute überwucherten und den aus dem Volkstum heraus schaffenden künstlerischen Menschen in die Einsamkeit verwiesen. Sv wurde der unverdorbene, ursprüngliche Geschmack des Volkes verbildet und die Unbefangenheit seines künstlerischen Erlebens getrübt.

Dieser Zeitgeist, der den wahren Künstler seinen Volksgenossen entfremdete und ihn zu einem Außen­seiter des Volkslebens stempelte, wurde durch den Aufbruch des neuen Geistes zu Grabe getragen. Sinn und Ziel einer dem Volke dienenden Kunst­erziehung wurden von der politischen Führung un­