Ausgabe 
9.2.1935
 
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Helma lächelt.

Kriminalroman von Klothilde von (Ltegmann.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).

2. Fortsetzung Nachdruck verboten!

Als ich mich von meinem Entsetzen erholt hatte, schrieb ich den Brief an Sie", Helma deutet bei diesen Worten auf das Schreiben, das auf dem Tische lag,und hier bin ich nun, um Sie um Ihren Rat, Ihre Hilfe zu bitten. Sie sehen mich in doppelter Verzweiflung, einmal über den Tod mei­nes lieben Onkels und Pflegevaters zum an­dern über diesen Diebstahlsoersuch. Und daß er ge­rade in der Todesnacht passiert war, ist ein beson­ders unheimlicher Zufall."

Mit nachdenklicher Miene hatte Hopman der Er­zählung des jungen Mädchens gelauscht.

Haben Sie von dem Diebstahl zu irgend jeman­dem gesprochen, gnädiges Fräulein?"

Nein. Aber ich habe den kostbaren Kelch in mein Safe in meinem Zimmer eingeschlossen, damit in meiner Abwesenheit nichts geschieht."

Der Detektiv machte ein undurchdringliches Ge­sicht.

Habe ich vielleicht falsch gehandelt, Herr Dok­tor? Hätte ich vielleicht doch sofort die Polizei be­nachrichtigen sollen. Ich fürchtete so sehr einen Skandal. Soll ich die Benachrichtigung jetzt noch nachholen?"

Auf keinen Fall!" erwiderte Hopman lebhaft. Sie haben in allem ganz richtig gehandelt, sehr richtig sogar für eine Frau vielleicht in einem nicht , fügte er nachdenklich hinzu,aber das ist nicht so schlimm. Fahren Sie, bitte, nun ruhig wieder nach Hause, gnädiges Fräulein! Ich komme morgen zu Ihnen hinaus. Und zwar werde ich als Käufer von Bibliotheksbüchern auftreten. Denn ich nehme an, daß Ihr Better die ganze Literatur, die sich im Laufe der Jahre bei Ihrem verstorbenen Herrn Onkel über dessen Spezialgebiet angesammelt hat, nicht behalten wird. Es wird ihn bei seinen andersgearteten wissenschaftlichen Neigungen nicht interessieren. Ich lasse mich unter dem Namen eines Professors Schröder bei Ihnen melden. Dann habe ich Gelegenheit, mich ein wenig im Schlosse umzusehen."

Helma stand auf und reichte dem Detektiv die Hand:

Ich danke Ihnen, Herr Doktor, daß Sie sich des Falles annehmen wollen. Eine Last fällt mir damit vom Herzen. Glauben Sie, daß wir etwas von den Dieben, oder besser, von den gestohlenen Steinen entdecken werden?"

Was ich tun kann, gnädiges Fräulein, um Ihnen zu helfen", sagte Hopman herzlich,wird geschehen. Seien Sie ruhig und sprechen Sie zu keinem Men­

schen von dem, was wir heute miteinander beredet haben."

Artig begleitete er Fräulein von Bodenberg zur Korridortür. Als er ins Zimmer zu Martins zu­rückkam, trug sein Gesicht einen sehr nachdenklichen Ausdruck.

Diese Sache schmeckt nach allerlei Ueberraschun- gen, Martins, und nach nicht sehr angenehmen", meinte er.

Und dann setzte er sich in seinen Sessel, steckte sich seine Pfeife an und begann mit geschlossenen Augen zu rauchen. Da ging Martins leise aus dem Zim­mer. Wenn sein Freund Hopman ein Gesicht machte wie jetzt, dann durfte man ihn nicht anreden. Dann war er mit seinen Gedanken auf einer Fährte die er mit dem Instinkt ahnte, noch ehe sein Denken sie klar erfaßt hatte.

Helma von Bodenberg war mit dem nächsten Zuge nach Gernrode zurückgefahren. Mit müden Augen blickte sie in die schöne Herbstlandschaft hin­aus, die sich vor ihren Blicken ausbreitete. Sie kannte jede Biegung des Weges, jeden Zug der sanften Höhen, über die der Zug in Kurven und Windungen hinwsgfuhr. Heute hatte sie kein Ge­fühl für die Schönheit der Heimat. Ihr Herz war bedrückt und die Sorge vor den kommenden Tagen lastete schwer auf ihr. Zum ersten Male seit ihrer Kindheit, daß sie allein alles tragen und verant­worten mußte denn bisher war sie immer des Rates und der liebevollen Sorge des Pflegevaters gewiß gewesen. Warum mußte er so plötzlich von ihr gehen?

Sie schluchzte auf. Jetzt erst, nun die furchtbaren Erregungen dieser Tage nachließen, jetzt erst fühlte sie, wie entsetzlich mitgenommen sie von allem war. Und Schlimmes stand ihr noch bevor. Würde es gelingen,, die Nachforschungen nach den unbekann­ten Dieben erfolgreich zu gestalten? Wer weiß, ob die Beute nicht schon längst aus Schloß Gernrode fortgebracht war? Aber vielleicht gelang es Hop­man, alles aufzudecken. Sie hatte nach der Rück­sprache mit ihm ein unbegrenztes Zutrauen zu ihm gefaßt. Er würde ihr helfen, er würde die Ver­brechen entdecken. Der Gedanke allein an seine ruhige, dunkle Stimme, seine klaren grauen Augen flößte ihr Ruhe ein.

Und leidlich gefaßt langte sie auf der Bahnstation an, die der Ausgangspunkt für die Bewohner von Gernrode war. Der kleine Wagen erwartete sie. Auf dem Bock saß der alte Kutscher, der seit Jahr­zehnten im Dienste der Herrschaft von Gernrode stand. Sein Gesicht war blaß und verfallen; der jähe Tod des alten Herrn und Gebieters hatte den treuen Diener hart mitgenommen.

Na, mein guter Zimmermann, hat sich etwas Neues auf Schloß Gernrode ereignet?"

Nein, gnädiges Fräulein. Eine Menge Tele­gramme sind eingelaufen, und viele Kränze sind

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auch noch gekommen. Und der Herr Doktor mit dem ausländischen Namen- haben heute--früh nach­dem gnädigen Fräulein gefragt."

Und was haben Sie ihm gesagt, Zimmermann?"

Was mir das gnädige Fräulein aufgetragen haben daß das gnädige Fräulein wegen einer Aenderung an dem Trauermantel eilig nach der Hauptstadt mußten."

Das ist recht, Zimmermann! Auf Sie kann man sich verlassen."

Da ging ein erstes Aufleuchten über das Gesicht des alten Kutschers. Er schnalzte leise mit der Zunge, die Pferde zogen an, und der Wagen rollte in schnellem Trabe die Ebereschenallee entlang und dem Schlosse zu.

4. Kapitel.

Als der Wagen vor dem Schlosse hielt, dessen Fahne auf Halbmast gezogen war, trat aus dem Portal ein eleganter, schlanker Mann von vielleicht vierzig Jahren. Er hatte ein gutgeschnittenes Ge­sicht, in dem nur die Augen einen etwas unsteten Ausdruck hatten. Ehe Helma es verhindern konnte, war der Herr zum Wagen geeilt und faßte Helmas Hand, um sie sorglich aus dem Fond zu geleiten.

Oh, Mademoiselle", sagte er mit sanftem Dor­wurf,ich war heute früh ganz untröstlich, als ich von Ihrer Abreise in der gestrigen Nacht hörte. Warum haben Sie mir kein Wort davon gesagt? Ich hätte es mir zur Ehre angerechnet. Sie wenig­stens zur Bahn zu geleiten."

Ich danke Ihnen", sagte Helma freundlich,aber ich habe mich ganz plötzlich entschlossen, weil mein Schneider mir meinen Trauermantel so verpatzt hatte, daß ich ihn nicht tragen konnte. Da ich aber jetzt hier sehr schwer abkömmlich bin, wählte ich den Nachtzug, um mit dem frühesten die Besorgung erledigen und wieder zurückfahren zu können. Ich hätte Sie niemals so spät noch bemühen mögen, Senhor de Sanzo, denn auch Sie sind ja sehr mit­genommen von den Aufregungen."

Die schwarzen Augen des Mannes schienen sich zu umfloren:

Das bin ich allerdings Mademoiselle. Der Tod Ihres von mir so hochverehrten Herrn Onkels, meines teuren Freundes, hat mich tief erschüttert. Ich kann es noch nicht fassen, daß der edle Mann nicht mehr unter uns weilt. Auf Schritt und Tritt glaube ich ihn vor mir zu sehen. Und meines Blei­bens hier wird nun auch nicht mehr lange sein, nachdem mein Gastsreund uns verlassen. Sie wer­den das begreifen. Falls ich Ihnen nicht noch in irgendeiner Sache behilflich sein kann, werde ich in den nächsten Tagen abreisen."

Bei diesen Worten hatte er, ehrerbietig an Hel­mas Seite gehend, das junge Mädchen ins Haus geleitet.

Helma zwang sich, freundlich und gleichmäßig zu bleiben. Aber wieder war in den schönen Worten des Spaniers das zu Glatte, zu Süße, was sie

abstieß. Unwillkürlich atmete sie auf. Ja, es mürbe gut sein, wenn dieser Schönredner das Schloß- v««. ließ. Ihre eigene Trauer um den teuren Toten mar viel zu tief und zu ehrlich, als daß sie sie mit so glatten Worten verbrämen lassen mochte, wie es der Südländer tat.

Aber sie war höflich genug, ein paar Worte de, Bedauerns über die Absicht des Doktors de Sanzo zu äußern. Nun blieb sie an der schweren dunklen Eichentreppe stehen, die von der Halle in die obi» ren Gemächer führte:

Entschuldigen Sie mich heute bei Tisch, Senhor! Ich fühle mich doch durch die nächtliche Fahrt und das heutige Herumhetzen in der Großstadt sehr er­müdet. Ich werde mir einen kleinen Imbiß auf mein Zimmer bringen lassen und mich etwas au,, ruhen. Auch habe ich", fügte sie wie beiläufig hi», zu,heute noch eine große Arbeit vor. Ein Biblio. phile aus der Hauptstadt interessiert sich für dir umfangreiche Kunstbibliothek meines verstorbenen Onkels. Falls mein Vetter geneigt wäre, sie ver­kaufen, da er sie ja für seine eigenen Fachstudien nicht brauchen kann, würde der Gelehrte aus Bar- lin sie gern erwerben. Jedenfalls bat er mich heute die Bibliothek besichtigen zu dürfen. Er kann jede Stunde ankommen."

Ein Zucken ging über das Gesicht des Spanier,:

Falls Sie wirklich die kostbare Bibliothek zu verkaufen gedenken, Mademoiselle vielleicht hätte ich auch an dem einen oder anderen Stück Interesse, zum Beispiel an dem Werke über die Symbolik der Reliefverzierungen an Kirchengeräten."

Nun, das können Sie ja dann am besten mit dem Gelehrten selbst besprechen. Uebrigens ver­kaufe ich ja ohne Zustimmung meines Vetters nichts. Es handelt sich nur um eine Dorbesichtigung, die zu nichts verpflichtet."

Sie grüßte liebenswürdig und ging die Treppe hinauf.

Der Spanier blickte dem jungen Mädchen mit einem eigentümlichen Gesichtsausdruck nach, dann wandte er sich um und ging langsam durch die Halle, in sein Zimmer.

Ich muß mich beeilen?, dachte er bei sich.

Helma saß in ihrem Zimmer beim Frühstück. Da trat das Stubenmädchen Fanny ein und überreichte ihr auf silberner Schale ein Telegramm. Helma öffnete, und ihr Gesicht trug einen erfreuten Aus» druck:

Fanny, unser junger Herr ist bereits wieder auf der Rückreise nach Europa. In kurzer Zeit wird er hier sein. Er kommt mit dem Schiff am Freitag in Hamburg an."

Das Mädchen antwortete nicht. Auf ihrem hüb» schen Gesichtchen lag etwas, was Helma nicht deu» ten konnte beinah etwas wie Schreck. Stumm verließ sie den Raum.

(Fortsetzung folgt 1)

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Für die mir erwiesenen Auf» merksamkeiten zu meinem so. Geburtslage sage ich hiermit allen meinen herzlichsten Dank

G i e ß e n, den 9. Februar 1935

Georg Äruflus

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