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Samstag, 9. Zebruar 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)

lt',34 viertes Blatt

Arbeit am Hörsaaltisch.

Das Physiologische Institut. (Aufnahme: M. H. Mülberger.)

iripenyen, in ihren Größenverhältnissen ungenügenden ' enSRäume im alten Physiologischen Institut in der

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Studenten im physiologischen Praktikum II.

Unterricht im physiologischen Praktikum I.

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An den Apparaten im Sgitengalvauometer-tkMM,

feit bald zehn Jahren grüßt vorn Seltersberg m^es Stadtgebietes herab das Physiologische jriitut der Universität Gießen, ein repräsenta- ivl- Bauwerk. So schön und zweckmäßig dieses : Itilitut nach den Anregungen und Plänen seines . teilrs, Universitätsprofessors Dr. B ü r k e r, von >en Erbauer, Regierungsbaurat Kuhlmann ;of Hessischen Hochbauamt, errichtet wurde, so be- ?! und in allen Teilen unzulänglich war die i Ini rfunft, die dieser Zweig der medizinischen Wis- smshaft und Lehre an unserer Universität vorher Wit Wir denken bei dieser Niederschrift an die

an der wissenschaftlichen Arbeit bei dem Leiter des Instituts und bei allen seinen Helfern und Studenten bemerken, eine großzügige innere Ein­stellung, die nur aus der reinen und opferfreudigen Liebe zur Wissenschaft und zur Arbeit im Dienste der Volksgesamtheit erstehen konnte.

Wer heute die schönen und schaffensfreudig stim­menden Arbeitssäle und -Zimmer des neuen Phy­siologischen Instituts an der Friedrichstraße betritt, kann sich abgesehen von Professor B ü r k e r und seinen älteren Mitarbeitern, sowie Bekannten aus jener Zeit keine Vorstellung machen von der einstigen Mühsal der Arbeit dieses Zweiges unserer medizinischen Fakultät. Der Grundforderung eines

wissenschaftlichen Instituts, das der Forschung und der Lehre zugleich dienen soll, nämlich eine räum­liche Trennung in eine Forschungs- und eine Un­terrichtsabteilung, damit die Ruhe und Konzentra­tion der Forschungsarbeit von dem regen Betrieb des Unterrichts nicht gestört wird, ist in dem jetzi­gen Physiologischen Institut nach den Richtlinien seines Leiters in vollem Umfang Rechnung getragen worden. Ebenso ist in zweckmäßiger Weise in dem jetzigen Heim eine Abteilung für Verwaltung, Bibliothek und Sammlungen vorhanden, so daß sich für das ganze Haus eine Dreiteilung ergibt: In der Mitte die Forschung sabteilung, rechts mit dem großen Rundbau die Unterrichtsab*

Leitung und links die Verwaltungsräume. Die Forschungsabteilung ist infolge der Verschiedenheit der anzuwendenden Forschungs­methoden räumlich in mehrere Unterabteilungen ge­trennt, da die empfindlichen physikalischen Apparate nicht durch chemische Dämpfe beeinträchtigt werden dürfen und die Haltung und Wartung lebender Tiere ganz andere Anforderungen an die Räume stellt, als die Herstellung und Aufbewahrung ana­tomisch-histologischer Präparate. Diese räumliche Trennung führte dazu, die physikalische Abteilung im ersten Obergeschoß, die chemische Abteilung, die unterdessen unter Leitung von Prof. Dr. F e u l - g e n als Physiologisch-chemisches Institut selbständig geworden ist, im zweiten Obergeschoß und die ana­tomisch-histologische ebenfalls dort unterzubringen, während die operativ-chirurgische Abteilung sich im Erdgeschoß befindet. Dazu kommen im Erdgeschoß noch Werkstätten, in denen der für Jnstitutszwecke erforderliche Bau von feinmechanischen Apparaten und die Vornahme von Reparaturen erfolgt. Außer­dem sind hier ein erschütterungsfreier Raum für seine Registrierinstrumente, in dem die Apparate auf gewachsenem Boden aufgebaut find, und ein Raum für konstante Temperatur geschaffen. Fer­ner hat man auf dem Dache in Gestalt eines kleinen Turmes eine runde Plattform zum Studium der physiologischen Wirkung des Sonnenlichtes und an­derer meteorologischer Faktoren errichtet. Das Dachgeschoß enthält noch Räume, die für Zwecke des Instituts für experimentelle Psychologie und des Instituts für Körperkultur dienen.

In der U n t e r r i ch t s a b t e i l u n g ist das Kernstück der große Rundbau, der dem Institut den NamenEngelsburg" eingetragen hat. Hier ist vor allem der große, sehr zweckmäßig gestaltete Hörsaal zu erwähnen, unter dem sich die Praktikums- und Vorbereitungsräume befinden. Die Form dieses Baues war bedingt durch die Notwendigkeit, mög­lichst viele nach Norden gelegene Fensterplätze für Mikroskopie zu gewinnen und um den Hörsaal amphitheaterähnlich zu gestalten Im Erdgeschoß dieser Abteilung befindet sich ein Ausstellungsraum, der an Sonn- und Feiertagen dem Publikum zu­gänglich gemacht werden soll, um dadurch weite Kreise der Bevölkerung mit der Arbeit des Phy­siologischen Instituts in enge Verbindung zu brin­gen und das Interesse der Laienwelt für diesen Zweig der medizinischen Wissenschaft zu wecken. Aus Mangel an Mitteln konnte dieser Raum noch nicht voll eingerichtet werden. In der gleichen Linie liegt die dankenswerte Arbeit des Direktors des i Instituts, Prof. Dr. B ü r k e r, auf dem Gebiet

der populärwissenschaftlichen Vorträge aus seinem Arbeitsgebiet, die er an vielen Sonntagvormittagen in uneigennütziger Weise zum Nutzen der vielen Zuhörer hält. Das erste Obergeschoß birgt die Prak­tikumsräume . für Biophysik und Biochemie, im zweiten Obergeschoß befindet sich der genannte große Hörsaal, anschließend ein großer Demonstrations­raum und ein kleiner Hörsaal mit den erforder­lichen Nebenräumen.

Die Verwaltungsabteilung im linken Flügel des Gebäudes enthält im Erdgeschoß die Wohnung des Jnftitutsmechanikers, zugleich Haus­verwalters, im ersten Obergeschoß die Arbeitszim­mer des Direktors und seiner Verwaltungsmitarbei-

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tiackenbergstraße, in denen Prof. Bürker und seine iiarbeiter die physiologische Forschung und Lehre nhr schwierigen Umständen durchführen mußten, i mangelte es in jenen alten Räumen an so vie- <ir was für ein fruchtbares wissenschaftliches rlaeiten unbedingt erforderlich ist, wie nieder- frülenb mag da manchmal das Gefühl gewesen L bei einer für die Medizin so wichtigen Wissen- svc't, wie die Physiologie, an allen Ecken und gilaen beengt und gehemmt zu sein. Und dennoch tonten wir immer wieder, sobald mir vor einem Dihenb Jahren jene alte Unterkunft des Phy- Magischen Instituts betraten, eine durch größte L:I»stentsagung erhaltene und gesteigerte Freude

In der Feinmechaniker-Werkstatt.

ter, ferner die Bibliothek und die Separatensamm* tung, im zweiten Obergeschoß die Zimmer des Direk­tors des Instituts für Physiologische Chemie und die (Sammlung physiologisch-chemischer Präparate.

Das im Jnstitutsgebäude untergebrachte Institut für experimentelle Psychologie stellt das erwünschte Bindeglied zur philosophischen Fakultät her, ist doch die Physiologie auf enge Beziehungen zur philo­sophischen Fakultät angewiesen. Das Institut für Körperkultur dient der wissenschaftlichen Unter* i-suchung der Leibesübungen.

Wer Gelegenheit hat, die Räume des Phyfiolo* gischen Instituts zu durchwandern, wird die erfreu­liche Feststellung machen können, daß hier in viel­fältiger Art alles vorhanden ist, was eine frucht­bringende Arbeit auf dem Gebiete der physiologi­schen Forschung und der Ausbildung eines mit den Mitteln der einschlägigen Wissenschaft ausgezeichnet gerüsteten Nachwuchses dient. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, daß neben den erheblichen Aufwendungen aus den Mitteln der Allgemeinheit auch die private Förderung der Wissenschaft im Physiologischen Institut in reicher Weise sich be­tätigt hat. Viele Apparate sind z. B. von der Firma Ernst L e i tz in Wetzlar in uneigennütziger und dankenswerter Weise gestiftet worden, ferner hat sich unsere Stadt Gießen durch die Stiftung eines modernen Röntgen-Apparates ein bleibendes Denk­mal bürgerlichen Gemeinsinns geschaffen.

Abgesehen von den genannten öffentlichen Vor­trägen, die der Direktor des Instituts seit Jahren an Sonntagen im Wintersemester hält, wurden eingehendere Kurse für weitere Kreise abgehalten, und zwar ein Kurs über Verdauung für die Haus- haltungs- und Alicefchule, ein Praktikum über Sin- nesphysiologie für Volks- und Mittelschullehrer und ein eine Woche dauernder Kurs der Arbeitsgemein­schaft für Musik- und Sprecherziehung in den Schu­len Oberhessens. In besonders starker Weise wird auch das Institut seit einer Reihe von Jahren für weitere volkstümliche Vorträge und Kurse (Gas- kurse) und für Tagungen wissenschaftlicher Gesell­schaften in Anspruch genommen.

So dient das Institut nicht nur der Forschung und der Lehre im engeren Kreis der Universität, sondern es sucht auch, wie die anderen Institute der Universität, weiteren Kreisen nützlich zu sein.

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