Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 54 Drittes Blatt
Samstag, y.8ebruarfyZ5
ist
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bis 25, bis
35 Ps.
NhythmuS und Musik als Erziehungsmittel.
Obstbau.
Filmaufnahmen führten die praktische Auswirkung dieser Anregungen vor Augen. Ausgesuchte Landschaftsbilder führten zu den hauptsächlichsten Obstbaugegenden des Reiches. An den Arbeiten in Baumschulen wurde die richtige Pflanzenbehandlung, die Anpflanzung, Beschneidung, Düngung, Schädlingsbekämpfung und Bodenbearbeitung gezeigt. Es fehlte nicht an Beispielen für die sachgemäße und für die falsche Düngemittelanwendung.
Den Abschluß des Vortragsabends bildeten Fragen der Erntearbeiten, Aussortierung und Verpackung. Der Redner erntete reichen Beifall.
Sparerbund und Nentnerbund.
Man berichtet uns: Bei einem gemeinsam veranstalteten Vortragsabend am vergangenen Dienstag im hessischen Hof" sprach nach Eröffnungsworten des Sparerbundsortsgruppenführers H. Lorenz zunächst der Führer des Rentnerbundes, Ortsgruppe Gießen, Herr W. Mades, über die neuesten Bestimmungen zum Rentnerhilfegesetz. Er erwähnte, daß das Gesetz nach dem neuesten Runderlaß vom 2. Januar 1935 wohlwollend durchzuführen sei. Für den Dermögensnachweis komme nur das in inländischer Währung angelegte Kapitalvermögen in Betracht. Habe der Antragsteller am Stichtag (1. Januar 1918) außer dem geglichen Mindestkapitalvermögen Grund- oder Betriebsvermögen besessen, so seien bei der Feststellung des Nettovermögens etwaige Schulden bei den Vermögenswerten abzuziehen, mit denen die Schulden in wirtschaftlichem Zusammenhangs stehen. Wurden die mit dem Grund- oder Betriebsvermögen zu verrechnenden 'Schulden dieses Vermögen uberstel- gen so sei der überschießende Betrag von dem Kapitalvermögen abzuziehen. Könne der Nachweis, daß am 1. Januar 1918 das gesetzlich vorgesehene Mindestvermögen vorhanden war, urkundenmaßlg nicht mehr erbracht werden, so könne der Nachweis durch sonstige Beweismittel (z. B. durch Vorlage von Briefen u. a. m.) geführt werden.
Anschließend nahm Notar und Rechtsanwalt Luley das Wort zu dem Thema: „Die Falligkett
* G i e ß en, 9. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostest i Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis
Beispielen im Ballspielen.
Mt einer Mädchenklasse der Grundschule gab er
besitzer. _ r .,
Den von der gutbesuchten Versammlung mit großem Interesse aufgenommenen Ausführungen der Redner folgte eine längere Aussprache.
Vornotizen.
Wie wir am Dienstag schon kurz berichteten, fand in den letzten Tagen in der neuen Pestalozzischule ein Lehrgang für rhythmische Erziehung statt. Leiter war der Pädagoge Otto B l e n s d o r f (Godesberg), die Teilnehmer waren Erzieher aller Schularten, Studenten der Musik u. a.
Der Lehrgang hat Gelegenheit geboten, die ver- Gebiete der rhythmischen Erziehung in und ihrem natürlichen Zusammen-
1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, frische Landeier 11 bis 13, ausländische 10 bis 13, inländische Kühlhauseier 10 bis 13, Wirsing, das Pfund 18 bis 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Unterkohlrabi 8 bis 9, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 30, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 25 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln, der Zentner 3,20 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 18 bis 25 Pf., Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 75 bis 90 Pf., Gänse 90, Enten 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 60 70 Pf., Blumenkohl 40 bis 60, Endivien 10 bis Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10
schiedenen
ihrem Aufbau und ihrem natürlichen Zusammenhäng zu erleben und ferner zu erkennen, daß die Berufsarbeit jedes Einzelnen davon berührt und befruchtet wird, in Schule, Hort und Heim, Kindergarten und Jugendpflege. Der Lehrgang hat den Teilnehmern aber auch vor Augen geführt, welch außerordentlich wichtige und wirksame Erziehungsmittel Rhythmus und Musik bei Kindern und Jugendlichen sind. Nach der körperlichen Seite hin er»
— Tageskalender für Samstag. Licht« fpielhaus, Bahnhofstraße: „Abenteuer eines jungen Herrn in Polen". — Astoria-Lichtspiele, Selters« weg: „Pat und Patachon". — 14 bis 18 Uhr, Stickerei- und Spitzen-Werkschau im Turmhaus am Brandplatz. — Deutsche Stenographenschaft, Orts« gruppe Gießen, Maskenball im Klub. 23^x5.« Reichsbahn e. V. Gießen, 19.58 Uhr, Maskenball auf der „Liebigshöhe".
— Tageskalender für Sonntag. Stadt« theater, 19 bis 21.45 Uhr: „Das Land des Lächelns". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Abenteuer eines jungen Herrn in Polen". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Pat und Patachon". — Gießener Konzertverein, 17 Uhr, in der Neuen Aula drittes Solistenkonzert „Maria Neuß". — Stickerei- und Spitzen-Werkschau, 14 bis 18 Uhr, im Turmhaus am Brandplatz. — Verein für Sterbeunterstutzung Gießen, 15 Uhr, ordentliche General-Versammlung im „Frankfurter Hof". — Reichsfachgruppe Imker, Ortsfachgruppe Gießen, 14 Uhr, Jahreshauptversammlung bei Faulstich, Bahnhofstraße. — ner Eisverein: Sstdwestdeutsche Eishockey-Meister» schast: 9 Uhr Vorspiel, 14 Uhr Entscheidungen. Nachmittags Kunstschaulaufen.
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt« theaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 10. Februar, 19 Uhr, zum letzten Mal die romantische Operette: „Das Land des Lächelns" von Franz Lehar; Leitung: Hub-Cujö-Bäulke. Dienstag, 12. Februar, die Faschingsoperette: „Der goldene Pierrot" von Walter W. Goetze; für die Gießener Bühne bearbeitet von Oberspielleiter Paul Wrede, musikalische Leitung hat Kapellmeister Fritz du je, choreographische Leitung Maja von Rabenau und Hilde Plank. - Mittwoch, 13 Februar, 19.30 Uhr, Wiederholung der Operette:
Der goldene Pierrot". — Nächste Erstaufführung des Schauspiels bildet das Komödienspiel: „Die Hosen des Herrn von Bredow" nach dem gleichnamigen Roman Alexis von Paul Beyer bearbeitet. Spielleitung dieser Komödie hat Heinrich Hub. Aufführung an folgenden Tagen: Donnerstag, 14. Februar, als geschloffene Vorstellung für Die NS.-Kulturgemeinde, Rim- Deutsche Bühne, 20 Uhr. Freitag, 15. Februar, 20 Uhr. Samstag, 16. Februar,' als geschlossene Vorstellung für die NS.-Kul» turgemeinde, Ring Deutsche Bühne, 20 Uhr.
— Verein für Sterbeunter st utzung. Morgen, Sonntag, nachmittag Generalversamm« lung im „Frankfurter Hof". (Siehe heutige An-
Jn einer Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß für die Arbeitsfront m unserer Stadt Ortsgruppen errichtet worden sind, öiehl^re(ReA9ne2Tnefn Geschäftsstellen haben. Ferner ist aus der Mann - machung ersichtlich, wie die Geschaftsstunden est- gesetzt sind, außerdem enthält die Bekanntmachung noch Mitteilungen für die Beitragszahlung.
Verufsgruppenamt. ,
Mitte März findet in Gießen die Kaufmannsgehilfenprüfung statt. Alle Lehrlinge der Wirt- schaftsgruppen Großhandel, Einzelhandel, Industrie, Banken und Sparkassen, Verkehrsgewerwe und Versicherungsgewerbe haben sich dieser Prüfung zu unterziehen. Die Lehrherren sind verpflichtet, Die Lehrlinge dem Prüfungsausschuß der Jndustrie- und Handelskammer Gießen auf dem vorgedruckten Anmeldebogen, der bei der Handelskammer zu erhalten ist, zu melden.
200 Mark Winterhilfespende ter Gastwirte.
Das Winterfest der Gastwirte, das am Dienstagabend in den Räumen der Liebigshöhe zu Gunsten der Winterhilfe veranstaltet worden war, erbrachte den Betrag von insgesamt 230 Mark. 200 Mark wurden der Winterhilfe überwiesen und 30 Mark der Ortsgruppe Mitte zur Verfügung gestellt.
Gießener Dochenmarktpreise.
Zeige.) , .
— Ein Vortrag für die Hausfrauen findet am kommenden Montagnachmittag rm Cafe Leib statt. Näheres in der heutigen Anzeige.
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** Das Fundfachenverzeichnis. Das Verzeichnis über die im Monat Januar gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf- Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim ^undbura während der Dienststunden geltend zu machen
Soseß Magnus Wehnev
ist der Verfasser unseres neuen VomanS, mit dessen Veröffentlichung wir übermorgen beginnen. Der Dichter wurde durch sein Kriegsbuch „Sieben vor Verdun" weithin bekannt; auch in unseren Vornan werfen gegen Ende stürmische Szenen aus dem großen Kriege ihren Feuerschein, aber das eigentliche Thema ist die Geschichte einer jungen Liebe und eines herben bäuerlichen Lebens in Deutschland. In der dramatssch bewegten Sand- lung haben sich Iugendeindrücke und spätere Erlebnisse Wehners verdichtet, der, als Kind eines Lehrers in der Vhön geboren, im Trichterfeld vor Verdun die tiefste Wandlung seines Lebens erfuhr, bald ernstlich zu gestalten begann und 1930 mit dem Dichterpreis der Stadt München ausgezeichnet wurde. In München lebt er noch heute als Schriftsteller und Theaterkritiken Seine Liebesgeschichte von der Aochzeitskuh beginnt am Montag, dem il.Fedruar in de« KamMeuvtättern
obst und -gemüse stark einzusparen. Das , möglich durch intensiven Obst- und Gemüsebau. Die Zahl jener Obstbaumbesitzer, die ihre Obstbaume vom Großvater geerbt haben und ihre Erträge dem Lauf der Natur überlassen, ist noch viel zu groß. Obstbäume müssen ebenso sorgfältig behandelt werden wie der Wein. Der Sortenauswahl, der Bodenbehandlung muß ebenso Beachtung geschenkt werden wie sorgfältiger Baumbehandlung, der Schädlingsbekämpfung und der Düngung, wenn eine ertragreiche Ernte eintreten soll. Bei der Bo- denbehandluna ist Zuführung von Humus wichtigste Voraussetzung. Zum Gedeihen der Bäume ist Kalk erforderlich, der ein grundlegender Stoff für Baum und Frucht ist. Stickstoff, schwefelfaure Kalisalze, die den Geschmack der Frucht fördern, Kali und Phosphor, die Gewicht, Qualität und Haltbarkeit beeinflussen, sind die Bestandteile einer Volldüngung. Sorgfältigste Beachtung der Art der Anwendung, Einhaltung der Zeiten führen zu reichen Ernten. Nur bestes Obst soll verkauft, alles andere verarbeitet werden. In Sachsen hat man Sammelstellen mit strenger Kontrolle eingerichtet, die vorbildlich sind für den neuen Weg im deutschen
Aus her proviuzialhauptsiadt.
Glück.
Die Menschen sind sich einig im Suchen nach Glück. Aber sie sind uneins in der Bestimmung dessen, was unter Glück zu verstehen ist. Viele sehen im Reichtum den Inhalt des Glücks. Darum drängen sie nach Besitz und hängen an ihm. Und machen schließlich doch die Erfahrung, daß ihr vermeintlicher Glückshimmel in Wahrheit die Holle ist. So schildert es jene Legende von dem reichen Mann, der sich nach seinem' Tode im Jenseits wünschen durfte, was sein Herz begehrte. Er wünschte sich ganze Keller voll Gold und wünschte sich damit in die qualvolle Hölle. Aber er konnte sich ja gar nichts anderes wünschen als das, wonach er auf Erden allzeit gestrebt hatte.
Aehnlich ist es mit der Bestimmung des Glücks als Genuß. Wer in möglichst häufigem, möglichst vielseitigem Genuß des Lebens Glück au finden glaubt, wird noch immer die bittere Wahrheit des Dichterwortes erleben müssen: „Von der Begierde schwank ich zum Genuß, und im Genuß verschmacht ich vor Begierde." Es ist nun einmal so, daß der Genuß gröberer und feinerer Art stets anstelle der erwarteten Fülle eine Leere zurückläßt, die immer trostloser wird, bis der Mensch erkennt, daß er mitten in allem Genuß unglücklich ist.
Von vielen wird die Arbeit als des Lebens Glück gepriesen. Mit dieser Bestimmung des Glücks kommen wir feinem wahren Inhalt schon näher. Freilich Arbeit als harte Fron ober Hetze ist das Gegenteil von^Glück. Und auch die rein aus Eigennutz getriebene Arbeit wird ihren Diener nie glücklich machen. Aber alle zum Besten des Nächsten geleistete Arbeit trägt in sich das Geheimnis der Glückseligkeit. Denn sie erzieht zu der herrlichen Erkenntnis und dem beseligenden Erlebnis, daß Glückseligkeit nicht im Glücklichsein, sondern im Glücklichmachen besteht. So meint es auch der Heiland, wenn er immer wieder von der Seligkeit des Dienens spricht und seine Jünger zu ihr heranbildet.
in einer Stunde voller Freude und Leben Beispiele aus dem unerschöpflichen Gebiet der rhythmischen Gymnastik. m _
Wer nach diesen aezeichneten Vorbildern seinen Unterricht einstellt, bietet der Jugend „Licht — Leben — Liebe" in bester Form dar.
Am Schluß des Lehrgangs dankte Turnlehrer Mohr unter dem Beifall der Teilnehmer Herrn Biensdorf für die vielen Anregungen, die er gegeben hat, und sprach die Hoffnung aus, daß der Arbeit reicher Segen für unsere Jugend beschieden sein möge.
©er Obstzüchter in der Erzeugungsschlacht.
Der Obst- und Gartenbauverein Gießen hielt am Freitagabend im Cafe Leib einen Lichtbildervortrag ab. Der Vereinsleiter, Universitäts-Gartenbauinspektor i. R. Rehnelt sagte, daß ein Erfolg der Erzeugungsschlacht für den Obstanbau die Abwendung von den bisherigen Methoden und Mitteln erfordere, damit die noch sehr umfangreiche Oösteinfuhr aus dem Ausland zurückgedrängt werde; denn die Kosten hierfür trägt jeder einzelne Volksgenosse. Die Hauptversammlung am Sonntagnachmittag im Hopfeld wird den in Gießen ftarl vernachlässigten Spalierbau an Hauswänden behandeln, der für Gießen vielfach Bedeutung hat. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Vortrag nicht nur von den Mitgliedern, sondern auch von Freunden des Obstbaues besser besucht werden möge.
Diplom-Landwirt Evelt aus Frankfurt a. M. gab zunächst eine Einführung zu dem neuen Obstbaufilm. Dem deutschen Obstbau fällt, so führte er u. a. aus, in der Erzeugungsschlacht die Aufgabe zu, die beträchtlichen Geldbeträge für das Ausland-
Solch glückbringende Arbeit zum Besten unseres Nächsten wird sich stets aufbauen auf dem Glauben an eine sittliche Weltordnung. Ich kann nicht dauernd Liebe an andere ausgeben, wenn ich nicht eine ewig fließende Einnahmequelle solcher Liebe habe. Diese Kraftquelle ist der Glaube an den ewigen Gott als die unerschöpfliche Liebe. Das Erlebnis dieser ewigen Liebe verpflichtet zur Weitergabe dieser Liebe an andere durch gute Taten. Denn dies Erlebnis ist solch restlos beseligendes Glück, daß es den, der es erfahren hat, dazu treibt, andere glücklich zu machen.
Und damit sind wir bei der rechten Bestimmung des wahren Glücks angelangt: es ist Vertrauen auf Gott und Dienst am Nächsten.
Pfarrer Staubach, Watzenborn t.
Nach langem Leiden ist gestern der evangelische Ortsgeistliche von Watzenborn-Steinberg, Pfarrer Robert Staubach, entschlafen.
Der Heimgegangene entstammte einer Bauernfamilie aus dem Orte Bauernheim (Kreis Friedberg), wo er am 18. September 1878 geboren war. Seit 5. Oktober 1902 war er nach dem Abschluß seines Studiums an der Landesuniversität Gießen und seiner Seminarzeit in Friedberg zunächst Pfarrvikar in Arheilgen, am 20. Dezember 1903 wurde er Pfarrverwalter in Herchenhain, am 24. April 1904 Pfarrverwalter in Groß-Felda, am 11. Juli 1905 Pfarrassistent in Vilbel und am 21. Juni 1906 definitiver Pfarrer in Groß-Eichen (Kreis Schotten). Hier wirkte er als Pfarrer viele Jahre lang m reichem Segen, bis er am 3. April 1924 zum Pfarrer in Watzenborn-Steinberg (Kreis Gießen) ernannt wurde.
Mit einer bewunderswerten Arbeitskraft und Hingabebereitschaft an den Dienst für die Gesamtheit' ausgerüstet, leistete er bei wiederholten Vakanzen den Dienst des Spezialvikars in Hausen, Leihgestern und Grüningen. Dem Vorstand des Oberhessischen Vereins für die Baseler Mission gehörte er als Rechner an. Als Vertrauensmann für die evangelischen Kirchenchöre des Dekanats Gießen konnte er in seinen alle zwei Jahren dem Dekanatstag vorgelegten Berichten immer wieder ein erfreuliches Wachstum der Kirchengesangvereins-Organisationen seststellen. In der örtlichen Gemeinde-Organisation leistete er Hervorragendes, das auch mancher Krise standhielt. .
Seit langer Zeit war der nunmehr Verewigte schwer leidend, dennoch versuchte er seinen seelsorgerischen Pflichten und seinen weiteren Dienst zum Besten der evangelischen Gemeinden in aufopferungsvollster Weise nachzukommen. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man feststellt, daß er seine Kräfte bis zum letzten aufgerieben hat im Dienste der Nächstenliebe. Sein allezeit freundliches und hilfsbereites Wesen, sowie seine aufrechte deutsche Mannesart und seine charaktervolle Persönlichkeit haben ihm bei Lebzeiten überall große Wertschätzung gebracht und werden sein Andenken auch über das Grab hinaus in Ehren fortbestehen lassen.
Deutsche Arbeitsfront.
Verwaltungsstelle 19, Gießen.
Die Geigerin Maria Neuß (Berlin) spielt im dritten Solistenkonzert des Gießener Konzert-
Vereins.
der Aufwertungshypotheken nach dem neuesten Ge» fetz vom 20. Dezember 1934". Der Redner hob her- vor, daß anstelle der früheren einjährigen Kundl- gung die vierteljährliche Kündigung getreten |ei. Die Aufwertungsforderungen konnten jedoch nur zum Quartalsschluß mit dreimonatlicher Frist christlich gekündigt werden. Die Kündigung selbst müsse spätestens am dritten Werktag des betreffen- den Quartals dem Schuldner zugegangen sein. Das Hypothekenmoratorium sei grundsätzlich bis 1.3uti 1936 ausgedehnt. Bis spätestens 31. Dezember 1936 sei ine Kündigungsfrist gestellt. Am Schluß ferner Ausführungen machte der Redner noch auf dis Rechtsbetreuungsstelle am hiesigen Landgericht aufmerksam, die jedem unbemittelten Volksgenossen an jedem Mittwochnachmittag zur Verfügung stände.
Als dritter Redner behandelte H. L o r e n z die neue Zinssenkung. Der neue niedrige Zinsfuß sei für die trebitnehmende Wirtschaft eine ganz andere Basis als der seitherige Zinssatz für hypothekarisch gedeckte langfristige Kredite. Die Zinssenkung werde sich auswtrken in einer Senkung der fixen Produktionskosten, d. h. in Verbilligung der Produktion und folglich in Preissenkung. Ausgenommen von der Zinssenkung seien die Liquidationspfandbriefe, folglich auch die Zinsen für die Auswertungshypotheken, welche die Deckung für die Liquida» tionspfandbriefe abgeben. Jedenfalls habe die Reichsregierung auch im Rahmen der großen Konversion die Interessen des Vorkriegskapitals wahr» zunehmen versucht. Was die Hauszinssteuerfrage anbetreffe, so müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Hauszinssteuermilliarden eigentlich das Eigentum der Sparer und Hypothe» kengläubiger seien. Der Sparerbund erhoffe auch in dieser Frage bald eine Losung, die dem Sparer und Gläubiger ebenso gerecht werde, wie dem Haus-
• ' : sie zu äußerster Disziplin, Selbstbeherr- l |U;UHg und körperlicher Gewandtheit und geben i Körperschule, Spiel und Tanz eine lebensvollere , und natürlichere Gestalt. Für jede Allersstufe wer- i den die ihr gemäßen körperlichen, musikattichen und - eelischen Äusdrucksformen gefunden. Nach der pa- . dagogischen Seite hin werden sie Hilfen zu einer i aus dem Sinnenerlebnis hervorgehenden Begnffs- bildunq und unterbauen somit den Sprech- und Sprachunterricht. Die rhythmische Erziehung will die durchgreifende körperliche Erziehungsmethode. Der gesamte Unterricht baut auf Selbstfinden und -Selbsterfinden auf. Die Erkenntnisse werden erarbeitet, nicht vermittelt, desgleichen wird auf mechanische Uebermittelung von körperlichen Hebungen durchaus verzichtet, da es sich lediglich um die Erfassung eines Arbeitsprinzips Handelt, durch das der Unterricht in der eignen Praxis lebendig und frei von jedem Schema sich gestaltet.
„Erziehung zur Selbständigkeit", das Ziel der Arbeitsschule, wird nach dem Turnen Bensdorfs in der körperlichen Erziehung voll durchgefuhrt. Was Biensdorf bietet ist keine graue Theorie, sondern praktisches Miterleben für alle Kursteilnehmer. Biensdorf bringt eine auf Metrik fußende geistige Erziehung, die schon in der Grundschule elnsetzen muß und, wie die Körpertechnik, als selbständige DilAivlin neben dem Erlebenswege hergehen muß. Von Jugend auf sind dem Kinde viele Bewegungen vertrau? ganz von selbst, automatisch, hat das Kind alles aus dem Leben erlernt. Aus allem, was geschieht, erwachsen dem Erzieher die Aufgaben, die er zu leisten hat. Der Erzieher darf über dem Körperlichen nur das Seelische nicht vergessen und muß die Kinder dazu befähigen, aus ihrem eigenen Können Formen zu bilden.
Der Leiter führte an praktischen Beispielen unter aktiver Mitarbeit aller Teilnehmer vor, wie Bewegung und Musik eine Einheit bilden, wie die Musik, ganz gleich mit welchen Instrumenten sie gespielt wird, jede Bewegung darstellen kann und umgekehrt, wie jede Bewegung sich ganz auf die Musik aufbauen kann. Der Leiter laßt die Erlebnisse der Kinder auf dem Schulwege im Gehen, Sehen, Stehen und Laufen in Bewegung ausdrücken, die den Körper dehnen, strecken und stahlen. Im Bewußtmachen dieser Bewegungen durch Musikinstrumente, Wort, Reim und Satz, Sprechmelodie und Lied zeigt er Wege zu eigenem Schaffen die der Jugend viel Freude machen und dabei das Hauptziel, die Ausbildung von Körper und Geist, nicht aus den Augen verlieren. Er stellt in Bewegung und Musik die Begriffe langsam und schnell dar, schafft Melodien und Worte dazu, zeichnet diese Melodien in Bewegungen in horizontaler und vertikaler Lage auf. Auch die dynamische Färbung findet die ihr gebührende Berücksichtigung.
Der Leiter zeigte auch die pädagogische Behandlung des Kinder-Spiel- und Tanzliedes und feine Weiterführung zum selbstgeschaffenen Volkstanz in einer Reihe praktischer Darstellungen von Geschehenem aus dem alltäglichen Leben an den Beispielen „Meine Finger", „Wie die Tiere gehen , „Die Windmühle", „Die Katze und die Mause „Im Kahn", „Der Schuster", „Im Regen , „Die Frosche und der Storch", „Der Leiermann" und einigen
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ERNA STOLL (ffARtOTTENSuR^


