Ausgabe 
9.2.1935
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 34 Zweiter Blatt

Hier sand die Reichswehr-SkipairoMe den Tod

vertrauen. Die ersten Jahrhunderte nach der Zeit-

Treiben doch nur ein Beweis dafür, wie tief in der Menschennatur das Bedürfnis nach einem geistig-seelischen Halt wurzelt. Nur wer diesen Halt nicht in sich s e l b st zu fin­den vermag und in der S ch i ck s a l s a e m e i n - schäft mit Menschen gleicher Art und Rasse, in die er hineinaeboren ist nur der wird einen krankhaften Hunger verspüren, alle möglichenGeister" mit Augen zu sehen und mit Ohren zu hören. Und an Marktschreiern und Schar­latanen, die diesen krankhaften Hunger in derberer oder feinerer Form auszubeuten verstehen, wird es diesen Bedauernswerten dann auch nicht fehlen.

Geisterseher.

Äon Or. Paul Harms.

So alt wie die Kulturmenschheit ist das Pro­blem Körper und Geist. Die tiefsten Denker aller Völker haben lebenslang damit gerungen und Hanswurste und Luftikusse lösen es im Hand­umdrehen. Für sie gibt es eigentlich gar kein Pro­blem. Für sie gibt es eben nur Körper, und was andere Leute Geist nennen, das ist für sie so eine Art von verdünntem Körper, der in dem hand­greiflichen Körper drinsteckt, wie der Spiritus in der Flasche. Stirbt der irdische Körper, so schwebt der Geist ab, so wie der weltweise Spötter Wil­helm Busch es in der Frommen Helene dar­gestellt hat:

Hier sieht man ihre Trümmer rauchen, Der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.

Helene, die nach altem Brauch, nicht nur Sorgen, sondern auch Likör hatte, hat die Petroleumlampe umgeworfen, ist elendiglich verbrannt, und ihre Seele, ein langgezogenes, windiges Schattenbild von ihr, entschwebt durch den Kamin.

Das ist zum Lachen. Nur wenn alte Welt- onschauungen in Trümmer gehen und neue sich emporarbeiten, dann ist das Treiben der Geisterseher gar nicht zum Lachen.

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Wende, als Heidentum und Christentum mach miteinander rangen und das junge Christentum sich mit äußerster Anstrengung gegen das Eindringen hellenischer Philosophie zu weh­ren hatte, waren angefüllt mit Geisterbeschwörun­gen, Sterndeuterei und gewerbsmäßigem Munder­sum. Aehnliches wiederholte sich, als die Auf­klärung gegen die Reste mittelalterlicher Welt­anschauung-zu Felde zog. Nie stand der Aberglaube io in Blüte wie in den Jahren, da die Herrschaft desPatriarchen" Voltaire und der geistesver­wandten Enzklopädisten unbestritten war.

Während der Glanz des Sonnenkönigs von der Lichterstadt" Paris aus Europa überstrahlte, wim­melte es nur so von Geisterbeschwörern und Gold­machern, nach Art des elsäßischen Juden Simon Wolff, der sich Graf St. Germain oder des Si- mlianers Josef Balsamo, der sich Gras Caglw- lstro nannte. Weibliche Teufelsbeschwörer gab es auch genug. Es ist da eine erbauliche Geschichte überliefert: Damen der vornehmsten Pariser Ge- iellschaft wollten eineschwarze Messe" veranstal­ten, wie man das nannte. Die Hexe, die ihnen den Teufel zitieren sollte, verlangte, daß sie sich völlig entkleideten, denn die höllische Etikette lasse es nicht =u daß Weiblein anders als splitterfasernackt vor ! Seiner schwärzlichen Majestät erschienen. Und also geschah es. Die Närrinnen wurden in ein Zimmer sinqeschlossen und die Hexe verschwand mit ihren Kleidern und ihrem Schmuck. Andern Tags erst konnte die Polizei die gerupften Gänse befreien.

Wie tief die Zeitströmung ging die den Schwin- !del trug, mögen wir daraus ersehen, daß selbst starte Geister zu tun hatten, um sich von ihr zu befreien: Goethe versuchte es mit Humor in «Groß Kophta, Schiller mit Ernst tm Fragment kdes Geistersehers; eine reine Freude ist weder das eine noch das andere. Kaltschnäuzige Abenteurer Dagegen, wie der mit allen Hunden gehetzte Vene­zianer Casanova nutzten ine Leichtgläubigkeit Joerabe der vornehmen Welt rücksichtslos aus um jfich ohne Arbeit einen reich bemessenen Lebens- mnterhalt zu verdienen. Andere wieder, wie der Llpothekerlehrling Böttger m Dresden und der Chemiker Kunkel auf der P^uenmsel beiPots- °dam haben bei allem blauen Dunst, den ste ihren ffürltlicken Auftraggebern notgedrungen vormachen »mißten, bleibenden Nutzen gestiftet; jener indem er

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Gießener Giadiiheater.

Felix,Kleinert,Goetze:DergoldnePierrot"

Das Stadttheater bringt, sicherlich um der Faschingsstimmung in unserer Stadt etwas Nach­druck zu verleihen, in diesen Tagen eine Karne­valsoperette. Gewissermaßen, um einmal zu zeigen, was man in der Faschingszeit straflos alles an- stellen kann sofern es, wie in dieser Operette, nicht schief geht. In große geistige Unkosten wird man dabei nicht gestürzt, denn die Textdichter, Os­kar Felix und Otto Kleinert, haben es nicht darauf abgesehen, dem Publikum das Rätsel auf- zuqeben, wer denn nun eigentlich der goldene Pier- rot ist Das Publikum weiß es von Anfang an ganz genau, nur die auf der Bühne wissen es nicht Das ist auch im wirklichen Leben häufig so daß die Beteiligten all das nicht wissen, über was die anderen längst tuscheln. Aber man atmet ordentlich befreit auf drei Minuten, be­vor sich der Vorhang senkt, erfahren es auch die auf der Bühne, wer der goldene Pierrat ist. Und -war durch einen einfachen Umstand: die junge Frau die ihren eigenen Mann an ihrem Hochzeits­tag verführen, bzw. seine Treue prüfen will hat nur eine winzige Kleinigkeit in ihrem schlauen Plan vergessen ... Welche Kleinigkeit, das darf, lieber Leser und hochgeschätzte Leserin, an dieser Stelle aus begreiflichen Gründen nicht verraten

Das, was dem Libretto an Handlung zu eigen ist ist'unterhaltsam genug ausgedacht, um in der engen Verbindung mit all den bekannten Arabes­ken der Operette das Interesse für einige Stunden wachzuhalten. .

Die Tochter eines stadtbekannten rheinischen Wem- qutsbesitzers gestattet sich den Scherz, zur Faschings- icit als qoldner Pierrot die ganze Stadt und ins­besondere den würdigen Elferrat zu nasführen.

Ein gesundes Volk aber scheidet solchen Krank­heitsstoff mit der Zeit von selbst wieder aus. Der Frühlingssturm der Freiheitskriege hat seinerzeit olles weggefegt, was von der Geisterseherei des 18. Jahrhunderts noch Übrig war. Und vor dem Glauben an uns selbst, den uns die Erneuerung Deutschlands durch Adolf Hitler zurückaegeben hat. wird rasch genug der ganze Wust von Aberglauben hinschwinden, der in der Stickluft des Versailler Systems bei uns ins Kraut geschossen war. Denn Geister sieht und hört immer nur, wer vom Geiste des Zusammenlebens in völkischer Schicksals- gemeinschast nie einen Hauch verspürt hat.

sen.

Seit Adolf Hitler dem Deutschen Volke d e n Glauben an sich selbst zurückgegeben hat, ist der wildeste Spuk jener Zwischenzeit ver­flogen. Als ein Nachhall hat sich bis in die letzten Tage nur noch die Sekte des Käse-Doktors Josef Weißenberg ausgelebt, der das Geschäft erst unter schwarz-weiß-roter Flagge getrieben hatte und dann unter dem Hakenkreuz fortzusetzen ver­suchte. Diese Dreistigkeit hat ihm den Hals ge­brochen, ein behördlicher Eingriff hat dem Schwin­del, als er gemeingefährlich zu werden anfing, das verdiente Ende bereitet. Erstaunlich bleibt aber im­mer wieder, was für Leute und wieviel Leute dar­auf hereingefallen find, nachdem ein Zusammen­stoß mit dem Strafrichter wegen Kurpfuscherei nur die Wirkung gehabt hatte, demMeister" in den Augen derer, 'die nicht alle werden, eine gar zu billige Märtyrerkrone zu verschaffen.

Es lohnte sich nicht, sich mit dieserirdischen Hülle des heiligen Geistes", wie er sich m edler Selbstbescheidung nannte, überhaupt zu beschäftigen, wenn feine Kurpfuscherei an Körpern und Seelen nicht typische Züge aufwiese, die für das Ge­werbe der Geisterseher kennzeichnend sind. Dies läßt sich nämlich nur ausüben an Menschen denen die Ehrfurcht abgeht für alles, was sich außerhalb der Sinnenwelt begibt. Wenn wir des 18. Januars gedenken als des Tages, seit dem es zuerst wieder ein Deutsches Reich gab, dann spuren wir das lebendige Wirken des Schöpfers dieses Reiches noch heute. Aber das genügt den Geistersehern und ihrer Jüngerschaft nicht. Sie können sich unter dem Geiste Bismarcks" nur etwas vorstellen, wenn sie annehmen, daß da ein s ch a tt en l) a ftes Ct = was eine Art von verdünnter Körperlichkeit des gewaltigen Reichsgründers immer noch unter uns umherschwebe und nur darauf warte, von Herrn Josef Weißenbergz i t i e r t" zu werden. Nur wenn sie einen Schatten sich bewegen sehen oder wenn sie eine Stimme hören, und wäre es auch nur die plärrende Stimme eines hysterischen Me­diums, verspüren sieGeist". G e i ft a ber , der nur mit den geistigen Organen der Menschenseele verspürt werden kann, bleibt ihnen ewig f C(5(T läuft alles immer wieder auf die alte Erfah­rung hinaus: die Geisterseher sind die gröbsten M a t e r i a l i st e n. Geist, der sich nichtmateriali­sieren" läßt, ist für sie nicht da. Und was bei den Jun­gem Ehrfurchtslosigkeit gegenüber allem Unsinnllchen und Uebersinnlichen ist, das steigert sich beim "^st^r zur Frechheit, womit er das Bedürfnis schwacher Seelen nach Materialisierung des Unsinnllchen aus­beutet. Denn zu guter letzt ist das ganze, tolle

neuen Roman sich zu bekräftigen der unter Segel­fliegern im Rothaargebirge spielt unb im nächsten 3ahr alsWorpsweder Kalender erscheinen soll. Hausmann hat selbst in diesem Segelflieger-Lager gelebt. Es war eine glückliche Zeit, und er brauchte eigentlich nur aufzuschreiben, was er sah und was geschah -aber ist das nun meine Geschichte? Nein, wir haben sie gemeinsam gemacht . So wird aus jenem einleitenden Bekenntnis zur Gemein­schaft ein noch bestimmteres Bekenntnis zur Kame­radschaft jugendlichen Lebens und junger Herzen.

Dabei handelt es sich, wie wir horten, um die Frage, ob ein sogenannter Intellektueller unter so verwegenen und gegenwartsnahen Kameraden Platz habe. Die Probe, die gelesen wurde, war echter Hausmann, frisch, anschaulich, mit Begeisterung und mit Humor erzählt Ein wenig Zustandsschilderung, ein wenig Gespräch, eine winzige Philosophie unter jungen Leuten im Lager, ;}art unö öerb m einem. Und eine herrlich anschauliche Schilderung vom Er­lebnis des Fliegens und Schwebens im ^oium, welches allerdings leider mit einemerstklassigen Bruch" ein jähes Ende findet.

*

Dann hörten wir aus demSalut gegen Him­mel" bas drittletzte Kapitel von der Fohre Hier kommt jene besondere Seite in Hausmanns dichte­rischem Wesen zum Vorschein, die wir bereits am beuteten: ein neues, starkes, brüderlich auf die Krea­tur zugehendes und sie umfassendes Naturgefuhl, das nichts (ober nur wenig) Literarisches an sich hat. Hier haben wir bie bramatische Schilberung vom gemeinsamen Kampf einer Baumes unb eines Menschen gegen ein über den Wilseber Berg in Der Lüneburger Heibe hinfegenbes Unwetter; auch hier mieber Objektivität ber Betrachtung unb Beob­achtung, mit persönlichstem Gesühlsausbruch ge­mischt: Realistik unb Lyrik in einem.

*

Reine Lyrik aber, unverstellt unb unvermischt, musiziert melobisch in ben brei Schichten überbas ewige Thema" (bu unb ich), die ebenso sparsam wie kritisch ausgewählt waren: "Die Braut ,Heim­kehr" undTröstliches Lied"; in den beiden letzten vor allem,Du mußt mir glauben" mit den wundes bar einfachen und zarten Schlußzeilen, undIch möchte eine alte Kirche fein", ift das Beste, das künstlerisch Reifste und Persönlichste enthalten, was Hausmann bisher gegeben hat.

Als beschwingten Ausklang des Abends hörten wir zwei große Abschnitte aus der Bremer Jungens- gesch chteOntje Arps", die vor Jahren erschienen und auch im Gießener Anzeiger abgedruckt worden ist: sie gehört zu den frühesten und schönsten Er­zählungen Hausmanns, erfüllt vom Duft einer

Goethe-Bund.

AweiterDichterabend: Manfred Hausmann.

In ber Neuen Aula las gestern abenb Mcmfreb Hausmann aus eigenen Werken. Unsere Leser Bennen ihn aus mancherlei Beiträgen in ber Unter» lhaltungsbeilage; wir brachten gestern von ihm eine Schilderung jener denkwürdigen Freiballonfahrt, kw^che, dichterisch verwandelt, in dem BucheAbel rniit der Mundharmonika" eine beträchtliche Rolle »vielt und wir dürfen auch an die vor Jahren er­schienenen Berichte von der großen Vagabunden- üvanderung durch das heimliche und unheimliche Deutschland erinnern, m denen der Grund gelegt «nurbe 3ußampioon" unbSalut gegen ßimme Den beiden Büchern, die Hausmann recht eigentlich bekannt gemacht haben. *

Nun erschien er gestern pe>r(önlid) aut bem&> tiq ist? aber er hat sich dann später in und um Bremen herum heimisch und sogar ansässig gemacht und das hat natürlich abgefarbt. Hausmann ist ohne Zweifel eine der begabtesten und persönlichsten Er­scheinungen einer Dichtergeneration in Deutschland die heute zwischen Dreißig und Vierzig s h gehört zu den reinsten und innerlichsten Ly , bie aus bieser Generation hervorgegangen sind aber wirklich bekannt und fast volkstümlich m mit feinen erzählenden Büchern geworden, in o sich Realismus und Romantik mischen, kühle, k Beobachtung unb erstaunliche Blickscharfe nut ein ausgeprägt subjektiven Haltung begegnen, m ben man sprachliche Leichtigkeit, ursprüngliches Tempe­rament, gesunben, etwas trockenen Humor unb do allem ein neues, unverfälschtes, erwanbertes und er­lebtes Naturgefühl finbet.

*

Hausmann verfügt übrigens über eine sehr pla­stische unb kultivierte Art zu sprechen unb vvrzu- lejcn; er begann ben Abenb mit einer kurzen Vor­bemerkung, bie an einige Sätze bes Schriftstellers B. Trcwen angeknüpft war: eine sehr sympathische Einleitung, Hausmann betonte hier, er wisse wohl, wie fragroürbig bas wirklich Eigene ineige­nen Werken" fei, er bekannte sich bescheiben zu einer an jeglichem Werk mitschafsenben Gemeinschaft, die alles Geschriebene unb Gestaltete burchbringe; viel­leicht, so meinte er, ist nur ber Schimmer bes lieber; wirklichen unb bes Traumhaften in meinen Büchern mein eigen vielleicht.

*

Eine berartige Betrachtung ber Dinge schien uns vor allem in bem zuerst gelesenen Kapitel aus einem

bas Porzellan, bieser, inbem er ben Phosphor unb ein prächtiges Rubinglas fanb.

Von ber Stimmung bes Zweifels unb bes ver­zweifelten Suchens, wie es bie europäische Gesell­schaft vor bem großen Gewitter ber französischen Revolution beherrschte, ist uns ein Abglanz wie- bergekehrt in ben Jahren nach Kriegs- schluß. In jenen Jahren, ba Deutschlanb einen alten Glauben verloren unb sich zu einem neuen noch nicht burdjgerungen hatte. Die Autorität bes christlich-monarchischen Staates, ber seinen Bürgern einen festen Halt gegeben hatte, war erschüttert, als ob sie eine Karikatur auf bie Aufklärung bes 18. Jahrhunberts liefern wollten, trieben Apostel eines wurzellosen, internationalen Kultur-Bol­schewismus auf beutfchem Boben ihr wüstes Wesen. An allen Straßenecken ber Hauptstäbte würbenHoroskope" feilgeboten, in allen Hinter­häusern weissagten Hellseherinnen, unb gerissene Schieber wie bie Gebrüber Sklarek hielten sich für ihren Hausgebrauch eineweise Frau" von be­währtem Ruf. Unb was ift nicht in jenen trüben Jahren mit bem Anschein gespreizter Wissenschaft­lichkeitprophezeit" worben! Wenn bie erste Zeit erfüllt war, bachte schon niemanb mehr daran, und wenn auch die Propheten wären um eine faule Ausrede nicht verlegen gewesen, und ihre Gläubigen hätten sich ohnedies nicht an ihnen irremachen las-

schen Armee" betitelten Aufsatz in der in Santiago de Chile erscheinenden angesehenen Wochenzeitschrift Westküsten-Beobachter". Der Verfasser gibt zunächst bie verschiedenen Gründe an, die Chile, bas ja oft bas Preußen Südamerikas" genannt wird und sich selbst nicht ungern so nennen hört, be­wogen haben, bei ber großen Heeres- re f o r m vor einem halben Jahrhundert gerade einen beutschen Offizier zu Rate zu ziehen. 1858 mürbe ber preußische Artillerie-Hauptmann C. Körner für die chilenische Armee verpflichtet.

Er war bamats Lehrer an ber Artillerie- und Ingenieur-Schule von Charlottenburg. Als beson­ders befähigter Schüler der Kriegsakabemie, besaß er die Eigenschaften, die die chilenische Regierung von bem beutschen Offizier forderte, der ihr bei der Erneuerung der Armee zur Seite stehen sollte. Als Körner nach Chile kam, wurde er zunächst zum Unterdirektor der Escuela Militär ernannt unb be- Geheimnisvoll taucht sie auf unb verfchwinbet wie­her. Bis sie ber Zufall in ausgelassener Faschings­stimmung an einen Mann bringt, ber mit tob­ernsten Absichten extra aus Berlin gekommen ist. Das mußte benn fast fahrplanmäßig Verwirrungen geben, bie sich erst im letzten Bilb (im Interesse ber Spannung bis zum Enbe) lösen bürfen.

Die Hanblung wirb unterstützt unb wirkungsvoll ausgestaltet burch bie einfallsreiche Musik, bie Wal­ter W. Goetze geschrieben hat. Man hört man­ches ausgelassen fröhliche unb von echter Karne­valsstimmung getragene Duett, manche musikalisch sehr stimmungsvolle' Szene, einen flotten ßänbler, einige geschickt eingefügte chorische Untermalungen, bie bem Komponisten alle Ehre machen. Tanzein- lagen in reicher Fülle, von Hübe Plank einftubiert, bringen immer mieber Schwung auf die Bühne.

Die Aufführung (Spielleitung Paul W r e b e) paßte sich in allen Teilen der Faschingszeit an. An die Regie waren dabei außerordentliche Anforde­rungen gestellt. Die Faschingsstimmung wurde schon rein äußerlich bis in den Zuschauerraum getragen. Vor der Bühne hingen farbige Lampen, Kränze mit vielen bunten Bändern geschmückt. Der Büh­nenbildner (K. Löffler) hatte alle Register ge­zogen und gab der Handlung immer wieder an» beren Hintergrunb. Die Beleuchtung (L. K e i m) erhöhte ben Augenschmaus unb ging mit ber Farbe verschwenberisch um. Das Orchester (Leitung Fritz C u j e) biente der Aufführung mit vieler Hingabe unb großem Geschick.

Die Darstellung ließ keine Wünsche offen. Karl Volck, als lebens- unb abenteuerlustiger Wein­gutsbesitzer, fuib sich hier mieber in einer seiner ureigensten Rollen. Er traf in jeber Situation die richtige Tonart. Maria Perry, seine Tochter, stimmlich ausgezeichnet bisponiert, mürbe ihrer Aufgabe als ausgelassener Pierrot, wie auch als brave Bürgerstochter vollauf gerecht. Ihr stand Hansi Salz mann gegenüber, die als Grit Was- coni, Filmstar frisch aus Hollywood importiert, ihr aanzes quecksilbriges Temperament entfalten konnte. Den ernsten Freier unb verhaltenen Abenteurer gab Heinz Weiser mit großer Sicherheit Mimisch unb gesanglich erschien er aber stets ber Oper naher als ber Operette. Karl-Lubwig Linbt als Ferbi, unternehmungslustiger junger Mann, gab ber Film­schauspielerin an Temperament unb Frechheit nichts nach. Will Q u a b f l i e g, ber Prinz Carneval, ge­fiel mit bem tabellos roiebergegebenen Vorspruch. Die zahlreichen Nebenrollen waren nicht weniger gut besetzt.

Der Abend brachte viel Gelegenheit zu herzlichem . Lachen. Angeregt ging man nach Hause. N.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Santiago de Chile, 23.Januar 1935. (Durch Luftpost.)

Die chilenische Armee ist st o l z darauf, durch die direkte Unterstützung der deutschen Instrukteure unb infolge der von unseren Offizieren in Deutsch­land erhaltenen Ausbildung sich als ein Spie­gelbild der deutschen Armee betrachten zu dürfen, naturgemäß innerhalb der Möglichkeiten, die Bevölkerung unb wirtschaftliche Verhältnisse be= bingen. Besonders stolz aber sind wir wenigen chile­nischen Offiziere, die wir bie beutschen Operationen im Weltkrieg aus nächster Nähe haben verfolgen bürfen, unb bie wir bas Eiserne Kreuz auf ber Brust tragen."

Mit biefen Worten schließt ber chilenische Divi- sionsgeneral i. R. Guillermo Novoa einen Deutsche Mitarbeit in ber Entwicklung ber chileni- flaren Septemberlanbschaft unb von ber echten Heiterkeit unb Poesie in ben Begegnungen unb klei­nen Schicksalen ganz junger Menschen. Wer gestern nur bie Einleitung hörte unb bann bie erregenbe Schilberung vom Kamps um bie Burg unb von ber Blutsbrüberschast, ber wirb bie Notwenbigkeit emp- funhen haben, bie Erzählung als Ganzes auf sich wirken zu lassen .. noch einmal vom ersten Flitz- bogenschuß bes Knaben Ontje Arps bis zu bem kleinen, tröstlichen Epilog:Gesegnet seien bie Schmerzen ber Jugenb!"

Der Saal war gut besetzt, unb bie Hörerschaft bankte bem Dichter mit herzlichem Beifall.

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D-r Srottentopf bei Garmisch-Partenkirchen, auf dem eine aus etnem Unteroffizier unb brei Mann bestehende Skipatrouille des Reichsheeres, die eine Uebungsfahrt unternahm, in sol­datischer Pflichterfüllung im Schneesturm den Tod fanb.

Ein Spiegelbild der deutschen Armee.

Wie Chile sich ein modernes Heer nach deutschem Muster schuf.

Don unserem Or. I.-Äerichterstatter.

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Dann wirb es gemeingefährlich. Menschen, bie ben inneren Halt verloren haben unb sich, nörgelnb unb oerbrossen, in bie neue Zeit nicht finben kön- uen, sinh bann in Massen geneigt, sich frommen eher erst recht unfrommen Betrügern anzu-