f
Samsfag,9.$ebruarl955
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 34 Zweiter Blatt
Hier sand die Reichswehr-SkipairoMe den Tod
vertrauen. Die ersten Jahrhunderte nach der Zeit-
Treiben doch nur ein Beweis dafür, wie tief in der Menschennatur das Bedürfnis nach einem geistig-seelischen Halt wurzelt. Nur wer diesen Halt nicht in sich s e l b st zu finden vermag und in der S ch i ck s a l s a e m e i n - schäft mit Menschen gleicher Art und Rasse, in die er hineinaeboren ist — nur der wird einen krankhaften Hunger verspüren, alle möglichen „Geister" mit Augen zu sehen und mit Ohren zu hören. Und an Marktschreiern und Scharlatanen, die diesen krankhaften Hunger in derberer oder feinerer Form auszubeuten verstehen, wird es diesen Bedauernswerten dann auch nicht fehlen.
Geisterseher.
Äon Or. Paul Harms.
So alt wie die Kulturmenschheit ist das Problem Körper und Geist. Die tiefsten Denker aller Völker haben lebenslang damit gerungen — und Hanswurste und Luftikusse lösen es im Handumdrehen. Für sie gibt es eigentlich gar kein Problem. Für sie gibt es eben nur — Körper, und was andere Leute Geist nennen, das ist für sie so eine Art von verdünntem Körper, der in dem handgreiflichen Körper drinsteckt, wie der Spiritus in der Flasche. Stirbt der irdische Körper, so schwebt der Geist ab, so wie der weltweise Spötter Wilhelm Busch es in der Frommen Helene dargestellt hat:
Hier sieht man ihre Trümmer rauchen, Der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.
Helene, die nach altem Brauch, nicht nur Sorgen, sondern auch Likör hatte, hat die Petroleumlampe umgeworfen, ist elendiglich verbrannt, und ihre Seele, ein langgezogenes, windiges Schattenbild von ihr, entschwebt durch den Kamin.
Das ist zum Lachen. Nur wenn alte Welt- onschauungen in Trümmer gehen und neue sich emporarbeiten, dann ist das Treiben der Geisterseher gar nicht zum Lachen.
Brennholz« genehmigt. t,rebm«
IMi iiewcii 78Od iL,lü.Febr, 21.45 Mr: tzten Male! Abonnem.
ne Preise: bis 2,20 M Land des ächelns.
1. Operette franzLehar,
12. Ä jis 23116t: r goldene tierrot.
13. tiebt., •22.30111)11 jolbctte ?rrot.
4. Sebu ,2N W. >oien des ^v.Bredow
22.30 Mr: Hosen des nv.Predow ,16. Seht., , 22.30 W. Hosen der nv.'Lrcdow it.17.5cbt., iis 22 Mr. t goldene Vierrot.
lZagnerholz
runter 20 hn te Schrei^' wäre
**1
tr) am ®il1- Zusawmenl. ldausgang.
Wende, als Heidentum und Christentum mach miteinander rangen und das junge Christentum sich mit äußerster Anstrengung gegen das Eindringen hellenischer Philosophie zu wehren hatte, waren angefüllt mit Geisterbeschwörungen, Sterndeuterei und gewerbsmäßigem Mundersum. Aehnliches wiederholte sich, als die Aufklärung gegen die Reste mittelalterlicher Weltanschauung-zu Felde zog. Nie stand der Aberglaube io in Blüte wie in den Jahren, da die Herrschaft des „Patriarchen" Voltaire und der geistesverwandten Enzklopädisten unbestritten war.
Während der Glanz des Sonnenkönigs von der „Lichterstadt" Paris aus Europa überstrahlte, wimmelte es nur so von Geisterbeschwörern und Goldmachern, nach Art des elsäßischen Juden Simon Wolff, der sich Graf St. Germain oder des Si- mlianers Josef Balsamo, der sich Gras Caglw- lstro nannte. Weibliche Teufelsbeschwörer gab es auch genug. Es ist da eine erbauliche Geschichte überliefert: Damen der vornehmsten Pariser Ge- iellschaft wollten eine „schwarze Messe" veranstalten, wie man das nannte. Die Hexe, die ihnen den Teufel zitieren sollte, verlangte, daß sie sich völlig entkleideten, denn die höllische Etikette lasse es nicht =u daß Weiblein anders als splitterfasernackt vor ! Seiner schwärzlichen Majestät erschienen. Und also geschah es. Die Närrinnen wurden in ein Zimmer sinqeschlossen und die Hexe — verschwand mit ihren Kleidern und ihrem Schmuck. Andern Tags erst konnte die Polizei die gerupften Gänse befreien.
Wie tief die Zeitströmung ging die den Schwin- !del trug, mögen wir daraus ersehen, daß selbst starte Geister zu tun hatten, um sich von ihr zu befreien: Goethe versuchte es mit Humor in «Groß Kophta, Schiller mit Ernst tm Fragment kdes Geistersehers; eine reine Freude ist weder das •eine noch das andere. Kaltschnäuzige Abenteurer Dagegen, wie der mit allen Hunden gehetzte Venezianer Casanova nutzten ine Leichtgläubigkeit Joerabe der vornehmen Welt rücksichtslos aus um jfich ohne Arbeit einen reich bemessenen Lebens- mnterhalt zu verdienen. Andere wieder, wie der Llpothekerlehrling Böttger m Dresden und der Chemiker Kunkel auf der P^uenmsel beiPots- °dam haben bei allem blauen Dunst, den ste ihren ffürltlicken Auftraggebern notgedrungen vormachen »mißten, bleibenden Nutzen gestiftet; jener indem er
en tftetd* ,t h°rd°-!'
K,.
66, W®
ÄS
•ft g SW*
fP""11-
Gießener Giadiiheater.
Felix,Kleinert,Goetze: „DergoldnePierrot"
Das Stadttheater bringt, sicherlich um der Faschingsstimmung in unserer Stadt etwas Nachdruck zu verleihen, in diesen Tagen eine Karnevalsoperette. Gewissermaßen, um einmal zu zeigen, was man in der Faschingszeit straflos alles an- stellen kann — sofern es, wie in dieser Operette, nicht schief geht. In große geistige Unkosten wird man dabei nicht gestürzt, denn die Textdichter, Oskar Felix und Otto Kleinert, haben es nicht darauf abgesehen, dem Publikum das Rätsel auf- zuqeben, wer denn nun eigentlich der goldene Pier- rot ist Das Publikum weiß es von Anfang an ganz genau, nur die auf der Bühne wissen es nicht Das ist auch im wirklichen Leben häufig so daß die Beteiligten all das nicht wissen, über was die anderen längst tuscheln. Aber — man atmet ordentlich befreit auf — drei Minuten, bevor sich der Vorhang senkt, erfahren es auch die auf der Bühne, wer der goldene Pierrat ist. Und -war durch einen einfachen Umstand: die junge Frau die ihren eigenen Mann an ihrem Hochzeitstag verführen, bzw. seine Treue prüfen will hat nur eine winzige Kleinigkeit in ihrem schlauen Plan vergessen ... Welche Kleinigkeit, das darf, lieber Leser und hochgeschätzte Leserin, an dieser Stelle aus begreiflichen Gründen nicht verraten
Das, was dem Libretto an Handlung zu eigen ist ist'unterhaltsam genug ausgedacht, um in der engen Verbindung mit all den bekannten Arabesken der Operette das Interesse für einige Stunden wachzuhalten. .
Die Tochter eines stadtbekannten rheinischen Wem- qutsbesitzers gestattet sich den Scherz, zur Faschings- icit als qoldner Pierrot die ganze Stadt und insbesondere den würdigen Elferrat zu nasführen.
Ein gesundes Volk aber scheidet solchen Krankheitsstoff mit der Zeit von selbst wieder aus. Der Frühlingssturm der Freiheitskriege hat seinerzeit olles weggefegt, was von der Geisterseherei des 18. Jahrhunderts noch Übrig war. Und vor dem Glauben an uns selbst, den uns die Erneuerung Deutschlands durch Adolf Hitler zurückaegeben hat. wird rasch genug der ganze Wust von Aberglauben hinschwinden, der in der Stickluft des Versailler Systems bei uns ins Kraut geschossen war. Denn „Geister sieht und hört immer nur, wer vom Geiste des Zusammenlebens in völkischer Schicksals- gemeinschast nie einen Hauch verspürt hat.
sen.
Seit Adolf Hitler dem Deutschen Volke d e n Glauben an sich selbst zurückgegeben hat, ist der wildeste Spuk jener Zwischenzeit verflogen. Als ein Nachhall hat sich bis in die letzten Tage nur noch die Sekte des Käse-Doktors Josef Weißenberg ausgelebt, der das Geschäft erst unter schwarz-weiß-roter Flagge getrieben hatte und dann unter dem Hakenkreuz fortzusetzen versuchte. Diese Dreistigkeit hat ihm den Hals gebrochen, ein behördlicher Eingriff hat dem Schwindel, als er gemeingefährlich zu werden anfing, das verdiente Ende bereitet. Erstaunlich bleibt aber immer wieder, was für Leute und wieviel Leute darauf hereingefallen find, nachdem ein Zusammenstoß mit dem Strafrichter wegen Kurpfuscherei nur die Wirkung gehabt hatte, dem „Meister" in den Augen derer, 'die nicht alle werden, eine gar zu billige Märtyrerkrone zu verschaffen.
Es lohnte sich nicht, sich mit dieser „irdischen Hülle des heiligen Geistes", wie er sich m edler Selbstbescheidung nannte, überhaupt zu beschäftigen, wenn feine Kurpfuscherei an Körpern und Seelen nicht typische Züge aufwiese, die für das Gewerbe der Geisterseher kennzeichnend sind. Dies läßt sich nämlich nur ausüben an Menschen denen die Ehrfurcht abgeht für alles, was sich außerhalb der Sinnenwelt begibt. Wenn wir des 18. Januars gedenken als des Tages, seit dem es zuerst wieder ein Deutsches Reich gab, dann spuren wir das lebendige Wirken des Schöpfers dieses Reiches noch heute. Aber das genügt den Geistersehern und ihrer Jüngerschaft nicht. Sie können sich unter dem „Geiste Bismarcks" nur etwas vorstellen, wenn sie annehmen, daß da ein s ch a tt en l) a ftes Ct = was eine Art von verdünnter Körperlichkeit des gewaltigen Reichsgründers immer noch unter uns umherschwebe und nur darauf warte, von Herrn Josef Weißenberg „z i t i e r t" zu werden. Nur wenn sie einen Schatten sich bewegen sehen oder wenn sie eine Stimme hören, und wäre es auch nur die plärrende Stimme eines hysterischen Mediums, verspüren sie „Geist". G e i ft a ber , der nur mit den geistigen Organen der Menschenseele verspürt werden kann, bleibt ihnen ewig f C(5(T läuft alles immer wieder auf die alte Erfahrung hinaus: die Geisterseher sind die gröbsten M a t e r i a l i st e n. Geist, der sich nicht „materialisieren" läßt, ist für sie nicht da. Und was bei den Jungem Ehrfurchtslosigkeit gegenüber allem Unsinnllchen und Uebersinnlichen ist, das steigert sich beim "^st^r zur Frechheit, womit er das Bedürfnis schwacher Seelen nach Materialisierung des Unsinnllchen ausbeutet. Denn zu guter letzt ist das ganze, tolle
neuen Roman sich zu bekräftigen der unter Segelfliegern im Rothaargebirge spielt unb im nächsten 3ahr als „Worpsweder Kalender erscheinen soll. Hausmann hat selbst in diesem Segelflieger-Lager gelebt. Es war eine glückliche Zeit, und er brauchte eigentlich nur aufzuschreiben, was er sah und was geschah - „aber ist das nun meine Geschichte? Nein, wir haben sie gemeinsam gemacht . So wird aus jenem einleitenden Bekenntnis zur Gemeinschaft ein noch bestimmteres Bekenntnis zur Kameradschaft jugendlichen Lebens und junger Herzen.
Dabei handelt es sich, wie wir horten, um die Frage, ob ein sogenannter Intellektueller unter so verwegenen und gegenwartsnahen Kameraden Platz habe. Die Probe, die gelesen wurde, war echter Hausmann, frisch, anschaulich, mit Begeisterung und mit Humor erzählt Ein wenig Zustandsschilderung, ein wenig Gespräch, eine winzige Philosophie unter jungen Leuten im Lager, ;}art unö öerb m einem. Und eine herrlich anschauliche Schilderung vom Erlebnis des Fliegens und Schwebens im• ^oium, welches allerdings leider mit einem „erstklassigen Bruch" ein jähes Ende findet.
*
Dann hörten wir aus dem „Salut gegen Himmel" bas drittletzte Kapitel von der Fohre Hier kommt jene besondere Seite in Hausmanns dichterischem Wesen zum Vorschein, die wir bereits am beuteten: ein neues, starkes, brüderlich auf die Kreatur zugehendes und sie umfassendes Naturgefuhl, das nichts (ober nur wenig) Literarisches an sich hat. Hier haben wir bie bramatische Schilberung vom gemeinsamen Kampf einer Baumes unb eines Menschen gegen ein über den Wilseber Berg in Der Lüneburger Heibe hinfegenbes Unwetter; auch hier mieber Objektivität ber Betrachtung unb Beobachtung, mit persönlichstem Gesühlsausbruch gemischt: Realistik unb Lyrik in einem.
*
Reine Lyrik aber, unverstellt unb unvermischt, musiziert melobisch in ben brei Schichten über „bas ewige Thema" (bu unb ich), die ebenso sparsam wie kritisch ausgewählt waren: "Die Braut , „Heimkehr" und „Tröstliches Lied"; in den beiden letzten vor allem, „Du mußt mir glauben" mit den wundes bar einfachen und zarten Schlußzeilen, und „Ich möchte eine alte Kirche fein", ift das Beste, das künstlerisch Reifste und Persönlichste enthalten, was Hausmann bisher gegeben hat.
Als beschwingten Ausklang des Abends hörten wir zwei große Abschnitte aus der Bremer Jungens- gesch chte „Ontje Arps", die vor Jahren erschienen und auch im Gießener Anzeiger abgedruckt worden ist: sie gehört zu den frühesten und schönsten Erzählungen Hausmanns, erfüllt vom Duft einer
Goethe-Bund.
AweiterDichterabend: Manfred Hausmann.
In ber Neuen Aula las gestern abenb Mcmfreb Hausmann aus eigenen Werken. Unsere Leser Bennen ihn aus mancherlei Beiträgen in ber Unter» lhaltungsbeilage; wir brachten gestern von ihm eine Schilderung jener denkwürdigen Freiballonfahrt, kw^che, dichterisch verwandelt, in dem Buche „Abel rniit der Mundharmonika" eine beträchtliche Rolle »vielt und wir dürfen auch an die vor Jahren erschienenen Berichte von der großen Vagabunden- üvanderung durch das heimliche und unheimliche Deutschland erinnern, m denen der Grund gelegt «nurbe 3u „ßampioon" unb „Salut gegen ßimme Den beiden Büchern, die Hausmann recht eigentlich bekannt gemacht haben. *
Nun erschien er gestern pe>r(önlid) aut bem ’&>• tiq ist? aber er hat sich dann später in und um Bremen herum heimisch und sogar ansässig gemacht und das hat natürlich abgefarbt. Hausmann ist ohne Zweifel eine der begabtesten und persönlichsten Erscheinungen einer Dichtergeneration in Deutschland die heute zwischen Dreißig und Vierzig s h • gehört zu den reinsten und innerlichsten Ly , bie aus bieser Generation hervorgegangen sind aber wirklich bekannt und fast volkstümlich m mit feinen erzählenden Büchern geworden, in o sich Realismus und Romantik mischen, kühle, k Beobachtung unb erstaunliche Blickscharfe nut ein ausgeprägt subjektiven Haltung begegnen, m ben man sprachliche Leichtigkeit, ursprüngliches Temperament, gesunben, etwas trockenen Humor unb do allem ein neues, unverfälschtes, erwanbertes und erlebtes Naturgefühl finbet.
*
Hausmann verfügt übrigens über eine sehr plastische unb kultivierte Art zu sprechen unb vvrzu- lejcn; er begann ben Abenb mit einer kurzen Vorbemerkung, bie an einige Sätze bes Schriftstellers B. Trcwen angeknüpft war: eine sehr sympathische Einleitung, Hausmann betonte hier, er wisse wohl, wie fragroürbig bas wirklich Eigene in „eigenen Werken" fei, er bekannte sich bescheiben zu einer an jeglichem Werk mitschafsenben Gemeinschaft, die alles Geschriebene unb Gestaltete burchbringe; vielleicht, so meinte er, ist nur ber Schimmer bes lieber; wirklichen unb bes Traumhaften in meinen Büchern mein eigen — vielleicht.
*
Eine berartige Betrachtung ber Dinge schien uns vor allem in bem zuerst gelesenen Kapitel aus einem
bas Porzellan, bieser, inbem er ben Phosphor unb ein prächtiges Rubinglas fanb.
Von ber Stimmung bes Zweifels unb bes verzweifelten Suchens, wie es bie europäische Gesellschaft vor bem großen Gewitter ber französischen Revolution beherrschte, ist uns ein Abglanz wie- bergekehrt in ben Jahren nach Kriegs- schluß. In jenen Jahren, ba Deutschlanb einen alten Glauben verloren unb sich zu einem neuen noch nicht burdjgerungen hatte. Die Autorität bes christlich-monarchischen Staates, ber seinen Bürgern einen festen Halt gegeben hatte, war erschüttert, als ob sie eine Karikatur auf bie Aufklärung bes 18. Jahrhunberts liefern wollten, trieben Apostel eines wurzellosen, internationalen Kultur-Bolschewismus auf beutfchem Boben ihr wüstes Wesen. An allen Straßenecken ber Hauptstäbte würben „Horoskope" feilgeboten, in allen Hinterhäusern weissagten Hellseherinnen, unb gerissene Schieber wie bie Gebrüber Sklarek hielten sich für ihren Hausgebrauch eine „weise Frau" von bewährtem Ruf. Unb was ift nicht in jenen trüben Jahren mit bem Anschein gespreizter Wissenschaftlichkeit „prophezeit" worben! Wenn bie erste Zeit erfüllt war, bachte schon niemanb mehr daran, und wenn auch — die Propheten wären um eine faule Ausrede nicht verlegen gewesen, und ihre Gläubigen hätten sich ohnedies nicht an ihnen irremachen las-
schen Armee" betitelten Aufsatz in der in Santiago de Chile erscheinenden angesehenen Wochenzeitschrift „Westküsten-Beobachter". Der Verfasser gibt zunächst bie verschiedenen Gründe an, die Chile, bas ja oft „bas Preußen Südamerikas" genannt wird und sich selbst nicht ungern so nennen hört, bewogen haben, bei ber großen Heeres- re f o r m vor einem halben Jahrhundert gerade einen beutschen Offizier zu Rate zu ziehen. 1858 mürbe ber preußische Artillerie-Hauptmann C. Körner für die chilenische Armee verpflichtet.
„Er war bamats Lehrer an ber Artillerie- und Ingenieur-Schule von Charlottenburg. Als besonders befähigter Schüler der Kriegsakabemie, besaß er die Eigenschaften, die die chilenische Regierung von bem beutschen Offizier forderte, der ihr bei der Erneuerung der Armee zur Seite stehen sollte. Als Körner nach Chile kam, wurde er zunächst zum Unterdirektor der Escuela Militär ernannt unb be- Geheimnisvoll taucht sie auf unb verfchwinbet wieher. Bis sie ber Zufall in ausgelassener Faschingsstimmung an einen Mann bringt, ber mit tobernsten Absichten extra aus Berlin gekommen ist. Das mußte benn fast fahrplanmäßig Verwirrungen geben, bie sich erst im letzten Bilb (im Interesse ber Spannung bis zum Enbe) lösen bürfen.
Die Hanblung wirb unterstützt unb wirkungsvoll ausgestaltet burch bie einfallsreiche Musik, bie Walter W. Goetze geschrieben hat. Man hört manches ausgelassen fröhliche unb von echter Karnevalsstimmung getragene Duett, manche musikalisch sehr stimmungsvolle' Szene, einen flotten ßänbler, einige geschickt eingefügte chorische Untermalungen, bie bem Komponisten alle Ehre machen. Tanzein- lagen in reicher Fülle, von Hübe Plank einftubiert, bringen immer mieber Schwung auf die Bühne.
Die Aufführung (Spielleitung Paul W r e b e) paßte sich in allen Teilen der Faschingszeit an. An die Regie waren dabei außerordentliche Anforderungen gestellt. Die Faschingsstimmung wurde schon rein äußerlich bis in den Zuschauerraum getragen. Vor der Bühne hingen farbige Lampen, Kränze mit vielen bunten Bändern geschmückt. Der Bühnenbildner (K. Löffler) hatte alle Register gezogen und gab der Handlung immer wieder an» beren Hintergrunb. Die Beleuchtung (L. K e i m) erhöhte ben Augenschmaus unb ging mit ber Farbe verschwenberisch um. Das Orchester (Leitung Fritz C u j e) biente der Aufführung mit vieler Hingabe unb großem Geschick.
Die Darstellung ließ keine Wünsche offen. Karl Volck, als lebens- unb abenteuerlustiger Weingutsbesitzer, fuib sich hier mieber in einer seiner ureigensten Rollen. Er traf in jeber Situation die richtige Tonart. Maria Perry, seine Tochter, stimmlich ausgezeichnet bisponiert, mürbe ihrer Aufgabe als ausgelassener Pierrot, wie auch als brave Bürgerstochter vollauf gerecht. Ihr stand Hansi Salz mann gegenüber, die als Grit Was- coni, Filmstar frisch aus Hollywood importiert, ihr aanzes quecksilbriges Temperament entfalten konnte. Den ernsten Freier unb verhaltenen Abenteurer gab Heinz Weiser mit großer Sicherheit Mimisch unb gesanglich erschien er aber stets ber Oper naher als ber Operette. Karl-Lubwig Linbt als Ferbi, unternehmungslustiger junger Mann, gab ber Filmschauspielerin an Temperament unb Frechheit nichts nach. Will Q u a b f l i e g, ber Prinz Carneval, gefiel mit bem tabellos roiebergegebenen Vorspruch. Die zahlreichen Nebenrollen waren nicht weniger ‘ gut besetzt.
Der Abend brachte viel Gelegenheit zu herzlichem . Lachen. Angeregt ging man nach Hause. N.
• Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Santiago de Chile, 23.Januar 1935. (Durch Luftpost.)
„Die chilenische Armee ist st o l z darauf, durch die direkte Unterstützung der deutschen Instrukteure unb infolge der von unseren Offizieren in Deutschland erhaltenen Ausbildung sich als ein Spiegelbild der deutschen Armee betrachten zu dürfen, naturgemäß innerhalb der Möglichkeiten, die Bevölkerung unb wirtschaftliche Verhältnisse be= bingen. Besonders stolz aber sind wir wenigen chilenischen Offiziere, die wir bie beutschen Operationen im Weltkrieg aus nächster Nähe haben verfolgen bürfen, unb bie wir bas Eiserne Kreuz auf ber Brust tragen."
Mit biefen Worten schließt ber chilenische Divi- sionsgeneral i. R. Guillermo Novoa einen „Deutsche Mitarbeit in ber Entwicklung ber chileni- flaren Septemberlanbschaft unb von ber echten Heiterkeit unb Poesie in ben Begegnungen unb kleinen Schicksalen ganz junger Menschen. Wer gestern nur bie Einleitung hörte unb bann bie erregenbe Schilberung vom Kamps um bie Burg unb von ber Blutsbrüberschast, ber wirb bie Notwenbigkeit emp- funhen haben, bie Erzählung als Ganzes auf sich wirken zu lassen .. noch einmal vom ersten Flitz- bogenschuß bes Knaben Ontje Arps bis zu bem kleinen, tröstlichen Epilog: „Gesegnet seien bie Schmerzen ber Jugenb!"—
Der Saal war gut besetzt, unb bie Hörerschaft bankte bem Dichter mit herzlichem Beifall.
—y—
D-r Srottentopf bei Garmisch-Partenkirchen, auf dem eine aus etnem Unteroffizier unb brei Mann bestehende Skipatrouille des Reichsheeres, die eine Uebungsfahrt unternahm, in soldatischer Pflichterfüllung im Schneesturm den Tod fanb.
Ein Spiegelbild der deutschen Armee.
Wie Chile sich ein modernes Heer nach deutschem Muster schuf.
Don unserem Or. I.-Äerichterstatter.
T)/» ihr,e
eNervö$e, 'M eben .
iS '■so r«;
U°vr°. nirt er St> Mio. •* JA siimtL
;n„tel9en "'n., 7; für die »^entlieht ce' umsicht.
151«
ut -vemiat ungskr.b. M Herrn "w.niIv esteu um. Uonnte,ev. ritehen ein uskamerad lUe. Möbel aiche vorh. Ang. mit. 'erefne j| ichssach-
pe Zinker achgr.Gieh. t.io.b/X ii 2 Uhr reshauvt- ammlung ließen bei stick. Ick lealleMit- :r. [782D denkender.
Dann wirb es gemeingefährlich. Menschen, bie ben inneren Halt verloren haben unb sich, nörgelnb unb oerbrossen, in bie neue Zeit nicht finben kön- uen, sinh bann in Massen geneigt, sich frommen eher erst recht unfrommen Betrügern anzu-


