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Nr. 7 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Mittwoch, y.Zanuar (955

Aus Oer provmztalyauptstavl. Die Sietzener SA. bei der Begrüßung der Saardeutschen

Bei dem Aufenthalt des Sonderzuges mit Saar- Abstimmungsberechtigten, der in der Nacht zum 11. Januar von Magdeburg kommt und um 3.45 Uhr auf dem Gießener Bahnhof eintrifft, wird die Gießener SA. mit dem Spielmannszug und dem Musikzug sowie mit zwei Ehrenstürmen mit Fahnen auf dem Bahnsteig zur Begrüßuna der saardeutschen Brüder und Schwestern Aufstellung nehmen. Der Zug fährt um 3.56 Uhr weiter.

An der Abfchiedskundgebung der Ab­stimmungsberechtigten des Kreises Gießen, die am 11. Januar, um 20.15 Uhr, im Cafe Leib beginnen wird, nehmen der Spielmannszug und der Musikzug, zwei Stürme der aktiven SA., der Sanitätssturm 147, zwei Stürme der SA.-Re- serve (ohne Fahnen), der Reitersturm und der Fliegersturm Gießen, Sturmbann VI/116 und alle Sturmbann- und Sturmführer des Standortes Gießen teil.

In der Nacht zum 12. Januar werden die zwischen 3 und 4 Uhr im Gießener Bahnhof zu kurzen Aufenthalten verweilenden Sonderzüge mit Saar-Abstimmungsberechtigten von dem Musikzug und dem Spielmannszug und ebenfalls zwei Ehren­stürmen der SA. mit Fahnen begrüßt werden

Am 12. Januar früh um 7.30 Uhr treten der Musikzug und der Spielmannszug, sowie die arbeitslosen SA.-Kameraden der Gießener Stürme, einschließlich SA.-Reserve, auf dem Kirchenplatz, mit der Spitze m Richtung Marktplatz an, um die Abstimmungsberechtigten des Kreises Gießen vom Kriegerdenkmal am Marktplatz aus zum Bahnhof zu geleiten. Abmarsch 7.35 Uhr. Der Zug nach dem Saargebiet fährt um 8.47 Uhr ab.

Am 14. Januar treffen wie schon gemeldet die Abstimmungsberechtigten aus dem Kreise Gießen um 2 3.30 Uhr mit dem Gießener Son­derzug, vom Saargebiet kommend, hier wieder ein. Zum Empfang werden sich der Musikzug und der Spielmannszug, drei Ehrenstürme der SA. mit Fahnen (zwei Stürme vom Sturmbann II, ein Sturm von der SA.-Reserve) auf dem Bahnsteig einfinden und von dort aus mit den Abstimmungs­berechtigten bis zum Landgraf-Philipp-Platz mar­schieren.

Aogelfuttergeräte zum Seldstbauen.

Trockener Frost schadet unseren gefiederten Sän­gern nichts. Wenn aber über Nacht Glatteis ein­tritt, oder nach Nebel sich Rauhreif bildet oder Wirbelschnee fällt, werden die Nahrungsquellen der Vögel verstopft, und manche von ihnen ver­fallen dem Hungertode. Wir müssen deshalb be­müht sein, ihnen über die Zeit der Not hinwegzu­helfen. Der Handel hat die verschiedensten Futter­apparate herausgebracht. Ein Teil von ihnen ent­spricht den an sie gestellten Forderungen nicht, wie­der andere sind zu teuer, so daß sie nur von eini­gen wenigen Vogelfreunden angeschafft werden können. Der Vogelschutz muß aber möglichst weite Kreise erfassen.' Soll die Fütterungseinrichtung ihren Zweck erfüllen, so muß sie das Futter den Vögeln wettersicher darbieten, damit nichts verlo­ren gehen oder verderben kann, und es muß auch bis zum letzten Rest ausschließlich den zu schützen­den Vögeln zugute kommen. Es ist also jedes Fut­tergerät brauchbar, bei dem das Futter von oben her und auch seitlich gegen Regen und Schnee ge­schützt ist und nur Zugang von unten hat.

In vielen Hofreiten wird sich eine solche ein­wandfreie Futterstelle unter vorspringenden Dä­chern und Hoffahrten, sowie in Lauben, Schuppen und auf Balkonen errichten lassen. Ein Kistendeckel oder ein Brett mit umnagelten Leisten wagrecht und in entsprechender Höhe angebracht erfüllen den Zweck vollkommen. Hier können Sonnenblumen-, Gurken- und Kürbiskerne, Nußschenkel, Hanf, Mohn und Leinsamen, getrocknete Beeren von Eberesche, Holunder, Weißdorn, Efeu und wildem Wein ge-

Äeranyauunget in Gießen anläßlich der Gaarabsttmnnrng

Sreitog/11.3onuarz

von 3.45 bis 3.56 llhr (Nacht von Donnerstag auf Freitag):

Aufenthalt des Saar-Sonderzuges 9 in Gießen. Auf dem Bahnsteig: Die SA.Kapelle. zwei SA.-Lhrensiürme, die politischen Leiter der Gießener Ortsgruppen Süd und Mitte.

veuagz 1 . Zanuar, um 20 Uhr im Cafe iciv

Abfchiedskundgebung für die 80 Abstimmungsberechtigten des Kreises Gießen. Wir bitten sämtliche Abstimmungsberechtigten, zu erscheinen. Es spricht Pg. 6lo ff ermann. Es wirken mit die SA.-Kapelle und der Großsche Männerchor. Die Führer sämtlicher Gliederungen der Bewegung, die Spitzen der Behörden und der Stadt bitten wir zu erscheinen. Alle Volks­genossen sind eingeladen. Die politischen Leiter der Gießener Ortsgruppen sind um 20 Uhr vor dem Eafe Leib in Uniform angetreten. Mit Fahnen.

Gamstag, 12. Januar,

von 3.00 bis 3.35 Uhr (Nacht von Freitag auf Samstag):

Aufenthalt der Saar-Sonderzüge 1, 2, 3 am Bahnhof Gießen. Auf dem Bahnsteig: die SA.-Kapelle, zwei SA.-Ehrenstürme, die politischen Leiter der Ortsgruppen Ost und Nord. Die Führer der Partei und ihrer Gliederungen, die Vertreter der Behörden und der Stadt bitten wir, nach Möglichkeit zu erscheinen.

amstag, 12. Januar, 8.40 Uhr (morgens):

Abfahrt der Abstimmungsberechtigten des Kreises Gießen im Sonderzug. 7.30 Uhr Treff­punkt aller Abstimmungsberechtigten am Marktplatz. Von dort Marsch mit der SA.-Kapelle zum Bahnhof um 7.30 (punkt) durch Seltersweg, Liebigstraße. Um 7.30 Uhr treten ferner nach Vereinbarung mit den Führern der Gliederungen die SA.- und SS.-Männer, soweit sie beruflich frei sind, (SAR.), die gesamte 5)3. (HI., 3V., BDM., 3M.) an. Der Unterricht fällt nach Vereinbarung mit den örtlichen Schulleitern bis 9 Uhr aus. Die Führer der Partei, die Vertreter der Behörden und der Stadt find ebenfalls anwesend. Die Schüler, die nicht in der H3. sind, und die auswärtigen bilden Spalier auf dem Wege zum Bahnhof.

Sonntag, 13. Januar:

Singen des Sängerkreises in der Stadt zum Zeichen der Verbundenheit mit den Volks­genossen an der Saar.

Beginn: 17 Uhr am Selterstor, dann am Neustädter Tor, Walltor, Stadttheater, Kreuzplah. Dort brennt die Grubenlampe, die die Saarsänger, die im vorigen 3ahr beim Sängerkreis Gießen zu Gast waren, den Gießener Sängern überreicht hatten, während des ganzen Ab­stimmungstages.

Montag, 14. Januar

23.30 Uhr: Ankunft der Abstimmungsberechtigten des Kreises Gießen im Sonderzug.

Um 23 Uhr sind sämtliche Gliederungen am Bahnhofsplah angetrelen. Die SS. über­nimmt den Ordnungsdienst. Zwei SA.-Stürrne, die SA.-Kapelle, die Führer der Partei, die Vertreter der Behörden und der Stadt auf dem Bahnsteig 1.

Schmelz, Kreispropagandaleiter.

reicht werden. Ungesalzenen Speck nagele man fest, damit sich die Wintergäste die Federn nicht ver­fetten. Rübsamen wird nur von dem Grünfink gern angenommen. Bald finden sich an diesen Fut­terstellen vor allem die nützlichen Meisen ein. Diese Fütterung hat allerdings den Nachteil, daß sie auch den Spatzen zugängig ist, die sich dann oft über Gebühr breitmachen.

Leicht läßt sich auch ohne besondere Kosten eine spatzensichere Fütterungsgelegenheit mit demFutter­holz" einrichten. Ein 40 bis 60 Zentimeter langes Rundholz wird zu einem kleinen Tröglein ausge­hauen und mit einer Futtermischung, bestehend aus verflüssigtem Rinder- ober Hammeltalg und öl­haltigen Sämereien, gefüllt. Entgegen früher ge­gebener Vorschrift nimmt man jetzt ebensoviel Fett wie Kerne. Die Körnermischung soll durch den Talg nur zusammengehalten werden. Enthält das Ge­misch zuviel Fett, so sind die Vögel bei großer

Kälte nicht in der Lage, aus der gefrorenen Masse etwas herauszupicken. An zwei Drähten oder Kor­deln wird das Holz mit der ausgegossenen Seite nach unten im Freien in schräger Richtung aufge­hängt. So ist das Futter gegen Witterungseinflüsse geschützt, den Meisen und Kleibern aber immer zu­gängig. In ähnlicher Weise lassen sich leere Wachs­und Wichsschachteln zur Vogelfütterung verwenden. Die Büchsen werden gründlich gereinigt und durch den durchbohrten Boden ein Weichholzstab so ge­steckt, daß er beiderseits 20 Zentimeter übersteht. Nachdem man die Büchse mit der oben beschriebe­nen Futtermischung gefüllt hat, wird sie wieder mit der Oeffnung nach unten so befestigt, daß Katze und anderes Raubzeug nicht in unmittelbarer Nähe auflauern können. Halbe Kokosnußschalen, Konser­venbüchsen, Blumentöpfe und kleine Holzkästchen können ebenso gut und leicht der Winterfütterung dienstbar gemacht werden. Sobald sie ausgepickt

.iu, werden |ie von neuem gefüllt und bleiben so dauernd brauchbar. Will man auch Finken füttern, so bringe man bei denFutterglöckchen" noch eine Sitzgelegenheit an oder hänge es so auf, daß sie sich von der Fensterbank ober einem nahen Zweige gütlich tun können.

Für bie Haubenlerchen unb (Solbammern gilt es auf anbere Weise zu sorgen. Sie suchen ihre Nah­rung nur auf bem Erdboden. Ihnen streue man an winb- und schneegeschützten Stellen Hinterkorn, Heu­blumen, Getreide und Unkrautsamen und sehe bei Schneefall täglich nach, ob nicht Verwehungen das Futter zuged'eckt haben. Auch unter Fichten und Ziergesträuch kann man ihnen den Tisch decken, nur muß immer genügende Sicht gegen anschleichen­des Raubzeug vorhanden sein. Im Freien umhege man die Futterstellen mit Dornreisig.

Amseln, Rotkehlchen und Bachstelzen, die sonst in der Hauptsache von Würmern und Insekten (eben, begnügen sich im Winter mit allerhand Beeren und Mohn und nehmen auch mit faulem Obst vorlieb, das allerdings bei starkem Frost nicht verwendbar ist. Niemals reiche man Brot und Kartoffeln, die leicht verderben und deshalb schädlich sind.

Die Fütterung der Vögel erreicht nur dann ihren Zweck, wenn sie während des ganzen Winters durchgeführt werden kann. Ist man dazu nicht in der Lage, so beginne man damit überhaupt nicht. Die bunt gefieberte Sängerschar wirb unsere Mühe unb geringen Auslagen hundertfältig belohnen.

Äon der Landesuniversität.

Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Herr Professor Dr. phil. Dr. med. h. c. Rudolf Herzog, Ordinarius für klassische Philologie in Gießen, wurde vom Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (bisherNotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft") zum Mitglied des Hauptausschufses der Forschungsgemeinschaft er­nannt.

Gastvorträge an der Universität Gießen.

Der Prorektor der Deutschen Universität in Prag Pros. Dr. Gerhard G e f e m a n n hält auf Einla­dung der Universität Gießen am kommenden Don­nerstag und Freitag im Universitätsgebäude bzw. im Kunstwissenschaftlichen Hörfaal Gastvorträge, Der Eintritt zu beiden Vorträgen ist frei. Inter­essenten seien auf die heutige Anzeige hingewiefen. Oer neue Oberlandesgerichtspräsident in Darmstadt.

Der zum Oberlandesgerichtspräfidenten in Darm­stadt ernannte Staatssekretär i. R. Dr. jur. Wilhelm (5 tu tf art ist am 16. November 1902 in Wies­baden geboren. Seine Familie stammt väterlicher­seits aus Nassau, mütterlicherseits aus Unterfran­ken. Nachdem Stuckart das Realgymnasium in Wiesbaden verlassen hatte, wandte er sich dem Stu­dium der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaft zu, wurde jedoch durch den Bürgerkrieg veranlaßt, 1922 bis 1923 dem Freikorps Epp beizutreten. Auch der Einfall der Franzosen in das Ruhrgebiet sah ihn in der vordersten Front des Widerstandes. Zweimal ist er den französischen Gendarmen in die Hände gefallen. 1926 machte er sein Referendar­examen, 1928 seine Doktorprüfung und 1930 seinen Assessor. Stuckart hat sich frühzeitig politisch be­tätigt. Als Schüler war er bereits Führer einer Jugendgruppe der Deutschnationalen Volkspartei, ging dann jedoch im Dezember 1922 zur NSDAP., der er bis zu ihrer Auflösung angehörte. 1930 stand er wieder in den Reihen der Partei. Von 1930 bis 1932 hatte er eine Richterstelle beim Amtsgericht Rübesheim inne. Er schied dann aus dem Staats­dienst aus und organisierte den Rechtsschutz der SA. und SS. im Gau Pommern. Später über­nahm er die Leitung der Lügenabwehrstelle in Stettin. Bis zum 3. April 1933 war er Rechtsan­walt in Stettin, dann kommissarischer Bürgermeister von Stettin, jedoch nur kurze Zeit. Er folgte einem

Die Geige Hinterm Fenster.

Von Georg von der Bring

War es September? War es Oktober?... An den Wegen blühte der weiße Phlox, er blühte auf mannshohen Stielen und fein Duft wehte durch die stillen Herbstabende. Die Luft war schon kühl, also wird es Anfang Oktober gewesen sein.

Ich war damals jung, siebzehnjährig. Ich wohnte in einer fremden Stadt und besuchte dort die Schule. Ich hätte meine Abende gut mit Schularbeiten aus­füllen können. Aber ich tat es nicht. Weshalb blieb ich nicht zu Haufe bei meinen Büchern? Was zog mich Abend für Abend hinaus vor die Stadt, in die kleinen ländlichen Straßen, an denen der weiße Phlox noch blühte?

Es war eine Geige. Es war der Ton einer Geige.

Doch fing es nicht mit der Geige an. Lange vor­her schon besuchte ich die stillen Straßen. Man konnte dort seinen Gedanken nachhängen. Es waren die Gedanken eines Siebzehnjährigen, die ich dachte, Gedanken also, die bei manchem Menschen niemals wiederkehren. Waren sie traurig? Oder waren sie heiter^ Ich habe es damals nicht unterscheiden können. Heute scheint mir, als sei ich dem wirklichen Leben nie wieder so nahe gekommen, wie damals.

Ich ging meinen Weg durch die finsteren Straßen und hatte das Leben vor mir und dachte nur daran, wie das wohl wäre, dies Leben. Links und rechts standen hohe Eichen, und wenn ein Wind kam, so stieß er Eicheln herunter, und ich sah sie im Later- nenlicht über den Weg rollen. Eines Abends kam ich an das Haus, aus dem die Geige erklang. Es war nur ein niedriges Gebäude und lag mit seinen tiefen Fenstern hart an der Straße. Und als ich die Geige hörte, blieb ich stehen, um ihr zu lauschen. Der Vorhang verschloß das Fenster nicht ganz, so daß ich den Spieler sehen konnte. Es war ein junger Mensch, wenig älter als ich, mit einem ßoefenfopf. Er neigte ihn beim Spielen auf die Geige. Er spielte Lieder, und ich fand, daß er unendlich einfach und gut spielte. Seine Geige war nicht wie andre Geigen, die ich gesehen hatte, denn sie besaß stau der Schnecke einen Löwenkopf. Dieser schon ge­schnitzte braune Löwenkopf zog meine °n'

und indem ich ihn anfah, hörte ich die schlichten Lieder, die zu mir herausklangen.

Ich glaube, daß ich damals doch eher traurig als beiter gewesen bin. Ich meine es deshalb, weil die Geige mich Abend für Abend in diese Straße zog, daß ich hingina und vor dem Fenster lauschte und meine Schulausgaben vernachlässigte. Ich weiß, daß ist dort einen Trost suchte und auch sand.

Wie oft war ich entschlossen, an die Tür jenes Hauses zu pochen und zu dem Geigenspieler etm

zutreten! Ich bin sicher, daß er mich gern bei sich geduldet hätte. Vielleicht ist er auch so allein gewesen wie ich. Aber ich habe es nicht gewagt.

Wer du auch seist, in deinen jungen Jahren, handle anders als ich! Zieht dich dein Herz, so habe Mut und öffne die Tür!

Prophezeiungen, die sich erfüllten.

Der hochgelehrte Sterndeuter Petrus Cne - mianöer, der Berater des Markgrafen Johann von Küstrin, der großes Interesse an Alchimie und Astrologie nahm, hat seinem Herren einst den Todestag genau im voraus verkündet. Er erklärte ihm, er werde zehn Tage nach seinem Bruder, dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg, sterben; am 3. Januar 1571 war der Kurfürst, am 13. Januar der Markgraf tot. Eine richtige Prophe­zeiung hat auch der bekannte Mathematiker Faleire gegeben, den der Portugiese Magelhaes als feinen Lehrer bei seiner ersten Erdumseglung bat, ihn als Schiffsastrologe zu begleiten. Faleire weigerte sich, weil er in den Sternen gelesen habe, der teil­nehmende Astronom werde unterwegs sterben. Dar­aufhin gewann Magelhaes den Sevillaner San- Martin, der auf der Insel Zeba von Eingeborenen ermordet wurde. Berühmt sind die Vorhersagen des N o st r a d a m u s , der eigentlich Michel Notre- Dame hieß. Er sagte die Niederlage der Franzosen 1557 bei St. Quentin lange Zeit früher voraus und ebenso den gewaltsamen Tod Heinrichs II. Nicht so gut glückte seinem Sohne, der das Geschäft des Vaters als Sterndeuter fortsetzte, das Prophezeien. Er hatte vorhergesagt, daß die tSadt Pouzin ab- brennen werde. Doch wollte sich sein Spruch nicht erfüllen. Aber als sie endlich doch in Flammen auf* ging, ergriff man einen Brandstifter noch beim Anzünden: es war der jüngere Nastradamus, der auf diese Weise das Schicksalverbessern" wollte und diesen Versuch mit seinem Leben büßen mußte. Nach Nostradamus stand der Norweger Tycho B r a h e an der Spitze der Astrologen. Sein Lan­desherr, Friedrich II. von Dänemark, hielt ihn hoch in Ehren, denn seine Horoskope trafen fast immer ein. Großes Aufsehen rief elf Monate nach Brahes Tode die Erfüllung der Prophezeiung hervor, die er über den Tod des Sohnes von Christian IV. ge­geben hatte. Das Horoskop gab eine drohende Ge­fahr für das 18. Jahr an, und wirklich starb der Prinz 1602, wobei auch alle Einzelheiten der Vor­hersage in Erfüllung gingen. Tycho Brahe war zu­letzt der Astrolog des abergläubigen Kaisers Rudolf II. gewesen; sein Nachfolger wurde Johannes Kep­ler, der zwar auch noch Horoskope stellte, dessen bahnbrechende Anschauung über die Gesetze der Himmelsbewegungen aber der Astrologie ihr Grab gruben.

Der Klub Oer Abgeblihten.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem es ebenso wie in England Klubnarren aller Art gibt, nimmt der Klub der Abgeblitzten den Ruhm besonderer Originalität für sich in Anspruch. So­wohl Männer wie Frauen haben durch Gründung eines solchen Klubs den Kampf gegen die unglück­liche Liebe ausgenommen, wie sie versichern, sogar mit größtem Erfolg. Junge Damen, die in ihrer Liebe gekränkt und enttäuscht wurden, denen ihre Liebhaber trotz aller Schwüre eines Tages auf und davongingen, ober die von ihrem Bräutigam be­trogen wurden, haben diesen Klub gegründet. Heartsease" tauften sie das schöne Unternehmen, also Herzensruhe, Herzenszufriedenheit, Herzenser­leichterung, oder wie man das übersetzen will. Einige junge Herren, die an dem gleichen Leide krankten, erfuhren von dem Verein der Damen und nahmen die Idee auf mit all der Begeisterung, deren ent­täuschte Liebhaber noch fähig sind. Sie gründeten sofort einen gleichen Verein für Männer. Das an­fängliche Mißtrauen der jungen Damen wurde bald beseitigt und schnell kam es zu einer Vereinigung, der Organisationen, die ja beide das gleiche Ziel anstrebten. Alle Männer ober Frauen, bie je in ber Liebe leichtsinnige Täuschung geübt, mit Gefühlen gespielt unb bie Neigung bes anberen ohne Grunb mißachtet haben, sollen mit hartem, unerbittlichen Boykott gestraft werben. Es ist nicht leicht, Mitglieb bieser Vereinigung zu werben; eine lange Reihe von Bebingungen muß erfüllt werben, ehe man zu einem rechtenHeartsease" wirb. Die Eintretenben müssen sich verpflichten, ben Verkehr mit bem ein­stigen Geliebten auf immer unb ewig rabifal abzu­brechen, alle Wieberannäherungsversuche abweisen, müssen eine genaue Schilderung ihrer schmerzlichen Erfahrungen schriftlich nieberlegen, bie jebes Klub- mitglieb lesen kann, unb eine Reihe strenger Para­graphen anerkennen. Erst wenn es sich erweist, baß ber ober bie Novize sich in jeber Hinsicht einwand­frei benommen, daß kein Makel und keine Schuld an ihm oder ihr haftet, wird zur feierlichen Auf­nahme geschritten. Zur Nachtzeit geschieht es; alle Mitglieder sind anwesend, ber Präsident lieft bie Eibesformel, bie von allen Anwesenben nachgespro­chen wirb, unb bann leistet ber Neuling seinen Schwur. Mit biesem Augenblick tritt bie Organisa­tion ihre Retter- unb Rächerpflicht an. Wenn alle Nachforschungen beenbet sinb, beginnt der Feldzug gegen den, der leichtfertig mit einem Gefühl gespielt hat; alle Mädchen norden vor dem Uebeltäter ge» warnt, alle Klubmil^der brechen den Verkehr mit ihm ab, die gastlichen Häuser schließen ihm ihre Pforten, und der Sünder kann sich in Muße über­legen, ob er einsam unb mißachtet hier fortleben ober ben Staub jener Stabt von seinen Füßen

schütteln soll, bie von bem Klub ber Abgeblitzten beherrscht wirb.

Hochschulnachrichten.

Geheimrat Professor Dr. W o l f r a m, ber Gene­ralsekretär bes Wissenschaftlichen Instituts ber Elsaß- Lothringer im Reich an ber Universität Frank­furt, ist von seinem Posten zurückgetreten. Geheim­rat Wolfram, ber zugleich Honorarprofessor für füb- westbeutsche Lanbesgefchichte an ber Frankfurter Universität war, wirb bereits zum 1. April bie Lei­tung bes Instituts nieberlegen. Geheimrat Wolfram ist bie Grünbung unb ber Aufbau bes Instituts zu verbauten, besten Leitung er von Anfang an inne hatte.

Geh. Regierungsrat Professor Dr. Lorenz Mors­bach, ber berühmte Anglist ber Universität Göt­tingen, feierte am 6. Januar feinen 8 5. Ge­burtstag. 1892 erfolgte feine Berufung als Nachfolger von Aloys B r a n b l nach Göttingen, wo er halb barauf zum Drbinarius beförbert würbe. Hier wirkte er bis zu feiner Emeritierung im Jahrs 1921. Morsbach ist orbentliches Mitglieb ber Göt­tinger Gesellschaft ber Wissenschaften.

In biefen Tagen konnte ber Altphilologe ber Leipziger Universität Professor Dr. Eduard Z a r n ck e auf eine 50jährige Tätigkeit als Hoch­schullehrer zurückblicken. Professor Zarncke, ber bis vor zehn Jahren bas von Friebrich Zarncke begrün- beteLiterarische Zentralblatt von Deutschland" herausgab, ist 1857 in Leipzig geboren, wo er vor genau 50 Jahren bie venia legendi als Privat- bozent für klassische Philoloaie erhielt. Der Jubilar bearbeitet befonbers griechische unb römische Lite­ratur.

Professor Dr. Konrab Meyer, Drbinarius für landwirtschaftlichen Pflanzenbau an ber Universität Jena, ist zum vrbentlichen Professor in ber Land- wirtschaftlich-Tierärztlichen Fakultät ber Universität Berlin ernannt worben.

Professor Dr. Johann Baptist R i e f f e r t, Extra- orbinarius für Philosophie an ber Universität 23 er- l i n, ist zum vrbentlichen Professor ernannt worben.

Professor Dr. Hans Großmann-Doerth an ber Universität Freiburg i. Br. hat einen Rus auf bas Drbinariat für Verkehrsrecht an ber Hanbelshochschule Berlin abgelehnt.

Dr. Felix Abolf Hoppe-Seyler, Privat- bozent für Physiologie an ber Universität Würz­burg, ist zum vrbentlichen Professor an ber Uni­versität Greifswald ernannt worden.

Professor Dr. Eugen Kurz, Extraordinarius und Abteilungsleiter am Anatomischen Institut ber Universität M ü n st e r, ist zum ordentlichen Pro­fessor in ber mebizinischen Fakultät ber Universität Münster ernannt worben.