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Die konservativeM o r n i n g P o st" hält eine finanzielle und wirtschaftliche Sperre gegen Italien für verfehlt. Italien könne zur Zurückziehung sei­ner Truppen nur veranlaßt werden, wenn sich die ganze Welt daran beteilige. Es würde töricht sein, Italien durch Nadelstiche zu reizen, die nichts als Erbitterung Hervorrufen würden. In beiden Fäl- len sei die Gefahr eines Krieges in Europa gege­ben. Bei ihrer bekannten zu Frankreiech neigen­den Haltung nimmt es nicht wunder, wenn die Morning Post" eine deutsch-italienische Verständi­gung an die Wand malt und auf diegigantischen Vorbereitungen" Deutschlands hinweiest.

Das Diplomatische Korps ersucht um Schonung Addis Abebas.

London, 7. Okt. (DNB.) Der britische Ge­sandte in Addis Abeba hat an seine Regierung die Bitte gerichtet, die italienische Regie­rung um bie Zusicherung zu ersuchen, daß die Städte Addis Abeba und D i r e d a u a (an der Bahnlinie Dschibuti-Addis Abeba) nicht mit Bomben belegt werden. Wie verlautet, beruht diese Bitte auf einer Uebereinkunft der ausländischen Missionen in Addis Abeba, darunter auch der französischen, der deut­schen und der amerikanischen, die auf die beträchtliche ausländische Bevölkerung in Addis Abeba und Diredaua zurückzuführen ist.

Der Zmam des Jemen verbietetLandungitalienischerTruppen.

London, 7. Okt. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet aus Aden: Von sehr zuverlässi­ger Seite verlautet, daß die Italiener den Imam des Jemen um Erlaubnis ersucht haben, ihre kranken Soldaten aus Eritrea in Schech Said gegenüber der Insel Perim' landen zu dür­

fen, damit sie sich dort erholen. Der Imam habe es nachdrücklich abgelehnt, italieni­schen Truppen die Landung auf seinem Gebiet zu erlauben

Italiens Kriegsplan.

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Auf Grund der bisher bekanntgewordenen italie­nischen Pläne wurde der mutmaßliche Overations- plan der Italiener ausgearbeitet. Unsere Karte ver­anschaulicht die zehn Angriffskolonnen, in denen die Italiener vorgehen wollen, um Abessinien nach und nacb zu besetzen und die Hauptstadt Addis Abeba einzukreisen. (Scherl-M.)

Ein M von bet italienischen Front in Eritrea.

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Dieses soeben eingetroffene Bild zeigt ein italienisches Regiment auf dem Plateau von Eritrea. Dicht in der Nähe fließt der Mares, der Grenzfluß, den die Italiener am ersten Tage ihrer Kampfhandlungen überschritten. Im Hintergrund die Berge von Abessinien. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der Kampfwert der abessinischen Armee.

Von unserem JA Sch.-Berichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Addis Abeba, September 1935.

Wenn auch dieser Arttkel z. T. durch die Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz überholt ist, scheint er uns doch für die Bewertung der Aussichten Abessiniens recht aufschluß­reich zu sein.

Jetzt scheint sich der Zeitpunkt zu nähern, an dem der Krieg mit Italien nicht mehr zu vermeiden ist. Italien fährt unablässig weiter fort, große Truppenmassen und Waffen- und Munitions­mengen nach Eritrea und Jtalienisch-Somaliland zu senden. Ende September standen schätzungsweise 250 000 Mann italienischer Soldaten in beiden Kolonien angriffsbereit. Italien verschiffte nach Eritrea rund 170 000 Mann, während der Rest von 80 000 Mann in Jtalienisch-Somali­land gelandet wurde. Die ungleiche Verteilung der Truppen bei einem zu erwartenden Zweisronten-

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3n der Provinz Ogaden haben die Abessinier in Erwartung einer nunmehrigen energischen Offensive der Italiener umfangreiche Verteidigungsmaßnahmen ergriffen. Unser Bild zeigt abessinische Krieger vor einem frisch ausgehobenen Schützengraben bei Ger- logubi. (Schorl-BilderdienM^

krieg erklärt sich wohl daher, daß die Wasser- und Sttaßenverhältnisse in Eritrea besser sind als in Somaliland, wie überhaupt die Basis, die 23er- vflegung der Truppen und der Armeennachschub in der Roten-Meer-Kolonie eher sichergestellt werden können, als in dem Wüsten- und Steppengebiet Somalilands. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß nun die Kampfbasis und die Derpflegungsmöglich- feiten in Eritrea besonders günstig sind.

Abessinien ist bestimmt in der Lage, im Kriegsfall bis zu einer Million wehr­fähiger Männer auf die Beine zu bringen. An der Ausrüstung wird es wohl hier und da hapern. Aber man kann wohl damit rechnen, daß 600 000 Mann einigermaßen gut ausgerüstet sein werden, mit modernen Waffen und sonstigem Zubehör. Die restlichen 400 000 werden mit alten Waffen kämp­fen müssen, die seit langen Jahren im Gebrauch sind. Die Generalmobilisation erfolgt in der Form, daß der Kaiser die Gouverneure seiner Provinzen von der Kriegsgefahr in Kenntnis fetzt und Kriegs- bereitschaft anordnet. Die Chefs der Provinzen or- ganisieren dann die notwendigen Truppenformatio­nen und stellen sich mit ihnen dem Herrscher zur Verfügung. Da der Abessinier von Natur aus Krie­ger ist, braucht der Kaiser wohl kaum zu befürch­ten, daß bei dieser Freiwilligen-Mobilisation die benötigten Truppen ausbleiben. Hier ersetzt der kriegerische Geist, was an Organisation mangelt. Begegnet man einem Abessinier auf der Sttaße, so trifft man ihn fast nie ohne Gewehr und Pattonengürtel. Er ist immer in gewissem Sinne Soldat, auch im zivilen Leben. Dieser Zu­stand hat fick im Laufe der Jahre selbst ergeben, da der Verkehr im Lande aus Mangel an Eisen- bahnen und sonstigen Verkehrsmitteln durch Karawanen und Einzelreiter hergestellt wird, die gezwungen sind, sich gegen Ueberfälle wilder Tiere zu verteidigen. Außerdem ist der Abessinier ein Jager, der mit der Zeit den Speer und die Lanze mit dem Gewehr vertauscht hat.

Zur Zeit hat Abessinien 400 000 Mann unter den Waffen. Die Armee ist ausgerüstet mit modernen Mausergewehren, die zum größten Teil aus belgischen und französischen Waffenfabriken stammen. Die Maschinengewehre, Artillerie und Schnellfeuerkanonen kleineren Kali­bers stammen größtenteils aus der Tschechoslowa­kei und der Schweiz. Auch Minenwerfer und ähn­liche moderne Kampfmittel, wie Fliegerabwehrge­schütze, sind vorhanden, wenn auch nur in ganz kleiner Anzahl. Die abessinische Luftstreitkraft ist der italienischen bei weitem unterlegen; die ganze Flugwaffe verfügt zur Zeit über elf Maschinen, von denen aber nur sechs als eigentliche Kriegs- flugzeuge angesprochen werden können, wäh­rend die resllichen fünf die Verbindung zwischen dem Hauptquartier und den Fronten aufrechterhal­ten müssen.

D« ächioptjchg Soldat hat in erstaunlich kurzer

Zeit, infolge seines großen Auffassungsvermögens, gelernt, mit allen diesen modernen Waffen umzu­gehen. Die belgischen Jnsttuktwnsoffiziere schafften in kurzem, unterstützt von ihren schwedischen Kol­legen, aus losen Kriegerformationen eine gutge­drillte und zum Teil 'wohlausgerüstete Armee. Die Elitetruppe, die Kaiserliche Garde, macht einen besonders guten Eindruck. Sie soll nach Aeußerungen authentischer Persönlichkeiten nicht an die Front geschickt werden, sondern in der Haupt- stadt bleiben und auch zum Teil den Fremdenschutz mit übernehmen.

Täglich melden sich Hunderte und aber Hunderte freiwillig zum Militärdienst. Zum Teil kom­men sie aus dem Innern, einzeln, in Gruppen und Scharen. Pferdematerial, Maultiere, Gewehre und auch Munition, alles bringen die aus dem Innern Kommenden selbst mit. Die Abessinier fühlen, daß ihr Land in Gefahr ist. Obwohl keine Zeitungen, Telegraphen und Telephone außer in Addis Abeba und Harrar und entlang der Eisenbahnlinie nach Dschibute existieren, hat sich die Meldung von der Bedrohung durch Italien bis in die klein­sten und entlegensten Dörfer verbreitet.

An allen Straßenecken, auf Höfen, in der Post, und wenn es regnet, was es in der jetzigen Regen- Zeit reichlich tut, üben die Freiwilligen Gleichschritt, den niemand hört, weil der Aethiopier barfuß geyt. Sie erfüllen ihren Dienst mit fröhlichen Gesichtern. Zuweilen fliegt ein Scherzwort hin und her, wenn einer der neuen Soldaten im Anfang seiner Mili­tärzeit noch nach links statt rechts die Kehre macht. Alles geschieht mit einer Selbstverständlichkeit und steht so aus, als sei in den Krieg zu ziehen eine Spielerei. Man soll in europäischen Kreisen nicht in den Fehler verfallen, die abessinische Eingeborenen­armee zu unterschätzen! Die Mächte, die während des Weltkrieges Eingeborenensoldaten verwandten, wissen sicher am besten, was diese Truppen leisten können. Meistens schickte man die Eingeborenen­truppen zuerst in die Feuerlinie, um den Feind zu überrennen und so für die europäische Truppe den Weg freizumachen. Sollten die europäischen Groß­mächte, die Eingeborenentruppen verwandten, nicht von deren Kampfwert überzeugt gewesen fein? Es ist wohl kaum anzunehmen. Man darf auch nicht außer Acht lassen, daß die abessinische Armee nicht- zwangsweise rekrutiert und für eine

fremde Macht oder eine ihr unbekannte Idee als Söldner kämpfen wird Die Aethiopier wissen: Ihr Kampf gilt der Freiheit und der Unabhängigkeit Abessiniens, und darum werden sie ihr Leben ein­setzen und bis zum Aeußersten kämpfen.

Daß die abessinische Armee nicht über die Hilfs­mittel, Nachschubquellen an Kriegsmaterial und anderen notwendigen Dingen, die zur Erhaltung einer Armee notwendig sind, im gleichen Maße wie Italien verfügt, ist eine unbestrittene Tatsache. Auch in Abessinien ist man sich darüber völlig im Klaren. Dieser Ausfall an Material und ähnlichem wird zum Teil dadurch wettgemacht, daß der abes­sinische Soldat nur einen B r uchteil an Verpflegung und sonstigen Ansprüchen stellt, um seinem europäischen Gegner gleichwertig gegen- überzustehen. Die Zähigkeit der Eingeborenen Darf man nicht außer Acht lassen. In glühender Sonne, in Regen und Schlamm, marschieren die Abessinier und machen acht- bis zehnstündige pausenlose Märsche, ohne daß man ihnen auch mir die ge­ringsten Anzeichen von Müdigkeit ansehen kann. Ob die italienischen Truppen, die die Tücken Afri­kas nicht kennen, durch bessere Ausrüstung einen Ausgleich des Kampfwertes wettmachen werden, kann nur die Praxis beantworten. Im afrikani­schen Hochgebirgskrieg ist die Armierung wohl nicht so ausschlaggebend, wie man annimmt. Auch die sonstigen Mängel der abessinischen Armee (nach europäischen Begriffen) werden dadurch ausgegli­chen, daß Abessinien in seinen Wäldern, in seinen Bergen, die zu Höhen bis zu 4000 Meter anfteigen, ungeheuren Schluchten, Strombetten und seinem tückischen Klima natürliche Abwehr- und Hilfsmittel besitzt. Die Tücken des ttopischen Klimas, wasserarme Gegenden, Fieber, Typhus und andere unbekannte Größen können einer euro­päischen Truppe einen großen Teil ihrer Kampf­kraft nehmen.

Zwei Jahrtausende konnte Abessinien äußeren Anstürmen standhalten, nicht weil es eine Armee besaß, die mit den jeweils modernsten Kampf­mitteln ausgerüstet mar, sondern weil Aethiopien in der Natur zu allen Zeiten den besten Kampfgenossen hatte. Heute besitzt es außer­dem noch eine Armee, die zum Teil nach europäischem Muster erzogen und zu allem bereit ist.

Die französisch-englische Versicherung auf Gegenseitigkeit.

Frankreichs Antwort auf bM britische Beistanböersuchen veröffentlicht. Paris sucht einen besonderen Fall zu verallgemeinern.

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Der Leiter der Deutschen Arbettsfront und btr Reichsjuristenführer haben eine gemeinsame A» ownung herausgegeben, durch welche alle Einzei Hecken der Abgrenzung zwischen der DAF. und der Deutschen Rechts front geregelt und die Ric^lim«

Der F ü h r er besichttgte Montag vormittag in München bte Parteibauten der NSDAP, an der Arcis-Straße sowie den in Bau befindlichen- nigsplatz. Der Bauleiter Architekt Joseph Heid- mann unterrichtete den Führer über den Fort- schritt der Arbeit.

Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach ernannte den Ooergebietsführer Dr. Helmut Stell- recht zu seinem Beauftragten für die Ertüchtigung der deutschen Jugend.

Meine politische Nachrichten.

Der Führer hat an den Reichsführer SS. Himmler folgendes Telegramm gesandt:Mein lieber Parteigenosse Himmler. Zu Ihrem heutigen Geburtstage sende ich Ihnen meine herz­lichsten Gruße verbunden mit dem Wunsch, daß Sie auch weiterhin Ihre ganze Kraft der Sicherheit des nationalsozialistischen Reichs widmen werden wie bisher. Adolf Hitler."

London, 7.Okt. (DNB.) Der französische Bot­schafter in London, (Sorbin, hat Staatssekretär Sir Samuel Hoare die Antwort seiner Regie­rung auf die britische Anfrage vom 24. September überreicht. In der französischen Antwort heißt es u. a.:

London, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.)Preß Association" schreibt: Die ftanzösische Antwort dürfte als eine Enttäuschung angesehen roerben; Sie ist nicht so befriebigenb ausgefallen, wie man ge­hofft hatte. (Eine Aufforberung zur Darlegung ber französischen Haltung in bestimmten Fäl - len, z. B. bei einem isolierten Angriff auf Groß­britannien, bevor der Völkerbund überhaupt Zeit gehabt hätte, eine Entscheidung über die Anwen­dung von Sühnemaßnahmen geaen Italien zu fäl­len ist als Gelegenheit benützt wor­den, Bürgschaften gegen bie Möglich- feit eines deutschen Angriffes auf

Unter diesem Vorbehalt uyd unter den Bedin­gungen der Gegenseitigkeit bin ich ermächtigt, Sie davon zu unterrichten, daß die französische Regie­rung bereit ist, gegenüber der britischen Regierung folgende Verpflichtungen zu übernehmen:

a) falls eine der beiden Mächte es für notwendig hält, zu Lande, zur See oder in ber Luft Maß­nahmen zu ergreifen, bie sie in bie Lage versetzen soll, notwenbigenfalls die Beistandsver­pflichtungen durchzuführen, die sich aus der Dölkerbundssatzung ober aus bem Locarno-Vertrag ergeben, fo wird sie über diese Frage mit ber anberen in Beratung treten. Die gleichen Maßnahmen sollen er­griffen werben, wenn eine ber beiben Mächte es für notroenbig hält, zu Lanbe, zur See ober in ber Luft Maßnahmen zu ergreifen, um sich selbst in bie Lage zu versetzen, erforderlichen- falls einer Lage zu begegnen, in der sie gemäß der Völkerbundssatzung oder des Locarno-Vertrages berechtigt'sein würde, den Beistand der anderen Macht zu erhalten.

b) Die Tatsache, daß die eine ober bie anbere ber beiben Mächte nach biefer Beratung unb bem sich hieraus ergebenden Uebereinfommen bie oben er­wähnten Maßnahmen ergreift, soll in keinem Falle als Provokation angesehen werben, bie irgenbeinen britten Staat berechtigen würbe, feine internatio­nalen Verpflichtungen nicht z u er­füllen.

c) Falls eine ber beiben Mächte angegriffen wirb wegen ber Maßnahmen, bie sie nach Konsul­tation unb Uebereinfommen ergriffen hat, wirb ber andere Staat i h m Bei st and leisten.

Ich würde Eurer Exzellenz dankbar fein, wenn Sie mich in bie Lage versetzen würben, meiner Regierung zu erklären, baß bie britische Regierung allen biefen Punkten zustimmt. Mit bem Ausbruck meiner vorzüglichen Hochachtung gez. (Sorbin.

Enttäuschung in London

Regierung im Mittelmeer getroffenen Flotten* unb sonstigen Maßnahmen alsVorbereitun­gen" für bie Anwenbung von Sühne­maßnahmen nach Artikel 16 ber Völkerbunbs- fatzung gebacht gewesen seien. Dies ist aber eine ganz falsche Auffassung von bem Zweck dieser Maßnahmen, benn sie hatten nicht bas ge­ringste mit der Möglichkeit von Sühnemaßnahmen zu tun. Sie waren bie Folgen ber Drohun- aen ber unter Regierungsaufsicht stehenden ita- lienIschen Presse gegen England. Sie bildeten somit eine Vorsichtsmaßnahme flegenZwischenfälle^, die bei der so ge­schaffenen Spannung hätten verursacht werden können. In der Völkerbundssatzung sind nur Maß­nahmen für den Fall vorgesehen, baß eines ber Bunbesmitglieber von dem Brecher ber Völker- bunbssatzung, nachbem die Anwendung von Sühnemaßnahmen vom Bund beschlossen worden ist, als Gegenstand eines besonderen Angriffes aus- gewählt wird. In diesem Falle sind alle Völker- bundsmitglieder verpflichtet, dem Opfer des An­greifers zu Hilfe zu kommen. Die Völkerbunds- satzung trifft aber keine Vorsorge für einen isolierten Angriff, der erfolgt, bevor der Völkerbund sich gegen einen Verletzer der Satzung ausgesprochen und die Anwendung von Sühnemaß­nahmen beschlosien hat. Die französische Regierung war gefragt worden, ob sie unter solchenUm- standen ber Meinung beipflichte, daß bie Völker­bundsmächte zusammenstehen sollten, um einem solchen Angriff Widerstand entgegenzustellen. Die erteilte Antwort macht nicht den Eindruck, daß sie sich genau auf bie Möglichkeit be- Zieht, die die britische Regierung offensichtlich im Auge hatte. Sie bezieht sich eher auf bas (Ein­treten anderer Umstände. Aus diesem Grunde wird sie eine sorgfältige Ueberlegung der britischen Regierung erforderlich machen.

ImDaily Herald" heißt es: Die Antwort stelle ein vorsichtiges Ja bar. Ihre Forderung nach einer entsprechenden britischen Garantie für den Fall des Angriffs eines Nichtmitgliedes des Völkerbundes fei offenbar auf Deutschland gemünzt. Frankreich deute an, daß die (Entfen- bung britischer Kriegsschiffe nach dem Mittelmeer eine vorherige Billigungder französi­schen Regierung erforderlich mache. Die fran­zösische Note zeige eine völlig falsche Auf fas- s u n g von den wahren Beweggründen, die die bri­tische Regierung zur Entsendung von Schiffen nach dem Mittelmeer veranlaßt hätten. Dieser Mangel an Verständnis sei vermutlich vorsätzlich.

Die Verpflichtung des Beistandes, die ins Auge gefaßt ist und die beide Regierungen bindet, muß gegenseitig fein, d. h., sie muß Großbritannien gegenüber Frankreich ebenso binden wie Frankreich gegenüber Großbritannien. Der vorbereitende Beistand, den bie britische Regierung oorschlägt, muß auch sicheraestellt sein, gleichgültig, ob ber angreifenbe Staat Mitglied Des Völkerbundes ist oder nicht. Die Verpflichtung muß aber nur wirksam werden, nach­dem eine gemeinsame Untersuchung über die Umstände gemacht worden ist unb eine Uebereinftimmung Darüber erzielt wor­den ist, welche Vorsichtsmaßnahmen diese Ümstänbe rechtfertigen unb inwieweit biefe notroenbig sinb, um bie zu erroartenbe endgültige Empfehlung des Völkerbundsrates durchzuführen. Diese gemeinsame Untersuchung sollte sobald wie möglich erfolgen, sobald ein Zustand politischer Spannung entsteht, ber befürchten läßt, daß bie Arttkel 16 unb 17 angeroanbt werben müssen.