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185. Jahrgang

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Das Echo des Ralsbeschluffes

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Da sich kein anderer Delegierter mehr zum Wort meldete, erfolgte namentliche Abstim­mung in alphabetischer Reihenfolge, wobei die beiden Parteien, deren Votum für die An­nahme des Berichtes auf Grund der Satzung nicht in Betracht kommt, am Schluh stimmten. Sämtliche Ratsmitglieder, einfchl. des Vertreters Abessiniens, stimmten mit I a, nur der i t a t i e n l sch e Delegierte stimmte mit Rein. Damit ist der Bericht ein­stimmig angenommen.

Der Ratspräsident erklärte, daß der Rat sich vor­behalte, weitere Empfehlungen über die in dem Bericht enthaltenen hinaus ergehen zu lassen. Unter Bezugnahme auf die Empfehlung des Be­richtes, die Feindseligkeiten einzustellen, erklärte er, daß jedem Paktbruch so schnell wie möglich

Wandlungen.

Don Or. Hans von Malottki.

Der historische Marschbefehl des Duce hat eine Sturzflut von Ereignissen ausgelöst. Seit jenem 4 Oktober marschieren nicht nur seine Truppen in Afrika, seit jenem Tage marschiert Europa. Zu welchen Zielen?

Äst der mit Einsatz aller modernen Waffen in der abessinischen Steppe geführte Krieg weniger real, weil er nicht erklärt wurde, oder weil der Völker­bund, vor vollendete Tatsachen gestellt, mit den Er­eignissen nicht mitgekommen war? Der unverbildete Sinn der Völker kennt nicht die feinen Unterschiede; er fragt nicht, ob Kolonialexpedition oder anerkann­ter Krieg mit allen im geltenden Recht vorgesehenen Folgen, und auch das Spiel um den Begriff der Provokation ist ihm nicht das Entscheidende. Er sieht nur" das Faktum Krieg, die Wirklichkeit, so wie sie ist, und ihr gegenüber, schemenhaft verblas­send, jene Welt der Pakte und Verträge, jenes Ge­bäude derkollektiven Sicherheit", das die Siegermächte als die größte Errungenschaft nach dem Weltkrieg ausgegeben hatten.

Diese kollektive Sicherheit war der Fetisch der Versailler Welt. Nie wieder sollte der Frieden ge­stört, sollten Sicherheit und Ordnung beeinträchtigt werden können. Manorganisierte" den Frieden, man schufzusätzliche Sicherheit" in Gestalt von Bündnissen und Pakten. Der Völkerbund, so sagte man, sei zu elastisch, er lasse dem Angriffslustigen zu viel Spielraum. Automatisch müsse die Frie­densmaschinerie wirken, sonst nütze sie nichts; und es entstand jenes Netz von Beistandsverpflichtungen, das im Falle der Gefahr blindlings und bedingungs­los spielen sollte. Europa wurde gegen den Kriegorganisiert. Daß es dabei d e n F r i e - den verlor wer hörte darauf?

ein Ende gemacht werden sollte, denn die Weltmeinung würde es nicht verstehen, wenn einem solchen Appell in dieser ernsten Stunde kein Gehör geschenkt würde. Auch nach Ausbruch eines Krieges müsse der Rat Maßnahmen zur Einstellung der Feindseligkeiten treffen. Der Völkerbundsrat stehe daher den Parteien zur Verfügung, um die Be­dingungen hierfür festsetzen zu helfen.

Der Völkerbundsrat wandle sich dann dem Verichlüberdie Schuldfrage zu. Die Abstimmung ergab wiederum die e i n st i m - mige Annahme des Berichtes durch die am Konflikt nicht beteiligten Ratsmitglieder, sowie die Zustimmung des Vertreters Abessiniens. Der italienische Ver- lreler erklärte, daß er hinsichtlich des Verfah-

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Oer Völkerbund bezeichnetItalien als den Angreifer.

Oie Völkerbundsverfammlung wird am Mittwoch einen Ausschuß beauftragen, den plan der Gühnemaßnahmen auszuarbeiten.

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legung (!) seiner wichtigsten Bestimmungen" mit sich bringen.

Kein Geschäft, sondern eine überzeugende, sau- bere Politik? Es ist mehr als ein Geschäft; in diesen Tagen gibt die zwischenstaatliche Politik der West- Mächte den Blick frei auf den absoluten moralischen Bankrott des von ihnen gesetzten Rechtes. Weil diese Rechtsordnung kein schöpferisches Instrument für die gedeihliche Fortentwicklung der Völker war, son­dern ein Instrument zur Niederhaltung Deutsch- lands, deshalb 'funktionierte sie nur in der Stoßrich­tung gegen Deutschland. In diesem Falle arbeitete der Apparat tadellos Er mußte versagen m dem Augenblick, wo es einmal anders kam, wo Interessen der Sieqermächte in Widerstreit gerieten, denn dieser Fall stand nicht im Programm. Nun empfindet man als Belastung, was man zur Be- Handlung deutscher Interessen als vorbildlich bezeich- nete, spürt man die Unvollkommenheit des eigenen Werkes. Diese Situation trug in sich sowohl die Chance der Entscheidung zum Fortschritt, wie aber auch zu neuem, noch tieferen Absturz. Entweder wurde das Prinzip der Anerkennung der Lebens­notwendigkeiten aller, der Grundsatz gleichen, nicht zweierlei Rechtes, die loyale Zusammenarbeit eines gestuften Gefüges der europäischen Nationen an Stelle des mechanischen Genfer Universalismus als das Grundgesetz einer wirklichen zwischen­staatlichen Ordnung erkannt, oder man verstrickte sich immer mehr in der alten unfruchtbaren Metho­dik. Indem man den zweiten Weg aing, verlor matt den letzten moralischen Kredit für den europäischen Führungsanspruch.

lichen Lebensrechte anderer marschieren lassen. Noch das letzte Angebot Mussolinis an Eng­land suchte beides zu verbinden, suchte mit einem nicht mißzuverstehenden Hinweis auf die wichtigen europäischen Ausgaben" Italiens die Sanktionie­rung seines abessinischen Krieges zu erkaufen ...

England lehnte ab, weilder Streitfall sich nach britischer Ansicht in den Händen des Völker­bundes befindet, und die britische Regierung hat keinerlei Absicht, ihn aus der Hand des Völker­bundes zu nehmen". In dem Maße, wie Frank­reichs Interessen in diesem Fall gegen das Genfer Verfahren sprechen, sprechen diejenigen Eng­lands dafür. Soweit geht die englische Volker- bundsliebe, daß sie den Schutz jenes Landes zur obersten Richtschnur ihres Handelns macht, das man vor zwölf Jahren der Aufnahme in den Genfer Bund für unwürdig hielt! Da auch die französische Dölkerbundstreue von denUmständen" abhängt, muß man sich die Unterstützung Lavals etwas kosten lassen Man tut's, weil diese Kosten auf die Rechnung anderer gehen. Die notwendige Folgerung aus der Tatsache, daß Genf den Krieg nicht verhindern konnte, so schrieb die Times ist nicht der Zusammenbruch des Völkerbundes, sondern Englands Aufrüstung; und Baldwin fand in seiner Rede vor dem konservativen Parteikongreß, daß Englandseine Rolle auf dem Kontinent spielen müsse" eine zarte Umschreibung jener Verpflich­tungen auf Gegenseitigkeit, die Herr Laval zustande brachte Ein England, das sich seinerkontinentalen Verpflichtungen" wieder bewußt wird, das seine

Grenzen am Rhein" wieder entdeckt, em England, das nach Baldwins Wortendurch Deutschland Die

Nr. 255 Erster Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 8. Moder 1935

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Genf, 7. Okt. (DNB.) Gegen 6 Uhr begann eine öffentliche Sitzung des Völkerbundsrats. Der Ratspräsident eröffnete die Aussprache über den Bericht des Dreizehner-Ausschusses. Baron Aloisi erklärte, die italienische Regierung sei genötigt, Vorbehalte zu machen. Vor allem sei die Bedeutung der abessinischen Angriffs­handlungen gegen Italien nickt ausreichend gewürdigt worden. Der Bericht setzt sich auch über die italienischen Beschwerden wegen der wie­derholten Vertragsverletzungen hinweg. Auf die italienischen Ausführungen über die Be­handlung der Eingeborenenbevölkerung durch die herrschenden Kreise in Abessinien sei überhaupt nicht eingegangen worden. Der Ausschuß sei dafür verant­wortlich, daß ein Sklavenhalterstaat mit Italien und den anderen Dölkerbundsmitgliedern auf die gleiche

Perspektive Europas geändert" sieht, was gibt es besseres für Laval, um die Flamme von Stresa wieder zu entfachen? Jene Flamme, die dieVerurteilung" der deutschenAufrüstung" in Genf beleuchtete. Man hat sich gefunden, und bald wird Laval den Engländern klaraemacht haben, daß ihre Grenzen nicht nur am Rhein, sondern auch an der Donau liegen.

Zunächst allerdings muß er den Krieg m Afrika lokalisieren, um denFrieden" in Europa zu retten. Wird das englische Versprechen, nur kollektiv handeln zu wollen, das Kunststück gelingen lassen? Inzwischen betet man in Europa an, was man tm Falle Abessinien verbrennt. Während man in Genf dem Artikel 16 mit allen nur eben noch möglichen Vorbehalten begegnet, geht man im Notenaustausch mit England noch darüber hinaus. In Europa soll der englische Beistand auf Gund des Artikels 16 be­reits spielen, ehe noch der Völkerbundsrat den etwaigen Angreifer festgestellt hat! Damit wird die Axt an b en Locarnovertrag gelegt, der aus­drücklich das Eintreten der Unterstützung des An­gegriffenen von der vorherigenE n t s ch e i - düng des Rates abhängig macht, wird jener bedingungslose Automatismus heraestellsi von dem man im Falle Abessinien sogar m schwächerer Form nichts wissen will, wird angesichts der Problematik des ,provozierten" undnicht provozierten Angrif­fes" jeder Verschwörung gegen Deutschland gerade­zu Tür und Tor geöffnet. Denn daß sich die euro­päische Verpflichtung Englands auf denFall Deutschland" zuspitzt, geht auch aus dem Hin­weis desDaliy Telegraph" hervor, sie müsseeine Abänderung des Locarnopaktes oder eine neue Aus-

Paris für größte Vorsicht.

Paris, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Tat­sache, daß der Völkerbund zum ersten Mal seit feinem Bestehen den Artikel 16 in Anwendung bringen will, wird von den französischen Blättern mit der Feststellung begleitet, daß der Völkerbund weder im Mandschurei-Streit, noch im ChacoStreit und auch nicht bei derdeutschen Vertragsverletzung infolge Einführung der Wehrpflicht" sich zum Ar­tikel 16 bekannt habe. Allerdings müssen die Blät­ter zugeben, daß bei der klaren Sachlage und an­gesichts der vorliegenden italienischen Kriegsberichte der Völkerbund kaum anders hätte han­deln tönnen. Da in Paris nach wie vor eine starke Abneigung gegenüber Sühnemaßnahmen be­steht von der 'Linken abgesehen, zeigt man eine leichte Befriedigung, daß die wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen nicht auto­matisch in Gang gesetzt werden, sondern daß sie durch einen Ausschuß der Völkerbunds­oersammlung festgesetzt werden sollen. Der offiziösePetit P a r i \ i e n" findet, daß der Be­richt des Sechser-Ausschusses sehr viel kate­gorischer und schärfer ausgefallen sei, als man angenommen habe. In italienischen Kre.isen habe dieser Bericht eine schwere Enttäuschung her­vorgerufen. Die Ratssitzung sei unversöhnlich und eisig verlaufen. Die Schärfe, mit der Italien als Angreifer bezeichnet worden sei, habe den sach­lichen Beobachter unangenehm berühren müssen, denn es handele sich ja nur um einen kolo­nialen Streitfall. Zugunsten des Weltfrie­dens fei zu hoffen, daß die Sühnemaßnahmen m 11 der größten Vorsicht angewendet würden.

DerF i g a r o" ist mit dem Genfer Spruch sehr unzufrieden. Italien ist verurteilt worden. Der Me­chanismus der Sühnemaßnahmen tritt zum ersten Male in der Geschichte des Völkerbundes in Tätig­keit gegen einen Staat, der der Welt die Zi­vilisation gegeben hat, gegen Italien als den Erben des römischen Reiches. Der Mechanismus wirkt zugunsten eines Staates, der in d e r Barbarei lebt, und in. dem heute noch derSklavenhandel herrscht. So hat der Pakt es beschlossen, der zwischen Rassen und Zivilisationen keinen Unterschied kennt. In derVic- t o i r e" heißt es, daß Italien juristisch im Unrecht sein möge, aber es gebe nichts Unerhörtes in dieser Angelegenheit als das Benehmen Englands. Homme Libre" erklärt, England habe die

Stufe gestellt werde. Wenn die abessinischen Auf­rüstungen kein gefährliches Ausmaß angenommen hätten,' fo würde die italienische Regierung keinen Grund haben, Äorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Die italienischen Verteidigungsvorbereitungen hätten sich vor aller Öffentlichkeit vollzogen. Es sei verständ­lich, daß Abessinien, nachdem seine aggressiven Ab­sichten und Pläne entlarvt worden seien, mit Nach­druck seinen Willen, zu einer friedlichen Regelung des Streites zu gelangen, betont habe, um vor der ganzen Welt die Rolle des Opfers zu spielen und Italien die Möglichkeit zur Fortsetzung seiner Verteidigungsvorbereitungen zu nehmen. Diese Um­stände hätten einen Notstand geschaffen, der die italienische Regierung gezwungen habe, in angemes­sener Weise für die Verteidigung ihrer Kolonien zu sorgen. Die italienische Regierung sei der Auffas­sung, daß sie in keiner Weife den Pakt

Der Vertreter Abessiniens entwickelte den Standpunkt feiner Regierung, daß Abessinien für eine uneigennützige kollektive Hilfeleistung zu seiner kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung jeder­zeit dankbar fei, daß es aber jede Kombination ablehne, die auf ein Protektorat oder eine Teilung in Interessensphären hinauslaufen. Erfreulicherweise habe der Dreizehnerausschuß diese Auffassung Abes­siniens vollauf gebilligt. Es fei seltsam, daß der italienische Vertreter nicht die Gründe für das italienische Vorgehen angebe, die in Rom als be­stimmend bezeichnet worden seien, nämlich die Er­oberung Abessiniens, Schaffung eines großen ita­lienischen Kolonialreiches und Sicherung der Vor­herrschaft des weißen Mannes in Afrika. Hawariate schloß- mit der Aufforderung an den Rat, den von Italien eröffneten Feindseligkeiten sofort Einhalt zu gebieten und in Anwendung des Artikels 16 feft- zustellen, daß Abessinien das Opfer eines italie­nischen Angriffes geworden fei.

Nun ist der Kriegsfall eingetreten und sogleich hat sich die Szene gewandelt! Die eifrigsten Bau­meister an diesem Sicherheitsgebäude überbieten sich in der Selbstverleugnung bisher für heilig erklärter Prinzipien. Sanktionen? Niemals las man gründlichere Abhandlungen über ihre Unzweck­mäßigkeit als in diesen Tagen in der Pariser Presse. Sanktionen bedeuten Krieg, so er­tönt jeden Tag der warnende Ruf desTemps". Wer aber könne das ernstlich wollen? Alle wollen den Frieden! Also müsse man den Frieden schützen und sichern, wo er noch vorhanden, den Krieg be­grenzen und beenden, wo er zum Ausbruch gekom­men. Sanktionen das bedeute Ueberspringen des Kriegsfunkens auf das Mittelmeer, bedeute Auf­lösung der Ordnung in Europa, bedeute zuletzt das Chaos. Die Flucht aus der kollektiven Sicherheit hat eingesetzt: Lokalisierung des Krieges, nicht etwa seine Ausweitung das ist die neue Parole der Pariser Friedensapostel. Derselben Apostel, die Herrn Litwinow Beifall klatschten, als er auf dem Genfer Parkett die Lokalisierung des Krieges als die Freiheit zum Krieg brandmarkte; derselben auch, die die Alarmglocke läuteten, als die d e u t s ch e P o l i t i k pflichtgemäß vor den Gefahren bedingungslos funktionierender Kollektivoerpflichtungen warnen mußte!

Wie ist dieser erstaunliche Wandel, diese ver­blüffende Sinnenänderung zu bewerten? Entspringt sie der Erkenntnis von der Unvollkommenheit des bisher als allein nützlich bezeichneten Sicherheits­systems! Gründet sie sich auf die Einsicht, daß die Organisierung des Krieges gegen den Krieg em sehr zweifelhaftes, ja gefährliches Heilmittel abqeben muh? fiat sich in den erregenden Ereig­nissen dieser Tage der Blick geschärft für das wo- nach die Welt seit 1919 verlangt? Mit einem Wort: Ist die Politik der ehemaligen Siegermachte im Begriff, einen befreienden Schritt aus jener Sack­gasse zu tun, in die sie durch die Schuld eben dieser Mächte geraten ist?

Der Duce behauptet, mit offenen Karten 3« spie­len. Er hat starke Trümpfe politischer, rechtlicher und moralischer Natur. Gegen das geschriebene Recht von Versailles und Genf fetzt er das na- türliche Lebensrecht feines Volk e Hat man ihn nicht bei der Verteilung des Deutschland geraubten Kolonialbesitzes übervorteilt? Haben nicht auch Italiens Truppen geblutet und sind gefallen wie die anderen? Der Duce rechnet genau, keinen Gefallenen, keinen Verwundeten hat er beim Ge­neralappell vergessen. Er rechnet seinen Freunden vor, daß er 15 Jahre g e w a r t e t hat, daß er auch jetzt die Interessen der anderen beachtet unö von dem ihm zustehenden Recht nur dort Gebrauch machen will, wo er weder Frankreich noch Eng­land schädigt. Er erinnert an die Teilungsvertrage über Abessinien, an die Geheimabkommen, an all die bindenden Zusagen, die nun plötzlich nicht mehr gelten sollen. Er richtet an das Weltgewissen die Frage, ob es nicht Wahnsinn und Unrecht zugleich wäre, um der Einlösung des damals ausgestellten Wechsels willen Europa in Kriegswirren zu stoßen, um ein paarbarbarischer Volker in Afrika" wil­len die europäische Zivilisation aufs Spiel zu setzen. Selten hat der Duce so leidenschaftlich und mit so eiserner Konsequenz für das Pinzip der lebendigen Entwicklung, für die Berücksichtigung der Lebens­notwendigkeiten gefochten. Selten aber auch wirk­ten Argumente so wenig überzeugend, denn es klafft ein Zwiespalt in dieser italienischen Politik.

Jener Zwiespalt, daß Mussolini in Afrika da die Interessen seines Volkes es so wollen - das Gesetz der Revision tm umfassendsten Sinn proklamiert und a u f d e m e u r o p a t s ch e n Felde da feine Interessen es so wollen sich zu gleicher Zeit zumi Status quo be- i e n n t! Die gleiche Macht, deren Truppen in Abessinien im Zeichen der natürlichen Lebei^rechte eines Volkes marschieren, die Stiche Macht will in Europa ihre Truppen gegen die natur-

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rens alle Vorbehalte mache und schon jetzt erkläre, daß er die Schlußfolgerungen des Berichtes nicht billige.

Der Ratspräsident erklärte, daß der Völkerbund sich der Tatsache eines unter Mißachtung desArtikels 12 der Satzung begonne­nen Krieges gegenüberstehe, und daß me wei­teren Verpflichtungen der Dölkerbundsrnitglteder unter Berücksichtigung der Entschließung vorn Sep­tember 1921 sich unmittelbar aus bet Dölkerbundss atzung ergäben. Ihre ynrrajt- setzung sei Sache der den Verträgen geschuldeten Treue. Es sei Aufgabe des Rates, die zu treffen- den Maßnahmen in die Wege zu leiten. Da 1 aber die Versammlung auf den 9. Oktober ein- I berufen fei, erscheine es angezeigt, sie an dieser Aus- I gäbe zu beteiligen.

größte diplomatische Schlachtseit dem Weltkrieg gewonnen. Frankreich habe alle ihm zufallende Verantwortung übernommen. Aber sie werde nur wirksam, soweit die Erhaltung des Friedens in Betracht komme. Frankreich werde nicht marschieren.

Oie Stimmung in 2Rom.

Paris, 8.Okt. (DNB. Funkspruch.)Matin" meldet, man habe in Rom nicht den Eindruck, daß Mussolini gegenwärtig zu Verhandlungen schreiten werde. Italien stehe in Abessinien vor gewis - sen militärischen Schwierigkeiten, die die Regierung in Rom zu größter Zurück­haltung veranlaßten. Auch der Ratsbeschluß habe eine sachliche Lösung des Streitfalles nicht ge­bracht, Denn er habe die oorauszufehende Wirkung gehabt, die Abneigung Italiens gegen den Völker­bund zu verstärken. Auf jeden Fall würde Rom nicht den ersten Schritt machen.

London befriedigt.

London, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) In der Presse wird nicht daran gezweifelt, daß die Völker- bundsoersammlung am Mittwoch den Spruch des Völkerbundsrates bekräftigen wird. Die Haltung Lavals wird kritisiert, fein Zögern fand erst ein Ende, als sich zeigte, daß er nur noch zu wählen hatte zwischen einem Zusam­mengehen mit den übrigen Staaten ober einer Iso­lierung Frankreichs. Der liberaleNews Chronicle" schreibt, Laval habe ein furchtbare Verantwortung auf sich genommen, in dem er die bisherigen Ver­zögerungen gebilligt habe. DieTimes" schreibt, bald nach seiner Ankunft in Genf habe sich gezeigt, daß er nicht beabsichtigte, eine isolierte Stellung einzunehmen. Als Baron Aloisi eine Vertonung um 24 Stunden vorschlug, hätten sich aller Augen auf Laval gerichtet, der bisher in der Regel bereit gewesen fei, den Italienern aus Schwierig- | feiten herauszuhelfen. Aber mit einer leichten Hand­bewegung habe Laval deutlich zu verstehen gegeben, daß er nichts mehr tun könne.

Der konservativeDaily Telegraph" erklärt, daß der barbarische Staat Abessinien sein Wort gehalten habe und daß der Fackelträger der Zivilisation, Italien, eidbrüchig geworden fei. Italiens wirk­liches Argument fei der Entschluß, Abessinien m i t ober ohne Genf in Besitz zu nehmen. Die Anwenbung von Sühnemaßnahmen fei baher un- oermeiblich geworben.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen