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Garten und Gärtner.

Von Johannes Boettner d.L., Vorsitzendem der Haupivereinigung der deutschen Garienbauwirtschast.

Tausende von Besuchern der Ausstellung W under des Lebens" haben in Berlin mit Entzücken die wundervolleDeutsche Früh­jahrs-Blumenschau" durchwandert. Sie alle werden mit der Bewunderung über die Schönheit des Geschauten und über die damit unter Beweis gestellte mustergültige Leistungsfähigkeit des deut­schen Gartenbaues nicht gegeizt haben, der ihnen hier seine lieblichsten und farbenprächtigsten Kinder vor Augen führte. Aber nur die wenigsten von ihnen waren sich dabei wohl bewußt, daß diese Blumenschau ja nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Leistungsbereich der Gartenbauwirtschaft darstellte. Sowohl hierüber wie über die große Bedeutung des Gartenbaues im Rahmen der deutschen Volkswirt­schaft macht sich die Oeffentlichkeit fast durchweg viel zu geringe Vorstellungen. Umfaßt das Arbeitsgebiet des Gartenbaues neben der Blumenzucht doch auch noch ein weites Feld anderer Kulturzweige. Obst- und Gemüsebau, Baumschulen, Zucht von Zier­pflanzen aller Art, Garten- und Friedhofsgestaltung.

Alle diese Zweige werden nicht nur von den berufsständischen Gartenbaubetrie­ben, dessen Angehörigen er Erwerbsquelle und be­rufliches Arbeitsfeld ist, sondern mit ihm wetteifert die große Zahl der Liebhabergärtner, denen die Beschäftigung mit ihrem Garten Erho­lung und Erhebung bedeutet. Wenn auch so viele deutsche Menschen die wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahrhunderts in den steinernen Wall der großen Städte gezwungen hat, so ist doch in jedem von ihnen die alte germanische Bauernsehnsucht nach der Natur und nach der Scholle lebendig geblieben. Diese Sehnsucht nach der Natur, die nicht mehr im bäuerlichen Beruf befriedigt werden kann, wird durch die Arbeit im eignen Garten gestillt, und sei er noch so klein, durch die Freunde am Wachs­tum der Pflanze, an der Lieblichkeit der Blumen.

Diese Verbundenheit mit der Natur, teilt der Be­rufsgärtner mit dem Gartenfreund und beiden ge­meinsam ist die Befriedigung über die Früchte ihrer schönen Arbeit. Wenn man im Frühjahr oder im Sommer oder im Herbst an den blühenden Blu­menbeeten einer großen Gärtnerei oder einer Klein­gartenkolonie vorübergeht oder durch eine Blumen­schau wandert, wie sie in den nächsten Tageil den Besuchern der Ausstellung am Kaiserdamm geboten wird, dann mag sich mancher vorstellen: daß es doch eigentlich gar nichts Schöneres geben kann in der Welt als ein Gärtner zu sein. Ich selbst, der ich einer alten Gärtnerfamilie entstamme, entsinne mich an einen launigen Wandspruch, der in meinem Vaterhause hing:

Blumen ziehen ist ganz heiter, Wenn man nichts zu tun hat weiter.

Das ist schon richtig, aber es stimmt doch nicht ganz, denn diese halbe Wahrheit läßt den gesamten E r - werbsgartenbau außer Betracht. Der Erwerbs­gurtenbau aber hat nicht nur eine heitere, sondern auch eine sehr ernste Seite. Das ist seine große volkswirtschaftliche Bedeutung als Erzeuger und als Geber von Arbeit. Zu der Er­nährung unseres Volkes aus eigener Scholle liefert die deutsche Gartenbauwirtschaft einen Anteil, dessen Bedeutung meist weit unter­schätzt wird. Um diese Bedeutung zu würdigen, genügt es zu wissen, daß der Jahresertrag des deutschen Gartenbaues einen Wert von rund 1,3 Milliarden Mark ausmacht. Auch für die deutsche Handelspolitik ist der Gartenbau ein wich­tiger Faktor. Erfahrungsgemäß sind die Einfuhr­wünsche unserer Nachbarländer auf keinem Gebiete der Ernährungswirtschaft so groß, wie auf dem Ge­biete des Gartenbaues. Dadurch, daß auf der einen Seite die gartenbauliche Erzeugung im Rahmen der von der Natur gezogenen Grenzen nach Möglich­keit gesteigert wird, andererseits aber die für den deutschen Bedarf zusätzliche Einfuhr gewisser garten­baulicher Produkte organisch in den Jnlandsmarkt eingeordnet wird, kann die deutsche Gartenbauwirt­schaft wesentlich zur Schaffung der Voraussetzung für einen gesunden zwischenstaatlichen Güteraus­tausch beitragen.

Dazu kommt ein weiterer wirtschaftspolitischer Umstand von großer Wichtigkeit. Kein landwirt­schaftlicher Erzeugungsbetrieb arbeitet so inten- s i v wie der Gartenbau. Auf kleinster Fläche gibt er einer verhältnismäßig großen Zahl von Menschen Beschäftigung, Brot und Verdienst. Aber nicht nur dies. Jeder Beruf formt die in ihm tätigen Men­schen. Die liebevolle Beschäftigung mit der einzelnen Pflanze, die enge und ständige Verbundenheit mit der Natur, der durch den Beruf bedingte ZwanL, dauernd selbst mit Hand anzulegen, bleibt nicht ohne tiefe seelische Wirkungen auf den Garten­bauer. Die Natur selbst ist es, die im Gärtner den Sinn für Schönheit und die Freude an der ständigen Erneuerung weckt. Ob sich der einzelne Berufs- oder Liebhabergärtner dessen bewußt ist oder nicht: die Arbeit am Gartenbeet, die Pflege der Pflanze vom Samenkorn bis zur Blüte und zur Frucht ist D i e n st an der Scholle und das lebensvolle Band, das Millionen von Volksgenossen, die sonst in der dumpfen Enge der steinernen Mauern ihrer Städte verkümmern würden, mit dem heimischen Mutterboden verbindet.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsjugendführer hat zum Leiter des Grenz- urtd Ausland am tes der Reichs­jugendführung seinen langjährigen Mitar­beiter Dipl.-Jng. Reinhold Schulze unter gleich- zeitiger Ernennung zum Gebietsführer ernannt. Gebietsführer Reinhold Schulze hat sich in den Kampfjahren der Bewegung besonders um die Durchsetzung des Nationalsozialismus an den Hoch­schulen verdient gemacht.«

Wie wir dem amtlichen Nachrichtenblatt der Deutschen Arbeitsfront entnehmen, hat der Reichs­leiter der DAF. nach Rücksprache mit dem Pg. Gau­leiter Forster den Pg. Haid seines Postens als stellvertretender Leiter des Amtes für Berufserzie­hung enthoben. Zum Nachfolger in diesem Amt, das gleichzeitig inAmt für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Deutschen Ar­beitsfront" umbenannt wird, wurde der Pg. Dr. A r n h o l d ernannt.

Der polnische Außenminister Beck hat aus Bad Reichenhall demFührer und Re i ch s k a n z - ler telegraphisch seinen herzlichen Dank für die freundliche Aufnahme, die er in Berlin ge­funden hat, zum Ausdruck gebracht und hinzugefügt, er sehe in dem ihm entbotenen Empfang ein Zeug­nis des Interesses, das der Herr Reichskanzler der Festigung der gutnachbarlichen Beziehungen zwi­schen den beiden Ländern entgegenbringt.

Aus aller Wett.

Hinrichtung.

Am 6. Juli ist die am 7. November 1889 geborene Maria G r o ß k o p f in Göttingen h i n g e r i ch t e t worden, die vom Schwurgericht in Göttingen we- aen Mordes an der Besitzerin des Edelhofes in Hörden, der Witwe Margarethe v. B e r k e f e l d , zum Tode verurteilt worden ist. Die Großkopf, die bei der Ermordeten als Hausdame angestellt war, hatte einen Schuldschein über eine Darlehenssumme von 42 000 Mark angefertigt und mit der gefälsch­ten Unterschrift der Frau von Berkefeld versehen. Sie vergiftete ihre Dienstherrin, um auf Grund der falschen Urkunde ihre erdichtete Forderung ge- aen die Erben der Ermordeten durchsetzen zu rönnen.

Furchtbare Bluttat eines Jugendlichen. 14jähriger ermordet dreiköpfige Bauernfamilie. Der Linzer Jugendschöffensenat hat sich mit einem wohl einzig dastehenden Verbrechen eines Jugendlichen zu befassen. Der 14jährige Hüte­bub Johann Uebermasser aus Leonding, südlich von Linz, hat nach einander grausam drei Men­schen ermordet. Er lockte zuerst mit dem Ruf Der Ochse ist los" den Bauern Joseph P r e i - n i n g, seinen Dienstherrn, in den Stall und schlug ihn von rückwärts mit der Hacke nieder. Dann rief er dessen Tochter Marie in den Stall, wo er sie so­fort mit einem so furchtbaren Schlag niederstreckte, daß sie keinen Laut mehr von sich gab. Schließlich lockte er auch noch die Bäuerin unter demselben Vorwand in den Stall. Auch sie sank unter seinen Streichen tot zusammen. Sodann beraubte er seine Opfer und steckte das Gehöft in Brand. In der Verhandlung zeigte er keine Spur von Reue. Er wurde zu der im Gesetz vorgesehenen höchsten Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Gemeiner Mordversuch eines Sechzehnjährigen.

Die Berliner Kriminalpolizei wurde wegen eines mit besonderer Roheit eingeleiteten Giftmord- versuches eines 16jährigen Burschen nach dem Berliner Westen gerufen. Dort hatte der mit seiner Mutter in einer zweistöckigen Villa wohnende 16jährige I. B. die beiden Kinder einer in der Kellerwohnung zur Untermiete wohnenden Fami­lie, ein Mädchen von 14 Monaten und ein Mäd­chen von acht Wochen, mit Gas zu vergiften ver­sucht. Zwischen der Mutter des jungen B. und den Untermietern bestand infolge Mietstreitigkeiten schon seit längerer Zeit ein gespanntes Verhält­nis. Darüber hinaus hegte der Junge eine persön­liche Feindschaft gegen den Vater der beiden klei­nen Kinder, weil dieser ihm einmal die Schläuche seines Fahrrades zerschnitten haben soll. Um nun, wie er bei seiner Vernehmung aussagte,seine

Rachegefühle zu stillen", benutzte der Bursche die Abwesenheit der Eltern der Kinder, um mit einem Nachschlüssel in die Wohnung einzudringen und den Haupthahn der Gasleitung zu öffnen, um die in ihrem Bett schlafenden Kinder zu vergiften. Glücklicherweise kehrte die Mutter schon nach einer Viertelstunde zurück, so daß die Kinder gerettet werden konnten.

Sowjelbeamte betrügen die Staatsbank.

Der oberste Staatsanwalt der Sowjetunion hat einen neuen großen Korruptionsskandal aufgedeckt und die Schuldigen verhaftet und dem Gericht übergeben. Die Moskauer Fabrik Borez war in starke Verschuldung geraten. Da eine Besse­rung der unhaltbar gewordenen finanziellen Lage durch Erhöhung der Qualitätsarbeit nicht zu erreichen war, versuchten die leitenden Beamten durch einen groß angelegten Betrug am Staat eine Sanierung. In den Monaten Januar und März d. I. stellten der Finanzdirektor S ch u b i n s k i und der Hauptbuchhalter Tichonow Scheinrechnungen im Betrage non 624 000 Rubel für angeblich ver­ladene Warensendungen aus und kassierten die Summe bei der Staatsbank. Ende April versuchten sie es noch einmal mit demselben Manöver, die Staatsbank um 244 000 Rubel zu betrügen, wobei sie aber das Schicksal erreichte. Außer den beiden

Hauptschuldigen wurden noch der Fabrikdirektor und ein weiterer Beamter wegen leichtfertiger und nachlässiger Betriebsführung verhaftet. Der Prozeß wird in den nächsten Tagen im Moskauer Stadtgericht verhandelt werden.

Neue Hitzewelle in Amerika. Bisher 20 lote.

Das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten ist von einer neuen Hitzewelle heimgesucht wor­den. Bisher sind über 2 0 Todesfälle, größten­teils durch Hitzschlag verursacht, zu beklagen. In verschiedenen Gebieten war die Hitzewelle auch von Wolkenbrüchen und W i r b e l st ü r m e n be­gleitet.

Schiffsunglück an der bretonischen Küste. Sechs Seeleute ertrunken.

Vor der bretonischen Küste hat sich in einer der letzten Nächte ein schweres Schiffsunglück er­eignet, dem sechs französische Seeleute zum Opfer fielen. Der KohlendampferDivatte", der von England nach Spanien unterwegs war, sah sich im Nebel plötzlich einer französischen Motorschaluppe gegenüber. Obwohl er sofort mit aller Kraft rück­wärts fuhr, konnte der Zusammen st nicht vermieden werden. Die Schaluppe wurde von dem Bug des Dampfers mitten durchgeschnitten. Der Dampfer setzte sofort Rettungsboote aus, um die ins Wasser geschleuderten neun Mann Besatzung

der Schaluppe zu bergen. Es gelang sedoch nur, drei von ihnen zll retten. Die übrigen sechs er­tranken, unter ihnen der Besitzer des Schiffes.

Büchertisch.

Matthias Claudius: Das Buck Ehr­furcht oder Auswahl aus den Werken des Wands­becker Boten, besorgt durch Hermann Claudius. Schriften an die Nation" Bd. 67/68. Verlag Ger­hard Stalling, Oldenburg i. O./Berlin. Gebunden 1,60 RM. (119) ,Das Buch Ehrfurcht' nennt Hermann Claudius diese Auswahl aus den Schriften seines Urahnen Matthias Claudius.Ebenso richtig hätte ich es ,Das Buch Einfalt' nennen können oder ,Das Buch des fröhlichen Herzens'", schreibt der Enkel in seinem Vorwort.Aber die Ehrfurcht ist es, die uns nottut, und die wir als Volk wieder lernen wollen, und darum wünsche ich das Buch namentlich in die jugendlichen Hände und Herzen gegeben." Es ist eigenartig, wie nah und lebendig uns Sprache und Lebensbetrachtung des Ahnen wie­der berühren, wie unmittelbar die tiefste Innerlich­keit seines Wesens uns erfüllt und wie rein der Klang seiner schlichten Verse vor uns aufersteht. Jedes Wort, das er an seine Kinder, seine Freunde, seinen Gott richtet, ist von unantastbarer, ewiger und deut­scher Gültigkeit.

Joseph Gregor: Shakespeare. Der Aufbau eines Zeitalters. 680 Seiten. Mit 136 Tief­druckbildern. Ganzleinen 3,75 Mark. Im Phaidon- Verlag, Wien 1935. (158) Das sehr gediegen ausgestattete und dabei erstaunlich billige Buch soll, wie der Verfasser im Vorwort bemerkt, vorzüglich dem Theater gehören; es ist sein Ehrgeiz, die Summe aller bisherigen Bemühungen um die Er­scheinung Shakespeares und seines Werkes zu geben. Das gründliche und dabei durchaus literarisch gehal­tene Werk umfaßt das gewaltige Thema auf ge­drängten 680 Seiten: 136 Abbildungen auf Kupfer­tiefdrucktafeln ergänzen die Darstellung nach der optischen Seite hin. Die sorgfältig gewählten Ab­bildungen bringen die wichtigsten Shakespeare-Bild­nisse und Shakespeare-Stätten, Faksimile-Wieder­gaben seiner Handschriften und Erstausgaben, die Denkmäler des Theaters seiner Zeit; ferner Shake­speare-Aufführungen und Rollenbilder aus allen Ländern und Epochen bis in die Gegenwart. Pro­fessor . Gregor, Vorstand der Theatersammlung an der Wiener Nationalbibliothek und Verfasser einer bekanntenWeltgeschichte des Theaters" durfte sich zur großen Aufgabe einer neuen Shakespeare-Bio­graphie theatergeschichtlich gesehen berufen fühlen.

Wetterbericht

des Reichswetlerdlenstes. Ansgabeort Frankfurt.

An der Rückseite des ostwärts abziehenden Tief­druckwirbels setzte sich auch am Sonntag die Zu­fuhr polarmaritimer Luft fort. Sie brachte auch bei uns weitere Abkühlung, aber nur ganz vereinzelt geringfügige Niederschläge. Infolge der Ausstrah­lung gingen in der Nacht zum Montag die Tem­peraturen vielfach bis unter 5 Grad zurück. Im Be­reiche absteigender Luftbewegung kann zunächst mit der Fortdauer der heiteren Witterung und neuer kräftiger Wärmezunahme gerechnet werden.

Aussichten für Dienstag: Meist heiter und trocken, tagsüber recht warm, östliche bis süd­liche Winde. z

Temperaturen am 7. Juli: mittags 17,4 Grad, abends 13,3 Grad; am 8. Juli: morgens 11,1 Grad Celsius. Maximum 18,9 Grad, Minimum 4,6 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Juli ahends 20,2 Grad, am 8. Juli morgens 16,1 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 3,2 Stunden.

Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil i. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei

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Die trauernden Hinterbliebenen:

Joh. Carl Rompf, Landwirt

Ed. Rompf, Regierungsrat, und Frau Ernst Alfred Rompf, Landwirt, und Frau Alfred Paul Rompf.

Lang-Göns, Gießen, den 7. Juli 1935.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 9. Juli, nachmittags l1/, Uhr in Lang-Göns statt.

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