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M.P2 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Samstag/Sonnfag, 8./9. Zuni 1935

Sieben Berge um Gießen.

pfingsterteben in Feld und Wald. Entdecke die Hermat!

Staufenberg vom Lollarer Kopf.

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Gleiberg van der Straße KrofdorfFellingshausen.

Die Pfingstfeiertaae sind für die meisten Stadt­menschen eine Gelegenheit zu Ausflügen in die herrliche Frühlingslandschaft. Wer nicht schon am Samstag in die wunderbare Gottesnatur hinaus- ziehen kann, pilgert am ersten Feiertag in der Frühe los und kehrt nicht selten erst am Abend des zweiten Feiertages zurück. Auf den Landstraßen, durch die Wiesengründe und durch die herrlichen Wälder im Schmuck des frischen Grüns geht's dahin. Viele machen dabei mit Recht auch einmal in irgendeinem Dorfkirchlein Halt, um dort in­mitten der Volksgenossen vom Lande teilzunehmen an dem Festgottesdienst zur Ehrung des allmächti­gen Schöpfers, der uns alljährlich diese Herrlich­keiten der Natur aufs neue schenkt, um stille Einkehr zu halten inmitten der kernhaften Art echten deut­schen Bauerntums. Doppelte Pfingstfreude wird auf solche Weise denen zuteil, die die Freude des Auges verbinden mit der seelischen Erbauung.

In Gießen hat die Wanderlust von jeher gute Pflegestätten gehabt. Das Verdienst, diese Freude an dem immer neuen Erleben und Erschauen der Herrlichkeiten unserer engeren Heimat mit Sorg­falt zu pflegen, gebührt insbesondere den schon seit Jahren hier wirkenden Wandervereinen. Neuer­dings macht es sich auch der Landschaftsbund Volkstum und Heimat zur Aufgabe, seine Mitglie­der und Freunde hinauszuführen in unsere schönen Wälder und Felder. Erfahrene- wegkundige Führer sind dabei immer bestrebt, den Wanderscharen die reizvollen Bilder der heimatlichen Landschaft in möglichst vielseitiger Weise zu erschließen. Aber auch derjenige, der nicht in größerer Gemeinschaft, son­dern im Kreise seiner Familie oder vielleicht auch allein mit dem Wanderstab dahinzieht, kann sich von Herzen an den herrlichen Bildern in Feld und

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Vetzberg von der Straße RodheimFellingshausen

Seele ist es, wenn wir auf einer solchen Wande­rung den Blick weit hinausschweifen lassen in die Gegend! Welch großen Reiz übt es auf uns aus, wenn wir auf der Höhe zwischen Krofdorf und Fellingshausen rückwärts schauen auf den Glei­berg und das zu seinen Füßen liegende Krofdorf, weit im Hintergrund Gießen und darüber in der Ferne den Schiffenberg sehen. Oder wie wunder­voll ist ein Blick, den man von der Landstraße Rod­heimFellingshausen aus hinüber zum Vetz­berg werfen kann. Welche Pracht bietet sich dem schönheitsdurstigen Auge, wenn der Wanderer auf der zum Glück nicht allzu stark belebten Landstraße KrofdorfFellingshausen kurz hinter der Höhe, am Beginn der Abfahrt in Richtung nach Fellings­hausen, steht und hinüberblickt auf den in majestä­tischer Größe sich darbietenden Dünsberg. Un­endlich stimmungsvoll ist es aber auch, von der Straße WißmarLaunsbach aus hinüberzuschauen zum Lollarer Kopf, weit hinweg über frucht­bare Felder, mit Baumgruppen reich bestanden, drüben den charakteristischen Bergkegel als Hinter­grund. Ueberaus reizvoll ist es ferner, sich einmal die Burg Staufenberg mit dem darunter­liegenden Dörfchen von der Gegend des Lollarer Kopfs aus zu betrachten, oder von dem gleichen Standort aus den Blick hinüberzulenken über das prächtige Tal zum H a n g e l st e i n. Nicht minder schön, für manche sogar neuartig, ist ein Blick aus der Gegend von Watzenborn-Steinberg auf den hochgelegenen Schiffenberg. Es handelt sich bei dieser Aufzählung nur um Einzelbilder, die wir gewissermaßen als Ausschnitte aus dem prächtigen Gesamtgemälde unserer heimatlichen Landschaft hier erwähnen. Manche Volksgenossen werden da­bei wohl still für sich, aber beileibe nicht laut

Schiffenberg von Watzenborn-Steinberg.

Hangelstein vom Lollarer Kopf.

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Wald erfreuen, ,wenn er nur in rechter Weise zu schauen vermag. Dabei kann man häufig mancher­lei neue Schönheiten des Landschaftsbildes entdecken, auch in den Gegenden, die man vielleicht schon oft durchstreift und geschaut hat. Die Sonne, die Wol­kenbilder, Schatten und Tageszeit zeigen oft ein Bild in der verschiedenartigsten reizvollen Weise. Nicht minder bedeutsam ist es auch, von welcher Seite her der Anmarsch zu dem vorgesehenen Ziel­punkt erfolgt. Und wenn bann gar noch ein flinkes, mit weiten Sprüngen durch das Waldrevier flüch­tendes Reh, oder eine Ricke mit ihren jungen Kitz­chen, vielleicht sogar einmal ein Rudel dieser scheuen Bewohner des Waldes vereint das Bild beleben, oder wenn die Hasen eilfertig über die Felder und durch den Wald hoppeln, dann erlebt der naturfrohe Wanderer mit offenem Blick für die Schönheiten dieses Gottesgartens eine so starke innere Freude, daß er noch wochenlang im grauen Getriebe des Alltaas davon zehren kann.

Unendlich viele Schönheiten dieser Art bietet uns die heimatliche Feld- und Waldlandschaft rings um Gießen. Wir haben es kaum nötig, weite Pfingst- reisen in die Ferne zu unternehmen, um der üppi­gen Fülle der Naturschönheiten nahezukommen. Eine kurze Bahnfahrt in die nächste Umgebung kann man wohl schon als das äußerste dessen be­zeichnen, was erforderlich wäre, um das hastende Getriebe der Stadt einzutauschen gegen die Ruhe der Landschaft. Es genügt aber auch schon, wenn man auf guten Wanderstiefeln, den Rucksack auf dem Buckel, den Wanderstock in der Hand, den Willen zur Freude in sich, hinausmarschiert am frühen Morgen und so weit wandert, wie man ge­rade Lust verspürt, sich dann am Waldrand oder an einer blumenübersäten Wiese lagert, nach eini­ger Rast ohne Papierfetzen oder ähnliche Schönheiten" zurückzulassen! wieder weiterzieht, und so vom Morgen bis zum Abend sich ganz dem Zauber der Landschaft hingibt. Wenn dann noch in irgendeinem Dörflern oder auch in einem Zelt das Nachtquartier aufgeschlagen und der dörfliche Frieden oder die wunderbare Ruhe der Einsamkeit in Feld und Wald recht genossen wird, dann ist das eine Entspannung der Nervenkraft und ein Genuß der herrlichen heimatlichen Landschaft, wie man sich beides wohl kaum schöner denken kann.

Wunderbare Ziele für derartige Feiertagserleb­nisse haben wir z. B. in den sieben Bergen um Gießen, in den lauschigen Tälern, den tiefen For­sten, den sattgrünen Wiesen, den blinkenden Wasser­läufen und den reizvollen Dörfern, die alle mit­einander uns reiche innere Kraft spenden können. Wie schön für das Auge, wie erquickend für die

Lollarer Kopf von der Straße WißmarLaunsbach.

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(Aufnahmen: Gießener Anzeiger.)

Dünsberg von der «traße KrofdorfFellingshausen.