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Fabriken sind durch unser Wirken menschen­würdig gemacht worden. Der Gemeinschaftsgeist offenbart fich in- und außerhalb des Betriebes. Ebenso ist das weitere Ziel: Schaffen eines neuen Typs eines Sozialführers wei­testgehend durchgeführt. Und auch das Letzte ist er­reicht worden: die Masse der schaffenden Menschen hat eine neue Blickrichtung bekommen. Wirt­schaftskämpfe gehören in Deutschland der Vergan­genheit an, während wir überall bei allen Völkern Gärung, Streit, Aussperrung usw. beobachten, herrscht in Deutschland sozialer Frieden.

Unser Ziel ist ein glückliches und zufriedenes Volk, lleber all unserem Tun steht der Gedanke der Gemeinschaft. Arbeitnehmer und Unterneh­mer gehören auf Gedeih und verderb zusam­men, und wir werden sie zufammenschliehen und werden nicht loslassen, bis diese Erkennt­nis Allgemeingut auch des letzten Deutschen geworden ist.

Weiter wollen wir den Menschen das Gefühl der Geborgenheit geben, und schließlich muß un­ser Ziel sein, den Menschen nicht nur einen Ar­beitsplatz zu geben, sondern seinen Arbeitsplatz. Als Letztes müssen wir die Menschen zur größtmög­lichen Mitarbeit heranziehen. Das Volk darf uns nicht Objekt sein, über das man despotisch herrscht, und ebenso ist der Staat keine Wohlfahrtseinrich­tung, sondern Sozialismus heißt Gerechtigkeit und nicht Mitleid.

Vor allem aber werden wir dieses Jahr daran­gehen, die Unterlagen für eine wirklich frucht­bringende Sozialpolitik zu schaffen.

Der nationalsozialistische Staat will weder Despot, noch Amme der Menschen sein, son­dern er will der väterliche Pädagoge feines Volkes fein, und er sieht das Wesen der höch­sten Demokratie darin, die Menschen zur höch­sten Mitarbeit an den zu lösenden Aufgaben herauszuziehen. Das neue Deutschland unter seinem Führer Adolf Hitler ist das Deutschland der Gemeinschaft, der Treue, der Kameradschaft, ist das Deutschland der Leistung und der An­erkennung dieser Leistung und ist das Deutsch­land einer gemeinsamen Ehre. Wir wollen in Frieden unserer Arbeit nachgehen, wir wollen aber ebenso frei und gleichberechtigt unter den

Völkern der Erde leben.

Die Ausführungen Dr. Ley s, der in seinem fast zweistündigen Vortrag einen eingehenden Ueber- blick über Werden und Aufbau der Millionenorga­nisation der alle schaffenden Deutschen umfassenden Arbeitsfront gab, wurden von der zahlreichen Zu­hörerschaft mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Oie Verirauensratswahlen.

Berlin, 7. März. (DNB.) Der Reichsarbeits­minister hat unter dem 4. März die 10. Durch­führungsverordnung zum Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit erlassen. Diese Durchführungs­verordnung enthält Bestimmungen, die für die oe- vorstehenden Dertrauensratswahlen von Wichtigkeit sind. Der Reichsarbeitsminister wird im Interesse einer rechtzeitigen und gleichmäßigen Durchführung der Abstimmung ermächtigt, für die Vertrauensratswahlen bestimmte Abstimmungstage festzusetzen, sowie im Zusammenhang damit ge­wisse Fristen in dem die Abstimmung vorbereiten­den Verfahren entweder selbst abzukürzen oder andere Stellen damit zu beauftragen. Als A b - st i m m u n g s t a g e hat der Reichsarbeitsminister in der gleichzeitig ergangenen Anordnung vom 5. März 1935 für das Jahr 1935 den 12. und 13. April bestimmt. Die Durchführungsverord­nung sieht weiter vor, daß in Betrieben, in denen ein Betriebszellenobmann nicht vorhanden ist, der Betriebswalter der Deutschen Arbeitsfront bei Aufstellung der Liste mitzuwirken hat. Diese Be­stimmung wurde erforderlich, weil in einer großen Anzahl von Betrieben, bei denen die Voraus­setzungen für die Bildung eines Vertrauensrates vorliegen, ein Betriebszellenobmann 'nicht vor­handen ist. Schließlich bringt die 10. Durchfüh­rungsverordnung noch eine Sonderbestimmung für das ehemalige oberschlesische Abstimmungsgebiet. Im Saarland finden zur Zeit noch keine Ver­trauensratswahlen statt, da hier die Vorschriften des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit über den Dertrauensrat noch nicht eingeführt sind.

Nationalsozialistischer deutscher Marinebund.

Berlin, 7. März. (DNB.) Dem Wunsche des Führers und Reichskanzlers entsprechend, sollen die ehemaligen Angehörigen derReichs- marine und der alten Marine in dem R a - tionalsozialistischen deutschen Ma­ri n e b u n d einheitlich zusammengefaßt werden. Im Einvernehmen mit dem Chef der Marinelei­tung hat der Bundesführ^r deutscher Marinever­eine, Fregattenkapitän a. D. Hintzmann, ange­ordnet, daß der Bund deutscher Marinevereine in Zukunft den Namen Nationalsozialistischer deutscher Marinebund führt.

Dieser Bund soll die Träger der großen Tra­dition der alten Marine und die Träger der jungen Tradition der Reichsmarine durch das einigende Band der Kameradschaft auf der Grundlage natio­nalsozialistischer Weltanschauung zu einer großen soldatischen Marinegemeinschaft zu­sammenschweißen und diese Gemeinschaft in den Dienst der Aufgaben für die Wirkung und Erhal­tung des Willens zu deutscher Seegeltung stellen, gemeinsam mit allen großen Verbänden ehemaliger Soldaten der alten Armee und Schutztruppe und des neuen Reichsheeres wehrhaften Geist wach­halten und stärken und in sozialer Fürsorge und Wahrnehmung der besonderen Interessen der ehe­maligen Angehörigen der Kriegsmarine, soweit sie nicht als Kriegsopfer durch die NSKOV. betreut werden, in enger Zusammenarbeit mit demReichs­bund ehemaliger Berufssoldaten" den Kameraden des Bundes Rat und Hilfe geben. Alle Verbände, Vereine, Kameradschaften usw. ehemaliger Ange­höriger der Kriegsmarine, die bisher dem Bunde deutscher Marinevereine nicht angehört haben, werden aufgefordert, dem NSDMB. beizutreten. Anfragen und Anmeldungen sind an die Geschäfts­stelle des Bundes deutscher Marinevereine in Bre­men, Philosophenweg 20, zu richten.

Uraufführung des Reichsparteilag-Films am 28. Wärz.

Wie NSK. meldet, sind die umfangreichen Ar­beiten an dem monumentalen Film vom Reichs­parteitag 1934Triumph des Willens" so­weit abgeschlossen worden, daß die Urauffüh­rung, die in Berlin im Ufapalast am Zoo ftatt= findet, auf den 28. März feftgelegt wurde.

Oer falsche Dreh der englischen Außenpolitik.

Ein Engländer sagt London die Wahrheit.

London, 7. März (DNB.) Der Sonderbericht­erstatter der D a i l y Mail", Ward P r i c e, schreibt seinem Blatt aus Berlin, die Erhöhung der Rüstungen habe nicht in Deutschland, son­dern in anderen Ländern, und zwar schon vor mehreren Jahren, begonnen, als Deutschland vollkommen entwaffnet war und bevor Hitler die Macht ergriff. Deutschland habe bestimmt die Absicht, ausreichend zu rüsten, um sich gegen einen Angriff zu sichern: aber es beabsichtige auch, sich in ein freundschaftliches und friedliches Verhältnis zu England und Frankreich zu setzen. Um so schmerzlicher sei es, wenn jemand, auf dessen Freundschaft man Wert legt, einen öffentlich anklage, daß man den Weltfrieden bedrohe. Wenn ein Vorwand notwendig sei, um eine Erhöhung der Rüstungen zu begründen, warum sei dann nicht auf die umfangreichen st ungen von Sowjetrußland hin­gewiesen worden? Diese seien zweifellos verant­wortlich für viele deutsche Vorbereitungen, denn wenn auch Rußland vielleicht keine Gefahr für Großbritannien sei, glaubten einige Leute in Deutsch­land, daß es eine Gefahr für Deutschland bilde. Wenn Deutschland auf gleichem Fuße behan­delt werde, würden die Engländer und die Fran­zosen keinen ehrlicheren Freund als Hitler haben, wenn sie aber Deutschland weiter als Nation zweiten Ranges behandelten, dann werde es niemals eine Annäherung geben.

Die größte moralische KataUophe"

London, 7. März. (DNB.) Die einzige weib­liche Vertreterin Englangs auf der Abrüstungs­konferenz, Mrs. (Sorbett Ashby, ift auf Grund der Veröffentlichung des englischen Rüstungs- Weißbuches zurückgetreten. Nach ihrem Rück­tritt, deti sie Ministerpräsident Macdonald schriftlich mitteilte, erklärte sie: Die Veröffentlichung des Weiß­buches im gegenwärtigen Augenblick ist der letzte Schlag gegen die Möglichkeit einer er­folgreichen Abrü st ungsvereinbarung. Es war mir daher unmöglich, weiterhin mit der Abrüstungspolitik der englischen Regierung überein­zustimmen. Ich betrachte die Veröffentlichung des Weißbuches als die größte moralische Katastrophe, die wir seit dem Versailler Ver­trag in England erlebt haben.

Die liberalen Parteiorganisationen haben eine außergewöhnlicheNotstandssitzung" für Donners­tag abend einberufen, um die durch die Veröffent­lichung des Weißbuches geschaffene Lage zu er­wägen.

Der großbritannische Baptistenverband hat in einer öffentlichen Erklärung seine Enttäu­schung über die Absichten der englischen Regierung, die englischen Rüstungen weitgehend zu verstärken, ausgesprochen.

Weißbuch und Sterling-Kurs.

London, 8. März. (DNB. Funkspruch.) Im Laufe der gestrigen Unterhausaussprache kam das Mitglied der Arbeiterpartei Dr. Ad d i f o n, der unter Lloyd George Wohlfahrtsminister und im ersten Kabinett Macdonalds Landwirtschafts­minister war, auf das Sinken des Sterling- Kurses zu sprechen und erklärte, einen Teil der Schuld an diesem Ereignis trage das am Montag veröffentlichte Weißbuch. Wenn eine Regierung ein solches Schriftstück veröffentliche, unmittelbar bevor sie ihren Staatssekretär des Aeußeren auf eine Friedensmission entsende, wenn eine Regie­rung der Macht, die der Staatssekretär besuchen wolle, erkläre, sie sei eine Friedensstörerin und eine Gefahr für die Ruhe der Welt dann sei dies eine riesige Dummheit, für die man kaum eine Parallele finden könne.

Die pariser presse verteidigt das Weißbuch.

Paris, & März. (DNB.-Funkspruch.) Die fran­zösische Presse beschäftigt sich weiterhin mit dem- englischen Weißbuch und den Reiseplänen der briti­schen Minister. Die Art, wie sie es tut, ist immer dieselbe. Es erübrigt sich daher, näher daraus einzugehen. Man spielt, sich in den einzelnen Presse- öußerungen, wie es z. B. derMatin" versucht, als Verteidiger Englands auf. Das Blatt glaubt, die englischen Rüstungsausgaben feien die Antwort auf die Erhöhung der deutschen Rüstun­gen, andere Blätter wieder richten mehr ober min­der heftige Angriffe gegen Deutschland. Der Phantasie wird dabei weitester Spielraum ge­lassen. Es werden wahrhaft großzügige Zahlen über die angeblich deutsche Aufrüstung genannt, von Kriegsplänen" des Reiches gesprochen und selbst­verständlich auch zum wievieltenmale wohl schon? das Gespenst der drohendenVorherr­schaft der deutschen Macht" zitiert. Immer- hin fügt derExcelfior", der die Redewendung dies­mal benutzt, hinzu, daß dieverantwortlichen Hüter des europäischen Friedens" in Paris und London sehr wünschten, daß Deutschland einem Sicherheitssystem beitrete, aus dem das Reich als erstes mit Ehren Nutzen ziehen würde.

Eden führt nach Warschau und Moskau.

L o n d o n , 7. März. (DNB.) Außenminister S i m o n bestätigte am Donnerstagnachmittag im Un­terhaus, daß Lordsiegelbewahrer Eden sich vor­aussichtlich im Anschluß an die Reise nach Berlin nach Warschau und Moskau be­geben werde.

Diese Mitteilung war durch eine Frage des Op­positionsführers Lansbury über die Aussichten eines englischen Ministerbesuches nach Moskau und anderen Hauptstädten hervorgerufen worden. Simon antwortete wörtlich:Nachdem der Besuch in Ber- Im vereinbart worden war, erhielten wir die Mit­teilung, daß anschließend ein britischer Ministerbe­such in der Sowjetunion und in Warschau beson­ders begrüßt werden würde. Die englische Regie­rung hat erwidert, daß sie sich glücklich schätze, diese Einladung anzunehmen, und es ist beabsichtigt, daß der Lordsiegelbewahrer Eden diese Besuche wahr­nimmt."

Ein Arbeiterabgeordneter erkundigte sich hierauf, ob der Besuch in Moskau vor der Reise nach Berlin vonstatten gehen werde oder ob der Außenminister gezwungen sei, hiermit bis nach bem,

Berliner Besuch zu warten. Simon antwortete, daß von Zwang keine Rede sein könne, weil Eng­land ein freies Land fei. (Gelächter.) Es fei beab­sichtigt gewesen, daß die anderen Besuche nach demBesuch in Berlin stattfinden sollten. Das werde voraussichtlich die Reihenfolge der Ereignisse sein.

Die Reise Edens nach Moskau und Warschau wird nicht ganz 14 Tage dauern. Eden wird in Moskau Besprechungen mit Stalin und dem Volkskommissar Litwinow haben und sich ins­besondere in Warschau mit dem Außenminister Beck besprechen.

Darüber schweigt London.

Die militärische und fliegerische Ausbildung der Frau in LowjeLrutzland.

Moskau, 7. März. (DNB.) Der Vorsitzende der Gesellschaft Ossoaviachim, Eide mann, gab be­kannt, daß zur Zeit 2,5 Millionen Frauen und Mädchen Mitglieder der Gesellschaft sind. Die Zahl wachse dazu noch von Tag zu Tag. Zur Zeit wür­den in der Sowjetunion 4 6 0 0 0 0 Frauen und Mädchen von der Gesellschaft Ossoaviachim unter­richtet. Unter den ausgebildeten Frauen und Mädchen befänden sich 100 Scharfschützen, die das sog. Abzeichen der Woroschilow-Schützen für ihre Schießleistungen erhalten haben. Im ver­gangenen Sommer hätten 20 0 0 0 Frauen und Mädchen ihre Ferien in militärischen Lagern verbracht, wo sie von Fachleuten i m Kriegsdienst unterrichtet worden seien. Eine große Rolle spiele die Frau auch im Luftschutz und bei der Abwehr von Gasangriffen auf Städte und Fabriken. Zur Aus- und Weiterbildung würden dauernd Hebungen veranstaltet. Weiter nehme die Frau auch im Flugwesen schon einen bedeu­tenden Platz ein. Viele Frauen hätten Ausbildung im Fallschirmabsprung, im Segelfliegen und als Führerinnen von Motorflugzeugen erhalten. Zur Zeit seien 14 Frauen als Lehrer an Fliegerschulen tätig. Einige hundert Mädchen seien als Konstruk­teure in Konstruktionsbüros für Flugzeuge be­schäftigt.

Japan zieht die Folgerungen.

Tokio, 7. März. (DNB.) Ein hoher Beamter des japanischen Außenmini st eriums erklärte, das englische Weißbuch sei von großer politischer Bedeutung für Europa und für

den Fernen Osten. Das Weißbuch beweise, daß das Schwergewicht der Außenpolitik Englands zur Zeit in Europa und nicht im Fernen Osten liege.

Die Agentur Shimbun Rengo veröffentlicht eine Aeußerung eines hohen japanischen Mili­tärs. Dieser ist der Ansicht, daß JapansWehr- macht die Folgerungen aus dem Weiß­buch ziehen werde. Sie werde von der Regierung die Bewilligung von Krediten zur Modernisie­rung des japanischen Heeres verlangen.

Die ZeitungJomuri" schreibt, daß nach dem Zusammenbruch der Londoner Flottenkonferenz wohl England, Amerika und Frankreich eine neue Welle der st ungen in der Luft und auf See erleben werden, die nicht ohne Rückwirkungen auf Japan bleiben dürfte. Die japanische Ma­rine würde jetzt das japanische Kabinett ersuchen, für den Ausbau der Luftfahrt Kredite zur Verfügung zu stellen. Nach den nunmehr geplanten englischen Luftrüstungen wird sicher die javanische Regierung ihre ablehnende Haltung gegenüber der Forderung des javanischen Marineministeriums auf­geben, das 200 Millionen Pen für die Aufstellung von 31 Luftgeschwadern gefordert hat.

Vormilitärische Ausbildung der japanischen Jugend.

Tokio, 8. März. (DNB. Funkspruch.) In ganz Japan werden im April dieses Jahres 15 0 0 0 Schulen für etwa 2,5 Millionen Jugend­liche eingerichtet werden. Die Einrichtung dieser Schulen soll der körperlichen Ertüchtigung der japa­nischen Jugend dienen mit dem Zweck, auch in Ja­pan eine vormilitärische Ausbildung einzuführen.

Erhöhung des stehenden Heeres in Nordamerika.

Washington, 7. März. (DNB.) Der Senat hat in seiner Sitzung am Donnerstag einer E r - Höhung des stehenden Heeres von 118 760 Mann auf 165 000 Mann zugestimmt. Die Annahme der Regierungsvorlage erfolgte nach einer lebhaf­ten Aussprache, in der Japan und Großbri­tannien als mögliche Feinde bezeichnet wurden, wobei jedoch allgemein zugegeben wurde, daß die Vereinigten Staaten überhaupt nicht mit irgend­einer Aussicht auf Erfolg angegriffen werden könnten.

London hoffl ans Berlin.

London, 8. März. (DRB.Funkspruch.) Der parlamentarische Berichterstatter derTimes" schreibt, man hoffe nach wie vor, daß es nach einer Erklärung des Standpunktes der Regierung durch Baldwin und Simon im Unterhaus am näch­sten Montag möglich fein werde, eine Verein­barung über den Berliner Besuch zu erreichen. Man sei allgemein der Ansicht, daß es die Dinge vereinfachen würde, wenn der Berliner Besuch stattfände, bevor Eden nach Marschau und Moskau gehe. Andererseits wünsche man nicht, den Besuch in Polen und Sowjetrußland länger hin­auszuschieben, als unbedingt notwendig sei.' Der Berichterstatter führt weiter aus, das Kabinett habe die Entscheidung getroffen, daß die Reise nach Warschau und Moskau in erster Linie i n - formatorischer Art sein solle. Eden werde dann nach London zurückkehren, und das Kabinett werde entscheiden, ob ein persönlicher Besuch des Staatssekretärs des Aeußeren folgen folle.

Der liberaleRews Lhronicle" äußert in einem Leitauffah Bedenken gegen die Entsendung Edens anstatt Simons nach Moskau und War­schau und bemerkt, die Aussichten der Verhand­

lungen würden zu mindesten nicht gebessert wer­den, wenn die britische Regierung auch nur den Anschein erwecke, als ob sie die beiden anderen Mächte nicht mit der gleichen Art von Achtung be­handele. Das Blatt sagt ferner, der Schlüssel zur ganzen Lage liege jetzt in Berlin. Hoffentlich werde die britische Regierung keine Mühe sparen, um das durch die Veröffentlichung des Weißbuches verlorene Gelände wiederzu­gewinnen und einen möglichst frühen Tag für die aufge f ch obenen Besprechun­gen festzusehen. Die Anterhausdebatte am nächsten Montag sollte von der Regierung dazu benutzt werden, mit einer Geste den bedauerlichen Eindruck zu beseitigen, den das Weißbuch her­vorgerufen habe, hoffentlich werde sie diese Mög­lichkeit nicht ungenutzt lassen.

3n britischen diplomatischen Kreisen hofft man noch immer, daß in Berlin eine Zusammenkunft zwischen dem Führer und Reichskanzler Hil­ler und dem englischen Außenminister Sir John Simon stattfinden werden, und zwar ohne zu lange Verzögerung.

Sprung nach rückwärts."

Die Meinung in Italien.

Rom, 7. März. (DNB.) Die italienische Presse hatte sich bisher mit dem englischen Weiß­buch nicht auseinandergesetzt. Sie hatte sich mit Meldungen über das Echo im Ausland begnügt. Um so bemerkenswerter ist der Artikel, mit dem das römische MittagsblattT e v e r e" nunmehr das Schweigen bricht. In Uebereinftimmung mit der öffentlichen Meinung Italiens wird darin ausgeführt:

In einer Form, die endgültig aufgegeben schien, ist die R ü st u n g s f r a g e plötzlich wieder auf die Tagesordnung gekommen. Die Nachricht, daß bei der französisch-englischen Begegnung die Möglich­keit eines Widerrufes der militärischen Bestim­mungen des Versailler Vertrages geprüft worden sei, hatte den Eindruck einer wesentlichen Aende- rung der Methoden bestärkt.

Run wirft die Veröffentlichung des englischen Weißbuches unversehens Europa mindestens um ein halbes 3ahr zurück. 3n diplomatischer Form wärmt das englische Schriftstück die alte und nutzlose pazifistische Polemik wieder auf. Beim Lesen erhält man den Eindruck eines Sprun­

ges nach rückwärts, so sehr hatte man sich schon von dieser unfruchtbaren Polemik entfernt.

Selbst wenn das englische Dokument keinen ande­ren Zweck gehabt hätte, als den, vor dem eige­nen Land die Erhöhung der Mehrausgaben zu rechtfertigen, würde es ebenso unzeitgemäß sein für jeden, der sich der Erkenntnis der offe­nen Aufrüstungstendenz der Regie­rung Macdonalds nicht verschließt. Dabei schien es, daß diese Literatur mit ihrem Gegensatz zwischen einem theoretischen und ausschließlich papiernen Pazifismus und den konkreten militäri­schen Notwendigkeiten der einzelnen Länder end­lich in den Archiven von Genf verschwunden sei, und daß die Abrüstungsfrage endgültig auf dem Boden der Tatsachen behandelt werden soll. So ist es auch in Wirklichkeit, aber alte Gemeinplätze und sinnlose Formeln kehren immer noch einmal an die Oberfläche zurück und versuchen, die notwendige Klärung der inter­nationalen Beziehungen zu verzögern, die die un­erläßliche Voraussetzung für eine tatsächliche und fruchtbare Zusammenarbeit der Völker auf bem Boden der geschichtlichen Realität sind.

Ein Rechtseriignngöversuch Edens.

$ür Vörterbund und Kollektiv-Friedenssystem.

London, 7. Mörz. (DNB.) Lordfiegelbewahrer Eden hielt am Donnerstag in Swindon eine Rede, in der er die Wehrpolitik der englischen Regierung verteidigte und den Vorwurf zu­rückwies, daß die in dem Weißbuch der Regie­rung ausgestellten Grundsätze ein Abweichen von der Politik des Völkerbundes darftellten. Eden führte im einzelnen aus:

Ich bedauere außerordentlich, daß die Krankheit des deutschen Kanzlers unseren Besuch nach Berlin aufgeschoben hat. In den letzten Tagen hat die Regierung in einem Weißbuch eine Erklärung über ihre Webrpolitik veröffentlicht. In gewissen Kreisen ist diese Politik ungewöhnlichen Angriffen ausgesetzt gewesen.

Rach meiner Ansicht ist in Rüstungen nicht die

Sicherheit zu finden, die mit einem wirksam

arbeitenden Friedenssystem verglichen werden könnte.

Die Außenpolitik der englischen Regierung gründet sich unveränderlich auf den Völkerbund als den wirksamsten Mechanismus, der bisher für ein sol­ches System gefunden werden konnte. Die gemäßig­ten Maßnahmen für unsere Landesverteidigung, bte das Weißbuch vorsieht, stellen an sich kein Abgehen von dieser Politik dar.

Unsere Ergebenheit gegenüber dem Völkerbund und dem Kollektiosriedenssystem ist in der jüngsten Geschichte oft unter Beweis gestellt worden. Aber wir müssen auch die nackten Wirklichkeiten bet gegenwärtigen Lage in Bettacht ziehen. Nach mei- nem Dafürhalten kann ber Friebe auf Erben nicht völlig gesichert werben, solange nicht alle Nationen nicht nur Mitglieder bes Völkerbunbes finb, son­dern auch in ihrer nationalen Politik von dem Geist

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