Nr. 33 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zreitag, 8. Zebruar (935
Der Robinson der Adria.
Ein deutsches Schicksal. — Oer Leibkoch des Fürsten Bülow. — Oie einsame Insel. — Idyll und Tragödie.
Ragusa, im Februar 1935.
Oas Geheimnis der Insel plat.
Man trägt die deutsche Sonnensehnsucht im Blut; diesmal entlief man dem Winter nicht nach Italien, sondern südostwärts hinab zur Adria; stolperte die Küste entlang von oben her, aus der Richtung Fiume, bis nach unten, nach Raausa. Und hörte dabei auf einmal seltsame Geschichten von einem deutschen Robinson, der auf einer der kleinen Inseln sitze, die in Scharen das Ufer säumen. Da wurde man neugierig, nahm ein Boot, ließ sich übersetzen zu dieser Insel P l a t — und lernte den Paul Thiele kennen... Es war einem auf einmal gar nicht recht wohl ob der eigenen Neugier, denn als man den einsamen Landsmann fragte, ob er denn zufrieden fei in seiner Verlorenheit, keine Sehnsucht mehr nach Deutschland verspüre, da liefen dem Mann ein paar Tränen über die Backen, und er mußte sich jäh abwenden... Selbstverständlich, daß man darob schnell die Flucht ergreifen wollte — aber nun hielt einen der Robinson... das Wort Deutschland mochte ihm Herz und Zunge gelöst haben... jedenfalls erzählte er stockend in einer dunklen Abendstunde sein Leben und sein Schicksal, womit endlich das Geheimnis der Insel Plat für den Neugierigen gelöst ward.
Eines Fürsten und Reichskanzlers Leibkoch.
Das ist dieser Paul Thiele, der Robinson der Adria, gewesen, nämlich der Leibkoch des Fürsten B ü l o w. Auf allen Reisen hat er seinen Herrn begleitet, denn Fürst Bülow war ein Grandseigneur und lehnte es ab, jemals ohne seinen Koch zu fahren, ob es nun nach Frankreich, nach Holland, nach England, ins Mittelmser oder nur kreuz und quer im Salonwagen durch Deutschland ging. So hat denn Paul'Thiele gut und gern die halbe Welt gesehen, immer von der Glanzseite her, die sein Herr mit kavaliermäßiger Selbstverständlichkeit stets aufzuspüren verstand. Im Extrazug, auf den Luxusdampfern, in den Galahotels und den Palais blieb Goldstück auf Goldstück in den Händen des fürstlichen Leibkochs hängen, wurde brav auf die Sparkasse getragen — es war eine stattliche Summe, die auf der Habenseite stand, als Paul Thiele endlich aus den Diensten des Fürsten Bülow schied, um nun mal sein eigener Herr zu werden.
Hotelier und Ehemann.
Was fängt ein Leibkoch mit einem netten runden Vermögen an? Er verwirklicht seinen Lebenstraum und kauft sich ein eigenes Hotel. Also tat Paul Thiele LU Annaberg in Sachsen, Und wirklich, es war ein gemütliches, gutgehendes, gern besuchtes Hotel — gottlob, man war am Ziel! — Nun aber steht schon lange geschrieben, es sei nicht gut, daß der Mensch allein sei. Drum hielt der verflossene Leibkoch und jetzige Hotelbesitzer Umschau nach einer Frau, die fähig sei, sein Herz zu erfreuen — fand sie und führte sie stolz und glücklich heim in das Gasthaus zu Annaberg ...
Das war nicht wohlgetan, damit geschah der schlimme Bruch in Thieles Leben, den er nie verwunden hat. Die junge Frau war nicht treu, der Ehemann mußte es schon bald erkennen; und er ermannte sich und ließ sich bereits nach dem ersten Ehejahr scheiden. Aber er hatte die Frau geliebt, er konnte sie nicht vergessen — er verkaufte Knall und Fall sein Hotel, schüttelte den Staub Annabergs von seinen Füßen und wanderte hinaus in die Welt... nur immer weiter fort von der Stätte, wo er die größte Enttäuschung seines Lebens erfahren hatte...
Oie große Wandlung.
Die große Wandlung war mit Thiele geschehen in diesem Jahre 1912, also noch vor dem Kriege. Er wurde menschenscheu, sehnte sich nach Einsamkeit, ging über die deutsche Grenze, wurde an die Adria verschlagen, wo immerhin die Sonne tröstete und das Murmeln der warmen Wellen — kam nach Ragusa, gelangte von hier aus zufällig auf die Insel Platt, dreißigtausend Quadratmeter groß, aber herrlich unbewohnt und einsam. Hier begann Thiele ein Leben zu führen, wie es vielleicht einmal die vorzeitlichen Hirten lebten, er sprach mit den Blumen und den Tieren, und die klopfenden Wellen des Jnselufers sprachen mit ihm; er vermochte wieder freier zu atmen, fern allen Menschen. Und als ein Jemand auftrat mit dem Anspruch, Besitzer dieser gottgesegnet einsamen Insel Plat zu fein, da legte ihm Paul Thiele acht gute braune deutsche Tausendmarkscheine auf den Tisch und wurde damit Inhaber der dreißigtausend Quadratmeter Landes inmitten der Adria.
Der Robinson war geboren ...
Er schuf sich mit eigenen Händen ein Steinhaus, er legte Felder an, er pflanzte Bäume, er überbrückte die Wasserläufe seiner Insel, er hegte Blumen und Vieh — er war endlich allein mit sich und seinem unverwundenen Leid.
Bis die Tage kamen, da läutete es Tag und Nacht herüber vom Festland, Holzstöße loderten auf — es mußte etwas Großes geschehen sein in der Welt, die Signale rissen nicht ab... und so nahm Paul Thiele sein selbstgebautes Boot und ruderte zum ersten Male wieder hinüber zum Festland, zu den Menschen — und erfuhr: Krieg!
Oie Welt steht in Flammen.
Da besann sich Thiele doch wieder auf die Heimat, die nun in Not war und jede Mannesfaust gebrauchen konnte. Er fuhr nach Deutschland, trat ins Heer ein — vier lange Weltkriegsjahre hat es ihn um und um an den Fronten getrieben. Und er lebte noch, als der sogenannte Frieden kam. Mit dem Frieden aber erwachte erneut die wilde Sehnsucht nach feiner einsamen Insel auf, er schlug sich durch zur Adria, setzte über nach dem Robinsoneiland Plat. Was er fand war Vernichtung. Sein Steinhaus hatte man ihm zerstört. Sein Gold- und Silberschatz, den er hier in einem Versteck zurück- gelassen hatte, war geraubt; die Banknoten, an anderer, unauffindbarer Stelle verborgen, waren entwertet; arm wie Hiob stand der deutsche Robinson auf feiner Insel... Aber er verzagte nicht. Er strich noch einmal die dalmatinische Küste auf und ab, band sich wieder die weiße Schürze vor, verdingte sich von neuem als Koch, legte Dinar auf Dinar — bis er soweit war, von neuem der Welt Valet zu sagen, sich einen neuen Viehbestand anzulegen und mit ihm abermals die Insel zu beziehen. Wieder hat er sich ein kleines steinernes Haus mit eigenen Fäusten gebaut, die Felder gerodet und bestellt, die Bienenheere gewartet, feine Obst- und Gemüsekulturen angelegt — vollkommen und schön schien die Einsamkeit zu sein, fern aller Menschheit mit ihrer Wirrnis, ihrer Untreue und ihrem Leid ...
Auferstandene Vergangenheit.
Bis vor ungefähr einem Jahr die Welt noch einmal einbrach in dies einsame Paradies. Die böse Annaberger Vergangenheit ward wieder lebendig. Während des Krieges hatte sich Thiele in Deutschland noch einmal mit seiner geschiedenen Frau auf deren flehentliches Bitten hin getroffen, und damals zeigte ihm die Frau, die schon wieder verheiratet war, einen sechsjährigen Jungen, von dem sie behauptete, daß er sein Sohn sei... Und
Glück in Büchern.
Von Paul Alverdes.
Von Büchern in meinem Leben hätte ich so gut wie gar nichts gesagt, wenn ich vor allen anderen nicht derjenigen gedenken wollte, die mich zu allererst mit dem hohen Menschenglück des Lesens beschenkt haben. Es ist auch gleich ein Glück gewesen, eine Glückseligkeit wahrhaftig, wie sie mir von Büchern nie mehr zuteil geworden ist! Man muß es mir freilich erlassen, die Titel und die Namen der Verfasser zu nennen: ich habe sie vergessen; aber nicht vergessen habe ich, wie diese Bücher ausgesehen haben, und auch den Geruch nicht, der ihren Seiten entströmte, und auch nicht, was für Bilder darin gewesen sind, und was alles darin geschah.
Wie sie ausgesehen haben? Sie waren meist recht umfangreich und schwer an Gewicht, nicht leicht zu tragen für den Sextaner, der ich damals gewesen bin. Man las am besten darin, wenn man sie auf den Fußboden legte und sich selber der Länge nach auf den Bauch davor, die Arme auf- qeftutzt, und für die Hungermärsche, die Nächte im Rettungsboot, die Kriegsabenteuer und die mancherlei Forschungsexpeditionen und Ritte durch Urwald und Wüste, an denen ich nun teilzunehmen hatte, vorteilhaft mit etwas Proviant versehen. Mit Pemmikan beispielsweise, dem wunderbar stärkenden Proviant der Savannenläufer, oder mit Schiffszwieback, oder mit der eisernen Ration der preußischen Armee, mit einer Handvoll Datteln wohl auch, oder einem Bündel frischer Fische, wie sie just gefangen wurden. Ich hatte immer genug von diesen Dingen, und es verschlug mir gar nichts, daß sie sich für unverzauberte Augen von Schmalzstullen höchst alltäglicher Abkunft oder von Semmeln mit Pflaumenmus nicht unterscheiden mochten. Vermutlich aber gab es außer mir noch andere Leser, die sich für solche Abenteuer gerne etwas vorsahen, jedenfalls war das aus dem betrüblichen Anblick so mancher Seite zu schließen.
Von außen freilich konnte diesen Büchern so leicht nichts geschehen. Sie trugen ohne Ausnahme über dem Einband einen Schutzumschlag aus sehr derber grauer Leinwand, mit einer Nummer und ein paar geheimnisvollen Buchstaben auf dem Rücken, und auf der Innenseite des Deckels zeigten sie den Stempel der Schülerbibliothek eines königlich preußischen Gymnasiums. Dort nämlich nahm man sie in Empfang, jeden zweiten Mittwoch des Monats, nach Schluß des Unterrichts war Bibliotheksstunde. Es ging etwas drangvoll dort zu, denn nach fünf oder gar sechs Schulstunden wollten alle gerne nach Haufe, auch der Lehrer, her die Bücher-
ausgabe unter sich hatte, und da nun einmal die Großen wirklich größer sind als die Kleinen, so kamen eben die Sextaner zuletzt an die Reihe.
Aber welches Glück, wenn nach langen Aengsten das sehnlichst begehrte Buch doch vor mir lag. „Nun, seht ihn euch an", sagte der Diensthabende etwa, „der kleinste Mann muß wieder die dicksten Bücher haben. Kannst du es denn auch nach Hause tragen?" Ich bejahte es mit einer Stimme, die eng vor Glück war, und auch enge vor Angst, daß er es nun im letzten Augenblick noch anblättern könnte. Denn dann mußte er ja ganz unausweis- lich selber Gefallen daran finden, und ich würde doch noch leer ausgegangen sein.
Welches Glück, wenn ich dann endlich den Band davonschleppen konnte! In den Schulranzen ging er in der Regel nicht mehr, er mußte in der Hand getragen werden, wie der Atlas, der auch zu groß war, aber ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben eine Last freudiger getragen zu haben. Ich hatte damals einen sehr weiten Schulweg, fast eine Stunde war es zu Fuß durch die alte Stadt und durch die Vorstädte und dann noch ein Stück durch das Unbebaute zwischen Stadt und Land. Liber ich gönnte mir unterwegs auch nicht einen Blick in das Buch, das Glück sollte ungeschmälert bleiben, nichts davon vorweg gekostet und vorweg genossen, bis ich es ganz und gar für mich haben würde. Und es war ja auch jetzt schon eine Freude ohnegleichen, der bevorstehenden nun endlich so gut wie sicher zu sein, ja vielleicht war dies schon das Glück selber. Denke ich jetzt daran zurück, so spüre ich noch, wie mir die Kehle pochte und sich klemmte von kleinen Jubelschreien, die nicht geschrien werden konnten oder doch nur nach innen, und ich weiß noch wohl, wie ich mich mit dem klappernden, rumpelnden Tornister auf dem Rücken, den Atlas in der einen, das Buch in der anderen Hand, immer wieder in einen wilden Galopp fetzte, um nur ja recht bald zum Lesen zu kommen.
Dann war noch das Mittagessen zu überstehen, und noch allerlei häusliche Gefahren unterschiedlicher Art, aber sie waren nichts gegen bie schlimmste von allen, daß nämlich ein anderer über das Buch geraten konnte und es anblätterte ober auch nur aufschlug, bevor ich es mir ganz unb gar zu eigen gemacht hatte. Darum verbarg ich es gleich bei ber Heimkunft, ich baute ben Ranzen unb bie Schulbücher barüber unb wenn meine Schwester mich fragte, ob benn heute kein Bibliothekstag gewesen sei, so empfanb ich mit einem Male viel Feindselig- keit gegen sie.
Was aber fürchtete ich denn von einer solchen Mitwisserschaft? Ich fürchtete, daß man mir mit dürren Worten sagen würde, was ich mit dürren Worten auf: keinen Fall hören wollte, und daß man mir
dieser Sohn nun ist vor einem Jahr, nachdem seine Mutter, die es auch bei dem zweiten Mann nicht aushielt, Selbstmord begangen, plötzlich auf der Insel Plat aufgetaucht und hat Thiele gebeten, ob er nicht dableiben dürfe... Robinson erlaubte es ihm. Das ging nicht lange — denn der angebliche Sohn zeigte sich auch seinem angeblichen Vater abgeneigt, es kam zu immer böseren Szenen, bis sich die beiden trennten und seitdem der angebliche Sohn fern vom Vater auf der anderen Seite der Insel haust und ihn von dort her belauert wie eine beutegierige Spinne im Netz...
Warum Robinson den jungen Menschen nicht von der Insel vertreibt, die doch immerhin ihm gehört? —:
„Herr — es könnte ja sein, daß er... trotz allem... wirklich mein Fleisch und Blut ist —!
— Ich muß meine Vergangenheit tragen bis ans Ende ...!" *
Mon schweigt; man wägt erstaunt und ergriffen dies seltsame Menschenschicksal; man rafft sich zu einer unbeholfenen, verlegenen letzten Frage auf:
„Und Sie wollen für immer, bis zum Tode, hierbleiben?"
Schwer kommt es aus dem Dunkeln:
„Für immer. Bis zum Tode. Die Welt hat mir zu weh getan."
Und ganz, ganz leise, nach einer langen Pause: „— aber: — grüßen Sie mir ... Deutschland ..." — Ich vergesse ihn nicht so leicht, diesen deutschen Robinson der Adria... Ich werde ihm schreiben — von Deutschland ...: „Herrn Robinson, Insel Plot, Post Mlini, Dalmatien"... C. C.
9Jt.-$poni
Oas 82. Feldbergfest am 15. und 16 Iuni 1935.
Unter dem Vorsitz feines Leiters Hugo Pfaff (Frankfurt a. M.l hielt der Feldbergfest-Ausschuß seine erste diesjährige Sitzung ab, in der die Gestaltung des 82. Feldbergfestes am 15. und 16. Juni in den Grundzügen festgelegt werden konnte. Wesentlich ist, daß die volkstümliche Eigenart des nunmehr über 90 Jahre alten heimischen Bergfestes wieder stark herausgestellt wird. Das geschieht durch enge Zusammenarbeit mit dem Reichsbund für Volkstum und Heimat, wie auch mit den Sängern und den Wanderern. Beim ersten Feldbergfest 1844, das eine für damalige Zeit gewaltige Massenkundgebung der Turner und Sänger für deutsche Einheit und Freiheit war, führte der bekannte Frankfurter Chormeister und Komponist Heinrich N e e b den Dirigentenstab, und in Erinnerung an dieses Fest der Gemeinschaft wird der Neebsche Männerchor in Frankfurt a. M. sich in den Dienst des großen Volksfestes auf der sagenumwobenen Taunushöhe stellen. Der Begründer der Feldbergfeste war der Frankfurter Kartograph August Ravenstein, der 1868 auch den Taunusklub, einen der ältesten deutschen Ge- birgs- und Wandervereine, ins Leben rief. Eingehend berichtete Hugo Pfaff über feine Pläne für den Aufbau des Feldbergfeftes.
Es fei nur erwähnt, daß am Samstag wie im Vorjahre wieder ein Deutscher Bergabend veranstaltet wird, und daß am Sonntagnachmittag nach den am Vormittag oorausgegangenen Wettkämpfen turnerische Sondervorführungen zu einer großen „Bühnenschau" auf der einzigen Naturbühne des Taunusgipfels werden sollen, lieber das vorjährige Feldbergfest liegen verschiedene lehrreiche Berichte der Leiter des Festes vor, die erst in nächster Sitzung zur Beratung gestellt werden können. Erwähnt sei aus dem umfassenden Bericht des Turnwartes Friede (Frankfurt), daß beim 81. Feldbergfeft 1934 die hohe Zahl von 1246 Siegern zu verzeichnen war, die sich wie folgt verteilen: Gau IX (Westfalen) 3, Gau X (Niederrhein) 4, Gau XI (Mittelrhein) 28, Gau XII (Nordhessen) 223, Gau XIII (Südwest) 944, SA.- und SS.- Formationen 44.
Ski-Meisterschasten in der Rhön.
Am kommenden Wochenende finden in der Rhön bei Gersfeld die Ski-Meisterschaften des Ski- gaues 12/13 statt. Die Meldungen zu dem Rennen find über Erwarten zahlreich eingelaufen. Insgesamt liegen 230 Nennungen vor, die sich auf den Langlauf mit 91, Slalom-Herrnklasse mit 73, Jungmannen mit 9 und Damen mit der gleichen Zahl verteilen. Zum Sprunglauf haben sich 38 Springer aus Frankfurt, Gießen, Kassel, Darmstadt und der Röhn gemeldet. Aus Lang- und
Sprunglauf wird eine Kombinationswertung vor- genommen, wobei der Sieger den Titel eines Ski- meifters im Gau 12/13 (Mitteldeutscher Derbands- meifter) erwirbt. Wer' dieses Jahr den Titel erringt, ist schwer zu sagen. Kassel wird mit den Läufern Brinkmann, Kropf und Sandrock ein Wort mitsprechen können gegen die Rhöner und auch die Frankfurter Lessing,' End und Hartmann. Im Abfahrtslauf wird Darmstadt, das immer einige Norweger in seinen Reihen hat, stark in den Kampf eingreifen. Zur Staffelmeisterschaft liegen 13 Meldungen vor.
Der Sprunglauf wird an der Simmelsberg- schanze ausgetragen. Dieser Sprunghügel läßt Weiten von über 30 Meter zu.
Abfahrtslauf in <3f. Moritz.
Christi Cranz gewinnt, aber kraisy als Bester nur 10.
Bei den IV. Akademischen Weltwinterspielen wurde am Donnerstag der Abfahrtslauf ausgetragen, der für Deutschland eine große Enttäuschung brachte. Sieger wurde der Italiener Guarnieri in 4:00,2. Als bester Deutscher belegt der Münchener Kraisy nur den 10. Platz Dr. Vetter-Freiburg wurde 12., Dehmel 26., Dendl 31. und Mächler 35. Um so erfreulicher war das Abschneiden bei den Damen. Hier belegte Christi Cranz- Freiburg mit der hervorragenden Zeit von 4:26,6 Min. den ersten Platz. Deutsche Ringererfolge in Schweben.
Am Mittwoch abend wurde in Stockholm ein internationales Ringerturnier ausgetragen. Im Schwergewicht siegte der Nürnberger Hornfischer gegen den Tschechen Kiapuch nach Punkten mit 2:1. Siebert (Darmstadt) unterlag im Halbschwergewicht dem Schweden Cadier nach Punkten. Der Münchener Ehrl gewann in 10:45 über den Schweden Sjöberg.
In der Provinzstadt Hüsselohm konnten unsere Vertreter drei Siege erringen. Im Bantamgewicht feierte der Kölner Möchei einen Blitzsieg über Sture Wetterlöv nach fünf Sekunden, und im Federgewicht konnte Hering (München) seine beiden Gegner E. Wetterlöv und H. Pihl nach Punkten besiegen.
Anerkannte Schwimmrekorde.
Mit ber jetzt erfolgten amtlichen Bestätigung von fünf neuen Höchstleistungen hat die deutsche Rekordliste der Schwimmer eine erfreulich starke Verbesserung erfahren. Es handelt sich um folgende Rekorde:
Männer: 200 Meter Brust in 2:43,6 von Erwin S i e t a s - Hamburg am 3. Februar in Leipzig.
Frauen: 200 Meter Rücken in 3:01,4 von Christel Rupke - Ohligs am 11. Januar in Ohligs, 400 Meter Rücken in 6:25,4 von Christel R u p k e am 10. Januar in Ohligs, 100 Meter Brust in
Bilder zeigen könnte, für deren Anblick die Zeit noch nicht gekommen war; sie erlitten dadurch einen Schaden für mich, der nie wieder gut zu machen war. Auch beim Lesen selber erlaubte ich mir darum keinerlei Vorblättern; nur die Hand fühlte zuweilen nach dem noch übrigen Packen ungelesener Seiten. Je dünner er wurde, um so häufiger zwang ich mich aufzuhören oder ich las noch einmal ein Stück zurück, bis das Ende dann doch nicht mehr aufzuhalten war und bis ich wieder draußen stand, dort wo das „wirkliche Leben" war, wie die Erwachsenen sagten, und vor dem sie mir immer etwas Angst machten. Sie hatten aber wohl nicht ganz Unrecht damit, denn gemessen an dem Glück, aus dem ich zurückkehrte, gefiel es mir nicht besonders dort, und daran hat sich eigentlich nichts mehr geändert.
»Abenteuer eines jungen Herrn in Polen."
Vor Jahren, es war noch in den Zeiten des stummen Films, sahen wir eine ganz ähnliche Geschichte auf der Leinwand: „Hotel Stadt Lemberg" hieß das damals, und Pola Negri, die, wie wir kürzlich hörten, jetzt wieder in Deutschland filmt, spielte die Hauptrolle. Beide Male bot die Vorlage zum Drehbuch ein Roman: „Die Abenteuer eines jungen Herrn in Polen" beschrieb der Oesterreicher Alexander Lernet Holenia, und es ist unbestreitbar, daß der Film, der aus seinem Buche entstand, zwar gewisser romanhafter Züge nicht entbehrt, aber auch stofflich und bildlich alles bietet, was man für einen guten, spannenden, dramatisch beschwingten und gleichsam in allen Gelenken federnden Spielfilm braucht: eine große Gesellschaftsszene vor historischem Hintergrund an der Jahreswende 1913/14 bildet den Auftakt für das reiterliche und ritterliche Abenteuer eines jungen österreichischen Offiziers; aus dem idyllischen Vorspiel entwickelt sich schnell eine stürmische Handlung, in der Krieg und Liebe, Flucht und Verfolgung, Spionage und Kriegsgericht, Opfer und Sieg die treibenden und befeuernden Elemente sind. Dabei ist nicht alles ohne weiteres glaubhaft und einleuchtend, aber es mag doch fein, wie eine Vorbemerkung angibt, daß der an sich unbedeutenden Episode eine tatsächliche Begebenheit zugrunde liegt: die Vorgänge haben etwas von der Unmittelbarkeit, vom Schwung und Glanz und wechselnden Glück jener ersten Monate eines lebhaft oorgetragenen Bewegungskriegs, unb es mag schon so ober ähnlich damals an ber Front sich manches zugetragen haben. Wenn wir von Lernet Holenia absehen, bann ist der Film, so wie er sich uns darstellt, bas Werk eines Mannes: Gustav Fröhlich führt
Regie unb spielt zugleich die Hauptrolle. Kein Zweifel, daß die Inszenierung den überaus dankbaren Stoff sehr begabt auszunutzen verstand; die Spielführung beherrscht nicht nur die Aktion, die unmittelbare Dramatik und lebhafte Bewegtheit der Fabel, sondern hat auch stillere Szenen und Stimmungen mit dem rechten Gefühl ins Bild zu bringen verstanden. Daß Fröhlich nach allem, was wir von ihm bisher gesehen haben, auch einen österreichischen Reiterosfizier, fesch, liebenswürdig und mit untadeliger Haltung zu Fuß und zu Pferd, im Ballsaal und vor der Schwadronsfront, würde geben können, war ja vorauszusehen. Aber die schauspielerische Pointe seiner Rolle ist doch die etwas weniger einfache, weniger konventionelle, vielmehr sehr überraschende Verwandlung, die das Abenteuer ihm aufzwingt, und die er auf eine ebenso heitere wie geschickte Weise verwirklicht. Die übrigen Darsteller treten hinter dieser scharf profilierten und fast immer ganz im Vordergrund stehenden Figur des jungen Herrn Leutnants von Keller ein wenig zurück. Gut und sehr sicher wie immer die Tschechowa; Otto T r e ß l e r, den wir aus der „Insel" kennen, hat hier leider erheblich geringere Entfaltungsmöglichkeiten; auch Maria A n b e r g a ft, Fröhlichs Partnerin, bleibt ein wenig blaß unb ungelöst. Zu nennen wären aber noch Stahl - Nachbau r, D u m k e, Hardt, Richter und Schwei- z e r in kleineren Aufgaben. — Es lohnt sich, diesen Film einmal anzusehen; er läuft seit gestern im Lichtspielhaus: im Beiprogramm macht man eine Fahrt auf der Adria von Split nach Dubrovnik mit; außerdem geben die Wiener Sängerknaben ein kleines Gastspiel unb fingen Haybn, Mozart und Brahms.
Kleiner Mmklatsch.
Die Baseler Filmfreunde hatten kürzlich eine kleine Sensation, denn die Baronin Haymerle, wie der Filmstar Liane Haid im bürgerlichen Leben heißt, war persönlich dort abgeftiegen, um der Uraufführung eines Films beizuwohnen, in dem sie bie Hauptrolle spielt. Im Kreise von Verehrern unb Verehrerinnen hat sie dann ein wenig über die lieben Kollegen ausgeplaudert. Paula Wessely, bekannt aus der „Maskerade", wird nicht nach Hollywood gehen. Lilian Harvey hat ihren 28. Geburtstag gefeiert. Hans Albers hat sich ein wenig Paris angesehen. Magda Schneider und Wolf Albach - Re11i sind verlobt. Gustav Fröhlich hat sich von seiner Gattin, der Sängerin Gitta Alp ar, scheiden lassen; sie filmt jetzt mit Werner Fue11erer in Budapest im „Ball im Savoy". Aus ihrer Ehe mit Gustav Fröhlich ist übrigens ein Kind hervorgegangen, um das die gemiedenen Ellern ^ur Zeit prozessieren.
o


