M. 286 Sechster Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
Samstag, r. Dezember 1935
Militär und Gänger helfen dem Winterhilfswerk.
Auftakt zum „Tag der nationalen Solidarität" in Gießen.
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diese Gedanken besonders vor Augen halten und uns immer wieder bewußt werden, daß alles, was wir als deutsche Menschen in dieser Zeit opfern, nicht als Opfer für den einzelnen, sondern für das ganze deutsche Volk gilt. Von diesem Abend als Auftakt des „Tages der nationalen Solidarität" müsse die Parole mitgenommen werden:
„Alle unsere Opfer sind für Deutschland!"
Wie sehr der Redner den Hörern aus dem Herzen gesprochen hatte, bewies der starke Beifall, den sein Appell an die Opferfreudigkeit aller deutschen Volksgeossen auch an dieser Stätte fand. Möchte dieser eindringliche Appell am heutigen Sammeltage der nationalen Solidarität bei allen deutschen Männern und Frauen ein st a r- k e s Echo in Gestalt reicher Opferspenden auslösen!
Für alle Sammler amTag dernationalenSolldaritat
Die Sammelbüchsen müssen bis spätestens am Samstag, 7. Dezember, um 24 Uhr bei der Deutschen Bank abgeliefert sein.
Kreisleitung der NSDAP. Gießen.
Das Musikkorps Infanterie-Regiments 36 unter Leitung von Obermusikmeister Krauße Schmelz dankt den Besuchern, den Militärmusikern und den Sängern für ihr Tatbekenntnis zum
Mit einer prächtigen Konzertveranstaltung in der Gießener Volkshalle am gestrigen Freitagabend wurde der heutige „Tag der nationalen Solidarität" in würdiger Weise eingeleitet. Es war ein sehr guter Gedanke, die Kunst der Instrumentalmusik und des Gesanges zur Eröffnung dieses großen Hilfswerkes einzusetzen und damit eine Brücke zu schlagen von den Werten des Gemüts zu den Werten der materiellen Hilfeleistung, aus denen bedrängten deutschen Brüdern und Schwestern eine Erleichterung ihres Daseinskampfes erwachsen soll.
Für den künstlerischen Teil des sehr genußreichen Abends hatten sich das Musikkorps des Infanterie-Regiments 36 unter Leitung von Obermusikmeister Krauße und ein etwa 250 Sänger starker M a s senchor des Gießener Sängerkreises unter Leitung von Chormeister Groß in uneigennütziger und sehr anerkennenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Die Besucher konnten die erfreuliche Feststellung machen, daß die Darbietungen auch die hochgespannten künstlerischen Erwartungen in vollem Maße erfüllten und ein musikalisches Erlebnis boten, an das man noch lange mit Freude zurückdenken wird.
Der Klangkörper des Jnfanterie-Musik- k o r p s unter der oft bewährten, glänzenden Leitung des Obermusikmeisters Krauße fügte seinem bisherigen hervorragenden künstlerischen Rufe einen neuen bedeutsamen Erfolg an. Mit dem prächtigen „Marsch der hessischen Grenadiere" von Buchwald leiteten die Militärmusiker ihre Darbietungsfolge ein, um im weiteren Verlaufe des Abends mit der wunderbaren Wiedergabe der „Festouvertüre" von Lortzing, der 2. Polonaise von Liszt, mit Szenen aus der Oper „Der fliegende Holländer" von Waa- ner, der Rhapsodie von Friedemann, mit angereihten Stücken aus der Oper „Der Freischütz" von Weber, sodann mit Märschen für Fanfarentrompeten, von denen ein Fanfarenmarsch mit dem Kampflied „Volk ans Gewehr" als Leitmotiv u. W. in Gießen zum ersten Male gespielt wurde, und schließlich mit einem Potpourri mit „Erinnerungen an das Militär" alle Stufen der Musik aufzuzeigen und damit vielfältige Feinheiten aus dem Schaffen deutscher Komponisten zu offenbaren. Die Zuhörer bekundeten ihre gut begründete herzliche Dankbarkeit für die ausgezeichnete Konzertmusik mit starkem Beifall.
Der Maffenchor der Gießener Sänger, der mit feinem glänzenden und fein aufeinander ab- geftimmten Stimmaterial ebenfalls einen prächtigen
Klangkörper darstellte, stellte sich unter der Leitung des Chormeisters Groß aleichfalls auf die vollendetste Stufe des künstlerischen Könnens. Die eindrucksvollen Männerchöre „Mahnung" von Heinrichs, „Deutschland heilger Name" von Baußnern, „Sonnenaufgang" von Cornelius und „Wo gen Himmel Eichen ragen" von Heinrichs wurden in sauberer und kraftvoller Weise gesungen und bekundeten durch die hervorragende Wiedergabe den hohen Stand der Sangeskultur in unseren Gießener Gesangvereinen. Sänger und Chormeister haben allen Grund, auf die prächtigen gesanglichen Leistungen bei dieser Konzert-Darbietung stolz zu sein. Die Zuhörer statteten auch den Sängern mit Recht durch starken Beifall ihren Dank ab.
Kreispropagandaleiter Schmelz, der an Stelle des durch Krankheit in feiner Familie am Erscheinen verhinderten Kreisleiters sprach, stattete den Besuchern herzlichen Dank für ihr Erscheinen ab und betonte dabei, daß sie durch ihren Besuch und die damit bekundete Opferfreudigkeit für das Winterhilfswerk ein lobenswertes Beispiel für die Sammlung am „Tage der nationalen Solidarität" gegeben hätten, das sich diejenigen als Vorbild nehmen müßten, die bei diesem Abend nicht zugegen seien. Weiter sprach der Redner dem Musikkorps des Infanterie-Regiments 36 und seinem Obermusikmeister Krauße sowie den Sängern des Sängerkreises Gießen und Chormeister Groß für ihre vorbildliche uneigennützige Mitwirkung den herzlichen Dank der Kreisleitung und des WHW. aus. Er betonte sodann, daß es gewiß nicht immer leicht sei, den Weg des Opfers zu gehen, aber wir müßten uns doch vor Augen halten, daß es für unser deutsches Volk
keinen anderen Weg zur höhe gebe als nur den Weg des Opfers.
Die Partei und die NSV. seien diejenigen Organisationen, die die schwere Zeit dieses Opferganges unseres Volkes zu tragen berufen feien, und die in Gemeinschaft mit den opfernden Volksgenossen einen wesentlichen Beitrag leisten zur Bewältigung der ungeheuren Aufgaben, die für das ganze deutsche Volk gelöst werden müßten. Niemand solle und dürfe vergessen, daß wir nur durch diese Opfer es möglich machen könnten, das deutsche Volk über die jetzige Notzeit hinwegzubringen in einem Zeitabschnitt, der, an der Größe der Aufgaben gemessen, nur als kurz bezeichnet werden könne. Wir dürften auch nicht vergessen, daß wir als heutige Generation
beim Konzert. Rechts: Kreispropagandaleiter WHW. (Aufnahmen [2]: Photo-Pfaff, Gießen.)
durch unsere Opfer unseren Nachkommen eine Last abnehmen
und ihnen den Weg freimachen für größere Aufgaben, die sie noch zu erfüllen haben werden. Am „Tage der nationalen Solidarität" müßten wir uns
SA.-Konzett amTag dernationalenSolidarM
Von 16 bis 16.45 Uhr am Kreuzplatz.
Von 17 bis 17.30 Uhr am Selterstor.
Kreisleitung der NSDAP. Gießen.
Die Saufirma Gagfah-Abenuauu feiert Richtfest.
Zum ersten Male nach dem Kriege feierte gestern die hiesige Baufirma Abermann mit ihrer stattlichen Belegschaft ein eigenes Richtfest. In den letzten Tagen wurden verschiedene Wohnhaus-Neubauten für Militär-Beamte im Rohbau fertiggestellt und unter Dach gebracht. Es handelt sich dabei um Wohnhausneubauten an der Lessingstraße, die unter der Initiative der „Gagfah" entstanden (die auch
Mitoeranstalterin des Richtfestes war) — ferner um Bauten an der Ecke Bismarckstraße und Nahrungsberg, an der Ecke Gnauthftraße und Goethestraße, am Schiffenberger Weg und in der Schwarzlach.
Die Richtfestfeier vereinigte gestern abend im Cafe Leib neben der gesamten Arbeiterschaft zahlreiche Gäste aus Kreisen der Behörden, der Wehrmacht, der Gagfah usw. Die Betriebsführer nahmen
Links oben: Die große Baustelle der „Gagfah". Oben rechts: Baustelle Schiffenberger Weg. — Unten links: Ecke Gnauthstraße/Goethestraße. Unten rechts: Neue Häuser am Nahrungsberg.
(Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Hase im Gchnee.
Von Zosef Hüsch.
Ich sah nach ein paar niedrigen Birken, in deren Nähe ein dunkler Fleck sich erhob. Neugierig ging ich dort hin und stand unentschlossen vor einem atmenden Etwas. Zerknitterte Halme, struppiges Heidekraut, vermoderndes Laub bedeckten einen Graupelz von Hasen. Er war frosterstarrt, aber er lebte, ich merkte es an seinem Atem.
Ich hob den Langohr auf. Ängezogen von der Wärme, kuschelte er sich tief in das neue Schutzbietende, legte die Ohren flach an und plötzlich zitterte er heftig. Sein schnellpochendes Herz war in meinen Händen wie eine springende Kugel. Der Gejagte fürchtete mich. Ich sprach ihm gut zu. Langohr tapste mit seiner kalten Hasenpfote nach der Ha-nd. Ich wollte ihn fester an mich drucken. Langohr duckte sich und entwich erschreckt. Die Furcht saß ihm hinter den wilflatternden Ohren, als er davon rannte.
Ich sah ihn dahinjagen ... Schwere, graue Wolken hingen in der Luft. Der Nordwind brachte sie zum Platzen; sausend schüttelten sie ihr weißes Wunder aus. Tausende Wolken wirbelten über das Land hin, — in großen Wellen wiegte sich die Weite. Inseln von einsamem Gestrüpp, ein verdorrter und nackter Birkenstamm stach wie der Mast eines versunkenen Schiffes in die weiße Kälte.
Langsam löste sich diese kalte Wirklichkeit in weiche, demutsvolle Gebilde auf.
Langohr blieb vor Staunen in der tiefen Spur eines Pfades hocken. Er schnupperte mit der Nase in die Luft. Jetzt machte er einen hüpfenden Sprung und lief mit anliegenden Ohren der kaum noch sichtbaren Rille nach.
Dieses weiße und weiche Nichts — war ihm doch sehr fremd, obwohl ihm in seiner Einsamkeit nichts fremd war: kein Graben, Erdloch und Pfad, keine Birke, nicht einmal die verschiedenen Kohlgärten der umliegenden Bauernhöfe. Er kannte sogar den Geschmack des glitzernden Taues am blühenden Kraut und staunte nicht mehr über das tiefrote Erglühen der Sommerabendwolken.
Doch die Stimme des Menschen, meine Stimme, konnte er nicht vergessen. Es war immerhin ein Mensch, wie Jäger und Schlingenleger. Dieser zuckenden Stimme war nicht zu trauen, sie war unfaßbar und aufregend, aber dieses Weiße, Tollwirbelnde war ihm ein größeres Wunder.
Unzählige weiße Flocken fielen nieder auf ihn. Er
schüttelte sich und sprang von Zeit zu Zeit hoch. Beim Fallen plumpste er weich: die Läufe versanken, er fürchtete sich vor dem Unfesten, nicht zu Fassenden. Es war ein Graben. Langohr sichtete am Horizont einen dunklen Streifen: das war ein Wald. Um der Sicherheit willen nahm er den Weg dorthin. Er stellte sich auf die Hinterläufe, wollte den Graben erklimmen, glitt ab und versank, stieß mit seiner Schnauze in den Schnee, prustete sprühend die Nässe von sich.
Langohr klatschte die langen Ohren um den Kopf, das sie knorplig knackten. Er versuchte sie keck und steif aufzurichten. Eins fiel müde zur Seite. Bangigkeit schwellte zu einer sträubenden Angst, die seinen Sehnen Spannkraft verlieh. Mit einem kräftigen Ruck schnellte er hoch, überkugelte sich, gelangte aus dem Graben.
Einen Augenblick hielt er an, dann federte er wieder durch das weiße Treiben. Der dunkle Streifen am Horizont breitete sich zu einem grauen, schweren Wolkenschatten aus. Das war kein Wald. Die Luft floß durcheinander. Er wollte dem düster drohenden Horizont ausweichen und lief im Bogen seitwärts.
Erde und Himmel waren eins. Langohr rannte immerzu und kam dabei wieder an den Graben, der jetzt nur noch eine schwache Welle war. Im Sprung setzte er darüber und lief geradeaus weiter. Seine Laufe waren müde und steif. Er ruhte aus, äugte stumpf in die fliegende Weite. Vor Ginsterbuschen schreckte er auf und sah sich wieder auf seinem kreisenden Irrweg. Er war ein Vagabund, der herumläuft und wartet, daß es Abend wird. Manchmal purzelte er erschöpft in ein Gestrüpp. Schneeklumpen platzten auf ihn nieder, er jagte weiter.
In diesem rasenden Lauf sah der Hase nicht daß er geradewegs wieder auf mich zukam. Doch dann: — Schrecken lähmte seine Läufe. Langohr schlug einen Haken, torkelte kopfüber in ein Loch und blieb zuckend liegen.
einem Glück oder einer Erfüllung vorausaeht^ dann - •- " M----- " Lause.
Niemand entlief dem Letzten.
Ich packte ihn und trug den zitternden Graupelz unter dem Mantel nach Hause. Da kauerte er in einem warmen Winkel. Unendlich wehmütig starrten seine Lichter in den Glanz eines Wech- nachtsbaumes. Nun klang leise das zarte Klmgen und Klirren der gläsernen Aepfel Lächelnd schloß die Mutter die Kinder m en dunkles Ammer. Sre lauschten, hielten die Ohren an das Schlüsselloch. Im ganzen Haus war ein großes Warten.
Graupelz spürte noch die stille Veränderung die einem Glück ober einer Erfüllung vorausae" hnnn streckte er mit kristallenen Augen seine L.
Nürnberger Lebkuchen.
Ein appetitliches vorweihnachtlichesKaPitel
Ach, wieviele Tage sind es noch bis Weihnachten! Aber schon wirft das frohe Fest feinen Glanz in die Herzen der Kinder und überall entdecken sie sichere Anzeichen, daß es herannaht. Es duftet schon nach Lebkuchen, Pfeffernüssen, „Springerle" und „Gutsele", wenn sie von der Schule nach Hause kommen, und es gibt nichts Schöneres als Mithelfer zu fein, wenn der nach alten Hausrezepten zubereitete Teig in die kleinen Formen gepreßt wird, die mitunter noch von den Großeltern stammen und mit seltsamen Blumen und Bildern verziert sind.
Alber welches der Kinder weiß, daß es damit in eine mittelalterliche Zunft eintritt, nämlich in die der „Lebzelte r" oder „Lebzelterer", die in manchen deutschen Städten sogar ihre eigenen Gassen befassen, in denen ihre Backstuben, Werkstätten und Läden sich befanden Sie verarbeiteten und verkauften alle Erzeugnisse der Biene; sie schmolzen Wachs und verfertigten Kerzen, und aus dem Honig bereiteten sie köstliche Backwerke, vor allem aber die berühmten Honigkuchen. Der Honig war nämlich in jener Zeit, in der der Zucker eine seltene Kostbarkeit war, das eigentliche Süßmittel, und so durfte es auch in keinem leckeren Gebäck fehlen. Und der Honigkuchen war die Krone aller Backwunder! Er wurde aus Mehl, Honig und Braunbier hergestellt und nach dem Grundsatz, daß sich das Zarte mit dem Scharfen vereinen müsse, reichlich gewürzt. Diese Würzen, die meist aus fernen Ländern stammten und die man nach dem wichtigsten ganz allgemein „Pfeffer" nannte, waren sehr teuer und wurden hoch geschätzt. Aber der Pfefferkuchen, nämlich der gepfefferte Honigkuchen oder Lebkuchen, gehörte nun einmal zum Festschmaus.
Uebrigens wurden die „Lebzelten", die auch reichlich mit Kümmel bestreut wurden, auch bei den Trinkgelagen der Männer gegessen, die dadurch die Kehle zur Aufnahme neuer Flüssigkeiten anreizen wollten. Wenn uns daher in einer alten Chronik berichtet wird, daß ein Graf all sein Hab und Gut „in Lebkuchen" verschluckt habe, so dürfen wir an= nehmen, daß die Pfefferkuchen nur der Anlaß waren, um große Mengen Wein und Bier hinterher zu schicken. So besagt auch ein altdeutscher Spruch: „PfeffeUUEhen und Branntwein wollen stets gute GesellsN sein."
Die Kunst der Lebzelter erlebte in der Renaissance ihre Blütezeit. Da wurden allerorts Pfefferkuchen gebacken, und es war der Stolz jeder Stadt, wenn
die dort gewählten Zutaten, seien es nun Mandeln, Zitronen, Nelken, Kardamom oder Aepfel, dem Lebkuchen einen besonderen Geschmack verliehen, den man anderwärts als besonders hervorragend rühmte. Den größten Ruf erlangten die Nürnberger Pfefferküchler, denn in dieser Hochburg der Handwerkerkunst und des Gewerbefleißes gab es einen besonders feinen Honig. Bis auf den heutigen Tag haben die Nürnberger Lebkuchen ihren Ruhm behaupten können.
„Beim Anblick der Honigkuchen, so in Nürnberg gebacken werden, läuft allen Feinschmeckern das Wasser im Munde zusammen", bemerkt her Nürnberger Chronist Wagenseil im Jahre 1690 voll Stolz. Daneben sind aber auch die „Baseler L e ck e r l i", die „T h o r n e r Katrinchen" und manch anderes Gebäck, das sich mit dem Namen der Stadt schmückte, in der es erfunden und zuerst zubereitet wurde, nicht zu verachten. Uebrigens waren die Lebzelter auch darauf bedacht, dem Auge eine Freude zu bereiten, und so formten sie die Pfefferkuchen zu wundersamen Figuren. Die alten Modellstücke, die in manchen volkskundlichen Museen bewahrt werden, enthüllen geistliche und weltliche Darstellungen, wie Maria mit dem Christus- Eint), Adam und Eva unter dem Baum der Erkenntnis, dann Kreuzigungsgruppen, die Dreifaltigkeit, die Heiligen drei Könige als Reiter, dann ganze Jagden, Soldaten und Teufel, Robinson Cruso und Napoleon, Wagen- und Schlittenfahrten usw.
Die Renaissance bringt viele Wappen, mit denen adlige Familien ihre Pfefferkuchen schmückten. Das Barock wartet mit Patriziern und Damen in riesigen Halskrausen und Reifröcken auf. Im Rokoko wiegt die galante Liebesszene vor, und es fehlt auch nicht an den sogenannten „ABC-Täflein", deren Buchstaben von den Kleinen verschluckt wurden, die sich auf diese angenehme Weise die Lesekunst „einverleiben" suchten. Schließlich wurden Papierbilder ausgeklebt und ein zierlicher Zuckerguß aufgetragen.
Vernichtende Kritik.
Auf einer Gesellschaft, in der ein junger ©eigen- künstler gerade einige Stücke oorgetragen hatte, wurde der englische Dichter Vernarb Shaw nach feinem Urteil gefragt. Der Dichter erwiderte, daß er eine große Ähnlichkeit mit Paderemski feststelle. „Aber Paderewski ist doch gar kein Geigenspieler", sagte die Dame des Hauses. „Eben d'e 9» wege n", bemerkte Shaw und versank wieder ia undurchdringliches Schweigen.


