Ausgabe 
7.12.1935
 
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185. Jahrgang

Ur. 286 Erstes Blatt

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Giessener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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London, 7. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Lon­doner Morgenblätter setzen nur sehr geringe Hoffnung auf die heutige Besprechung in Paris zwischen Sir Samuel Hoare und Laval. Allgemein wird zwar betont, daß der Sieg La­vals in der Kammer als sehr bedeutsamer und g ü n st i g e r F a k t o r für die Festlegung eines gemeinsamen britisch-französischen .Stand­punktes zu bewerten sei, es sei aber äußerst zweifelhaft, ob sich Mussolini überhaupt zu Verhandlungen auf der Grundlage der Pariser Friedenspläne" bereitfinden werde.

Daily Telegraph" meldet, der Aufschub der Ab­reise Sir Samuel Hoares nach Paris auf Samstag sei darauf zurückzuführen, daß der Außenminister zuerst den vom britischen Botschafter in Rom erwarteten Bericht über dessen Zu­sammenkunft mit dem italienischen Unterstaatssekre­tär S u v i ch am vergangenen Donnerstag prüfen wolle. Sir Eric Drummond habe der italienischen

Regierung erklärt, daß Italien im jetzigen Augen­blick g ü n st i g e r e Bedingungen als bei einer unbegrenzten Fortsetzung des italienischen Feld­zuges in Abessinien erhalten könne. Sollte sich der Duce zu Verhandlungen bereit erklären,- dann wür­den die britischen und die französischen Staatsmän­ner die Aufschiebung der O e l s p e r r e, das Verfahren für die Friedensverhandlungen und die Bedingungen, unter denen der Frieden abgeschlossen werden konnte, erörtern. Sollte sich Musso- ini jedoch weigern, dann müßten Sir Sa­

gebote zu erhalten. . ,

Ob dieser Versuch, die im Sommer abgebroche­nen Dreierverhandlungen wieder anzubahnen, aller­dings so schnell zum Ziel führen wird, daß der Sanktionsmaschine des^ Völkerbundes die nächste Umdrehung erspart wird, erscheint immerhin zwei- melhaft. Der Beschluß und die Durchführung einer Oelsperre sind indessen zweierlei. Kems an dem Oelerport nach Italien interessierten Länder hat Lust sich am Boykott zu beteiligen, um vielleicht dem'vorsichtigeren Konkurrenten das Geschäft allein zu überlassen. Daher haben Sowjetrußland und Rumänien bereits erklärt, ohne die Vereinigten Staaten nichts unternehmen zu wollen Und die Regierung in Washington hat zwar erklärt, daß die Unterbindung des Oelexportes nach den knegfuh-

oerbot aufzuzwingen. Auch dann bleiben noch die großen Oelproduktionsländer Mexiko und Vene­zuela, deren Haltung unsicher ist. Es ist also durch­aus zu begreifen, wenn sich Italien durch die Dro­hung mit der Oelsperre nicht auf den ersten An­hieb ins Bockshorn jagen läßt, sondern darauf vertraut, daß es immer Außenseiter geben wird.

k e i t der Anglikanischen Kirche und ihre Stellungnahme gegen denfaschistischen Imperia­lismus" und dasdiktatorische Regime Italiens' als eine indirekte Antwort betrachten. Maß­gebende Kreise legen den größten Nachdruck darauf, festzustellen, daß die Unterhausrede keine neue Grundlage enthalte, von der eine Aenderung und Besserung der Lage erwartet werden könne. Eine diplomatische Lösung werde um so schwieriger, je mehr Interessen berücksichtigt werden sollten. Wolle man wirklich zu einer Lösung kommen, so sollte man damit beginnen, auf die Oelsperre gegen Italien zu verzichten. Unter der Drohung der Oelsperre sei eine Aussprache nicht möglich und ohne Verzicht auf diese Sperre eine Lösung kaum zu finden.

Hoare und Laval einen letzten Appell an richten und sich über die Notwendig- der Anwendung von Oelsanktio- zu einem bestimmten Zeitpunkt

renden Ländern in der Linie ihrer Politik strikter Neutralität läge, aber zu einem regelrechten Verbot für die amerikanischen Oelproduzenten bedarf es eines Beschlusses des Bundeskongresses, der so schnell nicht zu erreichen sein wird. Geheimnisvolles Dunkel umhüllt den sagenhaften Monopollieferungs­vertrag, den die Standard Oil mit der italienischen Regierung abgeschlossen haben soll. Beide Beteilig­ten bestreiten entschieden jedes Abkommen, aber das war nicht anders zu erwarten. Nun wird behaup­tet, der Monopoloertrag läge fix und fertig vor, er werde aber erst unterzeichnet, wenn der Sank­tionsausschuß des Völkerbundes die Oelausfuhr- sperre gegen Italien beschließe. Die Standard Oil Rockefellers beherrscht die nordamerikanische Pe­troleumproduktion, die mit 70 v. H. an der Welt-

rangemacht, aus eigener Kraft einen Kriegsschatz zu­sammenzutragen, mit dessen Hilfe Italien den An­griff des Völkerbundes auf feine Wirtschaft parie­ren will. Königshaus und Geistlichkeit haben sich an die Spitze der Opfernden gestellt und begeistert folgt das Volk ihrem Beispiel. Italien ist ent­schlossen, die Zähne zusammenzubeihen und durch­zuhalten. Diese Bereitschaft zum Aeußersten trifft in England auf die gleiche zähe Entschlossen­heit, die Beendigung des'Abessinienkonflikts zu er­zwingen und nach so häufigem Versagen nun end- lch die Brauchbarkeit des Völkerbundsapparats als Mittel zur Kriegsverhütung zu beweisen. Baldwin sowohl wie Hoare haben bei aller Mäßigung im Ton keinen- Zweifel darüber aufkommen lassen, daß die britische Politik auch nach den Parlamentswahlen den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiterverfolgen werde. Es hätte den Anschein haben können, als ob die aus dem Abessinienkonflikt sich ergebenden Verpflichtungen für England als Mitglied des Völ­kerbundes für die konservative Regierung ein will­kommener Vorwand gewesen sei, um die sanktions­lüsterne Opposition zu zwingen, das große Auf­rüstungsprogramm mitzumachen. Aber der Völ­kerbundsgedanke spielt in der öffentlichen Meinung Englands eine so außerordentliche Rolle, daß an der Aufrichtigkeit der Völkerbundspolitik des Kabi­netts nicht zu zweifeln ist. England ist sich nach langem Schwanken wieder der Verantwortung be­wußt geworden, die ihm feine Macht auferlegt. Es will prüfen, ob der Völkerbund ein brauchbares Experiment für eine Friedenspolitik ist, wie sie für das britische Weltreich lebensnotwendig ist. Es will aber auch nachholen, was es nach der ungewohnten gewaltigen Kraftanftrenguna des Krieges anderthalb Jahrzehnte hindurch vernachlässigte, feine nationale Rüstung. Denn auch England erkennt heute, daß ein scharfes Schwert die beste Sicherung des Frie­dens ist. Das ist eine Lehre, die ihm der Abesfi- nienkonftikt erteilt hat und die es beherzigen wird.

es würden die beiden wichtigen Städte Harr ar und Dschidschiga abessinisch bleiben.

MiensiehttemeneueGrundlage

Kuhle Aufnahme der Hoare-Rede.

Rom, 6. Dez. (DNB.) Die Erklärungen des englischen Außenministers im Unterhaus werden in Italien sehr kühl auf genommen. Die römischen Zeitungen unterlassen jede Stellung­nahme. Selbst die ernste Versicherung, daß England weder die Stellung Mussolinis schwächen, noch das faschistische System zerschlagen wolle, vielmehr ein starkes und von einer starken Regierung geleitetes Italien wünsche, scheint ins Leere gefallen zu sein. Indes kann man den heutigen Leitartikel desGiornale d'Jtalia" gegen die Geistlich-

Schwere Bombenangriffe italienischer Flieger­geschwader auf das abessinische Hanptgnartier. Oer Kaiser und der Kronprinz in Lebensgefahr. - Oie Abessinier melden Beschädigung eines amerikanischen Lazaretts.

wurden das amerikanische Krankenhaus und die Plätze des Roten Kreuzes bombardiert. In den Kreisen der in Dessie weilenden Pressevertreter herrscht große Aufregung. Man erwartet, daß in kurzer Zeit auch Addis Abeba das Ziel italienischer Flieger­angriffe sein wird.

Scharfer Protest m Gens.

G e n f, 6. Dez. (DRV.) Beim Generalsekre­tär des Völkerbundes ist folgendes Tele­gramm des Kaisers von Abessinien vom K.Dezember eingegangen:Seit Beginn der Feindseligkeiten ist uns klar gewesen, daß die ita­lienische Regierung die Taktik anwendet, unser Volk nicht durch ihre eigenen Truppen, sondern einzig durch die Verwendung mechanischer 7N i t t e l und durch eingeborene Trup­pen aus den italienischen Kolonien zu vernichten. Sie kann sich wohl für berechtigt halten, uns zu bombardieren, wenn wir ausziehen, um die Leiden unserer Soldaten zu teilen und um unseren Boden zu verteidigen. Aber das Bombardieren offener Städte wie Dabat und Gondar und zahlreiche Dörfer mit friedlicher Bauernbevölkerung und ohne Truppen und Verteidigungsmittel sowie das Töten von Frauen und Kindern und das Bombar­dieren von Lazaretten des Roten Kreuzes sind unbestreitbar Verletzungen des in­ternationalen Rechtes. Die Beschießung eines Laza­retts ist heute in Dessie erfolgt und von vier Merkten, den Doktoren Dassius, Lob, Schuppler und Bellot, und von den Berichterstattern von Associated Preß, Times, Reuter, Chicago Tri­büne und Daily Erpreß f e st g e st e l l t worden. Wir haben selbst den Tod einer Frau und zweier Kinder

Heute Jusammenkunst zwischen Hoare und Laval

3n London besteht wenig Hoffnung auf eine Verhandtungsbereitschast Mussolini».

Diese zwangsläufige Verzögerung in der weiteren Inbesitznahme derjenigen Teile Abessinien, auf die Italien Anspruch erhebt, kann natürlich nicht ohne Einfluß auf die Stellung Italiens in den diplo­matischen Verhandlungen bleiben. In Paris haben sich die Kolonialsachoerständigen Frank­reichs und Englands zusammengesetzt, um einen neuen Vermittlungsvorschlag auszuarbeiten, die die Grundlage für Friedensoerhandlungen bieten kann. Die britische Regierung hat auch nach den Parla­mentswahlen wiederholt erklären lassen, daß ein Friedensvorschlag nur bann Aussicht auf die Zu­stimmung Englands haben werde, wenn alle drei Partner des Konflikts: Italien, der Völkerbund und Abessinien mit den Vorschlägen einverstanden sein könnten. Der von den Kolonialsachverständigen aus­gearbeitete Plan scheint sich aber allzu eng an den im Sommer auf der Pariser Konferenz aufgestellten Plan anzulehnen, den Italien damals schon als gänzlich undiskutabel abgelehnt hatte. Man will wohl, abgesehen von der Provinz Ogaden im Süden, auf die Abessinien anscheinend gutwillig ver­zichten würde, den Italienern Adua und einige Landstriche im jetzt okkupierten Gebiet überlassen, mit Ausnahme von Aksum, der heiligen Stadt der Abessinier, aber im übrigen soll sich die italienische Einflußnahme auf eine wirtschaftliche Durchdrin­gung des im übrigen als souveräner Staat bestehen bleibenden Kernlandes beschränken, ja, die Italiener sollen Abessinien, sogar noch einen Hafen an der Eritreaküste mit Zugang durch einen Korridor ein­räumen. Es ist kaum denkbar, daß Italien heute nach militärischen Erfolgen und einem Engagement sehr beträchtlicher wirtschaftlicher Kräfte in dem beanspruchten Lande einen Plan gutheißen wird, der gegenüber dem vor Beginn der Feindseligkeiten abgeiehnten Vorschlag kaum sichtbare Vorteile bietet. Nimmt man noch hinzu, daß Italiens Pre­stige als Großmacht durch die Sanktionspolitik des Völkerbundes auf eine harte Probe gestellt ist, ein Punkt, in dem die Italiener nach der schoflen Behandlung in den Pariser Friedensschlüssen be­greiflicherweise besonders empfindlich sind so ist tatsächlich kaum zu sehen, wie hier eine Verständi­gung gesunden werden kann.

In Paris wirb heute Sir Samuel Hoare au: der Durchreise nach der Schweiz erwartet, wo er als eifriger Schlittschuhläufer einen längeren Er­holungsurlaub verbringen will. Der britische Außen­minister hat eben dem neugewählten Unterhaus sein außenpolitisches Programm entwickelt. Es ist überall dort, wo die Interessen des brittschen Welt­reiches berührt werden, in China, Aegypten und

denen ein gutes Geschäft lieber ist, als das Renom­mee des Völkerbundes.

Bei der gewaltigen Anspannung der italienischen Staatsfinanzen werden allerdings die an einem Oelgefchäft Interessierten der leidiaen Geldfrage einige Aufmerksamkeit schenken müssen. Wenn da­von gesprochen wird, daß die Standard Oil den Italienern einen beträchtlichen Lieferungskredit ein­räumen werde, so ist daraus schon ersichtlich, wo den Italienern der Schuh drückt. Mit einem bewunde­rungswürdigen nationalen Schwung hat das ita­lienische Volk auf den Aufruf des Duce hin sich da-

Addis Abeba, 6. Dez. (DNB.) Wie von abessinischer Seite gemeldet wird, erfolgte am Freitagvormittag zwischen 8 und 9 Uhr ein gro­ßer Fliegerangriff auf das abessini­sche Hauptquartier in Dessie. Die Italie­ner, die die Stadt mit neun Caproni-Flugzeugen angriffen, sollen einige hundert Bomben abgeworfen haben. Von den Folgen des Luft­angriffs soll auch das amerikanische Ho­spital in Mitleidenschaft gezogen worden sein, auf dessen Gebiet eine Reihe Presseberichterstatter in einem Zeltlager lebte.

Bei dem Fliegerangriff befand sich der Kaiser in größter Lebensgefahr. Im Verlaufe der drei Bombenangriffe auf die Stadt wurde auch der Palast des Kronprinzen, in dem der Kaiser Quartier bezogen hatte, schwer getroffen und geriet in Brand. Obwohl ein Teil des Gebäudes bei dem Bombardement .zerstört wurde, gelang es dem Kaiser und dem Kronprinzen, sich in Sicherheit zu bringen. Beide blieben unverletzt. Es heißt, daß bei dem Fliegerangriff 32 Personen getötet und 100 ver­wundet worden sein sollen. Der Kaiser und der Kronpinz begaben sich in das Hospital, wo sie die Verletzten besuchten, unter denen sich auch der belgische Zensor Leutnant Lefrepont befindet.

Ein italienisches Flugzeug soll abgeschossen wor­den sein. Die italienischen Flieger näherten sich im Geschvaderfluge gegen 8 Uhr früh Dessie und ver­teilten sich dann. Die Flugzeuge gingen bis auf 2 0 0 Meter herab und bombardierten alle Gebäude, die weithin sichtbar waren. Die Angriffe auf Dessie wiederholten s i ch innerhalb einer Stunde mehrere Male, wobei einige hundert Bomben abgeworfen wurden. Das Abwehrfeuer setzte sofort beim Beginn des Bombenabwurfes ein, wo'rauf die Flugzeuge gleich größere Höhen aufsuchten und von dort aus den eisernen Regen über die Stadt abwarfen. Gleich beim ersten Angriff der tieffliegenden Flugzeuge

Hart aus Hart.

Der bisherige Oberbefehlshaber der italienischen Truppen in Abessinien, Marschall d e B o n o, ist bei feiner Rückkehr nach Rom von Mussolini mit be­tonter Herzlichkeit empfangen, roorben. Man wollte anscheinend den Eindruck vermeiden, als ob Mei­nungsverschiedenheiten zwischen der politischen und militärischen Leitung den Kommandowechsel verur­sacht hätten. Mussolinis Vorliebe für einen häufigen Wechsel in der Verwendung seiner engeren Mit­arbeiter ist bekannt. Die Ablösung de Bonos durch den Chef des Generalstabes, B a d o g l i o , brachte man indessen mit dem Wunsch in Verbindung, in Abessinien schneller zu sichtbaren Erfolgen zu kom­men, als bisher, um für die mit einigen Pausen ja trotz der Völkerbundssanktionen immer noch fort­geführten Verhandlungen zwischen den am Abes­sinienkonflikt in erster Linie interessierten drei Groß­mächten ein Faustpfand in die Hände zu bekommen. Aber diese Erfolge scheinen bislang auch dem neuen Oberkommandierenden versagt geblieben zu sein. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz sind dürftig und widerspruchsvoll. Immerhin weiß jetzt auch die abessinische Heeresleitung Teilerfolge an allen Fronten zu melden, nachdem der Aufmarsch des Gros ihrer Truppen nach der sehr umständlichen und langwierigen Mobilmachung anscheinend be­endet ist und die abessinische Hauptarmee nach einem bestimmten Operationsplan in Aktion zu treten scheint. Im Norden konzentrieren sich die Kämpfe einmal um M a k a 11 e, das die Abessinier zuruck- zuerobern trachten, zum andern um den Takaz- z e f l u ß , in dessen Tal die Abessinier den italie­nischen Truppen den Vorstoß auf das wichtige Gon­dar nördlich des vielbesprochenen Tanasees im eigentlichen Stammesgebiet der Amhara zu ver­legen suchen. Seit Tagen schon wird von beiden Seiten der Beginn einer großen Entscheidungs­schlacht an der gesamten Nordfront angekündigt, aber die spärlichen Nachrichten sind zu undurchsich­tig, um sich ein genaues Bild von den Operations- plänen machen zu können. Im Süden ist der Vormarsch auf Harrar, der die strategisch zweifellos entscheidende Verbindung mit der Nordarmee an der Grenze von Britisch- und Französisch-Somali­land und über die Bahnlinie Addis AbebaDjibuti einleiten solltt, offenbar ebenfalls zum Stehen ge­kommen. Die Schwierigkeiten scheinen hier in der Wüste des Ogaden-Strichs mit der Entfernung von der Operationsbasis und d^r Ausdehnung der Etap­penstrecken beträchtlich zu wachsen. Die Heeresbe­richte der beiden Gegner lassen sich schlecht zusam­menreimen. Nur soviel scheint mit einiger Sicher­heit festzustehen, daß die Italiener sich an allen Fronten in der Verteidigung befinden, ob beabsich­tigt, oder durch feindliche Einwirkung, muß dahin­gestellt bleiben. Jedenfalls wird die Heimat in der Presse durch militärische Sachverständige darauf vorbereitet, daß nach den schnellen Anfangserfolgen bei Adua, Aksum und Makalle mit einer neuen und wesentlich anders gearteten Phase des Krieges gerechnet werden müsse, nachdem auch Abessinien größere und besser bewaffnete, von europäischen Offizieren ausgebildete und wohl auch beratene Truppeneinheiten ins Feld stellt.

Abessinien auf Mäßigung und Ausgleich abgestellt. Soll man die Beorderung eines Teils der seit dem Sommer beträchtlich verstärkten britischen Mittel­meerflotte zu Uebungen im Atlantischen Ozean als eine solche Geste der Bereitwilligkeit zu entgegen­kommenden Verhandlungen deuten? In der eng­lischen Presse wird dies bestritten und die Maß­nahme mit der Notwendigkeit seemännischer Uebun­gen der Schiffsbesatzungen erklärt. Wir entsinnen uns, daß England noch vor wenigen Wochen es ab­gelehnt hatte', nach dem Rücktransport einer italie­nischen Division aus Libyen nun auch seinerseits seine Mittelmeerflotte entsprechend zu vermindern, obroobl Frankreich sich warm dafür eingesetzt hatte. Die Franzosen hängen fest im englischen Schlepp­tau, sie werden wie den bisherigen Sanktionen auch der Oelsperre zustimmen, falls der Völker-, erzeugung den Löwenanteil hat. Man ersieht daraus, bundsausschuß, der auf ihr Betreiben bis zum! welche Bedeutung für die erdölerzeugenden Mtt- 12 Dezember vertagt worden war, diese für Italien oliedsstaaten des Völkerbundes Rumänien und reckt heikle Maßnahme beschließen sollte. Aber La-1 Sowjetrußland die Frage haben muß, ob die Regie- oal bemüht sich emsig, den Faden nach Rom nicht; rung der Vereinigten Staaten gegebenenfalls in der abreiften zu lassen Er wird jetzt in Paris sicherlich! Lage sein wurde, der Standard Oil em Oelausfuhr- alles daransetzen, um von Sir Samuel Hoare die h,<>

Zustimmung zu einer neuen Fühlungnahme in Rom auf Grund irgendwelcher weiterreichender An-

muel Rom feit n e n

einigen.

Wie Reuter aus Paris meldet, sind noch b e - trächtliche Unterschiede zwischen den eng­lischen und französischen Vorschlägen vorhanden. Die Hauptschwierigkeit bestehe darin, daß Laval eine Regelung mit Mussolini nurdurch die A b- tret'ung der Tigre-Provinz für möglich halte, während England anscheinend nicht bereit sei, über die Rahmenvorschläge hinaus­zugehen, die dem italienischen Botschafter am Mitt­woch durch Laval überreicht wurden.Daily He­rold" meldet, daß die Aussicht auf eine friedliche Regelung mit Mussolini endgültig vernichtet sei und daß Laval und Hoare voraussichtlich schon heute in Paris beschließen würden, dem Völkerbund die sofortige Einführung der Oelsperre vor­zuschlagen. Der Duce habe der französischen Re­gierung mitgeteilt, daß er keine Verhand­lungen erwägen wolle, die -irgendeinen G e- bietsaustausch mit Abessinien vorsehen. Gleichzeitig sei mehreren kleineren Völkerbundsstaa­ten von Italien angebeutet worden, daß es die diplomatischen Beziehungen mit jedem Staat ab- brechen wolle, der 'die Sanktionen in Genf unter­stütze.

News Chronicle" will wissen, daß England ge­wisse abessinische Gebietsabtretungen an Italien be­willigen würde, und zwar ein Streifen von Tigre im Norden einschließlich Adua aber o h n e A k - (um, ein Streifen der Danakiel-Wüste, ein Teil von Ogaden mit dem Fluß Webbe-Schebeli als Westgrenze bis einem Punkt, wo sich der 8. Breitengrad und 42. Längengrad schneiden. Die Nordwestgrenze würde sich bei Aram Areh an die Grenze von Britisch-Somaliland anschließen, d. h.