haben.
cht fertige Lösung,
gegen spröde Haut
Kunst unb Wistensthast.^ INinislerpräsident Goring übernimmt das umgebaute Staatliche Schauspielhaus in Berlin.
mit starkem nationalen Empfinden erfüllt und die militärische Äugendausbildung gesetz-
satzbereitschaft aus.
Universität Marburg wird Sih des Kreises V der Deutschen Studentenschaft.
Der Sitz des Kreises V der Deutschen Studentenschaft, der die Hochschulen Marburg, Münster, Köln, Bonn, Aachen, die Hochschulen für Lehrerbildung in Weilburg und Dortmund sowie die Medizinische Akademie in Düsseldorf umfaßt, ist von Münster nachMarburgverlegt worden. Als neuer Kreisführer wurde der Referent für weltanschauliche Ausbildung der SA.-Brigade 48, Studienassessor Klaus Retzlaff, ernannt.
der Wahlgesehgebung. Nicht der einzelne Hut das Stimmrecht, sondern nur leroeite das Familienoberhaupt darf vor die Wahlurne treten. Zu wählen sind insgesamt 90 Abgeordnete in die Nationalversammlung, des weiteren die Vertreter der Ständekammer, die aus den wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen Organisationen und aus den Selbstverwaltungskörperschaften hervorgehen. Das neue portugiesische Parlament ist also nicht dem Spiel der Parteien ausgesetzt. Was an politifchen Organisationen bestand, ist heute in der „Ratio- nalen Union“ zusammengefaht.
Seit fast einem Jahrzehnt von inneren Schwierigkeiten verschont geblieben, hat sich das Land kraftvoll dem Neuaufbau widmen können. Das dicht besiedelte Land kann heute als Erfolg der Regierungsarbeit melden, daß es eine Arbeitslosigkeit praktisch kaum noch gibt. Ueber dem Wirtschaftshlmmel Portugals ist wieder die Sonne aufgegangen, und der Ausblick in die Zukunft könnte hell und hoffnungsvoll erscheinen, wenn es nicht die Sorge um das Kolonialreich gäbe. Die wichtigsten portugiesischen Kolonien Mozambique und Angola, in Ost- und Westasrika, sind allerdings von englischem Gebiet eingeschlofsen, und auf das Wort der Engländer vertraut der Portugiese, auf das Ätzort der Engländer, die sich> ver- 1—,:j' " m Schutze dieser Kolonien verpflichtet
Kleines Land im Schalten.
Portugal, eine Nation im Aufbau! - Unter der Schirmherrschaft des britischen Weltreichs. - 3m Lebenskreis des Atlantik.
Von unserem W. S.-Mitarbeiier.
Im Rahmen einer kleinen Feier übernahm Ministerpräsident Göring das ' umgebaute Staatliche Schauspielhaus in Berlin, dessen großzügiger Umbau als eine Wiederherstellung des Schinkelschen Baues im Geiste seines Schöpfers bezeichnet werden muß.
Der preußische Finanzminister Prof. Dr. P o p i tz übergab als Chef der seinem Ministerium angeglie- derten Hochbauverwaltung das Haus dem Ministerpräsidenten, der gleichzeitig der oberste Chef der preußischen Staatstheater ist. Der Umbau wurde notwendig, so führte der Minister u. a. aus, weil er in technischer und sozialer Hinsicht schon lange nicht mehr den Anforderungen der Neuzeit entsprach. Der Minister bezeichnete das jetzt fertige Werk des Umbaues als eine g l ü ck l i ch e L o f u n g, gleichzeitig als eine Abtragung einer Dankesschuld an den Meister Schinkel.
Ministerpräsident General Goring übernahm das Haus mit Worten des Dankes an alle, die an dem Umbau beteiligt gewesen sind. Gerade beim Staatlichen Schauspielhaus, so erklärte der Mi- nisterpräsident u. a., lagen die Dinge bei der Machtübernahme besonders im argen. Dieses Haus, das nicht nur für Berlin, sondern für ganz Deutschland im Schauspiel hätte führend sein sollen war von fast allen Berliner Theatern damals überflügelt worden. Durch Berufung erster Künstler sei es gelungen, wieder an Boden zu gewinnen, und unter der Leitung des Intendanten Gründgens habe in künstlerischer Richtung ein ungeahnter Aufstieg begonnen. Der Minister drückte Staatsminister Dr. P o p i tz seinen Dank für dessen Tatkraft und Ein-
sührung ist nicht jedermanns Sache, ist letzten Endes eine Temperamentsfrage. Aber sie kann auch an - erzogen oder zum mindesten gefördert werden. Schon der Rekrut der Kavallerie lernt im Galopp denken. Wer von uns entsinnt sich nicht des oft geschauten Kasernenhofbildes: Die Rekruten sausen mit Husten fest, ohne Zügel und Bügel durch den Sprunggarten. Der Leutnant steht am Zaun und ruft dem Dorbeijagenden zu: „Krupjuweite, wie alt ist Ihre Großmutter?“ Und Krupjuweite brulltt „68 Jahre, 4 Monate, 3 Tage, Herr Laltnont! Ob es stimmt, wer weiß es. Aber hätte er sich verblüffen lasten, hätte er noch einmal den „Höllen- weg" zurücklegen müssen. Für die jungen Reiteroffiziere ist das Jagd- und Rennreiten eine gute Vorschule und bei jedem Kavallerieexerzieren, jedem Kavalleriemanöver ist das Befehlen aus dem Sattel von jeher gang und gäbe gewesen und schulmäßig geübt worden.
Bei den motorisierten Truppen wird es in Zukunft nicht viel anders sein können. Sportliches Kraftfahren, sportliches Fliegen, wird auch hier die Geister beweglich und entschluhkräftig machen mästen. Wer je auf der Erde oder in der Lust hinter einem Motor gesessen hat, der weiß, wie rasch man sich „verfranzt“, d. h. schon räumlich den rechten Weg verfehlt. Wer im Kriege Kraftwagentransporte mitgemacht hat, weiß, welche schweren taktischen Folgen solches „Verfranzen" haben kann.
Die Franzosen wollen daher eigene Pfadfinder (Eclaireurs) für die Führung motorisierter Kolonnen ausbilden. Es sollen Reserveoffiziere sein, die eine Prüfung im Kartenlesen und in fremden Sprachen bestanden und bei ihren militärischen Hebungen bewiesen haben, daß sie sich in schwierigen Lagen zu helfen wissen. Man will sie am Schluß ihrer fahrtechnischen Ausbildung als Zivilpersonen kurze Fahrten ins Ausland unternehmen lassen, auf denen sie sich mit den Karten und der Art der Wegebezeichnung des betreffenden Landes
vertraut machen.
Vom Wegweisen bis zum taktischen Führen ist noch ein weiter Schritt. Der taktische Führer motorisierter Verbände muß Weg und Geschwindigkeit des eigenen und des feindlichen Verbandes jeden Augenblick übersehen und berechnen, muß seine Truppe dementsprechend in Sekundenschnelle Herumwerfen können. Dabei sitzt er nicht etwa in frischer Luft mit einem freien Ueberblick über Gelände und Truppe im Sattel, sondern in der Gluthitze und im Oelbrodem des engen Fuhrer- tcmks, sieht von der Außenwelt nur einen kleinen Ausschnitt durch die Sehschlitze oder das Strobi- skop und ich im übrigen auf fein Funk- und Kommandogerät angewiesen, das ihn mit seiner Aufklärung auf der Erde und in der Luft, mit seinen vorgesetzten Dienststellen und seinen unterstellten Kampfwagen verbindet. Es werden starke Nerven und eiserne Gesundheit notig sein, solchen Belastungsproben standzuhalten. Die höhere Führung wird sich noch mehr als in früheren Jahrhunderten daran gewöhnen müsten, daß sie — wenn sie einmal den Pfeil vom Bogen geschnellt, die motorisierten Verbände losgelasten hat, nicht mehr Herr über Raum und Zeit ist, daß die Truppe ihr dann mehr ober minder entglitten und nur in den seltensten Fällen abzudrehen ober gar zuruckzuholen ist. Sie wirb in ihren Stäben Männer haben muffen, die auf bas engste mit ben heute gültigen Begriffen von Raum unb Zeit vertraut sind unb sie in bas taktische unb strategische Gedankensystem, in bie ewigen Gesetze der Kriegskunst einzupaffen wisten.
Die türkische Armee.
Kemal Pascha ist es dank seiner zähen Energie gelungen, trotz der Armut weiter Bevölkerungs- kreise unb der großen Ausdehnung des Landes — die Türkei ist rund doppelt so groß als Deutschland bei nur 15 Millionen Einwohnern — eine Wehrmacht zu schaffen, durch die fein Land heute überall eine achtunggebietende Stellung einnimmt.
Oberbefehlshaber der Wehrmacht ist Kemal Pascha selber. An der Spitze der Armee steht der Chef des Generalstabes. Das Heer besteht aus 9 Armeekorps mit zusammen 18 Infanterie- und 3 Kavallerie-Divisionen, ferner 3 Gebirgs-Brigaden. Die Bewaffnung ist noch nicht einheitlich. Die Infanterie führt das deutsche Gewehr 98 und das russische Gewehr 7,65 Millimeter, das 1. Maschinengewehr Hotchkiß und das 1. M.-G. Chauchat;
l a st aufgebürdet, die wir jetzt noch gewissenhaft bezahlen. Der einzige Vorteil, den Portugal gehabt hat, ist moralischer Natur: die Treue gegenüber seinen Verpflichtungen und die gewissenhafte Erfüllung eines Bündnisses, auf die es mit Recht stolz ist." Auf der anderen Seite kann nicht Übersehen werden, daß England jede Gelegenheit ergriff, auch von sich aus die Rechte Portugals zu schützen. Die Jahrhunderte zeigen, wie England Portugal gegen Spanien schützte. Die Geschichte lehrt auch, wie Groh-Britannien feinem Partner in treuer Erfüllung seiner vertraglichen Pflichten das Kolonialreich sicherte. Gerade in diesen Tagen politischer Hochspannung wirft eine Erklärung des portugiesischen Außenministers Dr. Monteiro ein bezeichnendes Licht auf die englisch-portugiesischen Verbindungen. Der Minister äußerte sich zu den Gerüchten, die in der Weltpresse über eine Abtretung von portugie- fischen Kolonien verbreitet sind. Dr. Monteiro betonte, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren und hob dann mit Nachdruck hervor: „England hat sich vertraglich verpflichtet, unser Kolonialreich zu verteidigen, unb England hat fein Wort uns gegenüber stets gehalten."
Wie hier Portugals außenpolitische ßime völlig im Zeichen Großbritanniens steht, so ist es innerlich heute völkisch und politisch neue und eigene Wege gegangen, wie sie weder England noch eine andere Nation gewiesen hat. Es ist jetzt bald ein Jahrzehnt vergangen, seit das Militär die Kräfte der Unruhe unb bes Zerfalls, bie sich nach dem Kriege auch in Portugal der Staatsführung bemächtigte, davonjagte. Am 28. Mai 1926 übernahm General Carmona die Staatsführung, unterstützt von 01 i d e i r a , der zuerst das Amt des Finanzministers bekleidete und später portugiesischer Ministerpräsident wurde. Unterstützt von Armee und Kirche, begann in schnellem Tempo der Neuaufbau, dessen Segen das Land bald spuren durfte. Wenn man die Erziehungsarbeit am Volk auf eine Formel bringen darf: die starke Staatsführung hat ein selbstsüchtiges Eigenstreben, einen schon ms Krankhafte gesteigerten Individualismus, der schon so oft bei den romanischen Völkern verhängnisvolle Auswirkungen fand, eingedämmt und eine v e r - antwortungsbewußte Gemeinschaftsarbeit angestrebt. Dieses Bemühen spricht aus allen Gesetzen, spricht besonders eindringlich aus
Goethe-Bund.
1. Dichterabend: Heinrich Lersch.
Gestern sprach in der Neuen Aula auf Einladung des Goethe-Bundes der rheinische Arbeiterdichter Heinrich Lersch, der vor kurzem mit dem Rheinischen Dichterpreis ausgezeichnet wurde, aus seinen Werken. Er begrüßte die zahlreiche Zuhörerschaft, in der bie Jugend stattlich vertreten war, unb sagte zu Beginn, er freue sich, bei uns in Gießen sprechen zu Dürfen. Dann begann er zu sprechen, nicht vorzulesen, sonbern frei aus dem Gedächtnis den ganzen Abend lang, frisch und mit klarer, den Raum füllender Stimme, oft mit dem gemütvollen Klang feiner rheinischen Mundart.
Wie die Tiere ihr Bett machen.
Die Schlafgewohnheiten der Tiere ähneln denen der Menschen in mancher Hinsicht in erstaunlicher Weise. Zwar wählen bie Säugetiere ihre Lagerstätte nach Wohnort und Lebensweise in sehr verschiedenen Formen. Bald dient ihnen der harte Erdboden als Lager, bald das engverflochtene Gebüsch, ein hohler Daum oder eine Felsspalte. Auf der weiten Meeresflut treften in tiefem Schlaf Seehunde und Walfische; andere Robben suchen den warmen Sand einer einsamen Nehrung als Schlafplatz auf. Vielfach aber bereiten sich die Säugetiere vor dem Schlafengehen ihr Bett. Nicht alle tun dies mit Sorgfalt unb wohlüberlegter Kunst; boch es gibt Tiere, die dem Menschen in der Einrichtung ihres Bettes an Umständlichkeit nichts nachgeben. Die Schlaftnulbe, die sich der wilde Hund unb der Wolf im hohen Steppengras zurechtwälzen, ist noch sehr primitiv. Von ihnen führt eine stufenreiche Entwicklungsreihe ber Lagerbereitung bis zu ben menschenähnlichen Affen hinauf. Die großen Affen ber Sundainseln bauen auf den Kronen hoher Bäume jeden Abend neu ihre Lagerstätte. Zunächst biegen sie starke Aeste zusammen und ducchflechten sie sorgsam mit abgebrochenen weich- belatchten Zweigen und kleinem Reisig, bis so ein fester napfförmiger Sitz entsteht, der ihnen eine behagliche Nachtruhe gewährleistet. Weniger architektonisches Geschick verraten die Schlafnester von Gorillas unb Schimpansen, obwohl auch sie sehr behaglich und bequem sind. Aber es gibt nicht nur Tiere, die sich ihr Bett bereiten, sondern auch solche, die eigens ihr Nachtkleid anlegen. Wenigstens kann man so die Umfärbung mancher hochorganifierter Tiere im Schlaf bezeichnen. Der Fisch Stenostomus chrysops vertauscht z. B. fein in silbernen Reflexen spielendes Tagkleid mit einem dunkel bronzefarbenen Nachtgewand, das sechs schwarze Querbinden gieren. Der Bachsaibling gibt in der Dunkelheit feine lichte Färbung auf, und bei den Seezungen prägen sich nachts die Fleckungen schärfer aus. Die indische Stabheuschrecke legt im Schlaf das saftgrüne Kleid ab, das sie am Tage trägt, und nimmt eine dunkle Nachtfarbe ön. Am auffallendsten zeigt sich dieser Farbenwechsel beim Schlaf bei der an ben europäischen Küsten weitverbreiteten Garnele Virbius varians. Diese Tiere kleiden sich zur Nachtzeit alle gewissermaßen in eine gleichmäßig neue Uniform, während sie im strahlenden Tageslicht eine fast unerschöpfliche Mannigfaltigkeit der denkbar verschiedensten Zeichnungen und Farben haben. Man erklärt dieses „Anlegen des Nachtgewandes" beim Tier aus boffwechselprozeffen und aus Pigmentwanderungen in den Unterhautzellen.
Erinnerungen ausgekramt, sondern es wurden da Erlebnisse berichtet, die dem Menschen Lersch wichtig und wegweisend gewesen sind für sein Leben, die ihn innerlich formen und erziehen halsen. Vieles hörten wir noch: vom beistschen Aufsatz, vom nächtlichen Brand und van „Liekefetts Realienbuch“, aber auch von den beiden Wegen, di- eine Weile, wie es bei Kameraden geht, nebeneinander laufen; aber dann trennen sie sich, und der eine führt ins Konzentrationslager, der andere in die Dichter- akademie. Und weiter vom ersten Gedicht und vom ersten Honorar und von einem „unbekannten Volksliede des 20.Jahrhunderts“; von der Rätselhaftigkeit der Frauen und wieder von der Mutter und ihren Märchengeschichten, vom Ueberdruh am Schreiben und von der Rückkehr zum Amboß der Kesselschmiede. Den Ausklang bildete, mit einem vollen Akkord zurückmündend in Stimmung und Rhythmus der zu Beginn gesprochenen Gedichte das schone und kraftvolle „Bekenntnis": „Ich glaub an Deutschland wie an Gott." —
Die Hörerschaft folgte mit gesammelter Aufmerksamkeit und dankte mit herzlichem Beifall. —y—
Zeitschriften
— Der weitaus größte Teil alles besten, was die Menschheit heute an technischen Einrichtungen besitzt, ist erst in den letzten 200 Jahren entstanden. „Zwei Jahrhunderte des Eisens und Stahls“ heißt deshalb ein Beitrag in der Novemberfolge von Westermanns Monatsheften, der, durch farbige Bildwiedergaben besonders anschaulich gemacht, eine Geschichte menschlicher Arbeit und em Ruhmesblatt der Technik darsteltt. Ein Beitrag zu dem von Westermanns Monatsheften ausgeschriebenen „Deutschen Uebersee-Preis" ist der Aufsatz von Dr. Walther Linden „Dichtung der Ueberfeedeut- schen". Zum 25. Todestage Wilhelm Raabes erzählt Dr. Abitz-Schultze, der Vorsitzende des Verems Raabe-Stiftung, von persönlichen Erinnerungen an den Dichter. Von der Welt der nordftiesischen Eilande und Halligen berichtet Dr. Fritz Bose; die dem Aufsatz beigefügten Aufnahmen des Verfassers sprechen von Kampf, Sorgen und Freuden der Halligbewohner. Der unterhaltende Teil bringt neben dem großen Roman von Josef Magnus Wehner „Stadt und Festung Belgerad ..." zwei Novellen „Der Mann von der Rigaer Brücke" von Kurt Martens und „Panuanoah" von Konrad Seiffert; ferner die Aufzeichnungen des ehemaligen kaiserlich russischen Handelsattaches Alexander von An- । dreevsky, die bisher unbekannte Tatsachen und Do« । fumente aus den diplomatischen Geheimakten des ; Weltkrieges zutage fordern.
Barcelona, Anfang Oktober 1935.
Der spanische Küstendampfer, der uns von Lissabon in den Norden Spaniens bringen wird, hat gerade den Anker gelichtet. Langsam gleitet das Schiff den Tejo hinunter bis an die Mündung, unb nun geht es in langer Nachtfahrt nordwärts. Schon ist der Lichterglanz der portugiesischen Hauptstadt, des bedeutenden Handels- und Hafenplatzes Lissabon, verblichen, und nur das grelle Licht wegweisender Scheinwerfer und Leuchtfeuer geistert über ben leicht bewegten Atlantik ...
Portugal liegt hinter uns, unb boch schwingt etwas in der Erinnerung mit, was unauslöschbar bleiben wird. Dieses kleine Land an ber Küste des Atlantik hat sich zu neuer und großer Tat aufgeschwungen. Dieses Portugal ist mit begeisterndem Beispiel oorangegangen! Und die Worte des Marschall Carmona, eines der großen Kopfe des neuen Portugals, finden überall im Lande selbst die Bestätigung: „Immer stärker wirb mein Glaube an bas korporative Staatssystem, das auf dem Wege ist, die (Erneuerungsarbeit. in unserem Land, dem wir verpfändet sind, zu vervollständigen!" In der Tat: Portugal zeigt sich heute stolz als erneuertes Land!
Der Lebenskreis Portugals ist der Atlantik, an besten Küste sich das Land in schmalem Streiten hinzieht. In ber Geschichte dieser Nation hat es sich als große Tragik erwiesen, daß das kleine Mutterland nicht die Grundlage abgeben konnte, um daraus ein weltumspannendes Imperium aufzubauen. So wurde der Staat zwangsweise in den Machtbereich eines Stärkeren gezogen. So kam es, daß dieses Land kühner Seefahrer, diese Nation wagemutiger Entdecker in den Schalten eines Großen treten mußte. Seit mehr als tausend Jahren hat England das kleine Portugal in sein politisches und wirtschaftliches Arbeitsfeld hineingezogen. Handels-, Wirtschafts- und Schisfahrtsabkommen, die zwischen England unb Portugal feit Jahrhunderten bestanden, führten schließlich zu einem Schutz- und Trutzbündnis, das bann Portugals Eintritt in ben Weltkrieg erzwang. Portugal selbst ist über diesen Krieg nicht glücklich geworden: „Wir haben", so schrieb kürzlich eine angesehene Zeitung in Lissabon, „im Kriege weder territorialen Zuwachs noch vorteilhafte Entschädigungen aewon- nen. Wohl aber haben wir uns eine Schulden-
die Artillerie: die 7,7-Zenttmeter-Krupp-Kanone und 7,5-Zentimeter-Schneider-Creusot, lOZ-Zentlme- ter- und 15-Zentimeter-Haubitzen, 1O,A-Zenttmeter-, 12-Zentimeter und 15-Zentimeter-Kanonen, 21-Zen- timeter-Mörser, Gebirgs-Kanonen Bofors, ferner Flak-Geschütze von Vickers Armstrong. Die Zahl der Tanks unb Panzerwagen, über bie bie Türkei verfügt, ist noch nicht groß, das Material aber gut, auch mehrere schwere Batterien sind m Öen Festungen Smyrna unb Jsmid vorhanden.
Der Ausbau der F l i eg e r w a f f e ist im Gange; zur Zeit sind etwa 370 Militärflugzeuge vorhanden. Dem Ausbau der Luftwaffe wird von der Heeresverwaltung besondere Aufmerksamkeit Z^ewendel. Aber au» bas türkisch- Volk Hilst mit. & 6ejtef)t eine ß u r 11 i g a , bie das Ihrige zur Beschaffung einer selbständigen Luftmacht beitragt und formt das Bestreben bes Staates unterstützt. Reiche Privatleute, Städte und Landschaften fttften einzelne Flugzeuge. An mehreren Stellen der Türkei sind bereits militärische Flugplätze angelegt, bie z.T. mit allen mobernen Hilfsmitteln ausgestattet sind. In Kaisers gibt es eine Flugzeugwerkstatt, die vor Jahren die Junkers-Werke gebaut unb eingerichtet haben, und bie jetzt noch sorgfältig betrieben wird. Das türkische Fliegermaterial ist ausgezeichnet, kühn und kaltblütig.
Der türkische Soldat ist ein aut er Fed- zugssoldat; sehr tapfer, unbedingt gehorsam und infolge seiner meist entbehrungsreichen Jugend anspruchslos und ausdauernd bis zum äußersten. Dazu kommt, daß die Heranwachsende (Generation
lief) geregelt ist.
Neben dem eigentlichen Heere gibt es Gendarmerie und Grenztruppen. Die Stärke ber ersteren, bie sehr gut ausgebildet und militärisch organisiert ist, beträgt 3000 Offiziere und 40000 Mann. Die Grenztruppen haben eine Gesamtstärke von 10 000 Mann. Die Stärke des Heeres selber ist im Sommer und Winter verschieden. Man unterscheidet S o m m e r ft ä r f e n und Winte r - st ä r k e n. Letztere beträgt 133 000 Mann, wahrend im Sommer meist die gesamte, ber Türkei zugestan- bene Truppenstärke in Hohe von 20 000 Offizieren und 198 000 Mann, unter ben Waffen gehalten wirb. Eine zeitweise Verringerung ber Starten tritt lebiglich aus Ersparnisrücksichten ein. Dte Wehrausgaben betragen 25 Prozent bes Gesamthaushaltes und belaufen sich pro Kopf ^er Bevölkerung auf 3 türkische Pfund (etwa 6 RM.).
Die Türkei betreibt bewußte unb entschlossene Friedenspolitik; bie verantwortlichen Männer von Angora wissen zu gut, baß jeber Krieg bas von ihnen mühsam errichtete Gebäude des jungen türkischen Staates wirtschatttich und finanziell wieder in das Chaos zurückfchleudern konnte. Sie haben , .
aber auch die Gefahr ber W e h r 1 o s, gk e i t fraglich zum erkannt. Der Gedanke der türkischen Rüstung ist der der Verteidigung, nicht der des Angriffs. Darauf ist bie ganze Rüstungspolitik ber Türker Eingestellt, barauf beschränkt sie sich. L—n-
Wir hörten zuerst Gebichte aus ben beiben Bänden „Mensch im Eisen" und „Mit brüderlicher Stimme"; jedes dieser Gedichte führt in die eigene Welt, in den Erlebnis- unb Schaffenskreis Lerschs, ber aus einer Arbeiterfamilie kommt, eine harte unb entbehrungsreiche Jugendzeit hinter sich hat, ber Kestelschmieb wurde unb bas auch geblieben ist, als er ein Dichter geworden war. Er dankt m feinen Versen dem Schicksal, bas ihm den Hammer in die Hand gab und ihn den hämmernden Brüdern am Amboß unb in ben raudjenben Fabriken zur Seite stellte; aus bem Eisen aber, bas sie ba schmie- ben, wachsen die Schiffe unb Eisenbahnen, bie vol- feroerbinbenb ben Erdball umspannen. Zwei an- bere Gedichte, „Wochenbeginn" und „Die Arbeit , führen geradezu in die Welt der harten körperlichen Arbeit: Hammer und Stahl, Fabrik unb Schmiede- feuer, Staub und Schweiß, Werk und Wille, Lohn und Brot — das sind die Worte, die hier die Strophen füllen, unb man spürt gleich, baß es nicht tote Begriffe, sonbern Elemente erlebten und durch- kämpften Lebens finb, unb baß ber große, eintönig braufenbe Rhythmus ber Maschinen in diese Verft übergegangen ist. Arbeiterdichtung hat es freilich schon lange vor Lersch gegeben, aber hier ist ber neue Ton, ber neue Glaube, ber bas Leben des namenlosen Arbeiters unb sein Werk abelt, benn „Gottes finb die Kraftgewalten" heißt es im „Feierlichen Werklieb", unb mehr als die kalte und fielen- lose Maschine gilt der Glaube dessen, der dahinter steht, ber Glaube an fein Lanb unb das Volk, dem die Arbeit gehört. „Meine Jugendzeit" erzählt von früher harter Arbeit und von früher Schönheits- fihnsucht. „Die Mutter", im großen Schwung der Phantasie des jungen Werkmannes, der sich nächtlicherweile aus feiner dürftigen Kammer in die Ferne sehnt, in eine bessere Welt träumt, bis bie Heulhorner rhn am Morgen wieder in die Fabrik
rufen; dieses Gedicht schließt mit bem trotzig triumphierenden Bekenntnis „Mutter, uns fehlt alles, — mir fehlt nichts." Ein anderes heißt „Auf Wanderschaft" unb schildert, wie Lersch in ber Schönheit Italiens wohl die Traumerfüllung jener Jugend- sehnsucht findet — aber nicht bie Heimat. Dann die großenteils bekannten und weitverbreiteten (3e- dichte aus dem Kriege: der schone „Solbatenabschied mit ben berühmt gewordenen Versen „Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müsten": das war aus tiefem unb echtem Erlebnis kraftvoll unb mit« reißenb gesprochen. Das schlichte, wahrhaft „mit brü- berlicher Stimme" gesagte Bekenntnis zur großen Kamerabschaft: „es hat ein jeber Tote des Bruders Angesicht". Die Mahnung der Gefallenen an die Lebenden im „Soldatengrab in Flandern". Von diesen Gedichten führt eine einfache Linie zu denen aus jüngster Zeit, „Wir Werkleut all" und „*>otf marschiert auf , in dem eine neue Welt lebendig geworden ist unter einer neuen Fahne: hier klingt der befeuernde Marschrhythmus der ausbrechenden
Nation.
Nach der Pause erzählte Lersch dann, statt aus einem Roman zu lesen, der noch nicht abgeschlossen ist, von einem felbstbiographischen Beitrag, den er zu einer Sammlung „Die Lebenden" beisteuern soll. Auch diese Arbeit fei noch nicht vollendet, und es fei eine große Frage, ob fie fo geschrieben werde, wie er fie jetzt vor den Zuhörern sich ein wenig zurechtlegen wolle: daraus entstand nun ein lebendiges unb ganz persönliches, gleichsam aus vielen Mosaiksteinchen zusammengefügtes Bild vom Leben, Denken und Schaffen der Menschen, bes Dichters und des Arbeiters Heinrich Lersch. Es ging oft bunt durcheinander, aber es wuchs doch immer wieder eins zum andern und fand sich alles zusammen und zurück zur ausstrahlenden unb bindenden Mitte einer klaren, kraftvollen, ihrer selbst bewußten Persönlichkeit. Lersch erzählte von Kindheit und Elternhaus, von einer uns heute schon fern und fremd anmutenben Welt, von ber ersten Begegnung mit bem wirklichen Leben, von ben beiben ersten Büchern des Knaben; bas waren bas Kochbuch unb „Das Leben ber Heiligen", bie würben ihm wichtig in mancher Hinsicht für sein Späteres Leben unb er hat sie nicht vergessen bis heute, wo er ein berühmter Dichter unb uberbies Jungzugführer in feinem Heimatort ist. In diesen Erinnerungen kamen ber gesunbe Humor und das rheinische Temperament Lerschs so recht zur Geltung. Doch schwang allenthalben ein ernster Unterton mit auch in den heiteren Berichten aus ber Schule unb von mancherlei Knabenstreichen und Prügeleien, denn es wurden ba nicht nur unver- bindliche, von ber Höhe des Lebens herab belächelte


