Nr. 261 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Donnerstag, 7. November 1935
Oie feierliche Vereidigung der Rekruten in Gießen.
In Gegenwart des Kommandeurs der 9. Division, Generalleutnant Lüdke, des Reichsstatthalters Gauleiter S p r e n g e r, der Offiziere des Standorts Gießen und Mitgliedern der Gauleitung, sowie der Gießener Parteiorganisationen, der Leiter unserer Gießener Behörden und einer riesigen Menschenmenge fand heute Vormittag auf dem großen Platze zwischen der Artillerie-Kaserne und der Volkshalle die feierliche Vereidigung der Rekruten unserer Gießener Garnison statt. Damit erlebte unsere Stadt ein Ereignis, das für alle Zeiten in unvergänglicher Erinnerung bleiben wird. Denn es war ja das erste Mal nach dem Kriege, daß junge Soldaten auf Grund der allgemeinen Dien st pflicht den Eid der Treue auf den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht und Führer des Reiches Adolf Hitler zu leisten hatten. Es war eine weihevolle Stunde für alle, die Zeuge dieses Ereignisses sein durften.
Die Rekruten, rund 1700 an der Zahl, hatten tn einem weiten offenen Viereck Aufstellung genommen. Davor an dem Querweg zwischen der Grün- börger Straße und der Waldecke standen zwei Ehrenabteilungen des Infanterie-Regiments 36 rechts und links von der Feldkanzel aufgestellt. Unmittelbar hinter der Feldkanzel stand die Regimentsmusik des Infanterie-Regiments 36. Dor der Feldkanzel waren zwei Geschütze aufgefahren, zwischen diesen stand der Divisionskommandeur Generalleutnant Lüdke mit seinem Stabe. Auf dem Flügel an der Grünberger Straße hatten die Ehrengäste mit dem Reichsstatt- Halter Gauleiter Sprenger an der Spitze Aufstellung genommen: u. a. sah man hier neben dem Gauleiter die weiteren Mitglieder der Gauleitung, die örtlichen Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, Oberbürgermeister Ritter als Vertreter der Garni^onstadt Gießen, Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Professor Dr. Pfah- I e r, die Vertreter weiterer Behörden und die Ab- odnungen der verschiedenen Organisationen der alten Soldaten. Entlang der Grünberger Straße und am Querweg hinter den Ehrenabteilungen des Infanterie-Regiments 36 stand eine riesige Menschenmenge als stark interessierte Zuschauer bei dieser weihevollen Feier. Zu Ehren der Rekruten war ferner die gesamte Gießener Arbeitsdienst-Abteilung aufmarschiert.
Der Kommandeur der 9. Division, Generalleutnant Lüdke, begrüßte bei seiner Ankunft zunächst den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, sodann die übrigen Ehrengäste in herzlicher Weise. Rach Entgegennahme der Meldung der angetretenen Truppenteile schritt der General die Front ab. Hierauf folgte die feierliche Hissung der neuen Reichskriegsflagge. Nunmehr begann die Vereidigung der Rekruten mit einleitender Choralmusik des Musikkorps des Infanterie-Regiments 36. Dann sprach
der evangelische Standortpsarrer Ausseld:
Liebe Kameraden! Mit stolzer Freude blicken wir in dieser Stunde auf Euch in dem Gedanken, daß nun wieder jeder zum Dienst taugliche deutsche Mann dem Vaterland mit der Waffe dienen darf
tue, sondern ein Gottesdienst, eine Erfüllung der Berufspflichten, die Gott mir gegeben hat, und die zu erfüllen ich ihm feierlich versprochen habe, dann ist das ein Fundament, auf dem man fest und sicher stehen kann.
Der Eid soll Euch aber auch eine Hilfe sein in Stunden der Versuchung, eine Hilfe zu treuer Pflichterfüllung. Euer rechter Eid ist ein Gebet zu Gott, eine Bitte zu ihm um Kraft und Stärke, das zu halten, was man gelobt. Dieses Gebet darf und muß man immer wiederholen, wenn Stunden kommen, wo es schwer werden will, seinen Dienst zu tun. Dann denkt daran, daß Ihr dem Herrn dient und nicht den Menschen und daß der Herr auch die Kraft gibt, das zu tun, was er uns zu tun heißt. Das gibt Euerm Dienen die rechte Weihe, aber es gibt Euch auch immer wieder neue Kraft. Ihr bleibt im Gebet in der steten Verbindung mit Gott, der Quelle aller Kraft, und werdet rechte deutsche Männer, von denen gilt: Wer ist ein Monn? Wer beten kann und Gott dem Herrn vertraut. Beten macht stark, und glauben macht getrost, und getrost macht tapfer. Und nun tut Euren Dienst und erfüllt Eure Pflicht, und Gott wird mit Euch fein. Amen.
Erneut spielte die Regimentsmusik die feierliche Weise eines Chorals. Hierauf sprach
der katholische Standortpfarrer Dr.Hrmmes:
Das Deutsche Reich! Ein gewaltiger Riese im Rate der Völker, so haben wir es erlebt, dessen Wort Gewicht ist, hochgeachtet und gefürchtet, bahnbrechend, Neuland erschließend. Seine Maschinen sind Wunderwerke der Erfindung und Technik, seine Wissenschaft dringt in die Tiefen der Erkenntnis, der Höhenflug künstlerischer Begabung schenkt der staunenden Welt die Symphonien in Stein, Farbe und Ton. In lieblicher Abwechslung der Felder und Wälder, der Höhen und Täler dehnen sich Dörfer und Städte, aufwärts geführt durch die Kunstwerke der ragenden Dome. Ein Riese, der die fruchtbare Eigenart verschiedener Stämme in sich vereint, trotzig vor dem Feind, in christlicher Demut gegen Gott. So haben wir das Reich gekannt.
Und daß dies weiterhin so sei, habt Ihr Euch, deutsche Söhne, freudig dem Rufe des Führers folgend, zusommengefchart, angetan mit dem Ehrenrock des Feldgrauen, dem Sterbekleid von zwei Millionen. Ihr seid im Begriff, auf Grund des Glaubens unserer Väter die Hand zum Schwur zu erheben, unser geliebtes Vaterland zu schützen, in Gehorsam und Mut seinem Führer zu folgen und in der Kraft unseres hl. Glaubens dem Tode entgegenzugehen. Ihr ruft also Gott den Allmächtigen, dem wir mit jeder Faser angehören, zum Zeugen an, ihr ruft Gott den Allwissenden, der alle Falten unseres Herzns kennt, ihr ruft Gott den Heiligen und Gerechten, der das Gute belohnt und das Böse bestraft, hier in festlicher Versammlung zum Zeugen an, daß unerschütterlich wie der Fels Euer Wort stehe bis zum letzten Atemzuge des Lebens.
Wohlan, wir werden mit innerer Ergriffenheit ! Eurem Hohenlied der Treue lauschen, und wir erwidern Euch:
j Treue ist Edelmannsart. Treue gegen Gott, 'Treue gegen das Reich. Wer Gott die Treue hält.
des Divisionskommandeurs Generalleutnant Lüdke:
Soldaten!
Am 16. März d. I. hat der Führer und Kanzler die Vergrößerung unserer Wehrmacht und die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht befohlen. \
Heute zum ersten Mal sieht Deutschland in all seinen Gauen die Auswirkung dieses Befehls als eine Tat von geschichtlicher Größe.
Zur gleichen Stunde wie hier in unserer Garnison vor 1700 jungen Männern im grauen Soldatenrock die Reichskriegsflagge gehißt wurde, steht in allen Standorten des Reichs Deutschlands wehrfähige Jugend zur Vereidigung auf des Reiches Führer bereit.
Eine Stunde von unabsehbarer Bedeutung. Das deutsche Volk hat damit den Willen in die Tat umgeseht: Herd und Heimat vor jedem Versuch fremder gewaltsamer Einmischung in deutsche Dinge kraftvoll zu schützen.
Zum anderen wird damit die erzieherische Frage der Wehrpflicht bejaht. Das Heer wird wieder das werden, was es feit weit über 100 Jahren in entsagungsvoller Arbeit war: Eine Schule der Nation für die Erziehung harter Jugend im Geist der Wehrhaftigkeit und opferbereiter Vaterlandsliebe.
Die Mannestugenden, die den Soldaten auszeichnen, sind Euch jungen Soldaten, die Ihr wohl alle aus Gliederungen nationalsozialistischen Geistes kommt, nicht fremd und neu! Jetzt sollt Ihr sie aus« üben, sollt Euch bewähren, und als Waffenträger der Nation Euch in Gottesfurcht stolz und schirmend vor Euer Vaterland stellen.
Ihr schwört einen heiligen Eid auf den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht. Folgen sollt Ihr seiner Fahne als dem Sinnbild der ewigen Tugenden des Soldaten, seiner stillen Pflichterfüllung im kleinen und im Großen. Folgt dieser Fahne — Ehre und Freiheit der Nation bestimmen den Weg.
Die Vereidigung
Der General gab nun den Befehl zur Vereidigung d er Rekruten. Die feierliche Handlung wurde von dem Regimentsadjutanten des Infanterie-Regiments 36 Hauptmann Conrad geleitet. Feierlicher Trommelwirbel kündete den Beginn der Eidesleistung an. Die vor ihren Abteilungen stehenden befehlsführenden Offiziere zogen den Degen, vor dem sich rechts und links mehrere Rekruten als Repräsentanten der Gesamtheit ihrer jungen Kameraden aufstellten. Während der Regimentsadjutant die Eidesformel vorsprach, legten die vor der Front stehenden Rekruten die linke Hand auf den blanken Degen ihres Offiziers, während sie ; "nd die in Reih und Glied verbliebenen Rekruten die rechte Hand zum Schwur erhoben und die Eidesformel nachsprachen.
Generalien nant Lüdke
gab dann im Anschluß an die Vereidigung, nachdem den Truppen der Befehl „Stillgestanden" erteilt
Der Divisionskommanveur Oenerafleutnant Lüdke spricht vor der Feldkanzel zu seinen Soldaten.
» ■*** ‘j
" »■’r** wv"’
Blick aus bte angerretenen Rekruten vor Beginn der Deretdigung. (Aufnahmen [3]: Photo-Pfaff, Gießen.)
und den feldgrauen Rock, in dem Eure Väter in den großen Krieg hinausgezogen sind, auch als sein Ehrenkleid tragen darf im Dienst des Vaterlandes.
Diesen Dienst treu zu erfüllen, gelobt Ihr in dieser feierlich-ernsten Stunde mit einem Eid. Der Eid ist das festeste Band des Gelöbnisses, denn er knüpft Euer Versprechen an den allmächtigen Gott. Dieser Gott ist nicht ein von Menschen erdachter Gedanke. Er ist eine Wirklichkeit, die in Jesus Christus kundgeworden ist und kund wird allen, die ihre Augen nicht absichtlich gegen diese Offenbarung Gottes verschließen. Er ist der heilige Gott, darum ist er eine furchtbare Wirklichkeit für den Gottlosen und den Verächter seines Eides. Er ist der gnädige Gott, darum ist er eine b e» feligende Wirklichkeit für die, die ihm von ganzem Herzen trauen.
Wenn Ihr als christliche Soldaten zu ihm einen Eid schwört, so bekennt Ihr Euch damit zu dem allmächtigen und allwissenden Gott, den Ihr zum Zeugen anruft Eures Versprechens. Laßt Euern Eid sein ein Bekenntnis zu Gott, dem Herrn, dann ist der Eid mehr als ein bloß Menschen gegebenes Versprechen. Dann bindet er Euch an Gott. Das deutsche Heer ist allzeit ein christliches Heer gewesen, und es muß ein christliches Heer bleiben, oder es wird nicht mehr sein, was es war, und nicht mehr leisten können, was es geleistet hat und leisten soll. Gottesfurcht und Gottvertrauen sind die Grundlagen der Pflichterfüllung. Gottlosigkeit aber macht wahre Pflichterfüllung unmöglich. Wo aber die Pflichterfüllung im Glauben verankert ist, da hat jte einen Halt, der sie auch in schweren Stunden stützt und hält, so daß sie nicht zuschanden wird. Wenn man weiß: mein Dienst, meine Pflichterfül- hing ist nicht ein Dienst, den ich Menschen zuliebe
auf den ist auch Verlaß in der Stunde der Not. Wer dem göttlichen Heiland, dessen Leben der gewaltigste Hymnus der Treue ist, der je unter der Sonne -erklungen, in Demut nachfolgt, der ist ein sicherer Garant der Treue gegen das Vaterland.
Treue ist Soldatenart. Fragt sie, die in Schützengräben, in Unterständen, im Hagel der feindlichen Geschosse, die auf der weiten Welt zerstreut, die auf dem Meere, in der Luft, die in Hitze und Kälte, in Hunger und Durst die Wacht hielten für die Heimat, und in donnerndem Chore erbraust das Lied der Treue. Ja, tragt im Geists die Totenschädel der Gefallenen zusammen und türmt sie zur himmelragenden Pyramide und schreibt darauf: das ist der Sold der Treue.
Treue ist Germanenart. Sie war, von Freund und Feind anerkannt und hoch gepriesen, die Eigenart unserer Vorfahren. Im 9. Jahrhundert ist das herrliche Lied, der Heliand, im Lande der Sachsen entstanden. Darin heißt es, wie der Heerbann dem Führer folgt in Treue, so folgen wir treu und unentwegt dem Heiland der Welt. Der cynische Dichter Heine hat das Wort geprägt: wenn ich nicht wüßte, daß die Treue so alt ist als die Welt, so würde ich sagen, die Deutschen hätten sie erfunden.
Kameraden! Heute ist Euer Ehrentag. Die Reihen geschlossen, Schulter an Schulter als eine geweihte Phalanx, so helft schützen das Reich, den Riesen, der steht hoch aufgerichtet, fest, voll Zuversicht, vertrauend auf seine Söhne. Söhne Deutschlands, auf zum Schwur, laßt immerdar in Euren Herzen erklingen das alte Heldenlied der deutschen Treue!
Anschließend spielte die Musik das eindrucksvolle Niederländische Dankgebet. Nunmehr hörten die Soldaten die folgende Ansprache
worden war und die Ehrenabteilungen des Infanterie-Regiments 36 unter präsentiertem Gewehr standen, den im politischen Teil unseres heutigen Blattes abgedruckten Erlaß des Führers an die Wehrmacht bekannt. Sodann sagte der General zu seinen Soldaten:
Der Führer hat gerufen!
Er verkörpert das Vaterland.
Der deutsche Soldat war immer und immer da, wenn das Vaterland ihn rief.
Der Führer braucht sich nicht umzufehen! Die Wehrmacht folgt ausgerichtet und unerschütterlich nur mit dem Ruf
Adolf Hiller Sieg-Heil!
Während die begeisterten Sieg-Heil-Rufe auf den Führer und Ober st en Befehlshaber der Wehrmacht über den Platz brausten und die beiden ersten Verse des Deutschlandliedes und des Horft-Wesfel-Liedes gemeinsam gesungen wurden, feuerten die vor der Feldkanzel stehenden beiden Geschütze Salut.
Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger nahm nunmehr, während sich die Truppenabteilungen zu dem folgenden Vorbeimarsch formierten, Gelegenheit, die Vertreter der Behörden und die Angehörigen der Vereine der alten Soldaten mit kräftigem Händedruck zu begrüßen. Sodann begab sich alles nach dem vorderen Teile des Trieb zwischen dem Querweg und der Volkshalle, vor der Springbrunnen-Anlage. Hier nahmen der Divisionskommandeur, Generalleutnant Lüdke, Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger und die übrigen Ehrengäste Ausstellung. Sodann folgte unter den Klängen der
Die neue Reichskriegsflagge wird gehißt.
Regimentsmusik des Jnf.-Rgts. 36 der Vorbei- marsch der Rekruten in Kompanie- bzw. Batterie-Verbänden. Damit fand das denkwürdige Erlebnis feinen Abschluß.
Aus der Proviuzialhaupistadi.
Gerechte Jettverteilung!
Don der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksausklärung und Propaganda wird mitgeteilt:
Wir erleben zur Zeit eine gewisse Fettverknappung, die jedoch an sich unbedeutend ist und in der Hauptsache nur in den Großstädten auftritt. Allerdings wird die Versorgung der Verbraucherschaft teilweise durch Hamsterbäufe eigennütziger Volksgenossen selbst etwas erschwert. Unser Gebiet ist normalerweise infolge seiner dichten Bevölkerung ein Zuschußgebiet für Lebensrnittel. Don den zuständigen Stellen wurde jedoch auch jetzt Dorsorge getroffen, daß zusätzlich Butter, Schmalz und sonstige Fette hereinkommen, um so im Rahmen der deutschen Gesamtversorgungslage den Bedarf zu decken. Bei einer gerechten Verteilung der Nahrungsfette braucht kein Verbraucher ein fühlbares Opfer zu bringen, vielmehr genügt es, wenn eine ganz geringfügige Einschränkung des Fettverbrauches vorübergehend, aber allgemein durchgeführt wird.
Aber leider ist der nationalsozialistische Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" noch nicht allen Volksgenossen zur Selbstverständlichkeit geworden. Deshalb wird den Lebensmittelgeschäften, die die Versorgung der Verbraucherschaft im Einzelhandel durchzuführen haben, eine Vereitelung von Hamsterkäufen auf eine leicht durchführbare Weise empfohlen. Sie sollen in erster Linie ihre Stammkundschaft bedienen und eine Kürzung — soweit sie notwendig ist — in gerechter Weise und allgemein für die ganze Kundschaft vornehmen. Alle anständigen Käufer werden sich hiermit abfinden. Wenn es auch nicht jedem Verbraucher möglich ist, immer in demselben Geschäft seinen Bedarf zu decken, so empfiehlt sich doch gerade in der' gegenwärtigen Zeit ein kameradschaftliches Zusammenwirken von Verbrauchern und Einzelhändlern.
Kein Einzelhändler braucht Nachteile zu befürchten, wenn er einem Unbekannten gegenüber — von dem anzunehmen ist, daß er nur hamstern will — den Verkauf von zur Zeit knappen Fetten ablehnt, oder ihm nur eine geringe Menge verkauft mit dem Hinweis, daß zunächst die Stammkundschaft versorgt werden müsse.
Es besteht vielfach beim Publikum die irrige Meinung, daß die Einzelhändler an jeden verkaufen müssen. Eine solche allgemeine Verpflichtung besteht aber für den Einzelhändler keinesfalls. Vielmehr kommt es hier ganz auf die allgemeine Verkehrsanschauung an. Wohl kann im Aufstellen der Ware, namentlich zu festen Preisen, die allgemeine Verkehrsanschauung hierin ein Angebot des Einzelhändlers an das Publikum erblicken, an das er gebunden ist. Doch hat die Ausstellung der Ware keine andere Bedeutung, als die Aufforderung an das Publikum, seinerseits ein Angebot zu machen, über dessen Annahme sich dann der Verkäufer entscheiden kann. Bei der gegebenen Lage wird er die Entscheidung im Rahmen des Möglichen und als nationalsozialistischer Einzelhändler im Sinne des Volksganzen treffen. Er ist also verpflichtet, bei seiner Entscheidung die vorhandene Warenmenge einerseits und 'die Zahl des warenbedürftigen Publikums andererseits in Betracht zu ziehen, um eine gerechte Verteilung vorzunehmen. Daß hierbei die Stammkundschaft bevorzugt wird, ergibt sich aus der selbstverständlichen Forderung, Hamsterkäufe zu vermeiden. Und das kann nur geschehen, wenn grundsätzlich die Maren an diejenigen abgegeben werden, die der Einzelhändler persönlich kennt und von denen er weiß, daß sie sich nicht über ihr gewöhnliches Maß hinaus mit Waren „eindecken" wollen.
Wenn jeder Verbraucher feinen Bedarf in dem Geschäft deckt, in dem er regelmäßig kauft, dann dient er sich und der Allgemeinheiet am besten!
Die Versorgungslage an Schweinen.
Wie die Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau mitteilt, hat die augenblickliche Versorgungslage an Schweinen es mit sich gebracht, daß einzelne Metzgereibetriebe nicht so viel Schweine» fleisch und Schmalz verfügbar haben, wie von feiten der Kundschaft angefordert wird. Von den Verbrauchern werden dann sehr oft dem Metzgermeister


