Ausgabe 
7.11.1935
 
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Ur. 261 Erster Blatt

185. Jahrgang

Donnerstag, 7. November 1955

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Gietzener Anzeiger

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ORetruteneih unter der neuen IReichskriegsslagge.

Der Soldai und seine Fahne.

^Zon Hteischer, Hauptmann im ^eichs- kriegsministerium

Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Obersten Be­fehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Ge- horfam leisten und als tapferer Soldat bereit fein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen."

Diensteid des Soldaten.

Heute umf 8 Uhr stand befehlsgemäß in allen Standorten, auf allen Flugplätzen und Schiffen die deutsche Wehrmacht zur feierlichen Hissung der neuen Reichskriegsflagge angetreten. Damit erhielt die neu erstandene Wehrmacht die Fahne, in der Symbole und Farben des neuen Rei­ches mit dem Zeichen soldatischer Ira- bition vereinigt sind. Jeder Zeitabschnitt der Geschichte unseres Volkes hat sich ein äußeres sym­bolisches Zeichen geschaffen. Dieses Symbol ist die Fahne in ihrer der Zeit Ausdruck gebenden Ge­staltung. Für jeden Deutschen und dem deutschen Volke mehr als anderen Völkern bedeutet sie etwas Heiliges und Großes. Sie ist die Verkörperung hoher ethischer und vaterländischer Werte. Mit der alten schwarzweißroten Fahne verbinden wir den Gedanken an das Bismarck-Reich. Nach Ablösung dieser Epoche in unserem Staatsleben durch eine neue Zeit hat folgerichtig das neue Deutschland seine eigene Fahne erhalten. Die Fahnen des alten Reiches hat der Führer in Nürnberg tn Ehren ein­gerollt, als er dem Volke die neuen gab. Die jetzige Neichsflagge bedeutet für uns das Symbol der Be­wegung, die das Dritte Reich geschaffen hat. Die alten Farben sind geblieben, aber die Form ist ge­ändert und das uralte Zeichen des neu erwachten völkischen Empfindens, das Hakenkreuz, ist hinzu­gekommen.

Die alte Armee, die staatsrechlich aus Kontin­genten der Bundesstaaten bestand, hatte keine ein­heitliche Reichskriegsflagge. Nur für die deutsche Neichsmarine war eine solche geschaffen worden. Die neue Reichskriegsflagge versinnbild­licht die einheitl iche Wehrmacht im ein­heitlichen Staat. Damit ist neben dem Tra­gen des Hoheitsabzeichens der Bewegung an der Uniform auch durch die neue Reichskriegsflagge der Stellung der Wehrmacht neben der Partei als eine der beiden tragenden Säulen des nationalsozialisti­schen Staates äußerlich Ausdruck gegeben.

Unsere alte Reichsfahne, unter der das deutsche Volk in dem großen Völkerringen einer Welt verstand zu leisten vermochte, ist uns der Begriff höchster vaterländischer Pflichterfüllung und Opfer­bereitschaft gewesen. Unter ihr kämpfte und starb der beste und tapferste Soldat der Weltgeschichte für die Erhaltung der deutschen Heimat. Die F a r b e n Schwarzweißrot waren die Verbindung der alten Preußenfarben Schwarzweiß mit der roten Grundfarbe der kurbrandenburgischen Fahne und der der Hansa. Sie verkörperten daher eine uralte Tradition und so den geschichtlichen Werdegang un­seres Volkes. Diese Grundfarben hat der National­sozialismus in Erkenntnis der Werte einer festen und starken Bindung an die große Vergangenheit unseres Volkes übernommen und diesen das Sinnbild seines völkischen und rassi­schen Strebens hinzugefügt. Für die in der nationalsozialistischen Weltanschauung geeinte Nation war es eine Selbstverständlichkeit, daß das sieghafte Banner der Bewegung zur Fahne des Dritten Reiches erhoben wurde.

Tradition ist nicht starres Festhalten an alten Formen Tradition ist Pflege der gesunden Werte und Leistungen unserer Vorfahren, die unser heu­tiges völkisches Dasein überhaupt erst ermöglichten. Es ist unsere sittliche Aufgabe, dieses heilige Ver­mächtnis zu wahren und den Erfordernissen der neuen Zeit entsprechend zu entwickeln und fortzu- fübren. So wie die neue Reichsflagge heute das Symbol unseres Volkes ist, ist die neue Reichs kriegsflagge das Symbol des heutigen deutschen Soldaten. Zu den Farben Schwarzweißrot und dem Hakenkreuz tritt, hier noch das Eiserne Kreuz, der Ausdruck heldischen Sol­datentums. Es zeugt von dem soldatischen Geist un­serer Väter. Es weist auf bas kraftvolle freiheitliche Wollen des Preußentums in den Jahren der Er­hebung 1813/14 hin. Es erinnert daran, daß das Reich Bismarcks einst durch die Armee aeschoffen wurde. Es ist eine Mahnung der zwei Millionen Tot-m, die in aller Welt für Deutschland kämpften.

Wir Soldaten sehen daher in unserer uns heute vom Führer verliehenen neuen Flagge erstens das sichtbare Zeichen der Verbundenheit der Wehr­macht mit dem nationalsozialistischen Staat und zweitens das Symbol für all das, was deutsches Soldatentum bedeutet was uns als Trägerin des opferreichsten Ehrenkleides der Nation von der Tradition vorgefchrieben wird, von der Tradition, der der Führer am Reichsparteitag der Freiheit in feiner Ansprache an die Wehrmacht in folgenden Worten Ausdruck verleiht:Ihr, meine Kameraden, tragt an der Spitze eurer Waffe und an eurem Helm ein unerhört hohes Vermächtnis Ihr seid nicht etwas künstlich Gemachtes, etwas Traditions- loles, was keine Vergangenheit hat, sondern, was es auch in Deutschland sonst gibt, es tritt zuruck hinter dem, was ihr an Tradition verkörpern habt und verkörpern könnt Ihr braucht wahrlich

der Armee keinen Ruhmestitel zu erwerben, den besitzt sie schon, ihr braucht ihn nur zu bewahren!"

Es liegt ein tiefer Sinn darin, daß die neue Reichskriegsflagge der jungen Wehrmacht an dem Tage übergeben wird, an betn zum erstenmal (eit Kriegsende d e r erste Jahrgang der neuen deutschen Wehrmacht den feierlichen Soldateneid ablegt Wenn der junge wehr- pflichtige Deutsche am heutigen Tage angesichts der neuen uns vorn Führer verliehenen Fahne feinen Eid schwört, so verpflichtet er sich einmal der gro­ßen Ueberlieferung, die diese Fahne sym­bolisch enthält, zum anderen in unbedingter und

Berlin, 7. November (DJIB. Funkspruch) Der Führer und oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat an die Soldaten der Wehrmacht zur Einführung der neuen Reichs­kriegsflagge folgenden Erlaß gerichtet:

Soldaten der Wehrmacht!

Mit dem heutigen Tage gebe ich der wieder er­standenen Wehrmacht der allgemeinen Dienstpflicht die neue Reichskriegsflagge.

Das Hakenkreuz (ei euch Symbol der Einheit undReinheit der Nation, Sinn­bild der nationalsozialistischen Welt­anschauung. Unterpfand der Freiheit und Starke des Reiches.

Das Eiserne kreuz soll euch mahnen an die einzigartige Tradition der alten Wehr­macht, an die Ziele die sie beseelten, an das Borblld. daß sie euch gab.

Den Reichsfarben Schwarzweißrot seid ihr verpflichtet zu treuem Dienst im Leben und irn Sterben.

Der Flagge zu folgen, sei euer Stolz.

Die bisherige Reichskriegsflagge wird in Ehren eingezogen Ich behalte mir vor. sie an besonderen Gedenktagen sehen zu lassen.

Der Führer und oberste Befehlshaber der Wehrmacht. Adolf Hitler.

Das SoheilszMen des Reiches

Berlin, 7. Nov. (DNB.) Das Reichsgesehblatt Teil I Nr. 122 veröffentlicht folgende Verordnung über das Hoheitszeichen des Reiches:

Um der Einheit von Partei und Staat auch inihren Sinnbildern Ausdruck zu ver­leihen, bestimme ich:

Artikel 1.

Das Reich führt als Sinnbild feiner Hoheit das Hoheitszeichen der Nationalsozia­listischen Deutschen Arbeiterpartei.

Artikel 2.

Die Hoheitszeichen der Wehrmacht bleiben unberührt.

Artikel 3.

Die Bekanntmachung, betreffend das Reichs- wappen und den Reichsadler, vom 11. No­

persönlichster Form dem Schöpfer und Füh­rer des Dritten Reiches. Er stellt dadurch in Wahrung der alten vreußischen Ueberlieferung auch wieder die altsoldatische und altdeutsche persön­liche Bindung her zu dem einen letzten verantwort­lichen Führer. Der Eid verpflichtet zur Pflege der alten Werte preußischen Soldatentums, zu Ehre, Treue, Gehorsam und Vaterlandsliebe Diese sind auch die ideellen Grundlagen unserer Volkswehr­macht, die als letzte und höchste Stufe der vater­ländischen Erziehung des jungen Deutschen jetzt den ersten Jahrgang unter der neuen Reichskriegsflagge zu wehrhaften Deutschen ausbilden wird.

oember 1919 (Reichsgesehblatt Seite 1877) wird aufgehoben.

Artikel 4.

Der Reichsminister des Innern erlaßt im Einver­nehmen mit dem Stellvertreter des Führers die zur Ausführung des Art. 1 erforderlichen Vorschriften.

Belin, den 5. November 1935.

Der Führer und Reichskanzler

Adolf Hilter.

Der Reichsminister des Innern

Frick.

Der Stellvertreter des Führers R. Heß, Reichsminister ohne Geschäftsbereich.

Die neuen Flaggen

Berlin, 6. Nov. (DNB.) In dem soeben er­schienenenMarineverordnungsblatt" Heft 28 wird Eine Verordnung über die Reichskriegsflagge, die Gösch der Kriegsschiffe, die Handelsflagge mit dem Eisernen Kreuz und die Flagge des Neichskriegs- Ministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht" vom 5 Oktober 1935 veröffentlicht, in der es u. a. heißt:

Auf Grund des Art. 3 des Reichsflaggengesetzes vom 15. September 1935 bestimme ich:

Die Heid)6tne iefloa^e

ist ein rotes Rechteck, auf dessen Mittelachse, etwas nach der Stange verschoben, sich eine zweimal schwarz und weiß geränderte weiße Scheibe mit einem ebenfalls schwarzweiß geränderten Haken­kreuz befindet, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu geöffnet ist. Unter der weißen Scheibe liegt ein viermal weiß und dreimal schwarz ge­streiftes Kreuz, dessen Balken die Verlängerung des senkrechten und wagerechten Durchmessers der wei­ßen Scheibe bilden. Im inneren oberen roten Felde steht ein weiß gerändertes Eisernes Kreuz. Die Höhe der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5.

Die Gösch her Kriegsschiffe

ist ein rotes Rechteck, auf dessen Mittelachse, etwas nach der Stange verschoben, sich eine weiße Scheibe mit einem schwarzen, auf der Spitze stehenden H a kenkreuz befindet, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu geöffnet ist. Die Höhe der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5.

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I

Unsere Bilder zeigen oben links die neue Reichskriegsflagge und oben rechts die Handelsflagge mit dem Eisernen Kreuz. Unten links die Flagge des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht und rechts die Gösch der Kriegsschiffe. Die Farben sind Schwarz-Weiß-Rot.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Flaggen-Erlaß des Führers und oderüen Velebisdabers der Wehrmacht.

Oie Handelsflagge mit dem Eisernen Kren, ist ein rotes Rechteck, auf dessen Mittelachse, etwas nach der Stange verschoben, sich eine weiße Scheibe mit einem schwarzen, auf der Spitze stehenden H a kenkreuz befindet, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu geöffnet ist. In der inneren, oberen Ecke steht ein weiß gerändertes Eisernes Kreuz. Die Höhe der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5.

Oie Flagge des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht ist die Reichskriegsflagge mit folgenden Abweichungen: Das Rechteck ist gleichseitig. Um die ganze Flagge herum läuft eine weißschwarze Umran- düng. Im unteren äußeren Feld steht ebenfalls ein weißgerändertes Eisernes Kreuz; im un­teren, inneren und im äußeren oberen Feld steht je ein weißgerändeter Adler der Wehrmacht.

*

Die Reichskriegsflagge ist das Hoheits­zeichen der Wehrmacht; sie wird auf den Kriegs­schiffen der Kriegsmarine, den Luftfahrzeugen der Luftwaffe und den Gebäuden der gesamten Wehr­macht geführt.

Die Gösch derKriegsschiffe wird auf den Kriegsschiffen der Kriegsmarine gesetzt, wenn sip verankert ober landfest liegen.

Die Handelsflagge mit demEisornen Kreuz kann von Marineoffizieren und Offizieren der Luftwaffe des Beur­laubtenstandes sowie von ehrenvoll a u s ge­schiedenen aktiven Marineoffizieren und Offi­zieren der Luftwaffe auf Handelsschiffen bzw. Han- delsluftfahrzeugen an Stelle der Handels­flagge geführt werden.

Im gleichen Heft desMarineverordnungs- blattes" ist ferner eineVerordnung über di, Reichsdienst flagge" vom 31. Oktober 1935 erfthienen, in der es u. a. heißt:

Auf Grund des Artikels 3 des Reichsflaggen­gesetzes vom 15. September 1935 (RGBl. IS. 1145) bestimme ich:

1 Oie Reichsdienstflaqqe

ist ein rotes Rechteck, das in der Mitte eine weiß­schwarz geränderte weiße Scheibe mit einem schwarzweiß geränderten schwarzen Hakenkreuz trägt, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu

(Scherl-Bilderdienst°M.)

geöffnet ist. In der inneren, oberen Ecke der Flagg, befindet sich das schwarzweiße Hoheits­zeichen des Reiches. Der Kopf des Adlers ist zur Stange gewendet. Die Höhe der Flagge ver­hält sich zu ihrer Länge wie 3:5.

Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick wird am Donnerstag, 7. November, um 11 Uhr die neue Reichsdienstflagge auf dem Ge­bäude des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Innern am Königsplatz in Berlin in feieerlicher Weise hissen.

Die Alaqgenhiffuna in Berlin.

Berlin, 7. Nov. (DNB. Funkspr.) Auf dem Reichskriegsmini st erium erfolgte um 8 Uhr früh die Hissung der neuen Reichskriegsflagge. Auf der Kanalseite der Straße und auf der gegen­überliegenden Seite des Lützow-Ufers hatten sich zu diesem Ereignis viele Menschen angesammelt. Aus Fenstern und Balkonen warteten viele auf das Hissen der Flagge. Langsam steigt pünktlich um 8 Uhr d i e neue Reichskriegsflagge an drei hohen Masten empor. Sie grüßt das morgend­liche Berlin. Die wartende Menge verharrt im deutschen Gruß und geht dann auseinander. Auf dem Gebäude in der Bendler-Straße wurde eben­falls die Reichskriegsflagge gehißt.

Mit einer besonderen Feierlichkeit verbunden war die Hissung der Flagge auf dem Gebäude des Reichsluftfahrtministeriums in der Behrenstraße. Um 7.45 Uhr marschierte eine Ehrenkompanie des Jagdgeschwaders Richthofen" unter Vorantritt eines Spiel­mannszuges mit Musik auf. An den beiden Flü­geln versammelten sich sämtliche Offiziere des Mi­nisteriums, die uniformierten Beamten, sowie die Amtschefs und Inspekteure. In Vertretung 'des Reichsluftfahrtministers und Oberbefehlshabers der Luftwaffe General der Flieger Göring schritt Staatssekretär Generalleutnant Milch die Front, ab. Punkt 8 Uhr gab der Kompanieführer das' Kommando:Achtung! Präsentiert das Gewehr! Heißt Flaggen!" Unter den Klängen des Präsentier­marsches wurde bann auf dem Dach des Hauses