ein hoher Erntebaum aufgerichtet worden, der von einem Erntekranz, mit Früchten und Blumen verziert, gekrönt wurde.
Sofort nach der Ankunft begaben sich die Gäste aus der Stadt zum Anger, auf dem die Kundgebung stattfand. Neben den Organisationen der Partei in Großen-Buseck nahmen auch die Politischen Leiter aus Gießen, die beiden Stürme der SA., die Gießener chitler-Iugend, BDM. und viele Volksgenossen teil. Die Erntedank-Kundgebung wurde mit herzlichen Worten der Begrüßung durch Bürgermeister R e b h o l z eingeleitet. In seiner kurzen Ansprache schilderte er den großen Wandel in unserem Vaterlande in den letzten Jahren, die Nöte des Bauern während der Zeit nach dem Kriege und unter der Herrschaft eines volksfremden Systems, er sprach von den Schädigungen, die der Bauernstand von feiten der Juden erleben mußte, und von der Entrechtung des Bauern auf seinem Grund und Boden in jener Zeit. Das alles fei, so führte er u. a. weiter aus, anders geworden, als der Führer die Macht im Staate übernahm. Dem Bauern fei Haus und Hof gesichert und gerechter Preis für seiner Hände Arbeit gegeben worden. Kein Bauer könne heute mehr von seiner Scholle vertrieben werden. Der Städter lerne mehr und mehr die Arbeit des Bauern schätzen. Stadt und Land seien keine Gegensätze mehr. Der Arbeiter und der Bauer lernten sich kennen, und der Geist der Volksgemeinschaft wurde mehr und mehr vertieft. So wie nach innen, so sei Deutschland auch nach außen wieder stark und frei geworden. Das deutsche Volk habe in der Wehrmacht seine Ehre wieder. Unser aller Arbeit gelte dem Volk, dem Vaterlande. Heber allem stehe unser Führer! Die Ansprache wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Im Anschluß daran hörte man die Ansprachen vom Bückeberg, die mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden. Zum Schluß der Kundgebung brachte Bür- germeister Rebholz ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer aus, in das jedermann begeistert einstimmte. Gemeinsam wurde sodann der erste Vers des Horst-Wessel-Liedes gesungen.
Eine schöne Bereicherung erfuhr die Kundgebung durch die Hitler-Jugend von Großen-Buseck, die im Rahmen ihrer Werbeaktion die Gelegenheit wahrnahm, vor vielen Zuhörern in Lied und Sprechchor und mit Musik ihres Spielmannszuges für die Sache der Staatsjugend zu werben.
Dann wandte sich alle Aufmerksamkeit der Gäste und der Einwohnerschaft dem schönen Festzug zu. Der Musikzug der SA. eröffnete den Zug, die Politischen Leiter und die SÄ. des Ortes folgten, inmitten des Festzuges marschierten die SA., HI. und BDM. aus Gießen und verhalfen damit dem Festzug mit zu feinem schönen Erfolg. Auf vielen Wagen war die abwechslungsreiche Arbeit des Bauern dargestellt. Zunächst zeigte sich der landwirtschaftliche Konsumverein im Dienste des Bauern, die Sämaschine folgte und Bauernmädchen in bunter, malerischer Tracht marschierten mit. Die Tierzucht als eine wichtige Erwerbsquelle des Bauern wurde in einem prächtigen Tiere veranschaulicht, der Schafzucht und ihren Vorteilen widmete man zwei Wagen und ein lustiger Wagen zeigte das Leben in der Heuernte. Die Kleintierzucht wurde auch nicht vergessen. Der Gartenbau zeigte einen Wagen voll prächtiger Früchte. Alle Aufmerksam- keil zog dann der Wagen von der Getreideernte auf sich, der sehr schön geschmückt war. Auf zwei Wagen wurde der alte Brauch der „Speannstobb" dar- getan, ein Wagen der Busecker Frauenschast schil- derte allerlei häusliche Arbeit. Die Darstellung 6er Kartoffelernte und der Holzversteigerung bildeten den Abschluß des Festzuges.
Schließlich traf man sich zu geselligem Beisammensein in der Gastwirtschaft Brück. Am Abend waren die Städter bei den Bauern zum Abendbrot au Gast. In schöner volksgemeinschaftlicher Ver- bundenheit klang der Tag aus.
Gießen-Mte in Geilshausen.
Bei dem schönen Herbstwetter bereitete die Fahrt der Ortsgruppe G i e ß e n - M i 11 e in das Lumdatal eine besondere Freude, die noch erhöht wurde durch die sehr freundliche Aufnahme bei den Bauern in Geilshausen. Am Vormittag fuhr der Sonderzug die Hunderte von Volksgenossen an den Lol- larer Fabriken vorbei in das schöne Lumdatal, wo bei Allendorf die Ausgrabungen mittelalterlicher
Wohnstätten an frühzeitige Menschenstedkungen erinnern.
Zum Empfang in Geilshausen hatten sich Bürgermeister und Ortsgruppenführer der NSDAP. Seipp, die SA. und eine Musikkapelle eingefunden. Kurz nach dem Einlaufen des Zuges waren auch die mit Kraftwagen gefahrenen Hitlerjungen und der BDM. eingetroffen. In Marschkolonne zogen die Gießener Gäste in das Dörfchen ein. Vorweg die Politischen Leiter und die SA. mit ihren Fahnen, die HI., der BDM. und die vielen Männer und Frauen. Das Dörfchen war sehr sinnig mit den Früchten des Feldes und den letzten Herbstblumen geschmückt.
An der Bürgermeisterei wurde Halt gemacht und die Quartierzettel ausgegeben, wobei Die Ortseinwohner, die SA. und der Kriegerverein bereitwil- Hgft die Fremdenführer stellten. Auf dem Dorfplatz hörte man die Uebertragungen vom Bückeberg. Ortseinwohner und Gäste standen einträchtig bei-, einander, um die Rede des Führers zu hören, deren herzliche Art auch hier einen starken Eindruck hinterließ. In das von dem Ortsgruppenführer und Bürgermeister Seipp auf den Führer ausge
brachte Sieg-Heil stimmten die Volksgenossen be- geiftert ein. Das gemeinsam gesungene Horst-Wessel- Lied beschloß den festlichen Akt.
Nach einer Kaffeepause, bei der die Gastgeber sehr reichlich, auch mit „Quetschenkuchen", aufwarteten, begann der Festzug, der in seiner Art und durch die finnige Ausarbeitung den Geilshaufenern alle Ehre machte. Es war der Festzug der vier Jahreszeiten, die das neue Jahr hoch zu Roß stolz ankündigten. Sehr lieblich war der Frühling mit den vielen kleinen Kindern, die Mädchen mit Blumen und die Jungen als behelmte Steckenpferdreiter, an- zufehen. Den Acker^räten folgte ein blondes Mädchen stolz zu Pferoe als lachender Sommer, 6as Tier mit Grün und Blumen geschmückt. Natürlich ehlten die Kirmesburschen mit ihren buntgeftidten Schürzen und die Musterungsburschen mit ihrem grünbelaubten Wagen und dem frohen Gesang nicht. Das Pferd, das den Herbst trug, hatte schon das herbstliche Farbenspiel derBäume zumSchmuck. Dem Erntekranz folgten wiederum die mit vieler Liebe und Verständnis geputzten Kinder, diesmal
die Früchte aus Garten und Feld hn Körbchen tragend. Spinnstuben und Honigküchen fehlten gleichfalls nicht. Dem strengen Winter liefen die Schulbuben mit dem Rodelschlitten nach, und würdigen Schrittes folgten gedankenschwer die alten Bauern, als wäre ihr ganzes Sinnen auf die Arbeit im neuen Kreislauf eingestellt. Zum Schluß wurde „der letzte Meckerer" aus Geilshausen, eine schwarze Ziege, zur Schlachtbank geführt. Dem Zuge schlossen sich die sehr zahlreich vertretene SA., HI., BDM. und die übrigen Volksgenossen an.
Auf dem Platze vor der Bürgermeisterei entwickelte sich ein buntes Leben. Die mit Hakenkreuzbannern geschmückte Bürgermeisterei und der zur Kirche ausgebaute, jahrhunderte alte Wachtturm im Hintergrund boten eine würdige Kulisse für das farbenprächtige Bild, das in bester Erinnerung bleiben wird. HI. und BDM. traten in einen edlen Sängerwettstreit, für den sie reichlichen Beifall fanden. In den Sälen entwickelte sich ein lustiges Treiben, und in den Häusern bahnten sich neue Freundschaften an. Die Geilshausener sind Bauern vom alten Schlag, in deren Stuben neben dem Kruzifix oder frommen Bibelspruch das Bild des
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Mannes als stolzer Soldat, vielfach als 116er, oder Dragoner, von den Wänden grüßt.
Nach reichlicher Bewirtung schlug nur zu schnell die Abschiedsstunde. — Ortsgruppenleiter Horst von Gießen-Mitte faßte den Dank der vielen Gießener für die freundliche Aufnahme und die reiche Bewirtung in dem Schlußwort zusammen, das mit einem Gelöbnis auf den Führer ausklang, der uns diese Stunden harmonischer Volksgemeinschaft geschenkt hat.
Deutsche Arbeitsfront.
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Wetterregeln
vom Oktober und November.
Wie in allen anderen Monaten, so weiß der Bauer auch für Oktober und November mancherlei kluge Regeln vom Wetter und feiner Bedeutung für künftige Zeit. Nicht ist ihm die Zukunft versiegelt; er weiß schon jetzt, welches Wetter im kommenden Frühjayr oder Sommer feiner wartet, denn: „Warmer Oktober bringt kalten Februar" und „Oktoberwetter zeigt stets an, wie's künftig um den März wird stahn" und „Wie's Wetter im Oktober sich stellt, solch Wetter in die Ernte fällt". „Bringt Oktober viel Frost und Wind, sind Januar und Februar gelind", „Regen im Oktober — Sturm im Dezember .
Ueberhaupt muß man nur das Wetter im Oktober beobachten, um zu wissen, wie der Winter fein wird und ob er früh oder spät zu erwarten ist. Da heiht's etwa: „Oktoberwetter warm und hell, bringt kalten Wind und Winter schnell", aber auch: „Im Oktober Sturm und Wind uns den frühen Winter künd't", „Viel - Nebel im Oktober — viel Schnee im Winter", „Bringt Oktober noch Gewitter, ist der Winter nur ein Zwitter", aber: „Schneit's im Oktober gleich, dann wird der Winter weich", dagegen: „Ist der Oktober freundlich mild, ist der März dafür rauh und wild". Guten Rat erteilt folgende Wetterregel: „Hält der Oktober das Laub lang fest, sorge dir ja für ein warmes Nest". Bedeutsam als Wetter-Lostag ist der 28. Oktober: „Sankt Ursula Wind von Norden bringt eine heitere Fastnacht, von Südosten einen nassen Winter" (Schweiz), auch ist zu bedenken: „An Ursula muß das Kraut herein, sonst schneien Simon und Juda drein". Wichtig für den Winzer sind der 10. und der 16. Oktober, denn: „Sankt Burkardi Sonnenschein, schüttet Zucker in den Wein hinein", aber: „äst Sankt Gallus naß, ist's für den Winzer kein Spaß", denn: „Soll der Winzer sich eines guten Weins erfreun, muß Sankt Gall noch sein ein Sommerlem". Der Gallustag ist überhaupt für die ganze Ernte des folgenden Jahres wichtig, denn: „So trocken wie St. Gallen, so trocken wird der Sommer fallen", ebenso wichtig der 21. Oktober: „Wolfgang Regen, verspricht ein Jahr voll Segen", aber „Katharinenschnee, tut dem Kohl und dem Samen weh", dagegen: „Ist's wolkig am Katharinentag, gedeihen die Bienen gut danach", doch: „Wenn's an Mariä Opferung (21. November) so schön Wetter ist, daß die Immen fliegen, so ist das nächste Jahr ein Hungerjahr", wohingegen man am 28. Oktober Wissenswertes über's Weihnachtswetter erfährt, denn „Simon und Juda regierte Weihnachtswetter."
Vom November sagt man in Ostfriesland: „Wen't Unmeer in de November nich wil, ban kumt et fefer in de April", aber: „Friert im November zeitig das Wasser, dann ist's im Januar um so nasser". Andernorts heißt's: „November-Morgenrot — mit langem Regen droht", oder „Viel Novemberschnee, viel Korn und' Klee" und „kalter November und fruchtreich Jahr, sind vereinigt immerdar", aber: „November trocken und klar, bringt wenig Segen für's nächste Jahr", dagegen: „Novemberdonner hat die Kraft, daß er viel Getreide schafft". Weiter heißt's: „Fällt im November das Laub sehr ftüh zur Erden, soll ein feiner Sommer werden". Vom 1. November heißt's sehr vorsichtig: „Allerheiligen-Sommer dauert drei Stunden, drei Tage oder drei Wochen", und vom 2. November sagt man in der Schweiz: „Der Allerseelentag will drei Tropfe Rüge ha." Ein gar bedeutungsvoller Tag ist auch der 11. November, von dem es heißt: „Wie Sankt Martin sich führt ein, soll zumeist der Winter fein", ober: „Geht die Gans Martini auf Eis, geht bas Christkinb auf Kot." Unb recht herzlich müssen wir alle wünschen, baß am Martinstag schön Wetter fei, benn:
„Macht Sankt Martin ein trübes Gesicht, Bringt Zahnschmerzen er unb auch bie Gicht; Läßt er hingegen sich fröhlich sehn,
Brauchst nicht zum Doktor unb Baber gehn."
„Martensgoos (Gans) und mitte Knaken (Knochen)
Ward 'n harten Winter mafen;
Sünd de Knaken öwer rot, Matt de Winter uns kein Not"
Kundgebung mit SA-Gruppenführer pg.prinzAugufiWilhelm »Preußen in -er Volkshalle, am Mittwoch, dem 9. Oktober, 20 tlhr.
An der Kundgebung nehmen folgende Ehrenabordnungen der Partei und der Gliederungen teil:
1. Aahnengruppe der politischen Leiter und der DAA.
2. 60 Mann politische Leiter.
3. Aahnengruppe der SA., Ularine-S2L, NSKK.
4. ein Ehrensturm der SA. von 120 Mann.
5. Hitler-Zugend 200 Manu.
6. Zungvolksührer (bis Zungzugführer).
Die SS. übernimmt mit 60 Mann die Absperrung und Kartenkontrolle. Oeffnung der Volkshalle um 19 Uhr.
Die übrigen Volksgenossen müssen sich rechtzeitig Eintrittskarten für die Kund- gebung besorgen.
Vorverkaufs st ellenr Kreisleitung.
Kreiswaltung der DAA.
Geschäftsstellen der Ortsgruppen Gießen-Mltte und Gießen-Nord und die zuständigen Vlockleiter.
heil Hitler!
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3a — man muß nur Ideen haben! Nicht nur Beppo Pepitano hatte welche, sondern auch ein anderer junger Mann, dem ein sehr knapper Geldbeutel zu Erfindergeist verhalf. Der junge Mann stand mit Reitstiefeln, Zylinder und rotem Frack vor einem knallroten Zelt, bas auf einem Podium stand unb die vielsagende Aufschrift trug: „Hier!! Hier!! Die größte Frau der Welt!! Nur hier!!" Den Oktoberfestbesuchern, die gaffend am Seit vorbeizogen, tönte es gewaltig in die Ohren: „Hereinspaziert, meine Damen und Herrn! Immer hereinspaziert!! Die größte Frau der Welt, die garantiert größte, gewaltigste Frau aller Zeiten ist hier zu sehen! Um zehn Pfennige, um ganze zehn Pfennige!" Also warf man zehn Pfennige in die rot verhüllte Riesensparkasse, die neben dem Ausrufer aufgebaut war, und stolperte in die Bude. Darin sah man zunächst — nichts! Radikal nichts! Endlich bemerkte man an der roten Rückwand der
Archibaldo Mellagro gehörte schon zu den. „gut gestellten" Schaustellern. Er reifte in einem geräumigen hellgrünen Wohnwagen und besaß ein schönes großes Zett mit richtiger Bühne, Vorhang
Bude ein kleines, rundes, verglastes Guckloch und darüber in mächtigen weißen Buchstaben: „Hier die größte Frau der Welt! Hier!!" Neugierig brückte man bas Auge ans Guckloch und erblickte draußen — bie Bavaria! Das Wahrzeichen Münchens, Meister Schwanthalers gewalttges Erzstandbild, das seinen ehernen Kranz wie segnend über das bunte Gewimmel zu Füßen auf der Theresienwiese hält, ist gut 19 Meter hoch, der Kopf allein fast zwei Meter, bie Nase der Riefendame hat eine Länge von einem halben Meter und das Gewicht beträgt etwa 1700 Zentner. Die größte Frau der Welt — nun ja —
Eine gewaltige Aufschrift über dem Bubeneingang verkündete, baß hier der „F li e g e n d e H o l l ä n - d e r" um ben billigen Eintrittspreis von fünf Pfennigen zu besichtigen fei. Beppo Pepitano stand in einer Art Holländerkostüm vor der Bude, spielte Handharmonika und seiner kräftigen Ausruferstimme gelang es bald, ein paar Neugierige zum Opfern eines „Fünferls" zu veranlassen. Sie stolperten in den dämmrigen Raum, schauten' — schauten — und sahen den „Fliegenden Holländer": eine dicke brennrote Edamer Käsekugel, bie an der Decke der Meinen Bude on einer Federspirale und
Der Zaubertisch war also eigentlich ein Kasten und darin hockte der Gehilfe des Zauberers und mimte ben „sprechenden Kopf"! Der Vorhang fiel schleunigst unter dem übermütigen Gejohle der Zuschauer und dahinter hörte man ben Zauberkünstler laut schimpfen und den Tyras bei klatschenden Schlägen jämmerlich heulen. Am andern Morgen war das Zauberzelt Archibaldo Mellaaros abgebrochen — der sprechende Kopf hatte seine Rolle auf dem Münchener Oktoberfest gründlich ausgespielt.
man diese kostbaren und nebenbei auch lehrreichen Blätter im Oktoberheft von Velhagen & Kinsings Monatsheften betrachtet und lieft, was Felix R i e m f a ft e n , der Dichter und Weinkenner, dazu geschrieben hat. Wie wunderschön schil- dert er, wenn man irgendwo am Maine herum auf einem der langgezogenen Hügelrücken sitzt, gegen Abend zu, wenn die schlimmste Hitze sich gelegt hat, wenn der Himmel nur noch golden-rötlich im Dunst liegt, wenn der Wein feinen Perlhauch Glaswand preßt, so daß er doppelt kW
und Sitzbänken für bie Zuschauer. Frau Mellagro laß vor dem Zelteingang an der Kasse, und wenn der grünrote, goldgestickte Vorhang in die Höhe ging, führte Archibaldo mit seinem Gehilfen in orientalischer Tracht und bei geheimnisvoll bläulicher Beleuchtung dem werten Publikum allerlei Zauberkunststücke vor. Die „Hauptatttaktion" war der „s p r e ch e n d e K o p f", der bei ben Zuschauern stets höchstes Staunen und Gruseln erweckte.
allerlei sonstigem Drahtwerk so kunstvoll befestigt war, daß sie ständig auf unb ab freifte! Die Schaulustigen staunten nicht wenig über Liefen „Fliegenden Holländer". Brummten im ersten Aerger des Reinfalls auch allerlei Unfreundliches von „Schwindel" und „Polizei". Doch rasch siegte der Münche- ner Humor, und als sie aus der wackligen Buden- tür heraustraten und die gespannten Mienen der anderen Oktoberfestbesucher sahen, die sich um den Ausrufer drängten, schmunzelten sie geheimnisvoll und ließen es ruhig geschehen, daß auch andere auf ben „Fliegenden Holländer" hereinfielen. Auch alle weiteren Besucher dachten: „A Fünfer! is der Witz scho wert!" Und so machte Beppo Pepitano mit seiner bunten Bube bie besten Geschäfte.
Da stand auf der teppichhelegten Bühne ein Tisch. Ein ganz gewöhnlicher Tisch anscheinend, mit vier Beinen und einer roten Plüschdecke. Archibaldo Mellagro hob bie Decke ab und zeigte dem verehrten Publikum, daß es sich um einen einfachen Tisch handelte. Dann stellte er sich mit seinem mächttaen Zauberbuch vor dem Tisch auf und murmelte Beschwörungen. Geheimnisvolle Rauchwolken (von der Frau Direktor mittels einer großen Pfeife durch die Kulissen hereingeblasen) umnebelten die Bühne. Archibaldo trat zur Seite: da stand mitten auf dem Tisch der „sprechende Kopf". Schauerlich anzusehen, schneebleich, mit dunklen Haaren und halbgeschlossenen Augen. Er drehte sich nach rechts und nach links, bewegte Augen, und Lippen und antwortete mit hohler Stimme auf die Fragen des Zaubermeisters. Auch die Zukunft konnte er deuten. .Das Publikum schauderte. Konnte sich bie Sache nicht erklären. Denn man sah durch bie vier Beine des Tischchens auf den baruntergebreiteten Teppich. So konnte kein Mensch darunter verborgen fein und es mußte sich folglich um übernatürliche Dinge handeln. Der Zauberkünstler erzielte glänzende Einnahmen. Die Zuschauer Drängten sich nur so in fein Zett, um das Wunder zu sehen und staunten gläubig bis zu jenem schwarzen Tage, an dem Meister Mellagro den Hund „Tyras'^ kaufte. Er wollte einen Wächter für feinen Wagen haben unb band ben Tyras an einem Wagenrad fest. Das langweilte den Tyras, er zerrte an feinem Strick, dieser riß und Tyras schnupperte vergnügt auf der Festwiese herum. Fand ben Eingang zum Zauber- zelt unb die Spur feines Herrn, schlüpfte mit etlichen Besuchern in den Zuschauerraum, erblickte seinen Herrn und sprang nut Freudengebell auf die Bühne. Gerade vor das Zaubertischchen, auf dem der „sprechende Kopf" geheimnisvolle Antworten gab.
Plötzlich sahen die verdutzten Zuschauer zwei Hunde: Tyras' struppige Promenademischungs- gestalt spiegelte sich haargenau zwischen den Beinen des Zaubertischchens. Kein Zweifel: zwischen ben Tischbeinen war Spiegelglas eingelassen und das Tischchen so geschickt aufgestellt, daß der sich im Glase spiegelnde Teppich dem Publikum einen leeren Raum zwischen den Tischbeinen vortauschte..
Okioberfest-Zauber.
Von E. Trost.
Auf dem Münchener Oktoberfest gibt es Schaubuden, Schiffsschaukeln, Achterbahnen, Raritätenschauen, Bier- und Weinhallen, Verkaussstünde von gewaltigen Ausmaßen und nicht wenige Schausteller, die für bie beiden Festwochen auf der Theresienwiese Summen von 400 000 bis 500 000 Mark und mehr noch riskieren. In den langen Budenstraßen stehen aber neben ben Großunternehmen auch winzige Zelte und Holzhütten. Die Ausstattung ist mehr als bescheiden. Doch auch sie finden ihr Publikum. Man muß es nur verstehen.
Da war etwa vor etlichen Jahren einmal der Schausteller Pepi Pilsl aus Straubing. Sein Künstlername lautete hochtrabend Seppo Pepitano, aber bas nützte ihm wenig. Der kluge, dressierte Affe Joli, mit dem Pepi Pilsl von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zog und der das Programm der „großen Riesenwunderschau Pepitano" ganz allein bestritt, war kürzlich eingegangen. Nun hatte der arme Pepi Pilsl nichts mehr als die Bretterbude, in der feine Vorführungen stattgefunden hatten, und im Beutel noch ganze drei Mark. Ein Haufen ver- wetterte, halbmorsche Bretter, ein wenig grauer Zeltstoff und ein Taler: wenig, sehr wenig, um damit auf dem Münchener Oktoberfest dem ver- ehrlichen Publikum eine „Attraktion" zu bieten.
Trotzdem war die „große Wunder- und Rari- tätenschau Beppo Pepitano" prompt auf der „Wies'n" zu finden. Ihr Eigentümer hatte die kleine Sube mit allerlei von irgendeinem Neubau „entlehnten" Farben prachtvoll bemalt. Auf der einen Seite sah man etwas, bas wie ein großes weißes Segelschiff auf strahlend blauem Meer aussah. Die übrigen Wandmalereien konnten vielleicht eine Urwaldlandschaft, vielleicht auch einen etwas futuristisch geratenen „Sonnenaufgang auf der Alm" darstellen. Phantasie brauchte man jedenfalls zu beibem.
Geländemarsch auf der Weinkarte.
Etwas sehr Erfreuliches ist geschehn! Auf sieben luftigen Kartenblättern hat der Maler Adolf P r o p p mit bunten Farben und in heiteren Sinnbildern die Landschaften der deutschen Weine gezeichnet: Franken, Baden und Schwaben, Rhem, Ahr und Mosel, den Rheingau, bie Pfalz, unb auch Naumburg unb Grünberg finb nicht vergessen. Behaglich unb genießerisch wirb einem zumute, wenn
Glaswand preßt, so daß er doppelt kühl und dop. pelt frisch aussieht. Dann geht vieles nicht mehr. Geht nicht, allen Dreck Übelzunehmen, bittere Briefe zu schreiben, grimmige Pläne rücksichtslos auszuführen. Solchen Menschen würde man dort nicht leiben können. Sie würden sagen: „Er erschmeckt es nicht, er ertrinkt es nicht, er ist wahrhaftig diese Sonne unb biefen Wein unb diese schone, milbe, weithin geruhige Lanbschaft nicht wert." Unb ba sie nstssen, wie schön bies alles ist, so bleiben sie auf eigenem Grunde heimisch, gießen ein weiteres Gläs- lem voll, heben es erst ans Licht unb gönnen bem Innersten eine Freub'. Ihr Wein ist nicht herbe, ihr Wein wirft nicht um, ihr Wein ist trinkbar. Trink- bar, bas ist: es macht nichts aus, ob man ein Gläs- lein mehr trinkt. Trinkbar, bas ist: im Freien zu Kinken, nachts, unter mUbem Himmel. Niemand braucht sich zu fürchten vor diesem Wein. Man wird ganz hübsch lustig nach diesem Wein. Es geht sich - wunderschön und manchmal närrisch heim nach bie- n fern Wein :. i > ... ।
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