Einzelbild herunterladen

Samstag, 7. September 1955

Nr. 209 Erstes Blatt

185. Zahrgang

Eichener Anzeiger

Dr.

rung mitteilen, die eine Förderung der erb' gesunden Familien bedeuten?

3. Frage: Die deutsche Gesetzgebung ist an­deren Staaten vielfach vorausgeeilt. Worin besteht eigentlich die deutsche Rassengesetz­gebung?

Dr. Frick: Die deutsche Gesetzgebung will einer­seits den erbkranken Nachwuchs ein- schränken bzw. verhindern, und anderseits den gesunden und wertvollen Menschen die Fortpflanzung erleichtern. Daher müssen planmäßig die Erbkranken von der weite­ren Fortpflanzung durch Unfruchtbarmachung, Sterilisation, ausgeschaltet werden. Wir stre­ben bei Erbkranken eine möglichst freiwillige Steri­lisation an und fördern daher das Verantwor- tungsbewuhtsein jedes einzelnen durch erbgesund- heitliche Erziehung.

So wie man Seuchen verhindern und austilgen muß, so muh man auch Maßnahmen zur Eindäm­mung der Erbkrankheiten treffen, wenn das Volk nicht Schaden leiden soll. Natürlich können und dürfen die Maßnahmen der Regierung nicht nur im Negativen, im Verhindern des Schlechten und Unwerten liegen, sie müssen vielmehr auch positiv die Bevorzugung und Förderung der erbgesunden wertvollen und rassisch hochwertigen Menschen zum Ziel haben.

4. Frage: Können Sie mir, Herr Reichs­minister, einige Maßnahmen der Reichsregie­

Reichsminisler Dr. Frick, der auf dem Inter­nationalen Kongreß für Vevölke- rungswifsenschaft in Berlin eine bedeut­same Rede über die Bevölkerungspolitik des Deut­schen Reiches hielt, beantwortete einem Vertreter derMitteleuropäischen Korrespondenz- einige Fra­gen über Art, Ziel und Mittel der v o l k s b i o l o - gischen Maßnahmen des Reiches. Wir sind in der Lage, die Ausführungen des Reichsministers

Dr. Frick: Die Reichsregierung war zunächst be­strebt, die natürliche Vevölkerungszu- nähme zu erhöhen, was ihr auch in sehr großem Umfange gelungen ist. Das ist unter anderem durch Gewährung der Ehestandsdarlehen versucht und erreicht worden, die vielen Zehntausen­den junger Frauen und Männern, deren Eheschlie­ßung nach ärztlichem Urteil im Interesse der Volks­gemeinschaft liegt, die Familiengründung ermög­lichten, indem ihnen aus Reichsmitteln Darlehenbis zu 1000 Mark gewährt wur­den. Diese Darlehen sind in sehr geringen Teil­zahlungen tilgbar, und außerdem wird nach der Geburt jedes Kindes ein Teilbetrag erlassen. Mit dem Reichserbhofgeseh und dem Gesetz zur Neubildung des deutschen Bauern­tums haben wir Vorsorge getroffen, daß der Bauernstand als wichtigste Quelle gesunden Blutes auf seiner Scholle erhalten bleibe und sorgenfreier als früher wirken könne. Das Endziel unserer Sledlungsgefehgebung ist es, möglichst vielen Deutschen ein eigenes Stück Grund und Boden zu sichern.

5. Frage: Herr Reichsminister, Sie wissen, daß im Auslande die Rassen- und Bevölke- rungspolitik des Reiches als ein Mittel zur Erreichung imperialistischer Ziele hingestellt wurde. Würden Sie zu diesem Einwand etwas sagen?

Dr. Frick: Ich habe in meiner Eröffnungsan­sprache zum Internationalen Bevölkerungswissen- schaftlichen Kongreß in Berlin erklärt, daß das nationalsozialistische Reich aus seinen rassischen Grundsätzen und Erkenntnissen heraus ein Geg­ner des Krieges fei. 3n Rebern Kriege fal­len die Gesündesten und Tapfersten der Nationen, meist in früher Jugend, ohne Nachkommen gezeugt zu haben. Jeder Krieg muh mit so großen Opfern wertvollsten Blutes er­kauft werden, daß selbst der günstigste Friede die Verluste nicht aufzuwiegen vermag. Aus diesen Er­kenntnissen ergibt sich deutlich, daß der National­sozialismus keine kriegerischen Verwick­lungen wünscht, und daß er vielmehr sein Ziel in der Ertüchtigung und Reinhal­tung des Volkstums sieht. Ich bin über­zeugt, daß der eben abgeschlossene Kongreß den Vertretern aller Nationen gezeigt hat, daß das Deutsche Reich mit feiner Gesetzgebung einen friedlichen Beitrag zur Kultur der Völker leistet.

an der Gesamterbmasse bedrohlich an. Das muh geändert werden, wenn anders die Kultur der Menschheit nicht in gröhte Gefahr geraten soll. Die Bevölkerungspolitik des Deutschen Reiches greift deshalb mit allen Mitteln der modernen Wissen­schaft in die Entwicklung ein.

Die Angriffe einer gewissen Presse gegen unsere bevölkerungspolitischen Mahnahmen sind völlig un­berechtigt und sachlich unrichtig. Vor allem möchte ich feststellen, dah ähnlich wie im Deutschen Reiche auch in Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen, in einigen Staaten der USA. und im Kanton Waadt in der Schweiz die Sterili­sation von Geistesschwachen gesetzlich geregelt ist. Weiter ist beachtenswert, dah ein so angesehenes Forum, wie es der Internatio­nale Strafrechts- und Gefängnis- Kongreh ist, erst jüngst und der Internatio­nale Kongreh der Eugenischen Organi­sationen am 21. Juli vorigen Jahres die Regie­rungen der Welt aufforderten, die Probleme der Erbbiologie, der Vevölkerungspolitik und der Ras­senhygiene zu studieren und die Ergebnisse der Er­fahrungen, die in einer Reihe europäischer Länder und in Amerika gemacht wurden, zum Dohle ihrer Völker in der Gesetzgebung zu verwerten.

Frick im folgenden wiederzugeben.

1. Frage: Herr Reichsminister, Sie haben auf dem Internationalen Kongreß für Be­völkerungswissenschaft, der von 32 Nationen beschickt war, darauf hingewiesen, daß die Bevölkerungsbewegung bei allen Kultur­nationen wenig erfreulich sei. Erwarten Sie in der Zukunft eine Aenderung in dieser Hinsicht?

sinien habe sich nicht als würdig erwiesen, der Ge­meinschaft der zivilisierten Nationen anzugehören, Italien müsse daher ihren Irrtum bedauern, den sie bei der Befürwortung der Aufnahme Abessiniens in den Völkerbund began­gen habe.

Genfer Korrespondenten haben sich der Mühe unterzogen, die Erklärung wieder ans Tageslicht zu ziehen, mit der 1923 der italienische Delegierte Graf Bonn-Longare entgegen den Warnungen Englands den Ausschlag für die Aufnahme Abessiniens in den Völkerbund gegeben hat. Es lohnt sich, diese Lobeshymne wieder in Erinnerung zu bringen. Sie lautete:Der An­trag Abessiniens auf Aufnahme stellt eine dem Völkerbund erwiesene Huldigung dar. Sie ist um so wertvoller, als sie von einer Nation stammt, die bisher am Rande der großen internationalen Strö­mungen gelebt hat, die aber dank der bewun­dernswerten Festigkeit, mit der sie Jahr­hunderte hindurch ihre Religion und ihren nationa­len Charakter bewahrt hat, Anspruch auf rit­terliche Achtung erworben hat, einen An­spruch, dem hier Gerechtigkeit zuteil werden muß." Weiter hieß es, der Sklavenhandel sei in Abessinien bei Todesstrafe untersagt, die Sklaverei zu einer Dienstpflicht herabgemildert, Abessinien werde im Zentrum Afrikas als Mitglied des Völkerbundes ein aktiver und erfolg­reicher Vorkämpfer des Friedens wer­den. Das war Italiens Meinung vor 13 Jahren, heute wird das gleiche Abessinien, dem nicht nur britische Beobachter bescheinigen, daß inzwischen un­erhört viel für die Beseitigung der Sklaverei und die Hebung der Zivilisation geleistet worden ist, von der italienischen Presse und auch in den Denkschrif­ten der italienischen Regierung als ein Staat von Wilden hingestellt, die weder Vertrauen nochrit­terliche Achtung" verdienten, sondern nur durch eine Strafexpedition" Italiens zur Raison zu bringen seien.

Die Aberkennung der Gleichberechtigung hat Ita­lien auch unmittelbar in die Praxis umgesetzt, Aloisi und seine Mitarbeiter verließen prompt den Ratsjaal, als der französische Universitätsprofessor

Dr. Frick: Ls ist leider eine Tatsache, dah alle kullurnalionen sich bevölkerungspolitisch ungün- st i g entwickeln. Wenn dieser Zustand nicht geändert werden könnte, müßte mit Sicherheit der Zeitpunkt kommen, in dem eine Katastrophe über die Träger der INenschheitskullur, insbe­sondere über das Abendland hereinbricht. Es ist meine feste Ueberzeugung, dah der Internationale Kongreh viel dazu beigetragen hat, um neue Wege aus der biologischen Not der Völker zu weisen.

2. Frage: Die Rassengesetzgebung des Rei­ches ist von einer gewissen Presse sehr stark angegriffen worden. Könnten Sie, Herr Reichsminister, etwas in dieser Hinsicht sagen?

Dr. Frick: Ich möchte vor allem feststellen, dah alles, was auf bevölkerungspolitischem Gebiete im Deutschen Reiche geschieht, sich in keiner Weise gegen andere Völker oder Rassen richtet. Unsere Maßnahmen sind rein innerpoHfi- scher Natur und haben eine vernünftige Bevöl­kerungspolitik zum Ziele. Früher war es so, dah nichts unternommen wurde, um die erbkranke und erbbela stete Nachkommenschaft zu beschränken. Anderseits konnte die gesunde, wertvolle und vielköpfige Familie nirgends auf Förderung und Hilfe rechnen. 3m liberalistischen Zeitalter, das das I u n g g e f e l l e n- tum und die Spätehe zwangsläufig zur Folge hatte, und in dem die Rationalisierung der Geburten als höchste Weisheit galt, erfuhr der Bestand des Volkes gerade an wertvollem Erb­gut eine stete Verminderung durch die Ge­burtenbeschränkung, ja sogar das Aus st erben erbtüchtigerFamilien. Im Gegensatz hierzu stieg der Anteil der Bl indertüchtigen

Mitgliedern nicht zu vermeiden sein wird. Die Rats­tagung begann mit dem Verlesen des Schieds­spruches im U a l - U a l - S t r e i t, der dem di­plomatischen Witz des Griechen P o l i t i s alle Ehre macht, denn er vermeidet es sorgfältig, einer der Parteien die Verantwortung für den Zwischenfall zuzuschieben. Was dann folgte, Edens kurzer sach­licher Bericht über den Zusammenbruch der Dreier­konferenz. Lavals ergänzende Bemerkungen und schließlich die Aeußerungen der beiden Parteien, das alles brachte keine neuen Momente. Für die englische Taktik war es immerhin ein beachtenswer­ter Erfolg, Italien zu einer ausführlichen Darle­gung seiner Klagen gegen Abessinien genötigt zu haben. Aloisis Denkschrift gipfelte in der Erklärung, daß sich Italien in seiner Würde als zivilisierte Nation aufs tiefste verletzt fühlen müsse, wenn es im Rahmen des Völkerbundes auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit Abessinien weiter verhandeln müsse. Diese ' Gleichberechtigung könne nicht einem

und schon Anfang des Jahres in Addis Abeba we­gen des Abschlusses eines Konzessionsvertrages son­diert hatte. Das Staatsdepartement hat erreicht, daß die Standard Oil von dem Konzessionsvertrag zurücktreten wird, wenn damit nun auch der Negus vielleicht nicht alles hat erreichen können, was er sich von dem Konzessionsoertrag erhofft haben mag, so hat er doch vor aller Welt seine unbe­schränkte Souveränität unter Beweis gestellt, aber auch, was vielleicht für die von ihm vertretene Sache noch wichtiger ist, seinen britischen Sekundan­ten von dem Vorwurf, mit der Oelkonzession in Abessinien kraß eigensüchtige Interessen zu verfol­gen, reingewaschen zu sehen.

Englands Stellung ist aus dem tragikomischen Oel- Zwischenspiel beträchtlich gestärkt hervorgegangen. Das kommt natürlich Eden jetzt in Genf sehr zu statten, wo der Völkerbundsrat di? Gal­genfrist, die ihm das verspätete Ende der Regenzeit gewährt, zu nützen bestrebt ist, um einen Weg zu finden, der wenigstens den Völkerbund als Insti­tution vor schwersten Erschütterungen bewahrt, wenn nun einmal ein Krieg zwischen zwei Dölkerbunds-

tätigkeit durch irgendwelches Hineinspielen kapitali­stischer Interessen des Auslandes in den gegenwär­tigen Konflikt zu verhindern. Washington hat dem britischen Ersuchen entsprochen. Staatssekretär Hüll hat das Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur strengen Neutralität im italienisch-abessinischen Kon­flikt erneuert und auch die Hintergründe des Konzes- sionsoertrages durchleuchtet. Dabei hat sich heraus- gestellt, daß Dr. R i ck e t t keineswegs ein politischer Abenteurer und phantasiebegabter Pläneschmied ist, sondern der Beauftragte der Standard Oil Company ------- , ... .. . v

of New Persey die bereits feit zwanzig Jahren an: Staate zukommen, der, wie Zlbeßinien, die ihm den Erdölvorkommen in Abessinien interessiert ist'zufallenden Verpflichtungen nicht erfüllt habe. Abes-

Oie Galgenfrist.

Die Meteorologen haben berechnet, daß die Regenzeit in Abessinien in diesem Jahre ungewöhn­lich spät aufhören werde. So hat Italien aus­reichend Spielraum, feine militärischen und wirt­schaftlichen Vorbereitungen für den Krieg in Ost- afrifa in aller Ruhe und mit der Sorgfalt zu be­enden, die ein Feldzug im tropischen Hochgebirge ' erfordert. Der letzte italienische Ministerrat, vom Duce in dramatischer Form nach Bozen, dem 1 Hauptquartier im südtiroler Manöoergelände, ein- i berufen, hat einschneidende wirtschaftliche Maß- ; nahmen beschlossen, die sich nur aus der Annahme rechtfertigen lassen, daß Italien sich bereits als im ! Kriegszustand befindlich betrachtet, denn manche ' dieser Mahnahmen gehen jetzt schon weiter als die im Weltkrieg von zahlreichen kriegführenden Län­dern erlassenen Bestimmungen, so z. B. die Be­schlagnahme aller ausländischen Wertpapiere und aller Forderungen italienischer Gläubiger an aus­ländische Schuldner. Dies sowohl wie die neue Treibstoffverordnung trägt der besonders schwie­rigen Finanz- und Rohstofflage Italiens unter dem Gesichtspunkt Rechnung, zu verhüten, dah der ost- afrikanische Feldzug, den man in Rom die Straf­expedition gegen Abessinien nennt, in London und anderswo aber das abessinische Abenteuer, durch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch beendet wird.

Auch die italienische Armee und ihre Führung erhalten ihren letzten Schliff. Denn das nördliche Grenzgebiet des Brenners hat man wohl kaum allein zum Manövergelände gewählt, um die Sorgen des französischen Bundesgenossen zu beschwichtigen, Italien könne bei wachsenden Ver­pflichtungen in Afrika feinereuropäischen Auf­gabe" nicht mehr in vollem Umfange gerecht wer­den. Französische Generalstäbler haben sich von der Grundlosigkeit ihrer Befürchtungen überzeugen können und die Teilnahme des italienischen Ge- neralstabschefs wie einer sowjetrusfischen Militär­mission an den großen französischen Herbstrnanövern in der Champagne werden wohl auch den ängst­lichsten Franzosen die Sorge nehmen, dah sie wäh­rend Italiens abessinischem Feldzug in Europa allein gelassen sind. Vermutlich wird aber auch die Ähnlichkeit der südtiroler Alpen mit dem künf­tigen Kriegsschauplatz im ostafrikanischem Hochge­birge für die Wahl des Manövergeländes mitge­sprochen haben. Klima, Unwegsamkeit und das Dickicht des Buschwaldes werden allerdings die italienische Heeresleitung auf dem eigentlichen Kriegsschauplatz vor Aufgaben stellen, die im Ma­növergelände nicht gelehrt werden konnten. Der zu erwartende Kleinkrieg wird an die Moral des ita­lienischen Soldaten und an die Einsicht der italie­nischen Heeresleitung Anforderungen stellen, die nur im Ernstfälle erprobt werden können.

A b e f f i n i e n hat die Galgenfrist, die ihm die Regenzeit bis zum Beginn der Feindseligkeiten nach allen Berichten der in Addis Abeba bereits zahlreich versammelten Zeitungskorrespondenten aus aller Herren Länder ebenfalls weidlich genützt, um feine rein technisch sehr schwache militärische Stellung nach Kräften zu verbessern. Die Waffen­ausfuhrverbote Amerikas und Englands wie die finanzielle Schwäche des Reichs sind für diese Be­mühungen starke Hemmungen. Um so mehr hat sich der Kaiser wohl von dem diplomatischem Coup ver­sprochen. den er mit dem überraschenden Abschluß eines Konzessions- und Anleihever­trages über die Ausbeutung der Oeloorkommen Aethiopiens mit einem amerikanischen Petroleum­trust mitten in die Kriegsvorbereitungen Italiens und das sie begleitende Palaver der Großmächte gelandet hat. Der Negus hatte vielleicht gehofft, einmal durch die Jntereffennahme starker Kapital­gruppen des Auslandes auch die Politik für sich günstig gestalten zu können, zum andern durch schleunige Auslieferung der von Italien begehrten wirtschaftlichen Schätze seines Landes an andere, weil nur wirtschaftlich interessierte auch minder ge­fährliche Mächte den Italienern die Lust an der Eroberung einer ausgehöhlten Nußschale zu neh­men. Ader es scheint, als ob die Rechnung des Negus zumindest einen Fehler enthielt, die Un­terschätzung des Bestrebens der Mächte, vornehm­lich Englands, wenigstens nicht in diesem Augenblick irgendwie als persönlich interessiert an dem Abefsinienkonflikt zu erscheinen.

Die italienische Presse hatte mit großem ©tim« menaufmanb den britischen Makler R i ck e 11, der zu nächtlicher Stunde in Addis 2lbeba den geheim­nisvollen Vertrag mit dem Kaiser getätigt hatte, als politischen Abenteurer vom Schlage eines Law­rence hingestellt, der unter dem Schutze vorgescho­bener wirtschaftlicher Geschäfte lediglich Handlanger­dienste des britischen Imperialismus verrichte. Die Grundlosigkeit dieser Verdächtigungen, mit denen man natürlich Englands Uneigennützigkeit im Abes­sinienkonflikt in Zweifel ziehen wollte, sollte sich in­dessen schnell Herausstellen. Die britische Regierung wies sofort nach Bekanntwerden des Konzeffionsver- trages ihren Gesandten in Addis Abeba an, dem Ne­gus den Abschluß des Vertrages zu widerraten und fetzte sich auch mit dem amerikanischen Kabinett in Verbindung, um eine Erschwerung ihrer Vermittler«

Erlchenn täglich, außer MVA M Annahme von Anzeigen

Sonntags und Feiertags Pv für die Mittagsnummer

Beilagen: Die Illustrierte ikA ▲▲ AA ▲▲ AA bis8'/,U!)rbes-Bormittags

ss? z I m

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 M von mm Breite

Ohne Illustrierte W W D W W 60Rpf.,Platzvorschrift oder

Zustellgebühr,. -.25 schwieriger Satz25°/.meh-

oon^ einzelnen^ Nummern Ermäßigte Grundpreise:

infolge höherer Gewalt _ < < Stellen», Vereins., gemein-

MM Seneral-Anzeiger für Gberheffen

granifurtammatn 11688 Druck und Verlag: SrShl'sche Univerfilätsvuch- und Steindruckerei R.Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schnlftratzer M-ng-nabfchiün-Staffel ö

Jeze als Delegierter Abessiniens- mit der Beant­wortung der italienischen Denkschrift beginnen wollte. Man hat allerdings nicht den Eindruck, daß dieser wohl als besondere Sensation gedachte Aus- rnarsch der Italiener ihre Stellung in Genf per- bessert hat. Wenn auch die Pariser Blätter über ihren Landsmann Professor Jeze herfallen, dessen Auftreten als Delegierter Abessiniens die franzö­sische Politik schädige und dessen Ausführungen an- zuhören man Aloisi nicht zumuten könne, so dürften diesmal die Ausführungen des sowjetrussischen Volkskommissars Litwinow die Stimmung namentlich unter den nicht direkt interessierten Staaten in Genf besser charakterisieren. Natürlich ist es für Sowjetrußland selber aus sehr durch­sichtigen Gründen eine Lebensfrage, jede Erörte­rung der inneren Verhältnisse eines Mitgliedsstaates des Völkerbundes, wie sie die italienische Denkschrift über Abessinien angeftellt hat, scharf zurückzuweisen. Aber darüber hinaus betonte Litwinow auch, un- geachtet der alten Freundschaft mit dem faschistischen Italien und der neueren Liaison zu dem verbün­deten Frankreich, besonders scharf die absolute Gleichberechtigung und das unveräußerliche Recht auf Unabhängigkeit aller Dölkerbundsmitglieder. Es kann kein Zweifel sein, daß dieser Grundsatz weit­gehend der Auffassung der kleinen und mittleren Mächte entspricht, die natürlich keineswegs ein- sehen wollen, daß es rechtens sein soll, ein Völker« bundsmitglied aus dem Völkerbund hinauszuwerfen, um einem mächtigeren Mitgliedsstaat Gelegenheit zu geben, es ohne Schaden für das Ansehen des Völkerbundes zu verspeisen. Gerade die kleineren Mächte, die im Ausbau des Völkerbundsgedankens einen Schutz für ihren nationalen Bestand vor Uebergriffen mächtigerer Nachbarn gefunden zi» haben glaubten, würden sehr nachdenklich werden müssen, wenn die von Italien vorgeschlagene Pro­zedur tatsächlich Gesetz werden sollte. Man wird gespannt sein dürfen, welchen DersöhnungstrunL die Großmächte während der ihnen noch verbleiben­den Galgenfrist hinter den Kulissen von Genf zu- fdmmenbrauen werden, um dem Völkerbund aus der Klemme zu helfen, ohne sich selber in Unge- legrnheiten zu bringen.

Durch Rassenpoliiik zum Frieden!

($ine Unterredung mit dem Reichsminister des Innern Or. Wilhelm Krick.