kekt gegeben. Anmeldungen vormittags auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, Zimmer 7, Tel. 2919. Für Anfängerkurse werden Bälle und Schläger vom Sportamt gestellt.
Reiten.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Montags von 21 bis 22 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz; Dienstags von 21 bis 22 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz; Mittwochs von 20 bis 21 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz; Freitags von 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz. Für den Mittwochkursus sind noch sechs Plätze frei. Interessenten wollen sich umgehend an das Sportamt, Schanzenstraße 18, Sprechstunden von 8 bis 13 Uhr, oder Telephon 2919, wenden. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. 8 Sportmarken je 1 Mk. = 8 Mk., bzw. für Nichtmitglieder 8 Sportmarken je 1,50 Mk. - 12 Mk.
Schwimmen.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Montags von 18 bis 19.15 Uhr: Badeanstalt des Männerbadevereins; Mittwochs von 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr: Volksbad. Ab Dienstag, 6.8., von 19.30 bis 20.45 Uhr und 20.45 bis 22 Uhr: Hallenbad Wetzlar. Samstags von 16 bis 17.30 Uhr: Lahnbad Lollar.
Oie neuen Kleinverkaufspreise für Eier.
LPD. Vom Eierverwertungsoerband Hessen wird mitgeteilt, daß innerhalb seines Gebietes aus Grund der Preisfestsetzung vom 5. August 1935 folgende Kleinverkauf sp reise als angemessen angesehen werden:
Gl: S 13^ Pf., A 12^ bis 13 Pf., B 12 Pf., C 11 Pf., D 10^ Pf.
GII: Vk Pf. niedriger.
Sollte sich ergeben, daß diese als angemessen erkannten Kleinoerkaufspreise nicht eingehalten werden, so ist damit zu rechnen, daß zum Schutze des Verbrauchers Kleinverkaufs-Höchstpreise festgesetzt werden. Im übrigen wird noch darauf hingewiesen, daß zur Sicherung der allgemeinen Versorgungslage laufend zusätzlich Kühlhauseier zur Verfügung stehen. Diese werden jeweils nach sorgfältiger Prüfung der Marktverhältnisse durch die zuständigen Stellen der Verbraucherschaft zugeführt.
Pflichtprüfung derKaufmannslehrlinge im September.
Die Industrie- und Handelskammer Gießen weist nochmals darauf hin, daß im Monat September 1935 alle Lehrlinae, die im Herbst dieses Jahres zum Reichsarbeitsoienst oder zur Wehrmacht ein» gezogen werden, und die männlichen und weiblichen Lehrlinge, die am 30. September 1935 ihre Lehrzeit beenden, ihre Kaufmannsgehilfen-Pflichtprüfung abzulegen haben. Die Anmeldefrist läuft bereits am 10. August 1935 ab. Die' Lehrherren sind verpflichtet, ihre Lehrlinge dem Prüfungsausschuß bei ihrer zuständigen Industrie- und Handelskammer auf dem vorgedruckten Anmeldebogen, der bei der Kammer erhältlich ist, zu melden.
Zagdkreis Gießen.
Die Pressestelle des Kreisjägermeisters teilt mit: Die nächste Versammlung des Hegerings Gießen findet am Samstag, 10. August, um 21 Uhr pünktlich im Saale des Hotels Schütz statt. Zum Erscheinen sind alle Jagdscheininhaber verpflichtet, die im Gebiet des Hegerings wohnen.
Das letzte Schießen auf Wurftauben, Hasen und Pistolenziele findet am Mittwoch, 14. August, ab 15 Uhr statt. Alle Jagdscheininhaber, die diese Uebungen noch nicht geschossen haben, sind zum Erscheinen verpflichtet.
Wer an der Teilnahme an irgendeiner Veranstaltung der Deutschen Jägerschaft verhindert ist, hat die Pflicht, sich vorher zu entschuldigen.
Wir sanden zueinanoer.
Vornan von Klothilde v. Gtegmann.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme Verlag Halle (S.)
21 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Dann hatte Marlen Karla von ihrem jetzigen Leben berichtet. Sie wohne in Berlin und hatte eine Beschäftigung, wie sie schrieb. Was für eine Beschäftigung das wäre, wußte Karla nicht. Marlen schien es geheimhalten zu wollen.
Georg Korda, Marlens Bruder, schien mit seinen wissenschaftlichen Versuchen jetzt voranzukom- men. Marlen schrieb, daß sie ihm Geld dazu ge- geben hätte, da ja Dietrich ihr ausdrücklich erlaubt hätte, über ihre Rente so zu verfügen, wie sie es wollte.
Marlen schrieb dann:
„Du kannst Dir denken, meine liebe Karla, daß es mir nicht leicht geworden ist, Geld von Dietrich anzunehmen. Aber es galt Georg und sein Leben. Ja, es galt vielleicht sogar einer Erfindung, die unserem Vaterlande einmal von großem Nutzen sein kann. Da mußte ich alle Bedenken zurückstellen. Ich hoffe, daß Georg sehr bald einen vollen Erfolg haben wird."
Sehr bedrückt las Karla diesen Brief. Sie sehnte sich nach der Freundin. Aber Marlen hatte wohl recht nut ihrer Weigerung, hierherzukommen. Nur daß man brieflich so furchtbar schlecht sagen konnte, was einem auf dem Herzen lag. Alles war wie eine Mauer, die sich nicht nur zwischen Dietrich und Karla, sondern auch zwischen Karla und Mar- len stellte.
Hauptmann von Weckenroth begriff nicht, was eigentlich vorgefallen war. Aber als er gefragt, hatte Karla ihn so flehentlich gebeten, diesen Punkt nicht zu berühren, und hatte so fassungslos geweint, daß Hauptmann Weckenroth schwieg.
Ein einziger Glücksstrahl kam in Karlas einsames Leben, als plötzlich ein Brief von Doktor Langgisser auf dem Schloß eintraf. Doktor Langgisser hatte feit dem Zusammenbruch des Sanatoriums in Wiesbaden nichts mehr von sich hören lassen. Nun meldete er sich plötzlich.
Er bat für sein Schweigen um Entschuldigung und begründete es damit, daß er erst festen Boden unter den Füßen haben wollte. Nun aber wäre das der Fall. Er wäre Chefarzt eines großen Sanatoriums in Locarno geworden und hätte dort unter seinen Patienten den Grafen Velcheim gehabt. Jetzt erst erfuhr Karla, daß Doktor Langgisser Trauzeuge bei Dietrich und Marlen gewesen war. Dietrich hatte nichts davon erzählt, wie er denn überhaupt jedes Gespräch über die Eheschließung mit Marlen vermieden hatte.
Doktor Langgisser schrieb:
„Ich hatte Gelegenheit, mein gnädiges Fräulein, mit Ihrer Freundin Marlen ein vaar Worte zu wechseln. Und was ich erfahren yabe.
Ein Meteor von Gießen aus gesehen.
In den Abendstunden des gestrigen Dienstages, um 20.30 Uhr, sah man von Gießen aus eine seltene und prächtige Himmelserscheinung. Es handelte sich um einen Meteor, der — von unserem Standort zwischen Hauptpost und Bahnhof aus gesehen — von der äußeren Frankfurter Straße yer etwa in Richtung Heuchelheim dahinzog, also ungefähr den Weg von Osten nach Westen nahm. Es war ein herrlicher Anblick, den stahlblau-grün schimmernden Meteor mit langem funkelnden Schweif dahinziehen zu sehen und als hell leuchtenden Körper schließlich aus dem Auge zu verlieren. Die Höhe und die Schnelligkeit des Meteors waren — natürlich relativ bewertet — gar nicht allzu groß, man konnte vielmehr mit Muße die einzigartige Himmelserscheinung betrachten. Der Vorgang erregte natürlich die Aufmerksamkeit aller Spaziergänger, die durch Zufall das Glück hatten,
Zeuge dieses Schauspieles zu sein. Merkwürdig war in diesem Zusammenhang, daß der bereits sichtbare Mond eine ganz eigenartige, rotgelbe Färbung zeigte und in der Mitte der Mondsichel einen starken Schatten aufwies. Ob diese Erscheinung mit dem Fluge des Meteors in Verbindung zu bringen ist, können natürlich nur die Sachverständigen beurteilen.
Aus Ober-Bessingen wird uns von einem Leser heute früh telephonisch berichtet, daß er den Meteor etwa zwischen Hungen und Lich bemerkt hat und daß ihm dabei als besonders beachtenswerter Vorgang eine Absplitterung von dem dahin- sausenden Lichtkörper ausgefallen ist.
In einer Zuschrift aus Großen - Buseck werden die Beobachtungen, wie wir sie von Gießen aus machen konnten, ebenfalls geschildert.
Ausklang -es Gaufestes.
Ein Treffen alter Heffenturner.
Samstagnachmittag trafen sich, wie uns noch mitgeteilt wird, in großer Zahl Gaufestbesucher aus dem früheren Gau Hessen im alten Mittelrheinkreis im „Schützenhaus" zu einem kameradschaftlichen Zusammensein. Man sah bei diesem Treffen manch altes befreundetes Gesicht und leuchtende Augen, die — wie der ehemalige Gauvertreter Artur Pfeiffer- Wetzlar in feinen Begrüßungsworten betonte, wohl die Berechtigung zu dieser Zusammenkunft aufzeigten. Man sang gemeinschaftlich das Lied „Ein Ruf ist erklungen^ und hörte dann aus dem Munde Pfeiffers einen kurzen Rückblick über die Entwicklung des früheren mittelrheinischen Gaues Hessen, der trotz feines fast rein ländlichen Aufbaues durch feinen langjährigen Gauoberturnwart, feinen „lieben alten Wilhelm Will" auf eine sehr hohe turnerisch-technische Stufe gebracht worden sei. Auch wirtschaftlich sei der Gau immer gut fundiert gewesen; er hat auch dem Mittelrheinkreis lange Jahre den Kreisoertreter gestellt und dem Kreis auch eine gute Kreiszeitung gegeben. Pfeiffer bat die alten Heffengauer, alle Liebe zur Turnsache und alle Arbeitskraft wie früher so auch jetzt im neuen Verband zu bewahren und aufzubringen und zu dienen der schönen Turnsache, der sein „Gut-Heil" galt.
Worte echer Turn- und Hessenkameradschaft fand auch der unter seinen Gießener und hessischen Kameraden weilende Finanzrat Schäfer- Berlin. Man brachte Dank und Gruß in anerkennenden Worten und begeistertem „Gut-Heil" dem ehemaligen Gauvertreter und Gauoberturnwart zum Ausdruck.
Der anwesende DT.-Gauführer des neuen Gaues Hessen, Turnbruder Brunst- Vollmarshausen, sprach in echt turnerischer Art zu den Versammelten; er freute sich über den Zusammenhalt der alten Hessenturner und bat, auch ihm als dem neuen Gau- führer dieselbe Liebe und Treue entgegenzubringen, wie dem stüheren Gauvertreter, dann werde das
turnerische Leben im Gau guten Fortschritt nehmen.
In ehrender Weise wurde der verstorbenen Turnbrüder Wenzel, Holm und Metzler gedacht und ihnen, die bis zum Tod für die Turnsache gewirkt, ein stilles „Gut Heil" gewidmet.
Man sang Turnerlieder und war froh in turnerischer Gemeinschaft zusammen. Ein dankbares Erinnern war's an vergangene Zeiten und ein froh Geloben für Gegenwart und Zukunft.
Turnausflüge — Abschiedstreffen.
Wenn die Turner und Sportler, die während des Gaufestes unsere Gäste waren, am Montag auch das Straßenbild nicht mehr beherrschten, so war doch festzustellen, daß sie noch in größerer Zahl in unserer Stadt anwesend waren. Eine größere Anzahl Turner unternahmen nach altem Brauche auch Turnfahrten und Ausflüge. So begab sich die ältere Kasseler Turngemeinde auf eine Fahrt durch den Vogelsberg, nach Alsfeld und der Schwalm, um von dort die Weiterreise nach Kassel anzutreten. Andere Gaufestbesucher suchten am Montag das Lahntal und hier vor allem Braunfels auf, kehrten abends nach Gießen zurück und nahmen dann am gestrigen Dienstag Abschied von der gasllichen Feststadt, in der es — wie uns immer wieder versichert wurde — ihnen ohne Ausnahme sehr gut gefallen hat.
Die DT.-Gauführung, die ja für die Durchführung des Reichsbundfestes verantwortlich war, traf sich übrigens Montag früh in dem Turnerlokal von Beppler zu einem Abschiedstrunk mit der örtlichen Festleitung. Sehr viele der Gießener Mithelfer am Aufbau und der Durchführung nahmen an diesem kameradschaftlichen Beisammensein teil. Manch frohgestimmte Rede wurde dabei noch gehalten, manch frisches Lied gesungen, nach getaner Arbeit und zumal nach einer in allen Teilen wohlgelungenen Arbeit durfte der Frohsinn zu seinem Recht kommen, und bas geschah denn auch in diesen Stunden des Abschiednehmens.
Heist dem Deutschtum im Ausland!
Man berichtet uns: Arn 2. August hielt Pg. Weinberger vor einer zahlreich versammelten Gefolgschaft der Firma Tönninger G. m. b. H., Gießen, einen interessanten Vortrag über das Deutschtum im Ausland.
Nach Begrüßung durch den Betriebs führ er Herrn Karl Bünninaer sprach Pg. Weinberger über unsere deutschen Brüder und Schwestern im Ausland und in den Grenzländem. Er stellte an Hand von Zahlen fest, daß heute tatsächlich nur zwei Drittel aller Deutschen im Mutterlande leben
und ein Drittel auf alle Länder der (Erbe verteilt feien. Infolge des in Deutschlanb von jeher herrschenden Raummangels seien schon vor Jahrhunderten aus allen Teilen des Deutschen Reichs die Menschen ausgewandert, sei es, weil sie vielleicht selbst nicht fühlten, daß es ihnen im deutschen Daterlande noch gut ging, sei es, weil sie auf ein besseres Los und Abenteuer in fremden Landen hofften. Leider, so betonte der Redner, hatte man damals noch kein Verständnis dafür, das von den Auswanderern eroberte und urbar gemachte Land zu erwerben, sondern es kam anderen Völkern zugute. Millionen deutscher Menschen, die Sudeten
deutschen, Deutsch-Oesterreicher usw. kämpfen heut» für Deutschland mit der brennenden Sehnsucht, einmal wieder in das große Deutsche Reich eingeglie- dert zu werden. Dies sei vor allem bewiesen durch die kürzlich in der Tschechoslowakei stattgefundenen Wahlen, bei denen der Großteil (etwa 70 v. H.) aller Sudetendeutschen ihre Stimme Konrad Henlein gegeben hätten. Eine große Liebe zum Mutterlande Deutschland beherrscht all diese leider von uns getrennten Brüder und Schwestern, flieht dach auch in ihren Adern, wenn sie auch eine andere Staatsangehörigkeit besitzen, urdeutsches Blut. Im Verlause seiner Ausführungen erinnerte der Redner auch an die vielen Opfer, die im Kampf um das Deutschtum und den Nationalsozialismus auf den Barrikaden in Wien, bei den Aufständen in Tirol usw. gestorben seien. Sehr eindringlich ermahnte Pg. Weinberger die Zuhörer, auch die Deutschen im Ausland nicht zu vergessen und fie tq ihrem Kampf um die Zugehörigkeit zu dem großen Deutschen Reich zu unterstützen.
Nach dem Vortrag, der vor dankbaren Zuhörern gehalten wurde, dankte Herr Carl Bänninger dem Redner für seine Ausführungen und ermahnte auch seinerseits die Gefolgschaft, dem VDA. ihre Hilfe nicht zu versagen.
Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer wurde die Versammlung durch Betriebszellenobmann Diehl geschlossen.
Gefallenen-Gedenkfeier des BHE. auf der Herchenhainer Höhe.
Der Gesamtvorstand des Vogelsberger Höhen- Clubs teilt mit, daß am Sonntag, 1. September, 14.30 Uhr eine Gedenkfeier für die gefallenen Brü» der am Ehrenmal auf der Herchenhainer Höhe statt- finbet. Es wird erwartet, daß alle Zweigvereine bet dieser Feier vertreten sind.
Vornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Erbe in Pretoria",
*
** Unsere Garnison ist im Laufe der letzten Nacht in mehreren Transporten nach dem Truppenübungsplatz Altengrabow bei Magdeburg zu mehrwöchigen Uebungen abgefahren.
** Eine Mahnung an säumige Zahler zur Bezahlung der Strom- und Gasgelber vom Juni veröffentlicht bie Direktion ber ftäbtifchen Betriebe in unserem heutigen Anzeigenteil. Auf Die Bekanntmachung fei besonbers hingewiesen.
** Gegen bas Abschießen von Brieftauben wenbet sich ber Brieftaubenklub Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil mit ber Zusage einer Belohnung an solche Personen, bie Taubenschießer so namhaft machen können, baß bie gerichtliche Verfolgung möglich ist.
** Schulpersonalie. Uebertragen wurde dem Studienrat an der Realschule in Langen Georg Zimmermann eine Stubienratsstelle an der Aufbauschule in Friedberg mit Wirkung vom Tage des Schulbeginns nach den Herbstferien.
** Das Fundfachenverzeichnis. Das Verzeichnis über die im Monat Juli gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf- Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während ber Dienststunben geltenb zu machen.
** Achtung! Falsche Zehn-Dollarnoten. Eine angeblich schwebische Reisegesellschaft in zwei sechssitzigen Autos — Nummern unbekannt —, deren Führer sich als Direktor ber Gesellschaft ausgibt, läßt sich von den Inhabern ober Geschäftsführern der Uebernachtungshotels 100 Mark geben und händigt dafür als Sicherheit eine wertlose Zehn-Dollarnote aus. Vor Annahme dieser Noten wird gewarnt. Es wird gebeten, die Be
tz at mich mit großer Sorge erfüllt. Zwischen den jungen Ehegatten besteht ein schwerer Zwiespalt. Worum es sich handelt, weiß ich nicht. Aber ich habe bie größten Befürchtungen für das Schicksal biefer beiben Menschen. Darum schreibe ich Ihnen. Vielleicht, baß wir beibe da irgendwie helfend eingreifen könnten. Ich würde gern einmal über all das mit Ihnen sprechen. Brieflich läßt sich bas schwer machen, unb es ist mir jetzt ganz unmöglich, von hier abzukommen. Planen Sie roieber einmal eine Reise? Ich würbe mich von Herzen freuen, Sie roieber» zusehen. Unb nicht nur wegen Fräulein Marlen. Wie geht es Ihnen gesunbheitlich? Was tun unb treiben Sie? Wenn Sie einmal gar nichts Besseres vorhaben, bann schreiben Sie mir einige Zeilen. Alles, was Sie angeht, bewegt mich von Herzen. Bitte, empfehlen Sie mich Ihrem sehr verehrten Herrn Vater unb seien Sie felb^t ehr- erbietigft unb aufrichtigst begrüßt von Ihrem
Langgisser."
Karla las ben Brief immer roieber. Ein wehmütiges Glücksempfinben floß burch ihr Herz. In bem Bttef Langgissers glaubte sie zwischen ben Zeilen vieles, vieles zu lesen. Aber bann schalt sie sich roieber. Hatte sie benn immer noch nicht abgeschlossen mit biefen Träumen von Glück unb Liebe? Sie wußte boch, baß sie abseits stehen mußte von bem sonnigen Pfab, auf bem anbere Altersgenossinnen roanberten. Sie war ein Krüppel. Sie bürste nie baran benfcn, baß ein Mann sie lieben unb begehren könnte. Aber wenn nicht um ihretwillen, so wollte sie boch um Marlens willen mit Doktor Langgisser roieber in nähere Fühlung kommen.
Der Vater wollte ja ohnehin, wenn bie Ernte vorüber war, feine alljährliche Reise machen. Er wollte zunächst mit ihr nach Zermatt unb anschlie- fjenb baran burch bie Schweiz reifen. Von ba aber konnte man einen Abstecher nach Locarno machen. Sie wollte Doktor Langgisser überraschen. Ob er sich freuen würde? Ach, ihr Herz klopfte schon stürmisch bei dem Gedanken, ihn roieber« Zusehen.
Beim Abendbrot fragte sie den Vater vorsichtig nach den Reiseplänen aus unb schlug ihm vor, als Abschluß ber Reise einen Aufenthalt in Locarno 3u nehmen. Hauptmann Weckenroth war es recht. Äarla schien sich auf diese Reise zu freuen, bann Tro°r schon zufrieden. Das Mädel war seit ben W°chem feit tiefer unbegreiflichen Geschichte zwischen Dietrich unb Marlen, orbentlidh elenb ge» morben. Vielleicht kam sie auf anbere Gebauten, wenn sie erst einmal weit fort waren.
begriff biefe ganze Sache nicht. Am Stamm- h!/ fitvoW Kreisstabt hatte man schon hin unb per gerebet. Alle tfamlhen, mit denen man verkehrte, waren in Aufregung. Aber kein Mensch wußte, warum bas junge Paar nicht zusammen, wie es sich gehörte, nach Schloß Veltheim zurückge- kchrt war, und warum Dietrich allein wie ein
Junggeselle auf seinem Schloß hauste, während seine junge Frau irgendwo in der Welt herumschwirrte. Denn baß sich zwei Menschen wie Dietrich unb Marlen nur aus äußeren Grünben geheiratet hatten, ber eine, um bas Testament zu erfüllen unb Besitzer von Veltheim zu werben, bie anbere, um ein leichtes Wohlleben zu führen, bas ging Hauptmann Weckenroth nicht in ben Kopf. Ein anberes Geheimnis mußte dahinterstecken. Aber was für eins nur?
Wochenlang hatte er darüber nachgebacht. Aber schließlich war er wütend geworden Mochten bie beiben, Dietrich unb Marlen, ihre Sache selbst mit- einanber abmachen. Er wollte sich nicht auch noch verrückt machen — unb Karla sollte nicht barunter leiben. So beschloß er, Mitte August bie Reise mit Karla anzutreten.
17. Kapitel.
Weit vor ben Toren von Berlin, wo Havel unb Seen wie mit einem blauen Band bas grüne Laub umschließen, breiten sich Blumenfelber neben Blu- menfelbern aus. Daneben in unabsehbarer Weite fruchtbare Obstgärten. Im Frühling stehen sie in schneeiger Blüte, jetzt im August prangten Aepfel unb Birnen in reicher Fülle an ben ni'eberhängen- ben Zweigen.
Am Gartentor eines kleinen freunblichen Sommerhäuschens steht eine schöne, schlanke Frauen- gestalt. Sie hat ben weißen Sonnenhut über bem Arm hängen. Ihr klares, reines Gesicht mit ben silbergrauen Augen späht aufmerksam in bie Ferne.
Jetzt leuchten die grauen Augen auf. An der Wegbiegung erscheint ein kleines Auto, kommt näher unb näher. Ein junger Mann, ber am Steuer sitzt, sieht jetzt bie roartenbe Frau unb winkt ihr fröhlich entgegen. Jetzt hält bas Auto vor dem kleinen Tor, über bas bie Wicken ihre roten unb weißen Blüten neigen.
„Guten Tag, Marlen!" sagt nun ber junge Mann unb springt aus bem Auto. Zärtlich umarmt er bie Schwester. Sein' Gesicht strahlt.
„Du siehst aus, als ob bu etwas Gutes bringst, Georg."
Marlen hat ben Bruder untergefaßt und geht mit ihm bem kleinen Sommerhäuschen zu.
„Hab' ich auch, Marlen! Denk dir, meine Versuche sind nun in großem Maßstabe überraschend gelungen. Heute war ein reicher Deutschamerikaner bei mir, ber mit mir Zusammenarbeiten will. Er will nun meine Entbeckung in großem Stil auf seinen Felbern brühen in Amerika ausprobieren. (Er hat mich aufgefordert, mit ihm hinüberzugehen unb bie Versuche selbst zu überwachen. Er will mir genau basselbe Laboratorium aufbauen, wie ich es hier habe. Aber ich werde meine Versuche auf einem zehnmal größeren Terrain fortsetzen können, als ich es hier habe. Sowie brühen die Dinge nach Wunsch gebiehen sinb, will er mit mir zusammen bie (Erfinbung patentieren lassen unb aus« beuten."
„Wie herrlich, Georg, baß bu nun soweit bist!" Georg sah bie Schwester innig an. Liebe und Dankbarkeit leuchteten aus seinen Augen.
„Unb wem verbank' ich bas alles? Nur dir, Marlen! Ohne bich wäre bas alles nie gekommen. Ach, Marlen, es ist immer noch wie ein Wunber. Daß es Menschen gibt wie jene schwebische alte Dame, die dich in dem Wiesbadener Sanatorium liebgeroonnen hat und dich zur (Erbin einsetzte —< das ist ja wie ein Märchen."
Marlen wurde rot und sprach schnell von etwas anderem. Gott sei Dank, daß Georg so fest an diese Erzählung von ihr glaubte. Er war ja im praktischen Leben ein solcher Träumer unb Phantast, daß man es ihm hatte einreden können.
Die Lüge war ihr nicht leicht gefallen. Doch sicher hätte Georg keinen Pfennig von ihr angenommen, wenn er die wahre Herkunft des Geldes erfahren hätte. So hatte sie ihm auch völlig verschwiegen, daß sie verheiratet war. Bisher war es ihr immer noch gelungen, ihn in dieser frommen Täuschung zu lassen. So hatte das Geld Dietrichs wenigstens einen Segen: Georg war aus ber Verzweiflung heraus, er konnte arbeiten unb schaffen. Er war auf bem Wege, etwas Großes zu erreichen.
Wie oft hatte er ihr gesagt:
„Paß nur auf, Marlen, biefe (Erfinbung bedeutet eine vollkommene Umwälzung für bie Lanb- wirtschast. Die beutsche Futtermittelnot wirb mit einem Schlage behoben fein. Wir werben es nicht mehr nötig haben, frembe Futtermittel einzuführen. Damit werben Millionen Dolksvermögen im ßanbe bleiben. Unb, Marlen, wenn ich so weit bin, bann gebe ich bir alles Gelb auf Heller unb Pfennig roieber.
Dieser Gebaute allein hatte Marlen aufrechterhalten unb ihr Kraft gegeben. Dietrichs Vermögen für Georg zu verwenden. Einmal würde er es ihr ja roiebergeben, unb bann würbe sie Pfennig um Pfennig, Mark um Mark an Dietrich zurückzahlen. Dann würbe sie ihm Rechnung legen unb sagen:
„Ich habe keinen Pfennig von dir angenommen. Was ich für meine Person brauchte, habe ich mir mit meiner Hände Arbeit verdient."
Dieser Gedanke gab ihr auch jetzt wieder Trost und Kraft. Sie schaute sich um. Weit um ihr kleines, einfaches Blockhäuschen grünte und blühte es. Da standen Rosen, niedrige unb hochstämmige, in allen Farben. Da leuchtete ber Golblack vom hellsten Messing bis zum tiefsten Herbstbraun. Da nickten bie tränenben Herzen in ihrem Rot und Weiß zierlich im Winbe. Der Rittersporn stand in lichter Wolke von Blau und Weiß, Gladiolen, Malven, Glyzinien wuchsen hoch empor. Die ersten Dahlien breiteten ihre leuchtenden Blütengesichter der Sonne entgegen. Stiefmütterchen« beete leuchteten in samtigen Farben. Alle Som- merblumen schienen sich hier vereint zu haben.
(Fortsetzung folgt!)


