Einzelbild herunterladen

Nr. 182 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Mittwoch, 7. AugufN935

ihr Erscheinen bekundet.

Hiller-Jugend,Bann 116.

Falsche Sparsamkeit in der Hausapotheke.

die der

22 Uhr: Frauen; Körper-

Bei an-

Man sieht also, daß auch die Wiederbenutzung alter, aufbewahrter Arzneien gefährlich und eine falsche Sparsamkeit ist!

Man hüte sich vor dem Verbrauch alter Vor­räte aus der Hausapotheke ebenso, wie vor der Befolgung guter Ratschläge der Nachbarn, Ver­wandten oder Freunde!

Wer krank ist, lasse sich gründlich untersuchen und Mittel verschreiben, die für den betreffenden Fall für richtig erachtet werden! Dann hat der Kranke die nach menschlichem Ermessen beste Ge­währ für die Wiedererlangung seiner Gesundheit!

Die Straßenbahn beim Gaufest.

daß nicht aus einer überstürzten Fristsetzung ein­zelnen Firmen, denen die Benachrichtigung nicht so rasch zugestellt werden kann, Nachteile erwachsen.

straße, verlegt:

Donnerstags von 20 bis 31 und 21 bis Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Freitags von 20 bis 21 Uhr: Allgemeine schule für Frauen und Männer.

Allgemeine Körperschule.

Schwerer Schaden kann entstehen, wenn sparsame Hausfrau Medizinreste sorgsam in Hausapotheke aufbewahrt.Wenn irgend jemand wieder mal an so etwas leidet".

In vielen Familien findet man das Schränkchen mit dem TitelHausapotheke" angefüllt mit aller- lei Flaschen, Schachteln, Töpfchen usw., in denen die Reste irgendwelcher Mixturen, Pillen, Pulver, Salben und dergleichen einemweiteren Bedarfs­fälle" entgegenschlummern. Leider denkt keiner diesersparsamen" Verwahrer von Medizinresten dabei an folgende Tatsachen:

1. Jede Arznei wird für einen bestimmten Krankheitsfall verordnet! Es ist niemals anzu­nehmen, daß die gleiche Arznei bei einem anderen Kranken (selbst wenn er wirklich an derselben Krankheit leidet, wie der Dorverbraucher der Me­dizin) dieselbe Wirkung haben wird!

2. Viele Arzneien, vor allem Flüssigkeiten und Salben (aber auch Pillen und Pulver), verändern sich im Laufe einer gewissen Zeit und verderben!

3. Bei allen Arzneipackungen sind leicht Irr­tümer möglich: kein Mensch ist imstande, durch Be­riechen, Besehen oder Befühlen einer Arznei fest- zustellen, was in der Flasche oder Packung ist!

An dieBevölkerung von Gießen!

Am Mittwoch, 7. A u g u st . sindet um 2 1 11 f) r (9 Ufjr abends) aus dem Brandplah die

feierliche Verleihung der HZ.-Ehrenzeichen

statt, die durch eine kulturelle Umrahmung eine besondere Bedeutung gewinnt.

An der Feier nehmen teil: der gesamte Unterbann Gießen. Abordnungen des Jungvolks und des Bi)TH.

Wir laden die Bevölkerung zu dieser Veranstaltung ein und hassen, daß sie ihre Verbundenheit und ihr Interesse an der deutschen Jugend und ihrem Wollen durch

Zur Bewältigung des Massenverkehrs an den ' Tagen des Gaufestes hatte unsere Straßenbahnver- ' waltung nicht nur den gesamten Wagenpark, son- ' dern auch noch eine große Anzahl Hilfskräfte neben dem ständigen Straßenbahnpersonal eingesetzt. Die Wagen verkehrten im Z'/r-Minuten-Fahrplan, wo- durch der Andrang überall reibungslos bewältigt werden konnte. Der aufopfernde Dienst unserer Straßenbahner während der Tage und Nachte die- (er großen Veranstaltung verdient die uneinge­schränkte Anerkennung aller Volksgenossen, zumal wenn man bedenkt, daß die Straßenbahner in jenen Großkamvftagen meist nicht mehr als drei bis vier Stunden Schlaf genießen konnten und nach dieser kurzen Ruhezeit schon wieder zur Verfügung stehen mußten. Man kann mit Recht sagen, daß dieser an­erkennenswerten, außerordentlichen Leistung des

Teil des guten Gelingens des Gausestes zu ver­danken ist und daß diese Männer, die sich hier wiederum als vorbildliche Diener der Gesamtheit bewährt haben, Anspruch auf besonderen Dank er­heben können. Welche große Leistung unser Stra­ßenbahndienst an den Tagen des Gaufestes voll- brachte, geht wohl am eindrucksvollen aus der ge­waltigen Zahl der beförderten Personen hervor. Wie wir auf eine Anfrage bei der Straßenbahndirektlon erfahren, wurden an den Gaufesttagen insgesamt 41 452 Personen von der Straßenbahn befördert. Davon entfallen auf den Freitag, 2. August, 8475 Personen, auf Samstag, 3. August, 14 100 und auf Sonntag, 4. August, 18 877 Fahrgäste.

Entfernung der Metdep aketten

Die Geschäftsstelle Gießen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, Bezirksgruppe Hessen, teilt uns mit:

Nachdem die bisher zur Wirtschaftsgruppe Em- zclhandel gemeldeten Firmen karteimähig erfaßt und diese Karteien den Bezirks- und Fachgruppen zugestellt worden sind, erübrigt sich für den weite- ren Gang des Meldeverfahrens die Beibehaltung der Plakette mit der AufschriftGemeldet beim Ge- amtoerband des Deutschen Einzelhandels". Es hat ich gezeigt, daß nach der Errichtung der Wirt- chaftsgruppe die Anbringung der Plakette mit der BezeichnungGesamtverband des Deutschen Einzel­

wunderlich hin und her, die Auaen blinzelten in das Dämmern der Stube, als suchten sie wen, der vor ihnen flüchten wollte, und in den Runzeln saß der lederne Hohn.

S'Good! sagte der Räuber abermals, er warf die Tür mit einem Fußtritt ins Schloß und kam mit drei langen Schritten an Hannes Tisch gestelzt. Mit Erlaubnis! sagte er krächzend, zoa sich den Stuhl unterm Tisch hervor und ließ sich gliederknackend drauf nieder, das Filzhütchen immer noch auf dem Schädel, als wolle er keine Zeit mit der Suche nach einem Hütchen vergeuden, wenn er vielleicht diese Stube verlassen mußte, mit Hannes armseliger Barschaft in seinen Spinnenfingern des Alters, denn sein Haar unter dem Hütchen war schon grau.

Wo blieb nur die Wirtin, die dicke, gute, Hand- feste Obernwirtin mit ihrer schützenden Fülle, ihrer gemütlichen Rundheit! Sie schlief wohl am Herd auf der Bank, fie sägte leise die zarten Hölzer ruhiger Träume, während hier drinnen im menschen­kahlen Raum der Räuber schon wieder sein nacktes Messer aus der Lederwichs zog und mit der an­deren Hand so verdächtig in seinen Janker griff...

Doch da stand sie ja schon auf der Schwelle, die runde Person, lächelnd und wohlgefällig, ein Bild des Friedens, und sie watschelte um die vielen Tische herum zu den beiden, grüßte und fragte nach ihrem Durst.

A Maß Dunkel!, sagte der Räuber, und a Haus-

Aus der provinzialhauptsiadt.

Wie werden Insektenstiche behandelt?

Dor allem muß man sich darüber klar sein, was , Insektenstiche eigentlich für Veränderungen in der Haut des Menschen Hervorrufen. Mit den sehr ge- ' jährlichen Wirkungen des Stiches ausländischer In­sekten wie der Anophelesmücke, die die Malaria überträgt, oder jener Fliege, deren Stich die Schlaf­krankheit übermittelt, haben wir hier in Deutsch­land ja nichts zu schaffen. Aber auch die harmloseren Stiche der Insekten unserer Breiten sind unangenehm genug, um sich einmal mit ihrem Wesen vertraut zu machen und um danach die geeigneten Bekämp­fungsmaßnahmen ergreifen zu können.

Es sei gleich vorweg genommen, daß Bienen, Wespen und Hummeln keineswegs gemeingefährliche und blutrünstige Tiere sind, die nur darauf warten, uns ihren Stachel in die Haut zu jagen, sondern sie benutzen den Stachel nur zur Verteidigung. Blutsaugende Insekten sind dagegen Mücken, Wan­zen und Flöhe. Der Insektenstich bedeutet zunächst eine winzige Verletzung der Haut der Durch­messer des Stichkanals einer Stechfliege beträgt z. B. nur 0,165 Millimeter, der einer Wanze nur 0,015 Millimeter und dann die Einführung eines mehr oder weniger wirksamen giftigen Drüsen- fekretes. Die Substanz dieser Gifte ist noch nicht ganz geklärt, doch vermutet man, daß es sich nicht um Eiweißsubstanzen handelt.

Arn Ort der Einwirkung stellt sich eine lokale Schädigung ein, die Zellen der Blut- und Lyrnph- gefäße werden von dem giftigen Sekret schwer etroffen und rufen eine mehr oder minder heftige Entzündung mit Blut- und Flüssigkeitsaustritt her­vor. Gewöhnlich empfindet der von dem Infekt Gestochene Jucken und Brennen, nicht selten heftige Schmerzen, und in den Fällen, wo das Gift un­mittelbar in die Blutbahn gespritzt worden ist, all­gemeine- Uebelkeit. Nach Bienenstichen wurden schon Ohnmächten erlebt.

Wegen der Enge des Stichkanals kann das Gift nicht wieder aus der Wunde ausgesogen werden, wie man es bei Schlangenbissen zu tun pflegt. Chirurgische Eingriffe werden nur in Ausnahme­fällen angewandt, dann nämlich, wenn ein Stich in die Mundhöhle durch Schwellung die Gefahr eines Erstickungsanfalls heraufbeschwört. Bei Bienenstichen muß übrigens zuerst der Stachel entfernt werden.

Es bleibt also die chemische Bekämpfung des Giftes. Es ist zu erinnern an eines der ältesten Mittel, die hierbei angewendet werden, an das in feuchtem Zustande auf die Wunde geriebene Koch­salz. Außerdem versucht man häufig, das Gift durch Jodtinktur, Chlorwasser oder ähnliche Präparate zu

Straßenbahnpersonals und aller Helfer ein großer | Handels eine unnötige Verwirrung deroorruft Teil des guten Gelingens des Gaufestes zu ver- außerdem ist unverkennbar von einzelnen Firmen K;u ..»s hnF, hiofo smönnor hie firh hier mit der Plakette Mißbrauch getrieben worden.

Schließlich haben einzelne Mitglieder ihre ursprüng­liche Plakette inzwischen verloren, so daß die Pla­kette im Meldeverfahren keine wesentliche praktische Erleichterung bietet. Auf Anordnung von Herrn Dr. H a y l e r ist daher die PlaketteGemeldet beim Gesamtverband des Deutschen Einzelhandels" zu entfernen. Für möglichst rasche Durchführung dieser Anordnung ist Sorge zu tragen, ebenso auch dafür.

zerstören.

.Gebräuchliche und erfolgreiche Hausmittel sind das Auflegen roher Kartoffeln, das Einreiben mit Zitronen- oder Zwiebelsaft, Umschläge mit essig­saurer Tonerde und Kamillenbäder. Die ätherischen Oele, wie Menthol, Kampfer, Nelken- und Euka­lyptusöl, auch viele Teerpräparate, beseitigen das lästige Jucken. Die bei besonders empfindlichen Menschen auftretenden Allgemeinerscheinungen kön­nen durch Narkotika, Zuführung von Adrenalin und Kalkpräparaten bekämpft werden.

Dennoch wirken alle diese Mittel nur lindernd, sie erleichtern lediglich die unangenehmen subjek­tiven Wirkungen. Einer erfolgreichen Untersuchung und Bekämpfung setzte bisher die Enge des Stich- kanals Grenzen, der sich im übrigen schnell schließt und Gegenmittel nicht einläßt. Bisher konnte man die sofort auftretende Ouaddelbildung und Rötung noch nicht verhindern, man müßte also noch ein Verfahren finden, das die Giftwirkung so schnell wie möglich abfängt.

Briten für hcn 7 August.

1779- der Geograph Karl Ritter in Quedlinburg geboren (gestorben 1859); 1848: der Chemiker I. K. von Berzelius in Stockholm gestorben (geboren 1779); 1914: General Ludendorsf erzwingt die Uebergabe der Zitadelle von Lüttich; 1934: Bei­setzung Hindenburgs im Feldherrnturm des Tannen- berg-Nationaldenkmals.

Näubergeschrchke. ;

23 on Johan Luzian ,

Der Räuber sah am Kreuzweg auf einem moos- ; grünen Baumstumpf im Schatten der hundert- lähriqen Fichte. Sein langes Messer blinkte irn roten Abendlicht, er rieb es blank an der verrunzel­ten Lederhose und ließ es darin verschwinden, als Hannes, der Maler und Waldläufer, träumenden Schrittes vor ihm auftauchte und wie in den Boden gewurzelt drei Schritte vor der Erscheinung stehen blieb. .. .

Sie sahen einander schweigend an, die beiden da mitten im dicken Wald, auf der Schneise, an der die Tollkirschen wuchsen und die hohe Wolfsmilch im regennassen Gras. .

Grüß Gott!" sagte Hannes dann nut einer ver­störten Stimme, gedankenlos war ihm der Gruß herausgefahren. , .

Aber auch der Räuber grüßte ihn und sagte, schlicht wie ein unbedeutender Mann hierzulande, seinS'Good!" und lüpfte sogar den spitzen Fllz- hut mit der Spielhahnfeder ein wenig.

Auch die Räuber nehmen also den Namen Lot­tes auf ihre unheilige Zunge, dachte Hannes, wen­dete sich rasch von ihm fort und nahm den erst­besten Weg, einen anderen, als er hatte gehen wollen. Und in seiner Verwirrung summte m ihm das alte Lied von der Räuberbraut:

Hab dich geliebt bei Tag und bei der Nacht und hab so viele Menschen umgebracht...

Die er Räuber da muhte einer der letzten Nach­fahren des Schinderhannes, des Rinaldo oder Spiegelberg sein. Sein Kopf war mager wie em Totenfchädel, nur braun statt knöchern, braun von der Sonne der Wälder, schwarzbraun, und eine mächtige Geiernase sprang daraus hervor, eine Nase wie ein Dolch, wie ein Mordinstrument, er muhte sich daran schneiden, wenn er sich schneuzte, und tiefe Falten waren um seinen schmalen, breiten Mund gegraben, Falten die feiner Bifage ein un- aufbörlickes Grinsen verliehen, so dah em scharfer Eckzahn aus dem Mundwinkel hervorspltzte. Dazu verfolgten den forthastenden Hannes die braunen Flackerauqen, sie tanzten vor ihm her wie Geister- stiegen in der Wildnis des Höllgrabens, wo die fetten Steinpilze, die lüsterngelben Reherl, die zier- lichen Schirmparasols gediehen. Kleine Sumpft überauerte der Weg, auf denen das weiße Woll- gras wehte, die wilden.Orchideen blühten. Irgend­wo rauschten in der grünen Finsternis die Bache irgendwo raschelten große Vögel, em kranker Rabe klagte im Tannicht.

Für Frauen und Männer gemeinsam.

Dienstags von 19 bis 21 Uhr: Universitätssport- platz am Kugelberg; Donnerstags von 16 bis 18 Uhr: Univerjitätssportplatz am Kugelberg; Frei­tags von 20 bis 21 Uhr: Schillerschule, Schiller­straße.

Fröhliche Gymnastik und Spiele.

Nur für Frauen.

Donnerstags von 20 bis 21 Uhr: Schillerschule, Schillerstraße, nur für Jüngere, von 21 bis 22 Uhr: Schillerschule, Schillerstraße, nur für Weitere; Diens­tags von 20.30 bis 21.30: Lollar,Zur Linde".

Reichsfporlabzeichen.

Für Frauen und Männer gemeinsam. Donnerstags von 18.30 bis 20.30 Uhr: Universi­tätssportplatz am Kugelberg.

Tennis.

Für Frauen und Männer gemeinsam. Montags von 18 bis 19 Uhr und 19 bis 20 Uhr:.

Städtische Plätze am Schützenhaus; Dienstags von 6.15 bis 7.15 Uhr: Städtische Plätze am Schützen- Haus; Sonntags von 8 bis 10 Uhr: Städtische Plätze am Schützenhaus.

Achtung! Neue Tennisstunden!

Ab Sonntag, 11. August, ist für Anfänger und Fortgeschrittene von 8 bis 10 Uhr Uebungsrnöglich-

Ja, der Hansl, nickte die Obernwirtin anerkennend dazu, alleweil no guat beianand, gell?

Freili, freili, lachte er, du woaßt ja, Resi, mei Durscht is a Berufskrankheit!

A geh! sagte die Wirtin, seit s' die pensioniert Harn, is bei Berufskrankheit nur no schlimmer wordn! _ r.

Hihihi! Da kannst scho recht Ham, Rest. I bin halt unheilbar, woaßt...

Hannes war dieser Unterhaltung staunend gefolgt. Ein pensionierter Räuber? Hatte er recht gehört?

Was für einen Beruf haben Sie denn gehabt? fragte Hannes endlich.

. yY Die bcutfdie Rrbcitokont vtW ri.5^6emeirif(haft jRraft burih-frcuöc"

Vororten die Dorortsbezeichnung nicht fehlen. Landorten soll die Zustell- oder Leitpostanstalt gegeben werden, z. B. Roth, Post Singhofen sUnterlahnkreis), ober Roth / über Herborn (Dillkreis).

An ben Verzögerungen, die durch mangelhafte Anschrift eintreten, tragen vielfach auch die Emp­fänger die Schuld, weil sie auf ihren abgehenden. Sendungen den Ortsbezirk, die Nummer der Zustell- postanstalt ufw. nicht angeben. Die Driefverfender sollten daher streng darauf halten, dah diese wich­tigen Angaben nicht vergessen werden und dah auch die Anschrift ihrer abgehenden Briefe immer den eingangs erwähnten Erfordernissen entspricht. Sie ersparen dadurch sich und den Empfängern Verdruß und der DeutschenReichspost viel Mühe und Arbeit und zum allgemeinen Nutzen auch Ausgaben.

Hannes ging und ging, der Weg nahm fern i Ende, und hinter ihm ging der Räuber mit dem i Mester, von dem das rote Licht wie Menschenblut i getropft war, und Hannes befaß dagegen nichts i als sein fichtenes Schwammerlkörbchen und einen dürren Stecken. Der Räuber ging lautlos, er schien ; den Boden gar nicht zu berühren, das Gras ; zischelte nicht unter seinen Nagelschuhen, er zertrat < kein dürres Zweiglein, er berührte keinen Stein, aber seine dürren Arme im abgeschabten Iankerl fuchtelten zuweilen durch die bämmerige Luft, wenn Hannes sich umblickte: He, ho! Nur keine Angst, ich hole dich doch! Willst du am Messer sterben oder an der Pistole, darin die geweihte Kugel steckt? Hihihi! Die silberne Kugel aus dem Meßgeschirr des Heiligen Rasso ...

In Hannes' Schädel brummte ein Hummel- schwärm, die Blindfliegen zerstachen seinen Nacken, die Mücken in der feuchten Abendwärme saugten sein Blut, er nahm sich keine Zeit, die Quälgeister zu erschlagen, denn hinter ihm kam die lautlose, unheimliche Gestalt auf den langen, dünnen Spin­nenbeinen durch das Gras gestiegen, durch das samengelbe Gras auf den niemals begangenen Wegen.

Und dennoch geschah ihm nichts, nichts im schwär- zen Gemäuer der Fichten, nichts im sattgrünen Ge- roölfe der Buchen, nichts im braunen Oedland der Birkenheide, und auch als der Jungwald kam und der lichte Lärchenbestand, lebte Hannes immer noch, die unheilige Kugel hatte ihn nicht erreicht und das Messer saß ihm nicht hinterrücks zwischen den Rip- ven Er war nur 'außer Atem, verdammt außer Atem, und heiß und zerstochen von Bremsen und Mücken, als sich die Felder öffneten und als der späte Heuduft ihm entgegenschlug von den Wiesen und als der Kirchturm über den Rubenftldern her- vorspitzte und mit dem Kirchturm das Dorf kam, voll Kuhgebrüll und Kettengeklirr und Pferde- schnauben und Menschenstimmen. Unb m dem Dorf mar das breite Wirtshaus zum Obernwirt vor dem das Hopfenbündel schaukelte, in dem es eichene Tücke gab, unter die man die Beine stecken konnte, und mannsdicke Mauern gegen Me man den Rücken pressen konnte, fest und gut, ft daß feine Fliege mehr Platz hatte hinter dem Rucken, und wo man also geborgen war vor dem grabdunklen Wald und dem grinsenden Räuber in ihm.

Aber als Hannes kaum faß, und als sein Atem nDCh pfjsf und sein Haar noch feucht war nom Heiken Gang, flog die Tür wieder auf die Tur mit dem scheppernden Kuhglockenstrick und auf der Schwelle stand wieder Er. Der Dogelkopf wackelte

Genaue Briefanschriften.

Die Deutsche Reichspost klagt aufs neue, daß ihr immer noch sehr viele Postsendungen mit mangel­hafter Anschrift zur Beförderung übergeben und da­durch in der Bestellung verzögert werden. Die An- schüft muß deutlich, richtig und vollständig sein, wenn die Sendungen schnell befördert und unver­zögert zugestellt werden sollen. Bei Sendungen nach Orten mit mehreren Zustell-Postanstalten, wie Ber­lin, Hamburg, München, Frankfurt a. M. usw., darf neben der Ortsbezeichnung der Ortsbezirk (NO, Süd usw.) sowie die Nummer der Zustellpostanstalt, bei

Ich mein, was waren Sie denn früher?

I? Was i g/roefen bin? fragte der Hansl und reckte sich auf. Fünfavierzig Jahr lang hab ich dem Staate treu gedient! sagte er feierlich.

Nein! rief Hannes verwirrt.

Ja, des is wahr! Die Obernwirtin nickte. Unsa Landbriefträger war er, der Hansl.

Und jetzt? fuhr der Hansl klagend fort, was bin i jetzt? Nix bin i mehr mit meiner Invaliden- rent un meiner Pension. Koa zwvate Maß leid s net. Himmihergott. Wenn i no amal mei Durscht löschn funnt!

Dem Manne kann geholfen werden, dachte Han- nes erleichtert. Er bestellte dem Hansl gerne die zweite Maß. Und als sie getrunken war, als sie ins Bodenlose geflossen war, tranken sie auch die dritte Maß, und bann gingen sie zusammen heim, zuerst über bie abendlichen Felder, auf denen schon die Nacht hockte, und dann ein langes Stuck durch den Wald, bis sie sich am Kreuzweg trennen mußten. ,

I dank auch schön! sagte der Hansl und lupste wieder sein Filzhütchen mit der Hahnenfeder. Und nix für unguat, fügte er hinzu, als er Hannes die magere Hand entgegenstreckte. Dann schwankte er davon zwischen den hohen Stammen der Fichten, und seine dürre Gestalt verwehte zwischen den Nebeln, die aus dem feuchten, warmen Boden stiegen in die kühlere Nacht.

Und es war doch ein Räuber!, dachte Hannes, der ihm nachschaute. Er schwenkte vergnügt fein leichtes Schwammerlkörbchen und wirbelte ben Stecken um die Hand. Ihm fiel wieder das alte Räuberlieb ein, und er summte es zu seiner Unter­haltung auf bem bunflen Weg:

Mein armes K'nb, bu bauerst meiner Seele, ich muß jetzt fort in meine Räuberhöhle...

Hab bich geliebt bei Tag unb bei ber Nacht | unb hab so viele Menschen umgebracht...

Betriebswanderwarte!

Am Sonntag, 11. August, findet in Kloster Arnsburg ein großes Sommerfeft statt. Wanderungen an diesem Tage sind nach Kloster Arnsburg zu verlegen und so einzurichten, daß die Gruppen in den frühen Nachmittagsstunden ein­treffen.

Omnibusfahrten.

Für den Monat August sind folgende Omni­busfahrten vorgesehen:

Am 18. August: Fahrt nach Königstein im Taunus, Fahrpreis mit Mittagessen 4 RM. Fahrt in den Vogelsberg, Fahrpreis 3,50 RM. Fahrt ins Lahntal, Fahrpreis 4,50 RM. Anmeldeschluß 14. August.

Am 2 5. August: Burgenrundfahrt, Fahrpreis mit Mittagessen 2,50 RM. Fahrt an den Edersee- Waldeck, Fahrpreis 4,60 RM.

Arn 24. August: Großer Willy-Reichert- Abend in der Dolkshalle, Eintrittspreise 40 Pf. bis 1 RM. , ,

Arn 2 5. August findet, wie im Mai, nochmals eine H e i d e l b e r g - F a h r t statt. Fahrpreis mit Mittagessen 5 RM. Anmeldeschluß 17. August.

Am 31. A u g u st und 1. S e p t e m b e r : Großes Winzerfest in der Volkshalle Gießen. Näheres wird noch bekanntgegeben.

Sportkurje »«rast durch Freude-'.

Achtung! Verlegen von Sportkursen.

Während der Schulferien werden folgende Kurse in die Turnhalle der S ch i l l e r s ch u l e, Schiller­

brot!

Hannes nickte nur: Das gleiche.

Wisten'S, sagte der Räuber und wickelte ben Käse aus bem Stanniolpapier, schabte unb putzte mit sach­verständiger und liebevoller Kennerschaft an dem Klosterkäse herum, wissen'S, Herr, nix bessers kenn i net als wia so an Käs un a Hausbrot

Unb als bie Wirtin die grauen Krüge auf den Tisch setzte, die grauen Maßkrüge mit bem blauen Anbechser Wappen, über bas ber hellbraune Schaum langsam herunterkroch, nahm der Räuber sein Messer unb schnitt den Käse mitten entzwei.

Mögen'S kosten, fragte er zutraulich, und spießte ein Stückchen auf die Spitze des Messers, schob Hannes auch das Hausbrot zu, das mächtige Trumm unb Hannes nahm es gehorsam an. Dann kauten sie und sahen sich während des Kauens lange und prüfend in die Augen.

Guat is' a, der Käs, gell? fragte ber Räuber, Unb er setzte ben Krug an die Lippen und trank, trank, lange, lange, lange und man sah das dunkle Bier die braune, ausgepichte Kehle hinunterrinnen, bis der Krug hohl klang, als er ihn auf die eichene Platte zurücksinken ließ.