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bevölkerung weitestgehend Rechnung getragen wird: das Innere soll und muß nach der Eigenart des einzelnen und nach seinen besonderen Verhältnissen eingerichtet werden.

Zweifellos stellt die neue Stuttgarter Ortsbau­atzung die Architektenschaft vor eine chwierige Ausgabe. Auf der einen Seite ordert der Bauherr von dem Architekten die Durch- ühruna irgend eines Bauprogramms; auf der an­dren Seite stellt die Ortsbausatzung für die- ungsmöglichkeiten einen gewissen Rahmen auf. Der Architekt muß nun innerhalb des gezo­genen Rahmens etwas Vollendetes und zugleich Persönliches schaffen, ohne der Eintönigkeit oder Schematisierung zu verfallen. Die Frage, ob dies möglich ist, kann nicht theo­retisch beantwortet werden. Es kommt vielmehr ganz auf die praktische Handhabung an, und zwar einmal auf die Leistungen der Architekten und zum andern auf die Haltung der Baupolizei, auf ihre Beweglichkeit und auf ihr Verständnis für die bau- künstlerischen Qualitäten der einzelnen Baugesuche. Die Erfahrung zeigt, daß es dem wirklich guten Architekten möglich ist, die gestellte Aufgabe voll befriedigend zu lösen. Gerade der gute Architekt anerkennt durchaus die Forderung des National­sozialismus, daß auf dem Gebiet des Bauwesens vom Ganzen ausgegangen werden muß und daß zur Erzielung einer städtebaulichen Gestal­tung von einheitlichem Gepräge gewisse Bindungen hinsichtlich der Form und der Einfügung der Ge- oäude in das Straßen- und Landschaftsbild unbe­dingte Voraussetzung sind. Die Forderungen der Stuttgarter Ortsbausatzung sind klar und deutlich umrissen. Die Baupolizeit ist aber angewiesen, die Ortsbausatzung loyal zu handhaben, und es bestehen hinreichende Ausnahme- und Befreiungsmöglich- keiten, um architektonisch und städtebaulich gute Lö­sungen genehmigen zu können, auch wenn sie mit den Vorschriften nicht voll vereinbar sind.

Die Stuttgarter Ortsbausatzung hat bewußt davon Abstand genommen, irgend einen b e st i m m t e n B a u st i l dogmatisch vorzuschreiben; denn die Ge­genwart ist offensichllich noch keineswegs reif, um einen endgültigen nationalsozialistischen Baustil hervorzubringen. Aus dieser Erkenntnis heraus durfte auch in der Stuttgarter Ortsbausatzung der künftigen Entwicklung des Baustils weder vorge­griffen noch auf der anderen Seite der Weg ver­haut werden. Demgemäß enthält die Ortsbausatzung selbst auch keine Vorschriften über Dach­form und Dachneigung. Möglich sind an sich alle Dachformen, nur darf nicht ein wahlloses Durcheinander entstehen, sondern sie müssen sich an die örtlichen Verhältnisse anpassen, die durch die stark gegliederte Landschaft gegeben sind.

Bei der Durchführung der Ortsbausatzung wird allerdings eine Dachform grundsätzlich a b - gelehnt, das ist das Flachdach. Es handelt sich hier nicht um technische Fragen, sondern um Fragen der Weltanschauung. Auf der einen Seite steht die nationalsozialistische Baugesinnung, die eine Gestaltung aus den Kräften der deutschen Kul­tur und der Tradition des deutschen Handwerks heraus fordert; auf der andern Seite steht die in­ternationale Baugesinnung, die nationale Kultur und Tradition vernichtet und aus bolschewistischer Grundhaltung heraus den internationalen, gleich­förmigen, seelenlosen, industrialisierten Wohnungs­bau erstrebt.

Die Stadt Stuttgart ist der Ueberzeugung, daß ihre neue Ortsbausatzung die notwendigen Voraus­setzungen schafft, um das Bauen wieder in ge­sunde Bahnen zu lenken. Sie soll die Grund­

lage sein für eine von nationalsozialistischem Geist getragene Bauentwicklung, die dem Grundgedanken entspricht, daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht. Da­bei darf das Ziel nicht nur sein, den technischen An­forderungen des modernen Städtebaus gerecht zu werden; vielmehr muß auch die Schönheit einer Stadt als ein wertvolles Gut erhalten und gemehrt werden. Es muß der Nachweis ge­liefert werden, daß auch das deutsche Bauwesen wieder zu einem Maßstab des geistigen Wertes un­seres Volkes geworden ist.

Aus aller Wett.

Durch Anilinfarbe überführt.

Ein nicht alltäglicher Fall war die Angelegenheit des 21 Jahre alten Eugen Lachmann, der als An­gehöriger einer Heidelberger Studentenkorporation seine Bundesbrüder um namhafte Beträge bestahl. Selbst vor der Bundeskasse war er nicht zurück­geschreckt. Mit einem Brieföffner sperrte er Schrank und Kassette auf. Der Täter, der seit dem Sommer­semester 1934 auf diese verwerfliche Art und Weise das gegenseitige Vertrauen des Bundes auf eine harte Probe gestellt hatte, wurde endlich durch

Anilinfarbe überführt, die auf die Kas­sette aufgetragen worden war und dann durch Spu­ren an den Händen den Dieb erkenntlich machte. Lachmann erhielt wegen schweren Diebstahls sechs Monate Gefängnis.

Begnadigung einer zum Tode verurteilten.

Der Führer und Reichskanzler hat die durch das Urteil des Schwurgerichtes in Insterburg gegen die 1904 in Kattenau geborene Anna Hoff­mann wegen Mordes ausgesprochene Todesstrafe im Gnadenwege in eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren umgewandelt.

Eine Kuh stürzte in den Keller.

In einer der letzten Nächte riß sich im Stall eines Winzers in Cröv an der Mosel dis Kuh von der Kette los und lief in den Hof. Das Tier gelangte in die Scheune, in der sich der Zugang zum Keller befindet. Hier stürzte das Tier die offene Kellertreppe hinab und brach bei dem Sturz in die Tiefe das Genick. Am anderen Morgen fand der Besitzer die Kuh verendet auf. Ein in der Nähe gastierender Zirkus übernahm den Kadaver zur Fütterung der Raubtiere, so daß dem Bauer glück­licherweise kein allzu großer Schaden entstand.

seine Rechentafel mit den Worten auf den Tisch: Da liaaet fe!" und die Lösung, an der sich bte viel größeren Jungen die ganze Stunde lang mit mehr oder weniger Glück versuchten, war richtig.

Von dem berühmten Naturforscher Linnö wird erzählt, daß die Mutter das schreiende Kind in der Wiege nur beruhigen konnte, wenn sie ihm Blumen gab. Als er vier Jahre war, hatte er sich schon ganz von selbst ein Beet im Garten eingerichtet und wollte die Namen aller Pflanzen wissen. Im all­gemeinen treten künstlerische Begabungen früher auf als wissenschaftliche und technische. Aber über­aus schwer ist es stets, aus den sich regenden Keimen schon die Stärke und Tragweite des Talents zu erkennen. Früher suchte man diesen Geheimnissen der Natur mit den merkwürdigsten Mitteln auf die Spur zu kommen. Man las die Begabung aus den Sternen heraus oder meinte sie von der Kopfform ablesen zu können. Der spanische Arzt Hu arte, dessenPrüfung der Geister" Lessing übersetzt hat, meinte z. B., was uns heute lächerlich vor­kommt, Kahlköpfigkeit sei ein Zeichen für strategische Begabung, denn für die Kriegskunst sei die Ein­bildungskraft das Wichtigste, und diese unter der Schädeldecke glühende Begabung bringe durch ihre Hitze das Haar zum Ausfall. Als Beispiel führt er Cäsar und feine Glatze an. Die moderne Psy­chologie hat eine ganze Wissenschaft zur Prüfung der Geistesgaben ausgebildet, die auf mehr Geltung Anspruch machen kann, wenngleich auch ihr noch manche Geheimnisie der Begabung verborgen sind.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

In Begleitung der bei Island neu aufkommenden lebhaften Wirbeltätigkeit dringen vom Ozean kräftige feuchte Luftmassen über Nordeuropa ostwärts vor. Sie haben die gesamte norwegische Küste entlang zum Auftreten heftiger Regenfälle geführt und bringen auch Mittel- und Norddeutschland Bewöl­kung und vereinzelt auch etwas Regen. Die Witte­rung unseres Bezirkes wird im wesentlichen noch durch den auf den Kontinent sich erstreckenden Hoch­druckrücken bestimmt, der sich jedoch im langsamen Abbau befindet. Ein stärkeres Uebergreifen der Tiefausläufer auf unser Wetter ist vorerst noch nicht zu erwarten.

Aussichten für Donnerstag: Zeitweise bewölkt, doch im wesentlichen noch freundlich und trocken, warm und schwül, westliche Winde.

Aussichten für Freitag: Vielfach wolkig und leicht unbeständig, vereinzelte schwache Gewit­terstörungen, zunächst noch warm.

Lufttemperaturen am 6. August: mittags 26,8 Grad Celsius, abends 17,9 Grad; am 7. August: morgens 15,7 Grad. Maximum 27,7 Grad, Minimum 12,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6 August: abends 22,1 Grad; am 7. August: mor­gens 18,7 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 12,9 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton 123.: Dr. F.W.Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: BrKhl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei

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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 2. Juli 1934 gültig.

Was ein Häkchen werden will..." Zur Psychologie der Begabung.

Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will." Wenn dieses Sprichwort immer zuträfe, dann wären die Fragen der Berufswahl, denen man heute so große Aufmerksamkeit zuwendet, nicht so schwierig zu beantworten. Wie oft sind die über­ragendsten Begabungen verkannt worden! So ur­teilt Schiller über den jungen Alexander v o n Humboldt, ihm fehle die Einbildungskraft und damit die notwendigste Grundlage für wissenschaft­liche Betätigung. Als Hegel nach Beendigung seiner theologischen Studienzeit die Universität Tübingen verließ, hoben seine Lehrer im Abgangs­zeugnis besonders hervor, daß er für die Philo­sophie unbegabt sei. Wie lange haben selbst Dichter wie Gottfried von Keller geschwankt, welcher Form des dichterischen Schaffens sie sich gan$ wid­men sollten! Der große Geograph Karl Ritter glaubte so wenig an seine wissenschaftliche Bega­bung, daß er das Studium aufgeben und Kupfer­stecher werden wollte. Der Chemiker M i t s ch e r - l i ch hielt sich zum Geschichtsforscher berufen, und erst als er in Berlin den Chemiker B e r z e l i u s kennenlernte, wies dieser ihn auf feine Begabung für diese damals noch in den Kinderschuhen steckende Wissenschaft hin. Oft entscheiden äußere und ganz zufällige Anregungen die Entdeckung eines Talentes. Der Amerikaner F u l t o n , der Erfinder des Dampfschiffes, kam als Maler nach London und machte hier die Bekanntschaft des Grafen Stan­hope, der sich gerade mit dem Problem der Dampfkraft beschäftigte. Der Maler wurde dadurch von seinem bis dahin leidenschaftlich betriebenen Beruf abgelenkt und versenkte sich in mechanische Studien, die von unsterblichem Erfolg gekrönt waren.

Besonders früh tritt, wie die Lebensgeschichte vieler großer Komponisten beweist, das musikalische Genie hervor. Als der dreijährige Mozart zu­hörte, wie sein Vater mit der etwas älteren Schwester Klavier spielte, setzte er sich an den Flügel und suchte sich die Terzen zusammen. Schon im fünften Lebensjahr komponierte er kleine Stücke, die ein ausgesprochen musikalisches Gefühl zeigten

und aus denen schon die Eigenart seiner Begabung sprach. Händel sollte für den Juristenstand vor­bereitet werden und wurde von der Musik fern- gehalten. Aber als er auf der Bodenkammer ein altes Spinett entdeckt hatte, zog es ihn immer wieder zu dem schlechten Instrument, und er Der» vollkommnete sich so im Spiel, daß der Vater sich schließlich dazu bereit erklärte, ihn von einem tüch­tigen Organisten unterrichten zu lassen. Beet­hoven war schon als Vierjähriger durch nichts fortzulocken, wenn der Vater, der Tenorist bei der Bonner Hofkapelle war, am Klavier übte. Auch die malerische Begabung bricht oft sehr früh durch. Der schleswigsche Bauernjunge Asmus Carstens galt in der Schule als besonders dumm und un­begabt.Gebt mir nur etwas zu zeichnen, bann will ich schon zeigen, was ich kann", brummte er öfters, und in den Mußestunden schlick er sich in die Domkirche zu Schleswig, um die dort befind­lichen Bilder des Rembrandt-Schülers Odens zu betrachten und abzuzeichnen.

Unter den wissenschaftlichen Talenten prägt sich wohl das für Mathematik am frühesten aus. Ein lehrreiches Beispiel dafür bietet Pascal, den fein Vater absichtlich von der Mathematik fernhielt, weil er ihn in diese Wissenschaft erst ganz zuletzt ein- führen wollte. Aber der Knabe zeichnete ohne jede Anleitung Figuren in den Sand und berechnete ihre Verhältnisse. Als er sich ein Lehrbuch des Euklid verschafft hatte, lernte er ganz von selbst die Grund­lagen der Mathematik, in der er später so Großes leisten sollte. Von Gauß ist bekannt, daß er als kleiner Junge einmal dabei war, wie sein Vater, ein Maurermeister, seinen Gesellen den Wochenlohn auszahlte und dabei längere Berechnungen anstellen mußte. Der Fünfjährige sagte plötzlich:Vater, die Rechnung ist falsch" und nannte die richtige Zahl. Als Siebenjähriger bat er in der Bürgerschule, die Rechenaufgaben der Fünfzehnjährigen bet ihrem Examen vor der Konfirmation mitlösen zu dürfen. Kaum hatte der Lehrer die schwierige Aufgabe gestellt, da warf schon Gauß, der die Gesetzmäßig­keit der niedergeschriebenen Zahlen sofort erkannte,

Danksagung.

Für die uns beim Heimgange unserer lieben Ent­schlafenen erwiesene Teilnahme und die Kranz­spenden sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Insbesondere danken wir dem Gesangverein der Neu-Apostolischen Gemeinde und dem Prediger Herrn Seibert für die trost­reichen Worte am Grabe.

Geschwister Blum.

Gießen (Stelnstraße 78), den 7. August 1935.

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In tiefer Trauer: Familie Carl Demuth Familie Peter Weyrauch Familie Lutz Bille.

Gießen (Ludwigsplatz 3), 6. August 1935. Die Beerdigung findet in Gießen statt am Donnerstag, dem 8. August, nach­mittags um 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus.

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