seines Lebens sicher und ohne Gefahr ist, von Kommunisten angegriffen zu werden. Die Regierung des nationalsozialistischen Deutschlands ist seit der Machtübernahme nicht müde geworden, der übrigen Welt die Bedeutung klar zu machen, die die völlige Ausrottung des Bolschewismus in Deutschland auch für die andern Länder hat. Wie man weih, hat dieser Gedankengang bei den Verhandlungen des Führers und Reichskanzlers mit den englischen Staatsmännern in Berlin in diesem Frühjahr eine grohe Rolle gespielt und ist auch in seiner letzten großen Reichstagsrede eindringlich erörtert worden. Vielleicht und hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern, in der die Häufung kommunistischer Unruhen in der ganzen Welt jenen deutschen Vorstellungen und Warnungen größere Aufmerksamkeit oerschaf- fen wird, als ihr bisher die Kurzsichtigkeit der mei. sten fremden Regierungen gewährt hat.
Lebenslängliches Zuchthaus für einen Verräter.
Die I ustizpresfestelle Berlin teilt mit: Der Dritte Senat des Volksgerichtshofes verurteilte den 27 Jahre alten Paul S u p i a n e k aus Mechau wegen Verrats von Staatsgeheimnissen zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe. In Anbetracht der Verwerflichkeit seiner Handlungsweise wurden ihm gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt.
Zwei Monate Gefängnis für einen Saboteur.
Koblenz, 6. August. (DNB.) Die L a n - desstelle Koblenz-Trier des Propa- gandaminifteriums teilt mit: Der Hausdiener des Kolpinghauses in Koblenz, der, wie berichtet, am Montag auf frischer Tat beim A b - reißen von Plakaten der Gauleitung Koblenz-Trier gegen den politischen Katholizismus ertappt worden war, stand am Dienstagvormittag vor dem Schnellgericht. Der Angeklagte war geständig. Er machte zu seiner Verteidigung geltend, daß der Plakatanschlag „nicht schön ausgesehen" habe, und daß er „aus einem gewissen Reinigungsbedürfnis" gehandelt habe. Zudem habe er geglaubt, man habe dem Kolping-Haus einen Streich gespielt. Der Staatsanwalt führte aus, daß die Hand- lungsweise des Angeklagten dem gleichen Geist der Dunkelmänner entspreche, gegen die sich das Plakat richte. Kein Volksgenosse habe das Recht, Plakate und Bekanntmachungen, die im Interesse der Allgemeinheit gegen Staatsfeinde angebracht würden, zu entfernen. Bekanntmachung gen des Gauleiters hätten als Behördenbekanntmachungen zu gelten. Wenn jemand gegen die Anweisungen der Gauleitung oder des Gauleiters verstoße, so begehe er eine st r a f b a r e Handlung. Das Schnellgericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis. Der Angeklagte wurde nach dem Urteil zu seiner eigenen Sicherheit bis zur Verbüßung der Strafe in S ch u tz h a f t genommen.
„Fauler Wind aus Kanada.''
Berlin, 6. Aug. (DNB.) Dom Leiter des Auf- klärungs- und Außenamts beim Reichsarbeitsführer, Oberarbeitsführer Müller-Brandenburg, wird mitgeteilt:
In dem kanadischen Blatt „Edmonton Bulletin" vom 18. Juni 1935, Seite 8, ist ein Aufsatz veröffentlicht, der sich mit dem deutschen Frauen- a r b e i t s 6 ize n ft beschäftigt. Der Aufsatz ist ein ausgesprochenes Greuelmärchen. Es wird in ihm behauptet, daß im Mädelarbeitslager Rügenwalde ein Drittel aller Mädels der Mutterschaft entgegensehe, und daß neun von den Mädels bereits Selbstmord begangen hätten. Die Täter seien in einer benachbarten SA.-Schule und einem benachbarten Arbeitsdienstlager zu suchen. Es wird zu diesen ungeheuerlichen Behauptungen festgestellt, daß sie vonA bis Z erlogen sind. Der Aufsatz ist ein typischer Beweis, mit welcher Gewissenlosigkeit die Ehre deutscher Menschen in den Dreck gezogen wird, alles nur, um das deutsche Volk und seinen nationalsozialistischen Staat vor den Augen der Welt zu verdächtigen.
Amerika bedauert.
Tokio, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der amerikanische Botschaftsrat drückte dem stellvertretenden Außenminister Das Bedauern seiner Regierung über die Beleih igu na des Kaisers in der Zeitschrift „Danity Fair^ aus. Der amerikanische Diplomat bezeichnete die Angelegenheit als eine u n - glaubliche Entgleisung. Sie sei von unter- aeordneten Personen ausgegangen, die kein Verständnis für Japan hätten, oas Amerika ehre und achte, wie die treue Anhänglichkeit des japanischen Volkes zu seinem Kaiser.
Italien mobilisiert drei neue Divisionen für Ostafrika.
Auslandsitaliener, Frontkämpfer und Studenten als Freiwillige.
Der 9. Mobilmachungsbefehl.
Die Antwort an Genf.
Rom, 6. August. (DRB.) Die 9. Mobil- machungs-Verlautbarung wird noch heule amtlich bekannt gegeben. In dem Kommunique heißt es, infolge der fortschreitenden Mobilisierungsmahnah- men der abessinischen Truppen habe der Duce als Kriegsminister die Mobilmachung zweier neuer Divisionen, der Division Assela unter dem Befehl des Generals Riccardi und der Division Losseria unter dem Oberbefehl des Ge- nerals pintor befohlen. Die Division Losseria werd? durch eine Division Losseria Rr. 2 erseht, die Division Asseta durch eine neue Division Trento, die voll ständig motorisiert sein werde. Außerdem sei als 6. Schwarzhemdendivision die Division, Tevere gebildet worden, die aus italienischen Freiwilligen im Auslande, Frontkämpfern, Freiwilligen und Kriegs- verlehten des Weltkrieges zusammengesetzt sein solle. Ihre Führung übernehme General B o s - carbi Die Freiwilligen aus der Student e n f ch a f t werden in Schnellkursen auf die baldigste Eingliederung in die für Ostafrika bestimmten Truppenteile vorbereitet. Bei den von den neuen Mobilmachungen erfaßten Truppenteilen handelt es sich diesmal um in Piemont nahe der französischen Grenze liegende Divisionen. Die Division Asseta hat bei der piemontesischen Stadl A st i und die Division Losseria in dem am Meer zwischen Genua und San Remo gelegenen I m p e r i a ihren Standort.
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Mit dem heutigen Tage frnb nunmehr 13 Divisionen für Ostafrika aufgeboten worden. Die römische Presse hebt besonders hervor, daß die neue Schwarzhemden-Division vor allem aus Frontkämpfern des Weltkrieges zusammengesetzt sein wird, die sich freiwillig für den abessinischen Krieg gemeldet haben. „Giornale d'Jtalia" betont, daß die Mobilmachung durch das Anwachsen der abessinischen Streitkräfte notwendig geworden sei. Die italienische Nation als verantwortliche Großmacht habe ein ruhiges Gewissen und gehe entschlossen ihren Weg, den der Duce als Vollstrecker ihres Willens und ihres Rechtes vorgezeichnet habe. Genf könne ruhig fortfahren, zu schwätzen und zu drohen. Die polemischen Auseinandersetzungen und das Eingreifen des Völkerbundes würden den Lauf des italienischen Willens weder aufhalten noch ablenken. Abschließend stellte das Blatt fest: Es ist gut, daß die Welt weiß, daß das faschistische Italien seinen Willen hat und daß dieser Wille bewaffnet ist. —
„Tribuna" schreibt: Die Kampffreudigkeit des Negus sei verstärkt worden durch die diplomatischpolitische Phase, die gerade in Genf wieder einmal vor drei Tagen mit einer pseudo-friedlichen Schaustellung von sich reden machte. Die Mobilmachung Nr. 9 bilde daher den besten Kommentar, den man zu den sogenannten Genfer Verhandlungen geben könne. — „Lavoro Fascista" erklärt, es sei heute notwendig, sich keinen überflüssigen Illusionen hinzugeben, sondern mit steigender Aufmerksamkeit und Entschlossenheit der militärischen Seite der gegenwärtigen Lage Beachtung zu schenken. Nur mit den Waffen könne man der ganzen Angelegenheit eine radikale und definitive Lösung geben.
Miens Luffrüstuna.
General Balle besichtigt die italienischen Flugstützpunkte in Eritrea.
Rom, 6. Aug. (DNB.) Der Staatssekretär des Luftfahrtministeriums, General Valle, hatte sich zu einer kurzen Inspektionsreise der Luftstreitkräfte nach Eritrea begeben. Bemerkenswert war vor allem der Rückflug. General Valle benötigte mit einem kurzen Zwischenaufenthalt in Kairo 11 F lugst u n d e n und 45 Minuten. Das Flugzeug erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 350 Stundenkilometer. Der Staatssekretär äußerte sich befriedigt über die guten Fortschritte, die die Vorbereitungen zur Schaffung von Flugstützpunkten an der Küste und auf der Hochebene der Kolonie gemacht hätten.
Entsprechend den vor kurzem bekanntgewordenen Organisationsmaßnahmen für das italienische Land-
Heer ist nunmehr auch eine neue Aufteilung des Festlandes Italien in vier Luftzonen vorgenommen worden. Unter dem Befehl eines Geschwadergenerals wurden vier Luftgeneralkommandos in Rom, Mailand, Padua und Bari geschaffen. Sizilien und Sardinien werden getrennte Zonen und stehen unter dem Befehl eines Brigadegenerals. Die Insel Rhodos und die übrigen italienischen Besitzungen im Dodekanes gehören zum Bereich von Bari.
Die Entblößung der italienisch- französischen Grenze.
London, 7. Aug. (DNB. Funkspruch). Reuter meldet aus Rom, die Tatsache der Zurückziehung von zwei italienischen Divisionen von der italienisch-französischen Grenze habe den Eindruck heroorgerufen, daß zwischen dem französischen Generalstab, General G a m e l i n, und dem italienischen Unterstaatssekretär des Krieges, Marschall V a d o g l i o , bei ihrer neulichen Zusammenkunft in Italien eine 21 r t militäri
schen Einvernehmens erreicht worden fei. Dieser Eindruck fei noch verstärkt worden durch die Verleihung des Großkreuzes der Ehrenlegion an den Marschall Badoglio.
Englische Fre.willige dürfen in die abessinische Armee eintreten.
London, 6. August. (DNB.) In London wird ein Bericht amtlich dementiert, daß es englischen Freiwilligen verboten worden fei. in die abessinische Armee einzutreten Ein Engländer kann nicht daran gehindert werden, sich in Friedenszeiten einer ausländischen Streitmacht anzuschliehen. Hingegen sieht das Gesetz Strafmaßnahmen vor, wenn ein Engländer in die Armee eines Landes eintritt, das sich im Kriege mit einer befreundeten Macht befindet. Die englische endgültige Stellungnahme in dieser Frage, so wird hier erklärt, hänge zum großen Teil von den „Entscheidungen" ab, die in Genf getroffen werden.
Abessinien gegen Völkerbundskonlrolle und Sondervorleile für Italien.
Oie Mitarbeit von Ausländern bei der wirtschastlichen Entwicklung des Landes erwünscht.
Paris, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach Berichten aus Addis Abeba ist der Kaiser von Abessinien bei einer Unterredung gefragt worden, ob er bereit sei, eine Kontrolle d e s Völkerbundes anzunehmen, die durch eine internationale Abordnung neutraler Ratgeber ausgeübt werden könnte, und die sich mit der Entwicklung des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft des Landes sowie mit der Vergebung von Konzessionen an Angehörige verschiedener Nationen zu befassen haben würde. Der Kaiser habe geantwortet, daß die Frage einer Kontrolle Abessiniens durch den Völkerbund nicht in Frage käme. Abessinien habe bereits Ratgeber feiner eigenen Wahl im Dienst.
Auf die Frage, ob Abessinien dann bereit fei, Italien wirtschaftliche Sondervorteile ohne jede politische Bevorzugung zu gewähren, habe der Kaiser erwidert, Abessinien könne eine
derartige Bevorzugung Italiens s e l b st dann nicht zugestehen, wenn es wollte, da sie dem französisch-abessinischen Vertrag widersprechen würden. Dieses Aufkommen enthalte Bestimmungen, die auch zu Gunsten anderer Länder sprächen. Außerdem habe der Vertrag ein System der Gleichheit geschaffen. An eine Bevorzugung Italiens sei daher nicht zu benfen. Die Ausländer, die in Abessinien ernsthaft und ehrlich arbeiten wollten, würden ft cts wohlwollende Aufnahme finden. Besonders willkommen seien solche Ausländer, die Industrien gründen und die landwirtschaftliche Entwicklung fördern wollten. Wenn die notwendigen Bürgschaften gegeben werden könnten, würden die Ausländer Erlaubnis erhalten, sich in Abessinien anzukaufen. Eisenbahnen wünsche der Kaiser jedoch nicht gebaut zu sehen, da nach seiner Ansicht Kraftwagenstraßen bessere Beförderungsmöglichkeiten bieten.
Englische Vorstellungen bei Granbi
Gegen die Polemik der italienischen presse.
London, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Den englandseindlichen Aeußerungen der italienischen Zeitungen wird in der Londoner Presse große Beachtung geschenkt. Der Korrespondent der „Mor- ning Post" in Rom sagt, die ganze Erbitterung der italienischen Nation werde vom italienischen Propagandaminifterium und durch die Organisa- tton der faschistischen Partei aegen England gelenkt. Diese Propaganda habe eine tiefe Wir- kung. „Daily Telegraph" schreibt, heftige Angriffe auf Großbritannien in der inspirierten italienischen Presse bildeten kürzlich den Gegen st and von Vorstellungen des Foreign Office bei dem italienischen Botschafter Grandi. In Italien stehe die Presse unter dem Einfluß und der Aufsicht der Regierung. Diese Tatsache recht- fertige die Handlungsweise des Foreign Office, den Botschafter daran zu erinnern, daß d i e britischen Zeitungen in ihren Aeußerungen zu der italienischen Politik hervorragende Zurückhaltung gegeigt, und daß Rom in dieser Beziehung keinen Anlaß zur Beschwerde hat. Da die beiden Länder in Zukunft in Angelegenheiten von vielleicht noch größerem Gewicht als den gegenwärtigen Streit zusammenzuarbeiten haben, feien künstliche Zeitungsangriffe, die geeignet sind, in England Aerger hervorzurufen, ein Fehler.
Die Sicherung des Suezkanals.
Alexandrien, 6. August (DNB.) Die Erklärung des Ministerpräsidenten, daß Aegyptens Stellungnahme zum abessinischen Streitfall her« jenigen Englan d s gleichen werde, wurde
vom Sekretär des Ministerpräsidenten den Vertretern großer ägyptischer Blätter bestätigt, lieber britische militärische Vorbereitungen am Suezkanal erklärte er, nichts sagen zu können. Die Erklärung bestätigt ofsensichtlich die Nachricht über den Ausbau von Flotten st ützpunkten bei Suez sowie längs des Kanals, und über technische Vorbereitungen anderer Art zur Sicherheit und schärfsten Überwachung des Suezkanals. Auf einer Versammlung der Friedensgesellschaft in Alexandrien hielt Der Direktor der englischen Victoria- Schule eine Ansprache, die praktisch auf eine Stel- lungnahme für Abessinien hinauslief. Ein italienischer Schriftleiter, der als Gegenredner auftrat, wurde niedergeschrien. Die Hafenarbeiter in P o r t Said haben beschlossen, die Arbeit für italienische Schiffe im Falle des Ausbruchs von Feindseligkeiten zu verweigern.
Oie deutsche Auslandsjugend in Franken.
Nürnberg, 6. Aua. (DNB.) Don Würz- bürg kommend, trafen Die rund 1400 Teilnehmer der Deutschlandfahrt des Welttreffens der deutschen Auslandsjugend am Dienstag gegen 11 Uhr in Rothenburg o. d. Tauber ein. Die Stadt hatte festlichen Schmuck angelegt. Auf dem historischen Marktplatz wurden die Deutschlandfahrer von den Spitzen der Bewegung und Der Partei empfangen. Die Aufführung des historischen Schäfertanzes fand bei den jugendlichen Deutschen aus aller Herren Länder begeisterte Aufnahme. In zwei Gruppen
Trutz-Tkachtigatt gegen Hexenwahn.
Ium 300. Todestage Friedrich von Spees.
Von Eugen Siebert
Als der Domherr Philipp von Schönborn, der spätere Kurfürst von Mainz, den jungen Jesui- tenpater Friedrich von Spee fragte, woher er trotz seiner Jugend eisgraue Haare habe, erwi- derte der: „Der Gram hat meine Haare grau ge» wacht darüber, daß ich so viele Hexen habe müssen zur Richt st att geleiten und habe unter allen keine gefunden, die nicht unschuldig gewesen." Der Philisoph Leibniz sagt von ihm: „Unter Heu- len und Schluchzen haben alle die Unwissenheit oder Bosheit der Richter und ihr eigenes Elend bejammert, und noch in ihren letzten Augenblicken Gott zum Zeugen ihrer Unschuld angerufen." Wenn Friedrich von Spee nichts geschrieben hätte, als sein Werk gegen d i e Justizverbrechen an Hexen, die „Cautio criminalis s. Liber de pro- cessu contra sagas“ dann würde er schon zu den großen und verehrungswürdigen Geistern des Men- schengeschlechts gehören, die blutige Irrtümer bekämpfen. Aber daneben war er ein feiner und wundervolle Töne findender Dichter. Seine „Trutz- Nachtigall" ist zwar nicht kräftig und volkstümlich wie gleichzeitige Lieder z. B. Paul Gerhardts, aber sie gleichen einer frommen Malerei auf Goldgrund, die Mutter Gottes sitzt in Überirdischer Hoheit vor dem Beschauer, und nur durch ein Fenster, aber immerhin sichtbar, rauscht der deutsche Wald und meldet sich das deutsche Gemüt. Sein „Trauergesang von der Not Ehristi am Oelberg in Dem Garten" ist wohl das hervorragendste Gedicht )ener Zeit. Das Volksliedhafte wird hier mit dem Nachklang neulateinischer Weisen, der Barockpoesie und einem unmittelbaren Empfinden verschmolzen.
Der Teufel des Volksglaubens war, wie im Volksmärchen, ein dumnier Teufel: boshaft, borniert, der von Menschenwitz und Menschenlist leicht übertölpelt werden konnte. Der Teufel der Theologen war der Satan, der Erzfeind des Menschengeschlechtes, der vor allem die Weiber verführte. Hier zeigt sich die dem germanischen Wesen voll- ständig unbekannte Richtung des Orients, Die an die Stelle Der Frauenverehrung den Frauenhaß setzte, unD als Die Kirche Den Norden eroberte, wurde ohne weiteres alles Weibliche als vom Teufel besessen erachtet und die Scheiterhaufen der Inquisition flammten feit der Mitte des 15. Jahrhunderts auch bei uns auf. Im Jahre 1487 erschien Der „Malleus maleficarum“, der Hexen» i) a m m e r , das verruchteste Buch der Weltliteratur, verfaßt von zwei päpstlichen Inquisitoren. Es °rden Wahnwitz in ein System, Den Hexen- fabbatf), die Buhlschaft mit Dem Teufel, Der Hexen» hämmer schrieb Dem Satan und seinen Dienern und Dienerinnen alle Scheußlichkeiten zu, und nicht nur Die katholische Kirche verkündete diese Erfindungen eines kranken Hirns als Wahrheit, sondern auch erleuchtete Geister, wie Luther und Melanch- thon, Theophrast und ihre Nachfolger glaubten ein»
x SL. n Wuhnsinn. Hunderttaufende von Frauen und Mädchen wurden gefoltert und Den Flammen übergeben. Noch 1782, im Zeitalter der Aufklärung, starb in Der Schweiz eine Hexe auf dem Scheiter- gaufen, acht Jahre vorher wurde in Kempten im JSg?“ Ie6l*L dusche Hexe, Anna Schwägelin, enthauptet nachdem ein weltlicher Richter sie ver- urteilt und der Bischof dieses Urteil bestätigt hatte.
der Verfasser einer Monographie Der Kutten, Rens Fu op-Miller („Macht und Geheimnis der Jesuiten ), fein Sterbenswort über den Hexenwahn und seine Bekämpfung durch Spee, der nur als Dichter gewürdigt wird. Jede Datsche Frau wird aber nach dem Lesen der Protokolle Der ^C52pr0K^e' spannender sind als Der spannendste Roman, den Vorkämpfer gegen diesen,
Massenwahn preisen und ihm ein stilles Gedenken widmen.
Friedrich von Spee war Rheinländer und stammte aus dem 1670 ausgestorbenen Geschlecht Der Spee von Langenfeld. Er wurde am 25. Februar 1591 in Kaiserswerth geboren und starb am 7. August 1635 zu Trier, inmitten der Greuel des Konfessionskampfes. Aus einer adligen katholischen Familie stammend, erhielt er seine Bildung auf Dem Jesuitengymnasium in Köln, wurde Dann selbst OrdensmitglieD, lehrte mehrere Jahre hindurch an Ordensschulen und kam 1627 nach Würzburg als Professor, wo er zugleich die Hexen auf den letzten Gang zu begleiten hatte. Dort hat er sein unsterbliches Werk verfaßt, das sogleich ins Deutsche, Holländische und Französische übersetzt wurde. Im Jahre 1628 führt er die Gegenreformation in Peine durch, 1631 wurde er nach Köln als Pro- feffor der Moraltheologie zurückgerufen, im Jahre 1635 fiel er einer pestähnlichen Krankheit zum Opfer. Seine „Trutznachtigall" und das in Prosa geschriebene Erbauungswerk das „Güldene Tugendbuch" erschienen erst nach seinem Tode, im Jahre 1649.
Dieser treue Sohn feiner Kirche war eine sein empfindende und dem Glauben zutiefst ergebene Seele, der in seinen Gedichten ausftrömtc, was ihn bewegte, aber wenn er auch die Augen himmelwärts richtete und in mystischer Versenkung Gott suchte, Dabei in der Weise feiner Zeit eine spielerische Gottesminne trieb, so klang doch immer wieder das Deutschtum durch, dieses Unfaßbare, das sich in schlichten Bildern an die Gewalt und die Reinheit der Herzen wendet. Seine poetischen Werke sind fast vergessen und interessieren eigentlich nur den Literarhistoriker, aber seine Erfahrungen als Beichtvater der Hexen machten ihn, den stillen und feinen Mann, zum Helden. Seine Cautio criminalis war e i n Weckruf, der gerade aus den greuel- reichen Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs zu uns Dringt wie der Weheruf eines Mannes, den Das
Gewissen nicht ruhen ließ über Die Untaten Der Theologen unD Juristen, der Derwaltungsbeamten und der stumpfen Masse sich zu empören. Er wies nach, daß Habsucht und Sadismus sich auf die Weiber, die blühenden Kinder, stürzten und sie in Schmerzen sich winden ließen, bis entweder die Folter sie von ihren Qualen erlöste oder die Flammen die Unschuldigen verzehrten. Spee bewies, daß in der Bibel nichts von Zauberei und Hexerei und den darauf gesetzten blutigen Strafen enthalten war, und daß alle Hexen einem furchtbaren Justiz- irrtum zum Opfer gefallen sind. Gerade weil die Theologen und die Juristen bei dem gefährlichsten Irrtum, der jemals die europäische Kulturwelt in Blindheit tauchte, beharrten, ging Spee feinen Hel- bengang, der fast aussichtslos schien. Der berühmteste Jurist zur Zeit Spees, Benedikt Carpzov, em Mann Der täglich die Bibel las, hat dennoch m ferner Amtszeit nicht weniger als zwanzigtaufend ‘O/fen zum Tode verurteilt, und noch, heute zeugen die Hexentürme selbst in den kleinsten deutschen Orten von der Welle der Grausamkeit und des Irrwahns, die Deutschland zu vernichten drohte und noch lange nach Spee herrschend blieb.
L eibniz und Balthasar Bekker sowie Christian Thoma si us haben nach Spee gegen den Hexenwahn gekämpft, und endlich ist im Zeitalter
x Aufklärung, zur Zeit Friedrich des Großen und Goethes, der lebte Scheiterhaufen erloschen und die Folterung abgeschafft worden, obgleich damals Die Irrgläubigen meinten, der Tag des Zornes und der Verzweiflung nähere sich. Aber der Mann, der als Jesuit fein Haar über diese Greuel bleichen ließ, Friedrich von Spee, der Mensch im tiefsten und edelsten Sinne, wird immerbar als Künder eines Zeitalters der Menschlichkeit unbder Vernunft nach Wirrwahns Nacht in der Menschheit fortleben. Wie eine zarte Nachtigall hatte er fromme Weifen gesungen, aber sein Werk gegen Die Hexenverfolgung schuf ihn zum Helden»


