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hältnksmäßig stattlicher Zahl nahmen Vertreter der noch bestehenden Turnvereine am ersten Deutschen Turnfest und an dem damit verbundenen Deutschen Turntage in Coburg (16. bis 18. Juni 1860) teil. Don Kassel allein sind es 20 Turner gewesen, die die Fahrt nach Coburg antraten; ihre Namen konn­ten leider nicht mehr ermittelt werden. Die kleine Stadt Butzbach entsandte nicht weniger als sie­ben Vertreter: neben dem späteren Kreisvertreter des Mittelrheinkreises und Mitbegründer der Feld­bergfeste, Moritz Kuhl, die Turner K. Flach II., Bernhard Küchel, Bernhard Grüninger, Karl Seyfried, Karl Gerhardt und Chr. S t ö r i k o. Moritz Kuhl hat in dem von ihm ge­leitetenWetterauer Boten", dem Verbandsorgan des 1859 gegründeten Mittelrheinkreises, in begei­sterten Worten seine Coburger Eindrücke geschildert. Bemerkenswert ist, daß die Butzbacher Turner beim Coburger Fest Schleswig-Holsteins durch eine Sammlung gedacht haben. Sie taten das dann auch beim ersten mittelrheinischen Turnfest in Offen­bach a. M. und erzielten durch eine Versteigerung wertloser Gegenstände einen Betrag von 35 Gulden für die Brüder in Schleswig Holstein. Es kam da­bei z. B. ein Bamberger Rettich auf 1 fl. 45 Kr., ein Selleriekopf auf 36 Kr., eine echte Havanna aus der Pfalz auf 1 fl. 12 Kr., ein Coburger Sechser auf 36 Kr., eine Stecknadel auf 36 Kr. ufro.

Aus Gießen nahmen fünf Turner am Cobur­ger Fest teil, darunter der Turnwart Christoph R ü b s a m e n , der als Wanderturnlehrer im Lahn­bezirk eine rührige und ersprießliche Tätigkeit ent­faltet hat, der Zeugwart F. W. v o n Gehren, der Beisitzer Georg Lotz, der beim mittelrheinischen Turnfest in Offenbach a. M. (August 1860) dann erster Sieger wurde. Die Reisekosten wurden den Gießener Vertretern aus dem Ueberschuß vom Schillerfest 1859 erstattet, bei dem die Gießener Turner eine Gedächtniseiche gepflanzt hatten. Die zu Hause gebliebenen Turner entsandten ein Huldl- gungstelegramm nach Coburg. Nach der Rückkehr vom Coburger Fest erzählten die Vertreter in Mit­gliederversammlungen begeistert von ihren Erleb­nissen und lasen die Berichte aus demWetterauer Boten" und derGartenlaube" vor. Coburg hatte eine rege Vereinstätigkeit zur Folge, noch Ende 1860 schlossen sich die beiden in Gießen bestehenden Vereine zusammen. Der neue Verein zählte dann 325 über 18 Jahre alte Mitglieder.

Die Namen der vier Turner, die die alte Turner­stadt Hanau a. M. in Coburg vertraten, lauten: Jünger, Breiten st ein, Usener und C. Koch.

Die Universitätsstadt Marburg war durch den Sattlermeister Karl Heuser in Coburg vertreten. Bald nach seiner Rückkehr vom ersten Deutschen Turnerfeste lud er einige seiner Freunde und Ge­sinnungsgenossen zu einem Abendspaziergang nach dem Dammelsberg ein. Dort, unter den Eichen des deutschen Waldes, auf den verschütteten Ruinen alter Ritterherrlichkeit wurde der Beschluß gefaßt, wieder einen Marburger Turnverein ins Leben zu rufen. Noch am selben Abend wurden Hebungen in Weit- und Hochsprung vorgenommen. Am 28. Juli 1860 erfolgte dann die Gründung des neuen Ver­eins, des heutigen Turn- und Sportvereins 1860/85.

Von Herborn weilten die Turner Dr. med. Widerstein, W. Remy und C. Gail in Co­burg.

Die Turngemeinde der einstigen Freien Reichs­stadt Friedberg entsandte als ihre Vertreter den Turnwart Gg. Falk und den Fahnenträger Fr. Oberländer nach Coburg. Freiwillig und auf eigene Kosten gingen mit Philipp W i n d e ck e r und Gustav Dieffenbach. Bemerkenswert ist der Beschluß der Hauptversammlung vom 9. Juni 1860:Den Abgeordneten wird zur Pflicht gemacht, sich von der Politik fernzuhalten und überhaupt keinem Beschluß bindend für den Verein beizutre­ten: vielmehr allen Beschlüssen die Ratifikation des hiesigen Vereins vorzubehalten."

Es müssen erhebende Tage gewesen sein, die die Turner in Coburg verlebt haben. Wenn der erst vor einigen Jahren verstorbene Oekonomierat Falk, bei den Turnern deralte Falk" genannt, noch in seinen letzten Lebensjahren von dem Feste erzählte, von dem Wettkampf der tausend Turner aus allen Teilen Deutschlands, von den amerikani­schen Turnern, besonders aber von den Turnern aus Schleswig-Holstein, die ihre Fahne mit Trauerflor umhängt hatten, dann merkte man noch, welchen unauslöschlichen Eindruck dieses Erlebnis auf die empfänglichen Seelen der jugendfrischen Turner ge­macht hat.

Wie überall in den deutschen Gauen bedeutete auch in Hessen das Coburger Fest den Beginn einer neuen Blütezeit des deutschen Turnens. Die letzten Fesseln des behördlichen Druckes waren gesprengt. Coburg, ein Meilenstein auf dem Wege zu der er­sehnten deutschen Einheit, gab das Zeichen zu neuem Wirken auf dem turnerisch-vaterländischen Arbeits­feld. Vereine, die sich ein Jahrzehnt zuvor hatten auflösen müssen, belebten sich wieder; dazu kamen zahlreiche Neugründungen. Es seien aus dem Ge­biet des Gaues Hessen nur genannt: 18 6 0 : Mar­burg, Lich, Nassau, Bad-Nauheim, Petterweil, Groß - Auheim, Kesselstadt, Turn- und Sportver­einigung Hanau a. M. 1860; 18 61: Bad Sooden- Allendorf, Eschwege, Melsungen, Arolsen, Braubach, Wehrheim, Gelnhausen, Caub.

Heute, da sich die Deutsche Turnerschaft anschickt, an den Pfingsttagen dieses Jahres in der alten Turnerstadt Coburg ihre 75-Jahrfeier festlich zu be­gehen, wieder in Verbindung mit einem Deutschen Turntag und mit Wettkämpfen der Jungen und Al­ten, zählt der Gau der Hessen die stattliche Zahl von rund 900 Turnvereinen. Viele von ihnen stellen Coburg-Fahrer, denen die Pfingst­tage in Coburg bestimmt zu einem großen, unver­geßlichen Erlebnis werden.

Oberheffen.

DHC.-Fest in Lich.

3) Lich, 6. Juni. Der Zweigverein Lich des V H C. begeht, wie wir bereits berichteten, am 15. und 16. Juni in Verbindung mit der 54. Hauptversammlung des Gesam t-V H C. die Feier seines 50jährigen Bestehens. Dieses Jubelfest soll zu einem großen o b e r h e s - fischen Volks- und Heimatfest ausgestal­tet werden, um die zahlreichen Gäste mit dem Brauchtum unserer engeren Heimat bekannt zu machen. Trachtengruppen aus der Wetterau, dem Vogelsberg und dem Hüttenberg werden dem Fest ein besonders farbenfrohes Gepräge geben. Eine reichhaltig bebilderte Festschrift der Verbandszeit- schrist des VHC., desVogelsberg", weist aus die Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Schön­heiten Lichs und seiner näheren Umgebung hin. Die letzten Vorbereitungen zu der Veranstaltung werden getroffen. Die Festfolge liegt nunmehr end­gültig fest. Am Samstagnachmittag werden die be­reits anwesenden Vertreter der einzelnen Zweig­vereine zu einer Beiratssitzung des Gesamt-VHC. zusammentreten. Der Samstagabend wird den gastgebenden Verein mit seinen Gästen und den Volksgenossen unserer Stadt und der Umgebung in der geräumigen Turnhalle zu einemDeutschen Abend" vereinigen, bei dem eine Militärkapelle, ferner die SängervereinigungCäcilia" Lich, der Turnverein Lich und Herr Hub vom Stadttheater Gießen mitwirken werden. Eine besonders reich- halttge und sorgfältig ausgewählte Festfolge wird alle Besucher dieses Abends aufs vortrefflichste unterhalten. Am Sonntag um L Uhr finden Fest­gottesdienste in den Kirchen beider Konfessionen statt, anschließend um 9 Uhr imHolländischen Hof" eine öffentliche Dertreterversammlung, an der auch der Führer der deutschen Wanverbewegung,

Staatspräsident i. R. Prof. Dr. Werner, teil- nehmen wird. 12 Uhr gemeinschaftliches Mittag­essen in Steins Saalbau. Um 13.30 Uhr wird sich ein von der Feuerwehrkapelle Lich geführter Fest­zug aufstellen, in dem neben Trachtengruppen auch die einheimische Landwirtschaft und Industrie durch Festwagen vertreten sein wird. Nach einem Umzug durch die Stadt wird ein geselliges Zusammensein die Gäste und Besucher noch längere Zeit auf dem Festplatz auf dem Hardtberg bei frohem Tanz und Spiel, verschiedenen gesanglichen und turnerischen Darbietungen, Ansprachen u. a. vereinen. Der Abend bietet allen Festteilnehmern Gelegenheit, nach Herzenslust in der Turnhalle das Tanzbein zu schwingen.

Windhose über der südlichen Wetterau.

LPD. Friedberg, 6. Juni. In der s ü d - Iichen Wetter.au zwischen Bad-Vilbel, Kalbach und Nieder-Erlenbach wurden gestern kurz nach 12 Uhr durch eine Windhose große Schäden angerichtet. 20 starke Bäume wurden entwurzelt und auf dem Wege der Windhose die Felder zer­stört. Zum Glück blieben die Ortschaften selbst ver­schont.

Berkehrsunfall bei Lang-Göns.

* Lang-Göns, 7. Juni. Zwischen Kirch-Göns und Lang-Göns verunglückte gestern ein Per­sonenauto aus Offenbach a. M. bei dem Ver­such, auf der Landstraße einen Fernlastkraftzug zu überholen. Dabei kam der Kraftwagen, in dem der Arzt Dr. Krause und ein Herr Glöckner aus Offenbach a. M. saßen, zu dicht an den Rand der Sttaße und auf dem regennassen Boden ins Rutschen. Der Kraftwagen fuhr gegen einen Baum, wobei er in seinem Vorderteil schwer be­schädigt und die beiden Insassen in die zersplit­

terten Wagenteile eingeklemmt wur­den. Rasch herbeigeeilte Helfer befreiten die Verun­glückten aus ihrer mißlichen Lage und sorgten für die Uebersiihrung der Verletzten nach der Gießener Klinik. Zum Glück stellte sich heraus, daß die Ver­legungen der beiden Autofahrer nur leichter Art sind.

Landkreis Gießen.

+ Grünberg, 6. Juni. Der zweitälteste Einwohner unserer Stadt, der im 87. Lebens­jahr verstorbene Zigarrenfabrikant Heinrich Mö­ser, der aus Wieseck gebürtig war, wurde hier zu Grade getragen. In dem Heimgegangenen be­stattete der hiesige Turnverein seinen letzten bisher noch lebenden Mitbegründer, der im Jahre 1883 als eifriger Turner den Turnverein Grünberg mit ins Leben rief. Für feine Verdienste um den Verein und die deutsche Turnerei war er vom Turn­verein Grünberg zum Ehrenmitglied ernannt wor­den, ferner besaß er den Ehrenbrief des früheren Mittelrheinkreises der DT. Der Führer des Turn­vereins Grünberg, Lehrer Wenzel, widmete dem entschlafenen Turnbruder gm Grabe einen herzlichen Nachruf.

Kreis Friedberg.

= Butzbach, 6. Juni. Bei der Geldsamm- lung zum Besten des Deutschen Luft­sportverbandes kamen hier durch die Haus­und Straßensammlung rund 1100 RM. zusammen. Die Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen A. I. Tröster errichtet gegenwärtig einen Neu­bau, auf den man die BezeichnungSchönheit der Arbeit"^ mit Recht anwenden kann. Für die Belegschaft wird in dem Neubau ein großer Speise­saal mit mannigfachen BequemUchkeitekt geschaf­fen. An der Fertigstellung desßEpues wird mit Beschleunigung gearbeitet.

Kreis Schotten.

ßaubacf), 6. Juni. Am 31. Mai ist der seit 1903 an der hiesigen Bezirkssparkasse als Kontrolleur tätig gewesene Wilhelm P i tz II. in den wohlverdienten Ruhestand getreten. An feine Stelle tritt der gräfliche Kassegehilfe Karl Naumann. Dem jederzeit pflichttreuen und fleißigen Beamten widmete beim Abschied Bürger­meister H ö g y namens des Verwaltungsrates und Vorstandes der Bezirkssparkasse Laubach herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung. Die Vereinigung der Laubacher Ältpen- n ä l e r beabsichtigt, in diesem Sommer anläßlich des 60jährigen Gründungstages des ehemaligen GymnasiumsFridericianum" eine Tagung ab­zuhalten, deren Zeitpunkt noch näher bestimmt wird.

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

LPD. Gladenbach, 6. Juni. Als am Don­nerstagabend eine Anzahl Arbeiter der Eisengieße­rei Aurorahütte bei Gladenbach auf dem Werkgleis einen Güterwagen in Bewegung setzten, glitt der Arbeitskamerad Werner Debus aus Erdhaufen aus und geriet unter die Räder. Beide Beine wurden ihm oberhalb der Knie total abgequetscht. In bedenklichem Zustande wurde der Schwerverletzte in die Marburger Klinik verbracht.

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? 00 Uhr: Festgottesdienst in der Stadtkirche 1.30 Uhr: Aufstellen des Festzuges

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300 Uhr: Begrüßung der Festgäste-Festrede Testspiele - Konzert und Tanz

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Jaatti §eginn des Prämienmarktes o on TTk Bekanntgabe der prämiiert. Tiere 2.30 Uhr: Festzug

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