Deutsche Arbeitsfront.
3XS. Gemeinschaft „Kraft durch Areude".
Sommerfest auf dem Staufenberg.
Am Pfingstmontag, 10. Juni, veranstaltet die NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Orts- gruppen Lollar und Mainzlar, auf dem Staufenberg ein frohes Sommerfest. Bei Konzert und Tanz, bei fröhlichen Volksliedern und bei dem Spiel „Die drei Dorfheiligen" der Münchner Heimatspiele wollen wir einen schönen Pfingsttag verleben. Die Musik wird ausgeführt von Mitgliedern der Lollarer SA.- Kapelle. Der Eintrittspreis in die Burg beträgt nur 20 Pf., er berechtigt zum Besuch des von den Münchner Heimatspielen gespielten Lustspieles. Das Tanzbändchen kostet pro Person 30 Pf., es berechtigt zum Tanz für den ganzen Tag. Auf zum Sommerfest nach Staufenberg am Pfingstmontag!
Rheinfahrt am 23. Juni.
Die erste Rheinfahrt des Kreises Gießen in diesem Jahre steigt am 23. Juni. Die Fahrt geht mit der Bahn nach Niederlahnstein, von dort aus mit dem Schiff nach Bingen, dort, in Rüdesheim bleiben wir über Mittag. Dann geht es den gleichen Weg wieder zurück. Wir haben Gelegenheit, rheinauf und rheinab den schönsten Teil unseres größten deutschen Stroms kennenzulernen. Die Fahrt geht gegen 7.30 Uhr morgens hier ab, die Ankunft wird so gelegt, daß alle noch Anschlußzüge benutzen können. Der Gesamtpreis beträgt 5,— Mark ohne Mittagessen und 5,80 Mark mit Mittagessen. Mit der Anmeldung bei den Orts- und Betriebswarten der NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ist zugleich der Fahrpreis zu bezahlen. Bezahlte Anmeldungen gelten erst als angemeldet. Anmeldeschluß ist der 15. Juni.
An alle kdF.-Warle in den Ortsgruppen und Betrieben!
Soweit noch nicht geschehen, muß sofort obige Ankündigung über die Rheinfahrt am 23. Juni auf allen roten KdF.-Tafeln angebracht werden. Die Orts- und Betriebswarte haben die Meldungen und die Zahlungen anzunehmen. Die Meldungen aus den Betrieben müssen nachweisen, in welchem Bahnort die Teilnehmer einsteigen, damit wir rechtzeitig für richtige Anschlüsse sorgen können. Insgesamt können noch 300 Meldungen angenommen werden.
Segelfportfahrten auf der Ostsee.
Das Reichssportamt der NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude" beabsichtigt in der Zeit von Juni bis Oktober verschiedene sieben- und vierzehntägige Segelsportfahrten durchzuführen. Die Kosten sind außerordentlich niedrig gehalten, sie betragen 37,50 Mark für die siebentägige und 65 Mark für die vierzehntägige Fahrt. Für die Hin- und Rückreise der Teilnehmer vom Wohnort zum Liegeplatz der Schiffe wird eine 50-v. H.-Fahrpreisermäßigung für die Bahnfahrt gewährt. Weitere Auskunft sowie Anmeldung auf dem Sportamt der NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gießen, Schanzenstraße 18, Fernruf 2919.
Sportkurse am Freitag.
Heute finden folgende Sportkurse statt:
20 bis 21 Uhr: Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer, Lyzeum.
20 bis 21 Uhr: Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen, Heilanstalt.
Erwerbt die Jahressportkarte zum Preise von 30 Pf. (einschließlich Versicherung) bei der Sportlehrerin oder bei dem Sportlehrer in der Uebungs- stätte oder auf dem Sportamt!
Kommt alle und seht euch die Sportkurse an, und dann macht mit! Es ist niemand zu alt dazu, an unserem frohen Betrieb teilzunehmen!
Deutsches Zugendfest 1935.
1. Hinsichtlich der schon bekanntgegebenen Austragungsorte im Kreise Gießen tritt folgende Aenderung ein: Wieseck kommt neu hinzu. Klein- Linden gemeinsam mit Heuchelheim in Heuchelheim.
Großen-Linden, Lang-Göns und Leihgestern in Leihgestern. Inheiden für sich allein. Was die Zugehörigkeit der Jugendlichen zu den Austragungsorten anbetrifft, so entscheidet in jedem Falle, auch für diejenigen, die nicht der HI. und ihren Untergliederungen angehören, das Gefolgschftsgebiet.
2. Die Festabzeichen werden ausschließlich von den einzelnen Schulen von der Geschäftsstelle des Deutschen Jugendfestes, Berlin-Charlottenburg 2, Hardenbergstraße 43, bestellt und vertrieben. (Bestellung in Höhe der doppelten Schülerzahl.)
3. Die Siegernadeln und die Wettkampfkarten, letztere nure für diejenigen Jugendlichen, die nicht der HI. und ihren Untergliederungen angehören, bestellen die Ortsausschüsse bei der Geschäftsstelle des Deutschen Jugendfestes.
4. Da jetzt alle Orte innerhalb des Kreises, an denen die Wettkämpfe stattfinden, festliegen, wird erwartet, daß die Ortsausschüsse, wenn dies noch nicht der Fall sein sollte, sofort gebildet werden. Dies ist unbedingt notwendig, damit die Vorbereitungen beginnen können.
Wichtig für Hundefreunde.
Dom Landschastsbund Volkstum und Heimat wird uns geschrieben:
Hunde dürfen keine Geflügelknochen fressen! Alten Hunden soll man auch andere Knochen nicht vorsetzen! Für jüngere Hunde sind weiche Kalbsknochen am zuträglichsten. Gib die Knochen dem Hund gesondert, mische sie nicht unter das Futter, er könnte sie sonst unzerkaut herunterschlucken und sich dabei innerliche Verletzungen zuziehen.
Erneuere das Trinkwasser öfters am Tage! Koche, namentlich im Sommer, das Hundefutter nicht „auf Vorrat"! Es könnte verderben und dem Hund schädlich werden! Glaube nicht, daß dein Hund unempfindlich gegen Durchnässung, Zug und Kälte sei! Namentlich die edlen Hunderassen und die Stadthunde sind nicht immer sehr widerstandsfähig und leichter Erkrankungen ausgesetzt. Gib deinem Hund ein trockenes, sauberes und warmes Lager! Trockene den Hund gut ab, wenn er naß geworden ist, Abreibung mit einem rauhen Tuch ist am zweckmäßigsten.
Wenn dein Hund einen Maulkorb tragen muß, dann sorge dafür, daß er gut paßt und nicht drückt. Ist dein Hund nicht gesund, so verwende nicht allzu lange Hausmittel, sondern gehe rechtzeitig zum Tierarzt.
Sonderzug des Bundes heimattreuer Ost- und Westpreußeu nach Ostpreußen.
LPD. Der Bund heimattreuer Ost- und Westpreußen läßt am 11. Juli einen Sonderzug nach Ostpreußen (Königsberg) laufen. Die Fahrtkostey ab Frankfurt a. M. in der 3. Wagenklasse betragen 38 Mark, in der 2. Klasse 55 Mark, ab Fulda 35 bzw. 50 Mark, ab Bebra 33,50 bzw. 48 Mark. Die Rückfahrt erfolgt am 2. August abends ab Königsberg, Ankunft in Frankfurt am 4. August moraens. Stationen des Zuges auf der Hin- und Rückfahrt sind: Fulda, Bebra, Marienburg, Elbing und Braunsberg. Zum Ein- bzw. Aussteigen auf der Hinfahrt sind in Berlin etwa 4 Stunden Aufenthalt, auf der Rückfahrt eine Fahrtunterbrechung von etwa 12 Stunden ohne Uebernachtung.
Für die Zu- und Abfahrt nach und von Frankfurt a. M. wird im Umkreis von 100 Kilometer eine Ermäßigung von 60 v. H. gewährt. Nichtmitglieder des Bundes heimattreuer Ost- und Westpreußen können sich ebenfalls an der Fahrt beteiligen, sie müssen jedoch einen Unkostenbeitrug von 1,50 Mark bezahlen. Die MER. vermitteln verbilligten Aufenthalt an der See, auf der Nehrung, in Danzig oder in Masuren. Auch bieten sie Gelegenheit zu billigen pauschalen Rundreisen durch Ostpreußen.
Die Meldungen müssen bis zum 20. Juni bei den Ortsgruppen des Bundes heimattreuer Oft»
und Westpreußen erfolgen. Wo keine Ortsgruppe ist, wende man sich an die Geschäftsstelle des Landesverbandes des Bundes in Frankfurt a. M.- Rödelheim, Dörrwiesenstraße 5, Telephon 76 515.
Vornotizen.
— Tageskalender für Freitag: NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr: Allgemeine Körperschule im Lyzeum. 21 bis 22 Uhr: Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen in der Heilanstalt. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Mädchen Johanna.
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** Evangelische Pfarrpersonalien. Ernannt wurden: der Pfarrer Dr. Rudolf Michel an der Lutherkirche zu Wiesbaden zum Pfarrer der Pfarrei Oberstedten, Dekanat Bad Homburg, mit Wirkung vom 1. Juli 1935 ab; der Pfarrassistent Kurt Davidson zu Eberstadt, Dekanat Darmstadt, zum Pfarroerwalter der Pfarrei Wallertheim, Dekanat Wöllstein, mit Wirkung vom 16. Mai 1935 ab; der Pfarrer Hans Letzi n g zu Ortenberg, Dekanat Büdingen, zum Pfarrer der Pfarrei Osthofen, Dekanat Worms, mit Wirkung vom 16. Mai 1935 ab; der Pfarrer Hans D u r st zu Westhofen, Dekanat Worms, zum Pfarrer der Pfarrei Wersau, Dekanat Groß-Umstadt, mit Wirkung vom 1. Juni 1935 ab.
** D i e Industrie- und Handelskammer veröffentlicht in unserem heutigen Blatte eine Anzeige über Büroschluß, auf die wir die Interessenten besonders Hinweisen.
** R ü ck ständige Strom- und Gasgelder aus dem Monat April werden in unserem heutigen Anzeigenteil von der Direktion der städtischen Betriebe zur Zahlung angemahnt. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.
** VHC. Gießen. Man berichtet uns: Mindestens einmal im Jahr, und zwar meist im Sommer, wo wir im Freien lagern können, denn die Schutzhütte kann die vielen Teilnehmer nicht fassen, wandern wir zum Dünsberg. Der Himmel war bedeckt und die Aussicht gering, als wir am vergangenen Sonntag vom Oswaldsgarten abmar
schierten; so blieb es auch noch, während mir hinter Krofdorf am Rande des Krofdorfer Waldes lagerten. Die Burgen Gleiberg und Vetzberg erhoben sich mächtig im nahen Vordergrund, aber unsere Heimatstadt und die dahinter liegenden Höhen waren schon nicht mehr zu erkennen. Wir folgten dann den gelben Strichen auf ruhigen Schneisen durch den Krofdorfer Wald, sichteten mehrere Rehe, wanderten bei der Straße Fellingshausen—Frankenbach, die wir überquerten, kurze Zeit über freies Feld und kamen darauf in den Wald, der sich rings um den Dünsberg zieht. Bei dem frischen Wanderwetter erstiegen wir leicht den Berg. Hier hielten wir lange Rast und genossen vom Turm die schöne Rundsicht. Schließ- lieh fand die Auszeichnung von 11 Kindern statt, die sich besonders eifrig im vergangenen Jahre an unseren Wanderungen beteiligt hatten. Der Abstieg erfolgte nach Fellingshausen. Dann gingen wir auf schönen Schneisen durch den Detzberger Wald. Inzwischen war das Wetter ganz klar geworden, und so hatten wir, als wir das Wäldchen verlassen hatten und durch die wogenden Kornfelder wanderten, nach allen Seiten hin eine prächtige Sicht. Großartig war jedoch der Blick über die blühenden Hecken von der Ruine Vetzberg. Im Dorf Vetzberg hielten wir Schlußrast und gingen dann nach Rodheim, von wo uns die Biebertalbahn nach Gießen brachte.
** Rheinfahrten an Pfingsten. In der Annahme, daß der bisherigen Regenzeit zu Pfingsten schönes Wetter folgt, hat die Köln-Düsseldorfer Rhein-Dampsschiffahrt ihren Fahrplan für die Feiertage so erweitert, daß zwischen 6.30 und 18.40 Uhr allein ab Mainz 17 Abfahrten stattfinden. Entsprechend zahlreich sind die Rückfahrmöglichkeiten. Für die Frühschiffe werden ganz besonders billige Ausflugsfahrscheine nach St. Goar, Boppard und Koblenz ausgegeben, außerdem für alle Schiffe die „billigen Tageskarten", die von Pfingstfamstag bis Pfingstmontag Gültigkeit haben. Die Sonderfahrpläne für Pfingsten sind bei der Mainzer Agentur der Gesellschaft erhältlich. Man beachte die heutige Anzeige.
Erbforschung und Erbpflege.
Ein weiterer Vortrag in der Vortragsreihe „Wissenschaft im Dienst am Dolf-'.
Am gestrigen Abend wurde die Vortragsreihe der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und der Universität durch einen Vortrag über „Erbforschung und Erbpflege" fortgesetzt.
Dr. Kranz, Gießen,
vom Rassenpolitischen Institut, der schon seit vielen Jahren gemeinsam mit Prof. Kuhn an rassen- hygienifchen Aufgaben und Fragen arbeitete, hielt im überfüllten großen Hörfaal der Universität diesen Vortrag mit besonderer Berücksichtigung der Ergebnisse von Zwillingsuntersuchungen. Seinem mit vielen Lichtbildern und Tafeln all- aemein verständlichen Vortrag entnehmen wir u. a. folgendes: Die geistige Grundhaltung des Marxis- muh fei Schuld daran gewesen, daß das deutsche Volk zu einem immer mehr vergreisenden Staat geworden sei.
Die Zahl der Jugend sei so groß gewesen, wie die Zahl der Greise. Ein derartiges Volk Hölle bei dieser stagnierenden Entwicklung im Lause der Jahrzehnte aus der Reihe der Völker verschwinden müssen.
Man hätte früher Rafsenmifchung weitgehend zu- gelassen, und so sei es gekommen, daß Schwarz und Weiß, Juden und Arier sich kreuzten. Mit Hilfe der marxistischen Freunde seien damals über hunderttausend Ostjuden nach Deu 1 sch-
land gekommen, die allmählich die geistige Führung an sich gerissen hätten. Die Auswirkungen dieser rassefremden Führung auf die kulturellen Aufgaben feien uns allen sehr gut bekannt. Die Erbkranken schienen bald im deutschen Volk die Erbgesunden überwuchern zu wollen.
Die Zahl der in Irren- und Pflegeanstalten untergebrachten kranken sei von 170 000 auf 300 000 im Laufe weniger Jahre gestiegen, und der Staat habe für diesen Zweck VA 2UU- liarden Mark aufbringen müssen.
Um den versammelten Volksgenossen einen Einblick in eine solche Krankenanstalt zu geben, wurde ein Film vom Rassenpolitischen Amt der NSDAP., betitelt „Die Sünden der Väter", vorgeführt. Ergreifende Bilder dieser armen Geschöpfe, die große Pflege, die die Kranken dauernd umgibt, wurden hier gezeigt.
Jeder habe wohl den Wunsch, nachdem er einmal Einblick in dieses Elend genommen habe, daß das Erbkranke nicht weiter vererbt werde. Der nationalsozialistische Staat denke nicht daran, diese Erbkranken zu töten, aber er wolle vermeiden, daß von diesen weitere erbkranke Nachkommen das Licht der Welt erblickten. Daß es eine Vererbung gebe, hätten die Völker schon vor vielen hundert Jayren gewußt. Besonders in der Tierzucht habeman großen Wert auf Rassezucht mit
Warum verkennst du mich, Barbara?
Vornan von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.) 4. Fortsetzung Nachdruck verboten!
„Sie tanzen hinreißend, mein gnädiges Fräulein", sagte er ziemlich laut und lächelte in Magdalenas erschrockene Augen hinein. Er hielt dies starre Lächeln auf seinem Gesicht fest. Barbara, die nun gerade neben ihm war, hörte diese Worte, sah dies Lächeln.
Brüsk hielt sie mitten im Tanz an.
„Oh, meine Gnädigste", fragte ihr Tänzer, „befehlen Sie aufzuhören?"
„Ja, bitte! Wollen Sie mich zu meinem Platz führen."
Ihr Gesicht war eigentümlich starr, als sie nun hart an Eckehard vorbei durch den Saal ging, um sich in dem kleinen Salon nebenan niederzulasfen. Sofort scharte sich eine große Anzahl junger Leute um Barbara von Stechow.
Sie wußte, was sie ihrer Stellung als Gastgeberin schuldig war. Sonst so hochmütig und abwehrend diesen Menschen gegenüber, war sie heute von einer bezaubernden Liebenswürdigkeit. Niemand brauchte ja zu wissen, was in ihr vorging. Sie gab sich, als durchschaute sie die ganzen Be- mühungen der Menschen um sie herum nicht. Dabei wußte sie doch ganz genau: die plötzlich erwachte Liebenswürdigkeit ' der Großgrundbesitzer hier umher galt einzig und allein einer Tatsache — daß sie nun plötzlich zu einer begehrten Erbin geworden war. Die Liebenswürdigkeit der unverheirateten jungen Leute war nichts als ein Werben um die Reichtümer, die mit ihrer Person verbunden waren. Heute war sie die Wirtin und kannte ihre Pflichten. Aber sie schaute allen bis ins Herz. Sie glaubte nicht mehr an wahre Freundschaft und wahre Ergebenheit. Sie war ein kostbares Wild, das mancher der jungen Leute hier haben wollte. Aber sie sollten sich alle hier täuschen. Sie hatte ihr Haus der Geselligkeit nur geöffnet, um zu zeigen: „Ich bin da. Und wenn ich winke, kommt ihr!" Aber feiner sollte glauben, daß sie jemals mit ihrem Herzen noch irgendeinem Manne vertrauen würde.
Der einzige, den sie hier schätzte, war Herr von Geczy. Sie wußte, der feine, ritterliche Mann hatte eine beinah väterliche Verehrung für sie. Er war der einzige gewesen, der in der Zeit nach dem Tode ihres Gatten ihr die schwierigen Verhandlungen mit den Behörden abgenommen und alles für fie zum Guten gelenkt hatte. Sonst aber vertraute sie keinem einzigen hier, auch Eckehard von Macken- roth nicht. Sie wollte es nicht, daß er sie ansah mit diesem forschenden, drängenden Blick. Er war ihr Angestellter — nichts weiter. Er sollte sich hüten, die Grenze zu überschreiten«
Oft bereute sie schon, ihn auf Bitten ihrer Verwandten in Pommern hier als Inspektor angestellt zu haben. Sie hätte es nicht tun dürfen. Um ihrer selbst willen nicht. Es war schon einmal gewesen, da hatte ihr Herz schneller geklopft, wenn sie Eckehard von Mackenroth begegnet war. Das war damals gewesen, als man ihr die ersten Beweise von der Untreue ihres Mannes in die Hand gespielt hatte. Damals war Mackenroth gerade wieder zu Besuch auf dem väterlichen Gut in der Tschechoslowakei gewesen und hatte sich häufiger auf Schlotz Schedlowitz sehen lassen. Wie eine heiße Welle war es von ihm zu ihr übergeströmt. Sein Anblick, seine ruhige, ernste Stimme war wie ein leises Streicheln gewesen, das von der Gegenwart entfernte, den Traum von Glück und Kindfein zurückzugeben schien. Aber auch dieser leise Trost war ihr vergiftet worden. Bei einem ihrer Besuche hatte Frau von Tschewnick das erste Mißtrauen in Barbaras Herz gesenkt.
6. Kapitel.
„Dieser Herr von Mackenroth läßt sich ja jetzt oft bei Ihnen sehen, meine Teure!" hatte sie gesagt. „Er weiß wohl immer, wann Ihr lieber Gatte geschäftlich in Prag zu tun hat."
Sie hatte dies Wort „geschäftlich" in einer so perfiden Weise betont, daß Barbara heiß erglüht war.
Sie hatte gar nichts zu sagen gewußt. Frau von Tschewnick schien mit Befriedigung die Wirkung ihrer Worte auf Barbara gesehen zu haben. Sie fügte dann noch mit einem spöttischen Lächeln hinzu:
„Der Mackenroth ist wahrscheinlich auch einer von jenen jungen Leuten, die gern im Trüben fischen, sowie sie an eine Unstimmigkeit zwischen einer schönen jungen Frau und ihrem Manne glauben."
Barbara war hart aufgestanden und hatte mit bebender Stimme gesagt:
„Wenn Sie mit diesem jungen Ehepaar mich und meinen Mann meinen, gnädige Frau, dann wissen Sie mehr als ich. Und in bezug auf Herrn von Mackenroth möchte ich Ihnen das eine sagen: Er ist ein Jugendfreund meines Mannes, ist mit ihm zusammen in dem großen Institut in Niesky erzogen worden — also Grund genug, daß er die Gastfreundschaft in unserem Hause genießt."
„Gewiß! gewiß!" hatte Frau von Tschewnick wieder mit ihrem spöttischen Lächeln beigestimmt. „Natürlich, ein Freund Ihres Gatten. Aber vergessen Sie nicht, meine Liebe, man redet gern Hehles über junge schone Frauen wie Sie. Auf jeden Fall mochte ich Sie warnen. Man spricht in der Gesellschaft im Zusammenhang mit Mackenroth bereits über Sie. Wissen Sie übrigens, daß Mackenroth dicht vor dem Ruin steht?"
Barbara war tief erschrocken.
"Nein! Das wußte ich nicht!" hatte sie gesagt.
Da hatte sich Frau von Tschewnick mit den doppelsinnigen Worten verabschiedet:
„Nun, vielleicht ist Ihnen diese Nachricht immerhin interessant gewesen, meine liebe junge Freundin. Mackenroth wird nun wohl sehen müssen, eine möglichst reiche Frau zu bekommen."
All das ging wieder durch Barbaras Gedanken, wie sie jetzt von ihrem Sessel aus ihrer Freundin Magdalena und Mackenroth zuschaute. Sie konnte diese Frau von Tschewnick nicht leiden — aber in einem mochte sie recht haben: ein Mann war wie der andere! Sie durfte nie wieder glauben — nie wieder vertrauen!
Albert von Stechow, ihr Gatte — hatte sie ihm nicht alle Kraft und Treue chres Mädchenherzens wie ein heiliges Opfer dargebracht? Und doch hatte er dieses Opfer verraten, beschmutzt, zertreten. Einer war wie der andere. Keiner war wert, daß man seinetwegen Gefühl und Seele hingab.
Sie mußte Magdalena warnen. Wie die jetzt mit einem scheu hingehenden Blick zu Mackenroth aufsah, schien sie ganz im Bann dieses Mannes zu sein. Freilich, Eckehard von Mackenroth war ein Mann, der das Herz eines unerfahrenen Mädchens betören konnte. Hätte er doch beinah ihr eigenes betört! Sie entsann sich noch des süßen Zaubers, der sie eingefangen, wenn er mit ihr gesprochen hatte. Heimlich hatte sie ihn mit ihrem Gatten verglichen. Wäre nicht das Unglück mit Albert von Stechow gekommen — wer ewiß, ob sie nicht in einen furchtbaren Konflikt des Herzens hineingerissen worden wäre.
Aber nun, gottlob, war ihr Herz gefeit gegen solch törichten Glauben — gegen die Liebe. Und das, was jetzt so unruhig und weh in ihr aufstieg, es war nichts anderes als die Empörung gegen Eckehard von Mackenroths drängende Blicke. Es war nichts anderes in ihr als Abwehr gegen ihn und Verachtung. Es durfte nichts anderes fein. Er war wie alle anderen.
Sie wußte ja, was alle Männer von ihr wollten. Da war dieser Josef Bannosch. Er hatte ihr schon bei Lebzeiten Alberts so unzweideutig den Hof gemacht, daß sie ihm am liebsten ihr Haus verboten hätte. Aber er war ja Alberts Duzfreund gewesen und sein Kamerad in den verschiedenen Klubs. Einmal hatte sie Albert zaghaft angebeutet, daß sich Joses Bannosch ihr gegenüber nicht ehrerbietig genug benähme. Aber sie hatte bei ihrem Manne keine Unterstützung gefunden.
„Gehts mir mit eurer norddeutschen Steifheit!" hatte er achselzuckend erklärt. „Bei uns hier unten ist es selbstverständlich, daß man einer Frau, die ein bisserl fesch ist, den Hof macht. Sollest lieber stolz darauf fein, wenn meine Freunde in dich verschossen sind. Da weißt du wenigstens, daß du ihnen gefällst."
Energisch hatte sie darauf erklärt, daß sie keinerlei Wert darauf lege, in dieser Weise bewundert zu werden. Sie wäre von zu Hause gewohnt, daß man in dem Verhalten einer verheirateten Frau gegenüber die Grenze zu respektieren wüßte.
Da hatte Albert von Stechow spöttisch aufgelacht und gemeint, wenn sie nicht verstände, diese Grenze zu bestimmen, müßte es wohl an ihr liegen. Der Josef Bannosch wäre sei lieber Freund. Sie sollte sich nicht einbilden, daß diese Freundschaft um einer Frau willen auseinandergehen würde.
Tief verletzt war Barbara auf dieses Thema nicht
mehr zurückgekommen. Sie sah, sie fand in ihrem Manne nicht denjenigen Schutz ihrer Frauenwürde, auf den sie gehofft hatte.
Viel später erst, als die Katastrophe mit Albert von Stechow eingetreten war, horte Barbara so manches über die Freundschaft zu Bannosch. Bannosch war einer jener Männer gewesen, die zu den häufigen Gästen der französischen Sängerin gehörten. Er hatte Albert von Stechow mit Mademoiselle Lucille bekannt gemacht. Die beiden waren bei allen mehr als fröhlichen Festen im Hause der Mademoiselle zusammen. Außerdem hatte Bannosch Albert von Stechow eine beträchtliche Summe geliehen. Aus diesem Grunde wohl halte Stechow Bannosch gegen die eigene Frau in Schutz genommen.
Barbaras erstes Bestreben war gewesen, nach dem Tode ihres Mannes die Schuld an den Grafen Josef Bannosch abzutragen. Sie wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Sie fürchtete, daß er, nun sie frei war, seine Bemühungen um sie verstärkt fortsetzen würbe. Aber sie hatte Joses Bannosch immer noch zu hoch einlaxiert. Sowie man erfuhr, daß die Besitzungen Slechows so hoch verschuldet waren, war Bannosch plötzlich fortgeblieben. Er halle nicht einmal nach ber Beerdigung den vorschriftsmäßigen Kondolenzbesuch bei Barbara von Stechow gemacht, sondern sich mit einem schriftlichen Ausdruck seiner „allerinnigften" Teilnahme begnügt und eine unerwartete Reise vorgeschützt. In den aufregenden Tagen halte Barbara an Jofef Bannosch überhaupt nicht gedacht. Erst später fiel es ihr auf, daß auch Frau von Tschewnick sich fern von ihr hielt. Als auch alle anderen Bekannten aus ihrem Kreise sich nach der Trauerfeier kaum noch blicken ließen, begriff sie endlich: Mil der verarmten Witwe wollte niemand mehr etwas zu tun haben.
Barbara war über dieses Verhalten der Menschen nicht böse. Sie war froh, nach den furchtbaren Erschütterungen für sich allein bleiben zu können. Was sollten ihr auch falsche Freunde? Sie waren schlimmer zu ertragen als Einsamkeit. Aber sie schwor sich in ihrem Stolz, daß sie alle noch zu ihr kommen sollten, wenn sie es wollte.
Nun war dieser Zeitpunkt eingetreten. Alle halten sich um eine Einladung zu ihrem großen Fest geradezu bemüht. Und sogar Frau von Tschew« nick halle um eine Einladung für ihren Neffen Josef Bannosch gebeten, der feit einiger Zeil wieder im Lande weilte. Barbara hatte getan, als hätte le die unangenehmen Erlebnisse mit Josef Bannosch ganz vergessen. Sie war ihm als liebens- würdige Gastgeberin entgegengekommen. Nur wie er mit übertrieben betonter Ergebenheit ihr für diese Einladung dankte und beim Handkuß« Ihre Hand einen Augenblick zu lange an seinen Lippen hielt, entzog sie ihm sehr energisch ihre Hand.
Hielt Bannosch sie wirklich für so töricht, seine Absicht nicht zu durchschauen? Sie war ja jetzt die reiche Herrin auf Schedlowitz. Dadurch war ie für alle wieder begehrenswert geworden.
(Fortsetzung folgt!)


