2^00 Lahre Homberg a d.Ohm.
Don Or. C. Walbrach
Im selben Jahre 1234, da in Marburg der gewaltige Bau der Kirche für die hl. Elisabeth begonnen wurde, die hessische Fürstin, deren Erhebung zur Heiligen in prunkvoller Feier der größte Kaiser des deutschen Mittelalters, Friedrich II., selber beiwohnte, erscheint Homberg an der Ohm zum erstenmal als Stadt in einer Urkunde. In dieser Urkunde, die im „Hessischen Urkundenbuch" Abt. II, Bd. 1 (1891) von Heinrich Reimer mitgeteilt ist, bezeugen die Städte Homberg a. d. Ohm und Grünberg, daß Richwin und Wigand von Guntershausen ihren gesamten Besitz in Guntershausen, Rieder- Ofleiden, Heldenbergen, Altenstadt, Kirchgöns und an anderen Orten dem Kloster Haina als Geschenk überwiesen haben.
Aus dieser Nachricht geht allerdings nichts weiter hervor, als daß Homberg a. d. Ohm im Jahre 1234 bereits eine urbs, eine Stadt, war. Wann dem Ort die Stadtrechte verliehen worden sind, ist nicht bekannt: eine Urkunde über diesen wichtigen Vorgang ist leider anscheinend nicht erhalten. Gelegentlich ist in der Literatur der 6. November 1234 als erste urkundliche Erwähnung Hombergs als Stadt genannt worden, und zwar auf Grund einer Urkunde, die die drei hessischen Landgrafen Heinrich, Conrad und Hermann an dem genannten Tag in Homberg ausgestellt haben, und die sich in V. F. de Gudenus „Codex diplomaticus“*, Bd. 4 (1758), S. 877 ff. auf- gezeichnet findet. Hier liegt eine der nicht seltenen Verwechslungen mit Homberg a. d. Efze, auch Homberg in Hessen genannt, vor. In dieser Urkunde wird der Ort nämlich als oppidum nostruni bezeichnet, denn Homberg a. d. Efze war 1231 schon hessisch, während Homberg a. d. Ohm sich erst 1296 im Besitz des Landgrafen Otto von Hessen findet.
Der Vater Ottos, Landgraf Heinrich I., hatte für seinen Todesfall das Land an die zwei Söhne erster Ehe und den einen Sohn zweiter Ehe verteilt. Die Bevorzugung des letzteren führte zu Streitigkeiten. Als 1296 Heinrich erkrankte und bald die falsche Nachricht von seinem Tod umlief, eilte Otto, der zweite Sohn erster Ehe, mit seinem Schwager Gottfried von Ziegenhain nach Niederhessen, um sich huldigen zu lassen. Mit Hilfe des befreundeten Kaisers Adolf von Nassau wandte sich Heinrich gegen seinen Sohn. Im August belagerte er Burg Staufenberg und zwang Gottfried zu dem Versprechen, „er wollte Landgraf Otto vermögen, daß das Land dem Vater wieder werden sollte". Das geschah nach einigem Verhandeln, und Otto bekam von dem Vater, heißt es in Johann Riedesels Chronik, „Homberg an der Ohm und Biedenkopf, und hielt sich, solange der Vater lebte, in diesen beiden Städten auf". Demnach steht nur fest, daß Homberg damals hessisch war, aber man weiß nicht, wann und wie es in den Besitz der Landgrafen gekommen ist.
Die allererste Erwähnung Hombergs findet sich in einer Urkunde vom April 1065, durch die Kaiser Heinrich IV. entsprechend der Bitte seiner Mutter Agnes 10 Mansen Land in dem Ort namens Hohun- burch der Abtei Hersfeld schenkte.' Aus der Beschrei
bung des Ortes, der in der Grafschaft des Grafen Wernher III. im Oberlahngau gelegen war, geht hervor, daß es sich um Homberg a. d. Ohm handeln muß. Eine weitere urkundliche Nachricht von 1146 macht diese Annahme noch sicherer. Darin, wird eine Schenkung Kaiser Konrads III. ebenfalls an die Abtei Hersfeld bezeugt, durch die der Kaiser die Hälfte seines Allods in Homberg mit Ausnahme des Berges Hohunburg abtrat. Wohl mit Recht vermutet man, daß die Burg auf diesem Berg eine Reichsfeste war, um die allmählich die Stadt entstand.
Die Quellen zur Geschichte Hombergs in älterer Zeit fließen nicht sehr reich. Wohl kommt der Name der Stadt in verschiedenen Urkunden über Schenkungen, Verpfändungen usw. vor, aber diese berichten nichts, was für ihre Geschichte bedeutsam ist. Erst im Jahre 1328 wird in einer Urkunde die Burg Homberg genannt. Landgraf Heinrich II. von Hessen stiftete damals der Burgkirche St. Georg einen der Jungfrau Maria und der hl. Elisabeth geweihten Altar und schenkte ihr Güter in Homberg selbst und verschiedenen Dörfern der Umgegend.
In ihrer heutigen Gestalt läßt die Stadtkirche verschiedene Bauperioden erkennen. Das dreischiffige Langhaus zeigt im unteren Teil Reste einer romanischen Basilika, der hohe Chorbau gehört der Frühgotik an; im 15. Jahrhundert erhielt das Langhaus seine heutige Gestalt. Die vor kurzem durchgeführte Erneuerung läßt die Formenschönheit gut erkennen. Außer zwei Figuren im Chor, sind noch zwei Grabdenkmäler zu erwähnen, die dem 16. Jahrhundert entstammen. Der Pfarrer Sibold Rotzmaul stiftete 1371 einige Benefizien für die Alsfelder Kirche. In der darüber aufgesetzten Urkunde wird Homberg als Stadt erwähnt; deshalb hat man lange Zeit irrtümlicherweise angenommen, dies sei der älteste Nachweis für die Stadtrechte Hombergs. '
Die zweite Hornberger Kirche ist die im Tal gelegene Friedhofskapelle. Sie wurde im Jahre 1565 erbaut, wie eine Inschrift besagt. Damals wurde vielerorts die Begräbnisstätte aus hygienischen Gründen außerhalb der Stadtmauer angelegt. Zu Beginn unseres Jahrhunderts sollte sie beseitigt werden, was glücklicherweise verhindert wurde.
Das Rathaus, das Joh. Just Winckelmann mit Recht „von zimlicher Höhe und Größe" nennt, ist 1539 errichtet. Von den ehemals vorhandenen spitzen Ecktürmchen ist uns noch eins erhalten. Ebenso ist die nach Merians Beschreibung künstlerische Uhr seit 1612 verschwunden. 1554 verlieh Philipp der Großmütige Homberg zwei Jahrmärkte. Durch Merian wissen wir auch von einem starken Erdrutsch am Himmerich im Jahre 1571 und einem großen Brand 1597, dem offenbar ganze Straßen zum Opfer gefallen sind.
Hoch über der Stadt erhob sich das Schloß, das, wie bereits erwähnt, als Reichsfeste erbaut worden sein muß. Es war von einer eigenen starken Mauer umgeben, an die sich auf beiden Seiten die Stadtmauer anlehnte. 1836 wurde es unbegreiflicherweise
teils umgebaut, teils abgerissen. Erhalten sind nur noch die Burgmauer und die Freitreppe. Daß einmal Tempelherren dort gesessen hätten, dürfte eine Legende sein. Don dem Mauerzug um die Stadt mit seinen zwei Toren und vier Türmen ist nur der sog. Brauhausturm neben dem ehemaligen städtischen Brauhaus übriggeblieben. Das älteste überkommene Stadtwappen ist im Siegel einer Urkunde von 1311 zu finden: im oberen Feld eine getürmte Mauer, im unteren der hessische Löwe; die Inschrift lautet: Sigillum Burgiensium de Hohin- burg. lieber die besonderen rechtlichen Verhältnisse ist hinsichtlich des Hornberger Erbrechts einiges aus dem Bericht der Stadt auf eine landgräfliche Anfrage von 1572 zu entnehmen.
Die äußeren Schicksale Hombergs in der Neuzeit hängen im wesentlichen mit den kriegerischen Ereignissen zusammen. Während des Dreißigjährigen Krieges lagen verschiedene Male Truppen beider Parteien in der Stadt, so 1621, 1640, 1643, 1646 und 1647. Im Siebenjährigen Krieg sind nach den eingehenden Forschungen August Röschens 1760/61 mehrere Gefechte in der näheren und weiteren Umgegend vorgefallen. Daneben haben Einquartierungen und Kriegssteuern die Stadt bedrückt.
Mehr als sieben Jahrhunderte hindurch ist ein Geschlecht Hornberger Bürger auf das andere gefolgt. Alle diese Tausende von Männern und Frauen haben von der überragenden Höhe des Schloßbergs ins Ohmtal hinuntergeschaut, hinüber nach dem mächtigen Basaltblock, den einst das stolze Mainzer Schloß Amöneburg schmückte, und weiter zu den Höhen des Vogelsbergs und der Feste Ulrichstein. Sie haben sich ihrer schönen, fruchtbaren Heimat gefreut und waren sich des blutsverbundenen Zusammenhangs mit dem deutschen Volke bewußt.
Das Homberg der Gegenwart ist durch die Eisenbahn mit der Welt verbunden; die Straße aenügt nicht mehr. Vor allem nicht für die Steininoustrie der Basalt- und Quarzitbrüche. Aber auch für den Personenverkehr ist sie sehr wichtig, denn Homberg gilt mit Recht als beliebter Erholungsort. Prächtige Wälder auf den Höhen und lachende Fluren in den fruchtbaren Tälern erfreuen die Großstädter, die froh sind, dem Jagen und Haften des Alltags einmal für kurze Zeit entronnen zu fein, die in der freien, würzigen Luft des Ohmtales wieder den Zusammenhang fühlen mit den natürlichen Grundlagen des Lebens: dem Boden und allem, was ihm verbunden ist. Denn wichtiger als der Ertrag ist der Bestand, heißt es einmal bei Eugen Schmahl.
Jahrhunderte liegen hinter Homberg, Jahrhunderte vor ihm. Auf sich allein gestellt bedeutet kein Mensch, keine Stadt etwas; die untrennbare Bindung an Volk und Reich erst gibt einen Wert. So betrachtet, hat auch Homberg seine Aufgabe im Rahmen des Ganzen, als ein Stück der deutschen Heimat.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
Wetzlar, 6. Juni. (LPD.) Nachdem der Kreisort Ehringshausen erst vor kurzem von epidemieartig auftretenden Scharlacherkrankungen heimgesucht wurde, treten jetzt die Ma
sern derartig stark auf, daß nunmehr die Schule geschlossen werden mußte. Fast in jeder Familie sind Kinder von der Krankheit befallen.
(D Krofdorf, 7. Juni. Am heutigen Freitag, 7. Juni, ist es dem Ehepaar Karl Stork und Frau Luise, geb. Kröck, möglich, das 50jährige Ehejubiläum zu begehen. Der Jubilar steht im 73., die Jubilarin im 72. Lebensjahr.
Die HI.-Zeltlager sind der Ausdruck unseres Willens: Dienst für Deutschland!
(D Kinzenbach, 7. Juni. In unserem Ort ist die begrüßenswerte Einrichtung eines Kindergartens für die noch nicht schulpflichtigen Kinder geschaffen worden. Man hat eine Kindergärtnerin aus Gießen gewonnen, die die Aufsicht über die Kleinen führt und dadurch nicht nur den Hausfrauen, sondern auch den beruflich tätigen Müttern manche Sorge abnimmt.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
lieber Mittel- und Südosteuropa hat sich ein Hochdruckgebiet entwickelt und bewirkt, daß die bei England ankommenden Tiefdruckwirbel jetzt in der Hauptsache nordostwärts wandern. Da gleichzeittg die Zufuhr feuchtwarmer subtropischer Luft und starke Erwärmung über dem Kontinent einsetzen, ist eine volle Beständigkeit der neuen Wetterlage noch nicht gewährleistet. Die eintretenden Störungen werden gewittriger Natur sein und keine nach- yaltigen Verschlechterungen im Gefolge haben.
Aussichten für Samstag: Aufheiternd, im ganzen freundlich und etwas schwül, Neigung zu Störungen, von Süden schwankende Winde.
Aussichten für Sonntag: Fortdauer der im wesentlichen freundlichen und warmen, aber nicht durchaus störungsfreien Witterung.
Lufttemperaturen am 6. Juni: mittags 18 Grad Celsius, abends 12,2 Grad; am 7. Juni: morgens 13,7 Grad. Maximum 18,9 Grad, Minimum 6,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Juni: abends 15,4 Grad; am 7. Juni: morgens 11,5 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 3,9 Stunden. — Niederschläge 0,8 mm.
Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thvriol für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein. Anzelgenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
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