Nr. 131 Zweites Blatt GießenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, I.Zuni (935
muß gelernt sein!
P. K.
©J.Jpor(
Ueberblickt man den zahlen- und gattungsmäßig so gegliederten Spielplan, so ist zunächst — im Gegensatz zu der Repertoire-Gestaltung in früheren Spielzeiten — ein erhebliches Anwachsen der überwiegend musikalischen Aufführungen zu verzeichnen, wogegen, wie wir glauben, für eine Bühne und ein Ensemble in einer Stadt wie Gießen immerhin Bedenken oorgebracht werden müssen, insbesondere dann, wenn das zahlenmäßige Verhältnis von Schauspiel und Operette entschieden zum Nachteil des Schauspiels ausfällt; und wenn vor allem das klassische Drama, das auch heute noch, zumal an einer Provinzbühne, das Rückgrat des Repertoires bilden sollte, so stiefmütterlich behandelt wird, wie es in der letzten Spielzeit der Fall war. Wir glauben auch, ganz abgesehen von den Kulturverpflichtungen eines Theaters wie des unseren, daß eine liebevolle und eingehende Pflege der Klassiker für den Zusammenhalt und die organische Durchbildung des Ensembles wie für die darstellerische und sprachliche Erziehung des einzelnen Schauspielers, zumal wenn es sich um jugendliche Kräfte handelt, von unschätzbarem Wert ist. Dafür scheinen uns zwei Neueinstudierungen in einer recht langen Spielzeit doch nicht ganz auszureichen.
Grundsätzlich muß gesagt werden, daß der Spiel- plan an den einzelnen Darsteller sehr erhebliche Anforderungen stellte. Die Dielgestaltigkeit des
Reich bestellt war der Spielplan mit Operetten alten und neuen Stils: „Der Zigeunerbaron" erschien als Eröffnungsvorstellung des Winterspielplans und war mit insgesamt zehn Aufführungen das meistgespielte Stück des letzten Theaterwinters. Ferner verzeichnen wir: „Polenblut", „Alt-Wien", „Das Land des Lächelns" (die einzige Operette, die nicht durchs Abonnement ging), „Die vier Schlaumeier" (als Silvestervorstellung), „Der goldene Pierrot" „Der Vetter aus Dingsda" und „Der Graf von Luxemburg".
Eine weitere Bereicherung des Spielplanes vom Musikalischen her war die Aufführung von vier Symphonie-Konzerten des Konzertvereins, zu denen sich das Stadttheater-Orchester mit der Reichswehrkapelle zusammengetan hatte, und die eine sorgfältig ausgewählte und zusammengestellte Folge von klassischer Musik zum Vortrag brachten. — Als Weihnachtsmärchen erschien in der letzten Spielzeit „Peterchens Mondfahrt" von Baffewitz, mit insgesamt neun Aufführungen eines der erfolgreichsten Stücke des Winters. — Als Sonderveranstaltung wäre endlich noch das Gastspiel der „Vier Nachrichter" zu erwähnen, die mit ihrem Kriminalstück „Die Nervensäge" zu Gast waren und außerordentlichen Anklang fanden.
sind sehr beliebt die Hafenrundfahrt (man sieht von jedem etwas), die Wochenbettsuppe (schwach und leicht verdaulich) und die Kaiser-Fried- rich-Suppe (sie stimmt traurig).
Ganz besondere Leckerbissen sind die als F l e i s ch mit Handgriff bezeichneten Koteletts und die Klopse, die als Straußeneier rühmlichst bekannt sind. Auch hübsch gepräpelte Positionslaternen, schön gebratene Spiegeleier, gehören hierher, während der Blaue Heinrich, der Reis und der Gehackte Hund, das sog. Deutsche Beefsteak als alltäglich sich keiner besonderen Wertschätzung erfreuen. Wenn das Fleisch in der Suppe nicht allzu stark in Erscheinung tritt, dann ist es mit der Pistole hindurchgeschossen. Ist das Büchsenfleisch etwas weich, heißt es Aaspick, während die harte Leberwurst Zementwurst benannt wird. Eier und Erdnüsse sind Namen für Kartoffeln, Mohrrüben heißen Polizeifinger. Das alles wird vom Smutje, Schmirgel oder Kombüsenhengst gekocht und vom Saucenschwenker, dem Backsgast, zur Beurteilung herangebracht.
Nun soll, nach schwer nachzuprüfenden sagenhaften Angaben ältester Ortseinwohner der Seemann neben dem Essen auch trinken! Er trinkt niemals, sondern er gurgelt. Und zwar Bier als Lupinenwasser, den klaren Schnaps als rein Wort Gottes. Ein doppelter Schnaps hat verschiedene Bezeichnungen: Stamper, Fuhrmann oder Arbeitsloser. Die Schnapsflasche heißt eine Flasche Mut oder Laterne für Jnnenbeleuch- tung. Das alles fließt durch das Hauptlenzrohr, den Hals, in den Spitzkühler, den Bauch, und zwar immer dann, wenn der Seemann Durst, oder, wie es heißt, einen trockenen Fleck im Halse hat. Selterswasser = Ziegenmilch, lehnt er ab. Gehen die Wogen der Begeisterung bei Windstärke 10 aber hoch, dann wird nicht gegurgelt, sondern dann wird einer unter d en Troyer gejubelt. Wobei man wissen muß, daß der Troyer das flanellene Unterhemd des Meermanns ist.
Seefahrt ist nicht leicht. Seemännisch zu sprechen,
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Pfingstfamstag:
1900 (Liga) —Post-Merkur Frankfurt a. M. (Liga). Seit dem 5. Mai treten die Blauweißen erstmals wieder mit einem Fußballspiel der Ligamannschaft vor das Gießener Publikum. Für Pfingstsamstag abend wurde ein recht spielstarker und namhafter Verein, die Frankfurter Bezirksliba „Merkur-Postsportverein", zu einem Gesellschaftsspiel nach hier verpflichtet.
Die Gäste endeten nach einer langen und schweren Verbandsspielrunde knapp hinter dem Grup- penmeifter „Rot-Weiß" Frankfurt a. M. auf dem zweiten-Tabellenplatz, was bei der hervorragenden Konkurrenz ganz beachtliches Können voraussetzt. Heber „Rot-Weih" selbst siegte „Post-Merkur" mit 1:0 und gestaltete auch das Rückspiel mit einem 3:3 unentschieden. Auch die letzthin so Vorzügliches leistenden Frankfurter „Sportfreunde" zogen zweimal den Kürzeren. Neben weiteren hervorragenden Ergebnissen fällt noch besonders der beachtliche klare 3:1-Sieg gegen den „Sportverein Wiesbaden" und ein 1:1 gegen Neu-Isenburg in die Augen. Aus der Elf der Frankfurter ragt die gute Abwehr mit dem glänzenden Torhüter Dollmera hervor. Die Stärke der Gäste liegt aber in der soliden Läuferreihe, in der Mittelläufer Gerharz und der bekannte Linnighäuser (früher Fußballsportverein Frankfurt a. M.) überragen. Der Sturm ist sehr schnell, schuß- und treffsicher. Die Mannschaft spielt in ihrer Gesamtheit das bekannt schöne flache Kombinattonsspiel. Sie weiß es, ver-
Affenselt, Horbfeerenner und Kanonenschwoos
Aus dem Sprachschatz unserer Blauen Zungen.
mächtigen Kohldampf (was nicht übersetzt zu werden braucht).
Wenn es Fleisch gibt, sorgt der Backsälteste für gerechte Verteilung. Die Speisekarte, in bunter Reihe, soll für ihre Reichhaltigkeit selbst Zeugnis ablegen: Das beliebte B ü ch s e n f l e i s ch hat verschiedene Namen: Blechochse, Trapperschinken, Jn- dianerfleisch oder Buffalo Bill. Fische heißen im allgemeinen: Außenbordskollege. Auch der bescheidene Rollmops wird so genannt, während der Hering den Ehrennamen Nordseerenner führt. Bei den Mehlspeisen unterscheidet man Graupen, die Froschlaich oder auch Kälberzähne heißen, Nudeln = Kabelgarn und Fadennudeln = Weiberhaare.
Der Kaffee, dem man immer mit einem gewissen Mißtrauen entgegensieht, hat viele Ehrennamen: Zadeschlamm, Bohnenbrühe, Mokka, Jauche oder Mukkifuck. Er wird stets aus der Pauline geschenkt, wie die Kaffeekanne in allen sieben Meeren heißt. Butter, Schmalz und Margarine, mit dem Sammelnamen Fettigkeiten, heißen Affenfett, But- tarine, Oldenburger Pracht, Stauferfett, Elefantentalg oder auch Wagenschmiere. Beim Gemüse kommen die L ä m m e r s ch w ä n z e, der Spargel, naturgemäß selten auf die Back, während Grünkohl als Oldenburger Palmen und Steckrüben als Oldenburger Südfrüchte häufiger erscheinen.
Das Brot heißt allgemein Marinekuchen. Noch gebräuchlicher, allerdings nur für Kommisbrot, ist der Ausdruck Karo. Und das dem Skat entlehnte Wort: Karo einfach aus derHand bedeutet ein Stück trockenes Kommisbrot. Hierzu ersehnt sich der Meermann Heidenfett ober T a - petenkleister, wie die Marmelade bildhaft genannt wird, oder auch nur einen Harzer Roller, was nicht gedeutet zu werden braucht. Als Suppen
Repertoires fördert zwar die Wandelbarkeit, An- pafsungs- und Umstellüngsfähigkeit des Einzelnen in durchaus erwünschter Weise, und eine Auflockerung des traditionellen und auch heute noch vielfach recht starr gehandhabten Rollenfachsystems ist sehr zu begrüßen, da es leicht zu einem verflachenden und einfeiligen Spezialistentum führt. Immerhin sollte eine weitblickende und überlegene Theaterführung auch darauf bedacht sein, daß nicht durch eine Uebersteigerung der Vielseitigkeit eine Zersplitterung der vorhandenen Kräfte eintritt.
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Intendant König hat die Leitung des Stadttheaters kurz vor dem Ende der Spielzeit 1934/35 abgegeben; über feinen Nachfolger, Schultze- Griesheim, haben wir in den letzten Tagen bereits ausführlich berichtet und auch in den Grundzügen das von ihm aufgefteUte Programm für die kommende Gestaltung unseres Theaterlebens mtt- teilen können; es ist bei dieser Gelegenheit bereits einiges vorweggenommen worden, was wir an Anregungen für diesen Rückblick und Ausblick vorgesehen hatten. Es wurde eine grundsätzliche Umgestaltung und ein Neuaufbau des Spielplanes in Aussicht gestellt, in dem, wie wir bereits des öfteren zu empfehlen Gelegenheit hatten, der Nachdruck wieder — wie in den besten Zeiten unseres Theaters — auf das Schauspiel gelegt werden und vor allem auch die klassische Dramatik eine besonders liebevolle Behandlung erfahren soll.
Von Shakespeare war schon in) Bericht über unsere Unterredung mit dem neuen Intendanten verheißungsvoll die Rede. Vielleicht dürfen wir an dieser Stelle auch einmal daran erinnern, wie lange wir von Goethe und Kleist (mit Ausnahme der „Hermannsschlacht") hier nichts mehr gehabt haben; ganz zu schweigen von Hebbel, der zwar zu den Nachklassikern gehört, aber seit undenklichen Zeiten nicht mehr bei uns gespielt worden ist.
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Was die künftige Ensemble-Gestaltung angeht, so kann, wie schon kürzlich bemerkt wurde, noch nichts Endgültiges darüber gesagt werden; es wird zu gegebener Zeit vor Beginn der neuen Saison davon berichtet werden. Grundsätzlich darf man sagen, daß es sich darum handeln wird, ein Ensemble zusammenzuschweißen, das eine organische Einheit bildet, das in einem innerlich begründeten und abgewogenen Verhältnis zum Spielplan steht — und umgekehrt: Spielplan und Spielkörper müssen sinnvoll aufeinander abgeftimmt fein. Der Jdeal- zustand würde u. E. in einer möglichst gleichmäßigen Heranziehung und Ausschöpfung aller vorhandenen Kräfte bestehen; wir können nicht sagen, daß dies in der abgelaufenen Spielzeit immer der
Rückblick und Ausblick.
Das Gietzener Stadttheater in der Spielzeit 1934/35.
Am 31. Mai hat das Stadttheater feine Spielzeit 1934/35 beendet. Wenn wir die Darbietungen in der abgelaufenen Winterspielzeit rückblickend überschauen, so ergibt sich — an Hand einer vom Dramaturgischen Büro uns zur Verfügung gestellten Repertoire-Uebersicht — folgendes Bild. An Klassikern brachte der Spielplan diesmal nur drei: Shakespeares „Was Ihr wollt" (eine Aufführung, die zuerst als Freilicht-Vorstellung im Stadthaus-Garten an der Bergstraße herausgebracht und aus dem Sommerspielplan übernommen wurde), ferner zu Schillers 175. Geburtstage im November „Die Braut von Messina" (an Stelle des ursprünglich geplanten „Wallenstein") und Grillparzers „Traum ein Leben". Für das ältere und das moderne Schauspiel finden wir neun Stücke verzeichnet: „Die Heimkehr des Matthias Bruck" von Graff (zum Heldengedenktag), „Am Himmel Europas" von Schwenzen-Malina (wiederholt als Tournee-Vorstellung für Oberheffen: Lauterbach, Schlitz, Büdingen, Nidda), „Opferstunde" von Unger, „Langemarck" von Kahn und Monato (zugleich als SA.-Gefallenen-Gedächtnisfeier und zum Gedenken an den 20. Jahrestag von Langemarck), „Das Spiel von den heiligen drei Königen von Timmermans, „Der König" von Boetticher, „Ein Volksfeind" von Ibsen, „Armselige Besenbmder" von Carl Hauptmann und „Vertrag um Karakat" von Buch. „
An ßuftfpielen und Schwanken sahen wir in der abgelaufenen Spielzeit „Krach um Jolanthe" von Hinrichs, „Die Pfingslorgel" von Lippl, „Parole: Heiraten!" von Lindt, „Christa, ich erwarte dich" von Möller und Lorenz, „Tue Hofen des Herrn von Bredow" von Beyer, „9n= scher Wind aus Kanada" von Müller-Nürnberg, an einem Einakter-Abend zusammen „Die Neuvermählten" von Björnson und „Gelähmte Schwingen von Thoma, „Der Nobelpreis" von Bergmann, ,^So ein Mädel" von Sturm und Färber und „Der Hochtourist" von Kraatz und Neal.
Eine verhältnismäßig neue Errungenschaft ist die Einrichtung von O p e r n aufführungen, die im wesentlichen mit eigenem Ensemble bestritten wurden und durch den Spielplan gingen; wir hatten aus dem klassischen Repertoire „La Traviata" von Verdi, den „Freischütz" von Weber, „Madame Butterfly" von Puccini; dazu als Erstaufführung unter der musikalischen Leitung des Komponisten „Salambo" nach Flaubert von Lukas Böttcher.
Die Seemannssprache klingt zwar nicht wie Harfenton oder Nachttgallengesang, ist wohl auch für Damenkränzchen nicht ganz geeignet, aber sie ist ehrlich, derb, frei von Heuchelei und vor allem von ehrwürdigem Alter. Sie ist fest in Boden und Scholle verankert, wobei es sich in diesem Fall selbstverständlich um einen Schiffsboden und einen Plattfisch handelt.
Wollte man die seit Geschlechtern bei der Christlichen Seefahrt gebäuchlichen Ausdrücke und Kennworte aufzählen, müßte man ein mehrbändiges Werk schreiben. Das Schiff allein als technisches Wunderwerk bietet unübersehbaren Stoff. Der Dienst in allen Zweigen, Essen, Schlafen, Landurlaub, Vorgesetzte, Kameraden, Wellen und Wind, — es gibt nichts, für das der Seemann nicht feine eigene Sprache hätte. Er findet für alles einen umschreibenden Ausdruck, herausgeboren aus behäbigem Humor und scharfer Beobachtung. Er würde die Mütze niemals Mütze und die Kommandobrücke niemals Kommandobrücke nennen. Sie heißen Speckdeckel und Seufzerbrücke.
Selbstredend ist die Landratte schimmerlos. Oder wie sollte man so etwas vielleicht deuten:
„Der Kaleu hat befohlen, daß nach dem Kanonen- schwoof Moses als Jollenkulscher den Chef der Wasserleitung von Land abholen soll. Antreten in Kellnerhemd und Backspier in der Kaule. Oberverdachtsschöpfer und Sündenabwehrkanone benachrichtigen. Blechhaufen zum Lärmmachen antreten."
Das ist vollkommen reines Marinedeutsch und wird auch von jedem Fahrensmann Wort für Wort verstanden. In das Landdeutsch übertragen heißt das:
„Der Kapilänleutnant hat befohlen, daß nach dem Geschützexerzieren der an Bord jüngste Leutnant als Vootssteuerer der Motorjolle den Chef der Marineleitung von Land abholen soll. Antreten in Pa- radejacke mit Ordensschnalle im Raum mittschiffs. Kriegsgerichtsrat und Pfarrer benachrichtigen. Musikkapelle zum Spiel antreten."
Diese kleine Kostprobe aus dem reichen Sprachschatz der Blauen Jungen läßt erkennen, daß es unmöglich ist, das ganze Wissensgebiet vor den erstaunten Blicken aufzurollen. Es fei deshalb heute nur jene Tätigkeit erörtert, die wohl als die wichtigste in und außer Dienst anzusehen ist, und an die der Seemannn vom „Reise, reise!" (Aufslehen!) bis zum Hinhauen in den „K n o ch e n k o f f e r" (Händematte) denkt: „Backen und Banken!"
Um es kurz zu machen: Das Kommando: „Backen und Banken" bedeutet, daß die an der Decke aufgehängten Tische und Bänke zum Essen herunler- gelassen werden sollen. Ein Tisch mit zwei seitlichen Langbänken bildet eine Back. 8 bis 12 Mann, immer die gleichen, gehören zu ihr. Es ist 11 Uhr. Wieder einmal ertönt die Pfeife des Boolsmanns- manfen. Jetzt klingt es melodisch und süß. Ganz anders als fünf Stunden vorher, wo der niederträchtige Pfiff die Meeresmänner aus süßen Träumen riß. Jetzt wird „Klar Schiff" gemacht, Flossen und Kokosnuß (Hände und Kopf) werden gewaschen, und nach einer halben Stunde ist dann alles so weit, daß sie sich sehnsuchtsvoll einfinden am Ort der Labung, und daß es dröhnt: „Back 8, klar zum Backsmanöver!"
Wie geölte Blitze lösen sie Tische und Bänke aus den eisernen Haken unter der Decke. Schon stehen die Tische. Jede Back hat einen Backschafter, der mit der Barkasse (große Schüssel zum Essenholen) zur Kombüse (Küche) eilen muß. Aber dalli, dalli! Denn alle Wasserratten in Schlicklown (Wilhelmshaven), Kiel und Cuxendorf (Cuxhaven), aus den Bügeleisen (Panzern), Hurradampfern (Kreuzern), Nordseeschrecken (Torpedoboote), — und erst recht die auf Himmelfahrtskommando (U-Boote und Minensuchschiffe) —, schieben immer
bunden mit der großen Schnelligkeit, stets erfolgreich anzuwenden.
Der Platzverein wird gegen diesen Gegner einen sehr schweren Stand haben, wächst aber bekanntlich gegen einen guten Gegner immer in seinen eigenen Leistungen über den Durchschnitt hinaus, so daß diese Begegnung sehr interessant zu werden verspricht. Der Spielbeginn ist bei gutem Wetter so spät (gegen 19 Uhr) gelegt, daß noch jedem Sportinteressenten der Besuch ermöglicht ist. Bei der Spielvereinigung 1900 wird wohl erstmals Zeile r s jüngerer Bruder, dem man sehr gutes Können voraussagt, in der Verteidigung milwirken, während Lippert — der übrigens an den drei nächsten Sonntagen wiederum in der Gaumann- schafl Nordhessens repräsentativ mitwirkt — voraussichtlich den Angriff führen wird. Die Gießener Elf weist auch sonst noch einige Umbesetzungen auf, wodurch die Sicherheit und Durchschlagskraft erhöht werden wird.
Ein spannender Kampf mit vollständig offenem Ausgang wird sich abrollen. An den Pftngstfeier- tagen wird in Gießen vollständige Fußballruhe herrschen.
AustvahlspielefürdreGaumannschasten des
Vom Gausportwart des Gaues 12 Nordheffen ist angeregt worden, aus den Reihen der Jugendlichen den Spielernachwuchs heranzubilden. Zu diesem Zwecke sollen Jungligamannschaften gebildet werden, die vorerst innerhalb des Sportkreises Gießen, später gegen Bezirksmannschaflen und zuletzt als
Gauauswahlmannschaften vor die Oeffentlichkeit treten sollen.
Am morgigen Samslagnachmillag (18 Uhr) beginnen diese Auswahlspiele auf dem Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn in Gießen, und zwar spielen die Mannschaften der Spielvereinigung 1900 Gießen und VfB. Reichsbahn Gießen gegen gemischte Mannschaft von Heuchelheim, Leihgestern, Lich und Nieder-Ohmen. Es kommt jeder Spieler zum Spiel, um zu bewerten, wer in der demnächst auszustellenden Kreisjungligamannschaft die gegen Wetzlar spielen soll, Aufstellung findet.
Um sämtliche Jugendmannschaften des Sportkreises Gießen, Gruppe Gießen, zu erfassen, werden diese Spiele vorerst an jedem Samstagabend wiederholt.
Die großen Pfingst-Rennen in Frankfurt
Das Programm für die Pfingsttage auf der Frankfurter Rennbahn legt das Schwergewicht auf die Rennen der Offiziere und Amateure, die durch die Teilnahme von Schweizer Offizierflällen noch eine besondere Note erhalten.
Am ersten Feiertag werden in der Hauptsache die Offiziere und Amateure in den Sattel steigen, während der Pfingst-Dienstag, der althergebrachte Frankfurter Wälchestag, eine besondere Sensation mit dem Damen-Rennen, einem ganz neuen Sportzweige unserer sportbegeisterten Reiterinnen, bieten wird.
Für die gute und beste Klasse unserer Flachpferde sind an beiden Tagen gut dotierte Flachrennen, wie das Heinrich-v.-Opel-Rennen und der Frankfurter Goldpokal, auf der Karle, außerdem werden sich die, Reiter der SA. und SS., deren Können im <5attel fid) auf ständig aufwärtssleigender Linie bewegt, zum ersten Mal dem Publikum in einem Hindernis-Rennen zeigen.
Während der Rennen wird die neugegründete Reichs-Modezenlrale, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, dem deutsche Modeschaffen die ihm gebührende Geltung zu erwirken, erstmalig mit Vorführungen ihrer Modelle der breiten Seffent- lichkeit vorslellen.
Mit annähernd 300 Nennungen für beide Tage ist die Besetzung sehr gut ausgefallen, der Andrang ist sogar so stark, wie man ihn in Niederrad selten erlebt hat.
Deutschland gewinnt den „Preis derAaiionen"
Der Höhepunkt des Aachener Turniers.
Beim Aachener Reitturnier hatten sich am gestrigen Donnerstag 15 000 Zuschauer eingefunden. Im Mittelpunkt des Programms stand der „Preis der Nationen", bei dem sich die deutschen Reiter wieder einmal erfolgreich durchsetzen und den zahlreichen derartigen Erfolgen der letzten Jahre einen neuen anreihen konnten. Am Start waren die Mannschaften von Deutschland, Rumänien, Holland, der Türkei und von Ungarn. Für jedes Land starteten vier Pferde, van denen die drei besten gewertet wurden. Der Kurs ging über 12 Hindernisse mit 18 Sprüngen bis zu 1,80 Meter Breite und 1,60 Meter Höhe. Die aus Frhr. von Nagel, Hauptmann Großkreutz und Rittmeister Hasse, sowie Hauptmann S ch u n cf bestehende deutsche Mannschaft konnte mit 14 Fehlerpunkten vor Rumänien (20 Fehler), Holland (21 Fehler), Türkei (32 Fehler) und Ungarn (36 Fehler) den er st en Platz erringen.
Im Kampf um den Sieg im Einzelpreis mußten Hauptmann Großkreutz (Deutschland) und Rittmeister Schaurek (Ungarn) siechen, hier fiel der Sieg knapp an den Ungarn, der drei Fehler machte, während dem deutschen Offizier vier Fehler unterliefen.
Das Ergebnis zeigt D e u t f ch l a.n d mit Frhr. von Nagel auf Wotan (10 Fehler), Hplm. Großkreutz auf Harras - (0 Fehler) und Rittmeister Haffe auf Nemo (4 Fehler), zusammen 14 Fehler (vierter Vertreter war Hptm. Schunck auf Nelke
Fall gewesen wäre; eine Reihe von Darstellern hätte unseres Erachtens nicht nur viel häufiger, sondern vor allem auch zweckmäßiger (das heißt: ihrer darstellerischen Eigenart und Reichweite entsprechend) beschäftigt und herausgestellt werden müssen. Wir — und mit uns sicher auch viele alle Freunde des Theaters — würden es jedenfalls begrüßen, wenn in den kommenden Spielzeiten die vorhandenen Kräfte fo eingesetzt, ausgeschöpft und entwickelt werden könnten, wie dies in den künstlerisch ergiebigsten Zeilen des Stadttheaters ohne Zweifel der Fall gewesen ist. — Mehr als so allgemeine Anmerkungen können wir, ohne den Plänen und der Arbeit des neuen Theaterleiters unbillig vorzugreifen, an dieser Stelle im Hinblick auf die bevorstehende Spielzeit nicht geben.
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Ein zusammenfassender Bericht nach Abschluß des Thealerwinters würde unvollständig sein, wenn der Arbeit der Gießener NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne, nicht gedacht würde. Die Deutsche Bühne hat in der verhältnismäßig kurzen Zeit seit ihrer Gründung eine überaus rege und erfolgreiche Arbeit entfaltet: sie hat zu einem erheblichen Teil dazu beigetragen, dem Theater und der Kunst der Bühne ganz allgemein jene Volkstümlichkeit zu erwirken, die wir heule mehr denn je nötig haben. Sie hat eine große und großenteils ganz neue Besucherschicht geschaffen und eine beträchtliche Anzahl von Volksgenossen für das Theater erst gewonnen. Aufgabe des Theaters wird es fein, diese neu gewonnene Verbindung nach Kräften zu verbreitern und zu verliefen; denn jede, auch die beste und liebevollste Pflege der Bühnenarbeit, muß auf die Dauer fruchtlos bleiben, wenn ihr die starke, lebendige und befeuernde Resonanz im Zuschauerraum, Verwurzelung und Widerhall im Volke versagt bleiben.
Im Einzelnen wurden in den Vorstellungen der Deutschen Bühne während der Spielzeit 1934/35 folgende Stücke gegeben: „Die Braut von Messina"; „Was Ihr wollt"; „Der Traum ein Leben"; „Das Spiel von den heiligen drei Königen"; „Opfer- stunde"; „Der König"; „Armselige Besenbinder"; „Vertrag um Karakal"; „Der Nobelpreis"; „Krach um Jolanthe"; „Die Hosen des Herrn von Bredow"; „Christa, ich erwarte dich"; „So ein Mädel"; „Salambo"; „Polenblut"; „Der Vetter aus Dingsda". — Es ist zu erwarten, daß die künstlerisch« und organisatorische Arbeit des Theaters unter der neuen Leitung auch in der kommenden Spielzeit in den Bestrebungen und Leistungen der Deutschen Bühne eine wertvolle und weitreichende Unterstützung und Förderung erfährt. hth.


