Donnerstag, 7. März 1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 5b Drittes Blatt
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N2S
Nachdruck verboten!
24. Fortsetzung
NIVEA CREME
Heini Oittmar erhält den Hindenburg-Preis
daß die hochwertigen, erbgesunden Familien wieder kinderreich werden, und daß diese kinderreichen Familien des staatlichen Schutzes teilhaftig werden.
Als besonders wichtige Maßnahmen zur Förderung der Familien- und Rassenpflege hat sich die Gesetzgebung über die Förderung der Eheschließungen durch Gewährung von Ehestandsdarlehen bewährt. Zahlreiche Familien sind neu gegründet und haben sich einen Hausstand einrichten können. Im ersten Jahr seit dem Inkrafttreten dieser Gesetzgebung sind im Deutschen Reich rund 102 000 Ehen mehr geschlossen worden, als sonst zu erwarten gewesen wäre. Die Zahl der Eheschließungen ist im 3. Vierteljahr 1934 um 13,3 d. H. gegenüber dem 3. Vierteljahr 19M gestiegen, obwohl damals schon 31,7 v. H. Ehen mehr geschlossen wurden als im 3. Vierteljahr 1932, zur Zeit des durch die Wirtschaftskrise bedingten Tiefstandes der Heiratshäufigkeit. Dadurch hat sich der durch die Wirtschaftskrise bedingt gewesene Ausfall an Haushaltsneugründungen bereits erheblich vermindert und wird bei Fortdauer der gegenwärtigen Heiratshäufigkeit nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes bis Anfang oder Mitte 1936 aufgeholt sein.
Josef, der neben dem Chauffeur mitgekommen und seinen Herrn am Bahnsteig erwartete, standen Tränen in den Augen.
„Na, Josef", sagte Horst, „nur Ruhe — es ist ja alles gut!" Dann sah er sich suchend um. „Ist Fräulein Helma nicht mitgekommen?" fragte er.
„Das gnädige Fräulein erwartet den Herrn Davon zu Hause!"
Horst war enttäuscht. Jetzt, wo er wußte, datz Helma nicht schuldig war, sehnte er sich so sehr, so sehr nach ihrem Anblick. Schweigend legte er an der Seite des Kriminalkommissars die Fahrt zurück. Entzückt schweifte sein Auge über die altvertraute Landschaft, die unter einem reinen, kühlen Spätherbsthimmel dalag.
Jetzt kam der Wald von Gernrode, nun die Chaussee, nun das Dorf. Die Glocken läuteten von der kleinen Kirche, die Dörfler standen hüteschwenkend mit freudigen Zurufen da, als Horst durch das Dorf fuhr — er konnte nur immer grüßen und winken.
Rührend diese Freundlichkeit der Menschen, die mich seit Jahren nicht gesehen!" bemerkte er zu seinem Begleiter.
„Nehmen Sie es als ein gutes Omen, daß nun alles Dunkle vorüber ist, Herr von Gernsheim!"
Das Auto fuhr in den Schloßhof ein. Die ganze Dienerschaft hatte sich zum Empfang unter dem Schloßportal aufqebaut, das mit einer dicken Girlande von Herbstlaub und Astern geschmückt war. Durch das alte Portal ging Horst hinein in das Haus seiner Väter.
Kriminalkommissar Borgmüller war zuruckge- geblieben. Nun stand Horst allein in der hohen Halle, die durch die Kerzen des altgeschnitzten Leuchterweibchens von der Decke her strahlend erhellt wurde. .
Und in dem hellen sanften Lichterglanz standen zwei Mädchen, Hand in Hand: sie glichen einander wie Schwestern, nur -die Züge der einen waren weicher, kindlicher. Mit scheuer Bangigkeit waren zwei goldbraune Rehaugen auf Horst von Gernsheim gerichtet.
„Was ist denn?" fragte er leise. „Traume ich? Welches ist denn nun Helma?"
Da trat Helma von Bodenberg hervor: „Ich bin Helma!", sagte sie mit ihrer tiefen, schwingenden Stimme. „Willkommen, Horst, lieber Bruder! Aber bie5" — sie schob die tief errötende Myra vor —, „dies ist die andere Helma, die dich in Hamburg erwartete, und die nichts für all das Leid kann, das dir zugefügt wurde!"
Horst sah Myrq an, bann Helma, dann wieder Myrct. Ja, sie mar1 es. Es war ihr jcheues, rührend-
Ausscheidungswettkämpfe finden in Lake Placid, Salt Lake City und Ruinier National Park statt.
Auch in Japan sind die Wintersportverbände schon dabei, ihre Vertreter für 1936 auszuwählen. Die eissportlichen Prüfungswettkämpfe haben bereits Ende Januar in Nikko und Tokio stattgefunden: für den Schnellauf sollen vier Mann, für Kunstlaufen drei Mann und für Eishockey eine Mannschaft entsandt werden, mit zusammen drei Führern. Auch für die Hauptspiele, die in Berlin stattfinden, schreiten die Vorbereitungen in Japan rüstig fort. Die Zahl der Aktiven, die nach den letzten Nachrichten von Japan gesandt werden soll, wird voraussichtlich die Hundert überschreiten.
Der Japanische Verband für Leichtathletik („Nippon Rikujokyogi Remmel") hat bereits die Kandidaten bezeichnet, aus deren Zahl nach einem bestimmten Ausscheidungsplan bis zum April 1936 40 Mann ausgewählt werden sollen, und diese sollen von 10 Offiziellen begleitet werden. Die Zustimmung des Japanischen Olympischen Komitees wird habet noch vorbehalten.
Polen schickt 50 bis 75 Athleten 1936.
Der Präsident des Polnischen Olympischen Komitees, Oberst G l a b i s ch , teilte mit, daß die polnische Hauptexpedition zu den Olympischen Spielen 1936 für Berlin etwa 50 bis 75 Teilnehmer umfasse. Selbstverständlich wird Polen mit einer starken Mannschaft vorher schon bei den Winterspielen vertreten sein.
15000 5teid>ümart für die Winterhilfe
Der vom Reichsverband deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer im NSLB. im Einvernehmen mit dem Reichssportführer veranstaltete Winterhilfstag hat bisher einen Reinertrag von etwa 15 000 Mark gebracht. Diese Sammlung ist um so höher zu bewerten, als die im freien Beruf stehenden Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer zum großen Teil selbst hart um ihr Dasein kämpfen müssen. — Auch in Gießen wurde vor einiger Zeit durch die Ortsgruppe des Reichsverbandes deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer ein Werbeabend zugunsten der Winterhilfe abgehalten. ______________________________________
Helma lächelt.
Kriminalroman von Klothilde von Stegmann.
Urheberrschtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
gtun — für mich brauchst du als Detektiv hoffentlich nicht mehr tätig zu sein!" lachte Helma.
Und auch für Horst werden die Schrecken nun wohl endgültig vorüber sein!"
Weißt du, Helma", gestand Hopman, „daß ich auf dem besten Wege war, deinen Adoptwbruder Horst vor Eifersucht zu hassen? m .
Du Dummer! Horst ist mir immer em Bruder gewesen — und er kann mir nie etwas anderes I^Äber wenn er nun als ein verführerischer Mann zurückkommt, Helma? Was dann? Du kennst ih doch eigentlich gar nicht mehr!
„Aber ich kenne dich" gab Helma entschieden zur Antwort. „Und ich bin jetzt vielmehr dafür daß du mich zu der kleinen Myra begleitest --unb»Daß ich auch endlich ein Frühstück in meinen Mqgen bekomme! Kriminalistik ist schön, besonders wenn sie gut endet — und Verlobung ist auch schon — aber Frühstück auch!" . . m
„Ich hab' gar nicht gewußt, daß du so ein Materialist bist!" neckte Hopman.
„Detektivfrauen müssen auch materialistisch denken können!" gab Helma schlagfertig zurück^ Abe bann würbe sie ernst: „Nun bring' mich zu Myrai bat sie.
24. Kapitel.
Eine leise, angstvolle Stimme antwortete auf Hop- mans Klopfen. Da öffnete er die Tür einen fopait.
„Fräulein Myra, ich schicke Ihnen Fraulein Helma! Ich glaube, mit der werden Sie sich noa) schneller verständigen als mit mir!"
Helma stand einen Augenblick befangen in der Tür. Da sah sie ein blasses, angstvolles^ süßes Gesicht aus Öen Kissen sich aufrichten — es war wie ihr eigenes Gesicht, nur kindlich, unendlich hilflos und bange.
Da quoll ein heißes Mitleid in Helma auf. Mit raschen Schritten ging sie auf Myra van Horsten zu — und bettete den zuckenden, kleinen Mädchenkörper in ihre Arme. ♦
Hopman stand eine Weile lauschend hinter der. Tür', es drang nur gedämpftes Sprechen zu ihm, unterbrochen non einem leisen Weinen, das aber allmählich verstummte. 1
Als weiterer Erfolg hauptsächlich der ehefordern- ben Gesetzgebung ist eine Zunahme ber L e - benbgeburten im 3. Vierteljahr 1934 von runb 26,1 v. H. gegenüber bem 3. Vierteljahr 1933 zu verzeichnen. Jedoch kann erst bann von einer bevölkerungspolitischen bebeutsamen Vermehrung bes Nachwuchses gesprochen werben, wenn ber jetzigen Anhäufung von Erstgeburten — in erster Linie als Folge ber eheförbernben Maßnahmen ber nationalsozialistischen Regierung — eine entsprechend Zunahme ber zweiten, britten unb spateren Kinber folgt.
Die Sorge für bie Erhaltung unb Förberung ber erbgefunben unb kinderreichen Familie wird daher auch in Zukunft an erster Stelle stehen. Durch die Ausstellung „Das Wunder des Lebens wird uns die Bedeutung vergegenwärtigt, die der einzelne Mensch und die Familie ebenso wie die einzelnen Organe unseres Körpers — für die Volksgemeinschaft hat. Er ist einerseits Glied in der Kette der Geschlechter, d. h. Verbindungsglied zwischen Vergangenheit und Zukunft. Auf der anderen Seite sind es die einzelnen Menschen, ihr Wirken und Leben, ihre Zusammenfassung in Berufsständen, auf denen sich der Organismus des Ganzen, die Volksgemeinschaft aufbaut. Durch die gewaltige Ausstellung wird uns lebendig, wie tief jeder einzelne von uns mit der Volksgemeinschaft verwurzelt ist, und gleichzeitig empfinden wir auch die große Verantwortung, die jeder Volksgenosse für das Wohl der Nation trägt. D- p-
Jedes Kind weiß, daß der Mensch die Krone der : Schöpfung ist. Doch kennen die meisten von ihrem Körper, seinem Aufbau und feinen Funktionen herzlich wenig. Wir wissen auch gar nicht, vaß zwischen den Naturgesetzen, die unseren Körper beherrschen, und der Ordnung unseres Gemeinschaftslebens in Volk und Staat-ein enger Zusammenhang besteht. Uns diese Erkenntnis zu vermitteln, wird die Aufgabe der Schau „D a s Wunder des Lebens" fein. Die Ausstellung wird am 23. März in Berlin eröffnet und wird wegen der großen Bedeutung ihrer Ziele und der besonderen Art ihrer Durchführung ein Ereignis fein, an dem fein Volksgenosse vorubergehen darf.
Die Schau nimmt in der Reihe der Ausstellungen einen eigenen Platz ein. Sie ist keine Ausstellung von Erzeugnissen einzelner Firmen, die der Steigerung des Absatzes der betreffenden Artikel dient, sondern sie wird uns allen eine lebendige Vor- ft e 11 u n g von den großen und ewigen Gesetzen des Lebens geben, die erst unser leibliches Dasein ermöglichen. Für die Aufgabe, die neuen Erkenntnisse verständlich zu machen, werden hier ganz neuartige Methoden verwandt. An Stelle früherer mufeumsartiger Darstellungsmethoden wird jetzt in einfacher unb zugleich fesselnder Darstellung erreicht, daß selbst die schwierigsten Vorgänge in unserem Organismus leicht verständlich werden. Plastische Schaubilder in bunter Vielgestaltigkeit werden durch statistische Darstellungen ergänzt. Die Mitarbeit der ersten Sachkenner und aller maßgebenden Behörden gibt die Garantie für den sachlichen Wert des Gezeigten und die Darstellung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft.
Die Ausstellung gliedert sich in vier große Gruppen. Die erste Abteilung „Die Lehre vom Leben" zeigt den Aufbau unseres Körpers, die Funktionen ber einzelnen Organe in gemeinver- stänblicher Weise. Wir erkennen, wie bas Wachsen unb Bestehen unseres Organismus nur möglich ist durch bas Jneinanbergreifen unenblich vieler einzelner Teile, unb bas planmäßige Walten ber Naturgesetze in unserem Körper lehrt uns Ehrfurcht vor bem Organismus. Die Gruppe „E rhaltung des Lebens" wirb uns wichtige Aufklärungen über Gefunbheitsfchutz geben, über bie Hygiene bes täglichen Lebens, bie Ernährung, Kleibung ufw. Die „Stätten bes Lebens zeigen uns bie Häuslichkeit vom Eigenheim bis zur vorbildlichen Großstabtwohnung unb führt uns auch bie Arbeit deutscher Siedlung vor Augen.
In der Gruppe „Träger des Lebens" hat die Familie als die Keimzelle des Volkslebens eine besondere Bedeutung. Die Erhaltung und Förderung der Familje als der Grundlage von Volk und Staat steht im Vordergrund nationalsozialistischer Politik. Die nationalsozialistische Regierung geht dabei von der Erkenntnis aus, daß die Zukunft der deutschen Volksgemeinschaft nur unter der Voraussetzung gesichert ist, daß es gelingt, der Gefahr der Vergreisung unseres Volkes wirksam zu begegnen. Seit der Machtergreifung hat deshalb ber Kampf um eine nicht nur zahlreiche, fonbern auch gefunbe Nachkommenschaft eingesetzt. Auf allen wichtigen Gebieten finb zur Erreichung dieses Zieles Maßnahmen in die Wege geleitet worden. Um in Zukunft Unglück und Not der Erbkrankhei- t e n von der Familie fernhalten zu können, und die Belastung der Volksgemeinschaft durch die Fürsorge für Verbrecher und Kranke zu mindern, ist die Gesetzgebung zur Verhütung erbkranken Nachwuchses geschaffen worden. Die Auswirkungen dieses Gesetzes für die gesamte Nation, wie für die einzelne Familie können sich erst allmählich, im Laufe der Generationen, in ihrer vollen BedeutuyZ zeigen. Außer den Maßnahmen gegen das Überwuchern von Erbkrankheiten ist eine Gesetzgebung in bie Wege geleitet worben, bie bem Ziel bient,
Oie ersten Olympia-Kämpfer für 1936 schon fest benannt.
In Amerika und Japan.
Es ist eine lange Reise von Amerika und Japan nach Deutschland, und da die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen schon vom 6. bis 16. Februar 1936 stattfinden, die Mannschaften auch schon eine gewisse Zeit vor Beginn der Wettkämpfe dort eintreffen müssen, bleibt für die Amerikaner und Japaner im Winter 1935/36 eigentlich kaum noch Zeit zu Ausscheidungswettkämpfen. So erklärt sich, was den Europäer zunächst mit Staunen erfüllt — denn die Olympischen Spiele sind ja scheinbar noch fo fern —, daß in Amerika und Japan schon jetzt Ausscheidungswettkämpfe abgehalten werden. Elf Bobfahrer von den USA. haben den Ruhm, daß sie als erste auf der ganzen Welt für die Spiele des Jahres 1936 (nach Prüfungsfahrten auf der Mount- Hoevenberg-Bahn zu Lake Placid) ausgewahlt und der Oeffentlichkeit benannt worden find. Unter ihnen befinden sich Billy Fiske, der schon als sechzehnjähriger Schüler 1928 bei den Winterspielen m St. Moritz olympische Lorbeeren für die USA. holte und auch 1932 bei den Winterspielen von Lake Placid mit feinem Viererbob wieder Erster wurde, und ferner zwei von den vier Brüdern Stevens, die als wagemutige Piloten nicht nur der Bobbahn, sondern auch der Luft bekannt finb, nämlich Curtis und H u b e r t, die auch 1932 in Lake Placid ihren Zweierbob zum Siege geführt haben. Wenn sowohl Billy Fiske wie Hubert Stevens auf ihrer heimischen Bahn 1932 Garmisch-Partenkirchens großen Bobsteuermann Hans Kilian zu schlagen vermochten, wird es reizvoll sein, 1936 den Rückkampf zu erleben, wenn Kilian die eigene Bahn fährt und feine früheren Bezwinger zu Gaste sind. Die beiden Bahnen, von demselben Ingenieur erbaut, sind einander ziemlich ähnlich. Kilian war jedoch in Lake Placid durch das schlechte Wetter insofern benachteiligt, als dieses das Training damals erheblich beeinträchtigte. Bis April 1935 wird auch der Ski-Ausschuß des Amerikanischen Olympischen Komitees eine achtzehnköpfige Ski-Mann- schast ausgestellt haben, bie 1936 in Garmisch-Partenkirchen die Vereinigten Staaten vertreten soll. Die
Da lächelte Hopman von sich hin und ging in die Küche, um von der gleich der übrigen Dienerschaft vollkommen verwirrten Mamsell ein Frühstück für Helma und Myra zu bestellen.
Wenn ich nicht nach dem Rechten sehe!, dachte er bei sich, gibt es heute hier auf Gernrode für feinen Menschen etwas Richtiges zu essen!
In ber Halle begegnete ihm ber Briefträger mit einer Depesche — sie war an Hopman gerichtet unb kündigte die Ankunft Horsts in Begleitung des Hamburger Kriminalkommissars an.
Da öffnete sich die Tür zum Eßsaal. Dundee, Martins und bie Kriminalbeamten erschienen, fröhlich, zufrieden. Die offene Tür gab ben Blick auf einen gut geheilten Frühstückstisch frei.
Da mir von ben rechtmäßigen Bewohnern bes Schlosses nichts gesehen ober gehört haben", meinte Martins, „so haben wir uns selbstänbig gemacht. Der Diener Friebrich ist noch ber einzige, ber seinen Verstand beisammen hat, ber hat die Mamsell unb Hie Küchenmäbchen so lange angefahren, bis sie wenigstens ein kleines, bescheibenes Mahl bereitet haben. Wenn bu noch was haben willst, Hopman — ich glaube, es ist noch etwas da!"
„Danke!", sagte Hopman. ,Lch will nur Frühstück für Helma unb mich!"
„Was hären meine Ohren?", fragte Martins.
„Helma! Meinst bu bannt die falsche Helma ober —Da schlug Hopman mit einem glücklichen Lächeln Martins auf die Schulter: „Nein, die richtige, die ganz richtige, nämlich bie; bie meine ^SamiT’liefe er die gänzlich verbüßte Gesellschaft stehen unb roanberte weiter in Richtung Küche.
„Ich fag's ja immer", bemerkte Martins tiefsinnig, „bie Kriminalistik enbet stets mit einem Unglück — biesmal mit einer Verlobung. Na, bann wollen mir mal sehen, ob bas Gewächshaus auf Gernrobe vielleicht ein paar Verlobungsgebüsche hat, mit benen wir zum Glückwunsch anrücken können!" Unb auch er lachte über bas ganze Gesicht.
Nur Dunbee war unzufrieden:
„Da sagt man immer, baß bie Germcms bie methodischsten Leute von der Welt sind: aber Detektiv und Bräutigam zugleich — shocking!"
Er spuckte energisch aus. Er hielt nicht viel von Frauen — und von Heiraten noch weniger.
♦
Horst von Gernsheim hatte mit bem Kriminalkommissar bie Reise Hamburg—Thüringen im fahr- , planmäßigen Flugzeug gemacht. So verkürzte sich die Reisezeit für ben noch in feiner Gesundheit Angegriffenen wesentlich. 2üif der Bahnstation erwartete sie das Auto von Gernrobe. Dem Diener
„Das Wunder des Lebens."
Eine Ausstellung, die jeden Volksgenossen angeht.
kindliches Lächeln, das ihn beim ersten Sehen so tief entzückt und sein Herz gefangen genommen. Helma, die kleine liebe Schwester, wohl war sie schön und blühend, wohl fühlte er tiefe, brüderliche Wärme für sie; aber fein Herz, er wußte es in diesem Augenblick fest wie ein Gelübde — seine Mannesliebe gehörte Myra. Leise nahm er Myras eiskalte, zitternde Hand, führte Myra zu Helma:
„Sei ihr Schwester, Helma", bat er, „wie ich dir Bruder!"
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Es war nun Abend. Myra schlief schon. Der alte Sanitätsrat, mit dem Horst eine lange und ernste Unterredung gehabt, hatte sorglichste Schonung Myras für notwendig gehalten.
Nun faßen Helma, Hopman und Horst noch zusammen. Man hatte endlich Ruhe. Die polizeilichen Besprechungen und Vernehmungen durch die Beamten ber Kreisstabt waren vorüber.
Dunbee war mit Martins abgereift. Nun blieben die drei noch zusammen.
Horst hatte Hopman mit herzlicher Freude als Schwager willkommen geheißen: er fühlte auf den ersten Blick: Helma, seine liebe kleine Schwester konnte keinen besseren, zuverlässigeren Lebensgefährten finden als diesen prächtigen Hopman. Endlich war es nun auch Zeit, daß Hopman Horst gegenüber ben ganzen Plan noch einmal ausbreiten konnte, alle Fragen beantworten.
„Ich fasse also alles noch einmal zusammen", sagte Hopman. „Dieser Spanier be Sanzo ist nicht durch einen Zufall mit Ihrem verstorbenen Vater zusammengekommen, Herr Baron! Es war ein sorgfältig vorbereitetes Zusammentreffen. Der Spanier wußte aus ben internationalen Veröffentlichungen, baß Ihr Herr Vater im Besitz bes kostbaren Weih- kelches mit ben eigentümlichen Inschriften war. Die Abdilbungen waren ja oft genug in ben internationalen Kunstzeitschriften zu >hen. Auf irgendwelche Weise, bie noch aufzuklären sein wirb, ist be Sanzo in ben Besitz bes Geheimnisses gekommen, bas ber Kelch birgt. Seine Buchstaben enthalten, wie Sie wissen, ben Hinweis auf einen verborgenen Klosterschatz. Dieser Schatz muß unter bem Treibhause vergraben sein, bas auf ben Rat von Charles angelegt mürbe. Denn dort stand einstmals, wie ich aus Chroniken weiß, ein altes Kloster. Um die Stelle zu finden, bedurfte man aber bes Kelches unb ber eingehenden Erläuterungen aus dem Buche, das aus der Bibliothek hier verschwunden ist, gerade in dem Augenblick, als ich mich in der Maske des Professors Schröder dafür interessierte.
1 ^Schluß folgt.)
Seit dem Jahre 1930 wird.alljährlich für die beste Leistung im S e g e l f 1 u g der vom verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg gestiftete Hindenburg-Preis vergeben. Für das Jahr 1934 wurde dieser Preis dem Darmstädter Segelflieger Heini Dittmar zuerkannt. Maßgebend für die Zuteilung waren Dittmars internationale Rekorde im Höhenflug mit 3850 Meter und im Streckenflug mit 375 Kilometer.
Die bisherigen Inhaber der wertvollen Auszeichnung waren: Robert Kronfeld (1930), Günther Groenhoff (1931), Wolf Hirth (1932), und Peter Riedel (1933).
Deutsche Kuustflugmeisterschast in Stuttgart.
Die für das Jahr 1935 zur Austragung nach Stuttgart vergebene Deutsche Kunstflug - Meisterschaft findet, wie nunmehr feststeht, am 18. und 19. Mai ihre Erledigung. Die Flieger - Landesgruppe 9 (Württemberg) wird die Prüfung auf dem Cannstotter Wasen abwickeln. Das Programm wird durch Darbietungen im Segelfliegen wirkungsvoll ergänzt werden.
Vor dem Boxkampf Schmeling-Hamas
Der deutsche Boxsport geht einem seiner größten Tage entgegen. Weltmeisterschaft-Ausscheidung Max S ch m e l i n g — Steve H a m a s in der Hamburger Hanseaten-Halle! Ein solcher Kampf wäre noch vor wenigen Jahren für Deutschland als unmöglich gehalten worden. Aber die Tatkraft und der Unternehmungsgeist des Hamburger Veranstalters Walter Rothenburg machten, gestärkt durch den Erfolg des Schmeling-Neusel-Kampfes und im Verein mit ben sportverständlichen Hamburger Behörden, auch einen zur Weltmeisterschaft zählenden Kampf zwischen einem Deutschen und einem Amerikaner möglich.
Max Schmelina erhält auf deutschem Boden noch einmal Gelegenheit, sich wieder zur allerersten


